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Wem die Stunde schlägt E-Book

Ernest Hemingway

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Beschreibung

In seinem 1940 publizierten und zu einem der internationalen Bestseller seiner Zeit gewordenen Roman schildert Hemingway eine kurze, nur drei Tage währende Episode aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Es ist die Geschichte des amerikanischen Pioniers Robert Jordan, der den Befehl hat, in den Bergen vor Segovia eine Brücke zu sprengen. Mit einer Schar mutiger Republikaner führt er den Auftrag aus. In dieser kurzen Zeit erfüllt sich auch seine Liebe zu der Partisanin Maria. Inmitten der Ereignisse, die von allen das Äußerste an Opferbereitschaft fordern, vollzieht sich das Schicksal dieser Gruppe, die sich in der Bedrohung durch den herannahenden Feind zusammenfindet. Der Roman wurde mit Ingrid Bergman und Gary Cooper verfilmt. Auf Deutsch erstmals 1941 im Stockholmer Exil bei Bermann Fischer veröffentlicht und nach dem Krieg vom Fischer Verlag verlegt, erscheint er nun mit dessen freundlicher Genehmigung in neuer Übersetzung bei Hemingways Hausverlag Rowohlt und vervollständigt die Neuausgaben wichtiger Werke des Autors.

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Seitenzahl: 819

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Ernest Hemingway

Wem die Stunde schlägt

Roman

 

 

Aus dem Englischen von Werner Schmitz

 

Über dieses Buch

In seinem 1940 publizierten und zu einem der internationalen Bestseller seiner Zeit gewordenen Roman schildert Hemingway eine kurze, nur drei Tage währende Episode aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Es ist die Geschichte des amerikanischen Pioniers Robert Jordan, der den Befehl hat, in den Bergen vor Segovia eine Brücke zu sprengen. Mit einer Schar mutiger Republikaner führt er den Auftrag aus. In dieser kurzen Zeit erfüllt sich auch seine Liebe zu der Partisanin Maria. Inmitten der Ereignisse, die von allen das Äußerste an Opferbereitschaft fordern, vollzieht sich das Schicksal dieser Gruppe, die sich in der Bedrohung durch den herannahenden Feind zusammenfindet.

Der Roman wurde mit Ingrid Bergman und Gary Cooper verfilmt. Auf Deutsch erstmals 1941 im Stockholmer Exil bei Bermann Fischer veröffentlicht und nach dem Krieg vom Fischer Verlag verlegt, erscheint er nun mit dessen freundlicher Genehmigung in neuer Übersetzung bei Hemingways Hausverlag Rowohlt und vervollständigt die Neuausgaben wichtiger Werke des Autors.

Vita

Ernest Hemingway, geboren 1899 in Oak Park, Illinois, gilt als einer der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In den Zwanzigerjahren lebte er als Reporter in Paris, später in Florida und auf Kuba; er nahm aufseiten der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teil, war Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg. 1953 erhielt er den Pulitzerpreis, 1954 den Nobelpreis für Literatur. Hemingway schied nach schwerer Krankheit 1961 freiwillig aus dem Leben.

 

Werner Schmitz ist seit 1981 als Übersetzer tätig, u.a. von Malcolm Lowry, John le Carré, Philip Roth und Paul Auster. 2011 wurde er mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet. Er lebt in der Lüneburger Heide.

Impressum

Die Originalausgabe erschien 1940 unter dem Titel «For Whom the Bell Tolls» bei Charles Scribner’s Sons, New York.

 

Die deutsche Übersetzung folgt der Hemingway Library Edition von 2019, erschienen bei Scribner, New York.

 

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, Januar 2023

Copyright © 2023 by Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg

«For Whom the Bell Tolls» Copyright © 1940 by Ernest Hemingway

Renewal Copyright © 1968 by Mary Hemingway

Deutsche Ausgabe: © Bermann-Fischer Verlag GmbH, Stockholm 1941

Alle Rechte vorbehalten S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung der S.Fischer Verlags GmbH, Frankfurt am Main

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

Covergestaltung Anzinger und Rasp, München

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-644-00734-5

www.rowohlt.de

 

Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.

Dieses Buch ist für

Martha Gellhorn

Niemand ist eine Insel, ganz für sich selbst; jeder ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlands; ob die See ein Klümpchen Erde fortspülte oder eine ganze Landzunge, Europa wäre kleiner; nicht anders, als wär’s ein Landgut deiner Freunde oder deiner selbst; jedes Menschen Tod verkleinert mich, denn ich bin Teil der Menschheit, und darum wünsche nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir.

John Donne

Kapitel 1

Er lag flach auf dem braunen, mit Kiefernnadeln bedeckten Waldboden, das Kinn auf den verschränkten Armen, und hoch über ihm wehte der Wind in den Wipfeln der Kiefern. Wo er lag, senkte der Hang sich sachte; doch unterhalb ging es steil hinab, und er sah das Dunkel der geteerten Straße sich durch den Pass winden. Neben der Straße war ein Bach, und weit hinten am Pass sah er eine Mühle am Bach und das vom Wehr stürzende Wasser weiß im Sonnenlicht.

«Ist das die Mühle?», fragte er.

«Ja.»

«Kann ich mich gar nicht dran erinnern.»

«Sie wurde gebaut, nachdem du zuletzt hier warst. Die alte Mühle ist weiter unten; weit hinter der Passhöhe.»

Er breitete die fotokopierte Militärkarte auf dem Waldboden aus und studierte sie gründlich. Der alte Mann schaute ihm über die Schulter. Der Alte war klein und kräftig und trug einen schwarzen Bauernkittel, eine graue, brettharte Hose und hanfbesohlte Schuhe. Er atmete schwer nach dem Aufstieg, und seine Hand ruhte auf einem der zwei schweren Rucksäcke, die sie getragen hatten.

«Dann kann man die Brücke von hier nicht sehen.»

«Nein», sagte der Alte. «Hier am Pass ist das Gelände einfach, und der Bach fließt ruhig. Unten, wo die Straße hinter den Bäumen verschwindet, geht es plötzlich steil bergab, und es gibt eine tiefe Schlucht …»

«Ich erinnere mich.»

«Über diese Schlucht geht die Brücke.»

«Und wo stehen ihre Posten?»

«Ein Posten ist an der Mühle da hinten.»

Der junge Mann, der das Gelände studierte, nahm seinen Feldstecher aus der Tasche seines verschossenen Khakihemds, wischte mit einem Taschentuch über die Linsen und drehte an den Okularen, bis die Bretter der Mühle scharf wurden, und er sah die Holzbank neben der Tür, den Berg Sägemehl hinter dem offenen Schuppen, in dem die Kreissäge stand, und ein Stück der Rutsche, die die Baumstämme vom Hang auf der anderen Seite des Bachs nach unten brachte. Der Bach zeigte sich klar und glatt, und unterhalb des herabstürzenden Wassers wehte die Gischt vom Wehr im Wind.

«Da ist kein Posten.»

«Aus dem Mühlenhaus kommt Rauch», sagte der Alte. «Und an einer Leine hängt Wäsche.»

«Die sehe ich, aber ich sehe keinen Posten.»

«Vielleicht ist er im Schatten», erklärte der Alte. «Es ist dort heiß jetzt. Er wird im Schatten an dem Ende sein, das wir nicht sehen.»

«Wahrscheinlich. Wo ist der nächste Posten?»

«Unterhalb der Brücke. An der Straßenarbeiterhütte bei Kilometer fünf jenseits der Passhöhe.»

«Wie viele Männer sind hier?» Er zeigte nach der Mühle.

«Vielleicht vier und ein Korporal.»

«Und unten?»

«Mehr. Ich werde es herausfinden.»

«Und an der Brücke?»

«Immer zwei. Einer auf jeder Seite.»

«Wir werden eine bestimmte Anzahl Männer brauchen», sagte er. «Wie viele kannst du besorgen?»

«Ich kann so viele besorgen, wie du willst», sagte der Alte. «Hier in den Bergen sind jetzt viele Männer.»

«Wie viele?»

«Mindestens hundert. Aber alle in kleinen Gruppen. Wie viele wirst du brauchen?»

«Das sage ich dir, wenn wir uns die Brücke angesehen haben.»

«Willst du das jetzt tun?»

«Nein. Jetzt möchte ich dorthin, wo wir den Sprengstoff lagern können, bis wir ihn brauchen. Ich würde ihn gern so sicher wie möglich verstecken, und nicht weiter als eine halbe Stunde von der Brücke entfernt, falls sich das machen lässt.»

«Das ist einfach», sagte der Alte. «Von da, wo wir hingehen, geht es bis zur Brücke nur bergab. Aber um jetzt da hinzukommen, müssen wir natürlich ein bisschen klettern. Hast du Hunger?»

«Ja», sagte der junge Mann. «Aber wir essen später. Wie heißt du noch mal? Ich hab’s vergessen.» Für ihn war das ein schlechtes Zeichen, dass er es vergessen hatte.

«Anselmo», sagte der Alte. «Ich heiße Anselmo und komme aus Barco de Avila. Lass mich dir mit dem Rucksack helfen.»

