Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

Weihnachten am Kaminfeuer E-Book

Katie Fforde  

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E-Book-Beschreibung Weihnachten am Kaminfeuer - Katie Fforde

Das mit Puderzucker bestäubte und von innen beleuchtete Lebkuchenhaus trug sehr zur festlichen Atmosphäre bei. Es sah einfach spektakulär aus. Die Wege der Liebe sind unergründlich: Am prasselnden Kaminfeuer werden Gefühle geweckt. Weihnachtseinkäufe nehmen einen überraschenden Ausgang. Und bei Rosé-Sekt und Makronen eifrig verkuppelt. Katie Fforde bittet zu Tisch. Ihre vier Liebesgeschichten locken mit kulinarischen Köstlichkeiten, herzerwärmender Romantik und weihnachtlicher Behaglichkeit. Zusammen mit den beigefügten Rezepten ist nicht nur für literarischen, sondern auch für leiblichen Genuss gesorgt! Dieses eBook enthält die Geschichten "Weihnachtsmenü", "Weihnachtseinkäufe", "Rosé-Sekt und Makronen" und "Eheferien".

Meinungen über das E-Book Weihnachten am Kaminfeuer - Katie Fforde

E-Book-Leseprobe Weihnachten am Kaminfeuer - Katie Fforde

Inhalt

CoverÜber dieses BuchÜber die AutorinTitelImpressumVorwortWeihnachtsmenüWeihnachtseinkäufeRosé-Sekt und MakronenEheferienÜber KatieWeihnachtsrezepte

Über dieses Buch

Das mit Puderzucker bestäubte und von innen beleuchtete Lebkuchenhaus trug sehr zur festlichen Atmosphäre bei. Es sah einfach spektakulär aus.

Die Wege der Liebe sind unergründlich: Am prasselnden Kaminfeuer werden Gefühle geweckt. Weihnachtseinkäufe nehmen einen überraschenden Ausgang. Und bei Rosé-Sekt und Makronen eifrig verkuppelt.

Katie Fforde bittet zu Tisch. Ihre vier Liebesgeschichten locken mit kulinarischen Köstlichkeiten, herzerwärmender Romantik und weihnachtlicher Behaglichkeit. Zusammen mit den beigefügten Rezepten ist nicht nur für literarischen, sondern auch für leiblichen Genuss gesorgt!

Dieses eBook enthält die Geschichten »Weihnachtsmenü«, »Weihnachtseinkäufe«, »Rosé-Sekt und Makronen« und »Eheferien«.

Über die Autorin

Katie Fforde wurde in Wimbledon geboren, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Heute lebt sie mit ihrem Mann, drei Kindern und verschiedenen Katzen und Hunden in einem idyllisch gelegenen Landhaus in Gloucestershire, England. Erst vor wenigen Jahren begann sie mit dem Schreiben romantischer, heiterer Gesellschaftskomödien, die stets sofort die englischen Bestsellerlisten eroberten.

Katie Fforde

Weihnachten am Kaminfeuer

Aus dem Englischen übersetztvon Ulrike Werner

BASTEI ENTERTAINMENT

Die Kurzgeschichten dieses E-Books erschienen auf Deutsch erstmals in dem in der Bastei Lübbe AG veröffentlichten Erzählband »Rendezvous zum Weihnachtsfest« von Katie Fforde.

Digitale Originalausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2014 by Katie Fforde Ltd. Titel der englischen Originalausgabe: »A Christmas Feast and other Stories«

Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Projektmanagement: Kea Rahmann

Covergestaltung: Kirstin Osenau

Unter Verwendung von Motiven von © shutterstock: iana | metwo | Prucsike | S_Photo | Melica | Elisa Schweitzer

eBook-Erstellung: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-7325-3830-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

 

Liebe Leserin,

Weihnachten ist zwar ein schönes, manchmal aber auch stressiges Fest. Man hat unendlich viel zu erledigen und viel zu wenig Zeit dafür. Karten sind zu schreiben (seit vielen Jahren basteln wir unsere eigenen Weihnachtskarten, doch manchmal sehne ich mich danach, sie einfach irgendwo zu kaufen!), Geschenke müssen ausgesucht und hübsch verpackt werden, Einkaufen und Kochen stehen auf der Tagesordnung, und dann gibt es noch die anderen hunderttausend Dinge, die man keinesfalls vergessen darf.

