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Rolf Peter Sloet

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Beschreibung

Ein totes Mädchen schreit nicht Nach dem brutalen Mord an einem 16-jährigen Mädchen steht die Regensburger Mordkommission vor einem Rätsel. Alle Ermittlungen verlaufen im Sand und der sadistische Mörder scheint ungeschoren davonzukommen. Der fünfte Junge Kommissar Buchmann, der so schnell wie möglich nach München zurückkehren möchte, ahnt, dass er länger im Bayerischen Wald bleiben muss, als ihm lieb sein kann. Kommissar Grantinger Die mächtigste Frau des Orts wird ermordet. Der gefühlvolle, aber auch streitbare Kommissar Grantinger sieht in der schnellen Aufklärung dieses Verbrechens eine Möglichkeit, trotz seiner Strafversetzung noch befördert zu werden. Ein Vorgeschmack auf drei spannende Krimis!

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3 spannende Leseproben 

Rolf Peter Sloet

Ein totes Mädchen schreit nicht

Manfred Faschingbauer

Der fünfte Junge

Wolfgang Hammer

Kommissar Grantinger

Coverbild: aremac/photocase 

ISBN: 978-3-95452-99-2 

 

 

 

 

Tiefenthal 

1.

Der schwere Wagen passierte die Ausfahrt 39 Eynatten und verließ wenig später den belgischen Teil der E 40 mit ihrer durchgehenden, lückenlosen Beleuchtung, die nachts sogar aus dem Weltraum zu erkennen ist.

Jetzt war er wieder in Deutschland und hatte freie Fahrt. Der Fahrer drückte auf das Gaspedal und die knapp vierhundert PS beschleunigten den Jaguar schnell auf über zweihundert km/h. In der Nacht von Samstag auf Sonntag herrschte kaum Verkehr auf der Autobahn und auch mit Radarkontrollen war nicht zu rechnen. In maximal sechs Stunden würde er zu Hause sein. Das Rauschen der Räder auf dem Asphalt, die leise Musik von Vivaldi aus den zehn Lautsprechern im Wagen, die Kegel der Scheinwerfer, die sich in die Dunkelheit bohrten, die Geschwindigkeit, das alles mochte er. Er kontrollierte den Wagen, beherrschte ihn. Auch das mochte er. Kontrollieren und beherrschen.

Der Mann saß ruhig und konzentriert hinter dem Steuer. Bis er plötzlich mit der Faust auf das Lenkrad hieb und »Scheiße!« brüllte.

Es war immer dasselbe. Sie sahen aus wie die Engel, strahlten ihn an, ließen ihn hoffen. Hoffen auf die Erfüllung seiner Sehnsucht, auf das Erreichen des einen, großen Ziels: Die Perfekte, die Unschuldige zu finden, die sich ihm hingab und dankbar dafür war, dass er sie lehrte. Die, die nur ihn und keinen anderen wollte.

Wieder brüllte er »Scheiße«, schrie seine Enttäuschung gegen die Windschutzscheibe.

Erneut hatte er kostbare Zeit vertan, hatte ihn eine betrogen, war ihm eine nicht gerecht geworden. Er atmete tief durch, versuchte sich zu beruhigen.

Langsam ließ seine Erregung nach. Sein Blick suchte den Innenspiegel des Wagens, aber er konnte nicht viel erkennen. Es war zu dunkel. Aber er brauchte den Spiegel nicht, denn er wusste, wie er aussah, wie gut er ausschaute. Viele Frauen drehen sich nach ihm um und natürlich auch nach seinem Auto, wenn er damit langsam durch die Stadt rollte. Frauen mochten Männer, die gepflegt und männlich markant waren, die gut rochen. Seine Haare ließ er in den teuersten Herrensalons schneiden. Die Finger waren perfekt gepflegt und die Schwarzhaarige im Nagelstudio gab sich immer besondere Mühe. Schließlich gab er ihr ein gutes, ein sehr gutes Trinkgeld. Ihre Kontaktversuche blockte er ab. Sie war nicht die, die er suchte. Manche Männer liefen in billigen Jeans und ausgeleierten TShirts herum. Dafür hatte er kein Verständnis. Auch nicht für Bierbäuche, unrasierte Gesichter und untrainierte Körper. So würde er sich nie gehen lassen. Seine Kleidung kaufte er nur in den besten Fachgeschäften, er achtete auf renommierte Labels, auf die farblich passende Zusammenstellung. Er war schlank, durchtrainiert und hielt sich immer fit. Das mochten die Frauen. Und das alles tat er nur für die Eine, die er suchte.

