Winter People - Wer die Toten weckt - Jennifer McMahon - E-Book
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Beschreibung

Durch einen grausamen Mord verliert Sara ihre kleine Tochter Gertie. Ein Brief mit einem uralten Geheimnis hilft ihr, Gertie von den Toten zurückzuholen — für sieben Tage, in denen sie von ihrem geliebten Kind Abschied nehmen kann. Doch sie ahnt nicht, worauf sie sich einlässt. Denn manchmal finden die Toten nicht zurück. Und das Grauen hält Einzug in die Wälder von Vermont ...

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EPUB

Seitenzahl:470


Das Buch

West Hall, Vermont, 1908: Sara Harrison Shea und ihr Mann Martin leben mit ihrer 7-jährigen Tochter Gertie auf einer Farm am Waldrand. Obwohl das Land schwer zu bestellen ist und als verflucht gilt, ist die Familie glücklich. Bis Gertie ermordet wird. Sara ist außer sich vor Trauer, doch Auntie weiß, wie man Tote zum Leben erweckt …

West Hall, Vermont, in der Gegenwart: Die 19-jährige Ruthie und ihre kleine Schwester Fawn suchen verzweifelt nach ihrer Mutter, die spurlos verschwunden ist. Dabei entdecken sie rätselhafte Hinweise auf eine grauenvolle Tragödie, die sich vor langer Zeit in dem Haus abgespielt hat, in dem sie nun wohnen. Welche Rolle spielt das Tagebuch von Sara Harrison Shea, das sie finden?

Die Antwort liegt in den verfluchten Wäldern Vermonts, nahe der berüchtigten »Teufelshand«. Wo Trauernde alles riskieren, um einen geliebten Menschen zurückzuholen – und alle anderen versuchen, die Ihren vor dem Grauen zu schützen, das durch die Wälder streift ...

Durch einen grausamen Mord verliert Sara ihre kleine Tochter Gertie. Ein Brief mit einem uralten Geheimnis hilft ihr, Gertie von den Toten zurückzuholen – für sieben Tage, in denen sie von ihrem geliebten Kind Abschied nehmen kann. Doch sie ahnt nicht, worauf sie sich einlässt. Denn manchmal finden die Toten nicht zurück in ihre Welt. Und das Grauen hält Einzug in die Wälder von Vermont ...

Die Autorin

Jennifer McMahon wuchs in Connecticut auf und schrieb schon als Kind Kurzgeschichten. Bevor sie sich völlig dem Schreiben von Romanen widmete, war sie in der Betreuung seelisch kranker Kinder und Erwachsener tätig. Die Autorin lebt mit ihrem Freund und der gemeinsamen Tochter in Vermont.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.jennifer-mcmahon.com

Jennifer McMahon

Winter People –Wer die Toten weckt

Thriller

Aus dem Amerikanischen von Sybille Uplegger

Ullstein

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Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Winter People(Doubleday, a Division of Random House LLC, New York)

ISBN978-3-8437-0737-4

Deutsche Erstausgabe im Ullstein Taschenbuch1. Auflage April 2014© für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2014© 2014 by Jennifer McMahonUmschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, MünchenTitelabbildung: © Abi Symons/Arcangel Images; © Margie Hurwich/Arcangel Images; © Darin Stoyanov/Arcangel Images; FinePic®, München

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden

eBook: Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin

Für Zella.

Weil du eines Tages ein sehr unheimliches Spiel

mit mir spielen wolltest, über zwei Schwestern,

deren Eltern im Wald verschwunden waren …

»So was kann passieren.«

Frage: Begrab mich

Unter Erd und Stein,

Und doch wirst nimmer

Los mich sein.

Was bin ich?

Antwort: die Erinnerung

Volkstümliches Rätsel

Besucher von der anderen SeiteDas geheime Tagebuch der Sara Harrison Shea

Aus einem Vorwort der Herausgeberin Amelia Larkin

Meine geliebte Tante Sara Harrison Shea wurde im Frühling des Jahres 1908 brutal ermordet. Sie war einunddreißig Jahre alt.

Kurz nach ihrem Tod sammelte ich alle von ihr verfassten Tagebucheinträge und Notizen, soweit ich ihrer habhaft werden konnte. Ich barg sie aus Dutzenden über das ganze Haus verteilter, geschickt ausgewählter Geheimverstecke. Meine Tante war sich der Gefahr bewusst gewesen, die diese Aufzeichnungen für sie bedeuteten.

Innerhalb des nächsten Jahres machte ich es mir zur Aufgabe, die Einträge zu ordnen und zu einem Buch zusammenzufassen. Ich ging ganz in dieser Arbeit auf, hatte ich doch rasch erkannt, dass der Inhalt dieser Seiten imstande war, alles zu verändern, was wir über Leben und Tod zu wissen glaubten.

