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Erlebt hautnah mit, wie es dazu kam, dass ich als Polizeibeamter zum Geisterjäger wurde. Erstmals für alle treuen Fans zusammengefasst, sind hier meine ersten fünf Fälle, die mich in die Reiche des Horrors und der Bestien führten. Spannung und Grauen ist garantiert. Also viel Spaß und viel Gänsehaut beim Lesen!
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Seitenzahl: 362
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Erlebt hautnah mit, wie es dazu kam, dass ich als Polizeibeamter zum Geisterjäger wurde. Erstmals für alle treuen Fans zusammengefasst, sind hier meine ersten fünf Fälle, die mich in die Reiche des Horrors und der Bestien führten. Also viel Spaß und viel Gänsehaut beim Lesen!
Mike Fuhrmann ist, wie sich sicher die meisten von euch schon gedacht haben, ein Pseudonym.
Der Autor der Geschichten meidet die Öffentlichkeit und ist ein wenig scheu. Ansonsten aber ein klasse Kerl, mit dem man Pferde stehlen kann. Glaubt mir, ich muss es schließlich wissen^^
Ich bin inzwischen etwas über 40 Jahre alt, geschieden und habe zwei Kinder, die ich über alles in der Welt liebe. Mein Lebensweg begann in der Nähe von Bielefeld, führte mich dann westlich, in die Umgebung von Köln, dann sogar für ein ganzes Jahrzehnt in das benachbarte Ausland, und dann, vor über einem weiteren Jahrzehnt, wieder zurück nach Deutschland, wo ich auch jetzt noch in der unmittelbaren Umgebung des Wohnorts meines Titelhelden lebe.
Romane, b.z.w. Bücher schreibe ich jetzt seit etwa zwei Jahren und warte noch stets auf meinen ersten, großen Erfolg.
Mein erster Fall
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Die Bestie aus den Ruhrauen
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Des Teufels Mordmaschine
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Die Kuscheltiere des Professors
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Die Jagt nach dem Seelenfresser
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Es war eine dunkle, stürmische Nacht, wie geschaffen um seinen traurigen Gedanken nach zu hängen.
Doch das tat Ramona nicht, denn welchen Grund hätte sie gehabt?
Ihr Mann hatte einen guten und krisensicheren Beruf, war in den letzten Jahren auch nicht mehr so häufig unterwegs, wie es früher der Fall gewesen war, sondern kam meistens nach normalen Bürozeiten nach Hause. Ihr gemeinsamer Sohn studierte sehr engagiert, hatte dadurch auch dementsprechend gute Noten und konnte sich dank der finanziellen Unterstützung seiner Eltern eine eigene, kleine Wohnung in Dortmund leisten. Ramona und ihr Gatte selber wohnten ein Stück außerhalb der Stadt in einer kleinen und ruhigen Siedlung wo fast ausschließlich Einfamilienhäuser standen und die meisten direkten Nachbarn sich sogar noch beim Namen kannten.
Darum war es an Abenden wie diesem, mitten in der Woche und bei solch einem Wetter, auch immer schon früh am Abend sehr ruhig draußen auf den schmalen Straßen. Die Menschen die hier wohnten setzten sich Abends nach dem Feierabend zwar öfter in ihre Gärten, doch auch nur dann wenn das Wetter halbwegs mit spielte...
Davon konnte man heute nun wirklich nicht sprechen! Es war zwar sehr mild für Anfang März und in den letzten Tagen lagen die Temperaturen teilweise schon sehr hoch für diese Jahreszeit, doch heute Abend regnete und stürmte es schon seit geraumer Zeit.
Und da es nun auch schon weit nach 22 Uhr war, die Dunkelheit über der ruhigen Siedlung lag, waren die Straßen, Wege und Gärten verwaist und Tod.
Das einzige was man schwach durch die gut isolierte Verglasung der großen Fenster hören konnte war der Wind, der stürmisch durch die Bäume und Büsche im Garten pfiff.
Ramona hatte sich für ihr Alter von inzwischen sechsundvierzig Jahren ganz gut gehalten und konnte stolz auf ihre Figur sein, denn dort befand sich jedes Gramm Fett da, wo es auch sein sollte. Zwar war sie nicht so dürr wie manch ein Modell der heutigen Zeit, doch das wollte sie auch gar nicht und Übergewichtig war sie deswegen noch lange nicht. Ihr schwarzes Haar war modisch kurz geschnitten und das schön geschnittene Gesicht mit den hohen Wangenknochen verfehlte seine Wirkung auf die Männerwelt meist nicht. Wie sie hier so auf der Couch lag, in ihrem durchsichtigen Nachthemd und darunter nur das Spitzenhöschen, auf einen BH hatte sie verzichtet, wäre so mancher Mann auf ganz andere Gedanken gekommen als nur dem Feuer im Kamin zu zu sehen.
Walter jedoch, Ramona's Ehemann, war noch unten im Keller. Dort hatte er sich einen der Räume zu seinem zweiten Arbeitszimmer hergerichtet. Es gefiel ihr zwar nicht wirklich das Walter auch nach Feierabend noch so viel Zeit mit seiner Arbeit verbrachte, auf der anderen Seite war ihr aber ebenso bewusst, das seine Arbeit wichtig war und Leben retten konnte.
Ihr Gatte war ein hohes Tier beim Bundeskriminalamt und leitete dort eine kleine Sonderabteilung die sich mit besonders schwierigen und ungewöhnlichen Fällen beschäftigte und in den zwei Jahren, in denen ihr Mann diese Abteilung leitete, hatten sie schon einige große Erfolge erzielt und unter anderem der einen oder anderen großen Verbrecherorganisation die Geschäfte verdorben. Auch wenn dies meist nur ein Tropfen auf den heißen Stein war und Walter oft meinte, er hätte das Gefühl gegen eine Hydra zu kämpfen, so war diese Arbeit doch sehr wichtig und verhinderte, das große Verbrecherbanden sich unkontrolliert ausbreiten konnten.
