Wenn du mich küsst, dreht die Welt sich langsamer - Jessica Redmerski - E-Book

Wenn du mich küsst, dreht die Welt sich langsamer E-Book

Jessica Redmerski

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Beschreibung

Genervt von ihrem Leben und nach einem Streit mit ihrer besten Freundin beschließt die 20-jährige Camryn Bennett, alles hinter sich zu lassen. Sie kauft sich ein Ticket für einen Greyhoundbus. Ziel: möglichst weit weg. Hier, glaubt sie, hat sie genug Zeit und Ruhe, um einen Plan für die Zukunft zu schmieden. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als Andrew Parrish sich auf den Platz neben ihr setzt. Der äußerst attraktive Andrew. Der Andrew, der sich brennend für sie zu interessieren scheint. Und der Andrew, der ihr bald nicht mehr aus dem Sinn geht. Für Camryn beginnt die aufregendste – und leidenschaftlichste – Zeit ihres Lebens …

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Seitenzahl: 612

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Buch

Die zwanzigjährige Camryn Bennett dachte, sie wüsste genau, wie ihr Leben verlaufen würde. Doch nach einer wilden Nacht im angesagtesten Club in Raleigh, North Carolina, überrascht sie alle und sich selbst am meisten, als sie sich dafür entscheidet, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Sie schnappt sich ihren Geldbeutel und das Handy und kauft sich ein Ticket für einen Greyhoundbus. Sie will sich endlich selbst finden – und findet stattdessen Andrew Parrish, der den Sitz neben ihr einnimmt.

Andrew lebt ein Leben, das kein Morgen kennt. Er ist sexy, er ist aufregend, und er bringt Camryn dazu, ihren dunkelsten und geheimsten Verlangen nachzugeben. Bald ist er es, um den sich Camryns neues Leben dreht. Sie lernt die Liebe, die Lust, die Emotionen kennen, die tief in ihr schlummerten und von denen sie nie gedacht hätte, dass sie überhaupt existieren. Doch da ist mehr in Andrew, als Camryn zuerst bemerkt. Wird sein Geheimnis ihre Liebe noch stärken oder sie für immer zerstören?

Autorin

Jessica Redmerski lebt mit ihren drei Kindern in North Little Rock, Arkansas. Sie liebt Bücher und Fernsehen, vor allem die Serie »The Walking Dead«.

Jessica A. Redmerski

Roman

Aus dem Amerikanischenvon Christoph Göhler

Die Originalausgabe erschien 2013unter dem Titel »The Edge of Never« beiGrand Central Publishing Forever, London.

1. AuflageDeutsche Erstausgabe Juli 2014bei Blanvalet Verlag, einem Unternehmen derVerlagsgruppe Random House GmbH, MünchenCopyright © 2013 by Jessica A. RedmerskiCopyright © 2014 für die deutsche Ausgabe by Blanvalet Verlag, in der Verlagsgruppe Random House, MünchenUmschlaggestaltung: © www.buerosued.deUmschlagfoto: Getty Images/Cultura/BDLMLH · Herstellung: samSatz: DTP Service Apel, HannoverISBN: 978-3-641-12551-6www.blanvalet.de

Allen Liebenden und Träumern und all jenen gewidmet, die beides noch nicht wirklich erlebt haben

1

Seit zehn Minuten dreht Natalie jetzt an derselben Locke, und allmählich treibt mich das in den Wahnsinn. Kopfschüttelnd ziehe ich meinen Iced Caffè Latte an mich und presse strategisch die Lippen auf den Strohhalm. Natalie sitzt mir gegenüber, beide Ellbogen auf der kleinen runden Tischplatte, das Kinn in eine Hand gestützt.

»Mann, ist der heiß«, sagt sie und stiert dabei den Typen an, der sich eben an der Theke angestellt hat. »Ernsthaft, Cam, würdest du ihn dir wenigstens ansehen?«

Ich verdrehe die Augen und nehme einen Schluck von meinem Caffè Latte. »Nat«, sage ich und stelle das Glas wieder auf den Tisch, »du hast einen Freund – muss ich dich wirklich ständig daran erinnern?«

Natalie grinst mich an. »Bist du vielleicht meine Mutter?« Aber sie schafft es nicht, mich länger anzusehen, nicht solange dieser wandelnde Sexgott an der Theke Kaffee und Scones bestellt. »Außerdem hat Damon nichts dagegen, dass ich mich ein bisschen umschaue – solange ich mich jede Nacht ausschließlich für ihn bücke, hat er damit kein Problem.«

Ich pruste los und werde rot.

»Siehst du! Oh-ho«,sagt sie, und ihr Lächeln wird noch breiter. »Ich hab dich zum Lachen gebracht.« Sie beugt sich vor und versenkt eine Hand in ihrer kleinen lila Handtasche. »Das muss ich mir notieren.« Und schon zieht sie ihr Smartphone heraus und öffnet den digitalen Kalender. »Samstag. 15. Juni.« Ihr Finger fliegt über den Bildschirm. »13 Uhr 54 – Camryn Bennett lacht über einen meiner Sex-Jokes.« Dann lässt sie das Smartphone wieder in die Handtasche fallen und sieht mich mit dieser nachdenklichen Miene an, die sie immer bekommt, kurz bevor sie auf Therapiemodus schaltet. »Schau ihn wenigstens einmal kurz an«, bittet sie mich ganz ernst.

Ihr zuliebe drehe ich das Kinn so weit zur Seite, dass ich einen verstohlenen Blick auf den Typen werfen kann. Er geht gerade von der Kasse ans andere Ende der Theke, wo er sein Getränk von der Marmorplatte zieht. Groß. Perfekt gemeißelte Wangenknochen. Hypnotisierende grüne Augen und nach oben gegelte braune Haare.

»Stimmt«, gebe ich zu und sehe Natalie wieder an. »Er ist heiß. Na und?«

Natalie muss ihm nachschauen, bis er durch die Glastür hinausgegangen und draußen an unserem Fenster vorbeigeschlendert ist, bevor sie mich wieder ansehen und antworten kann.

»O. Mein. Gott«, verkündet sie mit weit aufgerissenen Augen und absolut ungläubig.

»Es ist nur ein Kerl, Nat.« Ich nehme den Strohhalm wieder zwischen die Lippen. »Warum lässt du dir nicht gleich ›sexbesessen‹ auf die Stirn tätowieren? Du sabberst ja schon, so notgeil bist du.«

»Machst du Witze?« Sie sieht mich mit blankem Entsetzen an. »Camryn, du hast ernsthafte Probleme. Das ist dir doch klar, oder?« Sie drückt sich gegen die Rückenlehne. »Du musst deine Medikamente aufstocken. Ganz im Ernst.«

»Ich nehme schon seit April keine mehr.«

»Was? Warum?«

»Weil das lächerlich ist«, erkläre ich ihr ganz sachlich. »Ich habe keine Selbstmordabsichten, also brauche ich sie auch nicht zu nehmen.«

Sie sieht mich kopfschüttelnd an und verschränkt die Arme. »Glaubst du wirklich, dass sie dieses Zeug nur Leuten verschreiben, die sich umbringen wollen? Von wegen.« Sie zielt kurz mit dem Zeigefinger auf mich und versteckt ihn dann wieder in der Armbeuge. »Die Dinger sollen irgendwelche chemischen Prozesse wieder ins Gleichgewicht bringen oder irgend so eine Scheiße.«

Ich muss tatsächlich schmunzeln. »Ach wirklich? Seit wann kennst du dich so gut mit psychischen Krankheiten aus und weißt, welches Mittel man bei den vielen hundert verschiedenen Diagnosen einsetzt?« Meine Braue hebt sich gerade weit genug, um ihr zu demonstrieren, wie genau ich weiß, dass sie keinen Schimmer hat, wovon sie redet.