Ferner wage ich die Behauptung, dass die wichtigsten Eintragungen, diejenigen mit den erschütterndsten Geheimnissen und Enthüllungen, auf den letzten Seiten ihres Tagebuchs zu finden waren, da sie sie nur wenige Stunden vor ihrem Tod verfasst hatte.

Von diesen Seiten fehlt bislang jede Spur.

Bei der Transkription der Einträge habe ich mir keinerlei Freiheiten erlaubt; sie sind von mir in keiner Weise ausgeschmückt oder verändert worden. So unglaublich die Geschichte meiner Tante auch klingen mag, ich bin überzeugt, dass es sich dabei um Tatsachen handelt, nicht um Erdachtes. Entgegen der allgemeinen Auffassung war meine Tante bei klarem Verstand.

1908

Besucher von der anderen SeiteDas geheime Tagebuch der Sara Harrison Shea

29. Januar 1908

Als ich zum ersten Mal eine Schlafende sah, war ich neun Jahre alt.

Es war das Frühjahr bevor Papa Auntie fortschickte und bevor wir meinen Bruder Jacob verloren. Meine Schwester Caroline hatte im Herbst geheiratet und war nach Graniteville gezogen.

Ich durchstreifte den Wald nahe der Teufelshand, wo Papa uns zu spielen verboten hatte. Die Bäume hatten ausgeschlagen, und ihr Laub bildete einen üppig grünen Baldachin über mir. Die Erde war warm von der Sonne, und der feuchte Wald roch satt nach Lehm. Hier und dort blühten unter Buchen, Vogelaugenahorn und Birken die ersten Frühlingsblumen: Waldlilien, Hundszahn und meine Lieblingsblume, der dreiblättrige Feuerkolben – eine drollige kleine Pflanze mit einem Geheimnis: Wenn man die gestreifte Blattkapuze anhob, kam darunter der Blütenstand zum Vorschein. Auntie hatte es mir gezeigt und mir gesagt, dass man die Wurzelknollen ausgraben und wie Rüben kochen könne. Ich hatte gerade eine dieser Pflanzen entdeckt und zog das Hüllblatt zurück, um mir den im Kelch verborgenen Blütenstand anzusehen, als ich langsame, gleichmäßige Schritte in meine Richtung kommen hörte, Füße, die sich schwerfällig durchs trockene Laub schoben und gegen Wurzeln stießen. Ich wollte davonlaufen, war jedoch vor Angst wie gelähmt und kauerte mich hinter einen Stein. Gleich darauf kam eine Gestalt auf die Lichtung.

Ich erkannte sie sofort – Hester Jameson.

Sie war zwei Wochen zuvor an Typhus gestorben. Ich war gemeinsam mit Papa und Jacob auf ihrer Beerdigung gewesen und hatte gesehen, wie sie auf dem Friedhof hinter der Kirche oben bei der Moosbeerenwiese in die Erde gelegt worden war. Die ganze Schule war gekommen, und alle hatten ihren besten Sonntagsstaat an.

Hesters Vater Erwin war der Besitzer von Jamesons Sattelzeug und Futtermittel in der River Street. Er trug eine schwarze Jacke mit blank gewetzten Ärmeln, und seine rote Nase glänzte feucht. Neben ihm stand seine füllige Frau Cora, die in der Stadt ein Schneideratelier hatte. Cora Jameson schluchzte in ein Spitzentaschentuch, und ihr ganzer Körper zitterte und bebte dabei.

Es war nicht mein erstes Begräbnis, doch nie zuvor hatte ich gesehen, wie jemand beerdigt wurde, der im selben Alter war wie ich. Für gewöhnlich waren es die sehr Alten oder sehr Jungen, die starben. Ich konnte den Blick nicht von ihrem Sarg abwenden, der genau die passende Größe für ein Mädchen wie mich hatte. Ich starrte die schmucklose Holzkiste an und fragte mich, wie es sich wohl anfühlen mochte, darin zu liegen. Davon wurde mir ganz benommen zumute, was Papa gemerkt haben musste, denn er nahm meine Hand, drückte sie und zog mich an sich.

Reverend Ayers, damals noch ein junger Mann, erklärte, dass Hester nun bei den Engeln wohne. Unser alter Priester Reverend Phelps hatte einen Buckel gehabt und war halb taub gewesen, und von seinen Predigten hatte ich nie ein Wort verstanden – sie waren voller furchterregender Metaphern über Sünde und Erlösung gewesen. Doch wenn Reverend Ayers mit seinen strahlend blauen Augen sprach, hatte ich das Gefühl, als wäre jedes einzelne seiner Worte allein an mich gerichtet.

»Ich bin der, der euch Kraft schenkt. Ich habe euch erschaffen, und ich werde euch tragen. Ich werde euch stützen, und ich werde euch erretten.«

Zum ersten Mal begriff ich das Wort Gottes, weil es aus Reverend Ayers’ Mund kam. Seine Stimme, behaupteten die Mädchen, könne selbst den leibhaftigen Satan besänftigen.

