Wohin du auch fliehst - Elizabeth Haynes - E-Book

Wohin du auch fliehst E-Book

Elizabeth Haynes

4,9
8,99 €

oder
Beschreibung

Der Feind in deinem Bett

Niemand glaubt Cathy, als sie sich von ihrem charmanten, allseits beliebten Freund Lee zunehmend bedroht fühlt. Er kontrolliert jeden ihrer Schritte, schleicht sich heimlich in ihre Wohnung, manipuliert ihre Freunde. Völlig auf sich allein gestellt, plant sie ihre Flucht — die sie nur knapp überlebt. In einer neuen Stadt und ohne jeden Kontakt zu den Menschen aus ihrer Vergangenheit gelingt es ihr, sich ein Leben in vermeintlicher Sicherheit aufzubauen. Doch auch jetzt, Jahre später, verfolgt Cathy noch die Angst, dass Lee zurückkommen und sie finden könnte. Und sie soll Recht behalten …

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 670

Bewertungen
4,9 (74 Bewertungen)
67
7
0
0
0



Vier Fragen an die Autorin Elizabeth Haynes

Was hat Sie auf die Idee zu diesem Buch gebracht?

Ob Sie es glauben oder nicht, das war ein Traum. Ich habe von einem schrecklichen Mann geträumt, und ich wusste, wie grausam er war, aber niemand wollte mir glauben. Meine Freundinnen fanden ihn alle toll, und als ich versuchte ihnen beizubringen, wie furchtbar er war, warfen sie mir vor, fies und kleinlich zu sein. Ich bin mit dem Gedanken aufgewacht, wie schrecklich es ist, wenn einem niemand glaubt. Das kann so weit gehen, dass man sogar sich selbst nicht mehr glaubt.

Wussten Sie gleich von Anfang an, wie die Geschichte enden würde?

Nein. Wenn man an einer Geschichte schreibt, ist es so, als würde man sie lesen: Es macht viel weniger Spaß, wenn man schon weiß, wie sie ausgeht.

Wie sehr hat Ihr Beruf Ihr Schreiben beeinflusst?

Ich arbeite als Fallanalytikerin für die Polizei – ein Job, der von vielen Krimiautoren unterschätzt wird. Man ist zwar kein Polizeibeamter, analysiert bei einem Verbrechen aber Fakten, Vorgehens- und Verhaltensweisen, aufgrund derer dann gezielt Maßnahmen zum Einsatz kommen. Der ideale Job für einen Autor, weil man kreativ sein und die Fähigkeit besitzen muss, über vorhandene Informationen hinauszudenken und sich immer wieder zu fragen: »Was wäre, wenn …?« Durch meinen Job habe ich gelernt, dass Menschen unerwartet reagieren können und dass man sich auf Aussagen nicht immer verlassen kann.

Wo schreiben Sie am liebsten?

Wenn ich allein zu Hause bin, setze ich mich im Pyjama und mit einer Kanne Tee ins Gästezimmer. Bin ich es nicht, ziehe ich mir etwas Ordentliches an, nehme meinen Laptop und gehe in ein Café. Für mich hat die Kaffeehauskultur etwas Faszinierendes, oft greife ich Gesprächsfetzen oder Ideen auf, auf die ich sonst vielleicht nicht gekommen wäre.

Zur Autorin

Elizabeth Haynes wuchs in Seaford, Sussex auf und studierte an der Leicester University Englisch, Deutsch und Kunstgeschichte. Sie arbeitet als Fallanalytikerin bei der Polizei und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Kent. Wohin du auch fliehst ist ihr erster Roman.

Elizabeth Haynes

Wohin du auch fliehst

Thriller

Aus dem Englischen von Christiane Winkler

Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel Into the Darkest Corner bei Myriad Editions, Brighton

Deutsche Erstausgabe 01/2012

Copyright © Elizabeth Haynes 2011

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by Diana Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Redaktion | Christiane Burkhardt

Umschlagmotive | © masterfile | Stellar Stock und shutterstock

Umschlaggestaltung | t.mutzenbach design, München

Satz | Leingärtner, Nabburg

ePub-ISBN 978-3-641-06439-6

www.diana-verlag.de

Für Wendy George und Jackie Moscicki – zwei starke und inspirierende Frauen

Lancaster Crown Court

R. gegen Brightman

Donnerstag, 11. Mai 2005

Vormittagssitzung

Vorsitz: Richter Nolan

Mr Maclean Bitte nennen Sie Ihren vollständigen Namen.

