Wenn Alpträume wahr werden - Sandra Keller - E-Book

Wenn Alpträume wahr werden E-Book

Sandra Keller

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Beschreibung

Sarah lernt Ben zufällig kennen und die beiden verlieben sich sofort. Doch Bens Beruf bringt die beiden große Gefahr und plötzlich finden sie sich inmmitten des IS und kämpfen um ihr Leben. Gerade Sarah durchlebt ihren größten Alptraum und kommt in Situationen, die keine Frau je erleben möchte.

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Seitenzahl: 181

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Sandra Keller

Wenn Alpträume wahr werden

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Flash Forward

Ein schicksalhafter Abend

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

Impressum neobooks

Flash Forward

Der Alptraum, den ich liebte

"Du weißt genau, warum du hier bist, Schätzchen...", hörte ich diesen Mistkerl sagen und keine Sekunde später landete seine Hand klatschend auf meiner Wange. "Nein.", schluchzte ich nur noch. Seit etlichen Stunden hielt er mich in einem Keller fest. Ich kannte den Kerl noch genau, aber ich verstand nicht, was er von mir wollte.... Ben war seit einigen Wochen tot und ich hatte nichts, was für ihn von Interesse sein könnte.

"Dann zeig ich es dir Schätzchen. Die Überraschung wird dir gefallen!" Damit zog er mich hinter sich her, setze mich auf einen Stuhl und fesselte mich daran. Dann holte er sein Notebook. Er baute es vor mir auf dem Tisch auf und startete Skype. Mir war übel, weil ich absolut nicht wusste, was passieren würde. Ich erinnerte mich nur daran, dass er mir versprochen hatte, mich zu ficken....

Ein schicksalhafter Abend

Ich kannte Jan schon seit 11 Jahren - wir waren auch anfangs mal zusammen, aber nur wenige Monate, da wir uns während der Beziehung oft stritten. Wir merkten beide, dass wir als Freunde besser zurecht kamen und so war es für beide okay, dass wir uns trennten. Danach war die Freundschaft immer sehr harmonisch und das ein oder andere Mal, wenn wir uns beide nach Nähe sehnten, schliefen wir miteinander.

Seit 5 Jahren war unsere Freundschaft etwas eingeschlafen. Ich hatte scheinbar den Mann fürs Leben gefunden. Seitdem meldete ich mich kaum noch und hatte auch keine Zeit mehr mich mit Jan zu treffen. Sebastian war mir einfach wichtiger.

Solange die Freundschaft nicht weiter darunter litt, sagte Jan, dass es für ihn okay sei und dass er es mir gönnt, wenn ich glücklich wäre.

Ab dem Zeitpunkt stürzte er sich regelrecht in seine Arbeit und wenn ich ihn erreichen wollte, bekam ich ihn nur selten ans Telefon. Er hatte einen neuen Job angenommen und es schien sehr stressig zu sein. Er fuhr morgens schon in aller früh ins Büro und kam erst spät abends zurück. Manchmal wartete ich einige Wochen auf seine Antworten, was für ihn absolut untypisch war.

Eines Tages meldete er sich richtig niedergeschlagen am Telefon und erzählte mir, dass der Arzt bei ihm akute Lymphzellen-Leukämie festgestellt hatte.

Diese Nachricht traf mich wie ein Schlag und obwohl er es war, der krank war, musste ich weinen. Er sagte, es sei noch lange nicht zu spät, aber er müsse sich einer Chemotherapie und Bestrahlung aussetzen. Er würde den Kopf nicht in den Sand stecken, also sollte ich es auch nicht tun.

Ein paar Wochen nach der Meldung rief er mich an. "Kommst du heute Abend zu einer spontanen Grillfeier?", fragte Jan.

"Im Oktober? Bist du sicher? Nicht, dass du dir ´ne Erkältung einfängst?!", erwiderte ich skeptisch.

"Ach komm schon, du würdest fehlen. Außerdem sitzen wir doch drinnen und wirklich kalt ist es heute auch noch nicht."

"Hmm, okay dann kann ich dir wenigstens in den Hintern treten, wenn du ohne Jacke raus gehst.", gab ich zurück.

"Das ist ein Deal! Ich hol dich um 19:00 Uhr ab. Dann kannst du wenigstens auch was trinken.", versprach Jan.