Draußen stürmte es nun schon seit endlos vielen Stunden. Der Regen wurde ebenfalls immer heftiger und Ramonas Blick glitt kurz in Richtung der großen Glasfront, die das Wohnzimmer vom Garten trennte. Der Blick fiel in den Garten, in dem sich die Bäume und Sträucher im Wind bogen und es so aussah, als würden schreckliche Geister irgendwelche geheimnisvollen Tänze aufführen. Schatten glitten durch den gepflegten Garten und verwandelten ihn in einen Spielplatz des Schreckens, und zart besaitete Menschen konnten bei diesem Anblick schon eine Gänsehaut bekommen. Und auch Ramona zuckte plötzlich so heftig zusammen, das sie einen nicht unbeträchtlichen Teil des Sekt der sich in dem Glas in ihrer Hand befand, durch die Bewegung auf ihr Nachthemd verschüttete!
Hatte sie da etwas gesehen? Sie war sich nicht sicher, denn die Außenbeleuchtung war nicht eingeschaltet, so das es doch sehr schwer war etwas zu sehen, das sich draußen im Garten befand. Doch sie hatte irgend etwas wahrgenommen, das nicht zu dem wiegen der Bäume oder Büsche gehörte. Einen Schatten, ein huschen. Den Umriss einer Gestalt? Und sie meinte sogar für den Bruchteil einer Sekunde ein verzerrtes Gesicht gesehen zu haben...
War dies wirklich nur eine Täuschung? Sie wusste es nicht und doch war ihr plötzlich, trotz der durchaus hohen Temperaturen hier im Wohnraum, eiskalt. Die berühmte Gänsehaut zog sich über ihre Arme und es kribbelte ihren Rücken hinab, obwohl der brennende Kamin zusammen mit der normalen Heizung eigentlich für eine wohlige Wärme im gesamten Raum sorgte.
Ramona hatte etwas gesehen, da war sie sich beinahe sicher. Sie überlegte sogar kurz ob sie ihren Mann rufen sollte, doch verwarf diese Idee gleich wieder. Nein sie würde der Sache selber auf den Grund gehen und sollte sich tatsächlich eine fremde Person im Garten aufhalten konnte sie noch immer nach Walter rufen. Doch wahrscheinlich war es nichts gewesen. Nur ein Schatten, der doch zu den Pflanzen im Garten gehörte, oder vielleicht auch ein Tier. Einige der Nachbarn besaßen schließlich große Hunde und es konnte ja durchaus sein, das eines dieser Tiere durch die Gärten der kleinen Siedlung vagabundierte.
Langsam stellte sie das Sektglas auf den großen aber flachen Wohnzimmertisch und stand auf, den Blick dabei immer auf die hohen Panoramascheiben gerichtet, die sich über die komplette Seite des Wohnraumes zogen, doch dort zeichnete sich jetzt nichts mehr ab. Von den Bewegungen der Bäume und Büsche, durch den stürmischen Wind verursacht, einmal abgesehen war nichts weiter zu erkennen. Da sie ihr Vorhaben nun auch durchziehen wollte schritt sie auf die Terrassentür zu, langsam aber bestimmt, obwohl ihr dabei schon etwas unbehaglich zumute war. Direkt neben der Tür befand sich an der Wand auch ein Schalter für die Gartenbeleuchtung. Den drückte sie und sofort flammten mehrere Lichter im Garten auf. Vorher hatte sie nie wirklich darüber nach gedacht und die Plätze der Lampen für gut und ausreichend befunden, nun aber wurde ihr bewusst, das trotz der aufgestellten Lampen noch viele Teile des Gartens, vor allem direkt an der Tür und deren unmittelbarer Nähe, im Dunkeln lagen. Waren das nicht gute Verstecke für einen möglichen Einbrecher? Für jemanden der ihnen etwas böses wollte? Oder war ihre Wahrnehmung doch nur ein Irrtum gewesen?
Um ganz sicher zu sein blieb nur eine Möglichkeit: Sie musste die Tür öffnen und ohne das zwar sehr saubere aber doch störende Glas zwischen ihr und dem Garten nach draußen schauen! Auch hinter die kleinen Büsche und Sträucher sehen.
Sehr langsam bewegte sie ihre Rechte Hand zum Griff und öffnete ebenso langsam die Tür, zog sie dann behutsam ganz auf und ging einen Schritt vor, so das sie auf der Terrasse stand.
Sofort zerrte der Wind an ihr und obwohl es für den Monat März sehr warm war und sie die Terrasse überdacht hatten so das der Regen sie nicht erreichen konnte, stellte sie fest das ein Nachthemd und ein Schlüpfer nun wirklich nicht die perfekte Kleidung waren, um sich bei diesem Wetter draußen herum zu treiben. Das war aber auch das einzige was sie feststellte und sie musste trotz des eben noch so unguten Gefühls und der Angst, die sie verspürt hatte, lächeln.
Da draußen war nichts! kein böser Mensch, kein Monster oder was auch immer sie glaubte gesehen zu haben.
Ramona war froh ihren Mann nicht gerufen zu haben. Er hätte zwar höchst wahrscheinlich nichts gesagt, aber sich doch seinen Teil gedacht wenn sie wegen nichts in Panik ausgebrochen wäre. Womöglich hätte er ihr dazu geraten, nicht so viele der Kriminalromane zu lesen, die sie so sehr liebte und genau so häufig verschlang, wie auch die Liebesgeschichten, von denen sie beinahe eben so viele besaß.
Noch immer lächelnd wollte sie zurück und die Tür wieder schließen bevor der Wohnraum zu sehr auskühlte, denn der Temperaturunterschied zwischen dem Wohnraum und dem Garten war doch mehr als groß, doch so weit kam sie nicht! Sie drehte sich, sah dabei zwangsläufig auch den Busch der links der Tür stand und aus eben diesem flog ihr ungeheuerlich schnell etwas entgegen.