Als sie nichts sagt, sondern stumm die Nase rümpft, erkläre ich ihr: »Irgendwann werde ich von ganz allein über alles wegkommen. Ich brauche keine Pillen, die das für mich übernehmen.« Zu Beginn klang meine Erklärung ganz freundlich, aber beim letzten Satz hat sie unerwartet einen bitteren Beigeschmack bekommen. So was passiert mir dauernd.

Natalie seufzt, und das Lächeln auf ihrem Gesicht erlischt.

»Entschuldige.« Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich sie so angefahren habe. »Hör zu, ich weiß, dass du recht hast. Ich gebe ja zu, dass ich zurzeit emotional angeknackst bin und manchmal echt nervig sein kann …«

»Manchmal?«, murmelt sie vor sich hin, aber mit einem Grinsen, das mir zeigt, dass sie mir schon wieder verziehen hat.

Auch das passiert uns dauernd.

Ich erwidere ihr Lächeln, so gut ich kann. »Ich will die Antworten eben selbst finden, verstehst du?«

»Was für Antworten?« Ich nerve sie schon wieder. »Cam«, sagt sie und legt dabei den Kopf schief, um philosophischer zu wirken. »Ich sage das nur ungern, aber irgendwann fliegt jeder von uns mal in die Scheiße. Trotzdem müssen wir alle drüber wegkommen. Und am besten lässt du so was hinter dir, wenn du Sachen tust, die dich glücklich machen.«

Okay, vielleicht ist sie gar nicht so schlecht als Therapeutin.

»Ich weiß, du hast ja recht«, gebe ich zu, »aber …«

Natalie zieht eine Braue hoch und wartet ab. »Aber was? Los, raus mit der Sprache!«

Ich schaue kurz die Wand an und lasse mir meine Antwort durch den Kopf gehen. In letzter Zeit sitze ich oft rum, denke über das Leben nach und zerbreche mir den Kopf über alle möglichen Dinge. Selbst jetzt. Im Café mit diesem Mädchen, das ich schon ewig kenne. Gestern habe ich darüber nachgedacht, was mich eigentlich dazu treibt, jeden Tag zur selben Zeit aufzustehen und genau dasselbe zu tun wie am Tag zuvor. Warum tue ich das? Was zwingt uns dazu, all das zu tun, was wir tun, wenn doch gleichzeitig etwas in uns steckt, das sich von alldem losreißen will?

Ich sehe von der Wand wieder auf meine beste Freundin, die garantiert nicht verstehen wird, was ich jetzt sage, aber weil es um jeden Preis rausmuss, sage ich es trotzdem: »Hast du dir schon mal überlegt, wie es wäre, mit dem Rucksack um die Welt zu reisen?«

Natalies Gesicht erschlafft. »Ähm, eigentlich nicht«, sagt sie. »Das könnte ganz schön … scheiße werden.«

»Denk doch mal darüber nach.« Ich beuge mich über den Tisch und konzentriere mich auf sie. »Nur du und ein Rucksack mit dem Nötigsten. Keine Rechnungen. Nicht mehr jeden Morgen zur selben Zeit aufstehen müssen, um arbeiten zu gehen, obwohl dein Job dich ankotzt. Nur du und die Welt, die vor dir liegt. Nicht zu wissen, was der Tag bringen wird, wen du kennenlernen wirst, was du mittags essen oder wo du abends schlafen wirst.« Mir ist klar, dass ich möglicherweise ebenfalls ein bisschen besessen wirke, nachdem ich mich so in meinen Fantasien verloren habe.

»Du machst mir echt Angst«, sagt Natalie und sieht mich unsicher über den kleinen Tisch hinweg an. Ihre hochgezogene Braue senkt sich wieder auf eine Höhe mit der anderen, und dann sagt sie: »Und ständig musst du zu Fuß irgendwohin gehen, und jederzeit kann dich jemand vergewaltigen, ermorden und in den Straßengraben werfen. Ach ja, und außerdem musst du ständig zu Fuß gehen …«

Sie hält mich eindeutig für verrückt.

»Wie kommst du überhaupt auf so was?«, fragt sie und nimmt einen Schluck Kaffee. »Für mich hört sich das schwer nach Midlife-Crisis an – dabei bist du erst zwanzig.« Sie zielt wieder mit dem Finger auf mich, als wollte sie den nächsten Satz unterstreichen. »Und du hast in deinem ganzen Leben noch kaum eine Rechnung bezahlt.«

Wieder nimmt sie einen Schluck Kaffee; begleitet von einem ekligen Schlürfgeräusch.

»Vielleicht noch nicht«, sage ich nachdenklich. »Aber das werde ich müssen, wenn wir erst zusammenziehen.«

»Wie wahr.« Sie trommelt mit den Fingerspitzen gegen ihren Becher. »Alles halbe-halbe – warte mal, du machst doch nicht etwa einen Rückzieher?« Sie erstarrt in der Bewegung und sieht mich misstrauisch an.

»Nein, ich bin immer noch dabei. Nächste Woche ziehe ich bei meiner Mom aus und bei einer Schlampe ein.«

»Selber Schlampe!«, lacht sie.

Ich lächle kurz und versinke wieder in meinen Tagträumen, mit denen sie, genau wie ich erwartet habe, nichts anfangen kann. Schon vor Ians Tod habe ich irgendwie immer ein wenig über den Horizont hinausgedacht. Statt rumzusitzen und Sexpositionen auszutüfteln, wie Natalie sie sich gern mit Damon ausmalt, mit dem sie seit fünf Jahren zusammen ist, mache ich mir Gedanken über Dinge, die wirklich zählen. Wenigstens in meiner Welt. Wie sich in anderen Ländern wohl die Luft auf meiner Haut anfühlen würde, wie der Ozean riecht, warum mir so oft der Atem stockt, wenn ich Regen höre. »Mein Gott, bist du tiefgründig.« So hat Damon mich schon mehr als einmal aufgezogen.