Ich freute mich über seine Einladung und war froh, ihn endlich wiederzusehen. Aber ich machte mir Sorgen, dass er sich vielleicht zu viel zumutet oder sich eine Erkältung einfangen könnte und das wäre bei seinem zerstörten Immunsystem der reinste Super-GAU.

Punkt 19 Uhr klingelte er wie versprochen und eine halbe Stunde später waren wir bei ihm angekommen. Es waren auch schon ein paar Leute da, die ich nicht kannte.

Ein guter Freund von Jan hatte solange die Gäste mit Getränken versorgt und den Grill bereits soweit vorbereitet, dass wir sofort starten konnten.

Jan stellte mich allen vor. Die meisten waren neuen Arbeitskollegen - ich konnte mir die Namen gar nicht alle so schnell merken. Sie fragten mir Löcher in den Bauch, wer ich sei und woher ich Jan kenne, weil er bisher nie von mir erzählt hatte.

Ich beantwortete geduldig eine Vielzahl der Fragen, einige umging ich meiner Meinung sehr geschickt. Zum Beispiel, ob wir zusammen waren. Irgendwie fand ich, dass die das nichts anging und wenn es Jan wichtig gewesen wäre, hätte er es ihnen sicherlich selbst schon gesagt.

Jan rettete mich und zog mich mit sich. Er wollte mir unbedingt noch jemanden vorstellen. Es konnte ja nur besser werden als dieses Kreuzverhör.

Dann stand er vor mir: der Mann, dessen Blick ich mich nicht mehr abwenden konnte. Ich brachte kaum ein Wort heraus, sondern stotterte nur so herum. Wie peinlich... Am liebsten hätte ich mich irgendwo weit weg versteckt und wäre nie wieder aufgetaucht.

Er war etwas größer als ich, straßenköter-blonde, kurze Haare, die er ein wenig mit Haargel bearbeitet hatte, blau-graue Augen, schlank, sportlich und ein wenig braun, aber so, dass es echt gut zu ihm passte. Nicht diese übertriebene Bräune... Und ein Drei-Tage-Bart. Eigentlich gar nicht meins, aber bei ihm war es richtig sexy. Sein Lächeln zog mich in seinen Bann. Dieses charmante, verschmitzte und auch freche Lächeln war bezaubernd.

Ich musste weg von ihm... weg von seiner Ausstrahlung... aus seinem Blickfeld verschwinden... Mein Herz schlug Purzelbäume und ich war wie gefesselt von ihm. So sehr mein Kopf sagte, ich sollte die Flucht ergreifen, so sehr wehrte sich der Rest meines Körpers dagegen.

Als er mir seine Hand zur Begrüßung reichte, zitterte meine. Als sich unsere Hände berührten, durchfuhr mich ein Gewitter der Gefühle. Das Knistern schien dieser Mann genauso zu spüren wie ich. Für eine Sekunde huschte Verwunderung über sein Gesicht. Was war nur los?! Ich musste mich zusammenreißen. Ich war vergeben und hatte ein Kind - wie konnte ich so auf diesen Mann anspringen?

Ben hieß er also... Mehr Informationen konnte ich in diesem Moment nicht aufnehmen.

Endlich erlangte mein Kopf wieder die Kontrolle. Ich entschuldigte mich und ging so schnell es ging, ohne auffällig zu wirken, Richtung Toilette. Mein Herz pochte immer noch und ich wusste, dass Ben mir hinterher sah, bis ich um die rettende Ecke verschwunden war.

Ich schloss die Türe ab und brauchte erst einmal Wasser zum Abkühlen. Schnell eine Ladung ins Gesicht. Scheiße... Mein Make-Up war ruiniert und ich hatte nicht mal welches mitgenommen. Ich hatte doch niemals damit gerechnet, dass ich so dringend eine Abkühlung brauchte, um nicht den Verstand zu verlieren. Dieser Mann fiel nicht mal in mein Beuteschema.

Ich wusch das verschmierte Make-Up aus meinem Gesicht, strich die Haare wieder in Reihe, atmete durch und schlich wieder raus. Ich schaute vorsichtig um die Ecke. Zum Glück war Ben nicht zu sehen.

Dafür Jan, der scheinbar schon auf mich gewartet hatte und mich jetzt angrinste wie ein Honigkuchen-Pferd. Ich raunte ihn an, wieso er so grinsen würde. Da grinste er noch breiter und sagte: "Ich wusste doch, dass ich dir Ben unbedingt vorstellen musste."