Die erste Schlampe hatte anfangs getan als ziere sie sich, war mit geschlossenen Knien in seinem Auto auf der Rückbank gesessen. Ihr Versprechen, keine Jeans sondern einen Rock zu tragen, hatte sie nicht gehalten. Seine Küsse sollten ihr zeigen, was sie ihm wert war, seine Hände auf ihrer Haut ihr beweisen, dass er, nur er, sie lehren konnte.

Und was machte die Schlampe? Sie zog plötzlich ihren Pulli aus, öffnete ihren billigen BH, zog den Reißverschluss seiner Hose auf, suchte sein Glied.

Dann sagte sie: »Gib mir einhundert Euro. Dann blase ich dir einen.«

Das verschlug ihm die Sprache. Sie sollte seine Auserwählte sein, die Einzige, ihm ihre Unschuld darbieten. Und nun erwies sie sich als Hure. Bezahlen sollte er, eine sechzehnjährige Hure bezahlen. Frauen kaufen konnte er überall, aber er wollte keine kaufen. Er hatte vor, die EINE zu lieben, wollte sein Leben mit ihr teilen, ihr Herr und Meister sein, ihre Dankbarkeit und Zuneigung erfahren.

»Ich habe sie bestraft«, flüsterte er. »Sie hatte mich nicht verdient. Zahlen sollte ich. Aber sie musste zahlen!«

Wut stieg in ihm hoch, wieder hieb er auf das Lenkrad.

»Sie verdiente mich nicht. Sie verdienten mich alle nicht!«, schrie er.

Nach wenigen Minuten beruhigte er sich, stellte die Musik etwas lauter, lehnte sich in die Lederpolster zurück.

Am Autobahnkreuz Heumar bog er nach Süden ab. Später, als die Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben wurde, gab er Vollgas auf der A3.

Er dachte an die Letzte, die ihn auch enttäuscht hatte. Da war alles anders gewesen. Geweint hatte sie, geschluchzt und nach ihrer Mutter gerufen. Sie tat ihm so leid und er versuchte sie zu beruhigen, sie in den Arm zu nehmen. Er küsste ihre Brüste, wollte sie auf die Freude, auf die Lust vorbereiten. Aber das dumme Ding sprang aus dem Auto, schrie gellend. Er bemerkte ihren panischen, angsterfüllten Blick, als er ihr den Mund zuhielt. Dann wurde sie ohnmächtig und sackte in sich zusammen. Aber er fing sie auf, bettete sie auf die Polster seines Wagens, schob ein Kissen unter seinen Kopf, deckte sie mit seiner Jacke zu.

Als sie erwachte und er sie trösten wollte, weinte sie, drohte: »Ich habe das Kennzeichen aufgeschrieben. Ich habe es sogar fotografiert. Meine Eltern gehen zur Polizei und du kommst ins Gefängnis, du Schwein.«

»Schwein!«, hatte sie ihn genannt. Da musste er sie doch bestrafen.

Fünf Stunden später fuhr er den Wagen in die Garage. Völlig erschöpft ging er unter die Dusche und fiel dann auf sein Bett.

»Ich werde mir eine Neue suchen, die Richtige«, dachte er, bevor er einschlief, »gleich morgen.«

Draußen wurde es langsam hell. Es versprach ein sonniger, warmer Tag zu werden.

3. 

Er sah sich selbst als Jäger. Ein Jäger besaß ein Revier und Waffen, ging auf die Pirsch nach Wild, nach einer Trophäe.

