Wir Kinder aus Bullerbü 2. Mehr von uns Kindern aus Bullerbü - Astrid Lindgren - E-Book + Hörbuch

Wir Kinder aus Bullerbü 2. Mehr von uns Kindern aus Bullerbü Hörbuch

Astrid Lindgren

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Beschreibung

Für immer und alle Zeit: Bullerbü. In Bullerbü ist es das ganze Jahr über schön. Nach Weihnachten kommt Silvester, und dann ist bald auch schon wieder Ostern! Die Kinder aus Bullerbü haben niemals Langeweile: Sie bauen Schneeburgen, laufen Schlittschuh, spielen Seeräuber oder gehen auf Schatzsuche. Und im Sommer belauschen sie den Wassergeist. Katrin Engelking fängt die Kinderidylle in wunderschönen, liebevollen Bildern ein. Band 2 der Bullerbü-Bücher von Astrid Lindgren!

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Zeit:2 Std. 17 min

Sprecher:Laura Maire

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Über dieses Buch

In Bullerbü zu leben, ist das Allerschönste auf der Welt, findet Lisa. Im ganzen Dorf gibt es nur drei Höfe, und Lisa, Lasse, Bosse, Inga, Britta und Ole spielen von früh bis spät. Die besten Tage sind natürlich, wenn Weihnachten ist und wenn man Geburtstag hat. Aber auch sonst ist immer was los: auf dem Heuboden schlafen, sich verkleiden, Großvater vorlesen und Hütten bauen macht in Bullerbü riesigen Spaß.

Wir Kinder aus Bullerbü

Das hier sind Bosse und Lasse und Inga und ich und Britta und Ole. Das sind wir, die Kinder aus Bullerbü. Lasse und Bosse und ich wohnen im Mittelhof, Ole wohnt im Südhof, und Britta und Inga wohnen im Nordhof.

Im Nordhof wohnt auch der Großvater. Es ist ja ganz klar, dass er dort wohnt, weil er Brittas und Ingas Großvater ist. Aber wir alle nennen ihn Großvater, wir alle in Bullerbü. Er ist nämlich der einzige Großvater, den wir hier haben.

Aber Mütter und Väter haben wir reichlich. Ich meine, es gibt eine Mama und einen Papa auf dem Nordhof und eine Mama und einen Papa auf dem Mittelhof und eine Mama und einen Papa auf dem Südhof. Wie könnte es auch anders sein? Aber dann gibt es keine anderen Menschen mehr hier in Bullerbü. Weiter niemanden als Agda, unser Hausmädchen, und Oskar, der Knecht bei uns ist, und Kalle, der Knecht auf dem Nordhof ist. Doch, auf dem Südhof gibt es noch einen Menschen mehr. Einen ganz kleinen Menschen. Oles kleine Schwester, die er vor ein paar Monaten bekommen hat. Aber wenn man so klein ist, dass man nicht sprechen und nicht gehen kann, dann ist man wohl noch kein ganz richtiger Mensch? Obwohl Ole meint, seine Schwester sei noch mehr wert als der König.

Nun habe ich also alle aufgezählt, die hier in Bullerbü wohnen. Ach so, ich habe noch nicht von Swipp erzählt, von Swipp, Oles Hund. Auch nicht von Trille und Murre und Sissa, allen unseren Katzen. Und nicht von Albertina, Bosses Huhn, und unseren Kühen und Pferden und Schafen und Schweinen und Kaninchen. Aber das sind ja keine Menschen. Obgleich Swipp fast so klug ist wie ein Mensch und klüger als ein Mädchen – sagt Lasse.

Wie wir in Bullerbü Weihnachten feiern

Ich weiß nicht, wann Weihnachten woanders beginnt. Hier in Bullerbü beginnt Weihnachten jedenfalls mit dem Tag, an dem wir Pfefferkuchen backen. Dann haben wir fast genauso viel Spaß wie Heiligabend. Lasse und Bosse und ich bekommen jeder unseren großen Klumpen Pfefferkuchenteig, aus dem wir backen dürfen, was wir wollen. Stellt euch vor, das letzte Mal, als wir Pfefferkuchen backen wollten, hatte Lasse den Tag ganz vergessen und fuhr mit Papa in den Wald, um Holz zu holen. Aber draußen mitten im Wald fiel ihm ein, was für ein wichtiger Tag es war, und da kehrte er um und rannte los, dass der Schnee um ihn herum aufstob, wie Papa sagte.