»O Mann«, sagt Natalie. »Du bist ein echter Stimmungskiller, weißt du das?« Ohne den Strohhalm aus den Lippen zu lassen, schüttelt sie den Kopf. »Komm mit«, sagt sie im nächsten Augenblick und steht auf. »Mir reicht es mit diesem philosophischen Quatsch, und in kuscheligen Cafés zu sitzen macht dich dafür offenbar nur anfälliger – wir gehen heute Abend ins Underground.«

»Was? Da gehe ich auf gar keinen Fall hin.«

»O. Doch.« Sie wirft ihren leeren Pappbecher in hohem Bogen in den Mülleimer und packt mich am Handgelenk. »Heute kommst du mit, denn immerhin bist du meine beste Freundin, und noch ein Nein akzeptiere ich nicht.« Ein breites Lächeln zieht sich über ihr leicht gebräuntes Gesicht.

Ich weiß, dass es ihr ernst ist. Es ist ihr immer ernst, wenn sie so schaut: begeistert und entschlossen zugleich. Wahrscheinlich ist es am einfachsten, wenn ich dieses eine Mal mitgehe und die Sache hinter mich bringe, weil sie sonst nie Ruhe geben wird. So was ist ein notwendiges Übel, wenn man einen Quälgeist als beste Freundin hat.

Ich stehe auf und hänge mir den Riemen meiner Handtasche über die Schulter.

»Es ist erst zwei Uhr nachmittags«, sage ich. Nach einem letzten Schluck Caffè Latte werfe ich meinen Becher in denselben Mülleimer.

»Schon, aber erst müssen wir dir ein neues Outfit besorgen.«

»O nein«, bekunde ich entschlossen, während sie mich durch die Glastür in die leichte Sommerbrise führt. »Es reicht völlig, dass ich mit dir ins Underground gehe. Ich weigere mich, einkaufen zu gehen. Ich habe genug anzuziehen.«

Natalie hakt sich bei mir ein, während wir auf dem Gehweg an einer Reihe von Parkuhren vorbeigehen. Sie sieht mich lächelnd an. »Na schön. Aber dafür musst du wenigstens was aus meinem Kleiderschrank anziehen.«

»Was gefällt dir nicht an meinen Sachen?«

Sie kneift die Lippen zusammen und zieht das Kinn ein, als könnte sie nicht verstehen, wie ich eine so lächerliche Frage stellen kann. »Es ist das Underground«, erklärt sie, als wäre damit alles gesagt.

Okay, sie hat nicht ganz unrecht. Natalie und ich sind zwar beste Freundinnen, aber bei uns trifft das Sprichwort zu, dass Gegensätze sich anziehen. Sie ist ein Rockergirl und seit Fight Club in Jared Leto verknallt. Ich bin eher locker und trage kaum dunkle Sachen, wenn ich nicht gerade zu einer Beerdigung gehe. Nicht dass Natalie nur Schwarz tragen würde oder so eine Emo-Haar-Geschichte am Laufen hätte. Aber sie würde lieber tot umfallen, als was aus meinem Kleiderschrank anzuziehen, weil sie meine Sachen viel zu unauffällig findet. Ich bin da anderer Meinung. Ich weiß durchaus, wie ich mich anziehen muss, und die Jungs hatten noch nie ein Problem mit dem, was ich so trage – wie ich feststellen konnte, als ich noch darauf achtete, wie sie meinen Hintern in meinen Lieblingsjeans abcheckten.

Aber weil das Underground eher was für Leute wie Natalie ist, muss ich es wohl ertragen, mich für eine Nacht wie sie zu kleiden, wenn ich nicht auffallen will. Sonst bin ich keine Mitläuferin. War ich nie. Aber ich bin lieber ein paar Stunden jemand, der ich eigentlich nicht bin, als heute Abend alle Blicke auf mich zu ziehen.

Natalies Zimmer ist das absolute Gegenteil von klinisch sauber. Auch darin sind wir total unterschiedlich. Ich hänge meine Sachen nach Farben geordnet auf. Sie lässt ihre wochenlang in dem Korb unten an ihrem Bett liegen und wirft sie dann wieder in den Wäschesack, um sie noch mal zu waschen, weil alles komplett verknittert ist. Ich glaube nicht, dass sie in ihrem Zimmer je Staub gewischt hat, es sei denn, man rechnet es als Staubwischen, dass sie alle heiligen Zeiten eine fingerdicke Schmutzschicht von der Tastatur ihres Notebooks fegt.

»Das hier sieht bestimmt super an dir aus.« Natalie hält ein dünnes, kurzärmliges weißes T-Shirt mit der Aufschrift Scars on Broadway in die Höhe. »Das sitzt knalleng und schmiegt sich perfekt um deine Titten.« Sie hält das T-Shirt vor meine Brust und erwägt prüfend, wie ich wohl darin aussehe.

Unzufrieden mit ihrer ersten Wahl, fauche ich sie an.

Sie verdreht ärgerlich die Augen, und ihre Schultern sacken nach unten. »Na schön«, sagt sie und wirft das T-Shirt aufs Bett. Sie taucht mit einer Hand in den Schrank, holt das nächste T-Shirt heraus und präsentiert es mit einem strahlenden Lächeln, das gleichzeitig eines ihrer überzeugendsten Manipulationsmittel ist. Breites strahlendes Lächeln heißt für mich: Ich will sie in ihren Bemühungen nicht enttäuschen.

»Hast du auch was ohne Aufdruck?«, frage ich sarkastisch.

»Aber das ist Brandon Boyd«, sagt sie und sieht mich mit riesigen Augen an. »Wie kann jemand Brandon Boyd nicht mögen?«

»Brandon Boyd ist schon in Ordnung«, sage ich, »ich habe bloß keine Lust, auf meiner Brust Werbung für ihn zu machen.«

»Ich hätte ihn lieber selbst auf meiner Brust«, sagt sie und betrachtet sehnsüchtig das T-Shirt mit dem V-Ausschnitt, das bestimmt genauso eng anliegt wie das, das sie mir zuerst gezeigt hat.

»Dann zieh du es doch an.«

Sie mustert mich nachdenklich und nickt, als würde sie sich mit dem Gedanken anfreunden. »Ich glaube, das mach ich.« Sie zieht sich das Top, das sie gerade trägt, über den Kopf, wirft es in den Wäschekorb neben dem Schrank und zerrt dann Brandon Boyds Gesicht über ihre riesigen Brüste.

»Sieht gut an dir aus«, stelle ich fest und schaue zu, wie sie sich in Position stellt und aus verschiedenen Blickwinkeln ihr Spiegelbild bewundert.

»O ja, das tut er«, sagt sie.

»Aber was wird Jared Leto dazu sagen?«, necke ich sie.

Natalie lacht kurz auf, wirft ihr langes dunkles Haar zurück und greift nach der Haarbürste. »Jared bleibt trotzdem meine Nummer eins.«

»Und was ist mit Damon, du weißt schon, deinem nicht imaginären Freund?«

»Hör auf«, sagt sie und sieht mich im Spiegel an. »Ständig musst du mich wegen Damon verarschen …« Sie hält mitten im Bürsten inne und dreht sich mit dem Oberkörper zu mir um. »Stehst du auf ihn oder was?«

Mein Kopf schnellt hoch, und ich kann spüren, wie sich meine Brauen zusammenziehen. »Nein, Nat! Wie kommst du auf so was?«

Natalie lacht und bürstet sich weiter die Haare. »Heute Abend suchen wir dir einen Kerl. Du brauchst einen Mann. Der dich aus deinem Loch holt.«

Mein Schweigen verrät ihr, dass sie zu weit gegangen ist. Ich hasse es, wenn sie mir so kommt. Warum muss jeder mit irgendwem zusammen sein? Das ist nichts als eine idiotische Illusion und eine echt erbärmliche Einstellung.

