Wer will schon einen Footballspieler? - Poppy J. Anderson - E-Book
Beschreibung

Kelly Slades Leben wäre das perfekte Drehbuch für einen Film, in dem von Sporterfolgen über Drogenkonsum bis zu Haftstrafen alles dabei wäre. Tatsächlich genießt der Quarterback einen so schlechten Ruf in der NFL, dass ihm kein einziges Team nach seinem Gefängnisaufenthalt eine zweite Chance geben will, obwohl er einer der talentiertesten Spieler der gesamten Liga ist. Einzig die New York Titans pfeifen auf seinen schlechten Ruf und engagieren ihn als Ersatzmann für den amtierenden Quarterback, der jedoch eine bewegte Vergangenheit mit dem ehemaligen Straftäter hat und ihn nur ungern in seinem Team sieht. Als wären diese Probleme nicht bereits groß genug, muss sich Kelly mit der bildhübschen Skyler auseinandersetzen, die ein gesteigertes Interesse daran hat, mit dem skandalumwitterten Quarterback ein Interview zu führen. Eigentlich hat Kelly genug von Leuten, die ihre Nase in seine Angelegenheiten stecken, und will einfach nur in Ruhe Football spielen, aber Skyler ist nicht nur extrem hartnäckig, sondern bringt ihn auch zum Lachen, was immerhin schon seit langer Zeit niemandem mehr gelungen ist.

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Table of Contents

Title Page

Impressum

Buchvorschau

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Vorwort

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

Epilog

Exklusive Leseprobe aus „Geheimzutat Liebe“

Buchvorschau – Ashcroft-Saga

Alle Romane von Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Wer will schon einen Footballspieler?

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

Band 14

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage November 2016

 

 

Copyright © 2016 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © rohappy - fotolia.com

 

 

Korrektorat: SW Korrekturen e.U

 

www.poppyjanderson.de

poppyj.anderson@googlemail.com

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

60431 Frankfurt

 

 

 

 

 

Buchvorschau

 

 

Geheimzutat Liebe (Taste of Love 1)

Erscheint am 13. Januar 2017

 

 

Andrew Knight ist neuer Stern am Bostoner Gastrohimmel - doch mittlerweile total ausgebrannt. Beim spontanen Kurzurlaub in Maine trifft er auf Brooke Day, die den lokalen kulinarischen Geheimtipp leitet und nicht ahnt, wer sich da bei ihr einquartiert. Gemeinsam machen sie aus dem bisher erfolglosen Geheimtipp eine In-Location, und Andrew hat zum ersten Mal seit Jahren wieder Spaß beim Kochen. Doch kann Brooke ihm verzeihen, dass er ihr nicht die Wahrheit gesagt hat?

 

 

 

 

 

 

Küsse zum Nachtisch (Taste of Love 2)

Erscheint am 16. Februar 2017

 

 

Nick O’Reilly ist ein echter Küchenrebell und mit unglaublicher Leidenschaft bei der Sache. Ein Verriss in Bostons einflussreichster Tageszeitung trifft ihn deswegen bis ins Mark. Doch als er dann die verantwortliche Gastrokritikerin Claire Parker-Wickham kennenlernt, ist er völlig hingerissen - diese Frau muss er erobern! Wie gut, dass sie sich auf eine Feinschmeckerwette mit ihm einlässt. Jetzt hat Nick sechs Wochen Zeit, um Claire nicht nur mit seinem Essen zu betören ...

 

 

 

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Vorwort

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

anfangs dachte ich, dass Kelly Slade ein schwieriger Protagonist werden könnte, aber beim Schreiben stellte sich schnell heraus, dass ich gar nicht anders konnte, als ihn sofort ins Herz zu schließen.

Ich hoffe, dass es euch auch so gehen wird.

Habt alle ganz viel Spaß mit Kelly, Skyler und den New York Titans.

 

Eure Poppy

 

 

P.S. Vergesst die Leseprobe am Ende dieses Romans nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesromane,

weil die Welt mehr Liebe braucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prolog

 

 

„Orange steht mir, oder?“

„Ich finde das nicht komisch, Kelly.“

Kelly Slade zuckte mit der Schulter und lehnte sich auf seinem unbequemen Aluminiumstuhl zurück, der bei jeder Bewegung ein Knarzen von sich gab, das befürchten ließ, er würde im nächsten Moment zusammenbrechen. Der Staat Kalifornien schien in die Möbelstücke seiner Justizvollzugsanstalten nicht sonderlich viel Geld zu investieren. Auch der orangefarbene Overall, den Kelly vor einer Woche gegen seine übliche Alltagskleidung getauscht hatte, hatte bereits bessere Tage gesehen. Wenn ihm nicht mittlerweile alles egal gewesen wäre, hätte sich Kelly vielleicht Sorgen darum gemacht, ob in dem Overall nicht bereits der eine oder andere Gefängnisinsasse gestorben war, weil das Kleidungsstück ziemlich verwest roch. Zugegebenermaßen musste der Geruch jedoch nicht unbedingt von seinem neuesten Kleidungsstück kommen, weil im Metropolitan Correctional Center, seinem derzeitigen Wohnort, eigentlich alles ziemlich verwest roch. Auch das Essen. Kelly war zwar essenstechnisch nie sonderlich anspruchsvoll gewesen, aber der Rattenfraß, der hier tagtäglich ausgegeben wurde, war vermutlich ein Hauptgrund für die steigenden Aufstände und Rebellionen unter Gefängnisinsassen.

Er starrte auf seine Hände und massierte gleichzeitig über die schmerzenden Abdrücke, die die Handschellen dort hinterlassen hatten, in denen er ins Besucherzimmer geführt worden war. Sein Leben lang hatten seine Hände nichts anderes getan, als einen Football zu werfen. Am Abend seines Drafts hatte sein neuer Coach in einem Fernsehinterview behauptet, dass die Hände seines Neuzugangs nicht in Gold aufgewogen werden konnten. Einen Tag später hatten alle Zeitungen des Landes über ihn, das neue Wunderkind der NFL, berichtet, und Boomer Esiason hatte ihm den Spitznamen Goldfinger gegeben. Kellys Mom hatte damals jeden einzelnen Zeitungsausschnitt, der ihr in die Finger kam, gesammelt und in eine Mappe geklebt. In den letzten Monaten hatte sie aus verständlichen Gründen damit aufgehört, Zeitungsartikel über ihn zu sammeln.