Ein Rotschulterstärling rief sein konk-a-riih von einem Haselstrauch unweit der Grabstelle. Er plusterte sein Gefieder auf und ließ seinen Ruf wieder und wieder erklingen, so laut er konnte. Sein Gesang war beinahe hypnotisch – selbst Reverend Ayers hielt kurz inne und blickte sich nach ihm um.

Mrs Jameson sank laut weinend auf die Knie. Mr Jameson versuchte sie hochzuziehen, doch ihm fehlte die Kraft.

Ich stand ganz dicht bei Papa und hielt seine Hand, während Erde auf den Sarg der armen Hester Jameson geschaufelt wurde. Sie war in meiner Klasse gewesen. Hester hatte einen schiefen Schneidezahn gehabt, aber dafür ein wunderhübsches zartes Gesicht. Und sie war die Klassenbeste in Arithmetik gewesen. Einmal hatte sie mir zu meinem Geburtstag eine Karte mit einer gepressten Blume darin geschenkt. Ein getrocknetes, perfekt erhaltenes Veilchen. Möge dieser Tag so einzigartig sein, wie Du es bist, hatte sie in gestochener Schönschrift auf die Karte geschrieben. Ich hatte die Blume in meine Bibel gelegt, und dort war sie jahrelang geblieben, bis sie irgendwann zerbröselte oder herausfiel, ich weiß es nicht mehr.

Und nun, wenige Wochen später, entdeckte mich die Schlafende Hester dort oben im Wald, während ich mich hinter meinen Stein duckte. Ich werde nie den Blick ihrer Augen vergessen – es war der verängstigte, halb erkennende Blick eines Menschen, der aus einem schrecklichen Traum erwacht ist.

Ich hatte von den Schlafenden gehört; es gab sogar ein Spiel, das wir manchmal auf dem Schulhof spielten. Dabei musste sich ein Kind als Tote in einen Kreis aus Veilchen und Vergissmeinnicht legen, die die anderen Kinder gepflückt hatten. Dann beugte sich jemand zu dem toten Mädchen herunter und flüsterte ihm Zauberworte ins Ohr, woraufhin es aufsprang und die anderen Kinder zu fangen versuchte. Diejenige, die zuerst gefangen wurde, musste als Nächste sterben.

Ich glaube, ich habe dieses Spiel sogar einmal mit Hester Jameson gespielt.

Ich hatte das Gerede gehört, die Gerüchte über Schlafende, die angeblich von ihren trauernden Ehemännern oder -frauen aus dem Land der Toten zurückgerufen worden waren. Allerdings war ich überzeugt davon, dass sie allein in den Geschichten existierten, die alte Frauen einander beim Wäschefalten oder Sockenstopfen erzählten – als Zeitvertreib und um dafür zu sorgen, dass neugierige Kinder vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause eilten.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mir ganz sicher gewesen, dass Gott in seiner unendlichen Weisheit eine solche Abscheulichkeit niemals zugelassen hätte.

Hester stand keine zehn Fuß von mir entfernt. Ihr blaues Kleid war fleckig und zerrissen, ihr helles Haar struppig wie Maisgrannen. Sie verströmte den dumpfen Geruch nasser Erde, doch da war noch etwas anderes, ein beißender, öliger Brandgeruch – etwa so, wie wenn man eine Talgkerze ausbläst.

Unsere Blicke trafen sich, und ich wollte etwas sagen, ihren Namen rufen, doch alles, was mir über die Lippen kam, war ein ersticktes Hss.

Hester floh in den Wald zurück wie ein aufgescheuchter Hase. Ich vermochte mich nicht zu rühren und drückte mich kläglich an meinen Stein wie eine Flechte.

Kurz darauf kam auf dem Pfad, der zur Teufelshand hinaufführte, eine zweite Gestalt gelaufen, die Hesters Namen rief.

Es war Cora Jameson, ihre Mutter.

Als sie mich sah, blieb sie stehen. Ihre Wangen glühten, ihre Miene war verzweifelt. Sie hatte Kratzer im Gesicht und an den Armen. Blätter und Zweige hatten sich in ihrem Haar verfangen.

»Sag niemandem etwas davon«, keuchte sie atemlos.

»Aber warum?«, fragte ich und kam hinter meinem Stein hervor.

Sie blickte mir geradewegs ins Gesicht, ja fast durch mich hindurch, als wäre ich eine Fensterscheibe voller Schlieren. »Eines Tages, Sara«, sagte sie, »wirst du vielleicht einen Menschen so sehr lieben, dass du es verstehst.«

Dann hastete sie weiter, in den Wald hinein, der Schlafenden hinterher.

Später erzählte ich Auntie davon.

