Warum Glück keine Glückssache ist - Gill Hasson - E-Book

Warum Glück keine Glückssache ist E-Book

Gill Hasson

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Beschreibung

Glück fliegt einem nicht zu Glücklichsein ist nicht nur ein emotionaler Zustand, sondern auch eine Haltung, die man sich zu eigen machen kann. Einfache Übungen helfen, das Glücksruder selbst in die Hand zu nehmen und sich auf die Reise zu einem glücklicheren Leben zu begeben. Das Glück fliegt einem nämlich nicht einfach zu. Es ist vielmehr eine aktive Entscheidung, die man jeden Tag trifft. In diesem Buch finden Sie die notwendigen Fertigkeiten, Kenntnisse und Sichtweisen, um glücklich zu werden und es auch zu bleiben – egal was passiert. - Gehen Sie auf Schatzsuche, graben Sie nach Ihrer persönlichen Version eines glücklichen Lebens. - Erweitern Sie Ihren Erfahrungshorizont und Ihre Möglichkeiten. - Achten Sie auf die vielen kleinen Freuden im Alltag und nehmen Sie sie ganz bewusst wahr. - Suchen Sie auch in schwierigen Zeiten nach Glücksmomenten und helfen Sie anderen, dasselbe zu tun.

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Seitenzahl: 154

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Gill HassonWarum Glück keine Glückssache ist

Über dieses Buch

Glück fliegt einem nicht zu

Glücklichsein ist nicht nur ein emotionaler Zustand, sondern auch eine Haltung, die man sich zu eigen machen kann. Einfache Übungen helfen, das Glücksruder selbst in die Hand zu nehmen und sich auf die Reise zu einem glücklicheren Leben zu begeben. Das Glück fliegt einem nämlich nicht einfach zu. Es ist vielmehr eine aktive Entscheidung, die man jeden Tag trifft. In diesem Buch finden Sie die notwendigen Fertigkeiten, Kenntnisse und Sichtweisen, um glücklich zu werden und es auch zu bleiben – egal was passiert. 

Gehen Sie auf Schatzsuche, graben Sie nach Ihrer persönlichen Version eines glücklichen Lebens. Erweitern Sie Ihren Erfahrungshorizont und Ihre Möglichkeiten. Achten Sie auf die vielen kleinen Freuden im Alltag und nehmen Sie sie ganz bewusst wahr. Suchen Sie auch in schwierigen Zeiten nach Glücksmomenten und helfen Sie anderen, dasselbe zu tun.

Gill Hasson,Dozentin, Trainerin und Autorin zahlreicher Bücher, hauptsächlich zum Thema persönliche Weiterentwicklung mit den Schwerpunkten Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, kommunikative Kompetenz, Durchsetzungsvermögen und Resilienz.http://www.gillhasson.co.uk

Copyright © der deutschen Ausgabe: Junfermann Verlag, Paderborn 2020

Copyright © der Originalausgabe: Gill Hasson, 2018

Titel der Originalausgabe Happiness. How to Get into the Habit of Being Happy

All Rights Reserved. Authorised translation from the English language edition published by John Wiley & Sons Limited. Responsibility fort he acuracy oft he translation rests solely with Junfermann Verlag GmbH and is not the responsibility of John Wiley & Sons Limited. No part of this book may be reproduced in any form without the written permission of the original copyright holder, John Wiley & Sons Limited.

Übersetzung: Claudia Campisi

Coverfoto: © Camille – stock.adobe.com

Covergestaltung / Reihenentwurf: Junfermann Druck & Service GmbH & Co. KG, Paderborn

Satz, Layout & Digitalisierung: Junfermann Druck & Service GmbH & Co. KG, Paderborn

Alle Rechte vorbehalten.

Erscheinungsjahr dieser E-Book-Ausgabe: 2020

ISBN der Printausgabe: 978-3-95571-901-2

ISBN dieses E-Books: 978-3-7495-0075-8 (EPUB), 978-3-7495-0077-2 (PDF), 978-3-7495-0076-5 (MOBI).

