Weiter Hoffen (Ein FBI-Thriller mit Lily Dawn – Buch 2) - Ava Strong - E-Book

Weiter Hoffen (Ein FBI-Thriller mit Lily Dawn – Buch 2) E-Book

Ava Strong

0,0

Beschreibung

FBI BAU Special Agent Lily Dawn, halb Holländerin, halb Hispanoamerikanerin, ist in der Karibik aufgewachsen und kennt die Inseln wie ihre Westentasche. Als eine Reihe von Serienmördern in der Gegend ihr Unwesen zu treiben beginnt, stellt das FBI eine Taskforce zusammen, und Lily ist eine offensichtliche Wahl. Doch Lily zögert, sich den Dämonen ihrer Vergangenheit zu stellen und sich mit dem Verschwinden ihrer Schwester zu befassen. Als ein neuer Täter zuschlägt, der seine Opfer auf abgelegenen Inseln zurücklässt, bereitet sich Lily auf ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel vor. "Die Geschichte ist voller Drehungen und Wendungen, doch das Ende übertrifft einfach alles – die letzten Enthüllungen habe ich ganz und gar nicht kommen sehen und sie machen dieses Buch zu einem der spannendsten, das ich in den letzten Jahren gelesen habe." – Rezension für NICHT WIE WIR WEITER HOFFEN ist das zweite Buch in der lang erwarteten, neuen Reihe von Nr. 1 Bestseller-Autorin Ava Strong, deren Bestseller NICHT WIE WIR über 1.000 Fünf-Sterne-Bewertungen und Rezensionen erhalten hat. Lily Dawn wird nach Hause in die Karibik gerufen, aber es ist keine glückliche Heimkehr. Sie hat ihre Eltern nicht mehr gesehen, seit sie vor zehn Jahren nach Miami gezogen ist, und jetzt wurde ihre vermisste Schwester für tot erklärt. Wird Lily in der Lage sein, den kranken Verstand des Mörders zu ergründen? Die Mystery-Serie LILY DAWN ist ein komplexer Psychothriller mit unerwarteten Wendungen, nervenaufreibender Spannung und einer brillanten, neuen Protagonistin, den sie bis spät in die Nacht nicht mehr werden aus der Hand legen können. Bücher Nr. 3 bis 5 in der Reihe – ICH BIN WACH, ICH BIN HIER, ICH BIN WÜTEND – sind ebenfalls erhältlich. "Ein schauriger und spannender Roman, bei dem man bis tief in die Nacht eine Seite nach der anderen verschlingt!" – Rezension für NICHT WIE WIR "Sehr spannend, ich konnte einfach nicht anders, als weiterlesen … Zahlreiche Drehungen und Wendungen und ein wirklich unerwartetes Ende. Ich kann kaum auf den nächsten Band warten!" – Rezension für NICHT WIE WIR "Eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle … Man kann es einfach nicht weglegen, bis man beim Ende ist!" – Rezension für NICHT WIE WIR "Exzellente, äußerst realistische Charaktere, um die man echte Angst hat … Ich konnte nicht aufhören!" – Rezension für DER TODESCODE "Eine tolle Erfahrung, etliche Twists und ein überraschendes Ende. Man will sofort den nächsten Band lesen! Toll gemacht!" – Rezension für DER TODESCODE "Jeden Cent wert. Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, was im nächsten Band passiert!" – Rezension für DER TODESCODE "Schon nach den ersten paar Seiten konnte ich nicht mehr aufhören! Ich kann es nur weiterempfehlen!" – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Die schnelle Action, die Geschichte und die Charaktere haben mir sehr gefallen … Ich wollte einfach nicht aufhören zu lesen und das Ende war total überraschend." – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Die Charaktere sind äußerst überzeugend … Es gibt Drehungen und Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Eine äußerst tolle Geschichte." – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe … Das Ende war eine perfekte Überraschung. Ava Strong ist eine tolle Autorin." – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Wow, was für eine Achterbahnfahrt … Ich habe so oft gedacht, dass ich WEISS, wer der Mörder ist – und jedes Mal lag ich falsch. Das Ende hat mich total überrascht. Ich muss schon sagen, dass ich mich auf den Rest der Reihe freue. Das einzige Problem ist, dass die anderen Bücher noch nicht draußen sind!" – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Eine unglaublich spannende und tolle Geschichte. Bis zum Ende einfach atemberaubend." – Rezension für DIE ANDERE FRAU

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



weiter hoffen

(Ein FBI-Thriller mit Lily Dawn – Buch 2)

Ava Strong

Ava Strong ist die Autorin der Krimireihe ‚REMI LAURENT‘, bestehend aus sechs Büchern (mehr folgen), der Krimireihe ‚ILSE BECK‘, bestehend aus sieben Büchern (mehr folgen), der ‚STELLA FALL‘-Reihe von Psychothrillern, bestehend aus sechs Büchern (mehr folgen), der ‚DAKOTA STEELE‘-Reihe von FBI-Thrillern, bestehend aus sechs Büchern (mehr folgen) und der ‚LILY DAWN‘-Thriller-Buchreihe, bestehend aus fünf Büchern (mehr folgen).