Sein Grinsen lief scheinbar einmal rund um sein Gesicht. Ich wollte ihn noch fragen, wie er darauf kommt, aber da zog er mich schon mit sich zu Tisch.

Meine Befürchtungen wurden erfüllt, als Ben mir genau gegenüber saß. Ich bekam keinen Bissen runter. Stattdessen trank ich mir Mut an und bis ich den richtigen Pegel erreicht hatte, hörte ich nur zu, wie die anderen meist irgendwelche Story's von der Arbeit erzählten.

Ich kam nicht drumherum Ben genauer anzusehen. Ich musterte ihn von oben bis unten.

Als ich den Ehering erblickte, war für mich alles klar. Er war auch vergeben und wie sich herausstellte, hatte er 2 Kinder.

Ich war nach der Erkenntnis, dass Ben verheiratet ist und Kinder hat, frustrierter als mir lieb war. Ich konnte selbst nicht begreifen, wieso ich es war. Auf jeden Fall wollte ich ihn nicht sehen und versuchte ihn den Abend über nicht weiter zu beachten. Aber jedes Mal, wenn sich unsere Blicken trafen, wurde mir heiß und ich konnte nicht anders als blitzschnell woanders hinzusehen.

Ich war froh, dass ich eine Aufgabe gefunden hatte, bei der ich meine Ruhe hatte. Ich räumte den Tisch ab und und kümmerte mich um den Abwasch. Alles passte nicht den Geschirrspüler, aber es war gut, denn so konnte ich mich Ben länger entziehen und musste ihm nicht ausweichen.

Zumindest dachte ich das... Ben kam in die Küche, nahm sich kommentarlos ein Geschirrtuch und fing an, die Schüsseln abzutrocknen. Wir sprachen kein Wort miteinander, aber auf irgendeine Weise war er mir so vertraut und seine Nähe tat gut. Er strahlte eine Ruhe aus, die sich direkt auf mich übertrug.

Er nahm die nächste Schale direkt aus meiner Hand entgegen und dabei berührten wir uns. Es war ein warmes und angenehmes Gefühl. Das machte mir ein wenig Angst und ich zog meine Hand schnell zurück und wich seinem Blick aus.

Der Mann machte mich vollkommen verrückt. Ich wollte ihm nah sein, aber wenn wir es uns waren, hielt ich es nicht aus.

Den restlichen Abwasch erledigten wir schnell und weiterhin wortlos. Er lächelte mich an sobald sich unsere Blicke trafen. Ich bedankte mich für seine Hilfe und wollte gerade mit einem Spültuch bewaffnet verschwinden, um den Tisch noch abzuwaschen. Da nahm er mir das Tuch aus der Hand und sagte, dass das Warten könnte.

Viel lieber würde er sich noch mit mir unterhalten und mehr über mich erfahren. Ich merkte die Röte förmlich in die Wangen steigen. Er fragte, ob wir zu den anderen gehen wollten oder uns lieber allein ein wenig besser kennenlernen sollten.

Ich wollte alles außer wieder raus zu der neugierigen Meute, also entschied ich mich für den Dialog mit Ben. Er holte uns dazu noch etwas zu trinken und meldete sich bei den anderen ab.

Wir setzten uns ins Kaminzimmer, wo er mir viel von sich erzählte und er genauso viel über mich erfahren wollte.

Ich klebte an seinen Lippen und war fasziniert von ihm. Nach den Anlaufschwierigkeiten redeten wir stundenlang über uns, die Kinder, die Partner... Diese Vertrautheit war gefährlich schön.

Um kurz nach 2:00 Uhr kam Jan zu uns und fragte, ob es okay für mich sei, wenn er sich hinlegt und Ben mich nach Hause fährt.

Ich sah das erste Mal auf mein Handy. Scheiße. 4 Anrufe in Abwesenheit und 3 SMS von Sebastian. Ich musste wirklich nach Hause. Er machte sich sicherlich Sorgen wo ich so lange bleibe. Der letzte Anruf war um kurz nach 1.

Ich überlegte, ob ich selbst nach Hause kommen könnte, aber der erste Zug würde erst gegen 6 Uhr fahren und bis ich dann Zuhause wäre, wäre es 8 Uhr. Sebastian würde toben zumal ich ihm gesagt hatte, ich sei um Mitternacht zurück.

Mir blieb nichts anderes übrig, als Bens Hilfe in Anspruch zu nehmen und mich fahren zu lassen. Er sagte, er würde das gern tun. Mir schoss durch den Kopf, dass er gut verdienen müsste bei dem dicken BMW, den er fuhr.