Also bleibt auch keine Zeit zum Lesen, höre ich Sie sagen. Nun, die Besonderheit dieses literarischen Festmahls zur Weihnachtszeit ist die Vielzahl kleiner Leckereien – Geschichten, die man in der Zeit lesen kann, in der man darauf warten muss, dass die Plätzchen genau den richtigen Bräunungsgrad annehmen, oder während man sich ein Bad einlässt.

Eigentlich sollte für jeden etwas dabei sein, und mit etwas Glück können Sie die Zeit erübrigen, es herauszufinden. Dies ist mein Weihnachtsgeschenk für Sie.

Alles Liebe und fröhliche Weihnachten!

Katie Fforde

Weihnachtsmenü

Imogen legte die Bläschenfolie hin, aus der sie gerade einen Spiegel ausgepackt hatte, und lauschte. Es war der Tag vor Heiligabend. Sie war dabei, die paar Kleinigkeiten auszupacken, die sie im Kastenwagen ihres Bruders in ihr gerade angemietetes Cottage gebracht hatte. Tatsächlich, vor dem Haus waren Weihnachtssänger. Ihr war klar, dass die meisten anderen die Sänger vermutlich ignoriert hätten, doch sie stand bereits an der Tür, als die Sänger gerade erst klopfen wollten. Imogen konnte nicht anders, denn sie war Musiklehrerin, und die Weihnachtssänger brauchten unbedingt Nachhilfe.

Vor ihr standen drei Mütter mit ihren noch recht kleinen Kindern. Die Frauen schienen etwas älter zu sein als sie selbst – Anfang dreißig. Sie waren in bunte Mützen und Schals gegen die Kälte gehüllt und hielten Laternen und Notenblätter in den Händen. So wie sie aussahen, hätten sie geradewegs einer Weihnachtskarte entsprungen sein können, hätte wenigstens ein Hauch Schnee gelegen und wären sie nicht so miserable Sängerinnen gewesen.

»Oh, da ist aber noch Luft nach oben«, sagte Imogen mit einem breiten Lächeln, damit man sie nicht für schlecht gelaunt hielt. Sie glaubte nicht, dass sie mit ihrem unordentlichen Pferdeschwanz, der alten Jeans und den Hüttenschuhen Furcht einflößend aussah, doch sie wollte es auch nicht darauf anlegen.

Nervöses Lachen antwortete ihr. Betreten scharrten die drei Damen mit den Füßen.

»Entschuldigung«, sagte eine der Mütter. Sie klang müde, schien aber erfreut zu sein, ein freundliches Gesicht zu sehen. In ihrer Schaffellmütze und den Fellstiefeln sah sie zum Anbeißen aus. »Unsere besten Sänger sind dieses Jahr zu Weihnachten nicht da, deshalb müssen Sie mit uns vorliebnehmen.«

»Aber wenn keine von Ihnen die Lieder kennt, geschweige denn den richtigen Ton trifft, wieso singen Sie dann öffentlich Weihnachtslieder?«, fragte Imogen.

»Wegen der Tradition«, erklärte eine andere hübsche Mami. Sie trug eine Trappermütze mit Ohrenklappen und einen knallroten Schal. »Das Dorf singt schon seit jeher Weihnachtslieder für Miss Wentworth. Sie wohnt übrigens gleich neben Ihnen.«

»Und warum tun Sie das?«, hakte Imogen nach. Sie fand die Idee wirklich sehr charmant.