Als Leseratte und lebenslanger Fan der Krimi- und Thriller-Genres, freut sich Ava immer darüber, von ihren Lesern zu hören. Besucht sie doch auf www.avastrongauthor.com, um mehr über sie zu erfahren und über Neuerscheinungen informiert zu werden.

Copyright © 2022 by Ava Strong. Alle Rechte vorbehalten. Vorbehaltlich der Bestimmungen des U.S. Copyright Act von 1976 darf kein Teil dieser Publikation ohne vorherige Genehmigung des Autors in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln reproduziert, verteilt oder übertragen oder in einer Datenbank oder einem Abfragesystem gespeichert werden. Dieses eBook ist nur für Ihren persönlichen Gebrauch lizenziert. Dieses eBook darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch mit einer anderen Person teilen möchten, kaufen Sie bitte für jeden Empfänger ein zusätzliches Exemplar. Wenn Sie dieses Buch lesen und Sie es nicht gekauft haben, oder es nicht nur für Ihren Gebrauch gekauft wurde, dann senden Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihre eigene Kopie. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit dieses Autors respektieren. Dies ist eine erfundene Geschichte. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Vorfälle sind entweder das Ergebnis der Phantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, ob lebendig oder tot, ist völlig zufällig. Jacket image Copyright Dudarev Mikhail and Hlib Shabashnyi, verwendet unter der Lizenz von Shutterstock.com.

BÜCHER VON AVA STRONG

EIN FBI-THRILLER MIT LILY DAWN

WEITERLEBEN (Buch #1)

WEITER HOFFEN (Buch #2)

EIN DAKOTA STEELE FBI-THRILLER

OHNE GNADE (Buch #1)

OHNE RÜCKSICHT (Buch #2)

EIN STELLA-FALL-THRILLER

DIE ANDERE FRAU (Buch #1)

DIE ANDERE LÜGE (Buch #2)

EIN SPANNUNGSGELADENER REMI LAURENT FBI THRILLER

DER TODESCODE (Buch #1)

DER MORDCODE (Buch #2)

DER TEUFELSCODE (Buch #3)

DER RACHECODE (Buch #4)

EIN ILSE BECK-FBI-THRILLER

NICHT WIE WIR (Buch #1)

NICHT WIE ER SCHIEN (Buch #2)

INHALTSVERZEICHNIS

PROLOG

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

PROLOG

Sie war entführt worden.

Gefangen in den Händen eines Wahnsinnigen.

Als das Boot die Wellen durchschnitt, spürte Julia, wie sie mit jedem Ruckeln des Bootes benommener und seekränker wurde. Das Sonnenlicht desorientierte sie und verursachte ein schmerzhaftes Pochen in ihrem Kopf. Aber selbst, wenn sie an die Seite des Bootes rennen, sich über die Reling beugen und sich übergeben hätte wollen, wäre ihr das verwehrt geblieben.

Julia saß gefesselt auf einer Bank auf dem Boot, welches von einem Mann gelenkt wurde. Ihre Beine hatte er nicht gefesselt – sie hätte also aufstehen und sich über das Geländer werfen können. Das Problem war, dass sie sich mitten im Nirgendwo befanden und sie mit gefesselten Armen nicht an Land schwimmen konnte.

Er hatte das Boot aus der Marina und auf hohe See gesteuert.

Nur sie und er.

Und kein Ausweg.

Panik schnürte Julia die Kehle zu. Sie musste daran glauben, dass sie dieser brenzligen Situation irgendwie entrinnen könnte. Aber dieser Mann … er hatte diesen geistesgestörten Blick in den Augen, während er das Boot lenkte. Seine Augen waren weit aufgerissen und er war zappelig. Er trug einen langen Regenmantel, der ihn wohl vor der Gischt des Ozeans schützen sollte. Julia konnte sein Gesicht kaum erkennen, da er den Kragen seines Mantels hochgezogen hatte, um es zu verbergen.

Wohin brachte er sie? Julia wollte gar nicht erst darüber nachdenken. Alles, was sie wusste, war, dass sie tun musste, was immer er von ihr verlangte, weil er Oberwasser hatte.

Eine falsche Bewegung und er könnte sie umbringen.

Nein … Ich werde ihm entkommen. Ich werde das hier überleben … Das muss ich einfach …

Vor ihnen tauchte eine kleine Insel am Horizont auf, was ihr Herz mit Hoffnung erfüllte. Vielleicht gab es dort Menschen. Vielleicht würde jemand sie sehen und ihr helfen.

Sie konnten sich nicht allzu fernab von der Zivilisation befinden, oder?

Julia wusste nicht, um was für eine Insel es sich handelte. Sie hatte sie noch nie zuvor gesehen. Vielleicht eine der kleineren Insel der Bahamas? Sie befanden sich nahe an diesem Gebiet, also war es durchaus denkbar.

Ihre Arme schmerzten. Ihre Schultern hatten sich schmerzhaft verkrampft. Sie wollte sich von ihren Fesseln befreien und diesem Kerl eine verpassen, aber sie wusste, dass sie das nicht konnte.

Das Boot näherte sich dem Ufer. Die Insel war klein, doch die Felsen darauf ragten hoch in den Himmel und steile Klippen fielen auf alle Seiten hin stark ab.

