Beschreibung

Das Buch zum Film - ab dem 1. Juni 2017 im Kino, mit Zoey Deutch in der Hauptrolle!

Was wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre? Was würdest du tun? Wen würdest du küssen? Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten? Samantha Kingston ist hübsch, beliebt, hat drei enge Freundinnen und den perfekten Freund. Der 12. Februar sollte eigentlich ein Tag werden wie jeder andere in ihrem Leben: mit ihren Freundinnen zur Schule fahren, die sechste Stunde schwänzen, zu Kents Party gehen. Stattdessen ist es ihr letzter Tag. Sie stirbt nach der Party bei einem Autounfall. Und wacht am Morgen desselben Tages wieder auf. Siebenmal ist sie gezwungen diesen Tag wieder und wieder zu durchleben. Und begreift allmählich, dass es nicht darum geht, ihr Leben zu retten. Zumindest nicht so, wie sie dachte ...

Klug, vielschichtig und von herzzerreißender Schönheit - das grandiose Debüt von Bestseller-Autorin Lauren Oliver!

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CARLSEN Newsletter Tolle neue Lesetipps kostenlos per E-Mail!www.carlsen.de Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung, können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden. Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen Alle deutschen Rechte bei Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2010 Originalcopyright © 2010 by Lauren Oliver Published by Arrangement with Laura Schechter Originalverlag: HarperCollins Children’s Books Originaltitel: Before I Fall Umschlag: Kerstin Schürmann, formlabor Aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier Lektorat: Barbara König Herstellung: Nicole Boehringer Satz und E-Book-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde ISBN 978-3-646-92145-8 Alle Bücher im Internet unterwww.carlsen.de

In liebevoller Erinnerung an Semon Emil Knudsen II. Peter, dir verdanke ich einige meiner strahlendsten Sternstunden. Du fehlst mir.

PROLOG

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie, aber bei mir war es nicht so.

Um ehrlich zu sein, fand ich schon immer, dass diese ganze Sache mit dem letzten Augenblick und dem gedanklichen Schnelldurchlauf durchs Leben ziemlich furchtbar klang. Manche Dinge bleiben besser begraben und vergessen, wie meine Mutter sagen würde. Ich zum Beispiel würde liebend gerne die komplette fünfte Klasse vergessen (die Brillen- und Rosa-Zahnspangen-Phase), und will wirklich jemand den ersten Tag auf der weiterführenden Schule noch mal durchleben? Dazu kommen all die langweiligen Familienurlaube, sinnlosen Mathestunden, Regelschmerzen und miesen Küsse, die ich schon beim ersten Mal kaum ertragen habe …

Ich muss allerdings zugeben, dass es mir nichts ausgemacht hätte, meine strahlendsten Sternstunden noch mal zu erleben: Als Rob Cokran und ich beim Jahresball zum ersten Mal geknutscht haben – mitten auf der Tanzfläche, wo es alle sehen konnten und so wussten, dass wir miteinander gingen; als Lindsay, Elody, Ally und ich betrunken waren und versuchten, im Mai Schneeengel zu machen, und lebensgroße Abdrücke auf dem Rasen vor Allys Haus hinterließen; die Party zu meinem sechzehnten Geburtstag, als wir hundert Teelichter aufgestellt und auf dem Gartentisch getanzt haben; Halloween, als Lindsay und ich Clara Seuse einen Streich gespielt haben, von der Polizei verfolgt wurden und so lachen mussten, dass wir uns beinahe übergeben hätten. Die Dinge, die ich in Erinnerung behalten wollte; die Dinge, deretwegen ich in Erinnerung bleiben wollte.

Aber bevor ich starb, dachte ich nicht an Rob oder irgendeinen anderen Jungen. Ich dachte nicht an all die verrückten Sachen, die ich mit meinen Freundinnen gemacht hatte. Ich dachte auch nicht an meine Familie oder daran, wie die Morgensonne die Wände in meinem Zimmer cremefarben tönt, oder daran, wie die Azaleen vor meinem Fenster im Juli riechen, nach einer Mischung aus Honig und Zimt.

Stattdessen dachte ich an Vicky Hallinan.

Genauer gesagt dachte ich daran, wie Lindsay in der vierten Klasse einmal in Sport vor allen Leuten verkündete, sie wolle Vicky nicht in ihrer Völkerballmannschaft haben. »Sie ist zu fett«, platzte Lindsay heraus. »Die trifft man ja mit geschlossenen Augen.« Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Lindsay befreundet, aber schon damals hatte sie die Fähigkeit, Dinge so zu sagen, dass sie urkomisch klangen, und ich lachte zusammen mit allen anderen, während Vickys Gesicht so dunkellila anlief wie die Unterseite einer Gewitterwolke.

Das war es, was mir im Augenblick vor meinem Tod einfiel, als ich eigentlich irgendeine große Offenbarung aus meiner Vergangenheit hätte haben sollen: der Geruch nach Lack und das Quietschen unserer Turnschuhe auf dem polierten Boden; wie eng meine Polyester-Shorts saßen; das Gelächter, das durch den großen, kahlen Raum hallte, als wären viel mehr als fünfundzwanzig Leute in der Sporthalle.

Und Vickys Gesicht.

Das Komische ist, dass ich schon ewig nicht mehr daran gedacht hatte. Es war eine dieser Erinnerungen, von der mir nicht einmal bewusst war, dass ich sie hatte, wenn ihr wisst, was ich meine. Vicky war deswegen auch nicht traumatisiert oder so. Es war einfach das, was Kinder sich gegenseitig antun. Keine große Sache. Es wird immer jemand geben, der lacht, und jemand, über den gelacht wird. Das kommt jeden Tag vor, in jeder Stadt in Amerika – wahrscheinlich auf der ganzen Welt, soweit ich weiß. Beim Erwachsenwerden geht es einfach darum zu lernen, auf der Seite der Lacher zu bleiben.

Vicky war gar nicht mal besonders dick, sie hatte nur ein bisschen Babyspeck im Gesicht und am Bauch – und noch vor der Highschool hatte sie den verloren und war sieben Zentimeter gewachsen. Sie freundete sich sogar mit Lindsay an. Sie spielten zusammen Hockey und sagten Hallo, wenn sie sich auf dem Gang begegneten. Einmal in der neunten Klasse brachte Vicky die Sache auf einer Party zur Sprache – wir waren alle ziemlich angeschickert – und wir lachten und lachten, Vicky am meisten von allen, bis ihr Gesicht fast genau so lila wurde wie vor Jahren in der Sporthalle.

Das war das eine, was komisch war.

Noch komischer war es, dass wir gerade genau darüber geredet hatten – wie das sein würde, kurz bevor man starb, meine ich. Ich weiß nicht mehr genau, wie wir darauf kamen, nur dass Elody sich beklagte, dass ich immer vorne sitzen durfte. Sie weigerte sich, sich anzuschnallen, und beugte sich vor, um durch Lindsays iPod zu scrollen, obwohl eigentlich ich das DJ-Recht hatte. Ich versuchte meine Theorie der »strahlendsten Sternstunden« im Angesicht des Todes zu erklären und wir überlegten, welche das sein würden. Lindsay wählte natürlich den Augenblick, als sie erfahren hatte, dass sie an der Duke University zugelassen worden war, und Ally – die wie üblich über die Kälte meckerte und damit drohte, jeden Moment an einer Lungenentzündung zu sterben – machte lange genug mit, um zu sagen, sie würde am liebsten ihren ersten Kuss mit Matt Wilde für immer durchleben, was keine von uns überraschte. Lindsay und Elody rauchten und eiskalter Regen kam durch die Fenster herein, die einen Spaltbreit offen standen. Die Straße war schmal und kurvig und zu beiden Seiten peitschten die dunklen, kahlen Zweige der Bäume hin und her, als hätte der Wind sie zum Tanzen gebracht.

Elody ließ »With or without you« laufen, um Ally zu ärgern, vielleicht weil sie ihr Gejammer satthatte. Es war das gemeinsame Lied von Ally und Matt, der im September mit ihr Schluss gemacht hatte. Ally beschimpfte sie als Schlampe, schnallte sich ab und beugte sich vor, um nach dem iPod zu greifen. Lindsay beklagte sich, dass ihr jemand den Ellbogen in den Nacken stieß. Die Zigarette fiel ihr aus dem Mund und landete in ihrem Schoß. Sie fluchte und versuchte, die Glut vom Sitz zu wischen, und Elody und Ally rangelten immer noch miteinander und ich versuchte sie zu übertönen und sie daran zu erinnern, wie wir im Mai Schneeengel gemacht hatten. Die Reifen schlitterten ein bisschen auf der nassen Straße und das Auto war voller Zigarettenrauch, kleine Rauchfahnen, die in die Luft aufstiegen wie Gespenster.

Dann blitzte plötzlich etwas Weißes vor dem Auto auf. Lindsay schrie etwas – Wörter, die ich nicht verstehen konnte, irgend so was wie Sitz oder Sicht oder Scheiß – und plötzlich überschlug sich das Auto und schleuderte von der Straße herunter mitten hinein in das schwarze Maul des Waldes. Ich hörte ein schreckliches kreischendes Geräusch – Metall auf Metall, zersplitterndes Glas, ein Auto, das zusammengeknautscht wurde – und roch Feuer. Ich hatte noch Zeit, mich zu fragen, ob Lindsay wohl ihre Zigarette ausgemacht hatte.