Der junge Mann, groß und dünn, die blonden Haare von der Sonne gebleicht, das Gesicht von Wind und Sonne gegerbt, bekleidet mit dem von der Sonne entfärbten Flanellhemd, Bauernhosen und hanfbesohlten Schuhen, beugte sich vor, schob einen Arm durch einen der ledernen Traggurte und schwang sich den schweren Rucksack über die Schultern. Er zwängte den anderen Arm durch den zweiten Gurt und richtete das Gewicht des Rucksacks auf seinem Rücken. Sein Hemd war noch nass von da, wo er den Rucksack zuvor getragen hatte.

«Ich habe ihn», sagte er. «Wie machen wir es?»

«Wir klettern», sagte Anselmo.

Tief gebückt und schwitzend unter dem Gewicht der Rucksäcke, stiegen sie den dicht mit Kiefern bewachsenen Hang hinauf. Es gab keinen Weg, den der junge Mann sehen konnte, aber sie gelangten hinauf und um die Vorderseite des Bergs herum, und nachdem sie einen kleinen Bach überquert hatten, stieg der alte Mann zügig am Rand des felsigen Bachbetts weiter hinan. Der Anstieg war jetzt steiler und schwieriger, bis der Bach schließlich über die Kante eines glatten Granitvorsprungs zu fallen schien, der sich über ihnen erhob, und der Alte wartete am Fuß des Vorsprungs, dass der junge Mann zu ihm aufschloss.

«Wie geht’s?»

«Ganz gut», sagte der junge Mann. Er schwitzte stark, und seine Oberschenkel zuckten heftig nach dem steilen Aufstieg.

«Warte hier auf mich. Ich gehe voraus und sage ihnen Bescheid. Du möchtest ja nicht, dass man auf dich schießt, mit dem Zeug da.»

«Ganz bestimmt nicht», sagte der junge Mann. «Ist es weit?»

«Nein, ganz in der Nähe. Wie heißt du?»

«Roberto», antwortete der junge Mann. Er hatte den Rucksack abgenommen und legte ihn vorsichtig zwischen zwei Felsen am Bach.

«Warte hier, Roberto, ich komme bald wieder.»

«Gut», sagte der junge Mann. «Aber habt ihr vor, auf diesem Weg zur Brücke runterzugehen?»

«Nein. Zur Brücke nehmen wir einen anderen Weg. Kürzer und einfacher.»

«Ich möchte dieses Material nicht allzu weit von der Brücke lagern.»

«Du wirst sehen. Wenn du nicht zufrieden bist, nehmen wir einen anderen Ort.»

«Warten wir’s ab», sagte der junge Mann.

Er setzte sich zu den Rucksäcken und beobachtete, wie der alte Mann an dem Vorsprung hochkletterte. Das Klettern war nicht schwierig, seine Hände fanden Halt, ohne dass er danach suchen musste, woran der junge Mann erkannte, dass der Alte schon oft dort hinaufgestiegen war. Aber wer immer dort oben war, hatte gut darauf geachtet, keine Spuren zu hinterlassen.

Der junge Mann, Robert Jordan hieß er, hatte großen Hunger und machte sich Sorgen. Er hatte oft Hunger, machte sich aber normalerweise keine Sorgen, weil er nichts darauf gab, was ihm geschah, und weil er aus Erfahrung wusste, wie einfach es war, sich in dieser Gegend hinter den feindlichen Linien zu bewegen. Es war so einfach, sich dort zu bewegen, wie es einfach war, durch sie hindurchzuschlüpfen, wenn man einen guten Führer hatte. Schwierig wurde es nur, wenn man daran dachte, was einem geschah, wenn man erwischt wurde; das, und zu entscheiden, wem man trauen konnte. Zu den Leuten, mit denen man arbeitete, konnte man nur absolutes oder gar kein Vertrauen haben, und da galt es, Entscheidungen zu treffen. Darüber machte er sich keine Sorgen. Aber es gab anderes.

Dieser Anselmo war ein guter Führer und bewegte sich erstaunlich in den Bergen. Auch Robert Jordan selbst war gut zu Fuß, aber er wusste, nachdem er ihm seit ihrem Aufbruch vor Sonnenaufgang gefolgt war, dass der Alte ihm haushoch überlegen war. Robert Jordan vertraute diesem Anselmo bis jetzt in allem bis auf sein Urteilsvermögen. Er hatte noch keine Gelegenheit gehabt, sein Urteilsvermögen zu erproben, und überhaupt fielen Urteile in seine eigene Verantwortung. Nein, er machte sich keine Sorgen wegen Anselmo, und das Problem mit der Brücke war nicht größer als viele andere Probleme. Er konnte jede Art von Brücke sprengen, er hatte sie in allen Größen und Bauarten gesprengt. Der Sprengstoff und das ganze Zubehör in den zwei Rucksäcken reichten, diese Brücke ordentlich zu sprengen, selbst wenn sie doppelt so groß wäre wie von Anselmo berichtet, und er wusste noch, wie er sie 1933 bei einer Wanderung nach La Granja überquert hatte, und rief sich ins Gedächtnis, wie Golz ihm die Beschreibung der Brücke zwei Abende zuvor oben in dem Haus am Escorial vorgelesen hatte.

«Die Brücke zu sprengen ist ein Kinderspiel», hatte Golz gesagt, Lampenschein auf seinem kahlrasierten vernarbten Schädel, und mit einem Bleistift auf die große Karte gezeigt. «Verstanden?»

«Ja, verstanden.»

«Ein Kinderspiel. Ein Fehler wäre es, die Brücke einfach so zu sprengen.»

«Ja, Genosse General.»

«Die Brücke muss zu einem festgelegten Zeitpunkt gesprengt werden, beruhend auf der für den Angriff geplanten Stunde. Das wissen Sie natürlich. Sie haben das Recht dazu, und so sollte es getan werden.»

Golz sah den Bleistift an und klopfte sich damit an die Zähne.

Robert Jordan hatte nichts gesagt.

«Sie verstehen, Sie haben das Recht dazu, und Sie wissen, wie es getan werden sollte», fuhr Golz fort, sah ihn an und nickte. Jetzt klopfte er mit dem Bleistift auf die Karte. «So sollte ich es machen. Aber so können wir es nicht machen.»

«Warum, Genosse General?»

«Warum?», sagte Golz aufgebracht. «Wie viele Angriffe haben Sie gesehen und fragen mich warum? Was garantiert mir, dass meine Befehle nicht geändert werden? Was garantiert mir, dass es nicht sechs Stunden nach dem festgelegten Zeitpunkt losgeht? Ist jemals irgendein Angriff so gelaufen, wie er sollte?»

«Es wird pünktlich losgehen, wenn es Ihr Angriff ist», sagte Robert Jordan.

«Es sind nie meine Angriffe», sagte Golz. «Ich mache sie. Aber es sind nicht meine. Die Artillerie gehört mir nicht. Ich muss alles beantragen. Man hat mir nie gegeben, was ich verlange, selbst wenn sie es parat hatten. Das ist noch das kleinste Übel. Es gibt anderes. Sie kennen diese Leute. Unnötig, jetzt darauf einzugehen. Immer ist etwas. Immer mischt sich jemand ein. Also hören Sie jetzt genau zu.»

«Wann soll die Brücke gesprengt werden?», hatte Robert Jordan gefragt.

«Nachdem der Angriff begonnen hat. Sobald der Angriff begonnen hat, auf keinen Fall vorher. Damit nicht noch Verstärkung über diese Straße kommen kann.» Er zeigte mit dem Bleistift hin. «Ich muss sicher sein, dass nichts über diese Straße nachkommt.»

«Und wann ist der Angriff?»

«Ich werde es Ihnen sagen. Aber Sie sollen Tag und Stunde nur als Andeutung einer Wahrscheinlichkeit sehen. Für diesen Zeitpunkt müssen Sie bereit sein. Sie werden die Brücke sprengen, nachdem der Angriff begonnen hat. Sehen Sie?» Er zeigte mit dem Bleistift. «Das ist die Straße, auf der sie Verstärkung bringen können. Es ist die einzige Straße, auf der sie Panzer oder Artillerie heranbringen können, oder gar mit einem Lastwagen zu dem Pass hochkommen, den ich angreife. Ich muss wissen, dass diese Brücke nicht mehr da ist. Nicht vorher, sodass man sie reparieren kann, falls der Angriff verschoben wird. Nein. Sie muss weg sein, wenn der Angriff beginnt, und ich muss wissen, dass sie weg ist. Dort stehen nur zwei Posten. Der Mann, der Sie begleiten wird, ist soeben von dort zurück. Ein sehr zuverlässiger Mann, wie man sagt. Sie werden sehen. Er hat Leute in den Bergen. Nehmen Sie so viele Männer, wie Sie brauchen. So wenig wie möglich, aber genug. Ich muss Ihnen das alles nicht sagen.»

«Und wie erfahre ich, dass der Angriff begonnen hat?»

«Er wird von einer vollständigen Division geführt. Zur Vorbereitung gibt es ein Bombardement aus der Luft. Sie sind doch nicht taub, oder?»

«Dann darf ich davon ausgehen, der Angriff hat begonnen, wenn die Flieger ihre Bomben abwerfen?»

«Davon können Sie nicht immer ausgehen», sagte Golz kopfschüttelnd. «Aber in diesem Fall schon. Es ist schließlich mein Angriff.»

«Ich verstehe», hatte Robert Jordan gesagt. «Aber ich kann nicht sagen, dass es mir sonderlich gefällt.»

