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Der Roman erzählt die Geschichte eines Mädchens namens Afra und die Rolle des Schlosses Wartalun in ihrem Leben. Aus dem Buch: "Als Afra am Morgen in Wartalun erwachte, begann es zu dämmern. Es war ein grauer Tag, der heraufzog. Helmut ruhte auf dem schweren Eichenbett, das schon durch Jahrhunderte die Männer und Frauen des Geschlechts in Empfängnis und Verscheiden beherbergt hatte, und neben dem seinen stand das Lager, in dem sein Weib in einer vergangenen Leidensnacht den Untergang des Hauses in wahrsagerischen Schmerzen empfunden hatte. Die Hände des Verschiedenen waren hoch über seiner durchschossenen Brust gefaltet, blanke grüne Efeublätter fügten sich darüber zu einem schmalen Kranz, auf dem sein Kinn ruhte."
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Afra lag in der Mittagssonne im Korn. Über ihr bewegte sich im tiefblauen Himmel eine große rote Mohnblüte, nur ein klein wenig und so feierlich, wie es zu der Ruhe stimmte, die weit umher herrschte. Hin und wieder schaukelte ein Schmetterling vorüber, trunken von der Wärme und vom Licht, und sein Schatten huschte über das helle Kleid des jungen Mädchens. Neben ihr lag ein breitrandiger gelber Sommerhut mit blauen hängenden Bändern auf den Ähren, drückte sie sacht ein wenig nieder und spendete der ruhenden Stirn und den grauen Augen unter sich Schatten.
Afra verscheuchte die Träume, die mit dem warmen Licht und der willkommenen Müdigkeit des Sommermittags kamen, sie dachte in bitterer Betrübnis daran, daß der Schloßherr von Wartalun gestorben und mit ihm eine Zeit gesicherter Lebensarbeit und geordneter Verhältnisse für sie und für ihren Vater vergangen war. Es war alles ungewiß geworden. Es machte mißmutig, nicht zu wissen, was sich tun ließ, nicht zu wissen, welche Vorteile für ihren Vater und für sie aus den Veränderungen erwachsen würden, und die neue Herrschaft nicht zu kennen, die erwartet wurde.
Sie betrachtete die rote Mohnblüte, die im warmen Sommerwind schaukelte, hob langsam ihre braune Hand zu ihr empor, knickte gedankenlos den grünen Stiel mit seinen winzigen hellen Härchen und entblätterte über ihren ernsten Augen die Blume. Es sank mit lichten Purpurflügeln auf ihr Kleid und blieb wie Blut und Feuer in der zornigen Sonne liegen.
Eine Lerche stieg auf. Afra wandte den Blick, um den Vogel am Himmel zu finden, da sah sie zwischen den Ähren fern die grauen Schloßtürme von Wartalun aus den Eichen ragen, der eine trug einen Hahn, der andere das seltsam verschnörkelte Doppelkreuz, das auch im Wappen des Geschlechts zu finden war.
War Wartalun nicht ihr Eigentum gewesen, solange sie zurückdenken konnte? Nun erst, wo vieles sich ändern sollte, lernte sie erkennen, daß sie alles allein der Güte des Verstorbenen verdankt hatte und daß dieser Reichtum ihrer Kindheit sein tägliches Geschenk gewesen war. Der Gedanke quälte sie tief, das Bewußtsein, daß es Mächte gab, die ihr diese Schätze rauben konnten, ohne sie zu fragen, ohne sie zu beachten, als wäre nicht mehr, was sie wünschte und was ihr gefiel, auch ihr Eigentum.
Sie trug Verlangen danach, den neuen Herrn zu sehen, jetzt gleich, in diesem Augenblick, in dem sie litt. Daß sein Kommen erst mit dem Abend erwartet wurde, ließ sie ihn beinahe hassen, ihn, der sich ihr nicht zeigen wollte, mit dem sie abzurechnen hatte. Der Gedanke, daß der Verstorbene ihr einen Teil seines Besitzes hätte hinterlassen können, war ihr zuwider. Vielleicht das Forsthaus mit dem Buchenhain oder Wendalen mit seinen Moorgräben ... ihr Vater hatte ihr bestätigt: er hat niemand so geliebt wie dich.
Sie dachte ohne Trauer an die letzten Monate. An den scheidenden Winter und den kommenden Frühling mit seinen Stürmen, seinem zögernden Einzug in das ebene Land, das er über Feldern, Gärten und Rasenplätzen wie mit den schimmernden Wogen eines leuchtenden Meeres überzogen hatte. Das war die letzte Schönheit gewesen, die der alte Mann von der Terrasse des Schlosses aus gesehen hatte, wo sie, an seinen Tragstuhl gelehnt, über seinen Schlaf wachte, ohne zu wissen, daß es sein letzter war. Der Wind vom Garten war warm und feucht gewesen und von Blütenduft schwer. Aber eindringlicher als diese Stunde waren ihr die Winterabende im Gedächtnis geblieben, an denen sie ihm zur eintönigen Melodie des Kaminfeuers hatte vorlesen müssen. Dann hob er zuweilen die Hand als Zeichen, daß sie warten sollte, sah ihr in die Augen und fragte sie:
»Hast du verstanden, was du eben ausgesprochen hast?«
Sie nickte nachdenklich, weil sie fühlte, daß er dies wünschte.