Dann stieg Vicky Hallinans Gesicht aus der Vergangenheit auf. Ich hörte überall um mich herum Gelächter aufbranden und widerhallen, das schließlich zu einem Schrei anschwoll.

Dann nichts mehr.

Das Problem ist, ihr wisst es vorher nicht. Ihr wacht nicht mit einem unguten Gefühl auf. Ihr seht keine Schatten, wo keine sein sollten. Ihr denkt nicht daran, euren Eltern zu sagen, dass ihr sie lieb habt, oder – wie bei mir – auch nur daran, euch von ihnen zu verabschieden.

Wenn es euch geht wie mir, wacht ihr, sieben Minuten und siebenundvierzig Sekunden bevor eure beste Freundin euch abholt, auf. Ihr seid zu sehr damit beschäftigt, euch Gedanken darüber zu machen, wie viele Rosen ihr wohl zum Valentinstag bekommen werdet, um zu mehr in der Lage zu sein, als schnell in eure Klamotten zu steigen, euch die Zähne zu putzen und zu beten, dass das Make-up noch unten in eurer Kuriertasche liegt, damit ihr euch im Auto schminken könnt.

Wenn es euch geht wie mir, beginnt euer letzter Tag so:

EINS

»Tut, tuut«, ruft Lindsay. Vor ein paar Wochen hat meine Mutter sie angebrüllt, weil sie jeden Morgen um fünf vor sieben hupt, und seitdem macht Lindsay das so.

»Ich komme!«, rufe ich, obwohl sie schon sehen kann, wie ich die Haustür aufmache. Gleichzeitig versuche ich meinen Mantel anzuziehen und meinen Hefter in die Tasche zu stopfen.

Im letzten Moment zupft meine achtjährige Schwester Izzy mich am Ärmel.

»Was ist denn?« Ich wirbele herum. Sie hat den siebten Sinn einer kleinen Schwester und spürt immer, wenn ich beschäftigt oder spät dran bin oder wenn ich gerade mit meinem Freund telefoniere. Genau dann beschließt sie normalerweise, mich zu stören.

»Du hast deine Handschuhe vergessen«, sagt sie, allerdings klingt es wie: »Du hazht deine Handschuhe vergezhen.« Sie weigert sich, wegen ihres Lispelns zum Logopäden zu gehen, obwohl sich alle Kinder in ihrer Klasse über sie lustig machen. Sie sagt, ihr gefällt es, wie sie redet.

Ich nehme ihr die Handschuhe ab. Sie sind aus Kaschmir und Izzy hat wahrscheinlich Erdnussbutter draufgeschmiert. Sie schaufelt sich das Zeug gläserweise rein.

»Was hab ich dir gesagt, Izzy?«, frage ich und stupse sie mitten auf die Stirn. »Fass meine Sachen nicht an!« Sie kichert wie blöd und ich muss sie reinscheuchen, um die Tür zumachen zu können. Wenn es nach ihr ginge, würde sie den ganzen Tag wie ein Hund um mich herumscharwenzeln.

Als ich es endlich aus dem Haus geschafft habe, lehnt sich Lindsay aus dem Fenster des Panzers. So nennen wir ihr Auto, einen riesigen silbernen Range Rover. (Jedes Mal, wenn wir damit rumfahren, sagt mindestens einer: »Das Ding ist kein Auto, sondern ein Lastwagen«, und Lindsay behauptet, sie könne sogar einen Crash mit einem Sattelschlepper unbeschadet überstehen.) Ally und sie sind die Einzigen von uns, die ein eigenes Auto haben. Allys Auto ist ein kleiner schwarzer Jetta, den wir Winzling getauft haben. Ich kann mir manchmal den Accord meiner Mutter leihen; die arme Elody muss sich mit dem alten hellbraunen Ford Taurus ihres Vaters begnügen, der kaum noch fährt.

Die Luft ist still und eiskalt, der Himmel von einem perfekten Hellblau. Die Sonne ist gerade aufgegangen, sie sieht blass und fahl aus, als hätte sie sich selbst über den Horizont gekippt und wäre zu faul, sich aufzuwischen. Es soll später noch ein Unwetter geben, aber danach sieht es überhaupt nicht aus.

Ich setze mich auf den Beifahrersitz. Lindsay raucht bereits und zeigt mit der Spitze ihrer Zigarette auf den Kaffee, den sie von Dunkin’ Donuts für mich mitgebracht hat.

»Bagels?«, frage ich.

»Die liegen hinten.«

»Sesam?«

»Na klar.« Sie mustert mich kurz, als sie aus unserer Ausfahrt fährt. »Schicker Rock.«

»Deiner auch.«

Lindsay tippt sich mit dem Finger an die Stirn, um sich für das Kompliment zu bedanken. Wir tragen den gleichen Rock. Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen Lindsay, Ally, Elody und ich freiwillig das Gleiche anziehen: am Pyjamatag während der »Woche der Schulgemeinschaft«, weil wir letzte Weihnachten alle die gleichen total süßen Schlafanzüge bei Victoria’s Secret gekauft haben, und am Valentinstag. Wir haben drei Stunden im Einkaufszentrum darüber diskutiert, ob wir in Rosa oder Rot gehen wollen – Lindsay hasst Rosa, Ally steht drauf –, und uns schließlich auf schwarze Miniröcke und ein paar mit rotem Pelz gesäumte Tanktops geeinigt, die wir bei Nordstrom auf dem Wühltisch gefunden haben.

Wie gesagt, das sind die einzigen Gelegenheiten, zu denen wir freiwillig gleich aussehen. Aber um ehrlich zu sein, sehen an meiner Schule, der Thomas-Jefferson-Highschool, eigentlich alle irgendwie gleich aus. Es gibt keine offizielle Schuluniform – es ist eine staatliche Schule –, aber an neun von zehn Schülern sieht man dasselbe Outfit aus Seven-Jeans, grauen New-Balance-Turnschuhen, weißem T-Shirt und einer farbigen North-Face-Fleecejacke. Sogar die Jungen und die Mädchen ziehen sich gleich an, nur dass unsere Jeans enger sind und wir täglich unsere Haare föhnen müssen. Wir sind hier in Connecticut: Hauptsache, man ist so wie die Leute um einen herum.

Das heißt nicht, dass unsere Schule nicht auch ihre Freaks hätte – die hat sie –, aber sogar die Freaks sind alle auf dieselbe Art freakig. Die Ökos kommen mit dem Rad zur Schule, tragen Hanfklamotten und waschen sich nie die Haare, als würden Dreadlocks irgendwie dazu beitragen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Die Theaterversessenen tragen große Flaschen Zitronentee mit sich herum, haben sogar im Sommer Schals um den Hals geschlungen und reden nicht im Unterricht, um ihre »Stimme zu schonen«. Die Mitglieder des Matheklubs haben zehnmal so viele Bücher wie alle anderen, benutzen immer noch ihre Schließfächer und laufen ständig mit einem nervösen Gesichtsausdruck durch die Gegend, als rechneten sie jeden Moment damit, dass irgendjemand »Huh!« schreit.

Es macht mir eigentlich nichts aus. Manchmal reden Lindsay und ich darüber, nach der Schule abzuhauen und im Loft dieses Tattookünstlers in New York unterzukriechen, den ihr Stiefbruder kennt, aber insgeheim lebe ich gerne in Ridgeview. Es ist irgendwie beruhigend, wenn ihr wisst, was ich meine.

Ich beuge mich vor und versuche meine Wimpern zu tuschen, ohne mir das Auge auszustechen. Lindsay war noch nie eine besonders vorsichtige Fahrerin und hat die Tendenz, das Lenkrad herumzureißen, plötzlich auf die Bremse zu steigen und dann wieder Vollgas zu geben.

»Wehe, Patrick schickt mir keine Rose«, sagt Lindsay, während sie an einem Stoppschild vorbeischießt und mir gleich anschließend beinahe das Genick bricht, als sie am nächsten eine Vollbremsung hinlegt. Patrick ist Lindsays Freund, mit dem sie mal zusammen ist und mal nicht. Seit Beginn des Schuljahres haben sie rekordverdächtige dreizehn Mal miteinander Schluss gemacht.

»Ich musste neben Rob sitzen bleiben, damit er das Bestellformular ausfüllt«, sage ich und verdrehe die Augen. »Als hätte ich ihn zu Zwangsarbeit verdonnert.«

Rob Cokran und ich gehen seit Oktober miteinander, aber ich bin schon seit der sechsten Klasse in ihn verknallt, als er zu cool war, um mit mir zu reden. Rob war meine erste Liebe oder zumindest meine erste große Liebe. In der dritten Klasse habe ich mal Kent McFuller geküsst, aber das zählt natürlich nicht, weil wir gerade Löwenzahnringe ausgetauscht hatten und so taten, als wären wir Mann und Frau.

»Letztes Jahr habe ich zweiundzwanzig Rosen gekriegt.« Lindsay schnippt ihre Zigarettenkippe aus dem Fenster und beugt sich vor, um einen Schluck Kaffee zu trinken. »Dieses Jahr peile ich fünfundzwanzig an.«

Der Schülerrat stellt jedes Jahr vor dem Valentinstag einen Stand bei der Sporthalle auf. Für je zwei Dollar kann man seinen Freunden Valogramme kaufen – Rosen, an denen kleine Nachrichten befestigt sind –, die dann im Laufe des Tages von Liebesboten (normalerweise Neunt- oder Zehntklässlerinnen, die versuchen, sich bei den Älteren einzuschleimen) ausgeliefert werden.