«Mir gefällt es auch nicht sonderlich. Wenn Sie die Sache nicht übernehmen wollen, sagen Sie es jetzt. Wenn Sie meinen, Sie können das nicht machen, sagen Sie es jetzt.»

«Ich werde es tun», hatte Robert Jordan gesagt. «Und ob ich es tun werde.»

«Mehr muss ich nicht wissen», sagte Golz. «Dass nichts über diese Brücke kommt. Das ist zwingend notwendig.»

«Ich verstehe.»

«Es ist mir zuwider, so etwas und auf diese Weise von Leuten zu verlangen», fuhr Golz fort. «Ich kann Ihnen nicht befehlen, es zu tun. Mir ist klar, was ich Ihnen abverlange, wenn ich solche Bedingungen stelle. Ich erkläre es Ihnen ganz genau, damit Sie es verstehen und um Ihnen die möglichen Schwierigkeiten und die Wichtigkeit des Auftrags begreiflich zu machen.»

«Und wie wollen Sie nach La Granja vorrücken, wenn die Brücke gesprengt ist?»

«Wir sind darauf vorbereitet, sie zu reparieren, sobald der Pass erobert ist. Eine sehr komplizierte, eine großartige Aktion. So kompliziert und so großartig wie immer. Der Plan wurde in Madrid entworfen. Ein weiteres Meisterstück von Vicente Rojo, dem erfolglosen Professor. Ich führe den Angriff, und wie immer führe ich ihn nicht in hinreichender Stärke. Trotzdem ist er nicht aussichtslos. Ich bin viel zufriedener damit als gewöhnlich. Vorausgesetzt, die Brücke ist beseitigt, dann kann er gelingen. Wir können Segovia einnehmen. Schauen Sie, ich zeige es Ihnen. Sehen Sie? Wir greifen nicht die Passhöhe an. Die haben wir. Sondern weit jenseits davon. Sehen Sie – hier – so …»

«Ich möchte das lieber nicht wissen», sagte Robert Jordan.

«Gut», sagte Golz. «Das müssen Sie nicht auch noch auf die andere Seite mitschleppen, richtig?»

«Ich möchte das grundsätzlich lieber nicht wissen. Weil dann, was auch geschieht, nicht ich es war, der geredet hat.»

«Es ist besser, nichts zu wissen.» Golz fuhr sich mit dem Bleistift über die Stirn. «Nichts zu wissen, das wünsche ich mir oft selbst. Aber das Eine, das Sie über die Brücke wissen müssen, wissen Sie doch?»

«Ja, das weiß ich.»

«Ich glaube Ihnen», sagte Golz. «Ich werde Ihnen keinen Vortrag halten. Lassen Sie uns etwas trinken. So viel reden macht mich durstig, Genosse Hordan. Spanisch ausgesprochen, klingt der Name komisch, Genosse Hordown.»

«Wie spricht man Golz auf Spanisch aus, Genosse General?»

«Hotze», sagte Golz grinsend, und es klang, als räusperte sich jemand mit einer schlimmen Erkältung. «Hotze», krächzte er. «Genosse Heneral Chotze. Hätte ich vorher gewusst, bevor ich hier in den Krieg gezogen bin, wie die Spanier Golz aussprechen, hätte ich mir einen besseren Namen ausgesucht. Wenn ich mir vorstelle, ich übernehme das Kommando einer Division und kann mir jeden Namen aussuchen, den ich will, und dann nehme ich Hotze. Heneral Hotze. Aber jetzt ist es zu spät. Wie gefällt es Ihnen bei den partizan?» So nannten die Russen die Guerillakämpfer hinter den Linien.

«Sehr gut», sagte Robert Jordan. Er grinste. «Arbeit an der frischen Luft ist sehr gesund.»

«Als ich in Ihrem Alter war, hat es mir auch sehr gefallen», sagte Golz. «Wie ich höre, sind Sie sehr gut im Brückensprengen. Wie ein Wissenschaftler. Sagt man jedenfalls. Ich selbst habe Sie das noch nie tun gesehen. Vielleicht geschieht überhaupt nichts wirklich. Sie sprengen wirklich Brücken?», scherzte er jetzt. «Trinken Sie», er hielt Robert Jordan ein Glas spanischen Brandy hin. «Sie sprengen wirklich Brücken?»

«Ab und zu.»

«Bitte kein Ab und Zu mit dieser Brücke. Nein, reden wir nicht mehr von dieser Brücke. Sie wissen jetzt genug von der Brücke. Wir meinen es sehr ernst, da können wir auch sehr deftige Scherze machen. Haben Sie eigentlich viele Mädchen auf der anderen Seite der Front?»

«Nein, für Mädchen ist keine Zeit.»

«Das sehe ich anders. Je regelloser der Dienst, desto regelloser das Leben. Sie leisten einen sehr regellosen Dienst. Außerdem sollten Sie sich mal die Haare schneiden lassen.»

«Ich lasse mir die Haare schneiden, wenn es nötig ist», sagte Robert Jordan. Er würde den Teufel tun und sich den Schädel rasieren wie Golz. «Ich habe auch ohne Mädchen genug im Kopf», sagte er mürrisch. «Welche Uniform soll ich anziehen?», fragte er.

«Gar keine», sagte Golz. «Ihr Haarschnitt ist in Ordnung. Ich mache nur Spaß. Sie sind ganz anders als ich», hatte Golz gesagt und die Gläser noch einmal gefüllt. «Man denkt niemals nur an Mädchen. Ich denke überhaupt nicht. Warum sollte ich? Ich bin Général Sovietique. Ich denke nie. Versuchen Sie bloß nicht, mich zum Denken zu verleiten.»

Einer von seinen Leuten, der vor einem mit einer Karte bespannten Reißbrett saß, brummte etwas in der Sprache, die Robert Jordan nicht verstand.

«Sei still», hatte Golz auf Englisch gesagt. «Ich scherze, so viel ich will. Ich kann scherzen, weil ich so ernst bin. Jetzt trinken Sie aus und gehen Sie. Sie haben verstanden, ja?»

«Ja», sagte Robert Jordan. «Ich habe verstanden.»

Sie hatten sich die Hand gegeben, und er hatte salutiert und war zu dem Stabswagen gegangen, wo der alte Mann schlafend auf ihn wartete, und mit dem Wagen waren sie, während der Alte weiterhin schlief, die Straße hinunter an Guadarrama vorbei und dann auf der Straße nach Navacerrada zu der Berghütte gefahren, wo er, Robert Jordan, drei Stunden schlief, ehe sie aufbrachen.

Danach hatte er Golz nicht mehr gesehen, Golz mit seinem seltsam weißen Gesicht, das keine Sonnenbräune annahm, seinen Habichtsaugen, der großen Nase und den schmalen Lippen und dem rasierten, von Falten und Narben durchzogenen Schädel. Morgen Nacht war es so weit, im Schutz der Dunkelheit würden Lastwagen in langen Reihen vor dem Escorial die Infanterie aufnehmen; schwer bepackte Männer in die Lastwagen klettern; Maschinengewehrschützen ihre Waffen in die Lastwagen laden; Panzer über Rampen auf die langgestreckten Panzertransporter rollen; die Division in der Dunkelheit zum Angriff auf den Pass abrücken. Er wollte nicht daran denken. Es ging ihn nichts an. Das war Golz’ Sache. Er hatte nur eins zu tun, und daran sollte er denken, er musste sorgfältig planen und dann alles nehmen, wie es kam, sich nur keine Sorgen machen. Sich Sorgen machen war genauso schlecht wie Angst haben. Es machte einfach alles nur schwerer.

Jetzt saß er an dem Bach und schaute in das klare, zwischen den Felsen strömende Wasser, und als er den Blick hob, bemerkte er am anderen Ufer ein dichtes Büschel Brunnenkresse. Er ging hinüber, rupfte zwei Handvoll aus, spülte die erdigen Wurzeln im Bach, setzte sich wieder neben seinen Rucksack und aß die sauberen, kühlen grünen Blätter und die festen, nach Pfeffer schmeckenden Stiele. Dann kniete er am Bach nieder, schob sich seine Automatikpistole, damit sie nicht nass wurde, am Gürtel entlang ins Kreuz, beugte sich, mit jeder Hand auf einen Stein gestützt, weit vor und trank aus dem Bach. Das Wasser war schneidend kalt.

Als er sich aufrichtete und den Kopf wandte, sah er den alten Mann den Vorsprung herunterkommen. Bei ihm war ein anderer Mann, auch er trug einen schwarzen Bauernkittel und die dunkelgrauen Hosen, die in dieser Provinz fast so etwas wie eine Uniform waren, hanfbesohlte Schuhe und einen Karabiner auf dem Rücken. Der Mann war barhäuptig. Die zwei kletterten den Vorsprung hinunter wie Ziegen.

Sie kamen heran, und Robert Jordan stand auf.

«Salud, Camarada», sagte er zu dem Mann mit dem Karabiner und lächelte.

«Salud», sagte der andere widerwillig. Robert Jordan musterte das grobe, stoppelbärtige Gesicht des Mannes. Es war fast kreisrund, und der runde Kopf saß dicht auf seinen Schultern. Seine Augen waren klein und standen zu weit auseinander, und seine Ohren waren klein und lagen eng an. Er war kräftig gebaut, maß nicht ganz eins achtzig und hatte große Hände und Füße. Seine Nase war gebrochen, und von einem Mundwinkel zog sich eine Narbe über Oberlippe und Kinn, die auch durch die Bartstoppeln gut zu sehen war.