Aber sein Revier war nicht der Wald. Er jagte nicht Hasen auf dem Feld. Er suchte sein Wild in den kleinen Städten, in Dörfern und in Diskotheken. Er ging auf die Pirsch im Internet und wusste es für seine Zwecke gezielt zu nutzen. Sein Wild hatte keine vier Beine, trug keinen Pelz und auch kein Gehörn.

Er jagte zweibeiniges Wild, Mädchen, jung und möglichst unschuldig, gelangweilt und neugierig. Seine Waffen waren Lügen und schöne Worte, schnelle Autos und tolle Kleidung, gutes Aussehen, kleine Geschenke und Wissen um die Sehnsüchte seiner Opfer.

Heute war er wieder auf der Jagd.

Permanent auf der linken Spur dahinrasend brachte ihn der kraftvolle Achtzylindermotor seines Luxuswagens in weniger als eineinhalb Stunden in die kleine Stadt am Rande des Oberpfälzer Waldes.

Selbst wenn er so schnell fuhr wie heute, suchten seine Augen in den Autos, die er überholte, nach dem Wild, von dem er träumte. Seine Blicke bohrten sich durch die Scheiben der Wagen, nahmen gezielt und routiniert die Bilder der Menschen auf, die in ihnen saßen. Ihn interessierte nicht, wohin sie reisten, weshalb sie unterwegs waren. Er suchte nur nach der Einen. Die Eine, die zu ihm aufblicken würde, die nur ihn wollte, die bereit war, alles zu erdulden, immerzu lächelte und ihm für das dankte, was er ihr gab.

Aber meistens saßen hinten in den Wagen nur Kinder oder alte Leute, oft auch zwei Frauen. Das alles aber interessierte den Mann nicht.

Er dachte an die beiden letzten Mädchen. Sie hatten ausgeschaut wie Schwestern, wie Zwillingsschwestern und jede von ihnen hätte seine Träume erfüllen können. Er hatte ihnen alles gegeben, was er zu geben vermochte. Dass sie dies nicht zu würdigen gewusst hatten, hatte ihn traurig gestimmt und es war ihm nicht leichtgefallen, das zu tun, was er hatte tun müssen.

Aber heute war seine Jagd zu Ende. Dort, in der kleinen Stadt, wartete sie auf ihn. Bald würde er sie treffen. Sie musste einfach die Richtige sein. Das fühlte er. Die Anstrengungen hatten sich gelohnt.

Als er SunsHineV, so hatte sie sich im Chatroom genannt, das erste Mal persönlich sah, traf es ihn wie einen Blitzschlag. Sie kam ihm auf dem Bürgersteig entgegen, während er wegen des dummen, gelben Transporters vor einem Geschäft in der schmalen Straße warten musste. Der Mann erkannte sie sofort, sog ihren Anblick in sich auf. Ihr Bild brannte sich auf seine Netzhaut ein und er war sich sicher, es würde für immer dort bleiben: Ihr schulterlanges, blondes Haar wehte im Wind. Sie besaß ein rundes, kindliches Gesicht mit blauen Augen, eine kleine Stupsnase und volle Lippen, kirschrot geschminkt. Genau betrachtet hatte sie etwas Babyspeck auf den Hüften. Natürlich war ihr voller Busen in einen zu kleinen Büstenhalter gequetscht und auch das Dekolleté war für ihr Alter zu offenherzig, genauso wie ihm ihr Rock für diese Jahreszeit zu kurz erschien. Das Mädchen trug ihren Rucksack lässig über der rechten Schulter, während sie mit ihrer linken Hand das Haar zu bändigen versuchte. Eine Bewegung, die in ihm eine tiefe Zärtlichkeit erweckte. Und nichts wünschte er sich in diesem Augenblick mehr, als aussteigen zu können, sie in den Arm zu nehmen, einen Knopf ihrer Bluse zu schließen und ihre Brüste so vor den lüsternen Blicken der Passanten zu schützen. Dabei müssten seine Hände ihre weichen Hügel berühren, während er an dem Knopf nestelte. Er wusste genau, wie sie ihn dabei anschauen würde.