»Ich wäre schon mit fünfzehn zufrieden«, sage ich. Es ist ziemlich wichtig, wie viele Rosen man kriegt. An der Anzahl von Rosen, die jemand hat, kann man erkennen, wer beliebt ist und wer nicht. Weniger als zehn sind übel und weniger als fünf absolut erbärmlich – das bedeutet im Grunde, dass man entweder hässlich oder ein Niemand ist. Wahrscheinlich beides. Manchmal ergattert jemand eine heruntergefallene Rose und fügt sie seinem Strauß hinzu, aber das merkt man immer.

»Und?« Lindsay wirft mir einen Seitenblick zu. »Bist du aufgeregt? Der große Tag. Eröffnungsspiel.« Sie lacht. »Das sollte kein Wortspiel sein.«

Ich zucke mit den Schultern und drehe mich zum Fenster, wo ich beobachte, wie die Scheibe von meinem Atem beschlägt. »Ist doch nichts dabei.« Robs Eltern sind dieses Wochenende nicht da und vor ein paar Wochen hat er mich gefragt, ob ich bei ihm übernachten will. Ich weiß, dass er in Wirklichkeit gefragt hat, ob ich mit ihm schlafe. Wir waren ein paarmal kurz davor, aber immer auf dem Rücksitz des BMWs seines Vaters oder bei irgendjemand im Keller oder in meinem Zimmer, während meine Eltern oben schliefen, und es fühlte sich irgendwie nie richtig an.

Deshalb sagte ich, ohne nachzudenken, Ja, als er mich fragte, ob ich die Nacht mit ihm verbringen wolle.

Lindsay stößt einen Schrei aus und schlägt mit der Hand aufs Lenkrad. »Nichts dabei? Machst du Witze? Mein Baby wird endlich erwachsen.«

»Ach, komm.« Ich spüre, wie mir Hitze den Hals hinaufsteigt, und weiß, dass meine Haut wahrscheinlich rot und fleckig wird. Das passiert immer, wenn mir etwas peinlich ist. Und kein Hautarzt, keine Creme und kein Puder in ganz Connecticut helfen dagegen. Als ich kleiner war, haben die anderen Kinder immer gerufen: Was ist überall rot und weiß und seltsam? Sam Kingston!

Ich schüttele ein bisschen den Kopf und wische meinen Atem von der Scheibe. Draußen glitzert die Welt, als wäre sie mit Lack überzogen. »Wann habt Patrick und du es noch mal gemacht? Vor drei Monaten oder so?«

»Ja, aber seitdem holen wir die verlorene Zeit auf.« Lindsay schaukelt auf ihrem Sitz auf und ab.

»Iih.«

»Keine Sorge, Kleine. Das wird schon.«

»Nenn mich nicht Kleine.« Das ist einer der Gründe, weshalb ich froh bin, heute Nacht mit Rob zu schlafen: Dann machen sich Lindsay und Elody nicht mehr über mich lustig. Da Ally noch Jungfrau ist, bedeutet es glücklicherweise auch, dass ich nicht die Letzte sein werde. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich diejenige von uns vieren bin, die sich immer an die anderen dranhängt, die einfach nur mitläuft. »Ich hab dir doch gesagt, dass nichts dabei ist.«

»Wenn du meinst.«

Lindsay hat mich nervös gemacht, deshalb zähle ich alle Briefkästen, an denen wir vorbeifahren. Ich frage mich, ob morgen in meinen Augen alles anders aussehen wird, ob ich in den Augen der anderen morgen anders aussehen werde. Ich hoffe es.

Wir fahren bei Elody vor, und noch bevor Lindsay hupen kann, geht die Haustür auf und Elody stöckelt auf sieben Zentimeter hohen Absätzen vorsichtig über den vereisten Weg, als käme sie gar nicht schnell genug aus dem Haus.

»Arschkalt heute, was?«, fragt Lindsay ironisch, als Elody in den Wagen steigt. Wie üblich trägt sie nur eine dünne Lederjacke, obwohl laut Wetterbericht heute den ganzen Tag über mit Minusgraden zu rechnen ist.

»Was bringt es, scharf auszusehen, wenn man es nicht zeigen kann?« Elody wackelt mit ihrem Busen und wir müssen lachen. Wenn sie in der Nähe ist, entspannt man sich automatisch, und der Knoten in meinem Magen löst sich.

Elody greift mit der Hand in die Luft und ich gebe ihr einen Kaffee. Wir trinken ihn alle gleich: groß, mit Haselnussaroma, ohne Zucker, mit extra viel Milch.

»Pass auf, wo du dich hinsetzt. Du zerquetschst die Bagels.« Lindsay wirft stirnrunzelnd einen Blick in den Rückspiegel.

»Ich weiß schon, dass du gerne ein Stück hiervon hättest.« Elody klatscht sich auf den Hintern und wir lachen wieder.

»Heb das für Brownie auf, du geiles Stück.«

Steve Brown ist Elodys jüngstes Opfer. Brownie nennt sie ihn wegen seines Nachnamens und weil er zum Anbeißen ist (sagt sie; für meinen Geschmack sieht er viel zu schmierig aus und er stinkt immer nach Gras). Sie hatten vor ein paar Wochenenden zum ersten Mal was miteinander.

Elody ist von uns allen die mit der meisten Erfahrung. Sie hat in der zehnten Klasse ihre Jungfräulichkeit verloren und hatte bereits mit zwei verschiedenen Typen Sex. Sie war auch diejenige, die mir erzählte, dass sie nach den ersten paar Malen ganz wund war, was mich noch zehnmal nervöser gemacht hat. Es klingt vielleicht verrückt, aber ich hatte mir das mit dem Sex bis dahin nie als etwas Physisches vorgestellt, etwas, das einen wund machen kann wie Fußball oder Reiten. Ich habe Angst, dass ich nicht weiß, was ich tun soll, wie wenn wir früher in Sport Basketball gespielt haben und ich immer vergaß, wen ich zu decken hatte oder wann ich den Ball abgeben musste und wann ich dribbeln sollte.

»Mhmm, Brownie.« Elody legt eine Hand auf ihren Bauch. »Ich bin am Verhungern.«

»Da ist ein Bagel für dich«, erwidere ich.

»Sesam?«, fragt Elody.

»Na klar«, sagen Lindsay und ich gleichzeitig. Lindsay zwinkert mir zu.

Kurz bevor wir zur Schule kommen, kurbeln wir die Fenster runter und lassen Mary J. Bliges »No more drama« aus den Boxen dröhnen. Ich schließe die Augen und denke an den Jahresball und meinen ersten Kuss mit Rob zurück, als er mich auf der Tanzfläche an sich zog und seine Lippen plötzlich auf meinen lagen und seine Zunge unter meine glitt und ich die Hitze all der bunten Lichter spürte, die wie eine Hand auf mich herabdrückte, und die Musik irgendwo hinter meinen Rippen widerzuhallen schien und mein Herz im Takt flattern und hüpfen ließ. Von der kalten Luft, die durch das offene Fenster hereinströmt, tut mir der Hals weh und die Bässe hämmern durch meine Fußsohlen genau wie in jener Nacht, als ich dachte, ich würde nie glücklicher sein; sie steigen hoch bis in meinen Kopf und machen mich schwindelig, als würde das ganze Auto von dem Klang auseinandergerissen.

BELIEBTHEIT: EINE ANALYSE

Mit der Beliebtheit ist es irgendwie seltsam. Man kann sie nicht so recht definieren und es ist uncool, darüber zu reden, aber wenn man ihr begegnet, erkennt man sie sofort. Wie ein schielendes Auge oder Porno.

Lindsay ist umwerfend, aber wir anderen drei sehen auch nicht unbedingt viel besser aus als andere. Das sind meine Stärken: große braune Augen, gerade weiße Zähne, ausgeprägte Wangenknochen, lange Beine. Das sind meine Schwächen: eine zu lange Nase, Haut, die fleckig wird, wenn ich nervös bin, ein flacher Hintern.

Becky DiFiore sieht genauso gut aus wie Lindsay, aber soweit ich weiß, hatte Becky in der Elften noch nicht mal eine Verabredung für den Jahresball. Ally hat ziemlich große Brüste, aber meine sind beinahe inexistent (wenn Lindsay schlecht gelaunt ist, nennt sie mich Samuel statt Sam oder Samantha). Und es ist auch nicht so, als wären wir absolut perfekt oder als würde unser Atem immer nach Flieder riechen oder so. Lindsay hat sich in der Schulmensa mal einen Rülpswettbewerb mit Jonah Sasnoff geliefert und alle haben ihr applaudiert. Elody kommt manchmal mit flauschigen gelben Hausschuhen in die Schule. Ich musste in Sozialkunde mal so lachen, dass ich Caffè Latte mit Vanillegeschmack über Jake Somers’ Tisch gespuckt habe. Einen Monat später haben wir in Lily Anglers Geräteschuppen rumgeknutscht. (Er war mies.)

Entscheidend ist, dass wir solche Sachen machen können. Und wisst ihr, warum? Weil wir beliebt und angesagt sind. Und wir sind angesagt, weil wir mit allem durchkommen. Es bedingt sich also gegenseitig.