Für Tom, in Liebe von Mum xx

Einleitung

„In der Regel ist man so glücklich, wie man es sich selbst vorgenommen hat.“

(Abraham Lincoln)

So unterschiedliche Lebensstile, Fähigkeiten, Interessen, Ziele, Wertvorstellungen, Prinzipien und Erwartungen Menschen haben mögen – in einem sind wir uns alle gleich: Wir wollen glücklich sein.

Wie glücklich sind Sie in diesem Augenblick? Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben, im Allgemeinen, im Großen und Ganzen? Wären Sie gerne glücklicher? Wie viel fehlt zu Ihrem Glück? Natürlich lässt sich die Lebenszufriedenheit nicht messen; es gibt kein Punktesystem oder Instrument, mit dem sich das durch die Adern pulsierende Glücksgefühl erfassen ließe. Doch auch ohne konkrete Messergebnisse wird deutlich: Viele Menschen scheinen nicht glücklich zu sein.

Es ist, als hätten Angst, Stress, Einsamkeit und Depression in den letzten Jahren zugenommen. So leidet der Gesundheitsorganisation Mind zufolge in Großbritannien jede sechste Person unter psychischen Problemen, wie z. B. Angstzuständen oder Depressionen (diese Werte wurden wöchentlich erhoben). Und laut einer Umfrage, die das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov 2014 für die Mental Health Foundation an 2330 Personen unternahm, ist jede fünfte Person „fast immer“ oder „häufig“ von nervöser Unruhe betroffen.

Aus einer 2017 durchgeführten Umfrage für die Organisation Jo Cox Commission on Loneliness geht hervor, dass etwa drei Viertel der älteren Menschen in Großbritannien einsam sind – doch auch der Verlust von Familienangehörigen oder Freunden, Arbeitslosigkeit, eine Behinderung, eine Krankheit oder die schwierige Aufgabe, jemanden zu pflegen, kann in die soziale Vereinzelung führen, welche das Gefühl auslöst, einsam und unglücklich zu sein.

Selbst wenn Sie weder einsam noch psychisch krank sind und Ihr Leben einigermaßen gut läuft, ist der Druck, glücklich und erfolgreich zu sein, so hoch wie nie zuvor. So definiert sich Erfolg heutzutage nicht mehr über Geld, ein schönes Zuhause, eine gute Beziehung und viele Freunde, sondern misst sich daran, bis zu welchem Grad und wie oft man glücklich ist.

Infolgedessen legen immer mehr Menschen Wert darauf, permanent superglücklich zu wirken. Man schickt glückliche Nachrichten herum, postet glückliche Fotos, twittert glückliche Tweets. In den sozialen Medien ist man geradezu besessen davon, Freude auszustrahlen, und es scheint, als hätten alle ein geradezu überirdisches Ausmaß an Wonne und Glückseligkeit erreicht. Und tatsächlich ergab eine 2017 von der Organisation Girlguiding durchgeführte Umfrage, dass ein Drittel der Mädchen und jungen Frauen im Alter von 11 und 21 unter Zugzwang stehen, ihr Leben in den sozialen Medien als „perfekt“ darzustellen.

Kein Wunder, dass Nichtglückliche ganz schnell ein schlechtes Gewissen bekommen. Und sich dann erst recht miserabel fühlen. Wieso ist das Leben der anderen so viel schöner? Ist Glück etwa eine Frage des Schicksals? Nein. Dann vielleicht des Zufalls? Auch nicht. Wie wir noch in Kapitel 1 sehen werden, hängt Glück nicht damit zusammen, ob man ein tadelloses Leben führt oder sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufhält. Glück wird einem nicht geschenkt – Sie brauchen also nicht darauf zu warten, dass jemand anders Sie glücklich macht oder bis die Sterne günstig stehen.

Glück ist schlechthin eine Frage, wie man dem sehr menschlichen Drang folgt, den Sinn und Zweck des Daseins zu entdecken, die damit verbundenen Schwierigkeiten meistert und die kleinen Freuden des Lebens genießt. Wie das geht, erfahren Sie in diesem Buch.