»Ist das wirklich möglich?«, wollte ich von ihr wissen. »Jemanden wieder lebendig zu machen?«

Wir waren unten am Fluss und pflückten Farnspitzen. Wie jedes Frühjahr füllten wir Aunties Korb mit den noch eingerollten Trieben, um aus ihnen zu Hause mit verschiedenen wilden Gemüsen und Kräutern, die Auntie unterwegs sammelte, eine dicke Suppe zu kochen. Außerdem wollten wir nach den Fallen sehen – zwei Tage zuvor hatte Auntie einen Biber gefangen, und nun hoffte sie auf einen zweiten. Biberpelze waren kostbar, und man erzielte gute Preise für sie. Einst seien die Biber fast so zahlreich gewesen wie Eichhörnchen, hatte Auntie mir erklärt, doch Fallensteller hätten die Tiere beinahe ausgerottet.

Buckshot begleitete uns, die Nase am Boden, die Ohren auf jeden Laut horchend. Ich wusste nicht, ob er ganz oder nur zur Hälfte Wolf war. Auntie hatte ihn als Welpen gefunden. Jemand hatte ihn angeschossen, und er war in eine ihrer Fallgruben gestürzt. Sie hatte ihn mit zu sich nach Hause genommen, den groben Schrot aus seinem Fleisch entfernt, seine Wunden versorgt und ihn gesund gepflegt. Seitdem wich er ihr nicht von der Seite.

»Es war sein Glück, dass du ihn gefunden hast«, hatte ich gesagt, nachdem ich die Geschichte zum ersten Mal gehört hatte.

»Mit Glück hatte es nichts zu tun«, hatte Auntie mir widersprochen. »Er und ich waren füreinander bestimmt.«

Bei keinem anderen Hund – überhaupt bei keinem Tier – habe ich jemals solche Treue erlebt. Seine Wunden waren verheilt, doch das Schrot hatte sein rechtes Auge verletzt, so dass es nun blind und milchig weiß war. Sein Geisterauge, wie Auntie es nannte.

»Er war dem Tod so nahe, dass er mit einem Auge immer noch dort ist«, erklärte sie. Ich liebte Buckshot, hasste jedoch dieses milchweiße Mondauge, das alles und gleichzeitig nichts zu sehen schien.

Auntie und ich waren nicht blutsverwandt, doch sie hatte sich meiner angenommen und mich großgezogen, nachdem meine Mutter bei meiner Geburt gestorben war. Ich hatte keinerlei Erinnerungen an meine Mutter – die einzigen Beweise ihrer Existenz waren das Hochzeitsfoto meiner Eltern, die Erzählungen meiner älteren Geschwister und der von ihr genähte Quilt, unter dem ich Nacht für Nacht schlief.

Mein Bruder sagte mir, dass ich das Lachen meiner Mutter geerbt hätte. Meine Schwester meinte, Mutter sei einst die beste Tänzerin im County gewesen, und alle Mädchen hätten sie beneidet.

Aunties Familie kam aus dem Norden, aus Quebec. Ihr Vater war Fallensteller gewesen, ihre Mutter eine Inuit.

Auntie hatte stets ein Jagdmesser bei sich und trug einen langen Mantel aus Rehfell, der mit bunten Perlen und Stachelschweinstacheln verziert war. Sie sprach Französisch und sang Lieder in einer Sprache, von der ich nie herausfand, welche es war. Am rechten Zeigefinger trug sie einen aus vergilbtem Bein geschnitzten Ring.

»Was steht da?«, fragte ich sie einmal und berührte die eingeritzten Buchstaben und Symbole auf dem Ring.

»Dass das Leben ein Kreis ist«, antwortete sie.

Die Leute im Ort fürchteten sich vor Auntie, doch ihre Furcht hielt sie nicht davon ab, den ausgetretenen Pfad zu ihrer Waldhütte draußen hinter der Teufelshand hinaufzusteigen und ihr Geldmünzen, Honig und Whiskey zu bringen – was immer sich gegen ihre Arzneien eintauschen ließ. Auntie hatte Tropfen gegen die Kolik, Tee gegen Fieber, sogar ein kleines blaues Fläschchen, von dem sie schwor, es enthalte einen Trank, der so stark sei, dass ein einziger Tropfen davon einem Menschen jeden Herzenswunsch erfüllen könne. Ich besaß genug Verstand, nicht an ihren Worten zu zweifeln.

Ich wusste noch einige andere Dinge über Auntie. Ich hatte gesehen, wie sie im Morgengrauen aus Papas Schlafzimmer geschlüpft war; hatte die Geräusche gehört, die durch seine verschlossene Tür drangen, wann immer sie ihn dort besuchte.

Ich wusste auch, dass es nicht klug war, sie zu reizen. Sie besaß ein aufbrausendes Temperament und hatte wenig Nachsicht mit jenen, die anderer Meinung waren als sie. Weigerte sich ein Kunde, für ihre Dienste zu zahlen, ging sie zu seinem Haus, verstreute ein schwarzes Pulver aus einem ihrer vielen Ledersäckchen und sprach eine seltsame Formel, einen Fluch. Danach wurde seine Familie von schrecklichen Unglücksfällen heimgesucht: Krankheit, Feuer, Missernten, ja sogar Tod.

