Wo war Gott, als das Universum geschaffen wurde? - Guy Consolmagno - E-Book

Wo war Gott, als das Universum geschaffen wurde? E-Book

Guy Consolmagno

2,2

Beschreibung

Wie passen Glaube und Wissenschaft zusammen? Und woher kommen wir und wohin gehen wir? Diese und andere Fragen beantworten zwei Jesuiten, die an einem exklusiven Ort arbeiten: an der vatikanischen Sternwarte in Castel Gandolfo – näher dran an Religion und Wissenschaft kann man nicht sein. Die beiden Autoren streifen durch die Geschichte der Menschheit, diskutieren über grundlegende Fragen und geben verblüffende Antworten, die komplizierte Zusammenhänge ganz leicht erklären und dabei sehr oft überraschen. Selten wurden schwierige Themen so anschaulich, einfach und unterhaltsam behandelt. Ein Muss für alle, die Spaß an den großen und spannenden Fragen unseres Universums haben. "Das Handeln, das wir im Universum beobachten können, entspringt nicht der zufälligen Laune irgendeiner heidnischen Gottheit. Die erstaunliche Komplexität der physikalischen Welt ergibt sich aus logischen, vernünftigen Regeln, die im Grunde ganz einfach sind. Doch die Physik hinter dem Leuchten der Sterne ist nicht nur logisch und vernünftig. Sie ist auch schön. Und das sagt mir einiges über denjenigen, der für diese Sterne verantwortlich ist." (Guy Consolmagno)

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Guy Consolmagno und Paul Mueller

Wo war Gott, als das Universum geschaffen wurde?

Verblüffende Antworten aus der vatikanischen Sternwarte

Titel der Originalausgabe:

Would you Baptize an Extraterrestrial?

… and Other Questions from the Astronomers’

In-box at the Vatican Observatory

Copyright © 2014 by Br. Guy Consolmagno and Fr. Paul Mueller

This translation is published by arrangement with Image Books, an imprint of the Crown Publishing Group, a division of Penguin Random House LLC

Als deutsche Bibelübersetzung ist zugrunde gelegt:

Die Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes.

Vollständige deutschsprachige Ausgabe

AΩ DIE BIBEL

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2005

© der deutschen Ausgabe:

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: Verlag Herder

E-Book-Konvertierung: Daniel Förster, Belgern

ISBN (E-Book) 978-3-451-81011-4

ISBN (Buch) 978-3-451-34265-3

Inhalt

Einleitung
Erstes Kapitel Genesis oder Urknall?
Ort: The Art Institute – Chicago
Galerie des frühen 20. Jahrhunderts
Spätes 19. Jahrhundert: Impressionisten
McKinlock Court: Griechische, römische und byzantinische Kunst
Abteilung für europäische Kunst des Mittelalters
Zeitgenössische Kunst, 1945–1960
Zweites Kapitel Was ist mit dem armen Pluto passiert?
Ort: Ein Eisfeld in der östlichen Antarktis
Die Füße auf dem Eis
Auf der Suche nach neuen Wahrheiten
Im Whiteout
Im Schneesturm
Der menschliche Faktor
Drittes Kapitel Was war der Stern von Bethlehem?
Ort: Vatikanisches Observatorium, Teleskope auf der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo
Ein Stern mit Geschichte
Ein astronomisches Ereignis?
Eine fromme Geschichte?
Ein Wunder?
Ein Rätsel?
Ein Leitstern
Viertes Kapitel Was passiert am Ende der Welt?
Ort: Ein Abendessen am Ende des Universums
Vorspeise
Erster Gang
Zweiter Gang
Salat
Dessert
Die Rechnung, bitte!
Fünftes Kapitel Würden Sie einen Außerirdischen taufen?
Ort: Los Angeles International Airport, Bradley International Terminal
»Wir wären gern die Ersten, die euch begrüßen.«
Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt
Passkontrolle – Inhaber eines US-Passes bitte nach links …
Lageplan: Sie befinden sich hier
Den Zubringerbus finden Sie …
Sechstes Kapitel Danksagung und Literatur
Erstes Kapitel: Genesis oder Urknall?
Zweites Kapitel: Was ist mit dem armen Pluto passiert?
Drittes Kapitel: Was war der Stern von Bethlehem?
Viertes Kapitel: Was passiert am Ende der Welt?
Fünftes Kapitel: Würden Sie einen Außerirdischen taufen?
Über die Autoren

