Wanderführer Ötztaler Urweg - Heidi Rüppel - E-Book

Wanderführer Ötztaler Urweg E-Book

Heidi Rüppel

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Beschreibung

Digitaler Wanderführer Ötztaler Urweg mit Karten, zahlreichen Grafiken und Links zu Videos (Gesamtdauer: 20 Minuten). Der Ötztaler Urweg von Vent ins Südtiroler Schnalstal ist Teil einer alten Handelsroute, der "Kupferstraße". Auch Ötzi, der Mann aus dem Eis, war vor mehr als 5.000 Jahren auf dieser Route unterwegs. Seinen Spuren folgend, führt Sie dieser digitale Wanderführer durch eine einzigartige Natur und Jahrtausende alte Kulturlandschaft und zu Originalschauplätzen, an denen urzeitliche Menschen, Händler, Jäger oder Hirten, gerastet und kultische Rituale vollzogen haben. 14 Stationen vermitteln Wissenswertes über die Natur, das Klima der Vorzeit, die Gletscher, Gesteine und Pflanzen, über archäologische Besonderheiten und über den Mann aus dem Eis. Der digitale Wanderführer ist vergleichbar mit einem City Guide oder einem Audio Guide, den man in vielen Museen ausgehändigt bekommt. Nur, dass dieser digitale Wanderführer viel mehr kann und der Einsatzort ein anderer ist die Landschaft selbst ist das Museum. Inhalt: Impressum Menü Lesen Kartenübersicht Hütten/Einkehr 1. Vent - Bergsteigerdorf 2. Bartebne Weg - Hochalpine Freiluftgalerie 3. Jägerlager im Rofental 4. Ötzis Göttin 5. Hohler Stein 6. Blick zum Similaun und Marzellferner 7. Kaser 8. Alte Schäferhütte 9. Martin-Busch-Hütte 10. Similaunhütte 11. Ötzi-Fundstelle 12. Hirtenschnecke im Tisental 13. archeoParc in Schnals 14. Schloss Juval

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Impressum

Verfasser und Herausgeber:

Dipl. Geaograph Jürgen Apel

Dipl. Geographin Heidi Rüppel

Wanderführer

Ötztaler Urweg

Vent - Südtiroler Schnalstal

Copyright © 2017 LSRB-Verlag

Heidi Rüppel/Jürgen Apel GbR

Unterdorfstr. 13, 37217 Witzenhausen

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-932767-06-7

E-Mail: [email protected]

Internet:www.LSRBverlag.de

Fon: +49.5542.4868

Lektorat: Sci.Script - Mediengestaltung Meyenburg, Dr. Gunnar Meyenburg (Dipl.-Geologe)

Fotos, Karten und eBook-Gestaltung: H. Rüppel/J. Apel GbR - LSRB-Verlag

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Bildverzeichnis:

Alle im Wanderführer Ötztaler Urweg gezeigten Bilder und Grafiken unterliegen dem Copyright © Heidi Rüppel und Jürgen Apel - LSRB-Verlag Witzenhausen. (Kopieren, Abändern der Bilder in jeglicher Form sowie Verbreitung in den Medien ohne schriftliche Genehmigung wird hiermit untersagt).

Fotos:

Widum Vent (Naturpark Ausstellung) mit freundlicher Genehmigung durch Thomas Schmarda, Naturpark Ötztal. Fotos: Jürgen Apel.

Das Wandertheater „Friedl mit den leeren Taschen“ © Ötztal-Tourismus. Foto: Ewald-Schmid.

Freilichtbereich archeoParc und Eingang archeoParc Schnals mit freundlicher Genehmigung durch Simone Bacher archeoParc Schnals. Fotos: Jürgen Apel.

Außenaufnahmen Schloss Juval und Oberortl mit freundlicher Genehmigung durch Magdalena Messner, Messner-Mountain-Museum. Fotos: Jürgen Apel.

Karten:

Kartendaten für Übersichtskarten - Standart OpenStreetMap und CycleMap © OpenStreetMap contributors, www.openstreetmap.org/copyright

Abbildungen:

Vergletscherung der Alpen (verändert nach verschiedenen Quellen, u.a. H. Liedtke).