Ich warf eine Handvoll dunkelgrüner Farntriebe in den Korb.

»Auntie, bitte sag es mir«, bettelte ich. »Können die Toten zurückkehren?«

Auntie sah mich lange an. Sie hatte den Kopf zur Seite geneigt und die Blicke aus ihren kleinen dunklen Augen fest auf mich gerichtet.

»Ja«, antwortete sie schließlich. »Es gibt einen Weg. Nur wenige sind mit ihm vertraut. Diejenigen, die das Geheimnis kennen, geben es an ihre Kinder weiter. Weil du für mich fast wie ein eigenes Kind bist, werde ich irgendwann einmal das Geheimnis an dich weitergeben. Ich werde alles niederschreiben, was ich über die Schlafenden weiß. Dann werde ich die Seiten zusammenfalten, sie in einen Umschlag stecken und ihn mit Wachs versiegeln. Du wirst ihn an einem sicheren Ort verwahren, und eines Tages, wenn du bereit bist, wirst du ihn öffnen.«

»Wie soll ich denn wissen, ob ich bereit bin?«, fragte ich.

Sie lächelte und entblößte dabei ihre kleinen Zähne, die spitz waren wie die eines Fuchses und braun vom Tabak. »Du wirst es wissen.«

Ich schreibe diese Worte heimlich, unter der Bettdecke. Martin und Lucius glauben, dass ich schlafe. Ich höre sie unten Kaffee trinken und darüber reden, wie es um mich steht (nicht gut, fürchte ich).

Ich habe versucht, mich daran zu erinnern, wie alles anfing, habe die Einzelteile aneinandergefügt, so wie wenn man einen Quilt näht. Aber ach, was für ein hässlicher, verdorbener Quilt der meine wäre!

»Gertie«, höre ich Martins Stimme über das Klappern seines Löffels hinweg, mit dem er den Kaffee in der Blechtasse umrührt, aus der er so gerne trinkt. Ich stelle mir seine von tiefen Sorgenfalten zerfurchte Stirn vor; wie traurig sein Gesicht aussehen muss, nachdem er ihren Namen ausgesprochen hat.

Ich wage nicht zu atmen und lausche angestrengt.

»Manchmal kann ein Schicksalsschlag einen Menschen zugrunde richten«, sagt Lucius, »so dass er sich nie wieder davon erholt.«

Wenn ich jetzt die Augen schließe, sehe ich noch immer das Gesicht meiner kleinen Gertie vor mir und spüre ihren zuckersüßen Atem an meiner Wange. Die Erinnerung an unseren letzten gemeinsamen Morgen ist in mir noch so lebendig, dass ich sie zu mir sagen höre: »Wenn Schnee schmilzt und zu Wasser wird, erinnert er sich dann noch daran, früher einmal Schnee gewesen zu sein?«

Martin

12. Januar 1908

»Martin, wach auf.« Ein sanftes Wispern, hauchzart an seiner Wange. »Es ist Zeit.« Martin öffnete die Augen, und der Traum von einer Frau mit langem dunklem Haar verblasste. Sie hatte ihm gerade etwas gesagt. Etwas Wichtiges, was er nicht vergessen durfte.

Noch liegend, drehte er sich um. Er war allein. Saras Bettseite war kalt. Er setzte sich auf und horchte. Durch die geschlossene Tür von Gerties Kammer auf der anderen Seite des Flurs drangen Stimmen und leises Gelächter.

Hatte Sara wieder die ganze Nacht bei Gertie verbracht? Es konnte doch nicht gut für das Kind sein, so erdrückt zu werden. Manchmal regte sich in ihm die Befürchtung, dass Saras Beziehung zu Gertie einfach nicht … gesund war. Erst vergangene Woche hatte sie Gertie drei Tage hintereinander zu Hause behalten, statt sie in die Schule zu schicken, und diese drei Tage hindurch hatte sie Gertie fortwährend bemuttert – sie hatte ihr die Haare geflochten, ein neues Kleid für sie genäht, Kekse für sie gebacken, Verstecken mit ihr gespielt. Saras Nichte Amelia hatte angeboten, Gertie über das Wochenende zu sich zu nehmen, doch Sara hatte sich herausgeredet: Sie bekommt so leicht Heimweh, sie ist so kränklich. Martin begriff, dass Sara es einfach nicht ertragen konnte, ohne ihre Tochter zu sein. Ihr schien immer etwas zu fehlen, wenn sie Gertie nicht in ihrer Nähe wusste.

Er schob diese sorgenvollen Gedanken beiseite. Besser, er kümmerte sich um die Probleme, von denen er etwas verstand und an denen er etwas ändern konnte.

Im Haus war es kalt. Das Feuer war ausgegangen.