Ein Räuspern riss ihn aus seinen Gedanken heraus. „Wie geht’s dir, Kelly? Behandeln sie dich gut?“

Schulterzuckend antwortete er seinem Anwalt und besten Freund, der mit besorgter Miene vor ihm saß und die Stirn runzelte: „Ein paar der Jungs fragen nach Autogrammen, und ein paar andere wollen mich am liebsten niederstechen, weil ihnen mein letzter Touchdown im Spiel gegen die Panthers vor zwei Jahren die Wette ruiniert hat. Die Wärter sind ganz okay. Und wenn man der morgendlichen Vergewaltigung in der Gemeinschaftsdusche aus dem Weg geht, kann es eigentlich ein ganz netter Tag werden.“

Das Problem mit Anwälten war, dass sie alle keinen Humor besaßen. Selbst wenn sie vor ihrer Zeit als Jurastudent Witze gerissen hatten, änderte sich dies schlagartig, sobald sie in ihrer ersten Strafrechtsvorlesung saßen. Besonders gut konnte man dies an Clay erkennen, der während der Highschool ein großer Spaßvogel gewesen war und sich beispielsweise nicht davor gescheut hatte, seinen nackten Hintern aus dem Autofenster zu stecken, während Kelly dabei vor Lachen fast erstickt wäre. Heute reichte ein kleiner Vergewaltigungswitz, und Clay wirkte wie ein Richter, der gerade jemanden zum Tode verurteilt hatte.

„Wir haben lediglich ein paar Minuten bekommen, und das auch nur, weil der Direktor ein Fan von dir ist. Deshalb sollten wir die Zeit nicht damit vertrödeln, Witze zu reißen.“

Sehr viel harscher erwiderte Kelly: „Wie soll es mir schon gehen, Clay? Die meiste Zeit sitze ich in meiner Zelle, starre an die Wand und freue mich auf die eine Stunde Hofgang.“

„Nach dem ersten Monat kannst du dich für einen Job hier im Gefängnis bewerben und darfst ein paar Stunden im Monat sogar an sportlichen Aktivitäten teilnehmen.“ Wollte Clay ihn verscheißern? Und wieso zum Teufel klang er so euphorisch, als habe man ihn gerade als Besucher zum Fotoshooting der neuen Playboy-Ausgabe eingeladen?

„Da kommt ja Freude auf.“ Sein Tonfall troff vor lauter Zynismus.

„Es hätte viel schlimmer kommen können, Kelly. Du hast ein Jahr hier in San Diego bekommen. Der Richter hätte dir auch zehn oder fünfzehn Jahre in Corcoran oder San Quentin geben können.“

Das wusste er alles, und er wusste auch, dass der Richter Milde hatte walten lassen, dennoch machte es das nicht besser.

Wie man es auch drehte und wendete: Kelly hatte sein Leben vor die Wand gefahren und alles kaputtgemacht. Aber so leid er sich selbst auch tat – im Vergleich zu den unsäglichen Schuldgefühlen Peter gegenüber war sein Gefängnisaufenthalt nichts! Es war egal, dass er sein Leben ruiniert hatte. Wenn er an Peter dachte, dann ...

„Ehrlich gesagt wäre es mir lieber gewesen, wenn ich heute nicht mit der nächsten Hiobsbotschaft bei dir auftauchen müsste, Kelly.“ Aus Clay sprach nichts anderes als Bedauern.

Kelly atmete tief durch und verschränkte die Arme vor der Brust. Er wusste, was jetzt kam, schließlich war er nicht blöd. „Sie haben mir die Lizenz weggenommen, richtig?“

Clay nickte. „Die NFL ist rigoros, was Drogenmissbrauch betrifft. Nach den Skandalen der letzten Jahrzehnte ...“

Er unterbrach seinen Freund mit einer lässigen Handbewegung, auch wenn sich ein eisiger Knoten in seinem Inneren zusammenballte. Obwohl sein Leben ein einziger Scherbenhaufen war, er die Menschen enttäuscht hatte, die ihm am meisten bedeuteten, und die Sache mit Peter ihn bis zu seinem Todestag verfolgen würde, war der Gedanke, nie wieder auf dem Feld zu stehen und Football zu spielen, unerträglich. Alles, wofür er hart gearbeitet hatte, war weg.

Betty Ford hatte recht, wenn sie sagte, dass Drogen Leben zerstörten.

„Wenn du erst einmal entlassen bist, dann können wir uns darum kümmern, deine Lizenz wiederzubekommen. Es gibt Präzedenzfälle, die wir anführen können.“

Kelly hörte mit einem Ohr zu, was Clay erzählte, und drehte den Kopf zur Seite, um die grauen Betonwände anzustarren, die in den nächsten elf Monaten und drei Wochen sein Zuhause waren. Eines war ihm klar: In elf Monaten und drei Wochen konnte viel passieren. Fliegende Autos könnten auf den Markt kommen, der Konflikt im Nahen Osten könnte gelöst werden, Krebs würde vielleicht geheilt werden und eventuell käme sogar Donald Trump auf die Schnapsidee, Präsident der Vereinigten Staaten werden zu wollen, aber er, Kelly Slade – Mr. Goldfinger höchstpersönlich – würde nie wieder in der NFL spielen, weil kein Team der gesamten Liga ihn aufnehmen würde. Nie im Leben.

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

Männer waren wirklich das Letzte!

Skyler Wright stand splitterfasernackt vor dem Hotelaufzug und hoffte, dass sie zum krönenden Abschluss des Tages nicht auch noch wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet wurde. Zwar hatte sie keine Ahnung, was die Gesetze in Florida betraf, aber komplette Nacktheit in einem Fünf-Sterne-Hotel ging vermutlich über die Grenze des guten Tons hinaus. Studenten mochten sich in Miami betrinken, halb nackt durch die Straßen tanzen und am Strand in den Sand kotzen, aber das hier war Orlando. Hier trugen die Menschen süße Mickymaus-Ohren, aßen Zuckerwatte und sahen sich dressierte Orcas an. Niemand wollte hier nackte Frauen sehen, die durchs Hotel rannten und nichts weiter als eine Krone und eine Schlüsselkarte bei sich trugen.

Wie sollte sie es bloß bis in den zweiundzwanzigsten Stock schaffen, ohne dass sie in ihrer misslichen Lage entdeckt wurde?

Selbst wenn sie das Glück haben sollte, dass kein anderer Gast auf die Idee kam, den Aufzug zu nehmen, der in den Keller zu den Fitnessräumen und dem Pool fuhr, blieb immer noch der Flur, den sie durchqueren musste, bis sie in ihr Zimmer gelangte. Von den unzähligen Überwachungskameras einmal abgesehen.

Oh Gott – die Überwachungskameras! Die Sicherheitsleute würden sich prächtig amüsieren, wenn auf ihren Filmbändern eine Nackte auftauchte. Skyler sah vor ihrem inneren Auge bereits vor sich, wie eine ganze Horde Sicherheitsleute mit Popcorn bewaffnet in einem winzigen Kämmerlein saßen und mit ansahen, wie sie durch den Flur huschte und ihren nackten Hintern der Kamera präsentierte. Beschämt schloss sie die Augen und hoffte, dass das Video des heutigen Abends niemals bei Amerikas lustigsten Homevideos landete. Vielleicht sollte sie schon darüber nachdenken, auszuwandern. Die Mongolei mochte etwas ungastlich wirken, aber wenigstens interessierten sich die Leute dort sicherlich nicht für ihr unfreiwilliges Nacktvideo.