Sie legt die Bürste wieder auf die Kommode, dreht sich zu mir um und sieht mich schwer seufzend und mit absolut ironiefreier Miene an. »Ich weiß, ich soll so was nicht sagen – pass auf, ich schwöre dir, dass ich dich nicht verkuppeln werde, okay?« Sie hebt kapitulierend die Hände.

»Ich glaube dir.« Angesichts ihrer aufrichtigen Beteuerung gebe ich nach. Natürlich ist mir klar, dass ein solches Versprechen sie nicht wirklich bremsen kann. Vielleicht wird sie nicht versuchen, mich persönlich zu verkuppeln, aber sie braucht nur einmal mit ihren dunklen Wimpern zu schlagen, um Damon auf irgendeinen Typen im Club aufmerksam zu machen, und dann weiß Damon schon selbst, was er zu tun hat.

Dabei brauche ich gar keine Hilfe. Weil ich mit niemandem zusammen sein will.

»Oh«, sagt Natalie, den Kopf im Kleiderschrank. »Das hier ist perfekt!« Sie dreht sich um, und an ihrem Finger baumelt an einem Bügel ein weites Top mit ausgeschnittenen Schultern. Auf der Vorderseite steht SINNER.

»Das hab ich bei Hot Topic gefunden«, sagt sie und zieht es vom Bügel.

Weil ich das T-Shirt-Casting nicht unnötig in die Länge ziehen will, ziehe ich mein eigenes Shirt aus und nehme ihr das T-Shirt ab.

»Schwarzer BH«, stellt sie fest. »Gute Wahl.«

Ich ziehe das Top über und betrachte mich im Spiegel.

»Ja? Sag schon«, sagt sie und stellt sich mit einem breiten Lächeln hinter mich. »Es gefällt dir, oder?«

Ich erwidere ihr Lächeln und begutachte dann den Saum des Shirts, der ein Stück über meinen Hüften schwebt.

Und dann stelle ich fest, dass auf dem Rücken SAINT steht.

»Okay«, sage ich. Dann gehe ich heute eben als sündige Heilige. »Es gefällt mir wirklich.« Ich drehe mich um und ziele ernst mit dem Finger auf sie. »Aber nicht so gut, als dass ich sofort deinen ganzen Schrank durchwühlen müsste, also mach dir keine Hoffnungen. Ich stehe auf meine niedlichen Hemden, vielen Dank auch.«

»Ich habe nie behauptet, dass deine Sachen nicht niedlich wären, Cam.« Sie kommt auf mich zu und lässt grinsend den BH-Träger auf meinen Rücken schnalzen. »Du siehst immer verflucht sexy aus, Kleine – wenn ich nicht mit Damon zusammen wäre, wärst du absolut mein Fall.«

Mir bleibt der Mund offen stehen. »Du bist echt krank, Nat!«

»Ich weiß«, sagt sie, während ich wieder in den Spiegel schaue, und ich höre das teuflische Lächeln in ihrer Stimme. »Aber so ist es. Ich habe dir das schon öfter gesagt, und das war kein Spaß.«

Ich schüttele nur den Kopf und greife lächelnd nach der Haarbürste. Natalie war schon einmal, während einer kurzen Trennungsphase mit Damon, mit einem Mädchen zusammen. Aber damals behauptete sie, sie sei »viel zu schwanzfixiert« (ihre Worte, nicht meine), als dass sie auf längere Sicht mit einem Mädchen zusammen sein könnte. Natalie ist keine echte Schlampe – wer sie so nennt, fängt sich eine –, aber als Freundin ist sie der feuchte Traum jedes Jungen, so viel steht fest.

»Und jetzt werde ich dich schminken«, sagt sie und stellt sich neben mich an die Kommode.

»Nein!«

Natalie stemmt die Hände in ihre Wespentaille und sieht mich mit aufgerissenen Augen an, als wäre sie meine Mom und ich ihr frech gekommen.

»Willst du es auf die harte Tour?«, fragt sie und durchbohrt mich dabei mit ihrem Blick.

Ich kapituliere und lasse mich auf den Stuhl vor der Kommode fallen.

»Meinetwegen«, sage ich und hebe das Kinn an, um ihr vollen Zugriff auf mein Gesicht zu geben, das sich für sie in diesem Moment in eine leere Leinwand verwandelt. »Aber keine beschissenen Waschbärenaugen, okay?«

Energisch umfasst sie mit einer Hand mein Kinn. »Mademoiselle«, entrüstet sie sich und versucht, dabei ernst zu bleiben. »Eine Künstler wie isch«, deklamiert sie dramatisch mit grauenvollem französischem Akzent und schwenkt die freie Hand, »braucht Ru’e zum Arbeiten! Glauben Sie, Sie sind ’ier in eine Beautysalon in Detroit?«

Als sie mit mir fertig ist, hat sie mich praktisch in ihr Spiegelbild verwandelt. Bis auf die großen Brüste und das seidig braune Haar. Meine Haare haben von Natur aus jenes Blond, für das manche Mädchen eine schöne Stange Geld beim Friseur lassen, und sie fallen mir bis auf den Rücken. Zugegeben, in der Abteilung Haare habe ich Glück gehabt. Natalie beharrt darauf, dass meine Haare besser aussehen, wenn ich sie offen trage, also trage ich sie offen. Sie kann ungeheuer überzeugend sein …

Und sie hat mir keine Waschbärenaugen verpasst, auch wenn sie nicht mit dunklem Lidschatten gespart hat. »Dunkle Augen zu blondem Haar«, lautete ihr Kommentar, während sie dicke Lagen von schwarzem Mascara auftrug. »Das ist sexy und heiß.« Und ganz offensichtlich waren ihr meine kleinen Sandalen mit den offenen Zehen nicht gut genug, denn sie zwang mich, sie abzustreifen und dafür ein Paar ihrer spitzen Stiefel mit Absatz anzuziehen, die sich wie angegossen um die Beine meiner Jeans schmiegen.

»Das nenne ich eine sexy Bitch«, sagt sie und mustert mich dabei von Kopf bis Fuß.

»Du bist mir hierfür was schuldig«, erwidere ich.