Plötzlich blickte ihr Entführer zu ihr zurück.

„Wir sind hier. Steh auf!“

Julia kam mit größter Mühe auf die Beine. Als sie das tat, ruckelte das Boot und sie verlor das Gleichgewicht, sodass sie um ein Haar ins Wasser fiel.

„Ich habe gesagt, du sollst aufstehen!“ Der Mann stampfte mit seinem Stiefel auf den Boden des Bootes, sodass das gesamte Gefährt ins Wanken kam.

Rasch rappelte sich Julia wieder auf. Sie musste ihren Blick von der Insel abwenden, weil sie ihr nur noch mehr Angst einjagte. Das Boot hatte an einem sonnenerleuchteten Sandstrand angelegt und zu Julias Entsetzen konnte sie weit und breit keine Menschenseele erkennen. Diese Insel war unbewohnt – oder zumindest dieser Teil der Insel.

Und sie war sich sicher, dass dieser Mann sich dessen bewusst war.

Was hat er mit mir vor?

Dieser Gedanke verängstigte sie. Sie musste sich an der Hoffnung festklammern, dass sie überleben würde.

„Dreh dich um!“

Julia tat, wie ihr geheißen, und sah den Mann ein großes Stück Stoff entfalten. Sie vernahm ein Reißen und bemerkte, dass er eine Plane weggezogen hatte. Die Plane hatte Kisten verhüllt und auf diesen Kisten lag ein Werkzeug.

Eine Schaufel.

Julia riss ihre Augen auf. Sie wollte schreien, wollte davonrennen. Doch sie tat keines von beidem. Der Mann warf die Plane beiseite, legte die Schaufel frei. Dann kam er auf sie zu und löste ihre Fesseln. Julia spürte, wie ihre Muskeln sich entspannten, jetzt, wo sie frei waren, aber sie hatte zu große Angst, um den Mann zu schlagen oder wegzurennen. Sie wusste, dass er Waffen auf sich trug.

„Geh vom Boot runter!“, sagte der Mann.

Julias Herz pochte so arg, dass sie fürchtete, sie würde gleich ihr Bewusstsein verlieren. „W-was haben Sie mit mir vor?“

Nein …

Sie dachte an ihre Mutter, ihren Vater. Vielleicht würde sie jemand retten, wenn sie noch etwas länger durchhalten würde.

Er hielt eine Pistole in der Hand.

Julia verließ das Boot und betrat den Strand. Ihre Beine waren weich wie Wackelpudding, und sie fürchtete, sie würden demnächst wegsacken. Sie dachte daran, wegzurennen, aber wohin sollte sie schon laufen? Das hier war eine kleine Insel, sie konnte sich nirgendwo verstecken.

Sie sah den Mann vom Boot steigen, seine Waffe auf sie gerichtet. Er würde ohne Frage auf sie schießen, wenn sie einen Fluchtversuch wagte.

„Geh auf diese erdige Stelle zu!“, instruierte der Mann.

„Wozu?“, wollte Julia wissen.

„Tu es einfach!“

Langsam lief Julia auf die erdige Stelle zu. Es war heiß und der Sand verbrannte ihre nackten Füße. Doch sie wagte es nicht, anzuhalten – andernfalls würde der Mann sie wieder anbrüllen.

„Beweg dich!“, schrie er.

Sobald sie bei der erdigen Stelle angelangt waren, reichte der Mann Julia die Schaufel. Sie dachte darüber nach, sie ihm über den Kopf zu ziehen, aber dann würde er womöglich auf sie schießen und sie umbringen, bevor sie ihm Schaden zufügen konnte.

Wieder saß er am längeren Hebel.

„Beginn zu graben!“, befahl der Mann.

Julia krümmte sich der Magen. „Wozu?“

Zum ersten Mal schien ein fahles Lächeln auf dem Gesicht des Mannes aufzuziehen, obschon Julia aufgrund der weiten Kapuze nach wie vor die Züge des Mannes nicht recht ausmachen konnte.

„Weil“, begann er, „du dein eigenes Grab schaufeln wirst.“

Julia zögerte. Die Augen des Mannes waren dunkel und bedrohlich, und sie wusste, dass er alles tun würde, was nötig war, um zu bekommen, was er wollte.

Mit zitternden Händen begab sie sich zum Erdfleck. Sie sah die Schaufel im Sand liegen und ihr wurde schwer ums Herz, als ihr dämmerte, was passieren würde.

Sie war von einem Wahnsinnigen mit einer Waffe auf eine einsame Insel verschleppt worden, und jetzt wollte er sie lebendig begraben. Tränen trübten ihre Sicht und sie fragte sich, ob sie je jemand finden würde. Und selbst wenn, würde es einen Unterschied machen? Vielleicht würde man annehmen, dass sie ganz einfach gestorben war, weil sie den Elementen ausgesetzt gewesen war. Auch wenn man annehmen würde, dass es sich um einen Mord handelte, was für einen Unterschied würde das schon machen? Sie würde dennoch tot sein.

Während Tränen an ihren Wangen hinabkullerten, bereitete sich Julia mental auf das Kommende vor. Sie wusste, dass das hier ihr Ende sein würde.