Einleitung

Guy: Würden Sie einen Außerirdischen taufen? So lautet eine der Fragen, die uns hier im Vatikanischen Observatorium ständig gestellt werden. Andere betreffen den Stern von Bethlehem, Anfang und Ende des Universums, den Planeten ­Pluto, schwarze Löcher, gefährliche Asteroiden und alle möglichen anderen Themen, die Astronomen beantworten können – oder auch nicht.

Warum erregen gerade diese Fragen bei so zahlreichen Menschen so viel Interesse, manchmal auch Misstrauen und Angst? Denn seien wir ehrlich: Die wenigsten Menschen werden jemals einem Außerirdischen begegnen, und der Stern von Bethlehem hat kaum Einfluss auf irgendeinen Katechismus oder das Glaubensbekenntnis. Aber die Menschen beschäftigen sich damit, und deshalb fragen sie uns immer wieder danach.

Warum das so ist? Darum geht es in diesem Buch.

Paul: Außerdem geht es in diesem Buch um die Frage, was passiert, wenn sich Naturwissenschaft und Glaube auf freundschaftlicher, respektvoller Basis begegnen. Sind Sie der Meinung, wir sollten alle Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft verwerfen, die der Bibel scheinbar widersprechen? Sind Sie der Meinung, die Bibel habe mehr Autorität als die Naturwissenschaft und der biblische Glaube solle immer und überall das letzte Wort behalten? Wenn ja, dann ist das hier vielleicht nicht unbedingt das richtige Buch für Sie (aber lesen Sie bitte trotzdem ­weiter!).

Sind Sie der Ansicht, wir sollten alle Aussagen der Bibel verwerfen, die den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft scheinbar widersprechen? Sind Sie der Ansicht, die Naturwissenschaft habe mehr Autorität als die Bibel und sollte immer und überall das letzte Wort behalten? Dann ist dieses Buch vielleicht nicht ganz das Richtige für Sie (aber lesen Sie bitte trotzdem weiter!).

Oder glauben Sie, Naturwissenschaft und Glaube sollten gleichermaßen ernst genommen werden, aber Sie wissen nicht recht, wie Sie sie unter einen Hut bringen sollen? Neigen Sie deshalb dazu, die beiden Bereiche fein säuberlich voneinander zu trennen, obwohl es Ihnen lieber wäre, Naturwissenschaft und Glaube müssten sich in Ihrem Leben nicht immer abwechseln? Dann ist dies auf jeden Fall das richtige Buch für Sie, und Sie sollten unbedingt weiterlesen.

Guy: Wir schreiben dieses Buch als Mitarbeiter des Vatikanischen Observatoriums, also der offiziellen astronomischen Forschungseinrichtung der römisch-katholischen Kirche. Ich bin Naturwissenschaftler, genauer gesagt, Spezialist für planetare Physik und Geologie und vor allem für Asteroiden und Meteoriten. Pauls Spezialgebiet ist die Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften, vor allem der Physik und Astronomie.

Wir sind beide Jesuiten, das heißt, wir sind Mitglieder der Societas Jesu, der größten Ordensgemeinschaft in der römisch-katholischen Kirche. Ich bin Laienbruder, Paul ist Priester. Wenn jemand Paul oder mich fragt, ob wir einen Außerirdischen taufen würden, denken wir oft darüber nach, ob wir jetzt aus der Perspektive eines Naturwissenschaftlers, eines Philosophen oder eines katholischen Bruders bzw. Priesters antworten sollen. Oder vielleicht aus der Perspektive eines Menschen, der all das in seiner Person vereint und keine großen Konflikte oder Widersprüche darin sieht.