Der Alte wies mit einer Kopfbewegung auf den Mann und lächelte.

«Er ist hier der Boss», grinste er, beugte beide Arme, als wollte er seine Muskeln spielen lassen, und sah den Mann mit dem Karabiner mit halb spöttischer Bewunderung an. «Ein sehr starker Mann.»

«Das sehe ich», sagte Robert Jordan lächelnd. Der Mann gefiel ihm nicht, und innerlich lächelte er kein bisschen.

«Womit kannst du dich ausweisen?», fragte der Mann mit dem Karabiner.

Robert Jordan entfernte die Sicherheitsnadel, mit der die linke Brusttasche seines Flanellhemds verschlossen war, nahm ein gefaltetes Stück Papier heraus und reichte es dem Mann, der faltete es auseinander, warf einen skeptischen Blick darauf und drehte es unschlüssig in den Händen.

Er kann nicht lesen, dachte Robert Jordan.

«Sieh dir das Siegel an», sagte er.

Der alte Mann zeigte auf das Siegel, und der Mann mit dem Karabiner betrachtete es und drehte es hin und her.

«Was ist das für ein Siegel?»

«Hast du das noch nie gesehen?»

«Nein.»

«Es sind zwei», sagte Robert Jordan. «Eins vom S.I.M., dem militärischen Geheimdienst. Das andere ist vom Generalstab.»

«Ja, das Siegel kenne ich. Aber hier befehle nur ich», sagte der andere mürrisch. «Was habt ihr in den Rucksäcken?»

«Dynamit», sagte der alte Mann stolz. «Letzte Nacht sind wir im Dunkeln durch die Linien, und dann haben wir den ganzen Tag lang dieses Dynamit über den Berg geschleppt.»

«Dynamit kann ich brauchen», sagte der Mann mit dem Karabiner. Er gab Robert Jordan das Papier zurück und musterte ihn von oben bis unten. «Ja. Für Dynamit habe ich Verwendung. Wie viel habt ihr mir gebracht?»

«Ich habe dir kein Dynamit gebracht», gab Robert Jordan ruhig zurück. «Das Dynamit ist für etwas anderes bestimmt. Wie heißt du?»

«Wozu willst du das wissen?»

«Er heißt Pablo», sagte der Alte. Der Mann mit dem Karabiner sah die beiden mürrisch an.

«Gut. Ich habe viel Gutes über dich gehört», sagte Robert Jordan.

«Was hast du über mich gehört?», fragte Pablo.

«Ich habe gehört, du bist ein hervorragender Guerillaführer, du stehst loyal zur Republik und beweist deine Loyalität durch Taten, du bist entschlossen und tapfer. Ich überbringe dir Grüße vom Generalstab.»

«Wo hast du das alles gehört?», fragte Pablo. Robert Jordan merkte, dass er ihm die Schmeicheleien nicht abnahm.

«Ich habe es von Buitrago bis zum Escorial gehört», nannte er die ganze Gegend auf der anderen Seite der Front.

«Ich kenne niemand in Buitrago oder im Escorial», erwiderte Pablo.

«Jenseits der Berge sind viele, die früher nicht dort waren. Wo kommst du her?»

«Avila. Was hast du mit dem Dynamit vor?»

«Eine Brücke sprengen.»

«Welche Brücke?»

«Das ist meine Sache.»

«Wenn sie in dieser Gegend ist, ist es meine Sache. Man darf keine Brücken sprengen, dort wo man lebt. Man lebt an einem Ort und operiert an einem anderen. Ich verstehe mein Handwerk. Wer jetzt, nach einem Jahr, noch lebt, versteht sein Handwerk.»

«Das hier ist meine Sache», sagte Robert Jordan. «Wir können darüber reden. Möchtest du uns beim Tragen helfen?»

«Nein.» Pablo schüttelte den Kopf.

Plötzlich fuhr der Alte zu ihm herum und redete rasend schnell und wütend in einem Dialekt auf ihn ein, dem Robert Jordan gerade noch folgen konnte. Als ob man Quevedo lesen würde. Anselmo sprach Altkastilianisch, und das ging etwa so: «Bist du ein Tier? Ja. Bist du ein Vieh? Ja, und ob! Hast du kein Gehirn? Nein. Keins. Wir sind hier für eine Aktion von allerhöchster Bedeutung, und du willst dein elendes Dorf, dieses Fuchsloch, dem bloß nichts geschehen soll, über die Interessen der Menschheit stellen. Über die Interessen deines Volks. Ich soundso in die soundso deines Vaters. Ich soundso und so auf dein so. Nimm den Rucksack.»

Pablo sah zu Boden.

«Jeder hat zu tun, was er kann, je nachdem, wie es richtig getan werden kann», sagte er. «Ich lebe hier, und ich operiere jenseits von Segovia. Wenn ihr hier für Unruhe sorgt, wird man uns aus diesen Bergen verjagen. Nur wenn wir hier nichts unternehmen, können wir in diesen Bergen leben. So hält es der Fuchs.»

«Ja», sagte Anselmo bitter. «So hält es der Fuchs, aber wir brauchen den Wolf.»

«Ich bin mehr Wolf als du», sagte Pablo, und Robert Jordan wusste, er würde den Rucksack tragen helfen.

«Soso …» Anselmo sah ihn an. «Du bist mehr Wolf als ich, und ich bin achtundsechzig Jahre alt.»

Er spuckte kopfschüttelnd aus.

«So alt bist du schon?», fragte Robert Jordan, der spürte, dass es fürs Erste gut war, und einen freundlicheren Ton anzuschlagen versuchte.

«Ich werde im Juli achtundsechzig.»

«Falls wir bis dahin noch leben», sagte Pablo. «Ich will dir mit dem Rucksack helfen», sagte er zu Robert Jordan. «Den anderen kann der Alte tragen.» Er klang jetzt nicht mehr mürrisch, sondern fast traurig. «Er ist alt und sehr stark.»

«Ich trage den Rucksack», sagte Robert Jordan.

«Nein», sagte der Alte. «Lass ihn diesem starken Mann.»

«Ich nehme ihn», sagte Pablo zu ihm, und in seinem Missmut lag eine Trauer, die Robert Jordan beunruhigte. Er kannte diese Trauer, und sie hier zu erleben machte ihm Sorgen.

«Dann gib mir den Karabiner», sagte er. Pablo tat es, und nachdem er sich die Waffe über die Schulter geschlungen hatte, begannen sie, die zwei Männer voraus, den schwierigen Aufstieg und kletterten mühevoll den steilen Granit hinan bis ganz nach oben, wo sie im Wald eine grüne Lichtung erreichten.

Sie gingen an der kleinen Wiese entlang, und Robert Jordan, der ohne den Rucksack leicht dahinschritt und nach jenem lastenden, schweißtreibenden Gewicht den starren Karabiner über der Schulter geradezu als angenehm empfand, bemerkte im Gras nicht nur einige abgefressene Stellen, sondern auch Abdrücke von Pflöcken, die in die Erde getrieben worden waren. Und er sah Spuren, wo man Pferde zum Trinken an den Bach geführt hatte, und frischen Dung mehrerer Pferde. Nachts werden sie hier zum Füttern angebunden, tagsüber im Wald versteckt, dachte er. Möchte wissen, wie viele Pferde dieser Pablo hat?

Jetzt fiel ihm ein, wie er bemerkt hatte, ohne es richtig zu erfassen, dass Pablos Hose an Knien und Schenkeln blank abgewetzt war. Möchte wissen, ob er Stiefel hat oder ob er in diesen alpargatas reitet, dachte er. Er müsste doch gut ausgestattet sein. Aber diese Trauer gefällt mir nicht, dachte er. Diese Trauer ist schlecht. Es ist die Trauer, in die sie verfallen, bevor sie weglaufen oder bevor sie zu Verrätern werden. Es ist die Trauer vor dem Ausverkauf.

Im Wald vor ihnen wieherte ein Pferd, und zwischen den braunen Kiefernstämmen, die nur wenig Sonnenlicht durch ihre dichten, einander fast berührenden Wipfel nach unten ließen, entdeckte er die Koppel, ein Seil, das um einige Stämme gespannt war. Die Pferde hatten sich den herankommenden Männern zugewandt, und an einem Baum vor der Koppel waren unter einer Plane die Sättel aufgestapelt.

Die beiden Männer mit den Rucksäcken blieben stehen, und Robert Jordan war klar, jetzt musste er die Pferde bewundern.

«Ja», sagte er. «Schöne Tiere.» Er wandte sich an Pablo. «Deine eigene Kavallerie, mit allem Drum und Dran.»

In der Seilkoppel standen fünf Pferde, drei Braune, ein Rotfuchs und ein Falbe. Nachdem er sie zuerst zusammen betrachtet hatte, sah Robert Jordan jetzt jedes einzelne genau an. Pablo und Anselmo wussten, wie gut sie waren, und während Pablo, stolz und nicht mehr so traurig, sie liebevoll betrachtete, führte sich der Alte auf, als seien sie eine große Überraschung, die er selbst aus dem Ärmel gezaubert hätte.

«Wie findest du sie?», fragte er.