Ihre Augen verfolgten an der Anzeigentafel des Aufzuges, wie dieser in nervenaufreibender Trägheit nach unten fuhr. Zum Glück hielt er nicht in der Lobby, sondern war am anderen Ende des Hotelkomplexes installiert. Wegen des Footballspiels, das morgen hier in Orlando stattfand, war das Hotel ausgebucht und quoll über vor Gästen. Ganz sicher hätte der vermaledeite Aufzug in der Lobby gehalten und Skyler vor den Augen der halben Footballnation so gezeigt wie am Tag ihrer Geburt. Nun gut, ihre Mom zeigte noch heute gerne Babyfotos herum, auf denen Skyler nur in einer Windel bekleidet zu sehen war, aber es war ein gewaltiger Unterschied, ob man ein achtundzwanzig Tage altes Baby in einer Windel oder eine achtundzwanzigjährige Frau war, die zwar bereits einige beschämende Dinge vor laufender Kamera getan hatte, aber niemals dabei nackt gewesen war.

Irgendwo im Flur knallte eine Tür zu. Erschrocken spähte Skyler zu allen Seiten und wartete mit angehaltenem Atem und einem schmerzenden Knoten im Magen darauf, dass sie entdeckt wurde. Doch nichts passierte. Wie durch ein Wunder blieb der Flur leer. Sie presste die Oberschenkel aneinander und krallte die Zehen in den Hotelteppich, der ein grauenvoll florales Muster besaß und sie daran zweifeln ließ, weshalb ein Hotel mit derart hässlichen Teppichen fünf Sterne bekam.

Skylers Kollegen mussten sich sicherlich prächtig amüsieren, immerhin hatte sie diesen Idioten die ganze Misere zu verdanken. Wer glaubte, dass die Highschool schlimm in Sachen Mobbing war, hatte es als Frau noch nie versucht, ins Allerheiligste der Männerwelt vorzudringen – und damit meinte sie nicht den Vatikan. Nein, es gab eine Sache, die Männer für sich ganz allein beanspruchten und bei der Männer es nicht duldeten, wenn Frauen dort mitmischen wollten. Eine Sache, für die sie sogar die Geburt ihrer Kinder oder den Hochzeitstag verpassten. Eine Sache, die ihnen so immens wichtig war, dass dabei das Dach über ihnen einstürzen könnte und sie sich über den Fernseher werfen würden, um diesen zu schützen.

Ja, genau – Sportsendungen.

Keine andere Institution war fürs männliche Glück jemals so bedeutend wie ein Sportsender.

Skyler wusste, wovon sie sprach, immerhin war ihr eigener Vater selbst eine Institution in diesem Bereich und hatte diverse große Ereignisse in ihrem Leben verpasst, weil er gearbeitet hatte.

Und das war leider auch das Problem. Wenn man sich als Tochter von Frank Summers um einen Posten als Sportreporterin bewarb, nahm alle Welt an, dass Vitamin B im Spiel sein musste. Außerdem glaubte niemand, dass man genügend auf dem Kasten hatte, weil man eine Frau war. Als ob es etwas in den Genen gäbe, das Frauen davon abhielt, über Spielstände zu berichten! Jeder in der Branche wusste, wer ihr Dad war. Und leider wussten sie ebenfalls darüber Bescheid, was sie bis zu ihrem zweiundzwanzigsten Lebensjahr getrieben hatte. Ihre Spaßvögel von Kollegen hatten nicht umsonst die Krone in die Umkleidekabine gelegt, nachdem sie ihre Kleidung und sogar das Handtuch gestohlen hatten, das Skyler neben die Dusche gehängt hatte. So viel zum Thema: O Skyler, wir wissen, dass Kelly Slade abends immer die Fitnessräume der Hotels benutzt. Vielleicht bekommst du ja einen Kommentar von ihm, wenn du auch dort bist und ein wenig trainierst. Frauen gegenüber ist er sicherlich lockerer und zugänglicher!

Diese Arschlöcher!

„Ich finde es in Hotels auch immer unerträglich heiß, aber denken Sie nicht, dass Sie gerade etwas übertreiben?“

Erschrocken wirbelte Skyler herum, stieß einen kleinen Schrei aus und blickte in ein Männergesicht, bei dessen Anblick sie am liebsten vor Scham im Boden versunken wäre. O Gott! Aus hellbraunen Augen schaute Kelly Slade sie an und verriet durch keine Mimik, ob er verwirrt, erfreut oder auch verärgert war, sie hier nackt anzutreffen. Während sie mit beiden Händen versuchte, alle kompromittierenden Körperteile so gut wie möglich zu bedecken, stieg brennende Hitze in ihr Gesicht.

Fassungslos starrte sie ihn an, öffnete den Mund und merkte, dass sie sprachlos war. Konnte nicht irgendjemand den Feueralarm auslösen? Ein kleiner Raubüberfall wäre auch nett gewesen. Nichts Dramatisches, nur etwas, was den hünenhaften Mann vor ihr davon abgelenkt hätte, dass sie nackt vor ihm stand.

„Pech beim Strippoker gehabt?“, rätselte er, als sie nichts erwiderte, und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ihre Zunge klebte beinahe am Gaumen, als sie mit zittriger Stimme erwiderte: „So ungefähr.“

Wie die Lässigkeit in Person drückte Kelly Slade auf den Fahrstuhlknopf, zuckte mit der Schulter und erwiderte: „Kenne ich aus eigener Erfahrung. Kleiner Tipp: Strippoker ist nur dann eine gute Idee, wenn Sie ihn zu Hause spielen.“

„Da-danke.“

„Nichts zu danken“, entgegnete der Ersatzquarterback der New York Titans ruhig und machte keine Anstalten, seine Augen von ihrem Gesicht zu nehmen und sie tiefer wandern zu lassen. Gerade ihm hätte sie zugetraut, dass er sie eingehend betrachten würde, schließlich hatte kein anderer Spieler der gesamten NFL den Ruf, der schlimmste Bad Boy aller Zeiten zu sein. Vor seiner einjährigen Haftstrafe hatte er nichts ausgelassen: Drogen, Partys, Prostituierte, Fahren im Vollrausch, Prügeleien auf dem Spielfeld und Sexvideos. Sie kannte allzu gut die Aufnahmen von ihm, wie er kurz vor seiner Verhaftung vor ein paar Jahren mit Brian Palmer zusammengeraten war. Beide Quarterbacks hätten sich bei einem Spiel vermutlich krankenhausreif geprügelt, wenn sich ihre Teams nicht dazwischengeworfen hätten, um die Männer voneinander zu trennen. Sowohl Palmer als auch Slade waren für mehrere Spiele suspendiert worden und hatten an die NFL Geldstrafen zahlen müssen. Wenige Zeit später hatte sich Slade vor Gericht wiedergefunden und Palmer hatte seine Teamchefin geheiratet. Um die beiden hitzigen Quarterbacks war es ruhig geworden. Zu ruhig, wenn man bedachte, dass Kelly Slade nun als Ersatzmann für Brian Palmer nach New York gekommen war. Die komplette Footballwelt erwartete einen Vulkanausbruch.