Einmal, während sie las, hörte sie, daß er schluchzte, und hielt inne. Ihre erstaunten Blicke schienen ihn zu enttäuschen. Seine Bewegung quälte sie, und vorsichtig senkte sie den Blick, um zu erfahren, was er von ihr erwartete. Da begann er ihr von den mattgoldenen Tauben zu erzählen, die in den großen Wandteppich gewoben waren, gegen einen verblaßten blauen Himmel, in den die Zinnen einer alten Stadt ragten, aus deren Toren Reiter auszogen. Die Decken ihrer Pferde waren aus erloschenem Silber, und ihre Rüstungen glänzten nicht mehr. Wollte er, daß sie die Tränen vergaß, die sie bei ihm gesehen hatte? Sie vermutete es und fragte ihn, weshalb er geweint hätte. Da antwortete er ihr in einem Tonfall, den sie noch kaum bei ihm kannte:
»Weil ich deine Stimme gehört habe, als du last, und weil ich die Bewegungen deiner Lippen sah und den Schein des Feuers in deinem hellen Haar. Und weil ich die holde Mühe deiner Hand sah, als du die Seite des Buchs umwendetest. Ich sah auch deine Schultern, deine Knie und die Füße am Saum deines Kleides. Du hast mir schon als ganz kleines Mädchen, kaum daß du gehen konntest, am Morgen frische Blumen aus dem Garten gebracht, die dein Vater dir für mich gab ... jeden Tag bin ich dir begegnet wie dem Licht der Sonne, dem niemand entgeht, der atmet, aber ich bin niemals deinem Herzen begegnet. Meine Tränen, nach deren Sinn du mich gefragt hast, wirst du spät verstehen lernen, aber jede Liebe, die dir in deinem Leben begegnet, wird sie aufheben und bewahren und zu Gott bringen, zu dem ich gehe.«
Sie hatte sich damals eine Weile besonnen, was er meinen könnte, und sich gefragt, ob sie ihm Anlaß gegeben habe, mit ihr unzufrieden zu sein. Aber im Grunde fühlte sie deutlich, daß ihr etwas zugute gekommen war und daß der unerfüllte Wunsch, den er ausgesprochen hatte, nicht zu jenen gehörte, die sie erfüllen konnte. —
Auf dem Feldweg knatterte ein Leiterwagen heran, und sie hörte ein Pferd schnauben. Das rief sie aus ihren Erinnerungen in den hellen Tag zurück. Sie nahm ihren Hut vom Korn und drückte ihn neben sich in die Halme, damit der Fuhrmann sie nicht erspähen sollte, aber er saß zu hoch auf seinem Heufuder, reckte den Hals nach ihr, lachte, als er sie erkannte, und hielt die Pferde an.
Es war Martin. Er wußte, wie alle Dienstboten, daß Afra nicht hochmütig war.
»Du hast es gut«, sagte er, als er vor ihr stand und die Kornähren mit der Hand zur Seite bog. »Ist es erlaubt, einzutreten?«
Sie nickte, sah ihn an und blieb liegen.
Er ließ sich dicht neben ihr nieder, nahm den Strohhut von der heißen Stirn und lächelte.
»Einen Gruß könntest du schon sagen ...«
»Gott ...« machte sie lässig, und dann fügte sie mit forschenden Augen hinzu:
»Heute abend ...?«
»Das ist wahr«, sagte er mit einer Miene, als empfinge er eine betrübliche Nachricht, »heute abend kommen sie.«
Alle auf dem Gut dachten daran. Afra hörte mit an, wie Martin sich den neuen Herrn vorstellte.
Plötzlich unterbrach sie ihn:
»Du bist ein Narr«, rief sie. »Ihr seid alle Narren.«
»Weißt du es besser?«
»Ihr alle seht den neuen Herrn in euren Gedanken so, wie ihr ihn euch zu eurem Vorteil wünscht. Der Vater meint, daß er eine Vorliebe für neue Treibhäuser habe und Spalierobst bevorzugen würde, der Verwalter faselt von großem Geschick, einen Kornjuden zu überlisten, und der Förster weiß, daß er Schmetterlinge im Flug mit der Kugel treffen kann.«
»Wie du sprichst ...« sagte der Bursche. »Man könnte glauben, daß es so im Katechismus steht.«
»Man sagt immer zu viel«, meinte Afra nachdenklich, »aber wenn man sich langweilt ... man sollte sich nie langweilen.«
Martin zog Kirschen aus der Rocktasche und bot ihr die roten Kugeln dar, die an dünnen Stielen zwischen seinen Fingern hingen, aber sie kehrte seine Hand um, öffnete sie und suchte langsam drei Früchte heraus. Dann schob sie seine Hand zurück.