«Die habe ich erbeutet», sagte Pablo, und Robert Jordan bemerkte erfreut den Stolz in seiner Stimme.

«Das», sagte Robert Jordan und wies auf einen der Braunen, einen mächtigen Hengst mit weißer Blesse und einem weißen Vorderfuß, «ist ein Prachtstück.»

Es war ein wunderschönes Pferd und sah aus, als sei es aus einem Gemälde von Velásquez gestiegen.

«Die sind alle gut», sagte Pablo. «Du kennst dich mit Pferden aus?»

«Ja.»

«Gut», sagte Pablo. «Erkennst du bei einem von ihnen eine Schwäche?»

Robert Jordan wusste, jetzt prüfte der Mann, der nicht lesen konnte, seine Papiere.

Die Pferde sahen alle zu dem Mann. Robert Jordan schlüpfte zwischen dem doppelt gespannten Seil der Koppel hindurch und gab dem Falben einen Klaps aufs Hinterteil. Er lehnte sich an die Seile und beobachtete die Pferde, wie sie in der Koppel im Kreis liefen, beobachtete sie gut eine Minute lang, und als sie wieder stillstanden, bückte er sich und stieg aus der Koppel.

«Die rote Stute lahmt am rechten Hinterfuß», sagte er zu Pablo, ohne ihn anzusehen. «Der Huf ist gespalten, und auch wenn es mit dem richtigen Eisen vielleicht nicht schlimmer wird, könnte sie bei einem längeren Ritt über harten Boden ernstlich Schaden nehmen.»

«Der Huf war schon so, als wir sie erbeutet haben», sagte Pablo.

«Das beste von diesen Pferden, der braune Hengst mit der Blesse, hat oben am Kanonenbein eine Beule, die mir nicht gefällt.»

«Das ist nichts», sagte Pablo. «Da hat er sich vor drei Tagen gestoßen. Wenn es was Schlimmes wäre, hätte sich das längst gezeigt.»

Er zog die Plane zurück und zeigte die Sättel. Zwei gewöhnliche Vaquero- oder Hirtensättel, wie amerikanische Cowboysättel, ein reich verzierter Hirtensattel mit handgearbeitetem Leder und großen, gedeckten Steigbügeln, und zwei schwarzlederne Militärsättel.

«Wir haben zwei von der guardia civil getötet», sagte er mit Blick auf die Militärsättel.

«Großwild.»

«Sie standen an der Straße zwischen Segovia und Santa Maria del Real. Sie waren abgestiegen, um die Papiere eines Mannes zu prüfen, der mit einem Karren unterwegs war. Wir konnten sie töten, ohne die Pferde zu verletzen.»

«Habt ihr viele Zivilgardisten getötet?», fragte Robert Jordan.

«Mehrere», sagte Pablo. «Aber nur diese zwei, ohne ihre Pferde zu verletzen.»

«Es war Pablo, der bei Arevalo den Zug gesprengt hat», sagte Anselmo. «Das war Pablo.»

«Wir hatten einen Ausländer dabei, der die Sprengung gemacht hat», sagte Pablo. «Kennst du ihn?»

«Wie heißt er denn?»

«Das weiß ich nicht mehr. Er hatte einen ganz ungewöhnlichen Namen.»

«Wie sah er aus?»

«Er war blond, wie du, aber nicht so groß. Kräftige Hände und eine gebrochene Nase.»

«Kaschkin», sagte Robert Jordan. «Das muss Kaschkin gewesen sein.»

«Ja», sagte Pablo. «Ein sehr ungewöhnlicher Name. Ungefähr so. Was ist aus ihm geworden?»

«Er ist im April gestorben.»

«So geht es jedem», sagte Pablo düster. «So enden wir alle.»

«So enden alle Menschen», sagte Anselmo. «So haben Menschen schon immer geendet. Was hast du, hombre? Was bedrückt dich?»

«Die sind sehr stark», sagte Pablo, als spräche er mit sich selbst. Er sah düster zu den Pferden. «Ihr wisst gar nicht, wie stark sie sind. Ich sehe sie immer stärker, immer besser bewaffnet. Immer besser ausgerüstet. Und ich hier mit Pferden wie diesen. Was kann mich schon erwarten? Sie werden mich jagen und töten. Weiter nichts.»

«Du jagst, wie du gejagt wirst», sagte Anselmo.

«Nein», sagte Pablo. «Jetzt nicht mehr. Und wenn wir uns aus den Bergen zurückziehen, wo sollen wir hin? Antworte! Wohin?»

«In Spanien gibt es viele Berge. Wer von hier wegmuss, kann in die Sierra de Gredos gehen.»

«Ich nicht», sagte Pablo. «Ich bin es leid, gejagt zu werden. Hier sind wir sicher. Wenn ihr hier jetzt eine Brücke sprengt, werden sie uns jagen. Wenn sie wissen, dass wir hier sind, werden sie uns mit Flugzeugen jagen und uns finden. Wenn sie die Mauren auf uns hetzten, werden die uns finden, und dann müssen wir weg. Ich bin das alles leid. Hörst du?», er wandte sich zu Robert Jordan. «Wer gibt dir, einem Ausländer, das Recht, hierher zu kommen und mir zu sagen, was ich tun soll?»

«Ich habe dir mit keinem Wort gesagt, was du tun sollst», erwiderte Robert Jordan.

«Aber das wirst du», sagte Pablo. «Das da. Das ist das Böse.»

Er zeigte auf die zwei schweren Rucksäcke, die sie auf den Boden gelegt hatten, um sich die Pferde anzusehen. Offenbar ließen die Pferde dies alles in ihm aufbrechen, und dass Robert Jordan sich mit Pferden auskannte, hatte seine Zunge gelöst. Die drei standen jetzt an der Koppel, Flecken Sonnenlichts leuchteten auf dem Fell des braunen Hengstes. Pablo sah ihn an und stieß mit dem Fuß an den schweren Rucksack. «Das ist das Böse.»

«Ich erfülle hier nur meine Pflicht», sagte Robert Jordan. «Ich habe Befehl von denen, die diesen Krieg führen. Wenn ich dich bitte, mir zu helfen, kannst du es mir abschlagen; ich finde andere, die mir helfen. Noch habe ich dich gar nicht um Hilfe gebeten. Ich habe zu tun, was mir aufgetragen wurde, und ich kann dir versichern, es ist wichtig. Dass ich Ausländer bin, dafür kann ich nichts. Ich möchte lieber hier geboren sein.»

«Für mich ist jetzt das Wichtigste, dass wir hier nicht behelligt werden», sagte Pablo. «Ich habe die Pflicht, für die zu sorgen, die bei mir sind, und für mich selbst.»

«Für dich selbst. Ja», sagte Anselmo. «Dich selbst, und das schon seit langem. Für dich selbst und deine Pferde. Bis du Pferde hattest, warst du mit uns. Jetzt bist du nur ein weiterer Kapitalist.»

«Das ist ungerecht», sagte Pablo. «Ich bringe die Pferde ständig für die Sache in Gefahr.»

«Kaum», sagte Anselmo verächtlich. «Kaum, wenn du mich fragst. Stehlen: ja. Gut essen: ja. Morden: ja. Kämpfen: nein.»

«Du bist ein alter Mann und wirst mit deinem Mundwerk noch in Schwierigkeiten geraten.»

«Ich bin ein alter Mann und fürchte niemand», erwiderte Anselmo. «Und ich bin ein alter Mann, der keine Pferde hat.»

«Du bist ein alter Mann, der bald sterben wird.»

«Ich bin ein alter Mann, der leben wird, bis er stirbt», sagte Anselmo. «Und ich habe keine Angst vor Füchsen.»

Pablo griff schweigend nach dem Rucksack.

«Vor Wölfen auch nicht», sagte Anselmo und nahm den anderen Rucksack. «Falls du ein Wolf bist.»

«Halt den Mund», sagte Pablo. «Du bist ein alter Mann, der immer zu viel redet.»

«Und immer tun wird, was er versprochen hat», sagte Anselmo, gebeugt unter dem Rucksack. «Und der jetzt Hunger hat. Und Durst. Auf, Guerillaführer mit dem traurigen Gesicht. Führ uns dorthin, wo wir etwas zu essen bekommen.»

Das lässt sich nicht gut an, dachte Robert Jordan. Aber Anselmo ist ein Mann. Prachtkerle, wenn sie gut sind, dachte er. Bessere gibt’s nicht, wenn sie gut sind, und wenn sie schlecht werden, gibt’s keine schlimmeren. Anselmo muss gewusst haben, was er tat, als er uns hierher gebracht hat. Aber es gefällt mir nicht. Mir gefällt das alles nicht.

Das einzig gute Zeichen war, dass Pablo den Rucksack trug und ihm den Karabiner überlassen hatte. Vielleicht ist er immer so, dachte Robert Jordan. Vielleicht ist er einfach einer von den Schwermütigen.

Nein, sagte er sich, mach dir nichts vor. Du weißt nicht, wie er vorher war; aber du weißt, es geht abwärts mit ihm, und er verbirgt es nicht. Wenn er anfängt, es zu verbergen, hat er seine Entscheidung getroffen. Vergiss das nicht, sagte er sich. Sobald er sich zum ersten Mal freundlich verhält, hat er seine Entscheidung getroffen. Aber die Pferde sind großartig, dachte er, prächtige Tiere. Möchte wissen, was in mir Gefühle wecken könnte, wie diese Pferde sie in Pablo wecken. Der Alte hatte recht. Die Pferde haben ihn reich gemacht, und kaum war er reich, wollte er das Leben genießen. Schätze, bald wird er sich grämen, dass er nicht in den Jockey-Club eintreten kann, dachte er. Pauvre Pablo. Il a manqué son Jockey.