Ich will damit sagen, dass es sinnlos ist, das zu analysieren. Wenn man einen Kreis zeichnet, wird es immer ein Innen und ein Außen geben, und man muss schon ein Vollidiot sein, um nicht zu erkennen, was was ist. So läuft das eben.

Ich will aber nicht lügen. Es ist schön, dass uns alles so leicht gemacht wird. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man im Grunde tun kann, was man will, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Wenn wir mit der Schule fertig sind, werden wir zurückblicken und feststellen, dass wir alles richtig gemacht haben, dass wir die süßesten Jungs geküsst haben, auf den besten Partys gewesen sind, uns gerade die richtige Menge Ärger eingehandelt haben, unsere Musik zu laut gehört, zu viele Zigaretten geraucht, zu viel getrunken, zu viel gelacht und zu wenig zugehört haben oder auch gar nicht. Wenn die Schule eine Pokerpartie wäre, hätten Lindsay, Ally, Elody und ich achtzig Prozent der Karten.

Und glaubt mir: Ich weiß, was es bedeutet, auf der anderen Seite zu stehen. Dort war ich nämlich die erste Hälfte meines Lebens über. Ganz unten, am allertiefsten Punkt. Ich weiß, was es bedeutet, um die Reste zanken, kämpfen und streiten zu müssen.

Jetzt habe ich bei allem die erste Wahl. Na und? So ist es eben.

Wer hat behauptet, dass das Leben gerecht ist?

Genau zehn Minuten bevor es läutet, fahren wir auf den Parkplatz. Lindsay hält auf die untere Parkebene zu, wo die Lehrerparkplätze sind, und verscheucht dabei eine Gruppe Zehntklässlerinnen. Ich kann rote und weiße Spitzenkleider unter ihren Mänteln hervorblitzen sehen und eine von ihnen trägt ein Diadem. Das sind bestimmt Liebesboten.

»Komm schon, komm schon, komm schon«, murmelt Lindsay, als wir hinter die Sporthalle fahren. Das ist die einzige Reihe auf der unteren Parkebene, die nicht für Lehrer reserviert ist. Wir nennen sie Zwölftklässlergasse, obwohl Lindsay hier schon seit der Elften parkt. Es sind die VIP-Parkplätze der Schule. Wenn man hier keinen Platz ergattert – es gibt nur zwanzig –, muss man ganz hinten auf der oberen Parkebene parken, die ganze 354 Meter vom Haupteingang entfernt ist. Wir haben es mal nachgemessen und wenn jetzt die Sprache darauf kommt, müssen wir immer die genaue Entfernung nennen. Zum Beispiel: »Willst du bei diesem Regen wirklich 354 Meter laufen?«

Lindsay quiekt, als sie einen freien Parkplatz entdeckt, und fährt langsamer. Zur selben Zeit hält Sarah Grundel, die in ihrem braunen Chevrolet aus der anderen Richtung kommt, vor der Parklücke.

»Heilige Scheiße, nein. Kommt nicht in Frage.« Lindsay drückt auf die Hupe, obwohl es offensichtlich ist, dass Sarah vor uns da war, dann gibt sie Gas. Elody kreischt auf, als ihr heißer Kaffee über das ganze T-Shirt schwappt. Man hört das durchdringende Quietschen von Gummi auf dem Asphalt und Sarah Grundel tritt gerade noch rechtzeitig auf die Bremse, bevor Lindsays Range Rover ihr die Stoßstange abreißt.

»Schön.« Lindsay fährt in die Parklücke und schaltet in Parkstellung. Dann öffnet sie die Fahrertür und beugt sich hinaus. »Tut mir leid, Liebes!«, ruft sie Sarah zu. »Ich hab dich gar nicht gesehen.« Was eindeutig gelogen ist.

»Großartig.« Elody tupft sich mit einer zusammengeknüllten Dunkin’ Donuts-Serviette den Kaffee ab. »Jetzt riecht mein Busen den ganzen Tag nach Haselnuss.«

»Typen mögen Essensgeruch«, sage ich. »Das hab ich in der Glamour gelesen.«

»Steck dir einen Keks in die Unterhose und Brownie bespringt dich wahrscheinlich noch vor der ersten Stunde.« Lindsay verstellt den Rückspiegel und untersucht ihr Gesicht.

»Vielleicht solltest du das bei Rob probieren, Sammy.« Elody wirft die kaffeegetränkte Serviette nach mir. Ich fange sie auf und werfe sie zurück.

»Was denn?« Sie lacht. »Du dachtest doch nicht etwa, ich hätte deine große Nacht vergessen, oder?« Sie kramt in ihrer Tasche und das Nächste, was über den Sitz fliegt, ist ein zerknittertes Kondom mit ein paar Tabakkrümeln auf der Verpackung. Lindsay lacht.

»Ihr Ketzerinnen«, sage ich, hebe das Kondom mit spitzen Fingern hoch und lasse es in Lindsays Handschuhfach fallen. Allein es anzufassen, macht mich schon wieder total nervös und ich kann spüren, wie sich mein Magen zusammenzieht. Ich habe nie verstanden, warum Kondome in diesen kleinen Folienverpackungen aufbewahrt werden. Sie sehen darin so klinisch aus, wie etwas, das einem der Arzt gegen Allergie oder Verdauungsprobleme verschreibt.

»Popp nie ohne Präser«, sagt Elody. Sie beugt sich vor und küsst mich auf die Wange, wo sie einen großen Kreis aus rosa Lipgloss hinterlässt.

»Kommt schon.« Ich steige aus dem Auto, bevor sie sehen können, wie ich rot werde.

Mr Otto, der Sportbeauftragte der Schule, steht vor der Sporthalle, als wir aussteigen, und starrt wahrscheinlich unsere Ärsche an. Elody glaubt, dass er deshalb auf einem Büro direkt neben den Mädchenumkleiden bestanden hat, weil er auf dem Klo eine Kamera installiert hat, die direkt mit seinem Computer verbunden ist. Warum bräuchte er sonst überhaupt einen Computer? Er ist schließlich der Sportbeauftragte. Jetzt leide ich jedes Mal unter Verfolgungswahn, wenn ich in der Sporthalle pinkeln gehe.

»Auf geht’s, Mädels«, ruft er uns zu. Er ist auch der Fußballtrainer, was ziemlich ironisch ist, weil er es wahrscheinlich noch nicht mal schaffen würde, zum Getränkeautomaten und zurück zu rennen. Er sieht aus wie ein Walross und hat sogar einen Schnurrbart. »Ich will euch nicht wegen Zuspätkommens verwarnen müssen.«

»Ich will euch nicht den Hintern versohlen müssen.« Ich ahme seine Stimme nach, die eigenartig hoch klingt – noch ein Grund, warum Elody glaubt, er sei vielleicht pädophil. Elody und Lindsay prusten los.

»In zwei Minuten läutet’s«, sagt Otto in schärferem Tonfall. Vielleicht hat er mich gehört. Es ist mir eigentlich egal.

»Fröhlichen Freitag«, knurrt Lindsay und hängt sich bei mir ein.

Elody hat ihr Handy rausgeholt und untersucht ihre Zähne in der spiegelnden Rückseite. Mit einem rosa Fingernagel pult sie ein paar Sesamsamen heraus.

»Voll Scheiße«, sagt sie, ohne aufzublicken.

»Total«, erwidere ich. Freitage sind auf eine Art die schlimmsten Tage: Die Freiheit ist so nah. »Bringt mich am besten sofort um.«

»Kommt nicht in Frage.« Lindsay drückt meinen Arm. »Ich kann doch meine beste Freundin nicht als Jungfrau sterben lassen.«

Seht ihr, wir hatten keine Ahnung.

Während der ersten zwei Stunden – Kunst und Amerikanische Geschichte (A-Kurs; Geschichte war immer mein bestes Fach) – bekomme ich nur fünf Rosen. Ich rege mich nicht besonders darüber auf, auch wenn es mich schon wurmt, dass Eileen Cho vier Rosen von ihrem Freund Ian Dowel bekommt. Ich wäre überhaupt nicht auf die Idee gekommen, Rob darum zu bitten, und irgendwie finde ich es auch nicht ganz fair. Dann denken die Leute, man hat mehr Freunde, als man in Wirklichkeit hat.

In Chemie sagt Mr Tierney, wir würden einen unangekündigten Test schreiben. Das ist übel, da ich erstens in den letzten vier Wochen kein Wort meiner Hausaufgaben verstanden habe (okay, nach der ersten Woche habe ich dann auch aufgehört, es zu versuchen) und Mr Tierney zweitens immer damit droht, die Auswahlgremien der Colleges telefonisch über nicht bestandene Fächer zu informieren, nachdem die meisten von uns bisher keine Unizulassung haben. Ich bin mir nicht sicher, ob er das ernst meint oder ob er nur versucht, den Abschlussjahrgang so bei der Stange zu halten, aber ich werde auf keinen Fall zulassen, dass irgendein faschistoider Lehrer meine Chancen, auf die Boston University zu kommen, ruiniert.

Noch schlimmer ist, dass ich neben Lauren Lornet sitze, die wahrscheinlich die Einzige in der Klasse ist, die noch weniger Ahnung von dem Kram hat als ich.