»Warummachst du das?«, wäre ihre leise Frage, während eine leichte Röte ihr Gesicht überzog. »Später musst du ihn aber wieder öffnen, wenn all diese Leute fort sind.«

Und beide Brustwarzen würden sich durch den sanften Stoff des Büstenhalters drücken.

»Aber sicher. Später ganz sicher«, flüsterte er vor sich hin, als sie zu seinem Wagen hinüberschaute.

Seine eigene Stimme klang ihm selbst fremd und sein Glied pochte schmerzhaft eingeengt in der Hose.

»Ganz sicher!«

Hinter ihm hupte jemand. Ärgerlich blickte er in den Rückspiegel: ein Kleinwagen, ein alter Knacker am Steuer, der mit der Faust drohte und unhörbar fluchte. Ein kurzer Blick nach vorne, kein Gegenverkehr, er konnte den Transporter überholen, aus dem immer noch ein schwitzender Mann Pakete auslud und diese in das Geschäft brachte.

In dem Augenblick war das Mädchen direkt neben seinem Wagen, sah hinein, lächelte. Sie lächelte ihn an. Fast schüchtern winkte er mit der Rechten, während seine Linke das Lenkrad drehte. Hinten hupte der alte Knacker wieder und in ihm kam der Wunsch auf, auszusteigen und ihm eine zu verpassen.

»Aber Aggression ist nicht meine Art«, dachte er sich. »Was soll das Mädchen von mir denken?«

Er winkte ein zweites Mal und sie bückte sich leicht, schaute noch einmal in den Wagen hinein, ihre Lippen formten ein »Hallo«. Sie wusste, wer er war, hatte ihn erkannt. Seine Augen wanderten zu dem Tal zwischen ihren Brüsten, dann gab er Gas und fuhr an dem gelben Laster vorbei.

Im Rückspiegel glaubte er zu sehen, wie sie ihm nachschaute. Dann verschwand sie aus seinem Sichtfeld. Aber nicht aus seinen Gedanken. Sie würden sich heute sehen, sich endlich treffen und bald auch lieben. Und er war sich sicher: Sie suchte schon nach ihm. In dieser kleinen Stadt war es fast unmöglich, sich nicht über den Weg zu laufen.

Nach wenigen Metern bog er rechts ab in eine schmale Gasse und parkte seinen Wagen auf dem großen Parkplatz hinter dem Gasthof Geier. Er setzte rückwärts in eine Parklücke, ganz vorne in der ersten Reihe. So konnte sie später seinen Wagen schnell finden und dann zu ihm kommen.

Von der Wirtin bekam er den Schlüssel für ein Einzelzimmer und eilte die Treppe hinauf. Die Zimmertür war nicht verschlossen. Hastig warf er seinen Koffer auf das große Bett, stürzte ins Bad, riss sich die Sachen vom Körper. Sein Glied war hart und pochte in seiner Hand. Wenige Sekunden später erleichterte er sich gegen die Kacheln der Dusche. Heftig atmend stellte er das Wasser kalt, was ihn erfrischte und beruhigte. Nach einer Weile seifte er sich ein, ließ lauwarmes Wasser die Seife wegspülen und dann trocknete er sich ab. Er legte sich nackt auf das Bett, schloss die Augen und dachte an das Mädchen.

Bald würde er sie treffen. Bald!

4.

Zum Glück regnete es nicht, aber der Wind war unangenehm. Das Mädchen zog die Schultern hoch und versuchte die Kühle des beginnenden Abends zu ignorieren.

»Ich hätte doch die Jacke mit dem Reißverschluss und Jeans anziehen sollen«, dachte sie. »Aber dann hätte ich uncool ausgeschaut.«

Und das hatte sie heute auf keinen Fall vor. Mit ihrem kurzen Rock und ihrem Dekolleté war sie für das Schießtraining nicht gerade passend gekleidet. Das wusste sie. Aber sie genoss es, wenn die Jungen und auch die erwachsenen Männer auffällig unauffällig auf ihre Beine und ihren Busen schauten.