Mr Brightman Lee Anthony Brightman.

Mr Maclean Danke. Also, Mr Brightman, Sie hatten ein Verhältnis mit Miss Bailey, stimmt das?

Mr Brightman Ja.

Mr Maclean Wie lange?

Mr Brightman Ich habe sie Ende Oktober 2003 kennengelernt. Wir waren bis Mitte Juni letzten Jahres zusammen.

Mr Maclean Wo haben Sie sich kennengelernt?

Mr Brightman Bei der Arbeit. Ich hatte einen Einsatz, bei dem ich sie kennenlernte.

Mr Maclean Und dann sind Sie eine Beziehung eingegangen?

Mr Brightman Ja.

Mr Maclean Sie sagten, Sie haben die Beziehung im Juni beendet. Im gegenseitigen Einvernehmen?

Mr Maclean Es lief schon eine Weile nicht mehr so gut. Catherine war sehr eifersüchtig, wenn ich geschäftlich unterwegs war und keine Zeit mit ihr verbringen konnte. Sie dachte, ich hätte eine Affäre.

Mr Maclean Und? Hatten Sie eine?

Mr Brightman Nein. Aus beruflichen Gründen bin ich oft tagelang nicht zu Hause und darf niemandem, nicht einmal meiner Freundin, sagen, wo ich bin und wann ich wieder nach Hause komme.

Mr Maclean Kam es aufgrund Ihrer Abwesenheit zu Auseinandersetzungen zwischen Ihnen und Miss Bailey?

Mr Brightman Ja. Sie hat mein Handy kontrolliert und nach Nachrichten von anderen Frauen gesucht. Sie wollte wissen, wo ich gewesen war und mit wem ich mich getroffen hatte. Aber wenn ich von einer Dienstreise zurückkam, wollte ich einfach nur alles vergessen und mich ein wenig entspannen. Ich bekam zunehmend das Gefühl, dass das nicht geht.

Mr Maclean Und deswegen haben Sie die Beziehung beendet?

Mr Brightman Nein. Ab und zu haben wir uns gestritten, trotzdem habe ich sie geliebt. Ich wusste, dass sie emotionale Probleme hatte. Immer, wenn sie auf mich losging, sagte ich mir, es sei nicht ihre Schuld.

Mr Maclean Was meinen Sie mit »emotionalen Problemen«?

Mr Brightman Nun, sie hatte mir erzählt, dass sie in der Vergangenheit unter Angstzuständen gelitten hatte. Je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, desto deutlicher wurde das. Sie ging mit ihren Freunden trinken oder trank zu Hause. Wenn ich nach Hause kam, fing sie Streit an und ging auf mich los.

Mr Maclean Ich würde Sie noch gerne etwas zu den emotionalen Problemen fragen. Haben Sie im Lauf Ihrer Beziehung jemals den Eindruck gehabt, dass Miss Bailey sich aufgrund von emotionalen Belastungen etwas antun könnte?

Mr Brightman Nein. Ihre Freunde hatten mir erzählt, dass sie sich in der Vergangenheit Schnittverletzungen beigebracht hat.

Mr Lewis Einspruch, Euer Ehren. Der Zeuge wurde nicht nach der Meinung der Freunde von Miss Bailey gefragt.

Richter Nolan Mr Brightman, bitte halten Sie sich an die Ihnen gestellten Fragen. Danke.

Mr Maclean Mr Brightman, Sie haben ausgesagt, dass Miss Bailey auf Sie losging. Können Sie erklären, was Sie damit meinen?

Mr Brightman Sie schrie mich an, schubste, schlug und trat mich. Solche Sachen.

Mr Maclean Sie war Ihnen gegenüber also gewalttätig?

Mr Brightman Ja, doch. Ja, das war sie.