Ich wollte ihn eigentlich nicht danach fragen, tat es dann aber doch. Er sagte, dass sei ein Dienstwagen. Meine Neugierde wurde noch größer. Wer fuhr so einen Dienstwagen? Doch nur wirklich hohe Angestellte. Er lächelte nur und sagte: „Ich bin Abteilungsleiter bei einer langweiligen Behörde“, und dabei beließ er es auch. Die Frage blieb die ganze Fahrt über in meinem Kopf.

Logisch, dass ich meinem Retter zum Dank einen kleinen Kuss auf die Wange gab. Dabei nahm ich das erste Mal bewusst seinen Duft wahr. Wow, roch er gut. Er bedankte sich für den schönen Abend und gab mir seine Karte. Auf die Rückseite schrieb er mir noch eine weitere Nummer auf. Seine private Handynummer. Ich warf einen kurzen Blick darauf. "Benjamin Kolbe - Leiter TE - Amt für Militärkunde" und steckte die Karte schnell ein.

Ich schlich mich dann rein. Zum Glück schlief Sebastian. Vielleicht konnte ich ihm sagen, dass ich kurz nach seinem letzten Anruf schon zurück war. Nachdem ich noch kurz nach Flo gesehen hatte, zog ich mich schnell und leise aus und legte mich ins Bett.

Aber ich machte kein Auge zu, sondern musste andauernd an Ben denken. Ich kramte in meinem Gedächtnis, ob ich über dieses Amt schon irgendwann einmal etwas gehört hatte. Es sagte mir absolut gar nichts. Gleich morgen wollte ich Google befragen. Google weiß schließlich alles. Da konnte ich erst recht nicht mehr schlafen, weil ich die ganze Zeit überlegte, was dieses Amt sein könnte und was man doch macht. Und wieso hatte Jan mir nichts darüber erzählt?

2.

Um 6:33 Uhr riss Flo mich aus dem Schlaf. Er konnte nicht mehr schlafen und wollte mit mir zusammen spielen.

Ich quälte mich aus dem Bett und merkte, dass ich schlimme Kopfschmerzen hatte. So viel hatte ich nicht getrunken, es war eher die Müdigkeit, die sich bemerkbar machte oder auch die ganzen Informationen von gestern.

Es fiel mir schwer, mich auf Flo zu konzentrieren. Entweder kreisten meine Gedanken wieder um den Abend oder ich kämpfte gegen den Schlaf. Es ging nicht mehr lange gut, das merkte ich recht schnell. Ich bot Flo an, Kinderprogramm zu gucken. Ich hasste "Mr. Babysitter" aber ich konnte nicht mehr. Zum Glück ließ er sich darauf ein. Keine fünf Minuten später fielen mir die Augen zu.

Ich träumte von der Grillfeier, von Jan, von Ben. Er war mir nah, aber das Haus kannte ich nicht. Wir küssten uns und er trug mich zum Bett. Unsere Sachen fielen zu Boden und ich genoss seine Liebkosungen. Bis auf einmal eine sehr wütende Frau ins Zimmer gestürzt kam, Ben eine Ohrfeige verpasste und mich als Flittchen beschimpfte.

Da war es auch schon wieder vorbei mit dem Schlafen. Aber der Kerl hatte es tatsächlich schon geschafft, sich so in meinem Kopf einzupflanzen, dass ich sogar von ihm träumte.

Flo tippte an meine Schulter und rief immer wieder: "Mama, Mama, Mama. Ich hab Hunger." Mir blieb nichts anderes übrig, als in die Küche zu schlendern, ihm ein Brot zu schmieren und mir einen Kaffee zu machen. Vielleicht würde ich dann wacher. Aber es war eine wage Hoffnung.

Irgendwann gegen 10 Uhr stand Sebastian auch endlich auf. Er fragte, wo ich denn solange war, und wieso ich nicht ans Telefon gegangen wäre.

Ich sagte, dass ich das Handy nicht finden konnte und ich dachte, ich hätte es Zuhause vergessen. Aber dass es mir im Auto aus der Tasche gefallen sein musste, denn ich hätte es dort wiedergefunden. Ich konnte ihm kaum sagen, dass ich so vertieft ins Gespräch mit Ben war. Da wäre er an die Decke gegangen.

