Wenn einer eine Reise tut... - Heide Hopkins - E-Book

Wenn einer eine Reise tut... E-Book

Heide Hopkins

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Beschreibung

Wenn einer eine Reise tut...gibt es viel zu erzählen. Heide Hopkins kann dies so eindrucksvoll, dass es ihr gelingt, den Leser zum Reisepartner zu machen, der die schönsten und aufregendsten Momente hautnah miterlebt. In vielen kurzen Erlebnisberichten, die von witzigen Karikaturen eingeleitet werden, erfahren wir von kuschelnden Nilpferden in Kenia, nackten Tatsachen in den USA und Weissagungen auf Bali. Steigen Sie ein und lassen Sie sich von Heide Hopkins mitnehmen auf eine wunderbar humorvolle Reise durch die Welt!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 31

Veröffentlichungsjahr: 2020

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„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Inhaltsverzeichnis

Meine erste Flugreise

Teheran - Der Ruf des Schicksals

Italien - Schönheit ist nicht alles

Kaspisches Meer - Das Wunder

Bermudadreieck - Dem Tode nah

USA - Der Führerschein

Rom - Verhindertes Sightseeing

Namibia - Das Gepäck des Alters

Kenia - Das kuschelnde Nilpferd

USA - Nackte Tatsachen

Jamaika - Auf eine Zigarette

Cebu - Herr K. sucht sein Glück

Bali - Allein unter Palmen

Lappland - Das renitente Rentier

Malta - Schritte im Dunkeln

Russland - Der ehrliche Finder

Marrakech - Der faule Apfel

Karibik - Kreuzfahrt mit Loriot

Marokko - Frauen und Kamele

Boston - Montezumas Lockruf

Los Angeles - Avancen an Bord

Meine erste Flugreise

Meine erste Flugreise hatte einen traurigen Hintergrund. Ich war damals blutjunge 16 Jahre alt, geboren in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Halle an der Saale, aufgewachsen mit älterer Schwester und jüngerem Bruder im Osten der Republik.

Zwei Jahre vor dem Mauerbau fuhren unser Eltern mit uns Geschwistern mit der S-Bahn von Berlin Ost in den Westteil der geteilten deutschen Hauptstadt. Wie schon so oft, hatten wir zuvor in Berlin-Grünau die Ferien verbracht.

Wir drei Kinder glaubten, wir würden Onkel Heinz, einen Cousin meines Vaters, in Westberlin besuchen und hatten kein Gepäck dabei. Das wäre ohnehin sehr gefährlich gewesen, denn kurz vor der Grenze zwischen den beiden Stadtteilen durchsuchten Volkspolizisten die Waggons. Jeder, der irgendwie verdächtig aussah oder Gepäck dabei hatte, wurde aus dem Zug geholt.

Mein Onkel Heinz , ein sehr, sehr lieber Mensch, hatte in Westberlin ein Lebensmittelgeschäft – Supermärkte gab es noch nicht. Ich erinnere mich, dass es dort immer wunderbar nach Milch, Butter und Bonbons roch. Alles wurde abgewogen, nichts war verpackt. Am Geschäft gab es ein Wohnzimmer und eine Küche.

Als wir alle beim Mittagessen saßen, sagte unser Vater lapidar: „So, es geht nicht mehr zurück, in die DDR.“ Ich bekam einen Heulkrampf, obwohl ich diejenige war, die sich am meisten danach gesehnt hatte, in den Westen zu gehen – weg vom DDR-Regime mit all seinen Lügen und Phrasen.

Aber ich war frisch verliebt, und zu Hause hatten wir ein großes Haus mit all dem hinterlassen, was uns, was mir lieb und teuer war.

Meine Eltern und mein Bruder übernachteten bei Onkel Heinz, meine Schwester und ich bei Tante Anna und Onkel Willi. Beide in den 70ern. Tante Anna sah aus wie man sich eine Tante Anna vorstellt: rundlich, mit grauen Löckchen. Sie machte wunderbares Pflaumenmus. Onkel Willi war früher Opernsänger, gab jetzt Klavierunterricht und malte. Abends hörten wir im dunklen Zimmer Hörspiele im Radio.

Irgendwann kamen unsere Eltern, um uns abzuholen. Als Abschiedsgeschenk hatte Onkel Willi meine Schwester, meinen Bruder und mich in Öl verewigt. Mutti behielt die Contenance und lobte, Vati lief rot an, drehte sich weg. Der verhinderte Lachanfall hat ihn fast erstickt. Heute hängt das Gemälde bei meiner Schwester im Keller.

Was dieser Schritt für unsere Eltern bedeutete, kann ich erst heute richtig ermessen. Aber wie wir später erfuhren, wären wir alle wenig später verhaftet worden, denn mein Vater hatte zwei Geschäfte, er war also in den Augen des Regimes ein Kapitalist und nicht linientreu.

Nach vier Wochen wurden wir von Westberlin aus nach Frankfurt am Main geflogen. Ich sehe Onkel Heinz noch auf dem Flugfeld stehen, er weinte beim Abschied. Einen weiteren Monat später erhielten wir die Nachricht, dass er am Herzschlag verstorben war. Das war das einzige Mal, dass ich unseren Vater habe weinen sehen.

Teheran - Der Ruf des Schicksals

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