Doch der Mann, der vor Skyler stand, einen dunklen Vollbart präsentierte und wie ein grimmiger kanadischer Holzfäller wirkte, machte nicht den Eindruck, unter Aggressionsbewältigungsproblemen zu leiden – wie Dr. Phil vor zwei Jahren in einer Talkshow behauptet hatte.

Nein, Kelly Slade sagte keinen weiteren Ton, sondern schlüpfte aus seinem dunkelblauen New-York-Titans-Pullover und reichte ihn ihr.

Fragend starrte sie ihn an, ließ ihren Blick über seinen ausgestreckten Arm gleiten, den diverse Tattoos zierten, musterte das weiße T-Shirt, das sich über einen wohl definierten, muskulösen Oberkörper spannte, und heftete sich auf das Gesicht, das er zur Seite drehte – anscheinend um ihr die nötige Privatsphäre zu geben, damit sie sich das Sweatshirt über den Kopf ziehen konnte.

Skyler schnappte es sich, schlüpfte in Windeseile hinein und zog es anschließend nach unten, während sie die Krone und die Schlüsselkarte in der Hand balancierte. Glücklicherweise gehörte der Footballspieler zu der Sorte baumlänger Männer, was bedeutete, dass das Sweatshirt beinahe bis zur Mitte ihrer Oberschenkel reichte. Vor Erleichterung hätte sie ihn küssen können.

„Danke schön“, murmelte Skyler leise und hätte fast vor Wohlbehagen aufgeseufzt, weil das Material des Sweatshirts wahnsinnig weich war und vor Körperwärme strahlte. Zum ersten Mal, seit sie aus der Dusche des hoteleigenen Fitnessbereichs gestiegen war, entspannte sie sich ein wenig.

Der Mann neben ihr brummte eine Erwiderung, blieb jedoch stumm.

Weil es Kelly Slade war, der sie im Evakostüm ertappt hatte, überlegte sie noch, ob sie sich ihm vorstellen sollte. Warum nicht die Gunst der Stunde nutzen und ihn nach einem Interview fragen? Sie war immerhin Journalistin und sollte jede Möglichkeit ausschöpfen, die sich ihr bot. Und ein Mann, der so höflich war, konnte einer Frau sicherlich nichts abschlagen, wenn sie ihn nett bat. Oder?

Nervös sah sie ihn von der Seite an und wollte gerade etwas sagen, als sich die Türen des verdammten Aufzugs öffneten. Schweigend betraten sie beide das verspiegelte Innere.

„Welche Etage?“

„Zweiundzwanzig.“

Von ihm unbemerkt leckte sie nervös über ihre Unterlippe, während im Hintergrund leise Fahrstuhlmusik zu hören war.

Sie versuchte es mit dem Offensichtlichen. „Wie kann ich Ihnen das Sweatshirt zurückgeben?“

„Behalten Sie es ruhig.“ Als er antwortete, sah er sie nicht einmal an, sondern wirkte völlig gelassen.

„Oh.“

Wieder trat Stille ein.

Plötzlich drehte er den Kopf zu ihr und schien schwach zu lächeln. So ganz konnte sie es in seinem Gesicht nicht ausmachen. „Meinetwegen können Sie es auch Ihrem Dad schenken.“

Irritiert blinzelte sie. „Was?“

Er zuckte mit der Schulter und verließ den Aufzug, als sich dieser in der zwanzigsten Etage öffnete. Seine Hand fuhr vor und legte sich auf die Lichtschranke, während er sich mit seinem Oberkörper vorbeugte und seinen Kopf zurück ins Innere des Fahrstuhls steckte. „Ich habe Ihren Dad einmal vor laufender Kamera ein Arschloch genannt. Grüßen Sie ihn von mir, und sagen Sie ihm, dass ich ihn zwar immer noch für ein Arschloch halte, aber es nett fand, wie zurückhaltend er meine Verurteilung kommentiert hat.“

Skylers Augen waren vermutlich so groß wie Untertassen.

„Ach, und nehmen Sie es nicht so schwer.“ Träge ließ er seine Augen nun doch über ihre Gestalt wandern und heftete sie auf ihre nackten Beine. „Ich war der Meinung, dass Miss Arkansas Ihnen nicht das Wasser reichen konnte – vor allem nach der Bikinipräsentation.“

Kelly Slade klopfte zum Abschied gegen die Fahrstuhltür, drehte sich um und ging.

 

 

 

 

***

 

 

 

 

Auch wenn Skyler ein Businesskostüm trug, ihr Haar perfekt frisiert war und nichts mehr erkennen ließ, dass sie gestern nackt durchs Hotel gehuscht war, begann ihr Herz wie verrückt zu klopfen, als sie die Lobby betrat, um sich dort mit ihren Kollegen zu treffen. Sie hätte ihnen allen zu gerne den Kopf abgerissen, stattdessen hatte sie sich dafür entschieden, so zu tun, als wäre nichts passiert. Selbstverständlich hätte sie den Chefredakteur informieren können, aber was hätte das gebracht? Sie war kein weinerliches Ding, das beim Lehrer petzte und Hilfe brauchte. Und ihrem Dad hätte sie sicherlich niemals davon erzählt, was gestern Abend passiert war. Wieso sollte sie ihn in seiner Meinung zu ihrem Job noch bestätigen? Sie war doch nicht doof!

Wenn ihre Kollegen meinten, sie vergraulen zu können, indem sie ihr die Klamotten stahlen, dann hatten sie alle keine Ahnung, wie es hinter den Kulissen einer Miss-Wahl aussah. Im Vergleich zu Frauen, die an Schönheitswettbewerben teilnahmen und ihren Konkurrentinnen Abführmittel verabreichten oder Enthaarungscreme in deren Shampooflaschen schmuggelten, waren missgünstige Arbeitskollegen lediglich Amateure! Sie hatte sogar Miss Georgia überlebt, die mit einem glühend heißen Glätteisen auf sie losgegangen war, weil sie beide das gleiche Lied für ihre Gesangsdarbietungen gewählt hatten. Erwachsene Sportreporter, die sie nackt in der Dusche eines Hotels zurückließen, rangen Skyler nicht einmal ein müdes Lächeln ab.

Von daher setzte sie ihr selbstbewusstestes und durchsetzungsstärkstes Lächeln auf, als sie auf ihre Kollegen zusteuerte, und rief sich in Erinnerung, wie sie mit sechzehn Jahren an der Miss-Teen-Wahl in Aspen teilgenommen hatte und trotz grausamer Periodenschmerzen auf die Bühne getreten war. Wenn sie das überstanden hatte, war der heutige Tag ein Kinderspiel!