Der Gedanke erheiterte ihn. Grinsend sah er die beiden gebeugten Rücken mit den großen Rucksäcken vor sich durch den Wald wanken. Er hatte den ganzen Tag lang nicht mit sich gescherzt, und nachdem er es jetzt getan hatte, fühlte er sich viel besser. Du wirst noch so wie alle anderen, sagte er sich. Auch du wirst noch melancholisch werden. Bei Golz war er schon ziemlich ernst und melancholisch gewesen. Der Auftrag hatte ihm ein wenig zu schaffen gemacht. Ziemlich, dachte er. Sehr. Golz war gut drauf und hatte ihn damit anstecken wollen, bevor er ging, aber es war ihm nicht gelungen.

Wenn man’s bedachte, waren die Besten alle gut drauf. Es war viel besser, gut drauf zu sein, und es stand auch für etwas. Als sei man unsterblich, während man noch am Leben war. Ganz schön kompliziert. Aber viele von ihnen waren nicht mehr übrig. Nein, viele von den Guten waren nicht mehr übrig. Nur verdammt wenige von ihnen waren noch übrig. Und wenn du weiter so denkst, Junge, wirst du bald auch nicht mehr übrig sein. Lass das Denken, alter Freund, alter Genosse. Mann, hab ich Hunger, dachte er. Hoffentlich hat Pablo was Gutes zu essen.

Kapitel 2

Sie waren durch dichten Wald zu der Mulde am oberen Ende des kleinen Tals gelangt, und das Lager, erkannte er, musste sich unterhalb der Felswand befinden, die vor ihnen zwischen den Bäumen zu sehen war.

Tatsächlich war es dort, und es war ein gutes Lager. Man sah nichts davon, bis man direkt davorstand, und Robert Jordan wusste, es war auch aus der Luft nicht zu erkennen. Von oben wäre nichts zu sehen. Es lag so gut versteckt wie eine Bärenhöhle. Aber es schien auch kaum besser bewacht. Im Näherkommen sah er es sich genau an.

In der Felswand war eine große Höhle, und neben dem Eingang saß ein Mann mit dem Rücken am Fels, die Beine vor sich ausgestreckt und seinen Karabiner neben sich an die Wand gelehnt. Er schnitzte mit einem Messer an einem Stock herum, blickte auf, als sie herankamen, und schnitzte weiter.

«Hola», sagte der Sitzende. «Wen haben wir da?»

«Der Alte und ein Sprengmeister», sagte Pablo und stellte den Rucksack in den Höhleneingang. Auch Anselmo lud seine Last ab, und Robert Jordan nahm das Gewehr von der Schulter und lehnte es an den Felsen.

«Nicht so nah bei der Höhle», sagte der Schnitzer; er hatte blaue Augen, und sein dunkles, gutaussehendes, träges Zigeunergesicht war von der Farbe geräucherten Leders. «Da drin brennt ein Feuer.»

«Steh auf und bring die Sachen selber weg», sagte Pablo. «Leg sie dort an den Baum.»

Der Zigeuner rührte sich nicht, sagte nur etwas nicht Druckreifes, und dann träge: «Lass es liegen. Flieg in die Luft. Heilt alle deine Krankheiten.»

«Was machst du da?» Robert Jordan ließ sich neben dem Zigeuner nieder. Der Zigeuner zeigte es ihm. Es war eine primitive Falle, und er schnitzte gerade an dem Querholz.

«Für Füchse», sagte er. «Mit einem schweren Klotz, der sie tötet. Bricht ihnen das Kreuz.» Er grinste Jordan an. «Etwa so, verstehst du?» Er führte mit einer Handbewegung vor, wie die Falle zuschnappte und der Klotz niedersauste, schüttelte den Kopf, zog die Hand zurück und deutete mit ausgebreiteten Armen den erschlagenen Fuchs an. «Sehr praktisch», erklärte er.

«Er fängt Kaninchen», sagte Anselmo. «Der Zigeuner. Wenn er also Kaninchen fängt, sagt er, es sind Füchse. Fängt er einen Fuchs, sagt er, es ist ein Elefant.»

«Und wenn ich einen Elefanten fange?», fragte der Zigeuner, ließ wieder seine weißen Zähne aufblitzen und zwinkerte Robert Jordan zu.

«Sagst du, es ist ein Panzer», gab Anselmo zurück.

«Ich kriege einen Panzer», sagte der Zigeuner. «Ich kriege einen Panzer. Und du kannst das nennen, wie du willst.»

«Zigeuner reden viel und töten wenig», sagte Anselmo.

Der Zigeuner zwinkerte Jordan zu und schnitzte weiter.

Pablo war in der Höhle verschwunden. Robert Jordan hoffte, er gehe etwas zu essen holen. Er saß neben dem Zigeuner am Boden, und die Nachmittagssonne schien durch die Wipfel warm auf seine ausgestreckten Beine. Er roch Essen aus der Höhle, es roch nach Öl und Zwiebeln und gebratenem Fleisch, und sein Magen regte sich vor Hunger.

«Wir können einen Panzer kriegen», sagte er zu dem Zigeuner. «Das ist nicht besonders schwer.»

«Damit?» Der Zigeuner zeigte auf die zwei Rucksäcke.

«Ja», antwortete Robert Jordan. «Ich bring’s dir bei. Du baust eine Falle. Das ist nicht besonders schwer.»

«Du und ich?»

«Klar», sagte Robert Jordan. «Sicher.»

«He», sagte der Zigeuner zu Anselmo. «Bring die Sachen irgendwohin, wo sie sicher sind, ja? Die sind wertvoll.»

Anselmo grunzte. «Ich gehe Wein holen», sagte er zu Robert Jordan. Robert Jordan stand auf, trug die Rucksäcke vom Höhleneingang weg und lehnte sie einander gegenüber an den Baum. Er wusste, was darin war, und sah die beiden nicht gern dicht beieinander.

«Bring mir einen Becher», sagte der Zigeuner zu ihm.

«Ihr habt Wein?», fragte Robert Jordan und setzte sich wieder neben den Zigeuner.

«Wein? Sicher. Einen ganzen Schlauch voll. Na ja, einen halben Schlauch.»

«Und zu essen?»

«Alles, hombre», sagte der Zigeuner. «Wir essen wie Generäle.»

«Und was tun Zigeuner in diesem Krieg?», fragte Robert Jordan.

«Sie bleiben Zigeuner.»

«Guter Plan.»

«Der beste», sagte der Zigeuner. «Wie heißt du?»

«Roberto. Und du?»

«Rafael. Und das mit dem Panzer ist dein Ernst?»

«Klar. Sicher.»

Anselmo kam aus dem Höhleneingang, er trug eine tiefe Steingutschale voll Rotwein, und an seinen Fingern hingen drei Henkelbecher. «Sieh nur», sagte er. «Die haben Becher und alles.» Hinter ihm tauchte Pablo auf.

«Gleich gibt es Essen», sagte er. «Hast du Tabak?»

Robert Jordan ging zu den Rucksäcken, öffnete einen, tastete in der Innentasche herum und zog eins der flachen Päckchen mit russischen Zigaretten hervor, die er in Golz’ Hauptquartier bekommen hatte. Er fuhr mit dem Daumennagel um den Rand der Schachtel, klappte den Deckel auf und reichte sie Pablo, der sich ein halbes Dutzend herausnahm. Pablo hielt sie in seiner großen Hand, nahm eine und betrachtete sie im Gegenlicht. Es waren lange dünne Zigaretten mit Pappröllchen als Mundstück.

«Viel Luft und wenig Tabak», sagte er. «Kenne ich. Der mit dem ungewöhnlichen Namen hatte auch so welche.»

«Kaschkin», sagte Robert Jordan und bot die Zigaretten dem Zigeuner und Anselmo an, die sich jeder eine nahmen.

«Nehmt euch mehr», sagte er, und sie nahmen sich jeder noch eine. Er gab jedem vier dazu, und sie dankten mit einem zweifachen Nicken der Hand, sodass die Zigarette darin nach unten schwang wie ein Degen, den man salutierend senkt.

«Ja», sagte Pablo. «Ein ungewöhnlicher Name.»

«Hier ist der Wein.» Anselmo schöpfte einen Becher aus der Schale und gab ihn Robert Jordan, dann bediente er sich selbst und den Zigeuner.

«Für mich gibt es keinen Wein?», fragte Pablo. Sie saßen alle zusammen vor dem Höhleneingang.

Anselmo gab ihm seinen Becher und ging in die Höhle, um noch einen zu holen. Er kam heraus, beugte sich über die Schale und füllte den Becher, und dann stießen sie alle miteinander an.

Der Wein war gut, ein wenig harzig von dem Schlauch, aber ausgezeichnet, leicht und sauber auf der Zunge. Langsam trinkend, spürte Robert Jordan die Wärme durch seine Erschöpfung strömen.

«Das Essen kommt bald», sagte Pablo. «Und dieser Ausländer mit dem ungewöhnlichen Namen, wie ist er gestorben?»