»Sie war gefühlte hundert Jahre Musiklehrerin hier im Dorf. Inzwischen schafft sie es nicht mehr zur Kirche, um Weihnachtslieder zu hören. Irgendein netter Mensch«, die Mutter klang, als hätte sie lieber idiotisch gesagt, »hatte die Idee, die Musik zu ihr zu bringen. Und das machen wir schon seit Jahren.«

»Aber wieso singen Sie auch vor meiner Tür?«

»Zum Üben«, erklärte die am schlichtesten gekleidete Mutter, die eine Fleecejacke und eine Beaniemütze trug und ein Kleinkind an sich drückte. Das Kleinkind war ganz ähnlich angezogen wie seine Mutter und sah ziemlich schwer aus.

»Also, ich finde es total nett, dass Sie hingehen und einer alten Dame Weihnachtslieder vorsingen.« Obwohl dies der Wahrheit entsprach, argwöhnte Imogen, dass noch etwas anderes hinter der freundlichen Geste steckte.

Die Frauen blickten einander an. »Sie ist nicht etwa eine freundliche alte Dame, der wir ein weihnachtliches Ständchen bringen«, sagte eine von ihnen. »Sie ist eine alte Hexe, und wir alle haben Angst vor ihr. Aber wir müssen es tun. Die Dorftradition verlangt es.«

Das war wirklich interessant! »Am besten, Sie kommen erst einmal rein«, meinte Imogen und hielt die Tür weit auf. »Draußen ist es bitterkalt, und Sie brauchen Hilfe. Hier ist eine Menge Platz. Ich habe noch kaum Möbel.«

Die kleine Truppe betrat Imogens erst vor wenigen Stunden bezogenes neues Heim. Die Luft draußen glitzerte vor Frost, und obwohl niemand mit Schnee rechnete, wirkte alles sehr weihnachtlich und hübsch. Imogen freute sich, dass die Heizung in ihrem Häuschen offenbar ausgezeichnet funktionierte.

»Ich dachte immer, hier wohnt eine Familie«, sagte die Frau mit der Fellmütze und blickte sich um. »Die Smiths. Ich wusste zwar, dass sie ausziehen wollten, aber nicht unbedingt unmittelbar vor Weihnachten.«

»Sie sind schon vor über einem Monat weggezogen«, sagte Imogen.

»Oh!« Die Frau blickte schuldbewusst drein. »Mir war aufgefallen, dass ich Mrs. Smith einige Zeit nicht in der Schule gesehen hatte, doch man trifft die Leute ja nicht ständig.«

»Hübsch hier«, stellte die Frau mit der Trappermütze fest, während sie sich umschaute. »Ein paar Relikte aus der guten alten Zeit. Könnte echt ein Schmuckstück werden. Und einen wirklich tollen Kamin haben Sie da. Er sieht aus, als funktionierte er tatsächlich.«

»Der hat mir auch sofort gefallen«, stimmte Imogen zu. »Als Mieter darf man nicht zu hohe Ansprüche stellen, doch der Kamin ist wirklich perfekt. Ich werde ihn einheizen, sobald ich mit den gröbsten Arbeiten durch bin. Die Vermieter haben versprochen, dass er funktioniert.« Sie hatte eigens ein paar Holzstücke und Kaminanzünder mitgebracht.

»Also, wie meinen Sie, uns helfen zu können?«, erkundigte sich die Frau in der Fleecejacke. Sie hatte ihr Kind abgesetzt und die Mütze abgenommen.

»Damit«, erklärte Imogen und holte ihre Flöte hervor, setzte sie zusammen, drehte den Flötenkopf zurecht und hielt sie an die Lippen. Nach ein paar Probetönen war sie bereit. »Also? Was haben Sie gerade gesungen? Kling, Glöckchen, klingelingeling? Ich glaube, das kann ich auswendig.«

Sekunden später klang das bekannte Weihnachtslied durch den Raum. Sogar die Kinder, die zu schwatzen begonnen hatten, verstummten und hörten andächtig zu.