Ihr Körper fühlte sich schwerelos an. Sie fühlte sich benommen. Das hier konnte nicht gerade wirklich passieren. Es musste sich um einen Albtraum handeln. Sie musste aufwachen.

Doch dann dämmerte ihr, dass das nicht geschehen würde. Julias Herz pochte immer wilder und die Hitze war unerträglich. Sie war dehydriert und befand sich in Schockzustand, war sich immer noch nicht sicher, ob das alles gerade wirklich geschah.

Sie spürte, wie ihr Bewusstsein entschwand.

Bevor Julia sich gut zureden und sich sagen konnte, dass sie noch etwas länger durchhalten sollte, sackten ihre Knie ein. Sie verlor das Bewusstsein und legte ihr Schicksal in die Hände dieses Wahnsinnigen.

KAPITEL EINS

FBI-Agentin Lily Dawn stand vor einem Wohngebäude in Florida und starrte die sechs Stockwerke eines weißen Gipswandgebäudes hoch, die über ihr in die Höhe ragten. Ihr war angeboten worden, nach Miami zu ziehen und dort in einer FBI-Dienststelle zu arbeiten – und Teil einer vereinten Taskforce zu sein. Mit niemand Geringerem als Xander Jackson, ihrem Partner von der letzten Mission in der Karibik. Lily musste zugeben, dass sie Zweifel hatte. Zum einen hatte sie sich mit Xander nicht gut vertragen, auch wenn er ihr am Ende ans Herz gewachsen war. Zweitens war es seltsam, in einer ganz neuen Dienststelle zu arbeiten, wo sie doch für so lange Zeit in Quantico beschäftigt gewesen war.

Aber: Näher an den Inseln zu sein, bedeutete, dass sie näher an ihrem Zuhause war.

Lily wusste, dass es die richtige Entscheidung gewesen war.

Sie war heute angekommen und hielt einen Koffer in je einer Hand. Ihr gesamtes Hab und Gut, verstaut in zwei Taschen. Alles, was sie für ihre Versetzung von Quantico, Virginia, nach Miami, Florida, brauchte.

Die beiden Städte waren wie Tag und Nacht. Palmen zogen sich über den Rasen vor dem Gebäude und der Himmel war blau und wolkenlos. Obwohl Lily ursprünglich aus Aruba war, hatte sie den Großteil ihres Erwachsenenlebens in den Vereinigten Staaten, genauer gesagt in Virginia, verbracht.

Jetzt starrte sie das Wohnhaus an, das sie fortan ihr Zuhause nennen würde. Lily hatte noch nie viele Habseligkeiten gehabt, also gab es nicht viel zu schleppen. Sie hatte die Wohnung noch nicht besichtigt, aber auf den Fotos hatte die Wohnung entzückend ausgesehen.

Lily atmete tief ein, inhalierte die warme und humide Florida-Luft, bevor sie den Weg in Richtung Gebäude hinabging.

Sie erreichte die Haustür und öffnete sie. Drinnen nickte sie dem Empfangsportier – einem groß gewachsenen und schlaksigen Mann um die zwanzig – zu. „Hallo! Sie müssen unsere neue Nachbarin sein! Ich bin Cole, der Gebäudemanager. Hier sind Ihre Hausschlüssel. Wenn Sie etwas brauchen, lassen Sie es mich wissen!“

„Hallo. Vielen Dank“, erwiderte Lily, nahm ihm die Schlüssel ab und warf ihm ein Lächeln zu. „Ich bin Lily. Ich ziehe heute ein.“

„Sie sind die zweite neue Mieterin in dieser Woche!“, antwortete Cole. „Ich hoffe, Sie beide werden sich hier wohlfühlen.“

„Danke“, sagte Lily und lief durch die Tür.

Es war das erste Mal, dass sie an einen Ort gezogen war, ohne die Wohnung vorab persönlich besichtigt zu haben. Aber sie hatte dem Vermieter eine ansehnliche Kaution überwiesen, also machte sie sich keine allzu großen Sorgen. Sie war überzeugt, dass die Wohnung behaglich sein würde.

Lily betrat die Lobby des Gebäudes und musterte den Marmorboden, die Decke und den kleinen Brunnen in der Mitte des Raumes.

Sie ging auf den Aufzug zu und im nächsten Augenblick befand sie sich auf dem Weg in den sechsten Stock.

Als die Aufzugtüren sich öffneten, betrat Lily einen Flur mit weißen Wänden, einem dunkelroten Boden mit einem kleinen Läufer in der Mitte und einer Reihe Haustüren auf beiden Seiten. Lily suchte kurz nach der Nummer ihrer Wohnung.

„Wohnung Nummer 606“, murmelte sie. Ihre Stimme hallte durch den leeren Korridor.

Lily ging auf die Tür zu und holte ihre Hausschlüssel hervor.

Das Schloss klemmte ein kleines bisschen, aber mit etwas Geschick gelang es Lily, den Schlüssel umzudrehen. Sie öffnete die Tür und betrat die Wohnung.

Die Wände waren weiß, der Boden bestand aus hellem Hartholz. Die Wohnung war ziemlich groß – größer als sie erwartet hatte – und der Balkon reichte um die gesamte Wohnung herum, welche so viele Fenster hatte, dass es sich anfühlte, als stünde sie im Freien. Sie hatte vor ihrer Ankunft Möbel bestellt und liefern lassen, sodass jetzt ein Sofa und ein Wohnzimmertisch im Wohnbereich standen. Zudem eine Matratze im Schlafzimmer, bis sie sich etwas eingelebt hatte.