»Hä? Ich bin dir was schuldig?« Sie legt den Kopf schief. »Nein, Süße, das glaube ich nicht. Morgen früh wirst du mir was schuldig sein, denn du wirst dich königlich amüsieren und mich anbetteln, dich öfter mitzunehmen.«

Ich verschränke die Arme, stelle einen Fuß aus und fixiere sie mit einem ironischen halben Lächeln. »Das bezweifle ich schwer«, sage ich. »Aber ich werde meine Zweifel zurückstellen und hoffen, dass ich mich wenigstens ziemlich gut amüsieren werde.«

»Gut«, sagt sie und schlüpft in ihre Stiefel. »Und jetzt raus hier; Damon wartet schon auf uns.«

2

Wir schaffen es bis Anbruch der Dunkelheit zum Underground, aber erst nachdem wir in Damons auffrisiertem Pick-up die halbe Stadt abgefahren und dabei mehrere Zwischenstopps eingelegt haben. Immer wieder biegt er in eine Garagenauffahrt, verschwindet für drei, vier Minuten im Haus und taucht dann ohne ein Wort der Erklärung wieder auf. Jedenfalls erzählt er nicht, was er drinnen gemacht hat oder mit wem er geredet hat – irgendwelche gewöhnlichen Sachen, die diese Besuche zu was Normalem machen würden. Aber an Damon ist kaum was gewöhnlich oder normal. Ich mag ihn wirklich. Ich kenne ihn fast so lange wie Natalie, doch an seine Drogengeschichten habe ich mich nie gewöhnen können. Er baut in seinem Keller Unmengen von Gras an, aber er ist kein Kiffer. Tatsächlich würde kein Mensch außer mir und ein paar engen Freunden auf die Idee kommen, dass ein heißer Typ wie Damon Winters Gras anbaut, weil die meisten Leute, die so etwas tun, eher abgefuckt aussehen und mit ihren Frisuren irgendwo zwischen den Siebzigern und Neunzigern hängen geblieben sind. Wenn jemand nicht abgefuckt aussieht, dann Damon – er könnte als Alex Pettyfers jüngerer Bruder durchgehen. Und Damon meint, dass ihm Gras nichts gibt. Nein, Damons Droge der Wahl ist Kokain, und er baut das Gras nur an und verkauft es, um damit seinen Kokainkonsum zu finanzieren.

Natalie tut so, als wäre das alles völlig harmlos. Sie weiß, dass Damon nicht selbst kifft, und behauptet, dass Gras eigentlich gar nicht so schlimm ist und dass sie kein Problem damit hat, wenn Damon anderen hilft, ein bisschen zu chillen und zu relaxen.

Allerdings will sie auf keinen Fall wahrhaben, dass sein Gesicht deutlich öfter mit weißem Schnee in Berührung kommt als mit irgendeinem Teil ihres Körpers.

»Okay, du wirst heute Abend Spaß haben, verstanden?« Natalie drückt mit ihrem Hintern die Autotür zu, nachdem ich ausgestiegen bin, und sieht mich dann mit milder Verzweiflung an. »Kämpf wenigstens nicht dagegen an, und versuch dich zu amüsieren.«

Ich verdrehe die Augen. »Nat, ich versuche doch nicht absichtlich, keinen Spaß zu haben«, sage ich. »Ich will mich doch amüsieren.«

Damon kommt auf unsere Seite des Wagens und legt uns beiden den Arm um die Taille. »Ich will heute mit zwei heißen Chicks im Arm einmarschieren.«

Natalie rammt ihm mit gespielter Empörung den Arm in die Rippen. »Halt den Mund, Baby. Sonst machst du mich noch eifersüchtig.« Und im nächsten Moment grinst sie schon wieder verzückt zu ihm auf.

Damon senkt seine Hand von ihrer Taille auf ihre Arschbacke. Sie stößt einen widerlichen Stöhnlaut aus und stellt sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen. Am liebsten würde ich ihnen raten, auf der Stelle heimzufahren und ins Bett zu hüpfen, aber das wäre nur Energieverschwendung.

Das Underground ist der heißeste Club in der Gegend, aber man findet ihn nicht im Telefonbuch. Nur Leute wie wir wissen, dass es ihn gibt. Ein Typ namens Rob hat vor zwei Jahren ein verlassenes Lagerhaus angemietet und seinem reichen Dad etwa eine Million abgeschwatzt, um es in einen geheimen Club zu verwandeln. Und seit zwei Jahren läuft der Laden wie verrückt; inzwischen gilt er als Geheimtipp, weil hier die hiesigen Rockstars inmitten von kreischenden Fans und Groupies ihre erotischen Rock-’n’-Roll-Träume ausleben können. Dabei wirkt der Laden absolut nicht runtergekommen. Von außen glaubt man zwar, vor einer leer stehenden Ruine in einem halb aufgegebenen Gewerbeviertel zu stehen, aber hinter den Mauern versteckt sich ein edler Hardrock-Nightclub mit blitzenden Stroboskoplampen, knapp gekleideten Bedienungen und einer Bühne, die so groß ist, dass zwei Bands gleichzeitig darauf spielen könnten.

Damit der Club nicht allzu bekannt wird, müssen die Besucher woanders parken und zu Fuß herkommen, weil ein »verlassenes« Lagerhaus, vor dem reihenweise Autos stehen, sofort Verdacht erregen würde.

Wir parken hinter einem McDonald´s in der Nähe und spazieren ungefähr zehn Minuten durch die verlassenen Straßen.

Natalie löst sich von Damons rechter Seite und drängt sich zwischen uns, aber nur damit sie mich auf dem Weg zum Club ein bisschen quälen kann.

»Also schön«, beginnt sie, als würde sie gleich eine Liste von Verhaltensregeln abhaken. »Wenn dich jemand fragt, bist du Single, okay?« Sie droht mir mit dem Finger. »Nicht, dass du wieder so was abziehst wie bei dem Typen, der dich bei Office Depot anquatschen wollte.«

»Wolltest du da Schreibpapier kaufen?«, fragt Damon lachend.

»Damon, der Typ war total scharf auf sie«, erzählt Natalie, so als wäre ich nur noch Luft. »Ich meine, sie hätte nur einmal mit den Wimpern klimpern müssen, und er hätte ihr ein Auto gekauft – und weißt du, was sie zu ihm gesagt hat?«

Ich schicke einen Blick zum Himmel und ziehe meinen Arm aus ihrem Griff. »Du bist so doof, Nat. Es war ganz anders.«

»Stimmt, Baby«, sagt Damon. »Ein Typ, der bei Office Depot arbeitet, kauft niemandem ein Auto.«

Natalie haut ihm im Spaß auf die Schulter. »Ich hab nicht gesagt, dass er dort gearbeitet hat – jedenfalls sah der Typ aus, als wäre er das Ergebnis einer Liebesnacht von … Adam Levine mit …«, sie lässt den Zeigefinger über ihrem Kopf kreisen, bis sich ein weiterer berühmter Name auf ihrer Zunge materialisiert, »… Jensen Ackles, aber als er Miss Prüde hier nach ihrer Nummer fragt, erklärt sie ihm, dass sie lesbisch wäre.«

»Ach, halt die Klappe, Nat!« Ihre krankhafte Übertreibungssucht ärgert mich. »Er hat wie keiner von beiden ausgesehen. Er war ganz normal, nur nicht ganz so hässlich wie die meisten anderen Typen.«

Sie bringt mich mit einem Wink zum Schweigen und wendet sich wieder an Damon. »Auch egal. Jedenfalls lügt sie sogar, um die Männer auf Abstand zu halten. Ich würde ihr jederzeit zutrauen, dass sie behauptet, sie hätte Chlamydien oder Filzläuse, nur um einen Typen in die Flucht zu schlagen.«

Damon lacht.