Außerdem erfahren Sie, warum „Be happy“ sich nicht einfach so aus dem Hut zaubern lässt. Glücklich zu werden und es zu bleiben kostet im Gegenteil Zeit, Energie und auch einiges an Überlegung. Es erfordert, dass Sie sich bewusst machen, was Ihnen im Leben allgemein, aber auch in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel Arbeit, Beziehungen, Hobbys und Interessen, Gesundheit und so weiter wichtig ist und welche Ziele Sie jeweils verfolgen. So können Sie in Kapitel 2 he­raus­finden, was Sie tatsächlich mit Glück erfüllt und wie Sie es verwirklichen (und nicht etwa das, wovon Sie oder andere glauben, dass es Sie glücklich machen sollte).

Glücklich zu sein – den eigenen Werten gemäß zu leben, Ziele zu haben, tun, was einem wichtig und sinnvoll erscheint –, das erfordert nicht nur Mühe und Ausdauer, Opfer und Risikobereitschaft. Es erfordert auch, aus der eigenen Komfortzone herauszukommen. Wenn Sie nach Glück streben, werden Sie immer auf Hindernisse und Herausforderungen stoßen, und wenn Sie sich nicht überwinden, dann wird sich auch nichts verändern. Mit anderen Worten: Sie werden nicht glücklicher. In Kapitel 3 erfahren Sie deshalb, wie jede Erweiterung Ihrer Komfortzone auch mehr Gelegenheiten schafft, glücklich zu sein.

Sie müssen erst einmal etwas sein lassen oder loslassen, bevor Sie ernsthaft die Dinge verfolgen können, die Sie glücklich machen? Ebenfalls in Kapitel 3 werden Sie ermutigt, freudlose Situationen und Umstände hinter sich zu lassen und zu glücklicheren Ufern aufzubrechen, und Sie erfahren, wie Sie das tun können.

In Kapitel 4 geht es zunächst um die kleinen Dinge im Leben, die Glücksgefühle auslösen. Unabhängig davon, unter welchen Bedingungen Sie leben, wozu Sie fähig sind, wie viel Geld Ihnen zur Verfügung steht – kleine Freuden gibt es in Hülle und Fülle und sie lösen an jedem einzelnen Tag Glücksmomente aus. Da es sich häufig um Dinge handelt, die man gemeinsam mit anderen Menschen unternimmt, erläutere ich außerdem, wie beinahe alles, was Sie zur Verbesserung Ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen unternehmen, Sie auch zufriedener macht.

Natürlich trifft man zuweilen auf sehr konkrete Schwierigkeiten, scheinbar festgefahrene und ausweglose Situationen, die die Lebenszufriedenheit bedrohen. Doch selbst dann gibt es Möglichkeiten, wie Sie aus dem Schlechten noch das Beste herausholen können. Welche das sind und was Sie tun können, erfahren Sie in Kapitel 5.

Was ist aber, wenn man unter schweren Problemen leidet oder gelitten hat? Kann man da überhaupt glücklich sein? Ist das nicht völlig abwegig? Nein. Und so beschäftigen wir uns in Kapitel 5 damit, wie sich selbst in kritischen Zeiten ein Funke Hoffnung und damit auch etwas Glück finden lässt.

Nachdem Sie erkannt haben, was Ihrem Leben Sinn verleiht, wie wichtig kleine Freuden und zwischenmenschlicher Kontakt sind und wie Sie selbst in schwierigen Lebensphasen bis zu einem gewissen Grad glücklich sein können, werden Sie in Kapitel 6 lesen, wie Sie das an andere Menschen weitergeben können. Ist eine Ihnen nahestehende Person unglücklich, fühlen Sie mit ihr. Vielleicht möchten Sie, dass sie glücklich ist, weil Sie dann selbst glücklicher sind. Oder vielleicht meinen Sie, dass Sie die Lösung zu ihrem Problem kennen. Egal, was es ist: Sie können es sich nicht zur Lebensaufgabe machen, andere „wiederherzustellen“ und glücklich zu machen. Sie können ihnen jedoch eine Stütze sein. Wie das geht, wird ebenfalls in Kapitel 6 erklärt.

Warum überhaupt glücklich sein?