Lily stellte ihre Koffer ab und ging auf den Balkon zu. Sie trat in die warme Morgensonne und atmete tief ein, dann wieder aus, während sie einen Blick auf die Stadt warf.

Da war sie: in Miami. Sie hatte immer schon davon geträumt, nach Miami zu ziehen, und jetzt war ihr Traum endlich wahr geworden. Sie musste zugeben, dass sie etwas aufgeregt war.

Lily musste sich daran ermahnen, dass das hier kein Urlaub war. Sie war eine FBI-Agentin und Augenblicke wie dieser – in denen sie einfach nur sein konnte – waren selten und oft nicht von langer Dauer.

Lily ging zurück nach drinnen, setzte sich auf das Sofa und zog einen ihrer Koffer zu sich. Sie öffnete die Seitentasche, zog eine Akte daraus und legte sie auf den Wohnzimmertisch.

Es handelte sich dabei um Kriminalakten.

Kriminalakten, die über ein Jahrzehnt alt waren. Und sie betrafen das Verschwinden ihrer Schwester, Kara.

So schön es auch war, in Miami zu sein, Lily wurde noch immer vom Verschwinden ihrer kleinen Schwester auf Aruba geplagt. Sie war nie wieder gesehen worden. Immerhin war es Lilys Schuld gewesen. Kara war immer die Stille und Belesene, Lily hingegen der reinste Partylöwe gewesen. Lily hatte Kara eines Nachts mit auf eine Party genommen und während Lily mit einem Jungen am Strand eingeschlafen war, war Kara verschwunden.

Genau deswegen war Lilys Beziehung zu ihren Eltern angespannt. Aber Lily hatte vor Kurzem mit ihrem Vater telefoniert und herausgefunden, dass er gesundheitlich nicht in guter Verfassung war.

Lily war motivierter als jemals zuvor, herauszufinden, was mit Kara passiert war. Und jetzt, wo sie weitaus näher an Aruba stationiert war, als jemals zuvor, war es durchaus denkbar, dass sie den Fall lösen konnte.

Sie öffnete eine der Akten über Kara und las noch einmal alles durch, was die Polizei in Erfahrung gebracht hatte, bevor der Fall für ungeklärt erklärt worden war. Sie hatten nicht viel herausfinden können. Es gab keine Verdächtigen. Eine Theorie war, dass Kara von Zuhause weggelaufen war, doch diese schien Lily wenig plausibel. Am Ende schien die Polizei zum Schluss gekommen zu sein, dass Kara schwimmen gegangen, ins Meer hinausgetragen und dort ertrunken war.

Diese Theorie wurde nur von einem einzigen Beweisstück gestützt. Dem einzigen Beweisstück, das in Verbindung mit Karas Verschwinden jemals gefunden worden war: eine Perle von Karas Haarzöpfen. Es war dieselbe Art von Perle, die Kara in ihrem Haar getragen hatte, und sie war am Ufer gefunden worden.

Das Problem war, dass Lily das Gelände auf Aruba sehr gut kannte. Es gab hunderte von Perlen wie diese auf dem Meeresgrund. Es handelte sich vermutlich um einen Zufall.

Lily starrte das Foto der Perle stirnrunzelnd an. Sie hatte im Netz danach gesucht. Es handelte sich dabei um eine Perle, die in der Karibik oft über den Ladentisch ging.

War es wirklich möglich, dass es sich nur um einen Zufall handelte? Sie wusste von den Fluten in Aruba und auch, dass Leichen manchmal aufs offene Meer hinausgetragen und nie wiedergefunden wurden.

Dennoch war es seltsam.

Lily seufzte. Sie hatte noch nie viel Vertrauen in andere gehabt und sie würde sich hinsichtlich Karas Verschwinden nicht einfach darauf verlassen, was die Polizei sagte. Sie wollte selbst Antworten finden. Aber sie musste die Sache clever angehen. Sosehr sie am liebsten nach Aruba gereist wäre und zu tauchen angefangen hätte, musste sie diesen Fall bedacht bearbeiten.

Sie brauchte einen Plan.

Lily saß auf ihrem Sofa und sah auf den Balkon ihrer neuen Wohnung und hinüber zur Miami Skyline. Sie schloss ihre Augen und atmete die warme Luft tief ein.

Am Ende beschloss Lily, dass sie ihre Suche am offensichtlichsten Ort beginnen würde: am Strand. Wenn Karas Leiche aufs offene Meer hinausgetragen worden war, wäre sie mittlerweile doch bestimmt gefunden worden. Aber wenn das der Fall wäre, hätte die Polizei eine Leiche und Lily wäre darüber im Bilde gewesen.

Aber vielleicht war ihre Schwester nicht aufs offene Meer hinausgetragen worden. Vielleicht war sie entführt worden.

Oder aber vielleicht war Lily zu hoffnungsfroh. Dennoch … Sie schuldete es ihren Eltern, Kara und sich selbst, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Karas Leiche war nie gefunden worden, was ihr sagte, dass keinesfalls feststand, dass sie wirklich tot war.