Das war echt cool.

Vanessa, von ihren Freunden und Bekannten nur Ness genannt, hatte schon von Weitem das tolle Auto gesehen und auch den Fahrer, der ihr schüchtern zuwinkte. Der dunkelgrüne Wagen gefiel ihr: Er sah elegant, schnell und teuer aus. Ganz anders als der alte Golf ihrer Mutter, an dem dauernd etwas kaputt war.

Mutti betonte zwar immer »Der reicht noch ein oder zwei Jahre«, doch in Wirklichkeit hätte sie auch gerne ein neues, glänzendes Auto gehabt. Aber das Geld, das sie verdiente, reichte kaum für sie beide, geschweige denn für einen dieser tollen Schlitten, die der Händler im Nachbarort verkaufte.

Auch der Mann im Wagen hatte ihr gefallen und sie hoffte, es wäre MightyBlack. Er war zwar nicht mehr ganz so jung, aber sie stand sowieso auf erwachsene Männer. Mit gleichaltrigen Jungen und ihren großkotzigen Sprüchen hatte sie zurzeit nichts am Hut.

Mutti meinte, wenn sie auf das Thema »Freund« zu sprechen kamen, dass Ness anscheinend einen Ersatzvater suchte. Sie selbst stritt das zwar energisch ab, aber insgeheim musste sie sich eingestehen, dass Papa ihr wirklich fehlte.

Zwei Jahren saß er jetzt schon im Gefängnis und er würde noch mindestens zwei weitere Jahre in Bayreuth einsitzen müssen. Sechs Jahre hatte ihm der Richter aufgebrummt. Dafür, dass er vergeblich versucht hatte, mit einer ungeladenen Schrottpistole eine Filiale der Volksbank auszurauben. Erst holte ihn die Polizei ab, dann mussten sie aus dem neuen Haus ausziehen und im letzten Jahr hatte sich Mutti auch noch scheiden lassen.

Jetzt arbeitete sie bei einem Discounter an der Kasse. Ness fand, das war der ödeste Job, den man überhaupt machen konnte: Alle Preise auswendig lernen, mit der Linken die Waren vom Band ziehen und mit der Rechten, ohne hinzuschauen, die Preise eintippen. Und das jeden Tag acht oder neun Stunden lang. Mutti hatte nur Spätschicht und nie kam sie abends vor neun Uhr nach Hause.

»Wie kannst du das bloß aushalten, Mutti?«, hatte sie gefragt. »Such dir doch etwas anderes.« Ihre Mutter hatte sie angeblickt. »Ich bin froh, dass ich die Arbeit habe«, war ihre Antwort gewesen.

Sie schaute sich noch einmal um. Der Wagen bog rechts ab. »Ja, der fährt zum Geier«, dachte sie, »dort, wo wir uns heute treffen werden. Vielleicht schaue ich vorher noch einmal nach der geilen Kiste.«

»He Ness. Träumst du?« Shalice stand vor ihr und blickte sie leicht verwundert an. »Beinahe hättest du mich umgerannt!« Sie zog eine Schnute. Das konnte sie besonders gut.

»Ach was! Ich habe gerade nur etwas überlegt. Nichts Wichtiges. Schön, dass du da bist!«

»Überlegt hast du?«, Shalices Stimme klang spöttisch. »Was hast du denn überlegt?«

Sie machte eine kleine Kunstpause. »Schon wieder einen tollen Typen gesehen?«

Ness lachte. »Vielleicht.«

Sie beschloss, ihrer besten Freundin vorläufig nichts von MightyBlack und seinem geilen Auto zu erzählen.

»Gehen wir!« Gemeinsam gingen sie zum Gasthof Geier.

Es war Freitag und die Fünfzehnjährigen hatten sich vor der Redaktion der Donau Post