Sie brauchen etwas Ermutigung für das mühsame Unterfangen, glücklich sein zu wollen? Dann sollten Sie vielleicht die Vorteile eines glücklichen und zufriedenen Lebens kennen. Wer glücklich und zufrieden ist,

fühlt sich mit seiner Umgebung verbunden;

verfolgt erreichbare Ziele und Absichten und setzt sich dafür ein;

verfügt über eine gesunde Portion an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl;

stellt Kontakt zu anderen Menschen her und ist in der Lage, Beziehungen aufrechtzuerhalten;

kommt mit den Anforderungen des Alltags leichter zurecht;

hat eine konstruktive, zielorientierte Einstellung;

kann Probleme und Lebenskrisen besser bewältigen;

hilft anderen, ebenfalls glücklich und zufrieden zu sein.

Mithilfe dieses Buches können Sie lernen, sich Zufriedenheit zur Gewohnheit zu machen. Und Sie werden entdecken, wie Sie ein gutes Leben führen können – ein Leben, das trotz der unvermeidlichen Höhen und Tiefen sowohl sinnvoll als auch angenehm ist.

Ich wünsche Ihnen ein glückliches Leben!

1. Was Glück ist

„Glücklichsein lässt sich nicht auf später verschieben, sondern nur in der Gegenwart gestalten.“

(Jim Rohn)

Glück wird immer als etwas Positives empfunden, jeder Mensch möchte sich gut fühlen und glücklich sein. Doch wie realistisch ist permanentes Glück? Dazu muss man sagen, dass es zwei Arten des Glücks gibt: erstens das langfristige allgemeine Wohlbefinden und zweitens die kurzlebige Freude.

Das kurzlebige Glücksgefühl stellt sich ein, wenn wir etwas Schönes erleben – etwa einen gelungenen Witz hören, einen unterhaltsamen Film schauen, eine köstliche Speise essen, ausgehen und einen amüsanten Abend verbringen – alles, was positive Emotionen auslöst wie Befriedigung, Erfüllung, Vergnügen, Begeisterung, Spaß oder Genuss. Diese Art von Glück ist jedoch nicht von Dauer, sondern geht schnell vo­rüber. Kurzlebige Freuden tragen zwar zum Glück bei, doch niemand kann sich ständig so fühlen. Dies auch nur in Erwägung zu ziehen wäre völlig unrealistisch.

Neben dem kurzlebigen Vergnügen wird Glück, wie gesagt, auch als allgemeines Wohlbefinden erfahren. Dass diese Art von Glück – ein stabiles Grundgefühl, dass es einem gut geht und man ein erfülltes Leben führt – sich zwar nicht ständig, aber doch relativ häufig einstellt, ist durchaus ­realistisch.

Eine kurze Geschichte des Glücks

Obwohl inzwischen jede und jeder auf der Suche nach dem ultimativen Glück zu sein scheint, ist das in Wahrheit jedoch nichts Neues. Schon vor über 2000 Jahren setzte sich der Philosoph Aristoteles in seiner Schrift „Nikomachische Ethik“ mit der Frage auseinander, was ein gelungenes Leben ausmacht. Er kam zu dem Schluss, dass Glück – Wohlbefinden – „das vollkommene und selbstgenügsame Gut und das Endziel des Handelns“ sei, also das, wonach alle Menschen streben.

Aristoteles unterscheidet zwischen hedonischem und eudaimonischem Glück. Hedonisches Glück bezieht sich auf die kleinen Freuden und das eudaimonische auf das Gefühl, ein sinnvolles, zielgerichtetes und erfülltes Leben zu führen.

Seine Ansicht war: Aufgrund seiner einzigartigen Vernunftbegabung – d. h. seiner Fähigkeit, logisch und rational zu denken, zu urteilen und Schlussfolgerungen zu ziehen – solle der Mensch möglichst, oder sogar unbedingt nach einer Lebensweise streben, die ihm ein stabiles allgemeines Wohlbefinden beschert. So werde er erfüllt und mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden sein.

Gleichzeitig werde Glück aber auch beeinflusst von Faktoren wie zum Beispiel der Gesundheit, der materiellen Situation, dem Freundeskreis, der Familie, der Arbeit oder dem Wohnsitz. Und trotzdem könnten wir dieses Wechselbad unserer Existenz dank unserer Fähigkeit zum vernünftigen Denken ausgeglichen und unaufgeregt hinnehmen und uns auf diese Weise ein umfassendes Gefühl des Wohlbefindens bewahren.