Sie hatten keine Beweise.

Sie würde Gebrauch von ihren alten FBI-Kontakten machen und vermutlich nach Aruba reisen müssen. Sie musste clever vorgehen, und auch wenn es eine Weile dauern würde, bis sie es dorthin schaffte, so wollte sie vorbereitet sein.

Sie würde mit den Recherchen beginnen.

Ermittlungen anstellen.

Denn wenn Kara am Leben war, würde Lily sie finden.

In diesem Moment begann Lilys Handy in ihrer Hosentasche zu surren. Sie holte es hervor und stellte fest, dass der Anrufer niemand Geringerer war als Xander Jackson. Lily hatte nicht mehr mit ihm gesprochen, seit sie sich auf den Bahamas voneinander verabschiedet hatten, obwohl sie zugestimmt hatte, nach Miami zu ziehen und mit ihm zu arbeiten. Ihr vormaliger Vorgesetzter, Chief Brock, hatte ihr Xanders Handynummer gegeben, damit sie ihn kontaktieren konnte, aber Lily hatte sich noch nicht bei ihm gemeldet. Sie musste zugeben, dass es sie etwas nervös machte, mit dem nervtötenden und zugleich charmanten Mann aus dem Süden zusammenzuarbeiten, und hatte es nicht eilig gehabt, mit ihm in Kontakt zu treten.

Und jetzt rief er sie an.

Sie holte tief Luft und beantwortete dann den Anruf. „Hier spricht Agent Lily Dawn.“

„Sieh an, sieh an“, meinte Xander und Lily rollte mit den Augen.

„Hallo, Agent Jackson.“

„Ich habe gehört, dass Sie heute nach Miami umgezogen sind“, sagte er verschlagen. „Ich habe gehört, Sie sind hierhergezogen, um meine neue Partnerin zu werden.“

Lily lachte beinahe schallend los. „Lassen Sie mich meine Entscheidung nicht bereuen, Agent Jackson. Ich bin hierhergekommen, um näher an meinem Zuhause zu arbeiten. Meine Entscheidung hatte nichts mit Ihnen zu tun.“

„Oh, Sie brechen mir das Herz.“

„Ich meine es ernst“, sagte sie. „Ich will nur meine Arbeit erledigen.“

„Selbstverständlich. Wir werden unsere Arbeit machen. Und uns im Anschluss vielleicht eine Belohnung in Form von Tequila gönnen?“

Wieder rollte Lily mit den Augen. „Warum haben Sie mich angerufen?“

„Na, wir mögen in Miami sein, Schätzchen, aber hier unten ist nicht nur alles eitel Sonnenschein. Haben Sie schon ausgepackt?“

Lily Puls legte einen Zahn zu und sie setzte sich kerzengerade auf. „Ich bin eben erst in der Wohnung eingetroffen. Was ist los?“

KAPITEL ZWEI

Als Lily das FBI-Hauptquartier in Miami betrat, fühlte sich wie die reinste Außenseiterin. Es war völlig anders als die Dienststelle in Quantico und sie fühlte sich hier noch nicht ganz zugehörig. Sie lief auf den Empfangstresen zu, neben welchem ein Brunnen stand, und hielt ihre Marke hoch. „Guten Tag. Ich bin Agent Lily Dawn“, sagte sie. „Ich wurde vor Kurzem aus Quantico hierher versetzt.“

„Willkommen in Miami, Agent“, sagte die Empfangsdame lächelnd. Sie zeigte den Flur hinunter. „Agent Jacksons Büro befindet sich auf dem obersten Stock. Die Aufzüge befinden sich am Ende des Flurs.“

Lily nickte und begab sich zum Aufzug. Ihre Absätze klackerten gegen den Fliesenboden. Sie drückte den Knopf und fuhr nach oben. Der Aufzug surrte, während sie Stock um Stock höher stieg.

Als sie oben ankam, trat sie in den Flur. Sie wusste ganz genau, wonach sie suchte – das Büro der Dienststellenleiterin –, hielt jedoch auch Ausschau nach Xander.

Wenn man vom Teufel sprach. Als Lily weiterlief, kam zu ihrer Rechten Xanders Büro in Sicht, dessen Tür weit offen stand. Er stand neben seinem Schreibtisch und sprach in den Telefonhörer. Er sah hoch und ertappte Lily dabei, wie sie ihn anstarrte. Sie zog eine Augenbraue hoch, erwartete, dass er in Xander-Manier zu ihr rüberkommen und sie willkommen heißen würde, doch stattdessen bedeutete er ihr mit einer Handbewegung, weiterzulaufen. Sie blickte ihn düster an, bevor sie an seinem Büro vorbei und ans Ende des Flurs lief. Sie passierte das Sitzungszimmer und den Pausenraum. Sie hatte bereits eine Ahnung, wo ihr Büro sich befinden würde, wenn Xander also sie nicht herumführen wollte, na schön. Sie wollte ihm die Genugtuung nicht geben.

Irgendwann fand sie eine Tür mit der Aufschrift ‚Chief Aboye‘. Sie klopfte an und eine Frauenstimme rief ihr von der anderen Seite der Tür zu, dass sie eintreten sollte.