Bosse und ich hatten schon mit dem Backen angefangen. Und es war nur gut, dass Lasse etwas später kam. Unsere beste Pfefferkuchenform stellt nämlich ein Schweinchen dar, und wenn Lasse beim Backen dabei ist, ist es für Bosse und mich einfach unmöglich, die Schweinchenform zu bekommen. Aber nun hatten wir die Gelegenheit ausgenutzt und jeder zehn Schweinchen gebacken, bevor Lasse aus dem Wald zu uns in die Küche gekeucht kam. Oh, hatte er es eilig, uns mit dem Backen einzuholen!

Als wir fast fertig waren, legten wir alle unsere letzten kleinen Teigreste zu einem großen Klumpen zusammen und machten daraus einen Preisrätselkuchen. Das tun wir immer. Und am Nachmittag, als alle Kuchen aus dem Ofen genommen waren, füllten wir 322 Erbsen in eine Flasche, und dann zogen wir mit der Erbsenflasche durch ganz Bullerbü, und jeder durfte einmal raten, wie viele Erbsen in der Flasche waren. Derjenige, der am besten raten konnte, sollte den Preisrätselkuchen bekommen. Lasse trug die Flasche und Bosse unseren Preisrätselkuchen, und ich hatte ein Notizbuch, in das ich schrieb, was jeder geraten hatte. Es war Großvater, der den Kuchen gewann, und das hat mich sehr gefreut. Er riet, in der Flasche wären 320 Erbsen. So kam er der richtigen Zahl also am nächsten. Inga glaubte tatsächlich, es wären dreitausend Erbsen. War das nicht verrückt?

Am Tag nach dem Pfefferkuchenbacken hatten wir auch viel Spaß. Da fuhren wir in den Wald, um Weihnachtsbäume zu schlagen. Alle Väter aus Bullerbü sind dabei, wenn wir Weihnachtsbäume schlagen, und alle Kinder auch. Die Mütter müssen zu Hause bleiben und Essen kochen, die Ärmsten!

Wir nahmen unseren großen Milchschlitten, mit dem wir sonst immer die Milch von Bullerbü zur Molkerei nach Storbü fahren. Lasse und Bosse und ich und Britta und Inga und Ole durften auf dem Milchschlitten sitzen. Mein Papa ging nebenher und lenkte die Pferde, und Oles Papa und Brittas und Ingas Papa gingen hinter dem Schlitten und lachten und redeten. Wir auf dem Schlitten lachten und redeten auch.

Der Wald war so verschneit, dass wir den Schnee von den Tannen schütteln mussten, um zu sehen, ob sie gut gewachsen waren oder nicht. Wir schlugen drei große, schöne Tannen, eine für den Nordhof, eine für den Mittelhof und eine für den Südhof. Und dann schlugen wir noch eine ganz kleine Tanne, die Großvater in seine Stube bekommen sollte, und ein Bäumchen, das wir Kristin ins Waldhaus bringen wollten.

Am Abend vor Weihnachten war ich sehr traurig. Ich dachte, Mama und Agda würden nicht fertig werden bis zum Heiligabend. Es sah noch so ungemütlich und unordentlich in der Küche aus. Deshalb weinte ich ein bisschen, als ich im Bett war.

Am Morgen des Heiligen Abends wachte ich früh auf. Ich lief im Nachthemd in die Küche hinunter, und – oh, wie war es dort jetzt fein! Auf dem Fußboden lagen ganz neue bunte Flickenteppiche. Die Eisenstangen am Herd waren mit rotem, grünem und weißem Krepppapier umwickelt. Auf dem großen Tisch lag eine Weihnachtsdecke, und alle Kupferkessel waren blank geputzt. Ich wurde so froh, als ich das alles sah, dass ich Mama umarmen musste. Lasse und Bosse kamen gleich darauf auch angesaust, und Lasse meinte, wenn er die neuen Flickenteppiche sehe, kriege er so ein weihnachtliches Gefühl im Bauch.

Am Vormittag des Heiligen Abends gehen wir Kinder aus Bullerbü immer zu Kristin ins Waldhaus und bringen ihr einen Korb voll guter Sachen. Alle Mütter in Bullerbü haben geholfen, diesen Korb zu füllen. Aber zuerst gehen wir zu Großvater, zu Brittas und Ingas Großvater, meine ich. Wir wünschen ihm fröhliche Weihnachten und sehen zu, wie Inga und Britta sein Weihnachtsbäumchen schmücken. Ein wenig helfen wir auch dabei. Am liebsten möchten Inga und Britta es aber allein tun. Großvater kann nicht sehen, was wir in sein Bäumchen hängen, denn er ist ja fast blind. Aber wir erzählen es ihm, und dann sagt er, dass er es nun in seinem Kopf sehen kann.