Spulen Sie 2000 Jahre vor und Sie treffen auf Psychologinnen und Forscherinnen, die sich, ähnlich wie Aristoteles, dafür interessieren, wie man glücklich sein und gut leben kann. So vertritt Martin Seligman in seinem Buch Flourish – wie Menschen aufblühen: die Positive Psychologie des gelingenden Lebens die Meinung, wir brauchten zu unserem Glück ein oder mehr Dinge im Leben, die uns etwas bedeuten; Dinge, die unserem Leben Sinn verleihen, die uns interessieren und fesseln, auf die wir uns einlassen wollen, nach denen wir streben und deren Erreichen bei uns positive Gefühle auslöst. Als soziale Wesen hätten wir ein Bedürfnis nach Interaktion mit anderen, nach Kontakt und dem Gefühl der Zugehörigkeit. Wir brauchten kurzlebige Freuden, um positive Emotionen zu verspüren: zufrieden und vergnügt zu sein, sich inspiriert zu fühlen, zu hoffen, Lust am Leben zu haben und so weiter. Kurzlebige Freude trage zwar zum Glück bei, sei jedoch nicht dessen Grundlage.

Natürlich ist das, was dem Leben Sinn und Bedeutung verleiht, was es faszinierend macht, für jeden anders. Dasselbe gilt für positive Freundschaften, Beziehungen und Emotionen. An dieser Stelle kommen die von Aristoteles erwähnten kognitiven Fähigkeiten zum Einsatz: Jeder Mensch muss für sich selbst herausfinden, wie er ein sinnvolles, zielgerichtetes Leben, positive Beziehungen und kleine Freuden definiert.

Glück, darin sind sich Aristoteles und Seligman einig, verlangt also ­Einiges an Überlegung und Anstrengung. Das ist doch ausgezeichnet! Denn so ist die Fähigkeit, glücklich zu sein, im Grunde eine Ermessensfrage: Sie liegt in Ihrer Hand. Das heißt: Sie haben die Macht, sich selbst glücklich zu machen. Sie können für sich selbst in Erfahrung bringen, was Ihrem Leben Sinn und Bedeutung verleiht, was Sie fesselt und worin Sie aufgehen. Sie können selbst bestimmen, was Ihnen Freude macht – durch welche kleinen Dinge Sie in den Genuss von Glücksmomenten kommen.

Warten Sie also nicht darauf, glücklich zu sein, sondern lernen sie es. Auf diese Weise kann Glücklichsein zu Ihrer Gewohnheit werden, zu Ihrem Naturell, zu Ihrer normalen Daseinsform.

Was nicht hilft

Ihr Glück liegt also tatsächlich in Ihrer Macht. So weit, so gut. Das haben Sie verstanden. Doch was ist, wenn Sie trotzdem überzeugt davon sind, aus vielerlei Gründen auf keinen Fall glücklich sein zu können? In Kapitel 3 werden wir uns mit den Hindernissen befassen, die sich zwischen Sie und Ihr Glück stellen. Wir werden die Probleme, Schwierigkeiten und Herausforderungen benennen und sehen, wie Sie sie bewältigen können. Doch lassen Sie uns zunächst einige kontraproduktive Einstellungen zum Thema Glück betrachten.

Ich habe es nicht verdient, glücklich zu sein

Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass Sie es nicht verdienen, glücklich zu sein, weil sie früher irgendetwas falsch gemacht haben. Sie haben sich für oder gegen etwas entschieden und das war falsch. Sie geben sich selbst die Schuld; es fühlt sich an wie ein Verlust, Sie sind voller Sorge und würden Ihre Entscheidung am liebsten rückgängig machen. Möglicherweise bereuen Sie etwas, dass Sie getan oder unterlassen haben. Vielleicht haben Sie andere verletzt oder ihnen Schaden zugefügt, es tut ihnen leid, Sie haben ein schlechtes Gewissen und leiden unter Schuldgefühlen. Da finden Sie es falsch, glücklich sein zu wollen.

Falls das auf Sie zutrifft, sollten Sie wissen: Reue, Gewissensbisse und Schuldgefühle dienen eigentlich einem positiven Zweck. Diese „negativen“ Emotionen sollen Sie nämlich nicht am Weitergehen hindern, sondern Sie dazu bringen, das begangene Unrecht wiedergutzumachen, aus Ihren Fehlern zu lernen und sich in Zukunft anders zu verhalten.