»Ich will ihn sehen«, sagte sie langsam, »das ist es, was ich von ihm weiß. Und noch eins: er wird mich sehen.« Sie ließ langsam die Blicke über den jungen Burschen gleiten, beinahe ohne den Kopf zu wenden, lächelte einsam und verschwieg, was sie noch hatte sagen wollen. Man durfte nicht sprechen. Es war gut, für sich zu behalten, was man wußte. Irgend etwas im Schatten seiner Augen und um seinen unbewachten Mund verlockte sie, sich in seiner unwissenden Anteilnahme gehen zu lassen. Aber dann dachte sie: er tut auch ohnehin, was ich will.
Martin empfand an Afras Seite etwas wie Wohlbehagen und Mißstimmung zugleich. Es mochte daher kommen, daß er zu Lebzeiten des Grafen gewohnt gewesen war, in Afra seine Herrin zu sehen, und daß sie nun zu seinesgleichen herabgesunken war. Wenigstens für einige Zeit, für diese Tage der Ungewißheit und des bangen Harrens. Auch ihm ging es wie den meisten der anderen, er war begierig, zu erfahren, was nun aus Afra werden würde. Er umkleidete sie in seinen Gedanken mit dem märchenhaften Zauberglanz von Macht und Reichtum, den die Liebe des alten Mannes um sie gewoben hatte. Es konnte wohl sein, daß alles, was seine Augen sahen, das Schloß, die Wälder, der Ackergrund, auf dem er lag, und sein eigenes Geschick in die Hände gegeben waren, die er neben sich sah, wie sie das blaue Band des Huts durch die Finger zogen. Und er wußte auch, daß er diese Hand dort dicht neben der seinen ergreifen konnte, ohne daß Afra ihn daran hindern würde. War es denn wirklich so? Es glühte in ihm empor, sein Entschluß, es zu tun, quälte ihn eigensinnig, sein Wunsch, dies Einfache zu tun, dies Unmögliche ...
Da tat er es, beinahe nur, um sich aus seiner unverstandenen Qual zu befreien. Was würde geschehen?
»Nicht einmal mein Pferd ist sicher mein eigen«, sagte Afra, »ich habe genommen, welches ich wollte. Würdest du um eines bitten, wenn alle dir erreichbar wären?«
»Es ist wahr«, sagte er und zog seine Hand von der ihren, »du konntest tun, was du wolltest. Der neue Herr ...«
»Sprich nicht von ihm«, warf Afra ein. Sie erhob sich, so daß sie im Korn saß, ordnete an ihrem Haar, das im Sonnenschein heller leuchtete als die goldenen Ähren. Martin stand mit verdrossenem Gesicht auf.
»Fährst du mit?« fragte er.
Sie stieg aufs Rad des Wagens und dann auf seine Schulter, mit raschem weichem Fuß, dessen Druck er erst zu verspüren glaubte, als sie bereits hoch im Heu saß und nur ein Zipfel ihres weißen Kleids zu ihm hinunterlachte.
»Geh du nebenher!« klang es aus dem Blau über ihm, und so schritt er neben dem Wagen dahin und rief den Pferden laute Worte zu.
Afra lag hoch und so, daß niemand sie sah. Sie stützte das Kinn in beide Hände, so daß ihre Ellbogen sich ins Heu gruben, und blinzelte in den Sonnenschein hinaus. Der ferne Wald zur Linken unter der Sonne lag in einem feinen blauen Schleier, der sich von den Wiesen her zu ihm zu heben schien. Sie schaute zu ihm hinüber, als sei er ihr Ziel, während der Wagen sie langsam, eingehüllt in den Duft welken Grases und vergangener Blumen, auf Wartalun zuschaukelte.
Nachts hörte Afra Pferdegetrappel im Hof, Hundebellen, Stimmen und das Knarren eines Wagens. Der Lichtschein der Laternen drang vom Hof her durch die kleinen Fenster ihres Stübchens ein, wanderte an der Zimmerdecke und huschte rasch und ängstlich über die Gegenstände des Raums. Sie erhob sich hastig und voll ruhloser Gedanken. Seit dem Tode des alten Herrn hatte sie ein Stübchen im Hause ihres Vaters bezogen, der als Gärtner des Gutes im Wirtschaftsgebäude eine Wohnung innehatte. Sie hatte nicht gewagt, ihre Zimmer im Schloß, der fremden Herrschaft gegenüber als ihr Eigentum zu behaupten; verdrossen und beinahe rachsüchtig wollte sie abwarten, ob man sich unterfangen würde, ihr ihre alten Rechte streitig zu machen, aber niemals hätte sie ertragen können, aus dem Hause gewiesen zu werden.