So schnell, das sie kaum erkennen konnte, das dieses Etwas menschliche Umrisse besaß. Noch bevor ihr Gehirn dies verarbeiten konnte knallte etwas vor ihr Kinn. Das es eine Faust war, die brutal zuschlug, wusste sie nicht. Für sie fühlte es sich an wie ein Rammbock, ja, wie der Hufschlag eines Pferdes, so kam es ihr vor. Durch die Wucht des Schlags flog sie zurück in den Wohnraum und knallte heftig auf den harten Boden, auf dem zu ihrem großen Glück genau an der Stelle, auf die sie fiel, ein dicker, flauschiger Läufer lag, der den Fall zumindest etwas dämpfte. Durch den Schlag und den Fall benommen bekam Ramona kaum mit, wie die Gestalt, die ihr im Garten aufgelauert hatte, ebenfalls in den Wohnraum huschte und auf sie herab sah. Die große Gestalt kniete sich neben die Frau und hob ihren Kopf mit einem brutalen, festen Griff in ihre kurzen Haare ein Stück nach oben. Das war der Augenblick als Ramona wieder ein wenig zu sich kam und die Augen sich flatternd wieder öffneten. Was sie sah war ein Mann dessen Alter man nur schwer schätzen konnte, wenn sie es gemusst hätte, würde sie wohl eine Zahl zwischen vierzig und sechzig nennen, der normal gekleidet war, zumindest wenn man auf Regenmäntel stand wie sie manche TV Kommissare trugen, der aber ein normales, durchschnittliches Gesicht besaß und auch sonst nicht weiter auffiel. Er tat nichts, außer sie an zu starren, so das sie die Zeit bekam, wieder etwas zu sich zu kommen und genauer nach zu denken. Etwas störte dann doch an ihm, aber sie kam einfach nicht sofort darauf. Doch jetzt wo die Situation schon einige endlos lang erscheinende Sekunden andauerte, fiel es Ramona wie Schuppen aus den Haaren! Er atmete nicht! Nein er grinste sie nur an, doch Atmen Fehlanzeige. Kein Luft holen, kein Brustkorb der sich hob und wieder senkte. Und als er jetzt auch noch seinen Mund öffnete und sie die langen und spitzen Eckzähne sah glaubte sie verrückt zu werden. Welcher Idiot verkleidet sich denn jetzt im März noch als Vampir dachte sie, bevor ihr einfiel das auch verkleidete Vampire doch trotzdem Atmen müssen.
In diesem Moment riss er ihren Kopf brutal auf die Seite, so das ihr Hals sich auf einer Seite straff spannte, eben so die Halsschlagader in die der Vampir seine Zähne rammte und seine Lippen fest schloss, so dass das Blut in seinen Hals und den Rest seines Körpers strömen konnte! Zirka 7 Liter Blut befinden sich im Körper eines Menschen. Dies war dem Vampir klar. Ebenso wusste er das sein Opfer zu einem seines gleichen werden würde wenn er zu gierig war. Das wollte er um jeden Preis verhindern. Auch wenn die Menschen nicht mehr an Monster oder Vampire wie ihn glaubten, so wusste er doch, das es einige unter ihnen gab, die ihn unter gewissen Umständen durchaus vernichten konnten wenn er zu unvorsichtig war. Dies im Hinterkopf bewegte ihn trotz seiner Gier dazu, auf zu hören ihr Blut zu trinken als der schlimmste, drängendste Durst gestillt war. Als er seine Lippen von ihrem Hals löste, da schaute er sich schon in dem großen Raum um, eine Lösung für sein Problem suchend. Er musste sein Opfer vernichten, bevor sie ebenfalls zu seinesgleichen wurde. Konkurrenz gab es schließlich schon genug, da wollte er nicht auch noch selber für neue sorgen. Außerdem würden Gegner, die es überall auf der Welt gab, nur unnötig aufmerksam werden.
Sein Blick viel auf den Kamin! Ja das war eine Möglichkeit, der Kamin war groß genug, er würde ausreichend Platz für den leblosen Körper der Frau bieten und die Flammen, die lodernd brannten, besorgten dann den Rest. Spielerisch, mit seiner linken, nahm er den leblosen Körper vom Boden hoch und trug ihn in Richtung Feuer. Noch einen kurzen Blick gönnte er der Frau, dann warf er sie in die Hochbrennenden, lodernden Flammen. Und im selben Augenblick gellte der Schrei auf!
„Ramona!!!“ Walter war aus dem Keller nach oben gekommen. Er hatte sich noch ein paar alte Akten angesehen, doch auch schnell die Lust daran verloren, denn er wusste das seine Frau oben auf der Couch saß und obwohl sie keine Kinder mehr wollten, ihr Sohn war schließlich gerade erst aus dem Haus und sie hatten sich ein wenig Ruhe und Zeit für sich mehr als verdient, hatte er noch ihr Bild vor Augen und musste zugeben das sich bei ihm doch der Wunsch nach Geschlechtsverkehr geregt hatte. Den konnte man schließlich mit entsprechenden Maßnahmen auch ohne Empfängnis nach neun Monaten haben und Ramona war schließlich alles andere als hässlich.
Doch alles kam anders, alles war auf einmal wie in einem Horrorfilm! Als er die Stufen der Kellertreppe hinter sich gelassen hatte und in den Wohnraum kam, sah er gerade noch wie dieser groß gewachsene Mann im Regenmantel, der mindestens einen halben Kopf größer war als er selbst, seine geliebte Frau in den Kamin warf als wäre sie nur ein Stück unnützer Ballast.
Sein Schrei gellte noch nach als der Mann sich zu ihm drehte und ihm direkt in die Augen sah, so das Walter das Gefühl bekam dieser Blick würde ihn durchbohren.
Aber durch seine Ausbildung, die er dank seiner langen Zeit beim Bundeskriminalamt genossen hatte, reagierte er nicht Angst starr wie es andere vielleicht getan hätten, sondern so wie ein Polizist. Er griff zur Waffe, die er noch trug da er sich nach seiner Heimkehr nicht sofort geduscht und umgezogen hatte, sondern nach der Begrüßung und Umarmung seiner Ehefrau gleich im Keller verschwunden war.
Die Waffe auf den Eindringling gerichtet rief er: „Keine Bewegung!“ Doch der andere schien ihn nicht verstehen zu wollen, denn er startete und kam mit langen, weiten Sätzen auf ihn zu, so das Walter keine andere Wahl blieb, als ab zu drücken. Wie in der Ausbildung gelernt, schoss er nicht nur einmal, sondern zog den Stecher mehr als vier mal durch und spürte jedes mal den Rückstoß der Waffe, wenn die Kugel in ihrer Feuerblume den Lauf verließ. Und er sah auch die Einschläge der Kugeln, die den auf ihn zu rennenden Mann zwar durch schüttelten, doch nicht aufhielten! Er rannte einfach weiter, anstatt wie ein normaler Mensch zusammen zu sacken und Blut überströmt am Boden liegen zu bleiben. Zu einem weiteren Schuss kam es dann nicht mehr, denn da war der Fremde nah genug heran und rammte dem BKA Beamten seine Faust ins Gesicht. Walter Klein spürte noch einen kurzen und heftigen Schmerz, dann wurde es dunkel um ihn herum und er sackte bewusstlos in die Knie. Wie der Vampir mit lautem Getöse durch die Haustür brach, ohne sie vorher zu öffnen, bekam Walter nicht mehr mit. Eben so wenig wie das verbrennen von Ramonas Körper, von dem die hoch lodernden Flammen des Kamins nicht viel über ließen...