Eigentlich hatte ich dieses Jahr ziemlich gute Noten in Chemie, aber das hat nichts damit zu tun, dass ich eine plötzliche Erleuchtung über die Wechselwirkung zwischen Protonen und Elektronen gehabt hätte. Mein glatter Einserschnitt lässt sich in zwei Wörtern zusammenfassen: Jeremy Ball. Er ist dünner als ich und sein Atem riecht immer nach Cornflakes, aber er lässt mich die Hausaufgaben abschreiben, und wenn wir eine Arbeit schreiben, rückt er seinen Tisch ein winziges Stück näher an meinen, damit ich unauffällig auf seine Antworten schielen kann. Aber da ich leider vor der Stunde bei Tierney zusammen mit Ally eine Pinkelpause einlege – wir treffen uns immer vor der dritten Stunde auf dem Klo, da sie Bio hat, wenn ich Chemie habe –, komme ich zu spät, um meinen üblichen Platz neben Jeremy zu ergattern.

Mr Tierneys Test besteht aus drei Fragen und ich weiß nicht genug, um mir auch nur auf eine einzige eine Antwort auszudenken. Lauren neben mir hat ihr Blatt umgeknickt und ihre Zunge zwischen den Zähnen hindurchgeschoben. Das macht sie immer, wenn sie nachdenkt. Ihre erste Antwort sieht eigentlich ganz gut aus: Sie hat sauber und ordentlich geschrieben und nicht hektisch irgendwas hingekritzelt, wie man es macht, wenn man nicht weiß, wovon man redet, und hofft, dass der Lehrer das nicht merkt, wenn man nur krakelig genug schreibt. (Nur der Vollständigkeit halber: Es funktioniert nie.) Dann fällt mir ein, dass Mr Tierney Lauren letzte Woche einen Vortrag darüber gehalten hat, dass ihre Noten besser werden müssen. Vielleicht hat sie besonders viel gelernt.

Ich linse über Laurens Schulter und schreibe zwei ihrer Antworten ab – ich bin gut darin, mich nicht erwischen zu lassen. Dann ruft Mr Tierney: »Noch dreeeeei Minuten.« Er sagt es theatralisch, als würde er einen Film synchronisieren, und davon schwabbelt sein Doppelkinn.

Offenbar ist Lauren fertig und überprüft noch mal ihre Antworten. Dabei hat sie sich vorgebeugt, so dass ich die dritte nicht sehen kann. Ich beobachte, wie der Sekundenzeiger auf der Uhr vorantickt – »Noch zweeeeei Minuuuuten und dreeeeeißig Sekuuuuunden«, dröhnt Tierney –, und ich lehne mich vor und stupse Lauren mit meinem Stift an. Sie blickt erschrocken auf. Ich habe vermutlich seit Jahren nicht mit ihr gesprochen, und einen Augenblick sehe ich einen Ausdruck über ihr Gesicht huschen, den ich nicht genau deuten kann.

Ich forme mit den Lippen ein lautloses Wort: Stift.

Sie sieht verwirrt aus und wirft einen Blick zu Tierney hinüber, der sich glücklicherweise über das Chemiebuch gebeugt hat.

»Was ist?«, flüstert sie.

Ich gestikuliere mit meinem Stift und versuche ihr klarzumachen, dass er leer ist. Sie starrt mich stumm an und einen Moment lang würde ich ihr am liebsten diesen verständnislosen Blick aus dem Gesicht schlagen – »Zweeeeei Minuuuuten« –, aber schließlich hellt sich ihre Miene auf und sie grinst, als hätte sie gerade herausgefunden, wie man Krebs heilt. Ich will ja nicht grob klingen, aber es ist echt Verschwendung, uncool und blöd zu sein. Was soll das denn alles, wenn man nicht wenigstens Beethoven spielen kann oder staatliche Buchstabierwettbewerbe gewinnen oder nach Harvard gehen oder so was?

Während Lauren sich zur Seite beugt und in ihrer Tasche nach einem Stift kramt, schreibe ich die letzte Antwort ab. Ich vergesse sogar, dass ich sie um einen Stift gebeten habe, und sie muss flüstern, damit ich auf sie aufmerksam werde.

»Dreeeeeißig Sekuuuunden.«

»Hier.«

Ich nehme den Stift. Ein Ende ist ganz abgekaut: eklig. Ich lächele sie schmal an und sehe weg, aber eine Sekunde später flüstert sie: »Funktioniert er?«

Ich werfe ihr einen Blick zu, um sie wissenzulassen, dass sie jetzt nervt. Aber offenbar interpretiert sie ihn als Zeichen dafür, dass ich sie nicht verstanden habe.

»Der Stift. Funktioniert er?«, flüstert sie ein bisschen lauter.

Da knallt Tierney das Chemiebuch auf sein Pult. Es macht einen solchen Krach, dass wir alle erschrecken.

»Miss Lornet«, bellt er und funkelt Lauren an. »Reden Sie etwa während meines Tests?«

Sie läuft knallrot an, sieht zwischen mir und dem Lehrer hin und her und leckt sich über die Lippen. Ich sage nichts.

»Ich habe nur …«, sagt sie leise.

»Es reicht.« Er steht auf, verzieht missbilligend das Gesicht – so stark, dass es aussieht, als würde sein Mund mit seinem Hals verschmelzen – und verschränkt die Arme. Ich rechne damit, dass er noch etwas zu Lauren sagt, weil er ihr einen grimmigen Blick zuwirft, aber stattdessen sagt er nur: »Die Zeit ist um, Leute. Weg mit den Stiften.«

Ich will Lauren ihren Stift zurückgeben, aber sie will ihn nicht annehmen.

»Behalt ihn«, sagt sie.

»Nein, danke«, erwidere ich. Ich halte ihn mit spitzen Fingern fest und beuge mich vor, so dass er über ihrem Tisch baumelt, aber sie verbirgt die Hände hinter ihrem Rücken.

»Im Ernst«, sagt sie, »du brauchst doch heute einen Stift. Für deine Notizen und so.« Sie sieht mich an, als würde sie mir etwas Wunderbares anbieten und nicht einen angeschlabberten Kuli. Ich weiß nicht, ob es an ihrem Gesichtsausdruck liegt oder woran, auf jeden Fall fällt mir plötzlich wieder der Schulausflug in der zweiten Klasse ein, wo wir beide die Letzten waren, die übrig blieben, nachdem sich jeder einen Partner gesucht hatte. Wir mussten uns den ganzen Tag über an die Hand nehmen, wenn wir über die Straße gingen, und ihre Hände waren immer verschwitzt. Ich überlege, ob sie sich wohl daran erinnert. Ich hoffe nicht.

Ich lächele schmal und lasse den Stift in meine Tasche fallen. Sie grinst von einem Ohr zum anderen. Ich werde ihn natürlich wegwerfen, sobald die Stunde zu Ende ist, man weiß nie, was für Krankheiten durch Sabber übertragen werden.

Positiv betrachtet: Meine Mutter sagt immer, man soll jeden Tag eine gute Tat tun. Ich nehme also mal an, für heute bin ich quitt.

MATHESTUNDE: Weitere Chemielektionen

In der vierten Stunde habe ich »Lebenspraktische Fertigkeiten«, wie Sport genannt wird, sobald man alt genug ist, sich von starker körperlicher Anstrengung beleidigt zu fühlen (Elody findet, sie sollten es der Genauigkeit halber lieber Sklaverei nennen). Wir lernen gerade Erste Hilfe, was bedeutet, dass wir vor Mr Otto mit lebensgroßen Puppen rummachen. Ein weiterer Beweis dafür, dass er echt pervers ist.

In der fünften Stunde habe ich Mathe und die Liebesbotinnen kommen früh, gleich nach Unterrichtsbeginn. Eine von ihnen trägt einen glänzenden roten Gymnastikanzug und Teufelshörner; eine andere sieht aus, als wäre sie als Playboy-Häschen verkleidet oder vielleicht als Osterhase in Pumps; und eine geht als Engel. Ihre Kostüme haben eigentlich nicht viel mit dem Valentinstag zu tun, aber wie gesagt, der Sinn der Sache ist vor allem, sich vor den Jungs der Elften und Zwölften von seiner besten Seite zu präsentieren. Ich werfe ihnen das nicht vor. Wir haben es genauso gemacht. In der neunten Klasse ist Ally zwei Monate mit Mike Harmon gegangen – der damals in der Zwölften war –, nachdem sie ihm ein Valogramm gebracht hatte und er ihr sagte, ihr Hintern sähe in dieser Strumpfhose echt scharf aus. Das ist doch eine wahre Liebesgeschichte.

Der Teufel gibt mir drei Rosen – eine von Elody, eine von Tara Flute, die irgendwie Teil unserer Clique ist, aber nicht so ganz, und eine von Rob. Ich mache viel Aufhebens darum, die kleine Karte aufzuklappen, die an dem Rosenstiel hängt, und tue ganz gerührt, als ich die Nachricht lese, obwohl er nichts weiter geschrieben hat als: Herzlichen Glückwunsch zum Valentinstag. Hab Dich lieb, und dann in kleinerer Schrift unten am Rand: Bist Du jetzt zufrieden?

»Hab dich lieb« ist nicht genau das Gleiche wie »Ich liebe dich« – was wir bisher nicht zueinander gesagt haben –, aber es ist nah dran. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass er sich das für heute Nacht aufspart. Letzte Woche war es spät geworden und wir saßen bei ihm auf dem Sofa und er starrte mich an und ich war mir sicher, todsicher, jetzt würde er es sagen – aber stattdessen sagte er nur, aus einer bestimmten Perspektive sähe ich aus wie Penélope Cruz.