Mr Maclean Und wie oft kam das ungefähr vor?

Mr Brightman Keine Ahnung, ich habe es nicht gezählt.

Mr Maclean Wie verhielten Sie sich normalerweise, wenn sie auf Sie losging?

Mr Brightman Ich ging einfach. Ich habe in meinem Job schon zu Genüge mit so was zu tun, also wollte ich es nicht auch noch zu Hause ertragen müssen.

Mr Maclean Haben Sie gegen Miss Bailey jemals Gewalt angewendet?

Mr Brightman Nur beim letzten Mal. Sie hatte mich im Haus eingesperrt und den Schlüssel irgendwo versteckt. Sie tobte vor Wut. Ich hatte einen besonders schwierigen Job hinter mir, und da bin ich durchgedreht und habe zurückgeschlagen. Das war das erste Mal, dass ich eine Frau geschlagen habe.

Mr Maclean Das letzte Mal – von welchem Datum sprechen wir hier?

Mr Brightman Es war im Juni. Ich glaube, am dreizehnten.

Mr Maclean Würden Sie uns bitte schildern, wie dieser Tag verlief?

Mr Brightman Ich hatte die Nacht bei Catherine verbracht, und da ich am Wochenende Dienst hatte, habe ich das Haus verlassen, bevor Catherine aufgewacht ist. Als ich am Abend zurückkam, war sie daheim und hatte getrunken. Sie beschuldigte mich, den Tag mit anderen Frauen verbracht zu haben – das bekam ich ja laufend von ihr zu hören. Ich habe mir das eine Weile angehört, hatte aber nach ein paar Stunden die Nase voll. Ich wollte gehen, doch sie hatte die Haustür verriegelt. Sie schrie und beschimpfte mich immer wieder, schlug mich, zerkratzte mir das Gesicht. Ich habe sie weggeschubst, aber nur, um sie auf Distanz zu halten. Doch sie hat sich wieder auf mich gestürzt, und da habe ich sie geschlagen.

Mr Maclean Wie haben Sie sie geschlagen, Mr Brightman? War es ein Fausthieb oder eine Ohrfeige?

Mr Brightman Ich habe sie mit der geballten Faust geschlagen.

Mr Maclean Verstehe. Was ist dann passiert?

Mr Brightman Sie hat immer noch nicht aufgehört und nur noch lauter geschrien, dann ist sie wieder auf mich losgegangen. Also habe ich erneut zugeschlagen. Diesmal vermutlich härter. Sie fiel rückwärts um, und ich bin zu ihr gegangen, habe nachgesehen, ob alles in Ordnung ist, und wollte ihr aufhelfen. Dabei bin ich aus Versehen auf ihre Hand getreten. Sie hat geschrien, mich beschimpft und etwas nach mir geworfen. Den Hausschlüssel.

Mr Maclean Und was haben Sie getan?

Mr Brightman Ich habe den Schlüssel genommen, die Tür aufgesperrt und bin gegangen.

Mr Maclean Wie spät war es da?

Mr Brightman Gegen Viertel nach sieben.

Mr Maclean In welcher Verfassung war sie, als Sie sie zurückließen?

Mr Brightman Sie hat weitergeschrien und geschimpft.

Mr Maclean War sie verletzt, hat sie geblutet?

Mr Brightman Vermutlich hat sie geblutet.

Mr Maclean Können Sie das näher beschreiben?

Mr Brightman Sie hatte etwas Blut im Gesicht. Keine Ahnung, wo das herkam. Viel Blut war es nicht.

Mr Maclean Waren Sie selbst auch verletzt?

Mr Brightman Ich hatte nur ein paar Kratzer.

Mr Maclean Haben Sie daran gedacht, dass sie vielleicht ärztliche Hilfe benötigen könnte?

Mr Brightman Nein.

Mr Maclean Obwohl sie doch ganz offensichtlich blutete und weinte?

Mr Brightman Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie geheult hat. Als ich aus dem Haus ging, hat sie mich beschimpft und wütend angeschrien. Wenn sie ärztliche Hilfe benötigt hätte, hätte sie diese vermutlich selbst und ohne meine Hilfe holen können.