Ich bleibe auf dem dunklen Gehweg stehen, verschränke die Arme und kaue wütend auf meiner Unterlippe.

Natalie merkt, dass ich nicht mehr an ihrer Seite bin, und kommt zu mir zurückgelaufen. »Schon gut! Schon gut! Ich will doch nur nicht, dass du dir alles kaputtmachst, verstehst du? Ich bitte dich nur, nicht sofort die Stacheln auszufahren, wenn dich jemand anspricht, der nicht gerade aussieht wie der Glöckner von Notre-Dame. Es ist nichts dabei, ein bisschen zu quatschen und sich gegenseitig kennenzulernen. Schließlich verlange ich nicht von dir, gleich mit ihm nach Hause zu gehen.«

Ich hasse sie schon jetzt dafür. Sie hat es mir versprochen!

Damon taucht hinter ihr auf, legt die Hände an ihre Taille und drückt den Mund in ihren sich windenden Nacken.

»Vielleicht lässt du sie einfach ihr Ding machen, Baby. Rück ihr nicht immer so auf die Pelle.«

»Danke, Damon«, sage ich mit einem knappen Nicken.

Er zwinkert mir zu.

Natalie kneift die Lippen zusammen und sagt: »Du hast recht.« Dann hebt sie die Hände. »Ich sage nichts mehr. Ehrenwort.«

Klar, als hätte ich das nicht schon mal gehört …

»Gut«, sage ich, und wir setzen uns wieder in Bewegung. Diese Stiefel bringen mich jetzt schon um.

Der Oger am Eingang des Clubs hat die dicken Arme fest verschränkt und inspiziert uns eingehend.

Dann streckt er eine Hand vor.

Natalies Gesicht verzerrt sich empört. »Was soll das? Verlangt Rob jetzt Eintritt?«

Damon greift in seine hintere Hosentasche, zückt die Brieftasche und zupft ein paar Scheine heraus.

»Zwanzig pro Nase«, grunzt der Oger.

»Zwanzig? Willst du mich verarschen?«, kreischt Natalie.

Damon schiebt sie sanft zur Seite und klatscht drei Zwanziger in die Hand des Ogers. Der Oger steckt das Geld ein und tritt beiseite, um uns vorbeizulassen. Ich gehe voran, und Damon setzt seine Hand auf Natalies Rücken, um sie an dem Oger vorbeizuschieben.

Sie knurrt ihn im Vorbeigehen an. »Wahrscheinlich steckt er das Geld selbst ein«, behauptet sie. »Ich werde mich bei Rob erkundigen.«

»Komm schon«, sagt Damon, und wir marschieren durch den langen, trostlosen und von einer einsamen Neonröhre erhellten Gang bis zu dem Lastenaufzug am anderen Ende.

Das eiserne Scherengitter schließt sich laut scheppernd, und wir rumpeln abwärts ins Kellergeschoss. Es geht nur ein Stockwerk tiefer, aber der Aufzug klappert so, dass ich Angst kriege, er könnte jede Sekunde abstürzen und uns in den Tod reißen. Laute, wummernde Beats, vermischt mit dem Gebrüll von betrunkenen Collegestudenten und wahrscheinlich noch mehr Studienabbrechern, schallen durch die Kellerdecke in den Aufzugkäfig und verstärken sich mit jeder Sekunde, die wir in die Eingeweide des Clubs absteigen. Der Aufzug kommt rüttelnd zum Stehen, und der nächste Oger öffnet das Scherengitter, um uns rauszulassen.

Natalie rempelt mich von hinten an. »Jetzt mach schon!«, drängelt sie fröhlich und schubst mich vorwärts. »Ich glaube, da spielt gerade Four Collision!« Ihre Stimme erhebt sich über die Musik, während wir dem Clubraum zustreben.

Natalie nimmt Damon an der Hand und versucht auch meine Hand zu packen, aber ich weiß, was sie vorhat, und ich werde mich mit diesen dämlichen Stiefeln auf gar keinen Fall in eine Horde hüpfender, verschwitzter Leiber stürzen.

»Jetzt komm schon!«, quengelt sie. Dann kerbt sich rund um ihre Nase eine ärgerliche Falte ein, sie grapscht nach meiner Hand und zieht mich zu sich her. »Stell dich nicht so an! Falls dich jemand umwirft, trete ich ihm persönlich in den Arsch, okay?«

Damon grinst mich von der Seite her an.

»Na gut!«, schreie ich und wage mich mit ihnen auf die Tanzfläche, hauptsächlich weil Natalie mir praktisch die Finger aus den Gelenken zerrt.

Wir hüpfen ein bisschen herum, und nachdem Natalie eine Weile ihre Hüfte an meiner gerieben hat, damit ich mich nicht ausgeschlossen fühle, so wie es jede gute Freundin tun würde, taucht sie langsam in Damons Welt ab. Eigentlich könnten sie es gleich hier auf der Tanzfläche treiben, aber das fällt niemandem auf. Nur mir, weil ich wahrscheinlich das einzige Mädchen im ganzen Club bin, das ohne Date hier ist und es ihnen nicht gleichtut. Ich nutze die Gelegenheit, um mich zu verziehen und den Weg zur Bar einzuschlagen.

»Was darf’s sein?«, fragt der große Blonde hinter der Theke, als ich mich auf die Zehen stelle und auf den freien Barhocker klettere.

»Rum-Cola.« Er macht sich an die Arbeit. »Heute was Hartes, wie?«, fragt er, während er das Glas mit Eis auffüllt. »Zeigst du mir deinen Ausweis?« Er grinst.

Ich mache einen Schmollmund. »Sicher, sobald du mir deine Ausschanklizenz gezeigt hast.« Ich grinse genauso breit, und er muss lächeln.

Er mixt den Drink fertig und schiebt ihn mir rüber.

»Ich trinke sowieso nicht viel«, sage ich und ziehe kurz am Strohhalm.

»Nicht viel?«

»Na schön, heute Abend brauche ich ein bisschen was.« Ich stelle das Glas ab und spiele an der Limettenscheibe herum, die am Glasrand klemmt.

»Und warum?«, fragt er und wischt dabei die Theke mit einem Papiertuch trocken.

»Moment mal!« Ich recke einen Finger hoch. »Bevor du auf falsche Gedanken kommst – ich sitze nicht hier, weil ich dir mein Herz ausschütten will. Ich brauche keine Barkeeper-Therapiestunde.« Natalie reicht mir völlig als Therapeutin.

Er lacht und wirft das Küchentuch irgendwo hinter die Theke.

»Das ist gut, weil ich nicht so der Ratgeber bin.«

Ich nehme noch einen Schluck, und diesmal beuge ich mich vor, statt das Glas anzuheben; sofort fallen mir die offenen Haare ins Gesicht. Ich richte mich wieder auf und klemme eine Strähne hinters Ohr. Ich hasse es, das Haar offen zu tragen; der Effekt ist nicht die Mühe wert.