Wenigstens ist meine Nachricht besser als die, die Ally letztes Jahr von Matt Wilde bekommen hat: Rosen sind rot, Veilchen sind lila, gehst Du mit mir ins Bett, find ich das prima. Es sollte offensichtlich ein Witz sein, aber trotzdem. Lila und prima reimen sich ja noch nicht mal.

Ich glaube, dass das jetzt alle meine Valogramme sind, aber dann kommt der Engel an meinen Tisch und gibt mir noch eins. Es gibt Rosen in allen möglichen Farben und diese hier ist wirklich ungewöhnlich: Ihre Blütenblätter sind cremefarben und rosa meliert, als wäre sie aus Eiscreme.

»Die ist ja schön«, haucht der Engel.

Ich blicke auf. Das Mädchen steht einfach da und starrt die Rose an, die auf meinem Tisch liegt. Es ist ziemlich unverfroren für eine Schülerin aus den unteren Klassen, eine Zwölftklässlerin anzusprechen, und einen Augenblick lang ärgere ich mich darüber. Sie sieht auch nicht wie die übliche Liebesbotin aus. Ihre Haare sind so hellblond, dass sie fast weiß wirken, und ich kann einzelne Adern durch ihre Haut schimmern sehen. Sie erinnert mich an jemanden, aber ich weiß nicht, an wen.

Als sie merkt, dass ich sie mustere, lächelt sie mir kurz verlegen zu. Zum Glück bekommt sie ein bisschen Farbe ins Gesicht – so sieht sie wenigstens lebendig aus.

»Marian.«

Sie dreht sich um, als das Teufelsmädchen sie ruft. Die Teufelin macht eine ungeduldige Handbewegung mit den Rosen, die sie immer noch trägt, und der Engel – Marian – gesellt sich schnell zu den anderen Liebesbotinnen. Sie verlassen alle drei den Raum.

Ich streiche mit dem Finger über die Rosenblätter – sie sind ganz weich, wie ein Luft- oder Atemhauch – und komme mir dann sofort blöd vor. Ich klappe das Kärtchen auf in Erwartung einer Nachricht von Ally oder Lindsay (ihre lauten immer: Für Dich lebe und sterbe ich, du alte Schlampe), aber stattdessen sehe ich eine Karikatur eines fetten Amor, der aus Versehen einen Vogel von einem Baum schießt. Auf dem Vogel steht Amerikanischer Weißkopfseeadler und es sieht so aus, als würde er direkt einem Paar auf den Kopf fallen, das auf einer Bank sitzt – vermutlich Amors eigentliches Ziel. Amors Augen sind Spiralen und er grinst dämlich.

Unter der Karikatur steht: Kein Alkohol beim Liebesspiel.

Das ist ganz offensichtlich von Kent McFuller – er zeichnet Karikaturen für den Kummer, das Satiremagazin der Schule – und ich blicke auf und schaue in seine Richtung. Er sitzt immer in der Ecke hinten links im Raum. Das ist eins der Dinge, die seltsam an ihm sind, aber ganz bestimmt nicht das Einzige. Und klar, er beobachtet mich. Er lächelt kurz und winkt, dann bewegt er seine Arme, als würde er einen Bogen spannen und einen Pfeil auf mich abschießen. Ich mache absichtlich ein unfreundliches Gesicht, nehme seine Nachricht, falte sie schnell zusammen und schleudere sie heftig in meine Tasche. Das scheint ihm allerdings nichts auszumachen. Ich kann geradezu spüren, wie sein Lächeln auf meiner Haut brennt.

Mr Daimler geht durch die Reihen und sammelt die Hausaufgaben ein. Vor meinem Tisch bleibt er stehen. Ich muss zugeben: Seinetwegen bin ich so aufgeregt darüber, dass ich in Mathe vier Valogramme bekommen habe. Mr Daimler ist erst fünfundzwanzig und sieht super aus. Er ist Hilfstrainer der Fußballmannschaft und es ist ziemlich witzig, ihn neben Otto stehen zu sehen. Sie sind körperlich das absolute Gegenteil. Mr Daimler ist über 1,80 m groß, immer sonnengebräunt und kleidet sich so wie wir, mit Jeans, Fleecejacke und New-Balance-Turnschuhen. Er war selbst auf der Thomas-Jefferson-Highschool. Wir haben ihn mal in einem der alten Jahrbücher in der Bibliothek nachgeschlagen. Er war zum König des Abschlussballs gewählt worden und auf einem Bild trägt er einen Smoking und hat lächelnd den Arm um seine Abschlussballpartnerin gelegt. Man kann gerade so eine Hanfkette aus seinem Hemdkragen hervorblitzen sehen. Ich finde dieses Foto genial. Aber wisst ihr, was ich noch genialer finde? Er trägt diese Hanfkette immer noch.

Ironie des Schicksals, dass der heißeste Typ der Schule einer der Lehrer ist.

Wie üblich macht mein Herz einen kleinen Satz, als er lächelt. Er fährt sich mit der Hand durch seine zerwuschelten braunen Haare und ich stelle mir vor, dass ich das mache.

»Schon neun Rosen?« Er zieht die Augenbrauen hoch und guckt übertrieben auffällig auf die Uhr. »Und dabei ist es erst Viertel nach elf. Gratuliere.«

»Was soll ich sagen?« Ich verleihe meiner Stimme einen so sanften und flirtenden Klang wie möglich. »Die Leute lieben mich eben.«

»Das sehe ich«, sagt er und zwinkert mir zu.

Ich lasse ihn ein Stück weiter die Reihe entlanggehen, bevor ich laut sage: »Ich habe noch gar keine Rose von Ihnen bekommen, Mr Daimler.«

Er dreht sich nicht um, aber ich kann sehen, wie seine Ohren rot werden. Die Klasse kichert und prustet. Ich verspüre diesen Rausch, der einen erfasst, wenn man weiß, man tut etwas, was man nicht soll, und kommt damit durch, wie wenn man etwas aus der Schulmensa mitgehen lässt oder sich heimlich während eines Familienurlaubs betrinkt.

Lindsay sagt, Mr Daimler wird mich eines Tages wegen sexueller Belästigung verklagen. Das glaube ich nicht. Ich glaube, insgeheim gefällt es ihm.

Ein Beispiel dafür: Als er sich zur Klasse umdreht, lächelt er.

»Nachdem ich die Ergebnisse des Tests aus der letzten Woche durchgesehen habe, habe ich festgestellt, dass das mit den Asymptoten und Grenzwerten offenbar noch nicht so ganz klar geworden ist«, hebt er an, wobei er sich an sein Pult lehnt und die Beine an den Knöcheln übereinanderschlägt. Ich bin sicher, dass niemand sonst Mathe auch nur im Geringsten interessant machen könnte.

Den Rest der Stunde über sieht er mich kaum an und auch dann nur, wenn ich mich melde. Aber ich schwöre, dass mir jedes Mal ein Schauer über den ganzen Körper läuft, wenn unsere Blicke sich begegnen. Und ich schwöre, dass es ihm genauso geht.

Nach dem Unterricht holt Kent mich ein.

»Und?«, fragt er. »Was hältst du davon?«

»Wovon?«, frage ich, um ihn zu ärgern. Ich weiß natürlich, dass er von der Karikatur und der Rose spricht.

Kent lächelt bloß und wechselt das Thema. »Meine Eltern sind dieses Wochenende nicht da.«

»Schön für dich.«

Sein Lächeln gerät nicht ins Wanken. »Ich gebe heute Abend eine Party. Kommst du?«

Ich sehe ihn an. Ich habe Kent nie verstanden. Oder zumindest verstehe ich ihn seit Jahren nicht. Als wir klein waren, waren wir total eng befreundet – streng genommen war er wohl mein bester Freund und außerdem der erste Junge, den ich geküsst habe –, aber auf der weiterführenden Schule wurde er immer seltsamer. Seit der Neunten kommt er immer mit einem Blazer in die Schule, obwohl die meisten am Saum ausgefranst sind oder Löcher in den Ellbogen haben. Er trägt jeden Tag dieselben abgewetzten schwarz-weiß karierten Turnschuhe und seine Haare sind so lang, dass sie ihm alle fünf Sekunden wie ein Vorhang vor die Augen fallen. Aber was mir den Rest gibt: Er trägt eine Melone. In der Schule.

Das Schlimmste daran ist, dass er gut aussehen könnte. Er hat das Gesicht und den Körper dafür. Unter seinem linken Auge ist ein kleines herzförmiges Muttermal, ohne Scheiß. Aber er muss das alles dadurch kaputt machen, dass er so durchgeknallt ist.

»Ich weiß noch nicht, was ich heute Abend mache«, sage ich. »Wenn alle da landen …« Ich beende den Satz nicht, damit er merkt, dass ich nur komme, wenn ich nichts Besseres zu tun habe.

»Es wird genial«, sagt er immer noch lächelnd. Das ist noch so etwas Nerviges an Kent: Er tut immer so, als wäre die Welt ein großes, glänzendes Geschenk, das er jeden Morgen auspacken darf.

»Mal sehen«, sage ich. Am anderen Ende des Gangs entdecke ich Rob, der die Schulmensa betritt, und ich gehe schneller in der Hoffnung, dass Kent es kapiert und zurückbleibt. Das ist ziemlich optimistisch von mir. Kent ist seit Jahren in mich verknallt. Wahrscheinlich schon seit unserem Kuss.