Das Riechsalz unangenehm ist wusste Walter bisher nur aus Erzählungen. Nun spürte er es am eigenen Leib, doch da auch fast im selben Moment die Erinnerungen an die letzten Minuten vor seiner Bewusstlosigkeit hoch kamen nahm er dies nur am Rande wahr. Viel mehr im Vordergrund standen die Bilder seiner geliebten Frau, die im Kamin lag und ein Opfer der Flammen wurde. Der fremde Mann, der auf ihn zu rannte und selbst durch mehrere Kugeln seiner 9mm Dienstwaffe nicht aufgehalten wurde. Wie konnte so etwas geschehen? Wie war so etwas möglich? Er wusste es nicht und merkte erst nach dem wiederholten versuch des Doktors, das dieser ihn ansprach. „Herr Klein? Hallo! Können sie mich hören?“ Ein kurzes: „Ja.“ Presste er mühsam hervor, was das Gesicht des Doktors zu einem lächeln animierte. „Sie hatten Glück, die Nachbarn haben ein lautes Krachen gehört und meinten auch Schüsse vernommen zu haben. Daraufhin riefen sie die Polizei.“ „Ja hier war ein...“ Walter machte eine kurze Pause und überlegte, bevor er weiter sprach. „Einbrecher.“
Walter wusste zwar, das er log, doch was sollte er sonst sagen? Er schaute sich um, sah die Kollegen, die überall durch das Haus liefen und ihre Arbeit verrichteten, dann fiel sein Blick auf den Kamin, doch da war nichts mehr zu sehen. Die Reste seiner Frau, sofern noch vorhanden, waren wohl schon entfernt worden. Man würde sie untersuchen, das wusste er. Ebenso wie das gesamte Haus und die unmittelbare Umgebung davon. Man würde ihm Fragen stellen. Würde wissen wollen, was genau geschehen war. Doch er hatte keinen blassen Schimmer, was er antworten sollte, aber es war ihm auch egal. Seine Ramona war Tod. Dieser geliebte Mensch, mit dem er die letzten Jahrzehnte gemeinsam verbrachte. Wie sollte er dies verkraften? Wie würde ihr gemeinsamer Sohn auf diese Nachricht reagieren? Fragen, auf die er keine Antwort wusste. Er musste morgen wieder zum Dienst, sich um das Begräbnis kümmern. Was für absurde und unwichtige Gedanken durch seinen Kopf gingen. Es fing wieder an sich alles um ihn zu drehen und er fiel abermals in dieses dunkle, große, schwarze Loch...
Man, ich hatte einen klasse Abend hinter mir. Mit mehreren Freunden war ich durch die Dortmunder Innenstadt gezogen und auch wenn es lange nicht mehr so viel Brauereien gab wie vor zwanzig Jahren so gab es doch noch genügend Kneipen und Diskotheken um ein wenig zu viel zu trinken. Selbstverständlich hatte ich so gut wie keinen Alkohol zu mir genommen, ich musste schließlich am nächsten morgen früh raus denn mein Dienst beim Bundeskriminalamt begann pünktlich um sieben Uhr. Also hatte ich mich nach dem Besuch des Village von den anderen verabschiedet und war das kurze Stück zum Hauptbahnhof gelaufen, um mich von dort in einem Taxi nach Hause bringen zu lassen, während die anderen noch weiter in irgendeine Kneipe gezogen waren.
Und darum wunderte es mich, das ich trotz allem leichte Kopfschmerzen verspürte als der Wecker mich am Morgen um kurz nach fünf brutal aus dem Schlaf riss.
Nach der morgendlichen Katzenwäsche und dem ausgiebigen Frühstück, bestehend aus Kaffee und einer Zigarette, stand ich nun in meinem Büro und war mir nicht so sicher, ob ich hier wirklich den gesamten Tag verbringen wollte...
Nachdem ich die Akten auf meinem Schreibtisch, es waren nach einigen Tagen Arbeitswut tatsächlich nur noch drei, mit einem bösen Blick bedacht hatte, machte ich mich auf den Weg in den Flur um mir einen Kaffee aus dem Automaten zu ziehen. Da dieser beschissen schmeckte und tatsächlich nur einen Euro fünfzig kostete, konnte man sich nun wirklich nicht beschweren. Bei meinem Gehalt hätte ich auch nur zu gerne nebenher mit Scheiße Geld verdient...
Na ja, Beamte haben es halt schwer, dachte ich mir und setzte mich mit meinem Getränk an den Schreibtisch.
Eigentlich wollte ich eine Akte aufschlagen doch irgendwie saß ich einfach nur da, starrte meinen Kaffee an und dachte an alles mögliche, nur nicht an meine Arbeit. Der letzte Fall lag schon etwas zurück. Dabei ging es um eine Einbrecherbande aus dem Osten Europas und wir hatten wieder erwarten nicht nur die kleinen Fische erwischt, sondern auch einige der Hintermänner. Dies erfreute nicht nur mich, sondern auch meinen Vorgesetzten Walter Klein und wir hofften beide, das diese Leute in ihren anstehenden Gerichtsverfahren zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, damit sie eine Weile aus dem Verkehr gezogen waren und Zeit hatten, über ihren weiteren Lebensweg nach zu denken. Wobei sich bei derartigen Verbrechern auch im Gefängnis die einmal gewählte Einstellung meist nicht änderte.
Während ich darüber nachdachte spielte ich, ohne es zu merken, an dem kleinem, silbernen Kreuz, das an einer Kette um meinen Hals hing. Ein Erbe meines Vaters der leider viel zu früh an einem Herzinfarkt gestorben war.