Leise öffnete sie einen Flügel des Fensters, der Lindenduft zog süß und schwül zu ihr herein. Die tiefhängenden Äste des uralten Baumes, der fast den ganzen Schloßhof beschattete, verhüllten ihr den Ausblick. Sie erkannte nur die alte Staatskarosse des Hauses, hörte eine etwas weinerliche, zarte Frauenstimme und Martins wenig ergebene Antworten auf ihre unverständlichen Fragen oder Befehle. Dann wurden im Schloß die Fenster hell, erst im Speisesaal, dann unten in den Wohnräumen, so daß sie die weißen Säulen der Terrasse schimmern sah, endlich im Zimmer des alten Herrn und zuletzt sogar im Ahnensaal, dessen knarrende Torflügel mit ihren geschnitzten Figuren sie zu sehen glaubte, als sie es hörte.
Dann wurde es langsam Fenster für Fenster wieder dunkel, nur im Treppenhaus glommen noch Lichter, und die Hunde kamen nicht zur Ruhe. Sie sah noch Melchior, den alten Diener, mit gesenktem Haupt die Treppe niedersteigen, offenbar besann er sich, als er die Hunde hörte, ob er sie beruhigen müsse; aber er ließ es und verschwand in der Dunkelheit mit dem letzten Licht. Afra dachte an die beunruhigten Hunde, die alle an den Ketten lagen, die sonst die vertraute Nacht bevölkert und sie oft auf einsamen Wegen begleitet hatten. Es war gewiß nicht dieser Gedanke, der sie so tief bewegte, aber plötzlich warf sie den Kopf hart auf die Bank des offenen Fensters mit einem wilden, eigensinnigen Schluchzen. Ihr war, als seien Räuber in das Schloß eingedrungen. Schliefen denn umher alle diese Geduldigen, war keiner da, der ihrer gedachte, keiner, der vor den rechtlosen Eindringling hintrat und gebieterisch auf Afra wies, ihm bedeutend, daß es gelte, mit ihr zu teilen. Zu teilen? Ein kalter Zorn ließ sie auffahren. Niemals würde sie teilen, nie! Ihr war, als müsse sie aufspringen und hinauseilen durch den schlafenden Schloßgarten, weit hinaus bis an die dunkle Fichtenstraße, die zur Begräbnisstatt des toten Herrn führte. Sie sah den eisernen Sarg mit seinem einen Kranz aus Rosen, der längst verwelkt war, den sie ihm hatte winden müssen, denn nur sie sollte um ihn trauern, nur sie sollte ihn für seine letzte Fahrt mit Blumen schmücken. Sie sah sich an dem kalten schweren Eisen rütteln: Wach auf, du, mit deiner Liebe zu mir, sie stehlen dein Schloß, deine Macht, deine Liebe zu mir treten sie mit Füßen der Verachtung, und sie verhöhnen mich, dein Glück.
Es regnete sacht in die blühende Linde, draußen in der Nacht, in der auch der Tote schlief. Je mehr Afra sich vergegenwärtigte, was dieser Todesschlaf bedeutete, um so heißer stieg in ihr, wie eine brennende junge Seligkeit, das Bewußtsein dafür auf, daß sie selbst lebte und daß sie stark und jung und schön war. Ihr war, als sei ihr Verhältnis zu dem Toten, das er einst in bebender Ehrfurcht gerühmt hatte, nun um vieles deutlicher und gezeichneter erstanden. War er nicht um vieles benachteiligter als sie?
Im Einschlafen durchdachte sie ruhiger noch einmal die letzten Wochen, die sie mit ihm durchlebt hatte, auf alle seine Aussagen hin, forschte eifrig nach dem Sinn seiner traurigen Worte, die sie damals kaum beachtet hatte, und prüfte jedes daraufhin, wie weit es eine Verheißung für ihre Zukunft enthalten könnte. Sie sah seinen weißen Bart dicht vor sich, fühlte seine Greisenhände auf ihrem Scheitel: »Du arme Reiche«, sagte er. Und als sie schwieg: »Wie hat meine Liebe zu dir mich reich gemacht. Sag, was hast du denn von mir empfangen können?«
Hieß das nicht, daß er bereit sei, noch viel zu geben?