Als wir zu Kristin ins Waldhaus gingen, war das Wetter wunderschön. Es war genau so, wie es Heiligabend sein soll. Ein ganz schmaler Pfad führt zu Kristins Hütte, aber wir konnten ihn vor lauter Schnee kaum sehen.

Lasse trug den Korb, und Bosse und Ole trugen den kleinen Tannenbaum. Britta, Inga und ich durften gar nichts tragen. Wie war Kristin überrascht, als wir ankamen! Wahrscheinlich tat sie nur so, als sei sie überrascht, denn sie weiß ja, dass wir jedes Jahr kommen. Lasse packte alles aus, was im Korb war, und legte es auf ihren Tisch. Und Kristin schüttelte nur immer den Kopf und sagte:

»Ach, ach, ach, is’ ja zu viel, is’ ja zu viel!«

Ich fand nicht, dass es zu viel war, aber viel war es schon. Ein großes Stück Schinken und eine Wurst und ein Weihnachtskäse und Kaffee und Pfefferkuchen und Kerzen und Bonbons, und ich weiß nicht mehr, was noch alles. Wir befestigten die Kerzen an Kristins Baum und tanzten ein bisschen um den Baum herum – nur um etwas für den Abend zu üben. Kristin war sehr froh, und sie stand in der Tür und winkte uns nach, als wir gingen.

Als wir nach Hause kamen, schmückten Lasse, Bosse und ich unseren Tannenbaum. Papa half dabei. Vom Boden hatten wir rote Äpfel geholt, die wir in den Baum hängen wollten, und von den Pfefferkuchen, die wir gebacken hatten, nahmen wir auch. In die Körbchen, die wir bei Großvater gebastelt hatten, legten wir Nüsse und Rosinen. Und die Watteengel, die Mama schon in ihrem Weihnachtsbaum gehabt hat, als sie noch klein war, hängten wir auch in die Zweige. Und dann natürlich eine Menge Kerzen und Süßigkeiten. Oh, wie war der Baum schön, als er fertig war!

Dann war es Zeit, etwas zu essen, und danach konnten wir nur noch WARTEN. Lasse meinte, diese Stunden am Nachmittag vor Heiligabend, wo man nur so herumsitzt und wartet und wartet, die sind es, von denen die Menschen graue Haare kriegen. Wir warteten und warteten und warteten, und manchmal ging ich zum Spiegel, um zu sehen, ob ich schon graue Haare hätte. Aber merkwürdigerweise blieb mein Haar so weizengelb wie vorher. Bosse klopfte ab und zu an die Uhr, weil er glaubte, sie sei stehen geblieben.

Als es dunkel wurde, war es endlich Zeit, mit unseren Weihnachtsgeschenken zum Nordhof und zum Südhof zu gehen. Wenn es noch hell ist, kann man das nicht machen, denn dann ist es nicht spannend.

Lasse, Bosse und ich setzten uns die roten Zipfelmützen auf. Lasse nahm natürlich die Maske, die er später am Abend als Weihnachtsmann aufhaben sollte. (Zurzeit macht Lasse bei uns den Weihnachtsmann. Als ich noch klein war, glaubte ich, es gäbe einen richtigen Weihnachtsmann, aber jetzt glaube ich es nicht mehr.) Wir nahmen also unsere Pakete und schlichen uns in die Dunkelheit hinaus. Es waren viele Sterne am Himmel. Und als ich zum Wald hinübersah, der so dunkel dalag, dachte ich, vielleicht könnte es doch einen Weihnachtsmann dort geben, und bald würde er mit einem Schlitten angefahren kommen, der hoch mit Geschenken beladen ist. Ich wünschte fast, es wäre so.

Im Küchenflur des Nordhofes war kein Licht. Wir klopften an die Tür, und dann öffneten wir sie und warfen unsere Pakete in die Küche hinein. Und da kamen Britta und Inga herausgestürzt und sagten, wir müssten unbedingt hereinkommen und ihr Weihnachtsgebäck und ihre Sirupbonbons probieren. Das taten wir. Und dann kriegten wir auch Weihnachtsgeschenke.