Paul: Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Forschung. Einen Großteil unserer Zeit verbringen wir im Labor, mit Beobachtungen, mit dem Schreiben von Vorträgen, aber auch auf wissenschaftlichen Tagungen. Wir stehen also in regelmäßigem Kontakt mit anderen Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Aber da die meisten Mitarbeiter am Vatikanischen Observatorium Jesuiten sind, stehen wir auch in regelmäßigem Kontakt mit der Allgemeinheit, also mit Menschen, die Fragen oder Kommentare zum Thema Naturwissenschaft und Glauben haben und die uns von eigenen Beobachtungen oder Theorien berichten wollen. Und auch mit Menschen, die sich einfach unterhalten wollen. Wir bekommen viele E-Mails.

Guy: In meinen Unterlagen finden sich mehr als siebenhundert Mails aus den letzten fünf Jahren. Einige sind ein bisschen abgedreht, aber sie stammen alle von Leuten, die Naturwissenschaft und Glauben ernst nehmen wollen, und viele unserer Korrespondenzpartner sind Menschen, die sich bemühen, die beiden Bereiche auf eine integre, konsistente Art zusammenzubringen.

Wir fangen mit den scheinbaren Widersprüchen zwischen Genesis und Urknalltheorie an und diskutieren, wie Naturwissenschaft und Glaube verschiedene, einander ergänzende Blickwinkel auf das gleiche Thema eröffnen können. Dann sprechen wir darüber, wie sich naturwissenschaftliche Theorien und Vorstellungen verändern und entwickeln – nicht zuletzt am Beispiel der Diskussionen über den Planeten Pluto.

Gläubige Menschen gehen von der Grundannahme aus, dass Gott auf irgendeine Weise in der Welt wirkt. In diesem Buch sprechen wir darüber, wie dieses Wirken in einem Universum vor sich gehen kann, das von unerklärlichen Naturgesetzen gelenkt wird. Gläubige Menschen gehen oft davon aus, dass wir als Menschen in Gottes Augen wichtig sind. In diesem Buch sprechen wir darüber, wie das in einem Universum, das riesengroß und unvorstellbar alt ist – und das zu einem wenig ruhmreichen Ende verurteilt zu sein scheint − sein kann.

Und ja, wir sprechen auch darüber, ob wir einen Außerirdischen taufen würden. Mit anderen Worten: Wir sprechen darüber, welche Bedeutung die christliche Botschaft in einem Universum mit unzähligen Planeten und – jedenfalls müssen wir das annehmen – unzähligen anderen intelligenten Lebewesen haben kann.

Paul: Leute, die uns solche Fragen stellen, gehen oft unausgesprochen davon aus, dass zwischen Naturwissenschaft und Religion irgendein Konflikt bestehen müsse. Viele glauben, man müsse in diesem Konflikt Partei ergreifen.

Guy: Die Vorstellung von einem ewigen Krieg zwischen Naturwissenschaft und Religion war eine Weile in vielen Büchern und bei vielen Journalisten ein beliebtes Thema. Entstanden ist sie im späten 19. Jahrhundert. Allerdings sind bei all den damit verbundenen Diskussionen zwei schlichte Beobachtungen verloren gegangen. Erstens: Naturwissenschaft und Religion haben gemeinsame historische Wurzeln, der Krieg zwischen ihnen – wenn es ihn denn gibt – ist also keine Sache der Ewigkeit. Und zweitens: Viele Naturwissenschaftler sind religiös. Zumindest für sie, wie auch für uns beide, gibt es zwischen Wissenschaft und Religion keinen Krieg.

Paul: Wie verhalten sie sich also tatsächlich zueinander? Müssen sie sauber voneinander getrennt werden? Hat eine von ihnen eine eher ergänzende, dienende Funktion? Oder kann man ihre Ähnlichkeiten, Unterschiede und Verbindungen betrachten ohne vorgefasste Normen und mit offenem Blick auf ihr Zusammenwirken und ihre Konflikte? Die Gespräche in diesem Buch sollen zeigen, wie eine solche Betrachtungsweise möglich sein kann.

Guy: Aus diesem Grund haben wir das Buch auch in Dialogform geschrieben, als Abfolge von Gesprächen, die wir beide führen. Diese Dialoge geben tatsächliche Gespräche wieder, die wir miteinander, mit anderen Jesuiten und mit Leuten, denen wir bei unserer Arbeit begegnen, führen. Um die Sache etwas interessanter zu machen, stellen wir uns vor, jedes Gespräch an einem ganz bestimmten Ort zu führen. Einige Orte sind echt, andere haben wir uns ausgedacht.