Sie öffnete die Tür und wurde von einer lächelnden Frau in einem schwarzen Anzug begrüßt. Eine Narbe zog sich an ihrer dunklen Wange hinab. Sie saß hinter ihrem Schreibtisch und stand auf, um Lily zu begrüßen.

Lily bewunderte die Frau vor ihr. Sie hatte sich bereits über Chief Ada Aboye schlaugemacht. Sie war um die fünfzig und einst eine Spezialagentin gewesen, die sich dann zu einem Chief hochgearbeitet hatte. Die Frau sah eher aus, als wäre sie um die dreißig und warf Lily ein gutmütiges Lächeln zu.

„Sie müssen Agent Dawn sein“, meinte die Leiterin.

Lily nickte und streckte ihre Hand aus „Es ist mir eine Ehre, Ihre Bekanntschaft zu machen, Ma’am.“

Die Leiterin schüttelte ihre Hand und lächelte. „Nennen Sie mich Ada.“ Sie deutete auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch. „Nehmen Sie Platz.“

„Danke“, sagte Lily und setzte sich. „Ich habe viel von Ihnen gehört.“

„Aha? Und was haben Sie gehört?“

„Ich habe gehört, dass Sie eine treibende Kraft, eine tatkräftige, leistungsstarke und gewiefte Frau sind.“

Ada lachte. „Ich fühle mich geschmeichelt. Und ich bin mir sicher, dass sie mir verraten können, welche der Bezeichnungen am zutreffendsten ist.“

„Ich würde sagen, sie treffen alle zu“, meinte Lily. „Ich freue mich wirklich sehr darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“

„Ich bin mir sicher, dass Sie viel von mir lernen werden“, sagte Ada. „Und ich hoffe, Sie werden mir auch ein paar neue Dinge beibringen.“

„Nur zu gerne“, sagte Lily lächelnd.

„Nun zur Sache“, meinte Ada und lehnte sich im Stuhl zurück. „Wie ich gehört habe, haben Sie mit Ihrem Partner bereits zusammengearbeitet. Wie war die Zusammenarbeit für Sie?“

Lilys Lächeln verblasste, als sie sich überlegte, wie sie Xander aufrichtig und ehrlich, aber auch auf konstruktive Art und Weise beschreiben konnte.

„Agent Jackson hat mir während unserer Zusammenarbeit auf den Bahamas den Rücken freigehalten. Seine Randbemerkungen könnte er jedoch für sich behalten.“

Ada lachte. „Das hört sich ganz nach Jackson an. Wollen Sie damit sagen, dass es schwierig ist, mit ihm zusammenzuarbeiten?“

„Das will ich damit nicht sagen“, erwiderte Lily kopfschüttelnd. „Es ist nur … Wir sind sehr verschieden.“

„Ach, wirklich?“, meinte Ada mit hochgezogener Augenbraue.

„Ich schätze, ich bin es mir einfach zu gewohnt, allein zu arbeiten“, meinte Lily und lachte befangen. „Er ist ein eher geselliger Mensch.“

„Na, dann will ich Ihnen ein kleines Geheimnis verraten. Es ist einfacher mit Menschen zu arbeiten, wenn man ein geselliger Mensch ist.“ Ada lehnte sich nach vorn und stemmte ihre Ellbogen auf den Schreibtisch. „Ich habe zahlreiche Fälle mit Xander bearbeitet. Er ist gut darin, Menschen dazu zu bringen, ihm zu geben, was er von ihnen will, auch wenn es unmöglich scheint. Sie beide haben in der Karibik gute Arbeit geleistet. Ich kann Ihnen versichern, dass wir Sie nicht hierhergeflogen hätten, um mit ihm zusammenzuarbeiten, wenn wir Sie beide nicht für ein gutes Team halten würden.“

Lily nickte. In diesem Augenblick wurde ihr klar, dass sie kaum etwas über Xanders Vergangenheit in Miami wusste. „Wie lange ist er schon in Miami?“

„Vier Jahre, mit Unterbrüchen“, meinte Ada. „Wie Sie wissen, hat Agent Jackson schon so einiges an Erfahrung gesammelt. Er war bei den Navy SEALs, bevor er zu einem FBI-Agenten geworden ist. Er ist einer unserer Besten.“

Lily konnte sich die leichte Verärgerung nicht verkneifen, die sich in ihrer Brust bemerkbar machte. Es schien, als ob Xander trotz seines Verhaltens einer der Lieblingsagenten hier war.

Er war ein mit Federn geschmücktes Mitglied und ein FBI-Agent. Lily, hingegen, war die neu versetzte Agentin und erst achtundzwanzig Jahre alt. Sie würde sich von diesem Umstand nicht ärgern lassen. Wenn sie die Menschen hier beeindrucken musste, würde sie das. Und wenn sie es tat, würde sie sicherstellen, dass sie über ihr Alter hinweg und die wahre Lily sehen würden. Sie war trotz ihres jungen Alters eine gute Agentin und sie hatte sich den Respekt ihrer Kollegen in Quantico verdient. Aber sie war nicht in Quantico, sie war in Miami. Erst jetzt realisierte sie, dass sie sich hier vermutlich noch einmal beweisen müsste.

