Verlag: AAVAA Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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E-Book-Beschreibung Wolfswelten - Wolf Hamm

Ein Sozialpsychologe führt lebensgeschichtliche Untersuchungen in Altersheimen durch. Dort trifft er auf Hitlers Sohn. Dieser erzählt, dass WOLF, eine rechtsradikale Geheimgesellschaft, aus seinen Genen Hitler wiederherstellen möchte. Für diesen Zweck habe man ihn verwöhnt und gefangengehalten, trotz seiner Widerstände. Der Weg von WOLF habe von der Flüchtlingsexistenz der Nazi-Kriegsverbrecher bis zum Global Player in Sachen Krieg und Unterdrückung geführt. Die Erzählung wird immer wieder von Führern von WOLF unterbrochen, die vom Sohn belastendes Material bekommen wollen, das dieser gesammelt hat. Als der Sohn Hitlers stirbt, gerät der Sozialpsychologe in Verdacht, ihn ermordet zu haben, und wird bis zu einer Hütte im Dunkelwald verfolgt. Dort umstellt ihn die Geheimorganisation und bereitet die Bestrafung vor.

Meinungen über das E-Book Wolfswelten - Wolf Hamm

E-Book-Leseprobe Wolfswelten - Wolf Hamm

Wolf Hamm

Wolfswelten

© 2016 AAVAA Verlag

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2016

Umschlaggestaltung: AAVAA Verlag

Coverbild: Andrea Mühlbacher, Braunau am Inn, Österreich

Lektorat: Sabine Eva Rädisch, Regensburg

Printed in Germany

Taschenbuch:  ISBN 978-3-8459-1992-8

Großdruck:     ISBN 978-3-8459-1993-5

eBook epub:   ISBN 978-3-8459-1994-2

eBook PDF:   ISBN 978-3-8459-1995-9

Sonderdruck  Mini-Buch ohne ISBN

AAVAA Verlag, Hohen Neuendorf, bei Berlin

www.aavaa-verlag.com

eBooks sind nicht übertragbar! Es verstößt gegen das Urheberrecht, dieses Werk weiterzuverkaufen oder zu verschenken!

Der Fluch

Ein Fluch soll auf dem Künstlerhof im Dunkelwald in der Nähe von Kirchwalden liegen. Vor drei Jahren sei der Besitzer unter »ungeklärten Umständen«, wie die Nachbarn gerne erzählten, gestorben. Einem berühmten Maler habe das Anwesen gehört. Nach seinem Tod habe es lange leergestanden. Die Leute hatten Angst, ein ähnliches Unglück würde über den neuen Besitzer hereinbrechen. Welcher Art das Unglück war, konnte ich nicht herausfinden. Ein schleichender Tod? Ein Verbrechen?

Ich ließ mich von diesen Gerüchten nicht abhalten und erwarb das Anwesen vor drei Jahren, gleich nach dem Tod meiner Frau. Handwerker wie ich orientieren sich an Konkretem, nicht an Eingebildetem.

Als Zimmermann konnte ich den größten Teil selber renovieren. Am Haupthaus durfte ich nicht viel verändern; aber ich konnte die Gemütlichkeit einer alten Bauernstube herstellen. Der Herrgottswinkel wurde sogar von der Bayerischen Architektenkammer mit dem zweiten Preis des Wettbewerbs »Stilvoll bayerisch leben« ausgezeichnet. In den Stall baute ich eine Werkstatt ein. Aus der Jagdhütte wurde ein kleines Sommerhaus. Beim Umbau fand ich unter den Fußbodenbrettern ein Heft im DIN-A4-Format mit hellblauem Einband, dessen Seiten mit winzigen Buchstaben in einer schwer lesbaren Handschrift vollgekritzelt waren. Der Inhalt war für mich verwirrend und beängstigend: Politisches vermischte sich mit Persönlichem, Fantastisches mit Realistischem, Ekelhaftes mit Moralischem; ein Allerlei an Geschichten, Berichten und Überlegungen.