«Er wurde gefangen genommen und hat sich selbst getötet.»

«Wie ist das passiert?»

«Er wurde verwundet und wollte nicht in Gefangenschaft.»

«Weißt du Genaueres?»

«Nein», log er. Er wusste Genaueres, aber das hätte der Unterhaltung jetzt nicht gutgetan.

«Wir mussten ihm versprechen, ihn zu erschießen, falls er bei der Sache mit dem Zug verwundet wurde und nicht mehr wegkonnte», sagte Pablo. «Er hat sich sehr ungewöhnlich ausgedrückt.»

Er muss schon damals ziemlich nervös gewesen sein, dachte Robert Jordan. Armer Kaschkin.

«Er hatte etwas dagegen, sich selbst umzubringen», sagte Pablo. «Das hat er mir selbst gesagt. Und er hatte große Angst davor, gefoltert zu werden.»

«Hat er euch das auch erzählt?», fragte Robert Jordan.

«Ja», sagte der Zigeuner. «So hat er mit uns allen geredet.»

«Warst du auch bei dem Zug dabei?»

«Ja. Wir alle waren dabei.»

«Er hat sich sehr ungewöhnlich ausgedrückt», sagte Pablo. «Aber er war sehr mutig.»

Armer Kaschkin, dachte Robert Jordan. Er dürfte hier mehr Schaden als Nutzen angerichtet haben. Hätte ich nur gewusst, dass er schon damals so nervös war. Man hätte ihn abziehen sollen. Für Arbeiten wie diese kann man keine Leute brauchen, die so reden. So redet man einfach nicht. Selbst wenn sie ihren Auftrag erfüllen, richten sie mehr Schaden als Nutzen an, wenn sie solches Zeug von sich geben.

«Er war ein bisschen seltsam», sagte Robert Jordan. «Ich glaube, er war ein bisschen verrückt.»

«Aber sehr geschickt, wenn es ums Sprengen ging», sagte der Zigeuner. «Und sehr mutig.»

«Aber verrückt», sagte Robert Jordan. «Bei so etwas muss man ganz klar im Kopf sein, ganz kühl. So darf man einfach nicht reden.»

«Und du», sagte Pablo. «Wenn du bei einer Aktion wie der mit dieser Brücke verwundet wirst, möchtest du dann zurückgelassen werden?»

«Hör zu», sagte Robert Jordan, beugte sich vor und füllte seinen Becher. «Hör mir genau zu. Sollte ich jemals irgendwen um einen kleinen Gefallen bitten müssen, dann werde ich es tun, wenn es so weit ist.»

«Gut», sagte der Zigeuner anerkennend. «So reden die Guten. Ah! Da kommt es.»

«Du hast schon gegessen», sagte Pablo.

«Und ich kann noch das Doppelte vertragen», sagte der Zigeuner. «Seht, wer es bringt.»

Das Mädchen kam mit einer großen Eisenpfanne gebückt aus dem Höhleneingang, und Robert Jordan sah ihr Gesicht schräg von unten und bemerkte zugleich das Seltsame an ihr. Sie sagte lächelnd: «Hola, Genosse», und Robert Jordan sagte: «Salud», und achtete darauf, sie weder anzustarren noch den Blick von ihr abzuwenden. Als sie die Pfanne vor ihn hinstellte, fielen ihm ihre schönen braunen Hände auf. Jetzt sah sie ihm voll ins Gesicht und lächelte. Ihre Zähne leuchteten weiß in ihrem braunen Gesicht, und ihre Haut und ihre Augen waren von derselben goldbraunen Farbe. Sie hatte hohe Wangenknochen, heitere Augen und volle Lippen. Ihr Haar war vom goldenen Braun eines Getreidefelds, das unter der Sonne gedunkelt war, aber am ganzen Kopf so kurz geschnitten, dass es nicht länger war als das Fell eines Bibers. Sie lächelte Robert Jordan ins Gesicht und strich mit einer braunen Hand über ihren Kopf, und die glattgestrichenen Haare richteten sich wieder auf, sobald die Hand darüber hingefahren war.

Sie hat ein schönes Gesicht, dachte Robert Jordan. Wie schön sie wäre, wenn man ihr nicht die Haare abgeschnitten hätte.

«So kämme ich mich», sagte sie zu Robert Jordan und lachte. «Und jetzt iss. Starr mich nicht so an. Die Frisur hat man mir in Valladolid verpasst. Es wächst schon wieder nach.»

Sie setzte sich ihm gegenüber und sah ihn an. Er sah zurück, und sie faltete lächelnd die Hände über ihren Knien. Ihre Beine ragten lang und makellos aus der weiten Hose, und wie sie so dasaß, die Hände auf den Knien, sah er die Umrisse ihrer kleinen, aufrecht stehenden Brüste unter der grauen Bluse. Immer, wenn Robert Jordan sie ansah, bekam er einen Kloß im Hals.

«Teller haben wir nicht», sagte Anselmo. «Nimm dein eigenes Messer.» Das Mädchen hatte vier Gabeln mit den Zinken nach unten an die Eisenpfanne gelehnt.

Sie aßen gemeinsam aus der Pfanne, schweigend, wie es in Spanien Sitte ist. Es gab Kaninchen mit Zwiebeln und grünem Paprika und eine Rotweinsauce mit Kichererbsen. Es war gut zubereitet, das Kaninchenfleisch von den Knochen gelöst, die Sauce köstlich. Robert Jordan trank zum Essen noch einen Becher Wein. Das Mädchen ließ ihn während der Mahlzeit nicht aus den Augen. Alle anderen konzentrierten sich nur aufs Essen. Robert Jordan wischte den Saucenrest vor sich mit einem Stück Brot auf, schob die Kaninchenknochen zur Seite, wischte auch die Sauce von dort auf, wo sie gelegen hatten, wischte mit dem Brot seine Gabel sauber, wischte sein Messer ab, steckte es ein und aß das Brot. Er beugte sich vor, füllte seinen Becher mit Wein, und das Mädchen beobachtete ihn noch immer.

Robert Jordan leerte den Becher zur Hälfte, hatte aber immer noch diesen Kloß im Hals, als er zu dem Mädchen sprach.

«Wie heißt du?», fragte er. Pablo sah rasch zu ihm hin, als er den Ton in seiner Stimme vernahm. Dann stand er auf und ging weg.

«Maria. Und du?»

«Roberto. Bist du schon lange in den Bergen?»

«Drei Monate.»

«Drei Monate?» Er betrachtete ihr Haar, dicht und kurz und, als sie jetzt verlegen darüber hinstrich, kleine Wellen schlagend wie ein Getreidefeld im Wind. «Es wurde mir abrasiert», sagte sie. «In dem Gefängnis in Valladolid wurde man regelmäßig rasiert. Drei Monate hat es gedauert, bis es so weit nachgewachsen ist. Ich war in dem Zug. Ich sollte nach Süden gebracht werden. Nach der Sprengung des Zugs hat man viele Gefangene wieder eingefangen, aber mich nicht. Ich bin mit denen hier gekommen.»

«Ich habe sie in einem Felsversteck gefunden», sagte der Zigeuner. «Als wir gerade aufbrechen wollten. Hombre, das war eine üble Geschichte. Wir haben sie mitgenommen, aber oft dachte ich, wir müssten sie zurücklassen.»

«Und der andere, der mit bei dem Zug war?», fragte Maria. «Der andere Blonde. Der Ausländer. Wo ist er?»

«Tot», sagte Robert Jordan. «Im April.»

«Im April? Im April war das mit dem Zug.»

«Ja», sagte Robert Jordan. «Er starb zehn Tage nach dem Zug.»

«Armer Mann», sagte sie. «Er war sehr mutig. Und du machst auch so etwas?»

«Ja.»

«Auch Züge?»

«Ja. Drei Züge.»

«Hier?»

«In der Extremadura», sagte er. «Ich war in der Extremadura, bevor ich hierher kam. Wir tun sehr viel in der Extremadura. Viele von uns arbeiten in der Extremadura.»

«Und warum bist du jetzt hier in diesen Bergen?»

«Weil ich die Arbeit des anderen Blonden fortsetze. Außerdem kenne ich die Gegend von früher, von vor der Bewegung.»

«Kennst du sie gut?»

«Nein, nicht richtig gut. Aber ich lerne schnell. Ich habe eine gute Karte und einen guten Führer.»

«Der alte Mann», sie nickte. «Der alte Mann ist sehr gut.»

«Danke», sagte Anselmo zu ihr, und Robert Jordan wurde sich plötzlich bewusst, dass er und das Mädchen nicht allein waren, und auch, dass er sich schwertat, sie anzusehen, weil seine Stimme dann so anders wurde. Er verstieß gegen die zweite der beiden Regeln für alle, die gut mit Spaniern auskommen wollen; gib den Männern Tabak und lass die Frauen in Ruhe; und ihm wurde schlagartig klar, dass es ihn nicht scherte. Es gab so vieles, um das er sich nicht zu scheren brauchte, warum also sollte er sich gerade darum scheren?

«Du bist sehr schön», sagte er zu Maria. «Ich wünschte, ich hätte das Glück gehabt, dich zu sehen, bevor dir die Haare abgeschnitten wurden.»

«Es wächst wieder nach», sagte sie. «In sechs Monaten ist es lang genug.»