»Das war wundervoll«, sagte die Mutter mit der Fellmütze. »Ich heiße übrigens Fenella. Könnten Sie es vielleicht noch ein paarmal vorspielen, dass wir uns einhören können?«

»Ich habe etwas anderes vor«, lachte Imogen. »Wir üben das Ganze jetzt zusammen, und dann komme ich mit zu Miss Wentworth. Ich wollte mich ohnehin bei ihr vorstellen. Ich heiße Imogen. Und ich bin Musiklehrerin.«

»Das ist ja ein Zufall! Ich bin Samantha und die Mutter von diesen beiden hier, Teddy und Annabelle«, sagte die Frau mit der Trappermütze.

Die Frau in der Fleecejacke stellte sich ebenfalls vor. »Ich heiße Susie, und das hier ist Rodney. Ich weiß, ich weiß, es ist ein Familienname. Wir rufen ihn Rodders.«

»Okay«, Imogen nickte, »ich hole jetzt schnell ein paar Kekse für die Kinder, und dann machen wir uns an die Arbeit.« Sie ging in die Küche und kehrte mit einem Paket Schokoladenplätzchen zurück. »Ist Schokolade in Ordnung?«

»Es ist ja Weihnachten«, sagte Fenella, »da wollen wir mal nicht so streng sein.«

Während die Kinder die Schokoladenkekse auspackten, die Imogen eigentlich für ihre Nichten und Neffen vorgesehen hatte, schlug Imogen den Müttern gegenüber einen geschäftsmäßigen Ton an. »Tut mir leid, wenn ich vielleicht jetzt manchmal ein bisschen herrisch klinge, doch wir haben schließlich nicht viel Zeit. Welche Weihnachtslieder können Sie am besten?«

Glücklicherweise hatte Imogen bei ihrer ersten Anstellung Erfahrungen damit gesammelt, mit den Schulkindern auf Fluren oder in anderen ungeeigneten Räumen zu üben. Die Frauen, die alle kleine Kinder hatten, waren ähnlich flexibel. Nach einer halben Stunde legte Imogen die Flöte beiseite. »Wissen Sie, eigentlich haben Sie alle sehr hübsche Stimmen. Mit ein paar Stunden Unterricht könnten Sie richtig gut sein.«

»Oh, vielen Dank«, erwiderte Fenella. »Zu Hause singe ich nie, weil mein Mann sich sonst beschwert. Aber Sie machen uns Mut.«

»Glauben Sie, dass wir jetzt so weit sind, für Miss W. zu singen?«, erkundigte sich Susie. »Ich muss nämlich bald nach Hause. Ich habe noch eine so lange Liste abzuarbeiten, dass ich damit die Gästetoilette tapezieren könnte.«

»Geht mir ähnlich«, stimmte Samantha zu. »Ich kann Martins Familie nicht schon wieder einen Kuchen ohne Glasur vorsetzen. Sie halten mich ohnehin schon für eine miese Hausfrau, weil ich keinen Plumpudding zubereite. Außerdem denke ich, dass auch Imogen noch genug zu tun hat.«

Imogen nickte. »Versuchen wir es! Danach können Sie nach Hause gehen, und ich mache mir eine Flasche Wein auf.«

»Was haben Sie zu Weihnachten vor?«, wollte Fenella wissen. »Kommt Ihre Familie? Oder fahren Sie hin?«

»Ich besuche meine Familie, allerdings erst nach Weihnachten. Aber Sie brauchen mich nicht zu bemitleiden. Den Gedanken, noch ein paar Tage Zeit zu haben, um alles auszupacken und mich zu bewegen, ohne dass Kinder um mich herumwuseln – obwohl ich Kinder wirklich mag –, finde ich sehr angenehm.«

Fenella warf ihr einen zweifelnden Blick zu. »Sind Sie ganz sicher?«

»Und wie! Jede Wette, dass ich für die Weihnachtstage mehr Einladungen abgelehnt habe, als Sie drei zusammen je Truthähne zubereitet haben? So, und jetzt gehen wir rüber!«

»Erst sollten wir die Kinder einigermaßen von Schokoladenspuren befreien«, riet Samantha. »Sonst bekommen wir nämlich von Miss W. einen saftigen Kommentar zu hören.«

»Dann ist sie also wirklich keine süße alte Dame mit Apfelbäckchen und Zwinkeräuglein?«, erkundigte sich Imogen, während sie Küchenrolle mit Weihnachtsmotiven verteilte.