»Also, wenn du es unbedingt wissen willst«, sage ich und sehe ihn dabei an, »ich wurde von meiner gnadenlosen besten Freundin hergeschleift, die wahrscheinlich peinliche Fotos von mir im Schlaf geschossen und mich damit erpresst hätte, wenn ich nicht freiwillig mitgekommen wäre.«

»Ach, eine von denen.« Er legt die Arme auf die Theke und faltet die Hände. »So einen Freund hatte ich auch mal. Sechs Monate nachdem meine Verlobte mich sitzen gelassen hatte, hat er mich in einen Club in der Nähe von Baltimore geschleppt – obwohl ich viel lieber zu Hause gehockt und in meinem Elend gebadet hätte; aber dann stellte sich raus, dass ich genau so eine Nacht gebraucht habe.«

Na super, der Typ glaubt, er kennt mich schon oder wenigstens meine »Situation«. Dabei hat er keine Ahnung von meiner Situation. Vielleicht hat er wirklich eine üble Trennung durchgemacht – das haben wir alle irgendwann –, aber alles andere, dass meine Eltern frisch geschieden sind, dass mein älterer Bruder Cole im Knast sitzt und dass die Liebe meines Lebens gestorben ist – nichts davon werde ich diesem Typen erzählen. Sobald du jemandem so was erzählst, verwandelst du dich automatisch in eine Heulsuse, und die kleinste Violine der Welt beginnt zu schluchzen. Im Ernst, jeder von uns hat Probleme; jeder muss schwere Zeiten und Schmerzen durchstehen, und mein Leid ist nichts verglichen mit dem vieler anderer, weshalb ich kein Recht habe, mich zu beklagen.

»Ich dachte, du bist nicht so der Ratgeber?« Ich schenke ihm ein zuckersüßes Lächeln.

Er richtet sich auf und sagt: »Bin ich auch nicht, aber wenn dir meine Geschichte trotzdem was gibt, dann freu dich einfach darüber.«

Ich deute ein Schmunzeln an und tue so, als würde ich an meinem Strohhalm ziehen. Eigentlich will ich keinen Schwips und mich ganz bestimmt nicht betrinken, vor allem da ich das dumpfe Gefühl habe, dass ich uns alle heimfahren darf.

Um nicht noch länger im Scheinwerferlicht zu stehen, stütze ich den Ellbogen auf die Theke, lege das Kinn auf die Fingerknöchel und frage: »Und was ist damals in Baltimore passiert?«

Er verzieht den linken Mundwinkel zu einem halben Grinsen und erklärt kopfschüttelnd: »Damals habe ich mich zum ersten Mal seit meiner Trennung abschleppen lassen, und dabei ist mir wieder bewusst geworden, wie geil es ist, nicht an einen einzigen Menschen gekettet zu sein.«

Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet. Die meisten Typen hätten ihre Beziehungsphobie verheimlicht, vor allem wenn sie ein Mädchen anmachen wollen. Irgendwie mag ich den Typ. Nur so als Typ; das heißt nicht, dass ich mich gleich für ihn bücken muss, wie Natalie es vielleicht ausdrücken würde.

»Ich verstehe«, kommentiere ich und bemühe mich dabei, mein Lächeln nicht allzu breit werden zu lassen. »Wenigstens bist du ehrlich.«

»Alles andere bringt nichts«, sagt er, greift nach einem leeren Glas und mixt sich ebenfalls eine Cola mit Rum. »Ich habe festgestellt, dass die meisten Mädchen inzwischen genauso viel Bindungsangst haben wie wir Männer und dass man am ehesten unbeschadet aus einem One-Night-Stand herauskommt, wenn man von Anfang an mit offenen Karten spielt.«

Ich nicke und drücke mit den Fingerspitzen den Strohhalm zu. Ich bin absolut seiner Meinung und finde diese Einstellung sogar erfrischend, auch wenn ich das nie im Leben offen zugeben würde. Ehrlich gesagt habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht, aber selbst wenn ich auf gar keinen Fall eine Beziehung eingehen will, bin ich doch ein Mensch aus Fleisch und Blut und hätte nichts gegen eine Nacht mit einem heißen Typen einzuwenden.

Nur nicht mit ihm. Oder irgendwem in diesem Laden. Na schön, vielleicht bin ich einfach zu feige für so was, und dieser Drink ist mir schon zu Kopf gestiegen. In Wahrheit hatte ich noch nie einen One-Night-Stand und immer eine Scheißangst davor, so aufregend ich die Vorstellung auch finde. Ich war bisher nur mit zwei Jungs zusammen: mit Ian Walsh, meiner ersten großen Liebe, der mich entjungfert hat und drei Monate später bei einem Autounfall starb, und danach mit Christian Deering, der mich über Ian hinwegtrösten sollte – einem Arschloch, das mich mit einer rothaarigen Schlampe betrogen hat.

Nur gut, dass ich ihm gegenüber niemals diesen vergifteten Drei-Wort-Satz ausgesprochen habe, der mit »Ich« anfängt und mit »dich« aufhört, weil ich jedes Mal, wenn er ihn in den Mund nahm, das Gefühl hatte, dass er keinen Schimmer hatte, wovon er überhaupt redete.

Aber andererseits wusste er es vielleicht sehr wohl und hat sich darum woanders umgesehen, nachdem wir fünf Monate zusammen gewesen waren: weil ich den Satz kein einziges Mal erwidert hatte.

Als ich den Barkeeper ansehe, stelle ich fest, dass er mich anlächelt und geduldig abwartet, dass ich etwas sage. Der Typ ist gut; entweder das, oder er versucht tatsächlich nur, nett zu sein. Außerdem sieht er süß aus, zugegeben; er ist höchstens fünfundzwanzig und hat sanfte braune Augen, die noch vor seinen Lippen zu lächeln beginnen. Mir fällt auf, wie straff sein Bizeps ist und wie das enge T-Shirt über seiner Brust spannt. Und seine Haut hat eine gesunde Bräune; eindeutig hat er den Großteil seines Lebens in der Nähe des Meeres verbracht.

Ich wende den Blick ab, als ich mitbekomme, dass meine Gedanken abzuschweifen beginnen und ich mir vorstelle, wie er wohl in einer Badehose aussieht.

»Ich bin Blake«, sagt er. »Robs Bruder.«

Rob? Ach ja, der Typ, dem das Underground gehört.

Ich strecke die Hand aus, und Blake schüttelt sie sanft.

»Camryn.«

Noch bevor ich Natalie sehen kann, höre ich ihre Stimme. Sie bahnt sich ihren Weg durch eine Gruppe am Rand der Tanzfläche und zwängt sich rücksichtslos zwischen den Leuten hindurch, um zu mir zu gelangen. Im selben Moment fällt ihr Blick auf Blake, ihre Augen beginnen zu glänzen und erstrahlen zusammen mit ihrem blendenden Zahnpastalächeln. Damon, der hinter ihr an die Bar tritt und immer noch ihre Hand hält, bemerkt das ebenfalls, aber er wirft mir nur einen emotionslosen Blick zu. Ich finde das höchst befremdlich, aber dann schmiegt sich Natalie mit der Schulter an mich, und ich denke nicht weiter darüber nach.