Auch er hatte es von seinem Vater bekommen und wie alt dieser Gegenstand nun wirklich war konnte niemand so genau sagen, doch es waren sicherlich schon einige Jahrhunderte. Jedenfalls trug ich ihn immer bei mir und nahm ihn höchstens zum Duschen oder Baden ab. Dann kam mir wieder der letzte Abend ins Gedächtnis und ich musste zugeben doch ein bis zweieinhalb Bier zu viel getrunken zu haben.
Nun ja es half ja alles nichts, ich musste mit meinem Vorgesetzten noch über einige Dinge reden, mich störte unter anderem das ich ständig ohne Partner auskommen musste, was mich bei dieser Einbrecher Geschichte fast das Leben gekostet hätte. Ich habe ja vollstes Verständnis dafür, das unsere Politiker mit ihren lächerlichen Gehältern nicht über die Runden kommen, nur das sie ihren Lebensstil bewahren wollten, indem sie bei uns Stellen einsparen so das ich unnötig in Lebensgefahr schwebte, ging mir dann doch entschieden zu weit.
Als ich in das Büro meines Chef marschierte, der ebenso wie ich keine Planstelle für eine Vorzimmerdame besaß, wunderte ich mich schon sehr, das er nicht da war. Mittlerweile war es mehr als eine Stunde nach Dienstbeginn und eigentlich war Walter ein über pünktlicher Mensch. Also ging ich zurück in mein Büro und tat das, was gute Beamte so tun: Ich trank meinen lauwarmen Kaffee aus und legte dabei die Beine hoch. Allerdings benutze ich auch noch, bevor der Becher leer war, mein Telefon, um meinen Chef privat in seinem Wohnhaus an zu rufen. Was mich sehr verwunderte war das zwar jemand den Hörer ab nahm, aber sich eine Stimme meldete die ich überhaupt nicht kannte. „Ja? Bei Klein.“ Mehr war nicht zu vernehmen, doch Walter war es nicht und seine Ehefrau Ramona schon mal ganz und gar nicht. Also antwortete ich mit einem freundlichen und fröhlichem „Hier ist Kriminalrat Fuhrmann. Ich hätte gern Kriminaldirektor Walter Klein gesprochen“ Am anderen Ende der Leitung räusperte sich jemand, bevor ich eine Antwort bekam. „Oh Herr Fuhrmann! Sie wissen noch gar nichts? Ich dachte man hätte sie schon informiert!“ Nun stand ich da wie doof. Informiert? Nö, hatte man nicht. Keiner hatte mich über irgend etwas informiert. Ich wusste überhaupt nichts und das ärgerte mich schon ein wenig. „Nein, sorry, aber mir wurde noch nichts mit geteilt.“ „Nun, es gab hier bei der Familie Klein einen Zwischenfall. Herr Klein ist im Krankenhaus und wird dort wohl noch einige Zeit bleiben müssen.“
Nachdem ich mich erkundigt hatte im welchen Krankenhaus Walter lag, legte ich auf und hatte es plötzlich sehr eilig meine Jacke über zu ziehen und mich auf den Weg in besagtes Krankenhaus zu machen. Das ich gar nicht nachfragte, um was für einen Zwischenfall es sich handelte, zeugte davon, wie durcheinander ich nach dieser Nachricht war. Auch die Kollegen, die mir auf dem Weg zu meinem Dienstwagen entgegenkamen merkten sicherlich, das etwas nicht stimmte, wenn sie auf ihr freundliches: „Guten Morgen.“ Als Antwort von mir nur ein unverständliches Grummeln bekamen.
Aufgrund der Tatsache, das Walter etwas außerhalb von Dortmund in einer ruhigeren Wohngegend lebte, war auch das Krankenhaus, in das er gebracht worden war, ein ganzes Stück von unserer Dienststelle entfernt. Auf dem Weg dorthin, der mir viel zu lang vor kam, überschritt ich dann auch sicherlich mehr als einmal die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Dennoch kam mir die Strecke viel zu lang vor und ich war froh, nicht auch noch lange nach einem Parkplatz suchen zu müssen, sondern den Wagen auf einem Stellplatz, der zum Krankenhaus gehörte und genügend freie Flächen bot, abstellen zu können. Dann verließ ich den Wagen und schritt relativ zügig auf den Eingang zu und dann hindurch, um mich an der Information, die sich mitten in der großen Eingangshalle befand, zu erkundigen, auf welche Etage und zu welchem Zimmer ich musste.
Eine nette und sehr junge Dame gab mir mit freundlicher Stimme die gewünschten Auskünfte und da ich nur eine Etage nach oben musste, nahm ich kurzerhand die breite Treppe, anstatt erst noch auf einen der Aufzüge zu warten. Nach einer kurzen Diskussion mit der Stationsschwester, die mir das Versprechen abnahm, Walter nicht übermäßig auf zu regen, stand ich dann endlich in seinem Krankenzimmer und konnte es immer noch nicht so wirklich fassen. Ich fragte mich was wohl passiert war, wie dies alles geschehen konnte? Wo wir uns doch gestern, nach Dienstschluss, noch ganz normal wie fast jeden Abend verabschiedet hatten. Und nun stand ich hier und Walter lag vor mir im Krankenbett und sah einfach nur bescheiden aus mit dem Pflaster auf der Nase und dem weißen Verband, den man um seinen Kopf gewickelt hatte.
„Hallo Walter, was ist passiert?“ Fragte ich mit leiser Stimme. „Mike?“ Ich war erstaunt wie schlecht er sich anhörte, dieser Mann zu dem ich immer aufgesehen hatte, war aber gleichzeitig auch froh, das er mich wenigstens erkannt hatte. „Ja ich bin es, was genau ist passiert?“ „Du wirst es mir nicht glauben...“ Sagte er mit schwacher Stimme. Und dann hörte ich seine Geschichte, die mindestens so unglaublich wie auch kurz war.