Ich ging Sebastian den ganzen Tag so gut es ging aus dem Weg. Wie gut, dass immer Wäsche da war und ich mich darum kümmern konnte. Ich hasste Bügeln, aber heute war es genau die richtige Möglichkeit in Gedanken zu schwelgen und doch etwas zu erledigen.

Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen. Zumal mir Ben den ganzen Tag im Kopf herumspukte. Mir fiel seine Karte wieder in die Hände und schon stand er vor meinem geistigen Auge vor mir.

Ich erinnerte mich an ihn und seine Wirkung auf mich, an seinen Duft. Wie konnte dieser Mann mich so beeindrucken? Er hatte doch gar nicht viel getan. Ich holte die Karte aus meiner Tasche. Amt für Militärkunde... Was soll das bitte sein? Abteilungsleiter TE... Was zum Geier war die Abteilung TE?

Ich war neugierig und wollte soviel wie möglich wissen. Da Sebastian sich gern zurückzog, wenn ich Hausarbeit machte, um auch ja nicht in Bedrängnis zu kommen, helfen zu müssen, brauchte ich mir keine Sorgen machen, dass er meine Internetrecherche stören würde.

"Das Amt für Militärkunde (AMK) ist eine Dienststelle der Streitkräftebasis der Bundeswehr.

Sie ist truppendienstlich die personalführende Dienststelle für Angehörige der Streitkräfte, die im Bundesnachrichtendienst (BND) eingesetzt sind. Die meisten Soldaten, die zum BND wechseln, werden offiziell zum Amt für Militärkunde versetzt."

okay, okay, okay... war Ben jetzt beim Bundesnachrichtendienst?Die weitere Suche fand die Abteilung TE nur im Zusammenhang mit dem BND.

"Die Abteilung TE ist zum Beispiel für den Internationalen Terrorismus und die Internationale Organisierte Kriminalität zuständig.

Die Abteilung Internationaler Terrorismus und Organisierte Kriminalität (TE) bearbeitet aktuell vor allem den islamistisch geprägten internationalen Terrorismus, sowie ausgewählte Deliktfelder der internationalen organisierten Kriminalität:

den internationalen Rauschgifthandel,illegale Migration,Geldwäsche.

Als einzige Abteilung des Bundesnachrichtendienstes ist die Abteilung TE nach dem Desk-Prinzip organisiert. Auswertung und Beschaffung arbeiten innerhalb derselben Arbeitseinheit direkt zusammen.

Die Abteilung TE hält enge Verbindung zu zahlreichen ausländischen Nachrichtendiensten und Sicherheitsbehörden. Unter dem Gesichtspunkt der Gefahrenabwehr besitzt die enge Kooperation mit inländischen Sicherheitsbehörden jedoch zusätzlich besondere Bedeutung. Die Abteilung TE vertritt den Bundesnachrichtendienst daher auch im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) und dem Gemeinsamen Internetzentrum (GIZ) in Berlin-Treptow."

Das musste ich erstmal verdauen. Er schien wirklich dort zu arbeiten. Und folglich Jan auch. Das hörte sich alles ziemlich interessant, spannend und nicht wirklich ungefährlich an.

Den ganzen Tag dachte ich nur an die Informationen, die mir das Internet gegeben hatten. Wirklich viel damit anfangen konnte ich immer noch nicht. Die Recherche hatte mehr Fragen aufgeworfen, als beantwortet.

Ich beschloss Jan anzuSMSen, damit er ein wenig Klarheit ins Dunkel bringen konnte. Smalltalk schien mir richtig, um dann irgendwie auf das Thema Arbeit zu kommen.

"Hey Jan, danke nochmal für die Einladung zur Party. Hoffe, du bist nicht allzu ko danach gewesen?!", schrieb ich."Immer wieder gerne. Na passt schon. Bist du noch gut nach Hause gekommen? ;)", kam postwendend zurück."Aber klar. Ben war ja so nett, mich zu fahren. Lass das blöde Grinsen... war dein Plan oder?" " *pfeifundunschuldigindieLuftguck* Hust räusper. Ja war vorher schon zu 90% klar", kam als Antwort von Jan.

Ich hatte es mir gedacht. Er tat nie etwas ohne Hintergedanken. Nie. Warum sollte es dieses Mal anders gewesen sein. Ich war schon ein wenig sauer, aber erstens war nichts passiert und zweitens war ich auch wie er es versprochen hatte, gut nach Hause gekommen.