Auf dem Etikett der Vorderseite stand der Titel »Hitlers Sohn und ich«. Kein Autorenname. Dann folgten sechsundneunzig eng beschriebene, unlinierte Seiten. Der Autor soll, sagt wiederum das Gerücht, ein Mann mittleren Alters gewesen sein, der vor Jahren einige Zeit in der Hütte gelebt haben und dann plötzlich verschwunden sein soll.

Nach dem hektischen Leben in München wollte ich in der Einsamkeit des Dunkelwalds meine Ruhe finden. Ich bin ein einfacher Mensch, der seine Zeitung lesen, tagsüber die Zeit in der Werkstatt verbringen und abends vor dem Fernseher sitzen will. Dann fand ich dieses Buch und las es. Seither schaue ich immer wieder aus dem Fenster, ob jemand kommt. Ich habe mir einen Schäferhund angeschafft, der als Wachhund trainiert ist. Eine Alarmanlage stört häufig meine Ruhe mit grundlosem Gedröhne.

Nach der Lektüre entschied sich der Besitzer des Dunkelwaldverlags, es herauszugeben, als Finder hätte ich das Copyright, behauptete er kühn. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Autor überlebt hat, sei gering.

Erster Mai

Wassertreter

Sie werden mich zu Tode foltern! Ich habe einen von ihnen umgebracht.

Ich höre sie heranschleichen. Das Knacken von Zweigen lässt mich zusammenzucken. Jeden Moment können sie die Tür einschlagen. Dann gnade mir Gott!

Der Sohn Hitlers hat mir erzählt, sie hätten damals, in der Colonia Fidelidad, Käfige in einen Gebirgsbach gestellt, derart eng, dass ein Mensch darin nur gebückt stehen konnte. Liegen oder Sitzen seien unmöglich gewesen. Auf spitzen Steinen im eisigen Wasser hätten die Verurteilten in diesen Behältern Ballett getanzt, um den Schmerzen, die die spitzen Bachkiesel und die beißende Kälte des Wassers verursachten, zu entgehen. Abwechselnd hätten sie ein Bein aus der Kälte herausgehoben, mit dem Erfolg, dass sich die Steine tiefer in die Sohlen des anderen gebohrt hätten. Deshalb war ihr Spitzname »Wassertreter«.

Gefoltert hätten sie, wen sie wollten: geschäftliche Konkurrenten, politische Gegner, Kriminelle, Andersgläubige, Farbige oder Verräter. Während das Wasser, kalt, wie es aus dem Gebirge kam, Füße und Unterschenkel des Opfers umsprudelte und die Steine die Opfer quälten, hätte ein Arzt den Prozess begleitet, bis die Gefolterten - völlig nackt, von Kot und Urin besudelt, ausgeschrien, ausgehungert, ausgezehrt - tot zusammenbrachen. Die genaue Dokumentation ihres Sterbens floss in die umfangreiche Forschungsarbeit des Forschungsamtes zur experimentellen Verifikation von Durchhalteprozessen (FEVD) ein. Dieses Institut von WOLF, der Wohltätigkeits-Organisation langjähriger Freunde, wie sich die verkappten Nazis nannten, entwickelte systematisch Verhör- und Foltermethoden, die mit geringer Anstrengung schnellen Erfolg verhießen.

Ja, ich habe begonnen, den Auftrag von Hitlers Sohn, den er mir in seiner Todesstunde gegeben hat, zu erfüllen: »Schreib auf, was ich dir erzählt habe. Schreib auf, was du in Wolfsheim gesehen und gehört hast.«

Solange sie mich nicht umbringen, schreibe ich. Diesmal will ich nicht versagen.

Möge jemand, der nicht zu den Wölfen gehört, den Bericht in die Hände bekommen, lesen und seine Botschaft verbreiten, wenn ich tot bin.

Deutschlandreise

Seit dem 20. April hetzte ich mit meinem kleinen Hyundai und mit Zerbo, meinem Mops, durch Deutschland, verfolgt von den Wölfen: über Hauptstraßen und Nebenstraßen; über Autobahnen, Waldwege und Brücken, durch Städte, Wälder und Tunnels. Überall sah ich Verfolger, im Rückspiegel hinter mir, im Auto vor mir; sie überholten mich, fuhren bis zur Stoßstange hinten auf, zeigten mir den Stinkefinger, hupten laut und standen feixend neben mir an der Ampel, die Lautsprecher bis zum Anschlag aufgedreht. Tag und Nacht jagten sie mich durch Deutschland.