„Ich bin mir sicher, dass ich viel von ihm lernen werde“, sagte Lily. „Ich bin bereit, anzufangen.“

„Gut“, sagte Ada, „denn …“

Ein Klopfen an der Tür unterbrach Ada und Xander streckte seinen Kopf ins Büro. Er sah Lily in die Augen. Sie fragte sich, mit wem er vorhin telefoniert hatte und warum der Anruf so wichtig gewesen war, dass er sie hatte warten lassen.

„Ah, Agent Jackson“, sagte Ada. „Wir haben gerade über Sie gesprochen.“

„Ach, wirklich?“, erwiderte Xander mit einem Lächeln und nickte Lily zu. Sie verkniff es sich, mit den Augen zu rollen.

„Ich hoffe, nur Gutes“, meinte Xander.

Es war erst eine Woche her, seit Lily ihn zuletzt gesehen hatte. An seinem Äußeren hatte sich nichts verändert. Er war groß gewachsen, schlank, hatte blondes Haar, grüne Augen und gebräunte Haut, weil er zu viel Zeit in der Sonne verbracht hatte. Er hatte einen Südstaatler-Akzent und setzte sich auf den Stuhl neben Lily.

„Natürlich“, antwortete Ada. „Agent Dawn freut sich darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“

Xander grinste Lily an. „Ach, tut sie das?“

Verdammt noch mal. Lily hatte vergessen, wie nervtötend dieser Kerl sein konnte.

„Genug geplaudert“, meinte Ada und holte zwei Akten hervor. Sie reichte Lily eine davon, Xander die andere. „Das hier ist Ihr erster Auftrag als Team vor Ort, und ich muss sagen, der Fall ist äußerst bizarr.“

Lily öffnete die Akte. Xander tat es ihr gleich. Darin befanden sich mehrere Papiere und einige Ausdrucke von … etwas, das wie Schatzkarten aussah.

„Was ist das?“, fragte Lily.

„Es sind mittlerweile drei Opfer“, begann Ada. „Sie stammen alle aus verschiedenen Regionen. Die Karten, die Sie da drinnen sehen, wurden an die örtliche Polizei übermittelt. Weil die Morde sich alle in verschiedenen Bezirken zugetragen haben, gab es keine Kommunikation zwischen den verschiedenen Polizeibehörden.“

Lily sah in Adas braune Augen. „Wurde für die dritte Leiche auch eine Karte geschickt?“

„Seltsamerweise nicht“, sagte Ada. „Aber alle drei Opfer wurden auf Inseln begraben gefunden. Den ersten beiden Karten waren mit Schreibmaschine geschriebene Briefe beigelegt worden, auf denen stand, dass die Polizei der Karte folgen sollte. Das haben sie dann auch getan und die Leichen gefunden. Das dritte Opfer, hingegen, wurde von Einheimischen gefunden, die am Fluss gegraben haben. Die örtliche Polizeibehörde hat uns gesagt, dass sie vor Monaten eine Karte erhalten hätten, die sie im Archiv aufbewahren. Es lag kein Brief bei. Die Leiche ist frisch, also gibt es Abweichungen im Vorgehen. Die ersten beiden Opfer hat man direkt nach Erhalt der Karten gefunden, und sie waren noch nicht lange tot.“

Das war seltsam. Warum würde der Mörder plötzlich sein Vorgehen ändern und eine Karte verfrüht schicken, wenn er alles schon geplant hatte?

Lily blätterte durch die Akten und hielt inne, um mehr über das erste Opfer zu erfahren. Es handelte sich dabei um einen Mann namens Greg Jones. Den Akten lag ein Foto von seiner Leiche bei, das am Tatort geschossen worden war. Die Leiche war voller Schmutz und Sand und dann folgten Fotos des gesäuberten Leichnams in der Gerichtsmedizin. Sie erschauderte, als sie umblätterte und das zweite Opfer musterte. Es handelte sich um eine junge Frau namens Alice Tate, eine Einheimische aus Key West. Auch sie war gefunden worden, nachdem der örtlichen Polizei eine Karte zugeschickt worden war. Die Karte hatte zu ihrer Leiche geführt, die am Strand begraben gewesen war. Die Todesursache für alle Opfer schien dumpfe Gewalteinwirkung auf den Hinterkopf gewesen zu sein. Interessanterweise wiesen die Leichen jedoch auch Spuren an den Armen auf, als wären sie mit einem Seil gefesselt worden. Kleine Seilfasern waren an jedem Tatort festgestellt worden, aber diese hatten die Ermittler nicht weitergebracht.

Lily suchte nach Informationen über das dritte Opfer, konnte jedoch keine finden.

„Wo ist die Akte zum dritten Opfer?“, wollte Lily wissen.

„Er wurde noch nicht identifiziert“, erwiderte Ada. „Die Leiche wurde erst heute gefunden und wir haben ihn noch nicht in die Gerichtsmedizin gebracht. Was bedeutet, dass Sie beide dorthin fahren und vielleicht einige Informationen in Erfahrung bringen können.“

„In Ordnung“, sagte Xander und stand auf. Er klemmte die Akte unter seinen Arm und sah zu Lily. „Bereit, Partner?“