Nun befahl sie Martin, ihr das Pferd zu satteln, das war schon im Traum. Sie saß in ihrem Kleid aus hellem Tuch auf einem schwarzen Pferd, umritt das Schloß, lockte die Hunde und stürmte über die Felder, die ihr gehörten. In Wendalen erwarteten die Tagelöhner sie in ihrem Sonntagsstaat, verneigten sich, und die Kinder streuten Blumen. So hatte sie es einst gesehen, als sie den Grafen an seinem letzten Namenstag hinausbegleitet hatte. Nun lag er im Sarg, aber er schaute sie an und lächelte zu all ihrem Tun. Damals, auf dem Heimweg, hatte er lange in ihr Gesicht geschaut, das stolz, heiß erhoben vom Glück des Tags und übermütig beseligt gelächelt hatte. —
Als es Morgen wurde, hörte es auf zu regnen. Der junge Tag erhob in kühlem Wehen sein lichtes, blaues Leben, in dem alles in tiefer Stille auf die aufgehende Sonne wartete. Die Haustiere und die Vögel im Garten waren noch nicht erwacht, als Afra sich erhob und in einer ganz neuen, zitternden Seligkeit an ihrem jungen Dasein langsam begann, sich an den weit offenen Fenstern anzukleiden, die den Blütenduft der Linde und alle Hoffnung der erneuten Erde zu ihr einließen. Dies war die liebste Stunde ihres Tags, in der niemand ihren erwachten Sinnen etwas streitig machte, in der ihr alles zu eigen war, was sie sah, erdachte oder ersehnte. Sie schaute vorgebeugt hinaus in den verschwiegenen Hof, auf dem noch nichts sich regte, nur vor den Starenkästen am Lindenstamm saßen schon die Alten, zum ersten Ausflug gerüstet, und sie meinte die feinen Stimmchen der Jungen zu hören, deren zarte Laute sich in das kaum vernehmbare Flüstern der Blätter mischten. Die Tore des Hofes waren noch geschlossen. Die breiten Laubgänge des Efeus sahen wie dunkle Verkleidungen am Mauerwerk aus, wie schwere, grüne, zerfetzte Teppiche, die das Alter des dicken Gemäuers verhüllten. Er war beinahe ein wenig eng, dieser Hof, aber seine hohe Eingeschlossenheit und seine Schatten von den Wänden des Hauses gegen Westen verliehen ihm eine traumhafte Versunkenheit, die durch die Farben der Zeit und durch die Zinnen der Mauern in dieser Stille in das Bereich alter Märchen gerückt wurde.
Afras blondes Haar war so schwer und weich wie alte Seide. In der Ahnengalerie des Herrenhauses, dicht unter der getäfelten Decke hing das Bildnis einer jungen Frau, deren Haare den ihren glichen. Auch sie hatten diesen seltsamen gedämpften Glanz von Kupfer und Asche, der sich, ins Licht getaucht, in ein beinahe farbloses Gold verwandeln konnte und der aus Stirn und Schläfen hervorbrach, fast ohne daß man erkannte, wo der Wuchs der Haare begann. Aber den hochherzig versunkenen Blick der längst Verstorbenen haßte Afra, wie auch ihren kleinen lieblichen Mund, dessen Trotz ihr töricht erschien, weil er nichts verbarg. Ihr eigener Mund war breit und fast ein wenig zu groß, und da niemand ihr noch gesagt hatte, welch betörender Zauber voll Lebenssüßigkeit und Daseinswonnen sich in seiner ruhenden Schönheit offenbarte, achtete sie ihn beinahe gering, diesen großen Mund.
Die Sperlinge wurden im Efeu wach, als Afra über den Hof ging, ihr Schritt hallte von den Steinwänden wider. Sie klopfte an Martins Kammerfenster neben dem Pferdestall, sein Gähnen erweckte ihr Mitleid. Er solle nur öffnen, das Weitere würde sie schon selbst besorgen; aber er kam doch hervor, um ihr zu helfen, das Pferd zu satteln, und murmelte schlaftrunken allerhand von seinen Aussichten, sich noch einmal niederlegen zu können. Afra verschmähte es, ihn nach der neuen Herrschaft zu fragen.
»Wohin reitest du denn?« fragte er. Er glaubte ihr diese Teilnahme schuldig zu sein.
»Heb den Baum am Tor«, sagte sie.
Sie zog den Sattelgurt fester. »Du schläfst ja noch«, tadelte sie nachlässig. Martin fand ihre Bemerkung zutreffend und am Platze. Sie wollte noch, daß er die Wolfshunde freimachen sollte, Aja und Fenn, deren Ketten sie hörte.
Dann sah er ihr nach, und über dem Anblick, wie sie die Landstraße entlang steil und fest zu Pferde, vom Bellen der Hunde wie von ergebenem Beifall geleitet, dahinritt, vergaß er seine Müdigkeit. Eine seltsame heiße Erwartung hielt ihn gefangen. Wartalun gehört Afra, war das Resultat seines einfältigen Grübelns. Drüben in den angebauten Wirtschaftsgebäuden hinter den Birken der Landstraße sah er die ersten Tagelöhner, eine Pumpe klang, ein Hahnenruf. Ihm schien ein ereignisreicher Tag zu beginnen, und er war zu wichtig, um ihn zu verschlafen, man mußte nachdenken, um sich über alles klar zu werden.
