Wenn nicht wer du - Marcus Rosenmüller - E-Book

Wenn nicht wer du E-Book

Marcus Rosenmüller

0,0
10,99 €

Beschreibung

»Wenn nicht wer du« beziehungsweise wer nicht, wenn Sie sind die Leser dieser verspielten, mal komischen, mal ernsten Gedichte, die die großen und kleinen Gefühle umkreisen, den Alltag, die Heimat und das »Große und Ganze«; die Sinnfragen stellen und den Sinn austreiben. Was sucht ein Gondoliere unter dem Eiffelturm? Wie klingt ein Brief an Schiller heute? Wie steht es um das Verhältnis von Schaf und Schäfer? Kuh und Bauer? Brauchen wir Trostlieder und Gruselgedichte? Ja! Und zwar die von Marcus H. Rosenmüller, dem Shooting-Star der deutschen Regieszene, und dem Komponisten Gerd Baumann. Sie begeistern mit ihren sehr lustigen Lesungen das Publikum. Ein Publikum, das dringend auch lesen will. Das kann es jetzt. Endlich. Alles kommt, wie’s kommen muss, alles gießt sich hin im Fluss. Ich wart im Regen auf den Bus und geh, wenn er nicht kommt, zu Fuß. Ist nicht wichtig / wo einer herkommt / Ist egal / wohin er fahrt / Das Einzige / wo wirklich zählt / ist die Bildung / die was er hat.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 44

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Gerd BaumannMarcus H. Rosenmüller

WENN NICHTWER DU

Gedichte, Lieder und Gedichte

Mit Zeichnungenvon Martin Kett

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

HA!

 

EINEN ANFANG ZU FINDEN

Einen Anfang, sagt der Künstler,zu kreieren sei recht schwer!Doch ich sage Ihnen ehrlich:ach woher, pft, ach woher!

Der Anfang wird oft überschätzt,das können Sie mir glauben,denken Sie an guten Wein:Am Anfang sind’s nur Trauben!

Denken Sie an diese Welt:Am Anfang stand ein kläglich Wort!Denken Sie an Ihren Mann:Am Anfang trieb er täglich Sport!

Denken Sie an Ihre Frau:Am Anfang dachten Sie an sie,und Sie wissen ganz genau,wann ich meine und auch wie!

Der Anfang, er wird überschätzt,es zählt doch mehr das Ende:Auch das Meer ist stets entsetzt,entdeckt es seine Strände.

 

PAMPHLETIS FEUILLETONAE

Ist nicht wichtig,wo einer herkommt.Ist egal,wohin er fahrt.

Das Einzige,wo wirklich zählt,ist die Bildung,die was er hat.

 

REIMZWANG

muss der reimdenn immer seim?kann man vom reimsich nicht befreim?Ach ich wär so gernmodernund schlichtund ohne reim,doch fällt mir keinereim …

 

BRIEF AN SCHILLER, UNBEANTWORTET

Lieber Schiller,

schweigend liegen Seen und Felderzart umhaucht in Deinem Glanz.Dämmernd drehen Fluss und Wäldersich im abendlichen Tanz.

Träumend gebe ich dem Friedenstürmische Gedanken hin.Schick sie fort, zur Stille hoch,wünsche, dass sie weiterzieh’n ;-)

Und schon regt sich im Gewolkewie zur Antwort: Sturm und Wind.Nimmt nun mit, in weite Ferne,was ich in Gedanken schuf.

lg, hdgdlGerd

 

UNTERHALB VOM EIFFELTURM

Unterhalb vom Eiffelturmbefummeln sich die Frischverliebten heftig,tummeln auch die abgebrühten Hummelnin den aufgeblühten Kelchen.Welch ein wunderschöner Tag.

Diebeshände schummelnkräftigin den Taschenunterhalb vom Eiffelturm.Alte Frauen, junge Frauen und auch Männerbummelngeschäftigin den Geschäftenunterhalb vom Eiffelturm.

Mädchenfinger greifen,Erdbeerkugeln schmelzen,kurz nur wird es laut:vorm Zebrastreifenquietschen Reifen,wird ein Kleinkind fast erfasst,dass der Riesenclown auf Stelzensich kurz für seine Witze hasst.