Mehrmals hängte ich sie ab. Eine Stunde später waren sie wieder da. Wenn ich müde wurde, schlief ich im Auto an einer belebten Straße, der Tauentzienstraße in Berlin, am Mittleren Ring in München oder auf der Reeperbahn in Hamburg. Sie würden es nicht wagen, mich dort umzubringen. Dumm von mir, denn sie bringen einen überall um, wenn sie es wollen.

Parkte ich das Auto, warteten sie in gehörigem Abstand, winkten mir zu und blödelten herum. Kasperletheater! Sie wollten mich zermürben, damit ich sie zum Versteck der Dokumente führte.

Mehrfach musste ich aussteigen und mich übergeben. Die Muskeln brannten. Mein Kopf dröhnte. Meine Kleider waren durchgeschwitzt.

Nach einigen Tagen suchte ich beim Künstler Zuflucht. Er malte auf einem heruntergekommenen Bauernhof im Dunkelwald Bilder. Wir waren nicht wirklich befreundet, sondern nur Schulkameraden auf dem Gymnasium. Die anderen Klassenkameraden hatten ihn verspottet – »Der Günstler« -, ich hatte als Einziger seine gestalterischen Versuche gewürdigt, ihn sogar darum beneidet.

Bei ihm angekommen, fabulierte ich eine Geschichte zusammen - ich hätte Spielschulden, die Schuldner würden mich verfolgen - und streute Begriffe wie Mafia, Ehre und Rache ein.

Dass ich ein Mörder bin, erzählte ich ihm nicht.

Er empfing mich freundlich und hilfsbereit, belächelte meine Geschichte und schlug mir vor, mich in seiner Hütte im Wald zu verstecken, bis die Gefahr vorüber sei. Abends würde er mich mit Lebensmitteln versorgen. Die Hütte sei primitiv eingerichtet: kein Strom, kein fließendes Wasser, keine Toilette, nur Tisch, zwei Stühle, Doppelbett. Niemand käme auf die Idee, dass sich dort ein Mensch länger als notwendig aufhalten möchte. Er selber sei schon lange nicht mehr dort gewesen.

Dankbar nahm ich dieses Angebot an. Aber warum ließ er mich nicht bei sich im Bauernhof wohnen? Wie auch immer, ich war so müde und erschöpft, dass ich nicht mehr fragen wollte.

Mit reichlich Essbarem, Getränken, Tellern, Besteck, Gläsern, Kerzen - anderes Licht gab es nicht, eine Öllampe würde er morgen mitbringen - und einem Rotwein der oberen Preisklasse der Fattoria di cielo versorgt und seelisch etwas getröstet, fuhr ich los. Ich folgte der Wegbeschreibung, versteckte das Auto im Gebüsch und schleppte schwitzend und keuchend die Notausstattung in einem Plastikkorb zu meinem Unterschlupf. Die Sonne brannte heiß wie sonst nie in dieser Jahreszeit.

Zerbo schnaufte hinterher, mit einem vorwurfsvollen Blick, als wäre ich für die brütende Schwüle verantwortlich.

Auf dem Weg sondierte ich das Terrain.

Stand auf der Landstraße, weit entfernt, nicht ein schwarzer Mercedes?

Gebückt stolperrannte ich zur Hütte. Zerbo, mein Erbe vom Sohn Hitlers, trottete verdrossen hinterdrein. Beinahe wären wir in einen Tümpel gefallen, der hinter Büschen versteckt Waschgelegenheit bot. Zerbo schlürfte gierig das Wasser. Es schien sauber zu sein.

Vor vielen Jahren mag die Hütte für Jäger und Waldarbeiter ein nützliches Schutzhäuschen gegen Wind und Wetter gewesen sein. Jetzt drängten finstere Fichten und Tannen um das verfallende Holzgebilde, als wollten sie es sich einverleiben. Die beginnende Dämmerung verwandelte Bäume und Stauden in Spukgestalten.