Er bleibt ganz stehen und hofft vielleicht, ich würde auch stehen bleiben. Aber das tue ich nicht. Einen Augenblick habe ich ein schlechtes Gewissen, als wäre ich zu schroff, aber dann ertönt seine Stimme hinter mir und ich kann schon am Klang erkennen, dass er immer noch lächelt.

»Bis heute Abend«, sagt er. Ich höre seine Turnschuhe auf dem Linoleum quietschen und weiß, dass er sich umgedreht hat und in die entgegengesetzte Richtung davongeht. Er fängt an zu pfeifen. Das Geräusch klingt bis zu mir herüber und wird langsam leiser. Es dauert eine Weile, bis ich die Melodie erkenne.

The sun’ll come out, tomorrow. Bet your bottom dollar that tomorrow there’ll be sun. Aus dem Musical Annie. Mein Lieblingslied – mit sieben.

Ich weiß, dass niemand sonst auf dem Gang das verstehen wird, aber es ist mir trotzdem peinlich und ich spüre, wie mir die Hitze den Nacken hochsteigt. Solche Sachen macht er andauernd: so zu tun, als würde er mich besser kennen als alle anderen, nur weil wir vor hundert Jahren zusammen im Sandkasten gespielt haben. So zu tun, als hätte nichts, was in den vergangenen zehn Jahren passiert ist, irgendetwas verändert, obwohl es alles verändert hat.

Mein Handy summt in meiner Hosentasche und bevor ich zum Mittagessen gehe, klappe ich es auf. Ich habe eine neue Nachricht von Lindsay: party bei kent mcfreaky heut abend. bist du dabei?

Ich halte nur einen Augenblick inne und stoße einen langen Atemzug aus, bevor ich zurücksimse: ok.

Es gibt drei akzeptable Sachen, die man in der Schulmensa der Thomas-Jefferson-Highschool essen kann:

1.  Einen Bagel, pur oder mit Frischkäse.

2.  Pommes frites.

3.  Ein selbst belegtes Sandwich vom Buffet.

      a.  Aber nur mit Thunfisch, Schinken oder Hühnchenbrust. Salami und Lyoner sind eindeutig unzulässig und Roastbeef ist grenzwertig. Was schade ist, weil Roastbeef mein Lieblingsessen ist.

Rob steht mit ein paar seiner Freunde an der Kasse. Er trägt ein riesiges Tablett mit Pommes. Die isst er jeden Tag. Er begegnet meinem Blick und nickt mir zu. (Er ist nicht die Art Typ, der gut mit Gefühlen umgehen kann, weder mit seinen noch mit meinen. Daher das »Hab Dich lieb« in der Nachricht, die er mir geschickt hat.)

Es ist komisch. Bevor wir miteinander gingen, mochte ich ihn so lange so sehr, dass mich jedes Mal, wenn er auch nur in meine Richtung sah, dieses starke brodelnde, sprudelnde Gefühl überkam, von dem mir ganz schwummerig wurde. Ungelogen: Manchmal wurde ich ganz benommen, wenn ich an ihn dachte, und musste mich hinsetzen.

Aber jetzt, wo wir offiziell ein Paar sind, kommen mir manchmal die eigenartigsten Gedanken, wenn ich ihn ansehe, zum Beispiel, ob all diese Pommes seine Arterien verstopfen oder ob er Zahnseide benutzt oder wie lange es her ist, dass er sein Yankees-Basecap zum letzten Mal gewaschen hat, das er praktisch täglich trägt. Manchmal mache ich mir Sorgen, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Wer würde schließlich nicht gerne mit Rob Cokran gehen?

Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht total glücklich – das bin ich –, aber es kommt mir fast so vor, als müsste ich mir manchmal immer und immer wieder in Gedanken vorsagen, warum ich ihn früher eigentlich mochte, als würde ich es sonst vergessen. Glücklicherweise gibt es eine Million gute Gründe: die Tatsache, dass er schwarze Haare und eine Milliarde Sommersprossen hat, die an ihm aber irgendwie nicht doof aussehen; dass er laut ist, aber auf witzige Art; dass alle ihn kennen und mögen und wahrscheinlich die Hälfte aller Mädchen auf der Schule in ihn verknallt ist; dass er in seinem Lacrossetrikot gut aussieht; dass er seinen Kopf auf meine Schulter legt und einschläft, wenn er richtig müde ist. Das ist das, was ich am liebsten an ihm mag. Ich liege gern neben ihm, wenn es spät, dunkel und so still ist, dass ich meinen eigenen Herzschlag hören kann. In diesen Momenten bin ich mir sicher, verliebt zu sein.

Ich beachte Rob nicht weiter, als ich mich anstelle, um meinen Bagel zu bezahlen – ich kann ebenfalls auf unnahbar machen –, und gehe dann in die Zwölftklässlerecke. Der Rest der Schulmensa ist rechteckig. Die Sonderschulkinder sitzen am anderen Ende, an den Tischen, die den Klassenzimmern am nächsten liegen, dann kommen die Neuntklässlertische, dann die Zehntklässler- und dann die Elftklässlertische. Die Zwölftklässlerecke ist ganz oben in der Schulmensa. Es ist ein komplett verglastes Achteck. Okay, es geht nur auf den Parkplatz raus, aber nehmt’s mir nicht übel, es ist trotzdem immer noch besser, als die Behinderten im Blick zu haben, die mit Apfelmus sabbern.

Ally sitzt bereits an einem kleinen runden Tisch direkt am Fenster, unserem Lieblingsplatz.

»Hallo.« Ich stelle mein Tablett ab und lege die Rosen daneben. Allys Strauß liegt auch auf dem Tisch und ich zähle schnell durch.

»Neun Rosen.« Ich zeige auf ihren Strauß und schüttele dann meinen. »Genau wie ich.«

Sie zieht eine Grimasse. »Eine von meinen zählt nicht. Ethan Shlosky hat mir eine geschickt. Ist das zu glauben? Stalker.«

»Tja, na ja, ich hab eine von Kent McFuller gekriegt, also zählt eine von meinen auch nicht.«

»Er liiiebt dich«, sagt sie gedehnt. »Hast du Lindsays SMS gekriegt?«

Ich pule das weiche Innere aus meinem Bagel und stecke es in den Mund. »Wollen wir wirklich zu seiner Party gehen?«

Ally schnaubt. »Hast du Angst, er vergewaltigt dich?«

»Sehr witzig.«

»Es soll Bier vom Fass geben«, sagt Ally. Sie beißt ein winziges Stück von ihrem Thunfischsandwich ab. »Nach der Schule bei mir, okay?« Sie muss eigentlich nicht fragen. Das ist freitags schon Tradition. Wir bestellen was zu essen, plündern ihren Kleiderschrank, hören laut Musik und tauschen beim Tanzen Lidschatten und Lipgloss aus.

»Ja, klar.«

Aus den Augenwinkeln habe ich beobachtet, wie Rob näher kommt, und plötzlich ist er da, lässt sich neben mir auf einen Stuhl fallen und lehnt sich herüber, bis sein Mund mein linkes Ohr berührt. Er riecht nach Rasierwasser. Das tut er immer. Ich finde, es riecht ein bisschen wie dieser Tee, den meine Oma immer getrunken hat – Zitronenmelisse –, aber das habe ich ihm noch nicht gesagt.

»Hi, Slammer.« Er denkt sich ständig Namen für mich aus: Slammer, Samwich, Sammy Says. »Hast du mein Valogramm gekriegt?«

»Hast du meins gekriegt?«, frage ich zurück.

Er nimmt seinen Rucksack von der Schulter und zieht den Reißverschluss auf. Unten drin liegt ein halbes Dutzend zerknautschter Rosen – ich nehme an, dass eine davon meine ist – und daneben eine leere Zigarettenschachtel, eine Packung Trident-Kaugummi, sein Handy und ein T-Shirt zum Wechseln. Er hat’s nicht so besonders mit dem Lernen.

»Von wem sind denn die anderen Rosen?«, ziehe ich ihn auf.

»Von deiner Konkurrenz«, sagt er und hebt die Augenbrauen.

»Wie stilvoll«, sagt Ally. »Gehst du heute Abend zu Kents Party, Rob?«

»Wahrscheinlich.« Rob zuckt die Achseln und sieht plötzlich gelangweilt aus.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Als wir uns mal geküsst haben, habe ich die Augen aufgemacht und gesehen, dass er die Augen aufhatte. Er guckte mich noch nicht mal an, sondern über meine Schulter hinweg und sah sich im Zimmer um.

»Er besorgt ein Fass Bier«, sagt Ally zum zweiten Mal.

Alle machen Witze darüber, dass man auf der Jefferson-Highschool optimal aufs College vorbereitet wird: Man lernt zu lernen und man lernt zu trinken. Vor zwei Jahren tauchten wir auf einer Liste in der New York Times unter den zehn versoffensten staatlichen Schulen in Connecticut auf.

Sonst gibt’s hier allerdings auch nicht viel zu tun. Wir haben Einkaufszentren und Kellerpartys, das war’s. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: So ist es fast überall in diesem Land. Mein Vater sagt immer, dass sie die Freiheitsstatue abbauen und stattdessen ein großes Einkaufszentrum aufstellen sollten oder diese goldenen McDonald’s-Bögen. Er sagt, so wüssten die Leute wenigstens, was sie erwartet.