Er schlug die Decke zurück, schwang die Beine über den Bettrand und zog sich die Hosen an. Sein verkrüppelter Fuß hing unbeweglich und nutzlos da wie ein Huf, als er ihn in den Stiefel zwängte, den der Schuster in Montpelier eigens für ihn angefertigt hatte. Die Sohlen waren durchgelaufen, und er hatte beide Stiefel mit trockenem Gras, Katzenschwanz und Lederlappen ausgestopft – ein vergeblicher Versuch, die Feuchtigkeit abzuhalten. Im Augenblick war kein Geld da für neue, maßangefertigte Schuhe.

Im letzten Herbst hatte die Krautfäule den größten Teil der Kartoffelernte vernichtet, und um über den Winter zu kommen, mussten sie mit dem wenigen Geld wirtschaften, das der Verkauf der Kartoffeln an die Stärkefabrik eingebracht hatte. Es war erst Januar, und der Kartoffelkeller war nahezu leer: eine Handvoll schwammiger Kartoffeln und Möhren, ein paar Winterkürbisse, einige Gläser mit Stangenbohnen und Tomaten, die Sara im Sommer eingekocht hatte, sowie wenige Stücke Salzfleisch von dem Schwein, das sie im November geschlachtet hatten, waren noch übrig. (Den Großteil des Fleisches hatten sie gegen Trockengut aus dem Gemischtwarenladen eingetauscht.) Wenn sie weiterhin satt werden wollten, würde Martin bald ein Wild erlegen müssen. Sara besaß die Gabe, mit dem wenigen, was sie hatten, lange auszukommen. Es gelang ihr, aus Milchsoße, Sodabrot und einigen Brocken Salzfleisch eine ganze Mahlzeit zuzubereiten, doch aus nichts konnte auch sie kein Essen zaubern.

»Nimm dir nur, Martin«, forderte sie ihn immer auf und schöpfte ihm mehr Soße auf den Teller. »Es ist reichlich da.« Er nickte dann stets und nahm sich Nachschlag, um das Märchen vom Überfluss, das Sara sich ausgedacht hatte, nicht zu zerstören.

»Ich liebe Sodabrot mit Soße«, sagte Gertie immer.

»Deshalb koche ich es ja auch so oft, mein Liebling«, gab Sara jedes Mal zurück.

Einmal im Monat spannten Sara und Gertie den Wagen an und fuhren in die Stadt, um im Gemischtwarenladen alles Nötige einzukaufen. Sie leisteten sich nichts Außergewöhnliches: Zucker, Sirup, Mehl, Kaffee und Tee. Abe Cushing gab ihnen Kredit, doch vergangene Woche hatte er Martin beiseitegenommen, um ihm zu sagen, dass die Rechnung allmählich zu hoch würde und sie erst ein wenig davon abbezahlen müssten, ehe sie Neues kaufen konnten.

Martin spürte, wie ihm das saure Gefühl des Scheiterns von seinem leeren Magen bis hinauf in die Brust stieg.

Er zog die Schnürsenkel fest und knotete sie sorgfältig. Sein verkrüppelter Fuß schmerzte schon jetzt, dabei war er noch nicht einmal aufgestanden. Es lag an dem Unwetter.

Er langte in die rechte Tasche seiner geflickten, zerschlissenen Arbeitshosen und tastete nach dem Ring, um sich zu vergewissern, dass er noch dort war. Wie einen Talisman trug er ihn immer bei sich, wohin er auch ging. Der Ring erwärmte sich unter seiner Hand, und Martin war, als strahlte er seine ganz eigene Hitze aus. Manchmal, wenn er draußen auf dem Acker oder im Wald arbeitete und wusste, dass Sara ihn nicht sehen konnte, steckte er ihn an den kleinen Finger.

Jedes Frühjahr warf der Pflug so viele Steine auf, dass Martin davon ein Silo hätte bauen können. Doch es waren nicht nur Steine, die er beim Pflügen zutage förderte – er hatte auch schon andere Dinge gefunden, seltsame Dinge, oben auf dem Nordacker, direkt unterhalb der Teufelshand.

Zerbrochene Teetassen und Teller. Eine Stoffpuppe. Kleiderfetzen. Verkohltes Holz. Zähne.

»Eine alte Siedlung? Oder eine Art Müllhalde?«, mutmaßte er, als er Sara die Fundstücke zeigte.

Ihr Blick verdüsterte sich, und sie schüttelte den Kopf. »Dort oben hat es nie etwas gegeben, Martin.« Dann drängte sie ihn, die Sachen wieder zu vergraben. »Pflüg nicht so nahe bei der Teufelshand. Lass den hinteren Acker brachliegen.«

Er befolgte ihren Rat.

Bis vor zwei Monaten, als er dort oben den Ring in der Erde gefunden hatte. Er hatte geleuchtet wie der Hof um den Mond, den man manchmal sehen konnte.