Die Morgensonnenstrahlen fielen, immer noch kühl und ohne Kraft, über die Dächer der Kornschuppen von Wendalen, als Afra dort anlangte. Sie hatte sich auf den schmalen Pfaden durchs Moorgelände Zeit gelassen, hatte in der Heide das Pferd eine Weile durch die kaum erblühten Sträucher geführt und tief in Gedanken zugesehen, wie ihr suchender Fuß Schritt für Schritt die silbernen Perlen des Taus am Boden zum Fallen brachte. Je länger der Tag wurde, um so eindringlicher wachten alle Gedanken mit ihm auf, und ihr war, als zerstörten sie ihr ganz langsam ihre Kraft. Denn Afra war sich ihrer Kräfte noch nicht bewußt, wenn sie sie nicht in ihrer Wirkung erprobte; erst die Gelegenheit, sich bewähren zu müssen, fand sie stark.
Das schöne Pferd hielt den kleinen Kopf gesenkt wie seine Herrin, die immer um einen Schritt voraus war und die Zügel nachhängen ließ. So schritten sie gegen den großen Horizont des ebenen Landes über den roten Teppich der Heide dahin. Die Wölfe eilten ruhelos, die schwarzen Schnauzen am Boden, in weitem Bogen voraus, scheuchten Wildenten aus den Moortümpeln auf und einmal, in einem kleinen Birkenwäldchen, schon nahe am Vorwerk, ein junges Reh. Aber auf Afras leisen Pfiff wandten sie, wie von unsichtbaren Fäusten zurückgerissen, die Köpfe und kehrten um. Sie hingen in seltsamer Treue an Afra, niemand nahm sich ihrer mit mehr Zeit und Geduld an, niemand schlug sie grausamer.
Erst als sie in den Hof einritt und die Knechte sie grüßten, besann sie sich darauf, was sie als Grund für ihr Kommen angeben sollte. Man würde sie nach der neuen Gutsherrschaft fragen, vielleicht war der Verwalter schon unterwegs nach Wartalun. —
Sie saß wieder zu Pferde, als er kam, und in einer uneingestandenen Furcht vor einem Verrat der Ängste ihrer Seele begrüßte sie ihn hochmütig und ohne den Kopf zu senken. Harmlos fragte er dies und das, aber sie wußte, worauf er wartete. Seine Einladung, im Zimmer ein Frühstück einzunehmen, lehnte sie ab. Die Tücke und Unterwürfigkeit dieses arbeitsamen und wohlgeschickten Mannes, die sie bislang mit kaum amüsierter Herablassung festgestellt hatte, erschien ihr heute hassenswert. Anfangs erkühlte er sichtlich unter ihrem veränderten Wesen, dann begann er langsam ihre Zurückhaltung mit großer Höflichkeit zu beantworten, die schnell zur Ergebenheit wurde, je mehr das Mädchen sie gelassen einstrich. Oh, er würde vermuten, daß die Würfel gefallen seien und daß, was die einen hofften, die anderen fürchteten, Wahrheit geworden sei, daß sie nach dem Willen des Verstorbenen Herrin von Wartalun geworden war.
Die heimliche Freude, die ihre unbeabsichtigte Täuschung ihr eintrug, wurde rasch zu unbezähmbarer Sucht, diese Rolle zu spielen. Mit kühlem und geheimnisvollem Lächeln sah sie auf den Neugierigen herab, der ihr zu gefallen und zu dienen trachtete. Doch plötzlich verachtete sie sich in dieser Lage, aber ohne ihre Haltung zu ändern, nickte sie kühl und hastig, nahm umständlich das Pferd herum und pfiff den Hunden.
»Bis morgen!« rief sie, so ernst, daß es beinahe traurig wirkte. Draußen empfing die frohe Sonne sie, wogende Felder und bald wieder die Melancholie und Verlassenheit ihrer Heide. Es erfüllte sie mit bitterer Genugtuung, daß sie jemanden zurückließ, dem ihre Hoffnung Gewißheit geworden war, als hätte sie ihrem zögernden Schicksal Gewalt angetan.
»Du bist der erste, der das Schloß verläßt, wenn es mein ist«, rief sie laut. Dann war ihr, als müßte sie weinen, und ihre aufsteigende Qual beantwortete sie mit einem harten Lachen, das seltsam böse aus diesen weichen, unerwachten Lippen drang und in herbem Widerspruch zur Anmut ihrer freien Haltung stand.
Im Moorgrund waren Arbeiter am Werke. Hohe Torfmauern spiegelten sich schwarz in den stillen Gräben, alles versprach einen heißen Tag. Den Gruß eines Landmannes, den sie kannte, erwiderte sie mit einem kecken Scherz. Der Alte blieb stehen, schützte die Augen und sein breites, wohlgefälliges Lächeln mit der schweren braunen Hand und sah ihr nach. Nah am Kreuzweg, als schon Moor und Heide zurückblieben und die Türme des Schlosses aus den Eichen schauten, traf sie einen Fremden, der sie grüßte, sehr höflich und auf eine Art zögernd, als habe er eine Frage zu stellen. Sie sah zurück und hielt das Pferd an. Beide schwiegen eine Weile, die Wölfe sahen abwartend zu ihr empor. Sie rief sie barsch an, mehr um den Gehorsam der Hunde zu zeigen, als weil eine Befürchtung nahelag. Sie sah in das Gesicht des jungen Mannes, der hinzutrat. Ein schmales und sehr blasses Angesicht hob sich zu ihr empor, unsicher im Wesen und Blick durch eine goldene Brille, deren Gläser blinkten. Er war schwarz gekleidet, trug ein seltsam mitgenommenes Hütchen aus Filz und erschien ihr zart von Figur, beinahe ein wenig gebrechlich. Seine schmale Hand, mit der er befangen sein Kinn hielt, fiel ihr auf; solche Hände wünschte sie sich ...