»Ähm. Entschuldigung.«

Lindsay steht hinter Rob und räuspert sich. Sie hat die Arme verschränkt und tappt mit dem Fuß.

»Du sitzt auf meinem Platz, Cokran«, sagt sie. Ihre Aggressivität ist nur Show. Rob und Lindsay sind schon ewig befreundet. Zumindest haben sie schon immer zum selben Kreis gehört und sind deshalb zwangsläufig befreundet.

»Ich bitte um Verzeihung, Edgecombe.« Er steht auf und macht eine überschwängliche Geste wie eine Verbeugung, als sie sich setzt.  

»Bis heute Abend, Rob«, sagt Ally und fügt hinzu: »Bring deine Freunde mit.«

»Wir sehen uns nachher.« Rob lehnt sich vor, vergräbt sein Gesicht in meinen Haaren und lässt seine Stimme tief und leise klingen. Diese Stimme hat früher alle Nerven meines Körpers wie ein Feuerwerk entzündet. Jetzt finde ich sie manchmal ziemlich abgedroschen. »Nicht vergessen. Heute Nacht geht’s nur um dich und mich.«

»Das hab ich nicht vergessen«, sage ich und hoffe, meine Stimme klingt sexy und nicht ängstlich. Ich habe schwitzige Handflächen und bete, dass er nicht versucht, meine Hand in seine zu nehmen.

Zum Glück tut er es nicht. Stattdessen beugt er sich herunter und drückt seinen Mund auf meinen. Wir küssen uns, bis Lindsay kreischt: »Nicht beim Essen«, und eine Fritte nach mir wirft. Sie trifft mich an der Schulter.

»Ciao, Mädels«, sagt Rob und schlendert mit schief sitzendem Basecap davon.

Als niemand herschaut, wische ich mir mit einer Serviette den Mund ab, da die untere Hälfte meines Gesichts mit Robs Spucke überzogen ist.

Ich verrate euch noch ein Geheimnis über Rob: Ich hasse es, wie er küsst.

Elody sagt, dass mein ganzes Rumstressen nur Unsicherheit ist, weil Rob und ich es noch nicht getan haben. Sie ist überzeugt, dass ich mich besser fühlen werde, sobald es so weit ist, und ich bin sicher, sie hat Recht. Schließlich ist sie die Expertin auf dem Gebiet.

Sie ist die Letzte, die zum Mittagessen zu uns stößt. Als sie ihr Tablett mit den Pommes abstellt, greifen wir alle sofort danach. Sie startet einen halbherzigen Versuch, unsere Hände wegzuschieben.

Als Nächstes klatscht sie ihren Rosenstrauß auf den Tisch. Sie hat zwölf und ich verspüre einen kurzen Stich der Eifersucht.

Ich schätze, Ally geht es genauso, denn sie sagt: »Was musstest du denn dafür machen?«

»Wem musstest du es dafür machen?«, verbessert Lindsay sie.

Elody streckt uns die Zunge raus, sieht aber erfreut aus darüber, dass es uns aufgefallen ist.

Plötzlich sieht Ally etwas über meine Schulter hinweg und fängt an zu kichern. »Psycho killer, qu’est-ce que c’est?«

Wir drehen uns alle um. Juliet Sykes, oder Psycho, kommt gerade in die Zwölftklässlerecke geschwebt. So geht sie: als würde sie schweben, von Kräften umhergepustet, die sie nicht unter Kontrolle hat. Sie hält eine braune Papiertüte in ihren langen, blassen Fingern. Ihr Gesicht ist hinter einem Vorhang aus hellblonden Haaren verborgen, ihre Schultern sind bis an die Ohren hochgezogen.

Normalerweise ignorieren alle in der Schulmensa sie – sie ist die Verkörperung von unbedeutend –, aber Lindsay, Ally, Elody und ich fangen an, das Schreien und die Stechbewegung aus Alfred Hitchcocks Psycho nachzumachen, den wir alle vor ein paar Jahren bei einer Pyjamaparty geguckt haben. (Anschließend mussten wir bei Licht schlafen.)

Ich bin mir nicht sicher, ob Juliet uns hört. Lindsay sagt immer, sie kann überhaupt nichts hören, weil die Stimmen in ihrem Kopf zu laut sind. Juliet behält denselben langsamen Gang durch den Raum bei, bis sie schließlich die Tür erreicht, die auf den Parkplatz führt. Ich weiß nicht genau, wo sie eigentlich immer isst. In der Schulmensa sehe ich sie kaum.

Sie muss sich ein paarmal mit der Schulter gegen die Tür lehnen, bevor sie aufgeht, als wäre sie zu schwach, um sie aufzukriegen.

»Hat sie unser Valogramm bekommen?«, fragt Lindsay und leckt das Salz von einer Fritte, bevor sie sie in den Mund steckt.

Ally nickt und kichert. »In Bio. Ich hab direkt hinter ihr gesessen.«

»Hat sie was gesagt?«

»Sagt sie jemals etwas?« Ally legt sich eine Hand aufs Herz und tut betroffen. »Sie hat die Rose gleich nach der Stunde weggeworfen. Ist das zu glauben? Vor meinen Augen.«

In der neunten Klasse fand Lindsay irgendwie heraus, dass Juliet kein einziges Valogramm bekommen hatte. Kein einziges. Also hängte Lindsay eine Nachricht an eine ihrer Rosen und klebte sie an Juliets Schließfach. Die Nachricht lautete: Nächstes Jahr vielleicht, aber wahrscheinlich nicht.

Seitdem schicken wir ihr jedes Jahr am Valentinstag eine Rose mit derselben Nachricht. Die einzige Nachricht, die sie je von jemandem bekommen hat, soweit ich weiß. Nächstes Jahr vielleicht, aber wahrscheinlich nicht.

Normalerweise hätte ich ein schlechtes Gewissen, aber Juliet verdient ihren Spitznamen. Sie ist total durchgeknallt. Es gibt Gerüchte, dass ihre Eltern sie einmal morgens um drei splitterfasernackt auf der Route 84 aufgelesen haben, wo sie rittlings auf der Leitplanke auf dem Mittelstreifen saß. Letztes Jahr erzählte Lacey Kennedy, sie hätte gesehen, wie Juliet im Klo bei den Laborräumen immer wieder über ihre Haare strich und sich im Spiegel ansah. Und Juliet sagt nie ein Wort. Seit Jahren nicht, soviel ich weiß.

Lindsay hasst sie. Ich glaube, Lindsay und Juliet waren in der Grundschule ein paar Jahre in derselben Klasse, und anscheinend hasst Lindsay sie seitdem. Immer wenn Juliet in der Nähe ist, macht sie ein Kreuzzeichen, als ob Juliet irgendwie ein Vampir geworden sein und sich jeden Moment auf Lindsays Hals stürzen könnte.

Es war Lindsay, die beim Pfadfinderinnen-Campingausflug in der Fünften mitbekam, dass Juliet in ihren Schlafsack gepinkelt hatte, und Lindsay war es auch, die ihr daraufhin den Spitznamen Piss-Miss verlieh. Alle Welt hat Juliet ewig so genannt – bis zum Ende der Neunten, ist das zu glauben? – und sie gemieden, weil es hieß, sie würde nach Pisse stinken.

Ich gucke aus dem Fenster und sehe Juliets Haare in der Sonne aufblitzen, als hätten sie Feuer gefangen. Am Horizont ist ein dunkler Fleck, dort, wo sich das Unwetter zusammenbraut. Mir wird zum ersten Mal bewusst, dass ich gar nicht genau weiß, warum Lindsay eigentlich angefangen hat, Juliet zu hassen, oder wann. Ich mache den Mund auf, um sie danach zu fragen, aber sie haben bereits das Thema gewechselt.

»… Höllenstreit«, schließt Elody und Ally kichert.

»Ich hab echt tierischen Schiss«, sagt Lindsay ironisch. Ganz offensichtlich habe ich was verpasst.

»Was ist los?«, frage ich.

Elody wendet sich an mich. »Sarah Grundel verbreitet überall, dass Lindsay ihr Leben ruiniert hätte.« Ich warte, während Elody fachmännisch eine Fritte in ihrem Mund zusammenfaltet. »Sie darf nicht im Viertelfinale mitschwimmen. Und du weißt, dass dieser Scheiß ihr Leben ist. Wisst ihr noch, als sie mal vergessen hat, nach dem Morgentraining ihre Schwimmbrille abzusetzen, und sie bis zur zweiten Stunde aufhatte?«

»Wahrscheinlich hat sie all ihre Medaillen in ihrem Zimmer an der Wand hängen«, sagt Ally.

»Das hatte Sam früher auch. Stimmt’s, Sam? Die ganzen Auszeichnungen dafür, dass du so schön mit den Pferdchen gespielt hast.« Lindsay stößt mir den Ellbogen in die Seite.

»Können wir zur Sache kommen?« Ich winke mit den Händen, zum einen, weil ich hören will, wie die Geschichte weitergeht, zum anderen, um die Aufmerksamkeit von mir und der Tatsache, dass ich früher so uncool war, abzulenken. In der fünften Klasse habe ich mehr Zeit mit Pferden als mit Vertretern meiner eigenen Spezies verbracht. »Ich kapier immer noch nicht, warum Sarah sauer auf Lindsay ist.«