Paul und ich sind in einer sehr glücklichen Situation: Wir leben und arbeiten mit einer Gruppe von Jesuiten zusammen, die Naturwissenschaft und Glaube sehr ernst nehmen. Wir arbeiten nicht nur im Labor zusammen, sondern wir beten auch zusammen in der Kapelle. Im Alltag nehmen wir keine besonderen Konflikte oder Spannungen zwischen Naturwissenschaft und Glauben wahr. Paul und ich würden mit Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, gern die einfachen und doch so komplexen Alltagserfahrungen teilen, die entstehen, wenn man Naturwissenschaft und Glauben gleichermaßen ernst nimmt und nicht voneinander trennt.

Paul: Ich habe Pastoraltheologie studiert, und Guy hat ebenfalls in diesen Bereich hineingeschnuppert; das gehört zu unserer jesuitischen Grundausbildung. Aber in Bezug auf das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Glauben nehmen wir nicht für uns in Anspruch, Ihnen irgendwie beizubringen, wie »man es macht«. Wir wollen mit Ihnen lediglich die Freude und Hoffnung – und den Spaß – teilen, die wir an unserer Arbeit als Naturwissenschaftler und an unserem lebendigen Glauben haben. Und wir hoffen, all das wirkt ein bisschen ansteckend auf Sie.

Guy: Also – lesen Sie weiter und diskutieren Sie ruhig mit. Wir sind uns ja auch nicht immer einig.

Erstes Kapitel Genesis oder Urknall?

Ort: The Art Institute – Chicago

Galerie des frühen 20. Jahrhunderts

Paul: Heute wollen wir über den Anfang aller Dinge sprechen, über die Schöpfung. Da passt es gut, dass wir in Chicago sind, denn mit dieser stürmischen Stadt verbinden wir beide auch einen persönlichen Anfang. Du hast hier an der Loyola University Philosophie studiert, gleich nachdem du Jesuit geworden bist. Und ich habe an der University of Chicago meine Doktorarbeit zur Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften geschrieben.

Guy: Wenn ich die Anfangsverse der Genesis lese, in denen davon die Rede ist, dass der Geist Gottes über den Wassern schwebte, dann stelle ich mir immer einen stürmischen Tag am Lake Huron vor. Dort bin ich aufgewachsen. Aber der Lake Michigan und Chicago − ich liebe diese Stadt. Und diese Gegend hier mit all den Museen am Seeufer ist für mich wie ein Stück vom Himmel. So viele Lieblingsplätze: das Planetarium, das Aquarium …

Aber wenn wir über den Anfang des Universums reden wollen, warum sind wir dann hier im Art Institute? ­Sollten wir nicht im Planetarium sein, in dessen riesiger ­Kuppel es einen Film über den Urknall zu sehen gibt? Oder im Field Museum für Naturgeschichte mit seiner wunderbaren Sammlung von Saurier-Fossilien und Meteoriten?

Paul: Denk doch mal an all die Leute, die uns als Astronomen im Vatikan fragen, wie das denn nun ist mit Naturwissenschaft und Religion und dem Anfang des Universums …

Guy: Du meinst die, die von uns verlangen, dass wir uns zwischen Genesis und Urknall entscheiden?

Paul: Genau. Die meisten sind keine Naturwissenschaftler, es würde also nichts bringen, ihre Fragen in einer naturwissenschaftlichen Umgebung wie einem Planetarium zu beantworten. Allzu oft teilen wir unser Leben in getrennte Bereiche auf: Aquarium versus Planetarium, Arbeit versus Freizeit, Naturwissenschaft versus Religion und so weiter. Manchmal ist es dann schwierig, vom einen zum anderen überzugehen. Deshalb will ich heute an einem Ort anfangen, wo sich Naturwissenschaft und Religion überschneiden können. Hier im bleibt einem gar nichts anderes übrig als zu erkennen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, die Realität darzustellen – mehr als eine Art zu malen, könnte man auch sagen. Also gönn mir den Spaß und lass uns ein paar von meinen Lieblings-Kunstwerken anschauen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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