»Verzeihen Sie mir, mein gnädiges Fräulein«, sagte er zögernd, aber nicht unsicher, »wie lange würde ich von hier aus brauchen, um bis Wandelen zu gelangen?«
»Wollen Sie denn zu Fuß gehen? Übrigens heißt das Vorwerk Wendalen.«
»Wendalen, gewiß ... ich irrte.«
Sie stemmte die Rechte leicht in die schlanke Hüfte, schaute über Land, als erwöge sie ernstlich die Antwort, um sie treffend geben zu können. Ihre Art der Herablassung war voll Anmut, von einer holden Sicherheit überlegenen Geistes und frohen Herrentums. Er vergaß, was er wissen wollte, und sah sie bewundernd an.
»Ich habe von dort bis hier fast eine Stunde mit dem Pferde gebraucht, aber Sie sehen, es ist naß. Sie würden zwei Stunden brauchen an einem Tage wie heute. Und der Weg ... kennen Sie den Weg denn?«
»Nein«, sagte er, »ich bin hier fremd, auch muß ich bei solcher Entfernung meinen Plan aufgeben, ich habe nicht gewußt, wie weit es ist, es hätte mich sehr interessiert, da ich diese Frühmorgenstunde nicht besser zuzubringen wußte. Im Schlosse schliefen sie noch alle.«
Afra lächelte. Er sah ihr Lächeln mit Bestürzung. Es wirkte auf ihn wie Sonnenschein im Frühling und wie der traurige Gedanke an einen frühen Tod.
»Es ist nicht ganz richtig, daß alle schliefen. Aber jetzt? Kehren Sie denn jetzt um?«
»Ja«, sagte er, hilflos und so befangen, daß eine heiße Freude am Triumph ihrer Überlegenheit ihr Blut klopfen ließ; sie sprang vom Pferde, und in der überwindenden Unbefangenheit, die ihr Wesen auszeichnete, sagte sie:
»So gehen wir miteinander. Es tut Joni gut, ein wenig ledig dahinzutraben.« Mit der Gerte wies sie auf das Pferd und sagte: »Das ist Joni.«
»Sie stellen mir Ihr Pferd vor, mein gnädiges Fräulein, gewiß, um mich daran zu erinnern, daß ich Ihre große Liebenswürdigkeit angenommen habe, ohne Ihnen meinen Namen zu nennen. Verzeihen Sie mir.«
Und er nannte undeutlich und rasch einen Namen, den sie kaum zu verstehen für nötig hielt, und verbeugte sich dabei, nicht ganz in der üblichen Richtung und auf eine Art, die ihm im Schreiten mißlang.
»Und darf ich auch Sie bitten«, fuhr er fort, »mir die Ehre zu erweisen, zu sagen, wer Sie sind?«
Afra sah hinüber zu den Türmen von Wartalun, wartete, bis er ihren Blick sah, und meinte:
»Tut es etwas zur Sache?«
Er glaubte ihr die Gelegenheit nehmen zu müssen, darüber nachzudenken, daß dies wenig höflich sei, und sagte rasch:
»Oh, gewiß nicht, gewiß nicht. Meine Bitte war sicherlich recht töricht. Der Vorzug Ihrer freundlichen Begleitung sollte mir genug sein, und er ist es, sicherlich, mein gnädiges Fräulein.«
Sie strich ohne Bedenken sein Entgegenkommen ein wie ihr Recht, obgleich sie ihn beneidete.
»Wie kommen Sie nur so früh hierher?« fragte sie, und was an ihrer Frage hätte Neugierde sein können, wirkte im Tonfall ihrer Stimme einzig wie eine kindliche Bitte.
»Ich habe dort im Schloß geschlafen«, sagte er, »und eigentlich schlecht; ich bin ohne meinen Willen und beinahe zufällig gekommen; es ergeht mir oft so, daß mir eine fremde Umgebung anfangs keine Ruhe schenkt.«
»So, im Schloß?« meinte Afra und legte in ihr Lächeln eine neckische Bewunderung. »Das klingt ja fast, als wollten Sie mir sagen, daß Sie den Schloßherrn von Wartalun persönlich kennten.«
»Ich vermute, daß ich es bin«, antwortete er bescheiden.