Trotzdem lies er keine Kleinigkeit aus und erzählte alles genau so, wie er es erlebt hatte. Als er fertig war, schaute er mich fragend an, doch ich konnte nicht sofort antworten. Nein, ich konnte es nicht glauben, was ich da von ihm hörte! Ein Mensch, auf den er mehrmals geschossen hatte und der einfach weiter lief als ob nichts geschehen wäre, anstatt Blut überströmt zusammen zu brechen? Und der dann noch die Kraft besaß, ihn K.O. zu schlagen? Wirklich unglaublich! „Mike? Sag doch bitte etwas. Ich weiß nicht was ich noch denken soll. Bin ich verrückt? Habe ich eventuell Ramona getötet und mir dann diese verrückte Geschichte ausgedacht, von der ich jetzt selber glaube, sie wäre wahr? Ich weiß gar nichts mehr, aber ich bin mir sicher, das ich gesehen habe was ich dir sagte, auch wenn es unmöglich oder unglaublich klingt.“
Nachdenklich sah ich ihn an, bevor ich antwortete. „Nun, zunächst einmal glaube ich nicht das du verrückt bist und schon gar nicht, das du etwas mit dem Tod deiner Frau zu tun hast. Ich kenne dich immerhin nicht erst seit gestern! Das es mir aber schwerfällt zu glauben was du da erzählst kannst du sicher auch verstehen oder?“ Er schaute mir direkt in die Augen und meinte: „ Ja. Sicher verstehe ich das, sehr gut sogar, aber du musst mir trotzdem etwas versprechen: Untersuche den Fall, wir haben sonst nichts wichtiges liegen und du bist der beste Ermittler den ich persöhnlich kenne. Bitte versprich es mir. Versprich mir, das du alles tun wirst um diesen Mörder zu erwischen!“ Tja, was sollte ich sagen? Mir kam nichts anderes als ein: „Ja das werde ich tun.“ Über die Lippen.
Mittlerweile war es Mittag geworden. Wie in Trance war ich den Weg aus dem Krankenzimmer zurück zum Parkplatz gegangen, dabei nur am Rande wahrnehmend das nach dem gestrigen Sturm heute ein wirklich schöner Tag mit strahlendem Sonnenschein war. Die Leute gingen gut gelaunt ihren alltäglichen Pflichten nach, oder aber einfach nur ein wenig spazieren, um den Sonnenschein zu genießen, auf den sie schon viel zu lange verzichten mussten. Als ich wieder in meinem Dienstwagen, ein Zivilfahrzeug des bekannten, Bayrischen Autobauers, saß, hatte ich trotz allem leichten Hunger bekommen und war fast automatisch den kurzen Weg vom Krankenhaus zu meinem Lieblings Pizza Lieferanten gefahren. Es war zwar nur ein kleiner Laden, schräg gegenüber eines
Discounter's, bei dem ich des öfteren bestellte, wenn ich Mittags nicht aus dem Büro kam, oder aber Abends zu Hause noch Hunger verspürte und keine Zeit, beziehungsweise Lust hatte, noch großartig etwas zu zu bereiten. Doch es gab dort auch einige Sitzplätze, so das man das Gericht seiner Wahl auch direkt im Laden essen konnte. An einem dieser Plätze saß ich nun, knabberte lustlos an meiner Salami Pizza, die wie immer erstklassig schmeckte und dachte über das Gespräch mit Walter nach.
Noch immer konnte ich nicht so recht fassen, das Ramona Klein Tod war. Zwar kannte ich sie nicht so gut wie Walter, ihren Ehemann, aber dennoch hatten wir uns das eine oder andere mal bei gewissen Anlässen getroffen und sie war mir, ebenso wie Walter, mein Vorgesetzter, gleich sympathisch gewesen. Außerdem machte ich mir Sorgen um Walter. Wie würde er den Tod seiner Frau verkraften? Dieses brutale Ende des Menschen, mit dem er viele Jahrzehnte seines Lebens verbrachte! Bei unserem Gespräch eben hatte er zumindest keinen guten Eindruck gemacht und ich war mir sicher, das dies nicht nur an dem Faustschlag lag, den er ab bekommen hatte.
Nun, es half ja alles nichts. Ich hatte ihm versprochen mich um den Fall zu kümmern und auch wenn die Kollegen der Mordkommission nicht eben begeistert sein würden, so würde ich dies auch tun. Da ich nicht wollte, das jemand etwas von den Gesprächen mit bekam, verließ ich die Pizzeria, obwohl noch mehr als die Hälfte meiner Pizza auf dem Teller lag, so das ich mir einen bösen Blick des Betreibers einhandelte, der hinter der Theke stand und bediente und setzte mich in meinen Wagen, den ich direkt vor dem Laden abgestellt hatte.
Nach einigen Telefonaten wusste ich nicht wirklich mehr als vorher und war deswegen schon sehr enttäuscht, obwohl in Anbetracht des zeitlichen Rahmens eigentlich damit zu rechnen war. Der Kollege, der den Fall bearbeitete, war ein fähiger und guter Mann, wie ich aus der Vergangenheit wusste. Trotzdem tappte er noch vollkommen im Dunkeln, vermutete lediglich, das es ein schief gelaufener Einbruch oder Raub gewesen sein könnte, oder aber es mit der Arbeit von Walter Klein zu tun hat. Schließlich hatte dieser sich in seiner langjährigen Polizisten Laufbahn nicht nur Freunde gemacht. Nun wenigstens hatte der Kollege nichts dagegen, das ich ebenfalls in dem Fall ermittelte und er versprach mir, mich zu informieren, sobald er Neuigkeiten hat. Das war zwar nicht viel, aber besser als gar nichts.
Danach rief ich noch bei der Spurensicherung an und erfuhr, das sie noch dabei waren Spuren zu sichern, man bisher aber, abgesehen von dem Stück eines Blattes, das definitiv nicht zu einem der Bäume und Büsche im Garten des Hauses, beziehungsweise der näheren Umgebung gehörte, nichts weiter gefunden hatte. Als ich auch dieses Gespräch beendete, natürlich nicht ohne mir auch von den Jungs der Spurensicherung versichern zu lassen, das ich informiert wurde wenn sich etwas neues ergab, schaute ich kurz auf die Uhr und stellte fest, das es sich nicht mehr wirklich lohnen würde, noch einmal ins Büro zurück zu kehren. Na gut, ich hatte auch keine große Lust dazu. In dem Fall würde ich dort jedenfalls auch nicht weiter kommen, so das ich eben so gut nach Haus fahren und dort auf eventuelle Neuigkeiten warten konnte.