„Skyler, da sind Sie ja!“ Gilbert Channing vollführte eine ungeduldige Geste mit dem Kopf, die erahnen ließ, dass er tatsächlich ein Toupet trug. Der Chefmoderator des Senders und die größte Primadonna aller Sportjournalisten runzelte die Stirn und erklärte geradezu vorwurfsvoll: „Wir warten schon auf Sie!“

„Probleme bei der Kleiderwahl, Skyler?“, hakte Mike Buchanan mit vorgeheuchelter Sorge nach, während die restlichen Männer kicherten und dabei wie eine Horde betrunkener Idioten klangen. Lediglich Gilbert Channing runzelte ahnungslos die Stirn. Skyler hätte tatsächlich nie damit gerechnet, dass der ältliche Moderator etwas mit dem Verschwinden ihrer Kleidung zu tun hatte – und das nicht nur, weil er auch heute noch Golf mit ihrem Dad spielte, sondern weil solche Dinge unter seiner Würde waren. Er brüllte zwar seine bemitleidenswerte Visagistin an, wenn seine Tränensäcke nicht gut genug überschminkt waren, und beschäftigte einen Assistenten, der stets Haarspray und einen Cappuccino dabeihaben musste, aber seine Kollegin nackt in einer Dusche zu lassen, sah ihm nicht ähnlich. In seiner Welt drehte sich alles um ihn, und er würde sicherlich keine Sekunde damit verschwenden, sich um jemand anderen Gedanken zu machen. Vielleicht erinnerte er sie deshalb stets an ihren Dad, überlegte sie zynisch.

Gelassen ignorierte sie Mikes Kommentar und ließ sich auch vom Chefmoderator nicht ins Bockshorn jagen. „Wir haben zehn Uhr, Gilbert. Und damit bin ich auf die Minute pünktlich.“

„Wir sollten uns beeilen.“ Gilbert Channing machte eine fahrige Geste mit der Hand. „Dank eines Freundes weiß ich, dass Teddy Palmer heute Morgen aus New York hergeflogen ist und die Einladung des Bürgermeisters angenommen hat, um das Spiel in seiner Loge zu schauen – zusammen mit den Glazers, die mich zu sich eingeladen haben.“

Skyler verstand die hektische Aufregung des Moderators nicht und runzelte stattdessen die Stirn, während sie zu bedenken gab: „Teddy MacLachlan-Palmer.“

Über den geschwollenen Tränensäcken rundeten sich zwei Augen. „Was?“

Sehr ruhig erklärte sie ihm: „Es heißt MacLachlan-Palmer. Sie hat ihren Mädchennamen nach der Hochzeit behalten und trägt einen Doppelnamen. Darauf legt sie großen Wert. Teddy MacLachlan-Palmer.“

In den Gesichtern der Männer um sie herum erkannte Skyler einen Anflug von Fassungslosigkeit. Sie selbst fand es wichtig, die womöglich einflussreichste Frau innerhalb der NFL mit ihrem korrekten Namen anzusprechen, vor allem da die junge Teamchefin der New York Titans großen Wert darauf legte, nicht einfach nur das Anhängsel ihres Mannes zu sein, jedoch sahen ihre Kollegen so konsterniert aus, als habe sie ihnen soeben mitgeteilt, welche Tamponmarke die Teamchefin des letzten Superbowlgewinners bevorzugte.

„Es ist scheißegal, wie sie sich nennt“, fuhr ausgerechnet Gilbert Channing sie an. „Endlich hat es etwas Gutes, dass die Bucs ihr Stadion zurzeit nicht nutzen können. So hätte ich vielleicht nie die Chance gehabt, Mrs. Palmer auf den Zahn zu fühlen. Hier in Orlando kann sie mir nicht entwischen.“ Er rieb sich beinahe die Hände und erinnerte Skyler fatal an die Art älterer Männer, die niemand auf seiner Party haben wollte, weil sie unangebrachte Dinge von sich gaben oder Frauen gerne begrapschten.

Skyler hätte am liebsten die Augen verdreht. Es war allseits bekannt, dass Teddy MacLachlan-Palmer hochintelligent, gewitzt und clever war. Außerdem schien sie über ein fabelhaftes Gedächtnis zu verfügen – Gilbert Channing leider nicht, weil er gewusst hätte, dass die Teamchefin aus New York mit ihm nicht mehr als zwei Worte wechseln würde, nachdem er vor Jahren ihren Sexvideo-Skandal ausgeschlachtet hatte. Keine Frau vergaß so schnell einen Mann, der öffentlich über ihre nackten Brüste und ihre Darbietung im besagten Video hergezogen war. Wenn er nachgedacht hätte, wäre ihm vielleicht auch aufgefallen, warum der amtierende Quarterback der Titans und Ehemann dieser Frau jedes Interview mit dem Sportmoderator mied und ihn keines Blickes würdigte. Eines war klar: Gilbert Channing würde keine Gelegenheit bekommen, mit Teddy MacLachlan-Palmer unter vier Augen zu reden oder gar ein Interview zu bekommen. Die Mühe hätte er sich wirklich sparen können.

Ein Räuspern lenkte sie von ihren Gedankengängen ab, und sie blickte zu Mike Buchanan, dessen liebenswertes Lächeln nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass er ein hinterhältiger Idiot war.

„Gilbert wird in der Loge des Bürgermeisters beschäftigt sein, was bedeutet, dass ich die Interviews am Spielfeldrand übernehme. Und du ...“ Der blondhaarige Sportjournalist, der geradezu widerlich ambitioniert war und gerne Spitzen gegen sie abließ, grinste hinterhältig. „Und du wirst demnach meinen Job übernehmen. Das wäre für dich eine großartige Gelegenheit. Es sei denn, es ist dir unangenehm, die Spieler in ihrer Umkleidekabine zu interviewen.“

Sie sah ihm fest in die Augen. „Warum sollte es mir unangenehm sein? Ich übernehme gerne deinen Job, Mike.“ Tatsächlich brannte sie geradezu darauf, endlich loslegen zu können. Bislang hatte sie lediglich todlangweilige Redaktionsarbeit machen dürfen oder ihren Kollegen dabei zusehen müssen, wie diese Interviews führten. Selbst aktiv zu werden, war genau das, was sie wollte. Allein der Gedanke, ein Mikrofon in die Hand zu bekommen und mit Spielern zu reden – ihr Können zu beweisen –, ließ ihren Puls vor Aufregung steigen. Das hieß jedoch nicht, dass ihre Kollegen erfahren sollten, wie sehr sie sich freute, ihren Job machen zu dürfen.

Mike lächelte schwach und hob voller gespielter Besorgnis die Hände in die Höhe. Gleichzeitig kicherten der Kameramann Hank, sein Tontechniker Bart und der Redaktionsassistent Finn auf. Skyler biss die Zähne zusammen.

„Bist du sicher? Viele der Spieler werden nackt sein.“ Ihr Kollege seufzte schwer.