Und ohne zu beachten, daß die Zügel in ihrer Hand bebten, daß ihr Schritt wankte und ihr Angesicht sich langsam in jäher Erstarrung mit tödlicher Blässe überzog, fuhr er fort:
»Es sind unerwartete Umstände, die mich herführen, und seltsame Verhältnisse, die ich vorfinde. Ich finde mich schwer in ihnen zurecht. Der verstorbene Graf von Wartalun, den Sie zweifellos gekannt haben, mein gnädiges Fräulein, war nur sehr fern mit mir verwandt, und die Erbschaft seiner Güter hatte niemand von uns erwartet. Die Familien waren zu Zeiten meines Vaters entzweit, wir hörten nie mehr voneinander, da kein Zwischenglied hätte vermitteln können, auch trug die große äußere Entfernung zur Entfremdung bei. Die letzte Nachricht, die zu uns drang, waren vereinzelte unsichere Annahmen über eine spät noch geplante Verheiratung des alten Herrn.«
Sie achtete, auch als er nun weitersprach, kaum auf seine Worte. Als sie mit großer Mühe ihre Fassung zurückerrungen hatte und ihre Gedanken ordnen konnte, empfand sie zunächst nur eins, daß die Art, wie er von sich als vom künftigen Schloßherrn gesprochen hatte, nicht völlige Gewißheit darüber kundgab, ob er es in der Tat sei. So waren die Würfel noch nicht gefallen. Das hielt ihr Mut und Sinne in zitternder Spannung wach und ließ sie vergessen, daß sie eben noch eine arge Niederlage erlitten hatte, von der er noch nichts wußte. Mochte er, wenn er nun erfuhr, wer sie war, denken was er wollte. Sie fühlte, daß keiner der Gedanken, die er sich darüber machen würde, sich jemals in Zorn oder Verachtung gegen sie kehren könnte. Seine angstvolle, vorsichtige und höfliche Art weckte Vertrauen und zugleich Neid und Geringschätzung in ihr. Es kam in ihrem Herzen etwas hinzu, das beinahe wie Hilfsbereitschaft war und sie tief beruhigte. Sie wußte plötzlich, daß das Bild, das sie vom neuen Herrn im Sinne getragen hatte, dem des Verstorbenen geglichen hatte, sie sah mit einem raschen Lächeln über die Gestalt ihres Begleiters. Das herrische Angesicht des Toten, sein schwerer, breitschultriger Körper erschienen ihr, und sie glaubte seine dunkle Stimme zu hören und den unnahbaren und grollenden Eigensinn darin, oder die herbeilassende Güte seiner Züge, wenn er wohlgesinnt und froh Abrechnung hielt über Pflichttreue und Verdienst seiner Untergebenen. Und nun sollte dieser zierliche schwarze Herr in den verlassenen Sattel steigen, diese schmächtige Hand sollte am Zügel ruhen, den die Faust des Toten gehalten hatte? Afra reckte sich auf in den Sonnenschein und lächelte.
Ihre jähe Bewegung ließ ihn innehalten.
»Verzeihung, vielleicht langweilt Sie dies alles«, sagte er leise. »Mich beschäftigt es, bitte verstehen Sie, und man ist sicherlich allgemein geneigt, vor einer so selbstverständlichen Liebenswürdigkeit, wie die Ihre es ist, ohne Bedenken über das zu sprechen, was einen bewegt.«
Afra wurde rot vor Freude und schwieg. In ihrem Glück über die völlig ungewohnte Art der Anerkennung, die ihr zuteil wurde, vergaß sie, daß eine Antwort notwendig sei. Er legte ihr Schweigen wie eine selbstbewußte Bestätigung seiner Befürchtung aus.
Aber nun besann sie sich und machte es gut. Ihr lag am Triumph, den der Augenblick zuließ, und sie vermied es unbewußt, ihre Worte anders zu setzen, als es ihr in diesen kurzen Augenblicken einer fremden Rolle nützlich erschien.
»Mir liegt alles am Herzen, was die Schicksale Wartaluns betrifft«, sagte sie eifrig und vorsichtig. »Ich habe den Grafen gekannt und geliebt und einen Teil seiner Sorgen und Angelegenheiten geteilt. Ihre Offenheit ist eine Freude für mich.«
Sie glühte vor Stolz darüber, daß diese Worte, von denen sie fühlte, daß sie ihr wohlgelungen waren, ihn bewegten. Einen Augenblick zögerte er mit der Antwort, es schien, als wollte er aufs neue nach ihrem Namen fragen. Irgend etwas machte ihn unsicher. Gewiß war es jene eigen unüberwindliche Sicherheit der jungen Dame an seiner Seite, eine Sicherheit, die sich so wunderbar mit dem Zauber einer kindlichen Freude daran verband. Ihm schien, als verberge sie ihm etwas, dann wieder, als machte sie sich heimlich ein wenig über ihn lustig.