Fürchterlich erschien mir in diesem Augenblick die Natur. Ich hätte jetzt Trost und Hilfe gebraucht statt der skurrilen Schatten von Bäumen.

Die Dielen ächzten und stöhnten, als ich darüber hinwegschlich. Durch die Bretterwand zischte der Wind, die Fenster klapperten bei dem zartesten Lufthauch; die Stühle und der Tisch wackelten - wie dicht das Dach war, würde der nächste Regenguss zeigen. Das Bett zierte eine staubige, löchrige Decke, und es quietschte wie ein Stall voller Ferkel. Den Boden und alle Gegenstände überzog eine dicke Staubschicht, in der sich meine Fußabdrücke und die Spuren Zerbos abzeichneten. Der Staub löste Hustenanfälle aus.

Schräg gegenüber dem Eingang stand ein wertvoll aussehender Bücherschrank mit hellbraunen Blumenintarsien in Biedermeier-Manier, auch er voller Staub und Spinnweben. Zwei einzelne Bücher ruhten in der mittleren Reihe einträchtig nebeneinander: Adolf Hitler: Mein Kampf, in Dunkelblau, etwas abgegriffen und speckig. Daneben in Rot: Die Bibel. Altes und Neues Testament, Einheitsübersetzung.

Was bedeutete diese Zusammenstellung? Wer hatte sie hierhergestellt? Eine alte Hütte mitten im Wald, ausstaffiert mit diesen beiden Büchern? Ich wollte mir über diese Merkwürdigkeit nicht den Kopf zerbrechen. Ich war zu müde.

Allmählich fiel meine Beklommenheit von mir ab. Ich verstaute das Essen und die Getränke und wischte mit einem Tuch notdürftig den Schmutz von Tisch und Stühlen. Nachdem ich auch noch Tür und Fenster aufgerissen hatte, konnten Zerbo und ich uns über die Köstlichkeiten hermachen. Zerbo kaute andächtig eine Jägerwurst und ich bekämpfte meine Sorgen mit Käse und Rotwein.

Jetzt sitze ich hier am Tisch, nur mit einer Unterhose bekleidet, denn die Höllenhitze will nicht der Nachtkühle weichen. Ich schreibe mit Bleistift in ein Heft. Nur meine Tasche mit den Interviewmaterialien ist mir geblieben, Laptop und Handy habe ich bei meiner Flucht im Krankenzimmer gelassen. Der Künstler besitzt weder einen Laptop noch ein Handy, welche er mir leihen könnte: »Wer selber denken will, braucht so etwas nicht! Ich schaue in die Natur, das ist mir Unterhaltung genug!«

Und wen hätte ich auch benachrichtigen können?

Meine Eltern?

Nein.

Freunde?

Welche Freunde?

Die Polizei?

Ich bin ein Mörder!

Nicht nur die Wölfe suchen mich, sondern auch die Polizei.

Geh schlafen!

Zweiter Mai

Der Eichelhäher

Am Morgen schlenderte ich zum kleinen Weiher, um mich zu waschen. Zerbo paddelte munter im kalten Wasser.

Auf dem Rückweg entdeckte ich einen Eichelhäher. Sie hatten ihn mit ausgebreiteten Flügeln an die Türschwelle genagelt. Aus seiner Brust ragte eine Stricknadel. Ein Gänseblümchen stak aus dem weit aufgerissenen Schnabel.

Sie sind hier!

Ich hörte explosionsartiges Niesen aus den Büschen am Wasser. Demonstrativ hustete jemand im Farngestrüpp. Hinter der Hütte lachte einer wie eine Ziege und schrie: »Da ist er ja!«

Sehen konnte ich sie nicht.

Ich schrie: »Kommt doch heraus!«

Nichts rührte sich. Dann wieder meckerndes Lachen.

Umzingelt und eingesperrt. Ich komme nie mehr von hier weg. Ich möchte sie anbrüllen. Meine trockene Kehle bringt nur ein Röcheln hervor.

Die Vorstellung, ununterbrochen beobachtet zu werden, nagt an meinen Nerven. Diese Angst ist schlimmer als Schläge.

Sie haben mich beim Pinkeln beobachtet! Sollen sie ich zeige ihnen auch meinen nackten Arsch beim Scheißen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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