Es war ein sonderbarer Ring, von Hand aus einem Stück Bein geschnitzt. Und alt war er, sehr alt. In ihn waren Muster und rätselhafte Schriftzeichen eingeritzt, die Martin nicht entziffern konnte. Doch als er ihn in der Hand hielt, war es ihm, als spräche der Ring zu ihm, als würde er sich erwärmen und pulsieren. Martin deutete dies als Zeichen, dass sein Schicksal sich bald wenden würde.

Er nahm den Ring mit nach Hause, säuberte ihn und steckte ihn in einen kleinen Beutel aus Samt. Diesen legte er, aufgeregt und voller Vorfreude, am Weihnachtsmorgen auf Saras Kopfkissen. Sie hatten nie genug Geld für ein richtiges Geschenk gehabt – ein Geschenk, wie es Saras würdig gewesen wäre –, daher konnte er es kaum erwarten, dass sie den Ring fand. Er wusste, dass er ihr gefallen würde. Er war so aufwendig verziert, so filigran und hatte etwas … Magisches an sich. Ein Geschenk wie gemacht für seine Frau.

Saras Augen leuchteten, als sie den kleinen Beutel entdeckte, doch kaum hatte sie ihn geöffnet und hineingeschaut, ließ sie ihn erschrocken mit zitternden Händen fallen. Es war, als hätte Martin ihr einen abgetrennten Finger geschenkt.

»Wo hast du ihn gefunden?«, verlangte sie von ihm zu wissen.

»Auf dem Acker, am Waldrand.«

»Du musst ihn dorthin zurückbringen und wieder vergraben«, befahl sie.

»Aber wieso denn?«, fragte er.

»Versprich mir, dass du es tust«, beharrte sie, legte ihm die Hand an die Brust und krallte die Finger in sein Hemd. »Jetzt gleich.«

Sie sah so verängstigt aus. So seltsam verzweifelt.

»Ich verspreche es«, beteuerte er, nahm den Ring mitsamt Beutel und steckte ihn in seine Hosentasche.

Doch er hatte ihn nicht wieder vergraben. Er hatte ihn heimlich behalten, als seinen eigenen kleinen Glücksbringer.

Nun erhob er sich und trat ans Fenster. Im trüben Licht der Morgendämmerung erkannte er, dass es die ganze Nacht hindurch geschneit hatte. Das bedeutete, er würde Schnee schaufeln und die Pferde vor die Walze spannen müssen, um die Hofeinfahrt passierbar zu machen. Wenn er früh genug damit fertig wäre, würde er das Gewehr holen und in den Wald gehen, um zu jagen – der frisch gefallene Schnee würde das Spurenlesen erleichtern. Bei tiefem Schnee zog es das Wild dorthin, wo der Wald am dichtesten war. Selbst wenn es ihm nicht gelänge, ein Reh zu schießen, würde er vielleicht immerhin einen Truthahn oder ein Raufußhuhn vor die Flinte bekommen. Womöglich sogar einen Schneeschuhhasen. Er stellte sich vor, wie Saras Gesicht leuchten würde, wenn sie ihn mit dem frischen Fleisch heimkommen sähe. Sie würde ihm einen Kuss geben, sagen: »Gut gemacht, mein Liebster«, ihr bestes Messer wetzen und sich an die Arbeit machen. Sie würde durch die Küche tanzen und dabei ein Lied summen, das Martin nicht kannte und das zugleich fröhlich und traurig klang. Sara hatte es als Kind gelernt, wie sie ihm einmal erklärt hatte.

Er humpelte die schmale Treppe hinunter in die Wohnstube, säuberte dort den Kamin und entfachte ein Feuer. Dann machte er sich am Ofen in der Küche zu schaffen, wobei er achtgab, die eiserne Tür nicht zuzuschlagen. Wenn Sara ihn hörte, würde sie herunterkommen. Sie sollte ruhig noch ein wenig liegen bleiben und mit der kleinen Gertie unter der warmen Bettdecke lachen und kuscheln.

Martins Magen krampfte sich vor Hunger zusammen. Das Abendessen am vergangenen Tag war ein wässriger Eintopf aus Kartoffeln mit einigen wenigen Stücken Kaninchenfleisch gewesen. Den Großteil des Fleisches hatte er durch Schrot ungenießbar gemacht.

»Hättest du nicht auf den Kopf zielen können?«, hatte Sara ihn gefragt.

»Das nächste Mal gebe ich dir die Flinte«, hatte er augenzwinkernd erwidert. In Wahrheit war sie immer schon die bessere Schützin gewesen. Außerdem besaß sie großes Geschick beim Schlachten von Tieren. Sie häutete sie mit wenigen flinken Handgriffen, ganz so, als zöge sie ihnen einen Wintermantel aus. Er hingegen stellte sich stets unbeholfen an und ruinierte jedes Fell.