Sie ließ eine Augenbraue in die Höhe wandern. So geduldig wie möglich erwiderte sie ihrem Kollegen: „Ist es nicht Sinn und Zweck einer Umkleidekabine, dass man sich dort umzieht?“

„Weil du eine Frau bist, dachten wir nur, dass deine zartbesaiteten Gefühle nicht verletzt werden sollten. Nicht dass dich der Anblick nackter Männer schockiert und du die Interviews dann ...“

Skyler unterbrach ihn geradezu barsch. „Keine Sorge, Mike, ich habe schon einige Männer nackt gesehen, aber bislang war niemand dabei, bei dessen Anblick ich schockiert gewesen wäre. Meistens halten Männer sowieso nicht das, was sie versprechen. Körperlich gesehen.“

Wenigstens verstummte das nervenaufreibende Kichern endlich.

Gilbert trieb sie nun alle zur Eile an und scheuchte sie regelrecht zu den Vans, die vor dem Hotel standen und darauf warteten, dass die drei Kamerateams und die übrigen Mitarbeiter des Senders endlich einstiegen. Skyler verkroch sich augenblicklich im letzten Van und hoffte, auf der Fahrt bis zum Camping World Stadium ihre Ruhe zu haben, weil sie sich gedanklich darauf vorbereiten wollte, heute vor der Kamera zu stehen und Footballspieler mit Fragen zu löchern. Thematisch musste sie sich auf nichts vorbereiten, schließlich kannte sie den Lebenslauf jedes einzelnen Spielers auswendig, wusste über die Spiele der gesamten NFL der letzten fünfundzwanzig Jahre Bescheid und war über jedes noch so winzige Gerücht im Bilde. Es hatte nun einmal seinen Vorteil, einen Vater zu haben, dessen Aufmerksamkeit man nur dann erlangt hatte, wenn man mit ihm über Football reden konnte. Nein, Skyler wollte einfach ein paar Minuten Ruhe vor dem Spießrutenlauf haben, der sie erwartete, sobald sie auf weitere Kollegen traf.

Selbstverständlich wären zehn Minuten Ruhe zu viel des Guten gewesen, dachte sie sich, als ausgerechnet Mike zu ihr in den letzten Van stieg und dabei seinen dunklen Anzug glattstrich. Wenn sie sich nicht täuschte, war es kein Zufall, dass sich ihr Kollege zu ihr setzte und sich direkt neben sie quetschte.

„Nettes Kostüm, Skyler. Ist es neu?“

Angelegentlich zog sie ihr Handy aus ihrer Tasche, schaute nach neuen Mails und erwiderte ihrem ungefähr gleichaltrigen Kollegen, ohne den Blick zu heben: „Wieso wundert es mich nicht, dass du dich für Mode interessierst, Mike? Bewundernswert, wie du zu deiner Sexualität stehst.“

„Sehr komisch“, entgegnete er griesgrämig und rückte ihr so nah auf die Pelle, dass sie ihm gerne zu einem anderen Deo geraten hätte, weil sein jetziges geradezu penetrant roch. „Ich stehe auf Frauen.“

„Bist du sicher?“ Skyler schenkte ihm einen fragenden Blick.

„Tja“, ließ er sich träge vernehmen. „Warum kommst du heute Abend nicht bei mir im Hotelzimmer vorbei und stellst es selbst fest?“

So verzweifelt würde sie niemals sein. Eher würde Skyler mit einer Ratte Sex haben als mit Mike Buchanan. „Kein Bedarf, Mike. Außerdem kaufe ich es dir nicht ab. Tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass du es bedauern würdest, heute keine nackten Footballspieler interviewen zu dürfen.“

Anscheinend schien Mike zu den Menschen zu gehören, die zwar austeilen, jedoch nicht einstecken konnten, da seine Miene geradezu gehässig wurde. „Da wir schon von Nacktheit sprechen. Wie war dein gestriger Abend?“

„Ganz nett“, erklärte sie lapidar, schlug die Beine übereinander und löschte ein paar Werbemails. Dass er ihre nackten Beine musterte, wie sie aus dem Augenwinkel sehen konnte, ignorierte sie. „Das Hotel hat einige fabelhafte Fernsehsender im Angebot. Irgendwo lief eine Reportage über das Leben von Barbra Streisand. Sollte dir auch gefallen. Ihr Jungs seid doch ganz verrückt nach ihr.“

Wie es schien, setzte Mike zu einer bissigen Antwort an, als einer der Kameramänner und der Fahrer dazukamen und ins Auto stiegen. Sobald der Van anfuhr, ergriff Mike ein weiteres Mal das Wort.

„Normalerweise würde ich dir jetzt ein paar Tipps für den Umgang mit der Kamera geben, aber ich schätze, dass all die Aufritte im Badeanzug dir ziemlich viel Kameraerfahrung gebracht haben.“

„Vielen Dank für deine Anteilnahme.“ Skyler war selbst erstaunt, dass sich ihre Stimme kaum nach dem Ächzen anhörte, an dem sie sich beinahe verschluckte. „Zu rührend, wie du an mich denkst, Mike. Ach, nur zur Info: Es waren Auftritte im Bikini und nicht im Badeanzug. Einteiler waren nicht so meins.“

„Finden vor Miss-Wahlen eigentlich auch Castings auf einer Besetzungscouch statt? Es ist wirklich traurig, was manche Menschen für die Karriere tun müssen.“

Arschloch.

Sklyer nickte und fügte sehr trocken hinzu: „Ja, grässlich. Wie ich gehört habe, gibt es sogar Sportjournalisten, die ihren Vorgesetzten in den Arsch kriechen müssen.“

„Und andere müssen einfach nur Daddys Namen nennen, um einen Job zu bekommen.“

Sie kniff die Augen zusammen und steckte das Handy weg. Da es Skyler als lächerlich empfand, sich vor Mike zu rechtfertigen, sagte sie ihm nicht, dass sie einen erstklassigen Studienabschluss vorzuweisen hatte, eine Vollblutjournalistin war und für diesen Job keinerlei Beziehung hatte spielen lassen. Stattdessen ließ sie ihn wissen: „Meinetwegen kannst du dich darauf konzentrieren, wie ein Triebtäter in Umkleiden zu schleichen und meine Klamotten zu stehlen, Mike, da dir ja sonst nichts einzufallen scheint, wie du mich loswerden kannst. Ich liefere lieber professionelle Arbeit ab.“

„Dann gib dir ordentlich Mühe“, ließ er sie wissen. „Nur ein Tipp am Rande: Du solltest in nächster Zeit mit einer richtig guten Story aufwarten können. Man sägt nämlich schon fleißig an dem Ast, auf dem du sitzt, Skyler. Und da wird dir dein Daddy auch nicht helfen können.“

 

 

 

 

 

2. Kapitel

 

 

Es war ein paar Jahre her, dass Kelly auf dem Spielfeld gestanden hatte, jedoch hatte er nicht vergessen, wie es sich anfühlte, mit seinen Teamkollegen im Huddle zu stehen, von Zehntausenden Zuschauern im Stadion beobachtet zu werden und unter lauten Jubelschreien einen Touchdown zu machen.

Heute war alles etwas anders.