"Arsch... :-)) was hättest du gemacht, wenn ich mich nicht darauf eingelassen hätte?""mmhh. Nichts. war sicher, dass es genau laufen wird :D"

Sein Ego war enorm. Eigentlich hätte ihm gerne durchs Handy allein für diesen Kommentar eine verpasst. Aber letztlich hatte er mal wieder Recht gehabt und Ben hatte mich nach Hause gebracht. Ich lächelte bei dem Gedanken daran, dachte an die Fahrt und an Ben.

"ja, ich weiß. Sag mal, woher genau kennst du Ben gleich nochmal, wenn wir schon beim Thema sind...", fragte ich neugierig."Von der Arbeit Maus. Hatte ich dir doch gesagt. Er hat mich zu dem Job überredet und seitdem ist er mein Vorgesetzter. Noch dazu inzwischen bester Freund." "okay... du hast mir nie richtig erzählt, was du überhaupt wirklich machst..?!""Das kann ich per Mail auch nicht.", war seine knappe Antwort."Wieso nicht?", stellte ich in den Raum."Muss ich dir bei Gelegenheit mal face-to-face erklären.", antwortete er."Gestern wäre eine gute Gelegenheit gewesen..." "Da hattest du nicht gefragt ;)".

Wieder wich er mir aus, was mich rasend machte. Was war denn daran so schlimm, mir kurz zu schreiben, wo er arbeitet und was er macht?! Er sollte mir ja keine Staatsgeheimnisse erzählen.

Moment... hatte ich gerade Staatsgeheimnisse gedacht? Vielleicht war es ja genau so etwas und er konnte oder durfte nichts sagen. Diese Unwissenheit machte mich närrisch.

"Wann hast du denn Zeit zu einem face-to-face Gespräch, wie du es so schön nennst?", wollte ich nicht locker lassen."Im Moment ist es schlecht, Süße. Ich muss viel erledigen und dann die Chemo - die Party war der einzige Tag, an dem ich Luft hatte. sorry :*", war seine Antwort.

Ich schrieb nicht zurück. Das war alles andere als zufriedenstellend. Ich würde noch explodieren vor Wut und auch vor Neugierde. Das schien wirklich interessant zu sein, wenn er nicht per Mail oder Telefon darüber sprechen konnte. Bei Google wurde ich auch nicht schlauer. Alles war sehr weit umschrieben, nichts konkretes. Aber ich hatte es nicht anders erwartet.

Ich würde mich wohl gedulden müssen. Oder ich würde Ben anschreiben. Per Mail würde er auch nichts darüber verraten, soviel wusste ich aus dem Gespräch mit Jan. Gerade der Abteilungsleiter würde sich an die Vorschriften halten - davon war ich überzeugt.

Aber er hat sicher auch viel um die Ohren. Er hat schließlich noch Familie. Ich überlegte hin und her ob ich ihn überhaupt anschreiben sollte. Seine Nummer hat er mir bestimmt nicht ohne Hintergedanken gegeben. Vielleicht suchte er auch nur die schnelle Nummer fürs Bett. Er hatte viel zu verlieren. Aber das richtige Alter für die Midlife-crisis hatte er noch nicht. Die 40 hatte er noch nicht geknackt.

"Hi Ben, ich wollte mich nochmal bei dir fürs Fahren bedanken. Lg Sarah". Damit konnte ich nichts falsch machen. Sich bedanken kann nie schaden und je nachdem wie er antwortete, konnte ich sehen, was ich zurückschreibe. Irgendwie hatte ich ein Gefühl dafür, was die Sprache der Männer anging und konnte schon immer gut einschätzen, ob sie es auch so meinten.

Während ich auf seine Antwort wartete und gefühlte jede 2. Sekunde aufs Handy guckte, war mir richtig flau im Magen. Wenn er gar nicht zurückschreibt, würde es mich sicherlich knicken, genauso wenn er nur kurz und abgehackt schreibt... dann hätte er keinen Bock mit mir zu schreiben. Ein wenig bereute ich, dass ich auf Senden gedrückt hatte.

Und was sollte ich machen, wenn er sich treffen möchte? Die Nervosität stieg mit jeder Minute, die ich wartete. Es fühlte sich wie Stunden. Dabei vergingen nur 5 Minuten ehe die erlösende SMS endlich auf meinem Handy erschien.

"Hi Sarah. Schöne Frauen lässt man doch nicht allein nach Hause fahren. Habe ich gerne gemacht. Freut mich, dass du dich meldest! Lieben Gruß Ben"

Aaaaaaahhhh