Glückliche Menschen lernen aus ihren Fehlern und lassen sie hinter sich. Das können Sie auch. Schimpfen Sie nicht länger mit sich selbst, weil sie etwas falsch gemacht haben. Stehen Sie dazu und akzeptieren Sie: Was Sie getan haben, können Sie nicht mehr rückgängig machen, vorbei ist vorbei. Es lässt sich partout nicht ändern. Aber was Sie als Nächstes tun, darauf haben Sie Einfluss, das können Sie anders ­gestalten.

Doch vielleicht haben Sie gar nichts falsch gemacht. Sondern Sie glauben es nur. Vielleicht haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie das Leiden eines anderen Menschen nicht lindern können oder weil Sie jemand anderem nicht genug geholfen haben. Vielleicht haben Sie Schuldgefühle, weil Sie überlebt haben und jemand anderes nicht. Sie fühlen sich schuldig wegen etwas, für das Sie nicht verantwortlich sind oder waren. Und das bedeutet: In Wahrheit haben Sie keine Schuld, sondern bilden sie sich ein.

Vielleicht denken Sie, man dürfe Ihnen Ihr Glück nicht anmerken, wo doch andere Menschen in ihrem Umfeld unglücklich sind: Ihr Bruder kann keine Arbeit finden oder Ihr Partner hat Depressionen, Ihre Schwester wird einfach nicht schwanger, das Kind einer guten Freundin ist gestorben, oder ein Freund hat seine Stelle verloren, während Sie selbst gerade befördert wurden. Doch das Gefühl, Glück nicht verdient zu haben, hilft niemandem. Sie machen nichts falsch, wenn Sie glücklich sind und es auch zeigen. Im Gegenteil: Nach Glück zu streben ist die richtige Strategie, wenn Sie sich um die Situation anderer Menschen sorgen. Sie sind nämlich eher in der Lage, anderen auch zu Glück zu verhelfen, wenn Sie selbst glücklich sind. Wie das im Einzelnen geht, erfahren Sie in Kapitel 6.

Ich kann nicht vergeben

Vielleicht plagt Sie nicht so sehr das Gefühl, selbst Unrecht getan zu haben, sondern jemand anders hat Ihnen Unrecht getan und Sie kommen nicht darüber hinweg. Möglicherweise hat Ihre Freundin Sie betrogen, Ihr Partner hatte eine Affäre, Ihnen wurde ungerechterweise gekündigt oder jemand hat Ihnen eine Verletzung zugefügt. Sie können nicht vergeben und deswegen auch nicht glücklich sein.

Doch vergeben heißt ja nicht, das erlittene Unrecht widerspruchslos hinzunehmen, es kleinzureden, zu entschuldigen oder zu vergessen. Die andere Person ist weiterhin verantwortlich für ihre Taten. Sie mag es nicht verdient haben, dass Sie ihr für den Schmerz, das Leid und die Traurigkeit, die sie Ihnen zugefügt hat, verzeihen, aber Sie haben es verdient, frei von dieser negativen Einstellung zu sein. Die Vergebung gilt Ihnen selbst, nicht der anderen Person. Vergebung bedeutet, Sie lassen los, was Sie aufgrund dessen, das man Ihnen angetan hat, empfinden: die Feindseligkeit, die Enttäuschung und den Ärger. Sie brauchen keine Rache mehr, keine Strafe oder Wiedergutmachung. Erkennen Sie an, dass vorbei ist, was vorbei ist, und akzeptieren Sie, dass das Gewesene unveränderbar ist. Verändern können Sie aber das, was Sie als Nächstes tun.

„Das Leben wird leichter, wenn Sie lernen, eine Entschuldigung anzunehmen, die Sie nie bekommen haben.“

(Robert Brault)

Natürlich ist Vergebung kein Schalter, den Sie einfach umlegen können, um sofort zu vergessen, was Ihnen angetan wurde. Doch selbst wenn Sie im Moment noch nicht gewillt sind, zu verzeihen, können Sie trotzdem lernen, mit der Erfahrung des Fehlverhaltens zu leben und gleichzeitig auf Ihr Glück hinzuarbeiten.

Ich werde nie wieder so glücklich sein wie früher