Doch nicht heute, nein, nicht heute,weil sich schätzungsweise Gott im Himmelüber diese Leuteunterhalb vom Eiffelturm erfreute.

Dort ist Leben!Dort ist Geben und Nehmen!Dort spürt man Güte als Bezwinger.Dort möchte und sollte man sein,vor allem wenn die Sonne scheint,und der Akkordeonspieler,und die wippenden Schritte,und das Parfum, die Schokolade und die Bouillon,die Vernissage, und der Kulturbeutel,aber es ist gar nicht nötig, dies fertig zu denken.

Nur eines noch:Unterhalb vom Eiffelturmwundert sich in seinem Bootder tief verträumte Gondoliere:»Wie bitte schön komm ich hierher?«

 

 

SCHAF UND SCHÄFER

Ein Schäfer zählte seine Schafe,stellte fest, dass eines fehlte.Das stand hinter ihm, ganz brav,weil es nämlich Schäfer zählte.

»Das ist einer mir zu viel«,sprach das Schaf, indem es zielteauf den Schäfer, der nicht fiel –denn das blöde Schaf, es schielte.

»Schau, jetzt merkst du, dass es Sinn macht,dass ich Schäfer bin, nicht Schaf.«Ein zweiter Schuss, ein Treffer, kracht –vom Schaf, das diesmal traf.

 

KARIBISCHE SEHNSUCHT

Als Student hob i in da WG direkt am    Mittlern Ring gwohnt.Und wann i amoi schlafa hob woin,    damit i a schlafa hob kenna,hob i mia vorgsteit, dass des Motoradllastwangtaxirauschn    gar ned desselbige is,sondern a anders Rauschen, nämlich:die Gischt der Karibik vor meim Tequilasunrisebambusbungalow.

»Mittlerer Ring«, hob i gsogt, »du konnst    mi moi!«

As Studium is glafa und a Geid hob i a    scho vadeant.Grod eben lieg i bsuffa in meim    Tequibabambullowund glabts as, i moan allaweil,de Gischt do draussn is da Mittlere Ringund geht direkt an meina Hüttn vorbei,und de Taxis und Motorradln und Lastwong    hupn eina zu mia:»Leck uns doch du am Arsch – mia lossn    di ned schlafa!«

Und a Sehnsucht überfoid mi,a karibische Sehnsucht nachm Mittlern Ring.

I sogs eich: A so a neckermannkaribischeTequilasunrisebambusbungalowmuschelverandareise– des is wos fads.

 

KUH UND BAUER

Steht ein Rindvieh auf der Weide,neben ihm sein dummer Bauer,fragen sich jetzt alle beide:Wer von uns ist schlauer?

Da rast ein Großmeteoritgewaltig auf die Weide zu,der Bauer nimmt die Kuh zum Rittund flieht (wie Winnetou)!

Sie fliegen über Stock und Schwein.Der Meteor! Er kommt! Schnell weg!Doch legt die Kuh den Bauer reinund wirft ihn ab und in den Dreck.

Der Arme fängt ganz geisteswachden Meteor mit bloßer Handund schleudert ihn der Kuh hernach,doch die war schon ums Eck gerannt!

So sind sie beide, Kuh und Bauer,dem Tod entfloh’n und heil geblieben.Zur Frage nun, wer sei jetzt schlauer:Ich finde, es steht unentschieden.

 

VOM RITTER ARTHUR

Auf der Burg des Linzer Grafenlas, um besser einzuschlafen,Ritter Arthur noch ein Buch,da kam die Zofe zu Besuch.

Sie stürmt herein wie ein Gewitter:»Oh Ritter Arthur, es ist bitter,der Graf, er schickt dich in die Schlacht,wir haben nur noch diese Nacht!

Drum, bitte Ritter, komm und tröste!«,beschwor sie ihn und flugs entblößtesie ihren Körper voller Gier.»Nimm mich, ich will ein Kind von dir.«

Kaum hat sie diesen Satz gesagt,hat er das Zöfchen wild gepacktund schob sie auf den Außentrakt,verschloss die Tür, nahm sich das Buchund las den dritten Akt.