Also startete ich den Wagen und fuhr in Richtung Wohnung, wobei ich mich nicht einmal darüber ärgerte, von dem sonnigen Tag heute so gut wie nichts mitbekommen zu haben. Dazu regte mich die ganze Sache einfach zu sehr auf und ich fragte mich immer wieder, ob die Wahrnehmungen, die Walter mir schilderte, wirklich der Wahrheit entsprechen konnten. Eigentlich nicht, denn selbst ein mit Drogen voll gepumpter Mensch würde nicht einfach weiterlaufen, nachdem ihn vier Kugeln erwischten. Es war und blieb einfach unfassbar.
Einsam und dunkel war es hier in diesem Wald, durch den sich die große und unheimliche Gestalt vorsichtig bewegte. Der Vampir dachte an die gestrige Nacht. Es war eigentlich alles gut gelaufen für ihn, bis zu dem Zeitpunkt, als der Ehemann seines Opfers plötzlich im Zimmer erschienen war. Noch immer überlegte er ob es nicht besser gewesen wäre, den Mann ebenfalls zu töten und zu seiner leblosen Ehefrau in den Kamin zu werfen.
Dann würde es jetzt keinen Zeugen für seine Tat geben. Doch nun war es dafür zu spät. Nun gab es einen Zeugen, der auch noch mitbekommen haben musste, das er kein einfacher Mörder war. Der andere hatte auf ihn geschossen und mit großer Sicherheit auch gesehen, das er getroffen hatte ohne damit ein Ergebnis zu erzielen.
Vampire fielen nun mal nicht tot um, nur weil ein paar Bleikugeln in ihren Körper eindrangen. Schließlich war er ja schon lange tot. Wie gesagt, jetzt war es zu spät um noch etwas zu ändern und er musste sich darauf konzentrieren ein neues Opfer zu finden. Also brachte es nichts, noch weiter über die vergangene Nacht nach zu grübeln. Jetzt galt es, ein neues Opfer zu finden, an dem er seinen Blutdurst stillen konnte. Und diesmal würde er auf gar keinen Fall Zeugen hinterlassen, das stand für ihn fest!
Nachdem er gestern die Haustür durchbrochen hatte, war er auf dem schnellsten Weg zu seinem Versteck zurück gekehrt. Ein relativ einsam stehendes Gebäude zwischen Eving und Brechten, an das der kleine und dunkle Wald durch den er sich jetzt bewegte, anschließt. Unten im Keller des Hauses stand der alte Sarg, der aus dunkel gestrichenem Eichenholz bestand und in dem er auch den Tag verbracht und auf die Dunkelheit gewartet hatte. Tagsüber war er schließlich sehr geschwächt und das Sonnenlicht konnte ihn sogar vernichten, wenn er ihm zu lange ausgesetzt war. So blieb ihm auch keine großartige Wahl, als diese Zeit über in dem Keller zu verbringen und auf die nächste Nacht zu warten. Denn dann kam die Kraft zurück in seinen Körper und er war wieder in der Lage ohne Schwierigkeiten einen oder gar mehrere Menschen zu überwältigen.
Und nun lief er wieder durch die Dunkelheit, um ein neues Opfer, dem er das Blut aus saugen konnte, zu finden. Wo er diese fand, wusste er sehr genau.
Schließlich war er schon lange genug ein Blutsauger und kannte sein Revier seit Ewigkeiten. Er wollte heute sein Glück in einer der vielen kleineren Straßen probieren, die von Eving aus an dem Wald anschlossen und wo viele Gärten der Häuser, meist kleine Mehrfamilienhäuser, direkt an den Wald anschlossen. Die Gegend kannte er gut und wusste daher, das es dort nach Einbruch der Dunkelheit sehr ruhig war und ihm wahrscheinlich kaum oder gar keine Menschen begegnen würden, außer natürlich in den Gebäuden!Heute war ein sehr warmer Tag gewesen, das spürte der Vampir auch jetzt, zu so fortgeschrittener Stunde noch. Wenn auch ganz anders als die Menschen. Auf eine andere Art und Weise, denn Kalt oder Warm war ihm selbstverständlich nicht. So etwas spürte er genau so wenig, wie zum Beispiel den Schmerz. Ausgenommen vielleicht, wenn er Knoblauch oder gar einem Kreuz zu nahe kam, doch das kam beinahe nicht vor. Schließlich war er vorsichtig.
Plötzlich blieb er stehen, denn er hatte den Waldrand erreicht und überlegte, wie er weiter gehen sollte. Schließlich konnte er sich nun nach rechts wenden und somit tiefer in den Wald hinein, oder aber nach links, was bedeuten würde, das er seinen Weg auf den kleinen, ruhigen Nebenstraßen des Stadtteils Eving fortsetzen musste. Oder aber, als dritte Möglichkeit, er lief weiterhin geradeaus, zwar noch im Schutz des Waldes, aber nah an den Wohnhäusern entlang. Nach kurzer Zeit entschied er sich dafür, weiterhin im Schutz der Bäume durch den finsteren Wald zu schleichen und von da aus auf seinem Weg an der Rückseite der Häuser entlang nach einem geeigneten Opfer Ausschau zu halten.
Obwohl es den Tag über für diese Jahreszeit sehr schön und auch warm gewesen war, kam ihm bisher kein Spaziergänger entgegen, obwohl dieser Wald durchaus beliebt war und für allem von Hundebesitzern oft genutzt wurde. So konnte er seinen Weg ungesehen fortsetzen.
Nach einigen hundert Metern stoppte er abermals, denn er hatte etwas gesehen. Einen Lichtschein, der aus einer kleinen Laube in einem der Gärten drang hatte ihn aufmerksam werden lassen. Noch vorsichtiger als vorher schlich er näher und stellte fest, das auch leise Geräusche aus der Laube zu ihm drangen. Dort war jemand! Ein passendes Opfer für ihn? Um das fest zu stellen musste er noch näher heran. Der kleine Jägerzaun der das Grundstück zum Wald hin abtrennte war kein Hindernis für ihn. Vorsichtig und leise kletterte er über den Zaun hinweg und bewegte sich dann weiter auf die Gartenlaube zu. Da die Laube an einer Seite ein kleines Fenster besaß, schlich der Vampir darauf zu und spähte hinein. Er sah einen alten, grauhaarigen Mann, bestimmt schon über sechzig Jahre alt, der in einem grauen Kittel an einer alten Kabeltrommel herum bastelte. Okay, der Mann war schon alt, aber mit Blut. Mit frischem Blut gefüllt! Das wollte er haben, also bewegte er sich geschmeidig und schnell um die Laube herum, um in die Nähe der Tür zu gelangen...