Martin hüllte sich in seine wollene Jacke und rief nach dem Hund, der in einer Ecke der Küche zusammengerollt auf einem alten Quilt lag, den er als Bett benutzte. »Komm, Shep«, befahl er. »Hierher, Junge.« Der Hund hob seinen großen, kantigen Kopf und warf Martin einen verdatterten Blick zu, bevor er sich wieder hinlegte. Er wurde alt und hatte keine Freude mehr daran, durch den frischen Schnee zu toben. Außerdem schien er dieser Tage nur noch Sara zu gehorchen.

Shep war lediglich der jüngste in einer langen Reihe von Sheps, die alle von einem ursprünglichen Shep abstammten, der in Saras Kindheit der Hofhund auf der Farm gewesen war. Er war groß und langgliedrig, und Sara behauptete, sein Urgroßvater sei ein Wolf gewesen. Wenn Martin ihn so ansah, war er durchaus geneigt, ihr zu glauben.

Martin öffnete die Haustür, um zur Scheune zu gehen. Er würde die Tiere füttern (die wenigen, die ihnen geblieben waren – zwei alte Zugpferde, eine Kuh, die Hühner) und ein paar Eier für das Frühstück einsammeln, wenn es denn welche gab. Um diese Jahreszeit legten die Hennen nicht viel.

Die Sonne stieg gerade eben über den Hügel, der Morgen war grau und kalt. Dicke, weiche Flocken fielen vom Himmel. Martins Füße versanken im Schnee, der ihm bis zur Mitte der Waden reichte. Wenn er später in den Wald gehen wollte, würde er Schneeschuhe brauchen. Mühsam bahnte er sich einen Weg quer über den Hof bis zur Scheune, wo er zunächst einen Schlenker zum Hühnerhaus machte. Die Hühner zu füttern zählte für ihn zu den angenehmsten Arbeiten des Tages – es gefiel ihm, wie sie ihn gackernd begrüßten, und er mochte die Wärme der Eier, wenn er sie aus den Gelegen nahm. Die Hühner gaben ihnen so viel und verlangten so wenig dafür. Gertie hatte ihnen allen Namen gegeben: Willamena, Florence die Große, Queen Reddington – Martin hatte Mühe, die vielen Namen samt der drolligen kleinen Geschichten, die Gertie sich dazu ausgedacht hatte, im Kopf zu behalten. Sie hatten ein ganzes Dutzend gehabt, ehe der Fuchs vergangenen Monat eins der Tiere geholt hatte. Im November hatte Gertie kleine Papierhüte für alle Hühner gebastelt und ihnen ein Maisbrot als Kuchen gebracht. »Wir feiern ein Fest«, hatte sie ihm und Sara erklärt, und sie hatten vergnügt dabei zugesehen, wie Gertie die Hühner über den Hof jagte, während sie versuchte, ihnen die Hüte aufzusetzen.

Martin umrundete die Scheune, und die Luft wich aus seinen Lungen, als er es sah: purpurrote Spritzer auf Weiß. Federn.

Der Fuchs war wieder da gewesen.

So schnell er konnte, humpelte Martin weiter, wobei er seinen verkrüppelten Fuß durch den Schnee nachzog. Es war unschwer zu erkennen, was sich zugetragen hatte: Die Fuchsspuren führten bis zum Hühnerhaus. Davor war im zertrampelten Schnee ein Durcheinander aus Blut und Federn zu sehen, und die Fährte, die vom Hof wegführte, war rot – der Fuchs hatte ein Huhn mitgenommen und eine Spur aus Blut hinter sich hergezogen. Martin ging in die Hocke und streifte sich den dicken Handschuh ab – das Blut war frisch, noch nicht gefroren. Als er den Stall untersuchte, entdeckte er das kleine Loch, das der Fuchs ins Holz gebissen hatte, um hineinzugelangen. Er stieß zwischen zusammengebissenen Zähnen die Luft aus, entriegelte die Tür und spähte ins Innere des Hühnerhauses. Zwei weitere Tiere waren tot. Keine Eier. Die verbliebenen acht Hennen drängten sich verängstigt in der hintersten Ecke zusammen.

Er eilte zurück zum Haus, um das Gewehr zu holen.

Gertie

12. Januar 1908

»Wenn Schnee schmilzt und zu Wasser wird, erinnert er sich dann noch daran, früher einmal Schnee gewesen zu sein?«

»Ich bin mir nicht sicher, ob Schnee überhaupt ein Gedächtnis hat«, antwortet Mama.

Es hat die ganze Nacht über heftig geschneit, und als ich heute Morgen zum Fenster hinausgeschaut habe, war alles unter einer dicken, weichen Decke verborgen, so weiß und rein, dass man nichts mehr sehen konnte – weder Fußspuren noch Wege noch irgendwelche Hinweise darauf, dass es hier Menschen gibt. Als wäre die Welt wiedergeboren worden, ganz frisch und neu. Heute ist schulfrei, und obwohl ich Miss Delilah sehr gern habe, mag ich es noch lieber, mit Mama daheim zu bleiben.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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