Die Erde vor 500 Mio. Jahren (verändert nach O. Elicki, Zeitschrift Biol. Unserer Zeit, Nr. 6, 2003).

Die Lage der Kontinente, verändert nach verschiedenen Quellen (u.a. K. Schmidt, Erdgeschichte)

Das Ur-Mittelmeer entsteht vor 160 Millionen Jahren (verändert nach M. Marthaler 2005). Beginn der Alpenbildung vor etwa 100 Millionen Jahren und der Bau der Alpen (verändert nach R. Schuster und K. Stüwe 2010).

Historische Aufnahmen - © Alpenverein-Museum/Archiv, Österreichischer Alpenverein, Historische Laternbildsammlung, Gruppe 20/180 und Historische Laternbildsammlung, Gruppe 20/295, http://www.Historisches-Alpenarchiv.org

Der digitale Wanderführer basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen, Forschungsergebnissen und Aussagen, insbesondere folgender Wissenschaftler:

Dipl. Geol. Alexander Birnsteiner, Geoarchäologe, Chefgeologe unter Konrad Spindler im Eismannprojekt an der Universität Innsbruck (ab 1993).

Prof. Dr. Wolf Dieter Blümel, Institut für Geographie der Universität Stuttgart (Geomorphologie, Paläoklimatologie, Landschaftsgeschichte).

Dr. Kurt Derungs, Kulturanthropologe (Bern, Schweiz).

Prof. Dr. Nikolaus Froitzheim, Universität Bonn, Steinmann Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie (Geologie der Alpen).

Dr. Heide Göttner-Abendroth, Philosophin, Kultur- und Gesellschaftsforscherin, Begründerin der Matriarchatsforschung (Winzen, Deutschland).

Prof. Dr. Hans Haid, Volkskundler und Mundartdichter (in Längenfeld im Ötztal geboren).

Prof. Dr. Karl Krainer, Geologisches Institut der Universität Innsbruck.

Prof. Dr. Walter Leitner, Archäologe, Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck (Forschungsschwerpunkt: „Archäologisches Umfeld des Mannes aus dem Eis“ und hochalpine Archäologie).

Dr. Wolfgang Müller, Isotopen-Geochemiker, Royal Holloway University of London.

Prof. Klaus Oeggl, Institut für Botanik der Universität Innsbruck (Erforschung der Wechselwirkung zwischen Mensch und Pflanzenwelt in der Vergangenheit).

Dr. Andreas Putzer und Dr. Daniela Festi, Neufunde aus dem Tisental, Forschungsprojekt: „The Neolithic Agricultural Regime in the Inner Alps“ in Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Botanik der Universität Innsbruck und dem Amt für Bodendenkmäler der Provinz Bozen (2009 bis 2011).

Prof. Dr. Konrad Spindler (2005 verstorben), Prähistoriker und Erforscher der Ötzi-Mumie (Universität Innsbruck).

Quelle: Zahlreiche Informationen zum Mann aus dem Eis stammen aus dem archeoParc Schnals in Unser Frau und dem Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen und den dort zusammengetragenen wissenschaftlichen Publikationen sowie den Veröffentlichungen von Dr. Angelika Fleckinger.

Hinweis: Nach gründlicher Recherche wurden alle Angaben in diesem digitalen Wanderführer nach bestem Wissen zusammengestellt. Inhaltliche Fehler und Änderungen nach Redaktionsschluss sind dennoch nicht auszuschließen. Wir bitten um Verständnis, dass die Autoren und der Verlag dafür keine Haftung übernehmen können. Über Hinweise, Berichtigungen und Verbesserungsvorschläge freuen wir uns jederzeit.

LSRB-Verlag - Witzenhausen

Landschaftskundlicher-Studien-Reisebuch-Verlag

Guten Tag!

Wir begrüßen Sie ganz herzlich und laden Sie ein, mit uns auf dem Ötztaler Urweg (Wanderweg-A2) von Vent aus ins Südtiroler Schnalstal zu wandern. Wir sind beide Diplom-Geographen und haben diesen digitalen Wanderführer mit großer Begeisterung erstellt.