»Was tust du hier drüben?«, fragt sie vorwurfsvoll. Sie grinst von einem Ohr zum anderen und lässt den Blick mehrmals zwischen mir und Blake hin- und herpendeln, bis sie ihn schließlich mir zuwendet.

»Was trinken«, sage ich. »Bist du hergekommen, um dir auch was zu bestellen oder um Kindermädchen zu spielen?«

»Beides!« Sie löst ihre Hand aus Damons Griff, klopft mit den Fingerspitzen auf die Theke und lächelt Blake an. »Irgendwas mit Wodka.«

Blake nickt und sieht Damon an.

»Für mich eine Cola mit Rum«, sagt Damon.

Natalie presst die Lippen an meinen Kopf, und ich spüre ihren heißen Atem im Ohr, als sie mir zuflüstert: »Heilige Scheiße, Cam! Weißt du, wer das ist?«

Mir fällt auf, wie sich Blakes Mund zu einem leisen Schmunzeln verzieht. Er hat sie gehört.

Ich spüre, wie mein Gesicht rot anläuft, und flüstere zurück: »Ja, das ist Blake.«

»Das ist Robs Bruder!«, zischt sie; und sofort richtet sich ihr Blick wieder auf ihn.

Hilfesuchend sehe ich zu Damon auf, in der Hoffnung, dass er die Andeutung versteht und Natalie von mir wegzerrt, aber diesmal stellt er sich ahnungslos. Wo ist der Damon, den ich kenne und der mir bei Natalie immer den Rücken frei gehalten hat?

O Mann, offenbar ist er wieder mal sauer auf sie. So führt er sich nur auf, wenn Natalie ihre große Klappe nicht halten konnte oder wenn sie Damon irgendwie auf die Zehen gestiegen ist. Dabei sind wir gerade mal eine halbe Stunde hier. Was kann sie in der kurzen Zeit nur angestellt haben? Und dann wird mir klar: Hier geht es um Natalie, und wenn jemand einen Freund in weniger als einer Stunde wütend machen kann, ohne es auch nur zu merken, dann sie.

Ich rutsche von meinem Barhocker, nehme sie am Arm und ziehe sie von der Bar weg. Damon begreift offenbar, was ich vorhabe, und bleibt bei Blake.

Die Band beendet einen Song und fängt den nächsten an, der mir noch lauter vorkommt als der letzte.

»Was hast du angestellt?«, will ich wissen und drehe sie zu mir.

»Was meinst du mit: ›Was hast du angestellt‹?« Es fällt ihr schwer, mich überhaupt zu beachten; stattdessen wippt ihr Körper im Takt der Musik.

»Nat, ich meine es ernst.«

Endlich hält sie still, sieht mich an und sucht in meinem Gesicht nach einer Antwort.

»Warum ist Damon so sauer?«, frage ich. »Als wir hergekommen sind, war noch alles okay.«

Sie sieht kurz zu Damon hinüber, der an der Bar steht und an seinem Drink nippt, dann schaut sie mich verdutzt an. »Gar nichts … glaube ich.« Sie sieht nach oben, als würde sie in ihrem Gedächtnis nachforschen, was sie gesagt oder getan haben könnte.

Plötzlich stemmt sie die Hände in die Hüften. »Wie kommst du darauf, dass er sauer ist?«

»Weil ich es ihm ansehe«, erkläre ich knapp und werfe dabei einen Blick auf ihn und Blake. »Und weil ich es hasse, wenn ihr euch streitet, vor allem wenn ich mit euch den Abend verbringe und mir dann stundenlang von euch beiden irgendeinen dämlichen Scheiß anhören darf, was wer vor einem Jahr gesagt hat.«

Natalies verdutzte Miene verwandelt sich in ein boshaftes Lächeln. »Also, ich glaube, du bist paranoid und willst mich nur davon abhalten, etwas über dich und Blake zu sagen.« Und schon setzt sie diese besserwisserische Miene auf, die ich so hasse.

Ich verdrehe die Augen. »Es gibt kein ›mich und Blake‹, wir reden nur.«

»Reden ist immer der erste Schritt. Und ihn anzulächeln – wobei ich dich ganz klar erwischt habe, als ich an die Bar gekommen bin – ist der zweite.« Sie verschränkt die Arme und schiebt ihre Hüfte nach vorn. »Ich wette, du hast dich richtig gut mit ihm unterhalten, ohne dass er jedes einzelne Wort aus dir herausquetschen musste – Scheiße, du weißt sogar schon, wie er heißt.«

»Ich dachte, du wolltest, dass ich mich amüsiere und jemanden kennenlerne? Dann solltest du auch wissen, dass du besser die Klappe hältst, wenn offenbar alles genau so läuft, wie du es dir vorstellst.«

Natalie wird wieder von der Musik fortgetragen, hebt die Hände halb an und wackelt verführerisch mit den Hüften. Ich bleibe steif stehen.

»Es wird nichts weiter passieren«, erkläre ich ihr ernst. »Du hast bekommen, was du wolltest. Ich unterhalte mich mit ihm und werde ihm ziemlich sicher nicht erzählen, ich hätte Chlamydien, also mach mir bitte, bitte keine Szene.«

Sie gibt sich mit einem langen, tiefen Seufzen geschlagen und hält gerade lang genug in ihren Tanzbewegungen inne, um mir zu antworten: »Wahrscheinlich hast du recht. Ich lasse dich in Ruhe, aber falls er mit dir auf Robs Stockwerk verschwindet, erwarte ich einen detaillierten Bericht.« Sie kneift ein Auge zu, presst die Lippen zusammen und zielt nachdrücklich mit einem Finger auf mich.

»Ist gut«, sage ich, nur damit sie endlich Ruhe gibt. »Aber mach dir keine Hoffnungen, weil das auf keinen Fall passieren wird.«

3

Eine Stunde und zwei Drinks später bin ich mit Blake auf »Robs Stockwerk«. Ich bin ein wenig angesäuselt, kann aber noch perfekt gehen und sehen und schließe daraus, dass ich nicht wirklich betrunken bin. Allerdings bin ich ein bisschen überdreht, und das gibt mir zu denken. Als Blake vorschlug, wir sollten »wohin gehen, wo es ein bisschen ruhiger ist«, begannen die Alarmglocken in meinem Kopf zu schrillen: Man verschwindet nicht nach ein paar Drinks mit einem fremden Typen aus dem Club. Tu es nicht, Cam. Du bist nicht blöd, also lass dich nicht vom Alkohol blöd machen. All das gellte durch meinen Kopf. Und ich hörte auf die mahnenden Stimmen, bis die Stimmen und Alarmglocken unter Blakes ansteckendem Lächeln und seiner entspannten und entspannenden Art irgendwann so leise wurden, dass ich sie nicht mehr hörte.

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