«Du hättest sie sehen sollen, als wir sie von dem Zug hierhergebracht haben. Sie war so hässlich, dass einem schlecht wurde.»

«Wer ist dein Mann?», fragte Robert Jordan, um sich irgendwie herauszuwinden. «Pablo?»

Sie sah ihn an, lachte und gab ihm einen Klaps aufs Knie.

«Pablo? Hast du Pablo gesehen?»

«Na, dann eben Rafael. Rafael habe ich gesehen.»

«Nein, Rafael auch nicht.»

«Niemand», sagte der Zigeuner. «Das ist eine sehr sonderbare Frau. Hat keinen Mann. Aber sie kocht gut.»

«Wirklich keiner?», fragte Robert Jordan sie.

«Keiner. Keiner. Absolut keiner. Auch nicht du.»

«Nein?», sagte Robert Jordan und fühlte wieder den Kloß im Hals. «Gut. Für Frauen habe ich keine Zeit. Kein bisschen.»

«Nicht mal fünfzehn Minuten?», neckte der Zigeuner. «Nicht mal eine Viertelstunde?» Robert Jordan antwortete nicht. Er sah Maria an, und der Kloß in seinem Hals war so dick, dass er lieber nichts sagte.

Maria sah ihn und lachte, errötete plötzlich, sah ihn aber weiter an.

«Du wirst rot», sagte Robert Jordan. «Errötest du oft?»

«Niemals.»

«Jetzt bist du rot.»

«Dann gehe ich jetzt in die Höhle.»

«Bleib, Maria.»

«Nein», sagte sie, nicht mehr lächelnd. «Ich gehe jetzt in die Höhle.» Sie nahm die Eisenpfanne, aus der sie gegessen hatten, und die vier Gabeln. Sie bewegte sich unbeholfen wie ein Fohlen, aber mit der gleichen Anmut eines jungen Tiers.

«Braucht ihr die Becher noch?», fragte sie.

Robert Jordan sah sie immer noch an, und sie errötete wieder.

«Bring mich nicht dazu», sagte sie. «Ich möchte das nicht.»

«Lass sie hier», sagte der Zigeuner zu ihr. «Hier», er schöpfte einen Becher Wein aus der Schale und gab ihn Robert Jordan, der dem Mädchen nachsah, das den Kopf senkte und mit der schweren Pfanne in die Höhle ging.

«Danke», sagte Robert Jordan. Nachdem das Mädchen weg war, war seine Stimme wieder in Ordnung. «Wir hören jetzt auf damit. Es reicht.»

«Die Schale leeren wir noch», sagte der Zigeuner. «Der Schlauch ist mehr als halb voll. Den haben wir auf einem der Pferde hergebracht.»

«Das war Pablos letzter Raubzug», sagte Anselmo. «Seitdem hat er nichts mehr getan.»

«Wie viele seid ihr?», fragte Robert Jordan.

«Wir sind sieben, dazu zwei Frauen.»

«Zwei?»

«Ja. Die mujer von Pablo.»

«Und sie?»

«In der Höhle. Das Mädchen kocht manchmal was. Ich habe gesagt, sie kocht gut, um sie bei Laune zu halten. Aber meist hilft sie der mujer von Pablo.»

«Und wie ist sie, die mujer von Pablo?»

«Ziemlich hässlich», grinste der Zigeuner. «Ziemlich sehr hässlich. Wenn du Pablo hässlich findest, solltest du erst mal seine Frau sehen. Aber mutig. Hundertmal mutiger als Pablo. Aber hässlich.»

«Zu Beginn war Pablo mutig», sagte Anselmo. «Zu Beginn konnte man auf Pablo zählen.»

«Er hat mehr Leute getötet als die Cholera», sagte der Zigeuner. «Am Anfang der Bewegung hat Pablo mehr Leute getötet als der Typhus.»

«Aber jetzt ist er schon lange muy flojo», sagte Anselmo. «Saft- und kraftlos. Er hat große Angst zu sterben.»

«Vielleicht liegt es daran, dass er am Anfang so viele getötet hat», sagte der Zigeuner nachdenklich. «Pablo hat mehr Leute getötet als die Beulenpest.»

«Die und der Reichtum», sagte Anselmo. «Außerdem trinkt er sehr viel. Am liebsten würde er sich zur Ruhe setzen wie ein matador de toros. Wie ein Stierkämpfer. Aber er kann sich nicht zur Ruhe setzen.»

«Wenn er auf die andere Seite der Front geht, wird man seine Pferde nehmen und ihn zwingen, Soldat zu werden», sagte der Zigeuner. «Auch mir steht nicht der Sinn danach, Soldat zu werden.»

«Das trifft auf alle Zigeuner zu», sagte Anselmo.

«Warum sollten wir auch?», fragte der Zigeuner. «Wer will schon Soldat werden? Machen wir die Revolution, um Soldat zu werden? Ich bin bereit zu kämpfen, aber nicht als Soldat.»

«Wo sind die anderen?», fragte Robert Jordan. Er fühlte sich gut jetzt und schläfrig vom Wein, streckte sich auf dem Waldboden aus und sah durch die Wipfel der Bäume die kleinen Nachmittagswolken der Berge langsam über den hohen spanischen Himmel ziehen.

«Zwei schlafen in der Höhle», sagte der Zigeuner. «Zwei halten Wache oben bei unserem Geschütz. Einer hält unten Wache. Wahrscheinlich schlafen sie alle.»

Robert Jordan drehte sich auf die Seite.

«Was für ein Geschütz ist das?»

«Es hat einen sehr ungewöhnlichen Namen», sagte der Zigeuner. «Ich komme im Augenblick nicht drauf. Es ist ein Maschinengewehr.»

Dürfte ein Schnellfeuergewehr sein, dachte Robert Jordan.

«Wie viel wiegt es?», fragte er.

«Ein Mann kann es tragen, aber es ist schwer. Es hat drei Beine, die man zusammenklappen kann. Wir haben es bei unserem letzten größeren Überfall erbeutet. Vor dem Wein.»

«Wie viel Munition habt ihr?»

«Jede Menge», sagte der Zigeuner. «Eine ganze Kiste, unglaublich schwer.»

Klingt nach ungefähr fünfhundert Schuss, dachte Robert Jordan.

«Wie sieht die Ladevorrichtung aus? Teller oder Gurt?»

«Da ist so eine runde Eisentrommel oben dran.»

Teufel, das ist ein Lewis-MG, dachte Robert Jordan.

«Kennst du dich mit Maschinengewehren aus?», fragte er den alten Mann.

«Nada», sagte Anselmo. «Kein bisschen.»

«Und du?», fragte er den Zigeuner.

«Ich weiß, die feuern sehr schnell und werden so heiß, dass man sich am Lauf die Hand verbrennt», sagte der Zigeuner stolz.

«Das weiß doch jeder», sagte Anselmo verächtlich.

«Mag sein», sagte der Zigeuner. «Aber er hat mich gefragt, was ich von einer máquina weiß, und ich hab’s ihm gesagt.» Dann fuhr er fort: «Außerdem schießen sie, anders als ein normales Gewehr, so lange weiter, wie man den Abzug gedrückt hält.»

«Außer sie haben Ladehemmung, ihnen geht die Munition aus, oder sie werden so heiß, dass sie schmelzen», sagte Robert Jordan auf Englisch.

«Was hast du gesagt», fragte Anselmo.

«Nichts», sagte Robert Jordan. «Ich habe nur auf Englisch in die Zukunft gesehen.»

«Das ist wahrhaftig ungewöhnlich», sagte der Zigeuner. «Auf Inglés in die Zukunft sehen. Kannst du auch aus der Hand lesen?»

«Nein», sagte Robert Jordan und schöpfte sich noch einen Becher Wein. «Aber wenn du es kannst, dann lies mir bitte aus der Hand und sag mir, was in den nächsten drei Tagen geschehen wird.»

«Die mujer von Pablo kann aus der Hand lesen», sagte der Zigeuner. «Aber sie ist so reizbar und unausstehlich, dass ich nicht weiß, ob sie da mitmacht.»

Robert Jordan setzte sich auf und trank einen Schluck Wein.

«Dann lass uns jetzt zu ihr gehen», sagte er. «Bringen wir’s hinter uns, wenn es so schlimm ist.»

«Ich möchte sie nicht stören», sagte Rafael. «Sie kann mich nicht ausstehen.»

«Warum?»

«Sie hält mich für einen Faulenzer.»

«Wie ungerecht», spöttelte Anselmo.

«Sie hat was gegen Zigeuner.»

«Wie kann man nur», sagte Anselmo.

«Sie hat selber Zigeunerblut», sagte Rafael. «Sie weiß, wovon sie redet.» Er grinste. «Aber ihre scharfe Zunge beißt wie ein Ochsenziemer. Mit der Zunge kann sie einem die Haut vom Leibe ziehen. In Streifen. Unglaublich, wie reizbar sie ist.»

«Wie kommt sie mit dem Mädchen Maria aus?», fragte Robert Jordan.

«Gut. Sie mag das Mädchen. Aber lass irgendwen ihr ernsthaft näherkommen …» Er schüttelte den Kopf und schnalzte mit der Zunge.

«Sie ist sehr gut zu dem Mädchen», sagte Anselmo. «Sie passt gut auf die Kleine auf.»