»Im Gegenteil«, antwortete Samantha. »Stellen Sie sich Miss W. als scharfäugige, Furcht einflößende alte Dame mit spitzen Fingern vor, die durchdringend nach Pfefferminz riecht.«

»Man kann nach schlimmeren Dingen riechen«, stellte Fenella fest. »Liebling«, wandte sie sich an eines ihrer Kinder, »wenn du mich die Schokolade nicht abwischen lässt, wird Miss Wentworth dich für einen Schokoladenkuchen halten und in dich hineinbeißen wollen.«

Die Drohung hatte den erwünschten Erfolg. Das Grüppchen setzte sich in Bewegung. Imogen nahm ihren Mantel und die Wollmütze vom Haken.

Sie war ein wenig nervös. Zwar hatte ihr kleiner Chor in der letzten Stunde ganz gute Fortschritte gemacht, doch perfekt waren die Damen noch lange nicht. Außerdem missfiel ihr der Gedanke, das Weihnachtsfest Tür an Tür mit der Dorfhexe verbringen zu müssen. Andererseits war sie gespannt, diese offenbar eindrucksvolle Frau kennenzulernen, die eine neue Tradition geschaffen hatte.

Vor Miss Wentworths Haus stellten sie sich im Halbkreis auf. Das Haus im viktorianischen Stil war groß, weiß getüncht und sah tatsächlich ein wenig verwunschen aus, wie Imogen fand, doch vielleicht war dieser Eindruck auch nur ihrer lebhaften Fantasie geschuldet. Ringsherum stand eine wild wuchernde Lorbeerhecke, die es trotz der weißen Farbe düster wirken ließ.

Es überraschte niemanden, dass ihr fröhlicher Gesang zunächst nicht beachtet wurde. Der Chor hatte sein gesamtes Repertoire von Kling, Glöckchen über Zu Bethlehem geboren bis hin zu Stille Nacht (auf Deutsch mit starkem englischem Akzent, weil Miss Wentworth es auf Deutsch bevorzugte) zum Besten gegeben, ehe endlich die Tür geöffnet wurde und Imogen zum ersten Mal ihre neue Nachbarin zu Gesicht bekam.

Hm, dachte sie. Interessant! Sie verstand sofort, warum man ihr die alte Dame als Hexe beschrieben hatte. Miss W. war sehr dünn und früher sicher einmal recht groß gewesen, ging jetzt aber gebückt. Ihr weißes Haar war zu einem von Haarnadeln gehaltenen Knoten geschlungen. Über einer hochgeschlossenen Bluse trug sie eine Strickjacke, über die sie einen Umhang gelegt hatte, und ihr Rock reichte beinahe bis zum Boden. Imogen verstand sofort, warum die Dorfbewohner etwas nervös auf Miss Wentworth reagierten, denn sie schien aus einem vergangenen Jahrhundert zu stammen. Außerdem ertappte sie sich bei einer gewissen Erleichterung, dass ihr neues Leben als Musiklehrerin an der örtlichen Grundschule und hoffentlich auch mit ein paar Privatschülern ihr wenig Zeit für die betagte Nachbarin lassen würde.

Fenella räusperte sich. »Frohe Weihnachten, Miss Wentworth!«, sagte sie.

»Wir sind gekommen, um für Sie zu singen«, fügte Susie hinzu und presste dabei ihr Kleinkind an sich wie einen Schutzschild.

»Bummelt nicht rum, kommt endlich rein!«, sagte Miss Wentworth. Ihre Stimme klang knapp und befehlsgewohnt. Sie betraten den großen, aber tristen Flur. Auf einem Tisch stand eine Vase mit Trockenblumen, an den Wänden hingen ungezählte kleine Bilder. Trotzdem herrschte hier ein Museumsambiente, das allen aufs Gemüt schlug.