Erstens stand er nicht auf dem Spielfeld, sondern saß auf der Ersatzbank, zweitens war es nicht wirklich sein Team, mit dem er gerade noch im Vereinsbus gesessen hatte, und drittens wurde er nicht wegen seiner herausragenden Spielerqualitäten von Zehntausenden Zuschauern beobachtet, sondern weil alle neugierig auf einen Straftäter inmitten der NFL waren. Wenn man seinen Namen im Internet eingab, zeigten die meisten Fotos ihn in seinem orangefarbenen Gefängnisoverall oder mit reuiger Miene im Gerichtssaal. Dazu kamen Fotos, auf denen er diverse Nachtclubs verließ – meistens im stark alkoholisierten Zustand und mit jeweils einer Frau im Arm. Heute konnte er nur den Kopf darüber schütteln, was damals in ihn gefahren war. Damals hatte er die Kontrolle verloren und sie erst dann wieder zurückbekommen, als er hinter Gittern saß. Vermutlich hatten ihm die zwölf Monate Gefängnisaufenthalt das Leben gerettet.

Seither bemühte er sich um Besserung.

Keine Drogen.

Kein Alkohol.

Keine Partys.

Keine Frauen.

Ja, Kelly wusste, wie es sich anfühlte, sein Dasein als Mönch zu fristen, aber um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und den letzten Rest seiner Karriere zu retten, verzichtete er rigoros auf alles, was ihn früher in die Scheiße geritten hatte.

Für ihn zählte momentan Football. Und nichts anderes. Ein einziges Mal noch wollte er auf dem Feld stehen und spielen – und wenn es nur ein einziger Spielzug war. Und sollte ihm das Glück vergönnt sein, einen letzten Touchdown zu machen, dann hatten sich all die Strapazen, der mühsame Prozess um eine erneute Vergabe seiner Lizenz und das beschämende Betteln bei diversen Vereinen wenigstens gelohnt.

Als er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde, war er nahezu pleite gewesen und hatte seine Lizenz verloren. Diese hatte er mittlerweile zurück und konnte von Glück reden, dass es ein einziges Team in der NFL gegeben hatte, das ihn unter Vertrag genommen hatte. Und das auch nur als Ersatzmann. Doch Kelly war kein Idiot und wusste, dass er verdammt viel Glück gehabt hatte. Niemals käme er auf die Idee, sich darüber zu beschweren, dass er lediglich auf der Bank saß und mit ansah, wie seine Teammitglieder auf dem Feld standen. Er trainierte wie besessen, war täglich überpünktlich, kannte alle Spielzüge auswendig und benahm sich wie ein Musterknabe. Kurzum: Er tat alles, um nicht negativ aufzufallen.

Zwar fiel es ihm nicht schwer, durch Zurückhaltung zu glänzen, jedoch stand er unter permanenter Beobachtung der Presse. Als gäbe es kein interessanteres Thema als einen ehemaligen Junkie, der clean war und seinen Job gut machen wollte! Verdammt, der heißeste Wahlkampf in der Geschichte der USA lief und ein bekennender Frauenbegrabscher war Kandidat der Republikaner fürs Präsidentenamt, und dennoch konzentrierten sich die Journalisten ständig auf ihn. Ja, die meisten von ihnen gierten geradezu danach, dass Kelly wieder auf die schiefe Bahn geriet. Und ein Foto von ihm und seinem Teamkapitän, auf dem sie sich gegenseitig die Zähne einschlugen, wäre für diese Meute sicherlich wie Weihnachten und Ostern an einem Tag gewesen. Denen wäre doch einer abgegangen, wenn er und Palmer aufeinander losgegangen wären!

Wenn sie gewusst hätten, wie langweilig Kellys Leben war, dann hätten sie vermutlich vor lauter Enttäuschung ins Gras gebissen. Sofern er abends nicht das Treffen der anonymen Alkoholiker besuchte, ging er früh schlafen oder las ein Buch. Er, der Partylöwe schlechthin, der früher jeden Abend um die Häuser gezogen war und kaum eine Nacht ohne Sex verbracht hatte, lag heute mit einem Buch im Bett und trank Tee. Tatsächlich konnte er sich weder an seine letzte Party noch an das letzte Mal Sex erinnern, weil beides schon eine Weile her war. Und weil er zu beiden Malen vermutlich vollgedröhnt gewesen war.

Seine Hände schlossen sich fest um das Gitter seiner Facemask, während er das Feld vor sich mit zusammengekniffenen Augen maß. Die Offense der Titans nahm Aufstellung und Brian Palmer brüllte einen Spielzug übers Feld. Kelly hätte jetzt besonders gut aufpassen müssen, schließlich musste er ständig bereit sein, für den amtierenden Quarterback einzuspringen, falls sich dieser verletzte. Jedoch konnte Kelly in diesem Moment nur daran denken, wie er vor einer gefühlten Ewigkeit mitten auf dem Highway verhaftet worden war und keine Erklärung für die Drogen und den Alkohol in seinem Blut besessen hatte. Auch für das Koks in seinem Handschuhfach oder die Pillen in seiner Sporttasche hätte er eine verdammt gute Erklärung haben müssen. Hatte er jedoch nicht.

Damals war er ein Arschloch gewesen, das sich unbesiegbar gefühlt hatte.

Scheiße. Er war ein großkotziger Footballspieler gewesen, der geglaubt hatte, dass ihm Gesetze am Arsch vorbeigingen, weil er eine große Nummer in der NFL gewesen war. Wie schnell seine Karriere jedoch ein Ende finden konnte und wie schnell sich all seine angeblichen Freunde aus dem Staub machten, sobald er am Boden lag, hatte er auf die harte Tour lernen müssen.

Mit seinem jetzigen Teamkapitän war Kelly zwar nie befreundet gewesen, aber vor einer gefühlten Ewigkeit waren sie sich noch mit Respekt begegnet und hatten einander freundlich begrüßt, wenn sie aufeinandergetroffen waren. Tatsächlich hatte es sogar diese eine Party in L.A. gegeben, auf der sie zusammen ein Bier getrunken und miteinander gescherzt hatten, bevor Palmer die Party mit einem Unterwäschemodel verlassen hatte und Kelly in einen Club gefahren war, in dem er jemanden aufgerissen und mit nach Hause gebracht hatte. Es war Peters Party gewesen.

Alles, was in den anschließenden Monaten passiert war, hatte verhindert, dass aus ihm und Palmer jemals Freunde werden könnten. Der Quarterback der Titans empfand ihm gegenüber nichts als Verachtung und scheute sich nicht, dies offen zu zeigen. Ihm hatte Kelly die schiefe Nase zu verdanken, die er sein Eigen nannte, und Brian war dank Kelly mit einem ausgerenkten Kiefer im Krankenhaus gelandet. Das Ganze mochte zwar ein paar Jahre her sein, aber vergessen hatte keiner von beiden ihre letzte Auseinandersetzung. Das hatte Brian ihm erst vor wenigen Monaten während des Teamurlaubs in Mexiko zu verstehen gegeben. Seither gingen sie sich – von einer kurzen Prügelei während des Trainingscamps abgesehen – aus dem Weg.