Die Idee dazu entwickelte sich 2012, als wir Urlaub im schönen Ötztal gemacht haben und von Vent aus auf dem Wanderweg A2 zur Ötzi-Fundstelle gewandert sind. Dabei sind wir auf viele Natursehenswürdigkeiten und archäologische Besonderheiten gestoßen. Aus dem Privatvergnügen wurde schnell Berufung.

Recherchearbeiten haben dann ergeben, dass der Ötztaler Urweg Teil einer alten Handelsroute ist, der „Kupferstraße“. Auch Ötzi, der Mann aus dem Eis, war vor mehr als 5.000 Jahren auf dieser Route unterwegs.

Seinen Spuren folgend, führt Sie dieser digitale Wanderführer durch eine einzigartige Natur und Jahrtausende alte Kulturlandschaft und zu Originalschauplätzen, an denen urzeitliche Menschen, Händler, Jäger oder Hirten, gerastet und kultische Rituale vollzogen haben.

Darüber hinaus werden Sie viel über die Natur der Region, ihre Geologie und Erdgeschichte, die Gletscher und das Klima der Vorzeit erfahren.

Wir hoffen, unsere Begeisterung steckt Sie an und der digitale Wanderführer wird Sie auf Ihrer Wanderung und Reise in die Vergangenheit gut unterhalten und Ihnen zu neuen Erkenntnissen verhelfen.

Mit lieben Grüßen

Heidi Rüppel und Jürgen Apel

Inhaltsverzeichnis

Impressum >>

Kartenübersicht >>

Hütten/Einkehr >>

Ötztaler Urweg

1. Vent - Bergsteigerdorf >>

2. Barteb‘ne Weg - Hochalpine Freiluftgalerie >>

3.Jägerlager im Rofental >>

4. „Ötzis Göttin“ >>

5. Hohler Stein >>

6. Blick zum Similaun und Marzellferner >>

7. Kaser >>

8. Alte Schäferhütte >>

9. Martin-Busch-Hütte >>

10. Similaunhütte >>

11. Ötzi-Fundstelle >>

12. Hirtenschnecke im Tisental >>

13. archeoParc in Schnals >>

14. Schloss Juval >>

Kartenübersicht

Hütten/Einkehr

Wanderweg A3 durch das Rofental

Vent (Widum) - Barteb`ne - Rofenhöfe - Haflingerweide - Rofenschlucht - Hochjoch Hospiz

Distanz: 9 km, Höhenmeter: 520, Gehzeit: 2,5 h

Hochjoch Hospiz (2.413 m)

Pächter: Thomas Pirpamer- Dorfstraße 129- 6450 Sölden

Fon: +43 720 920311 / +43 0676 630 5998

Mail: [email protected]

Bewirtschaftet: Sommer: Ende Juni bis Ende September, Winter: Mitte März bis Mitte Mai

Betten: Zimmerlager/Betten: 15, Matratzenlager: 45, Winterraum: 20, offen

Ötztaler Urweg - Wanderweg A2

Vent - Südtiroler Schnalstal

Etappe 1

Vent (Widum) - Martin-Busch-Hütte

Distanz: 9 km, Höhenmeter: 600, Gehzeit: 3 h

Etappe 2

Martin-Busch-Hütte - Similaunhütte

Distanz: 5,5 km, Höhenmeter: 520, Gehzeit: 2:15 h

Etappe 3

Similaunhütte - Vernagt

Distanz: 6 km, Höhenmeter Abstieg: 1.300, Gehzeit: 2:30 h

Etappe 4

Via monachorum – Weg der Stille: Vernagt - Karthaus

Distanz: 3 km, Höhenmeter Abstieg: 200, Gehzeit: 1:30 h

Martin-Busch-Hütte

DAV Sektion Berlin (2.501 m)

Hüttenwirt: Johann und Michael Scheiber

Haus Nr. 34, A–6458 Vent

Fon: +43 5254 8130

Fax: +43 5254 813050

Mail: [email protected]

Bewirtschaftet: Sommer: Ende Juni bis Ende September, Winter: Mitte März bis Mitte Mai

Betten: Zimmerlager/Betten: 40, Matratzenlager: 72, Winterraum: 15, offen

Similaunhütte (3.019 m)

Besitzer: Fam. Pirpamer

Fon: +39 0473 669 711 / +43 720 920 439

Mail: [email protected]

Reservierungen & Informationen während der Saison bitte nur per Telefon. Wir erhalten auf der Hütte keine E-Mails!