Mr Maclean Verstehe. Haben Sie Miss Bailey noch einmal wiedergesehen, nachdem Sie gegen Viertel nach sieben das Haus verlassen haben?

Mr Brightman Nein, ich habe sie nicht mehr gesehen.

Mr Maclean Haben Sie sie angerufen?

Mr Brightman Nein.

Mr Maclean Mr Brightman, bitte denken Sie gut nach, bevor Sie meine Frage beantworten. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie heute an den Vorfall denken?

Mr Brightman Ich bedauere ihn zutiefst. Ich habe Catherine geliebt. Ich hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht. Ich wusste nicht, dass sie dermaßen gestört war, und würde mir wünschen, mich nicht an ihr gerächt zu haben. Ich hätte mir einfach mehr Mühe geben und sie beruhigen sollen.

Mr Maclean Danke. Euer Ehren, ich habe keine weiteren Fragen mehr.

Kreuzverhör

Mr Lewis Mr Brightman, würden Sie Ihre Beziehung zu Miss Bailey als ernsthaft bezeichnen?

Mr Brightman Ja, das kann man so sagen.

Mr Lewis Sie wissen, dass Ihr Job es mit sich bringt, dass Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre privaten Umstände informieren müssen. Auch über sämtliche Einzelheiten Ihrer Beziehungen?

Mr Brightman Ja.

Mr Lewis Dennoch haben Sie niemanden über Ihre Beziehung mit Miss Bailey informiert, stimmt das?

Mr Brightman Ich wollte es tun, sobald Catherine meinen Heiratsantrag angenommen hätte. Mein Jahresgespräch war Ende September fällig; spätestens da hätte ich es erwähnt.

Mr Lewis Ich würde gerne Ihre Aufmerksamkeit auf die Beweisstücke WL/1 lenken – Seite vierzehn der Beweisunterlagen –, und zwar auf die Aussage von Officer William Lay. Officer Lay hat Sie am Dienstag, den fünfzehnten Juni 2004 in Ihrer Wohnung verhaftet. Seiner Aussage nach haben Sie auf seine Frage nach Miss Bailey geantwortet, dass Sie nicht wüssten, von wem er rede. Ist das korrekt?

Mr Brightman Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe.

Mr Lewis Damit war die Frau gemeint, von der Sie später behaupteten, dass Sie sie liebten, und die Sie heiraten wollten. Ist das richtig?

Mr Brightman Officer Lay und Officer Newman sind um sechs Uhr morgens in meine Wohnung gekommen. Ich hatte drei Nachtschichten hinter mir und war gerade erst ins Bett gegangen. Ich war etwas durcheinander.

Mr Lewis Haben Sie später auf dem Polizeirevier in Lancaster ausgesagt, ich zitiere: »Sie war nur jemand, über den ich Nachforschungen angestellt habe. Es ging ihr gut, als ich sie zurückließ. Sie hatte emotionale Probleme, psychische Probleme«?

Mr Brightman Unverständliches Gemurmel

Richter Nolan Mr Brightman, würden Sie bitte etwas lauter sprechen?

Mr Brightman Ja.

Mr Lewis Und, haben Sie Nachforschungen über Miss Bailey angestellt?

Mr Brightman Nein.

Mr Lewis Keine weiteren Fragen.

Richter Nolan Danke. Meine Damen und Herren, wir vertagen die Verhandlung bis nach der Mittagspause.

Donnerstag, 21. Juni 2001

Was das Sterben angeht, war der längste Tag des Jahres dafür genauso gut geeignet wie jeder andere.

Naomi Bennett lag mit weit aufgerissenen Augen in einem Graben, während das Blut, das sie über vierundzwanzig Jahre am Leben erhalten hatte, im Kies und Schutt unter ihr versickerte.

Immer wieder verlor sie das Bewusstsein, kam erneut zu sich und dachte über die Ironie des Ganzen nach, nämlich, dass sie jetzt durch die Hand des einzigen Mannes sterben würde, der sie je geliebt hatte und gut zu ihr gewesen war. Und das, nachdem sie schon so vieles überlebt hatte und ihr die Freiheit zum Greifen nah erschienen war. Er stand am Rand des Grabens und beugte sich über sie. Sein Gesicht lag im Schatten, während die Sonne zwischen den hellgrünen Blättern durchfiel, ihn mit Licht besprenkelte und sein Haar erglänzen ließ. Er wartete.