Wenn Kelly ehrlich war, wären die Titans seine letzte Wahl gewesen, weil er auf großes Drama mit einem seiner Teamkollegen verzichten konnte. Doch leider hatte kein anderes Team auch nur Anstalten gemacht, darüber nachzudenken, Kelly in den Verein zu holen. Lediglich Teddy MacLachlan-Palmer hatte ihm eine Chance gegeben – die Frau des amtierenden Quarterbacks, der Kelly gerne tot sehen würde.

Und Kelly konnte es seinem Teamkapitän nicht einmal verdenken, dass er so fühlte.

„Brian flippt aus, wenn wir auch dieses Spiel vergeigen.“ Tom Peacock, einer der besten Cornerbacks der gesamten Liga, setzte sich neben ihn und seufzte schwer. „Dass wir im letzten Spiel von den Eagles geschlagen wurden, nagt noch immer an ihm. Er trainiert wie besessen das Zuspiel auf links, aber die rechte Seite liegt ihm mehr. Carter macht sich gut, nur fehlen ihm und Brian noch die nötige Routine zum Zusammenspiel. Mit Julian hat er fünf Jahre lang Passspielzüge trainiert. Die beiden waren völlig aufeinander gepolt. Carter dagegen ist neu im Team, aber, Mann, er ist wahnsinnig gut!“

Kelly antwortete nicht sofort. Er wusste auch nicht, ob Tom Peacock tatsächlich mit ihm redete, weil die wenigsten seiner Teamkollegen mit ihm quatschten. Nun, sie waren nicht unfreundlich zu ihm, sondern grüßten ihn täglich, versuchten sich manchmal sogar in Small Talk, aber das war es auch schon. Vielleicht wären sie alle ein wenig zugänglicher gewesen, wenn sich Kelly nicht ständig abschotten würde, aber weil die Titans nun einmal Palmers Team waren, übte er sich in höflicher Zurückhaltung.

Als er Toms neugierigen Blick wahrnahm, der sich auf ihn gerichtet hatte, fragte Kelly milde nach: „Willst du mir irgendetwas sagen?“

„Nö.“ Ziemlich lässig streckte der blondhaarige Footballspieler seine Beine von sich. „Ich dachte, du wärst in der Stimmung für etwas Gequatsche, Slade.“

„Und wie bist du auf den Gedanken gekommen?“

„Keine Ahnung. Ein paar der Jungs rätseln schon, ob du überhaupt reden kannst“, gab Tom von sich und grinste breit. „Und auf dem dreistündigen Flug hast du nicht einmal mit der Stewardess geredet, die uns diesen widerlichen Tomatensaft andrehen wollte. Deshalb hielt ich es für an der Zeit, etwas Small Talk mit dir zu betreiben.“

Kelly lehnte sich zurück und brummte: „Ich kann reden.“

„Sehe und höre ich gerade mit eigenen Augen und Ohren“, stimmte sein Teamkollege fröhlich zu. „Das wird die Jungs beruhigen.“

Er schnitt eine Grimasse und deutete unmerklich aufs Feld. „Was wird Palmer sagen, wenn er bemerken sollte, dass du mit mir sprichst? Er ist dein Kumpel.“

Tom nickte. „Einer der besten. Einen loyaleren Kumpel gibt es nicht.“

Warum Kelly plötzlich einen Kloß im Hals hatte, wusste er nicht. Vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass Peter ganz ähnlich über Brian Palmer geredet hatte. Auch er war nicht müde geworden, Palmers Loyalität zu erwähnen. Manchmal hatte Kelly geglaubt, dass er ihn und Palmer miteinander verkuppeln wollte, so sehr hatte Peter vom schwarzhaarigen Quarterback geschwärmt.

„Deshalb solltest du vielleicht nicht allzu ausführlich mit mir Small Talk betreiben“, wies er Tom betont ruhig an und starrte wieder aufs Feld.

„Wieso? Du gehörst zum Team, auch wenn du dir verdammt viel Mühe gibst, wie ein Außenseiter aufzutreten.“

Das Lachen kam ganz unerwartet und klang völlig ironisch. „Nichts für ungut, Peacock, aber ich bin ein Außenseiter.“

„Wir treffen uns heute Abend in einer Bar, die Blake klargemacht hat. Warum kommst du nicht mit und arbeitest daran, nicht länger der Außenseiter zu sein?“

„Eine Bar?“ Mit Blick auf den frustrierenden Spielstand wollte er wissen: „Ist es nicht etwas zu früh, um eine Party zu planen? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“

„Du bist bibelfest, Slade? Ich hätte dich nicht für einen Kirchenfutzi gehalten.“ Tom Peacock klang amüsiert. „Blake wollte auf sein sechsjähriges Jubiläum im Verein trinken. Komm mit – wird bestimmt lustig.“

Kelly legte seinen Helm auf den Schoß und schüttelte den Kopf. „Keine gute Idee.“

„Wegen Brian?“

Mit einem Schnauben rümpfte er die Nase und schämte sich nicht, mit der Wahrheit herauszurücken. „Meine Anwesenheit in einer Bar würde für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Morgen wären die Zeitungen voll von Fotos, auf denen ich ein Glas in der Hand halte, während man darüber spekulieren würde, ob ich rückfällig geworden bin. Keine gute Presse für die Titans.“

Anscheinend wollte Tom ihn beruhigen. „Es ist eine geschlossene Gesellschaft. Da kommt keine Presse rein.“

Obwohl Kelly wusste, dass es ihn nicht aus der Bahn werfen würde, wenn er in eine Bar ginge und anderen Menschen dabei zusah, wie sie ein Bierchen zischten, wollte er lieber kein Risiko eingehen. Er war nun einmal ein trockener Alkoholiker, der sich viel zu lange von seiner Sucht hatte beherrschen lassen.

„Danke fürs Angebot, aber ich passe.“

„Wenn du es dir anders überlegst, bist du herzlich eingeladen.“

Kellys Mundwinkel zuckten. „Herzlich? Netter Versuch, Peacock.“

„Ich wollte nett sein.“ Amüsiert schlug er ihm auf die Schulter. „Meine Tochter ist erst vor Kurzem in die Schule gekommen und hat mir letzte Woche erklärt, wie wichtig die zehn Gebote des Nett-Seins sind, die sie und ihre Klassenkameraden gerade gelernt haben.“

Da Kelly ebenfalls nett sein wollte, fragte er nach: „Du hast eine Tochter?“

„Ich habe zwei.“ Ganz der stolze Vater grinste Tom Peacock über das gesamte Gesicht und wirkte wie einer dieser Typen, die sofort ihr Handy zückten, um Fotos ihrer Sprösslinge zu zeigen. „Zoey ist sechs Jahre alt und Caroline ist fünf Monate alt. Zoey spielt seit ein paar Monaten Fußball und macht sich verdammt gut. Die Kleine schläft mittlerweile schon durch. In letzter Zeit ist sie zwar ein wenig quengelig, weil meine Frau sie gerade abstillt, aber ich hoffe, dass sich das bald wieder legt.“