Bewirtschaftet: Sommer: Ende Juni bis Anfang Oktober, Winter: Ende Februar bis Ende Mai

Betten: Zimmerlager/Betten: 40, Matratzenlager: 30, Winterraum: nein

Tisenhof (1.814 m)

Der Tisenhof ist ein denkmalgeschützter Bergbauernhof in der Gemeinde Schnals. Der Hof liegt oberhalb des Vernagt-Stausees.

Er ist bewirtschaftet und bietet eine nette Einkehrmöglichkeit (Jausenstation) entlang des A2 Wanderweges/Ötztaler Urweg. Auch Zimmer werden vermietet.

Fon: +39 0473 676014

Mail: [email protected]

1. Vent - Bergsteigerdorf

GPS-Koordinaten: Start Widium N 46° 51‘ 43,5‘‘, E 10° 54‘ 57,8‘‘, 1.895 m ü.N.N.

Startpunkt der Wanderung auf dem Ötztaler Urweg ist das Widum in Vent.

Geschichtliches

Vent ist bekannt als Bergsteigerdorf. Der kleine Ort hoch oben in den Ötztaler Alpen, auf einer Seehöhe von 1.893 Metern, ist ein Geheimtipp für Bergfreaks und Naturliebhaber.

Eine erste urkundliche Erwähnung findet Vent („Fende“) im Jahr 1241. Die Besiedelung fand von Süden her statt. Die ersten Siedler waren Schafhirten aus dem heutigen Südtirol.

Kleine Viehhöfe, so genannte Schwaighöfe, waren es, die im Mittelalter in Vent standen. Schwaighöfe wurden in Tirol vorwiegend im 12., 13. und frühen 14. Jahrhundert errichtet, in einer Höhenlage zwischen 1.200 und 2.000 Metern. Mit der Errichtung von Schwaighöfen sollte die steigende Nachfrage nach Molkereierzeugnissen und Fleisch gedeckt werden. In Vent werden Schwaighöfe ab 1320 genannt. Von vier Höfen ist in historischen Quellen die Rede: vom Oberhof, Weinhof, Wieshof und Kellerhof. In Rofen werden Schwaighöfe sogar ab 1280 genannt. Damit zählen die Rofenhöfe auf einer Seehöhe von 2.014 Metern zu einer der ältesten Siedlungen im gesamten Ötztal. Gleichzeitig sind sie die höchstgelegene bäuerliche Dauersiedlung der Ostalpen.

Die Schwaighöfe gehörten adeligen Grundherren. Sie verpachteten die Höfe gegen Zins an Bauern. Die Zinsen wurden in Naturalien gezahlt. Jährlich mussten die Bauern eine bestimmte Anzahl an Käselaiben abgeben, zwischen 200 und 300, was der damaligen Milchleistung von etwa 6 bis 10 Kühen entsprach. Der Käsezins machte vermutlich weniger als ein Drittel des Gesamtertrages des Hofes aus. Der Käse wurde einmal jährlich nach Meran gebracht, der damaligen Hauptstadt der Grafschaft Tirol (bis 1420).

Über Jahrhunderte war Vent dem Vinschgau beziehungsweise dem Schnalstal zugeordnet und gehörte zur Gemeinde Schnals. Lange Zeit gab es keinen Friedhof und keine Kirche in Vent. Die Kirche wurde erst 1502 gebaut. Ihre Toten bestatteten die Venter bis dahin auf der Alpensüdseite, in Kastelbell-Tschars im Vinschgau. Wenn jemand im Winter starb, wurde er in einem mit einer Laterne gekennzeichneten Stadel oder auf dem Dachboden wochen- oder monatelang aufbewahrt, bis der Weg über die Jöcher im Frühjahr wieder begehbar war.