Das Blut füllte ihre Lungen, sie hustete und spuckte rote Luftbläschen aus, die über ihr Kinn schäumten.

Regungslos stand er da, die eine Hand auf die Schaufel gestützt, sah zu, wie das Blut nur so aus ihr herausströmte, und wunderte sich über seine prächtige Farbe, das flüssige Juwel – darüber, dass sie sogar noch im Angesicht des Todes die schönste Frau war, die er je gesehen hatte.

Als der Blutstrom nachließ und zu einem bloßen Tröpfeln geworden war, wandte er sich ab und ließ seinen Blick über das baufällige Niemandsland zwischen dem Industriegebiet und den dahinter beginnenden Feldern schweifen. Niemand verirrte sich hierher, nicht einmal Spaziergänger mit ihren Hunden. Das Gelände war unwirtlich, überall lag Fabrikmüll herum, der sich über Jahrzehnte hinweg angesammelt hatte, zwischen den leeren Kabelrollen wuchs Unkraut, braune Flüssigkeit tropfte aus verrosteten Ölfässern, und am Ende, unter einer langen Reihe von Linden, befand sich ein Bachbett, das schmutziges Wasser führte, wenn es regnete, und eine Meile weiter in den Fluss mündete.

Mehrere Minuten vergingen.

Sie war tot.

Wind war aufgekommen, er blickte durch die Blätterkrone zu den Wolken empor, die über den Himmel jagten.

Vorsichtig kletterte er auf die Schaufel gestützt die unebene Böschung hinunter und ließ sie dann ohne zu zögern auf ihren Schädel niedersausen. Zunächst prallte sie daran ab, doch dann zertrümmerte er den Knochen mit einem dumpfen Knacks, sodass er sich in ihr Fleisch bohrte. Immer wieder hieb er keuchend vor Anstrengung auf ihr Gesicht ein, zerschlug Zähne, Knochen und Fleisch zu einer einzigen breiigen Masse.

Danach war sie nicht mehr seine Naomi.

Wieder nahm er das Messer. Er trennte ihr jeden einzelnen Finger ab, dann die Handflächen, bis nichts mehr übrig war, womit man sie hätte identifizieren können.

Dann benutzte er die blutige Schaufel, um sie mit dem Schutt, Sand und Müll zu bedecken, die sich in dem Graben angesammelt hatten. Er hatte keine sehr gute Arbeit geleistet. Überall war Blut.

Doch als er fertig war – sich die Tränen abgewischt hatte, die er vergoss, seit sie erstaunt seinen Namen gerufen hatte, als er ihr mit dem Messer die Kehle aufschlitzte –, fielen die ersten Tropfen vom bewölkten Himmel.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Erin stand seit über einer Minute in der Tür, ich konnte ihr Spiegelbild im dunklen Fenster sehen. Ich scrollte weiter durch die Tabelle auf dem Bildschirm und wunderte mich, dass es auf dem Weg zur Arbeit dunkel gewesen, jetzt aber schon wieder dunkel war.

»Cathy?«

Ich drehte den Kopf. »Tut mir leid«, sagte ich. »Ich war ganz in Gedanken. Was ist?«

Sie lehnte im Türrahmen, hatte eine Hand in die Hüfte gestemmt und ihr langes rotbraunes Haar zu einem Knoten geschlungen. »Ich wollte wissen, ob du bald fertig bist.«

»Noch nicht ganz. Warum?«

»Vergiss Emilys Abschiedsfeier heute Abend nicht. Du kommst doch mit, oder?«

Ich wandte mich wieder dem Bildschirm zu. »Ehrlich gesagt weiß ich es noch nicht so genau – ich muss das erst fertig machen. Geh schon mal vor. Ich versuche später nachzukommen.«

»In Ordnung«, sagte sie schließlich. Sie stampfte extra laut davon, auch wenn ihre Pumps nicht besonders geräuschvoll waren.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!