Gerade als er die Tür vorsichtig öffnen wollte, schwang sie ihm entgegen, denn der Mann kam genau in diesem Augenblick aus der Laube heraus. Blitzschnell erfasste der Vampir die neue Situation und schlug die Tür sehr heftig und hart wieder zu. Das der Mann nicht mehr rechtzeitig reagierte, merkte der Vampir nicht allein an dem lauten Fluch, den der Mann noch ausstieß, sondern auch an dem heftigen Schlag den die Tür bekam, als sie gegen den alten Mann prallte und diesen wieder zurück in die Laube beförderte. Sein Opfer lag noch nicht am Boden, als der Vampir die Tür schon wieder geöffnet hatte und durch den Spalt geschlüpft war. Als der Mann dann durch den Zusammenstoß mit der Türe zu Boden fiel, saß er auch schon auf seinem Opfer, das sich gerade wieder erheben wollte. Ein brutaler Schlag in das Gesicht des Mannes machte diese Bemühungen zu Nichte, denn durch den Schlag schlug der Kopf heftig und hart auf den Betonfußboden und eine gnädige Bewusstlosigkeit war die Folge. So bekam der Alte nicht mehr mit, wie der Vampir den Kopf drehte um die Schlagader am Hals in die perfekte Position zu bringen und danach seine langen Hauer in den Hals schlug um genüsslich das Blut zu trinken.
Nachdem er seinen Durst gestillt hatte und die schlürfenden und saugenden Geräusche aufhörten, stand der Vampir langsam auf und schaute sich in der Laube um. Denn auch jetzt dachte er wieder daran seine Spuren so gut wie möglich zu verwischen, um nicht Gefahr zu laufen, das ihm jemand auf die Schliche kam. Als er den roten Kanister mit dem Benzin, höchst wahrscheinlich für den Rasenmäher gedacht, sah, dachte er sich, das Feuer eigentlich immer gut geeignet war um eventuelle Spuren zu verschleiern. Nachdem er den Inhalt des fünf Liter Kanisters auf dem Mann und in seiner unmittelbaren Umgebung verteilt hatte, zündete er eins der Streichhölzer, die er ebenfalls auf einem der Regale gefunden hatte, an und warf es von der Tür aus auf das verteilte Benzin.
Obwohl sich in dem Kanister höchstens noch ein bis zwei Liter befunden hatten, gab es eine große Stichflamme als das Streichholz die Flüssigkeit in Brand setzte und sein neuestes Opfer stand sofort Lichterloh in hellen Flammen. Nach einem zufriedenen letztem Blick beeilte er sich, von der Gartenlaube weg, aus dem Garten wieder in den Wald gelangen, um dort zu verschwinden, bevor jemand auf ihn oder das Feuer aufmerksam wurde. Der kleine Jägerzaun war eben so schnell überwunden wie auf dem Hinweg und so schluckte ihn schon nach wenigen Augenblicken die Dunkelheit des Waldgebietes. Als er dann durch den Wald wieder zurück zu seinem Versteck ging, war er nicht nur gesättigt, sondern auch zufrieden, denn diesmal war alles perfekt gelaufen. Schnell erreichte er dann sein Versteck wieder und öffnete die Tür des einsam stehenden Hauses. Dann ging er hinunter in den Keller, wo auch der Sarg stand. Licht brauchte er nicht, er fand auch in der Finsternis seinen Weg. Satt und zufrieden legte er sich dann wieder zurück in seinen Sarg, um auf die nächste Nacht zu warten. Dann würde er sich wieder ein neues Opfer suchen. Eines mit frischen, warmen Lebenssaft und er würde auch dessen Blut trinken. Mit einem leichten lächeln im Gesicht schloss er den Deckel des Sargs.
Der gestrige Tag hatte leider nichts neues mehr ergeben. Nachdem ich zu Hause angekommen war und geduscht hatte, rief ich noch kurz im Krankenhaus an, um mich noch einmal nach Walter's Gesundheitszustand zu erkundigen. Man erklärte mir, das er nach einer neuerlichen Dosis Beruhigungsmitteln nun friedlich schlief, sein körperlicher Zustand wäre aber, abgesehen von einer leichten Gehirnerschütterung, die er sich wohl beim Fall auf den harten Boden zugezogen hatte, okay.
Wie es in seinem Innern aussah, wusste wohl nur er selbst. Doch ich war mir sicher, das ihm der Tod seiner Frau und die ungewöhnlichen Umstände, die damit zu tun hatten, schwer zu schaffen machten. Nach dem Telefonat hatte ich es mir vor dem Fernseher gemütlich gemacht und war von dem geistigen Durchfall der den Menschen dort größtenteils präsentiert wurde, nach nur wenigen Stunden so ermüdet, das ich trotz der vielen wirren Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, einschlief.
Obwohl ich mir den Wecker nicht gestellt hatte, wurde ich von ganz allein morgens um kurz nach fünf wieder wach. Da war wohl die innere Uhr aktiv, oder aber es lag einfach daran, das auch mich die ganze Sache schwer beschäftigte. Und das sogar bis in meine Träume hinein. Nach der Nacht auf der Couch spürte ich meine Knochen doch mehr als sonst und gönnte mir erst einmal eine warme Dusche, die die entsprechenden Bereiche ein wenig lösen sollte. Ich war froh, das das warme Wasser aus dem Duschkopf tatsächlich dafür sorgte, das sich die kleinen Verspannungen lösten. Nach dem abtrocknen viel mein Blick in den Spiegel und zwangsläufig auch auf das kleine Kreuz das an der Kette um meinen Hals baumelte. Ich war nie ein sehr gläubiger Mensch gewesen, ging nicht regelmäßig in die Kirche oder Beichtete immer gleich jede Sünde, aber nach dem frühen Tod meines Vaters hatte ich dieses Kreuz, das schon ihm sehr viel bedeutete, immer bei mir und legte die Kette nur ganz selten einmal ab.