Entwicklung des Tourismus

Vent ist heute ein moderner und gut zu erreichender Ferienort. Das erste Auto erreichte Vent im Jahr 1927. Bis in die 1960er Jahre führte nur eine einspurige Straße in den Ort. Für Gäste war in Zwieselstein erst einmal Schluss. Hier mussten sie ihr Fahrzeug abstellen, das Gepäck auf einen Militärjeep umladen und erst dann ging die Reise weiter. Gut eine Stunde dauerte die Fahrt von Zwieselstein nach Vent. Im Stundentakt wechselte die Einbahnregelung talein- beziehungsweise talauswärts. Lawinenverbauungen gab es auch noch nicht. So konnte es schon mal passieren, dass Urlaubsgäste für längere Zeit in Vent festsaßen, weil Lawinenabgänge die Straße hinunter ins Tal unpassierbar machten. Seit 1976 führt eine zweispurige Straße nach Vent. Lawinenverbauungen gibt es erst seit einigen Jahren.

Doch wie ging es eigentlich los mit dem Tourismus?

Bereits in den 1840er Jahren, als die Nachricht von einem Eisstausee-Ausbruch am Vernagtferner bekannt wurde, kamen neben Wissenschaftlern auch Schaulustige in das Bergdorf. Bis zu 700 Personen sollen es im Jahr 1846 gewesen sein. Es waren die ersten Touristen, wenn man von den Pilgern einmal absieht, die im Mittelalter, Anfang des 14. Jahrhunderts, durch Vent kamen. Die Pilger waren auf dem Weg nach Santiago de Compostela, zum Grab des heiligen Jakobus.

Die Kirche in Vent ist übrigens dem Patron der Pilger, dem heiligen Jakobus, geweiht. 1502 wurde die Jakobuskirche in Vent errichtet. Nachdem eine Lawine die Kirche 1802 weitgehend zerstört hatte, wurde sie 1862 im barocken Stil neu erbaut.

Der Gletscherpfarrer Franz Senn legte den eigentlichen Grundstein

Den eigentlichen Grundstein für die Entwicklung des Tourismus legte Franz Senn. Er war von 1860 bis 1871 Pfarrer in Vent und wohnte im alten Widum, das gleich neben dem heutigen Widum stand. Hier beherbergte er erste Gäste. Und es gab auch eine Gastwirtschaft und eine Bibliothek im Haus.

Während seiner Amtszeit ergriff Senn viele Initiativen im Bereich der Tourismusentwicklung. Er war Alpinismuspionier, Initiator des Alpenvereins und Begründer des Bergführerwesens. Als begeisterter Bergsteiger hatte er zahlreiche Dreitausender in den Ötztaler Alpen bestiegen. Er wollte die Menschen fürs Bergsteigen begeistern. Einer der ersten Bergführer, die Senn selbst ausgebildet hat, war Cybrian Granbichler, ein Zimmermann aus Sölden, der beim Aufbau der Kirche und beim Ausbau des Widums in Vent half. Ab 1863 hatte Cybrian Granbichler im Sommer sein Standquartier im Venter Widum. An ihn erinnert noch heute eine Gedenktafel an einem Wanderweg (A3) im Rofental.

Cybrian Granbichler – Bergführer und treuer Gefährte Senns

Cybrian Granbichler kam am 6. November 1868 ums Leben. Zusammen mit Franz Senn war er auf dem Rückweg von Meran über das Hochjoch gewesen. Dabei gerieten die beiden in einen Schneesturm, der bis zu 30 Stunden anhielt. Die Strapazen dieser Odyssee durch Sturm und Schnee hat Granbichler nicht überstanden. Er starb letztendlich an Erschöpfung. In der von Senn ausgearbeiteten Bergführerordnung, die bis heute im Wesentlichen noch Gültigkeit hat, steht der Leitsatz geschrieben: „Der Führer ist für das Leben seiner Schutzbefohlenen verantwortlich“. Diesem Leitsatz folgte Granbichler. Seiner Rolle als Bergführer verpflichtet, ging Granbichler immer voraus, teilweise durch hüfthohen Schnee. Das kostete sehr viel Kraft. Zudem waren Senn und Granbichler auf ihrer Tour unzureichend ausgerüstet. Senn wollte in Meran eigentlich nur ein paar Tage abschalten und Erholung finden. Doch dieser Ausflug endete in einer Katastrophe. Den Verlust Granbichlers hatte Senn nie überwunden. Zeitlebens machte er sich Vorwürfe.

Franz Senn ließ Wege bauen und Schutzhütten errichten