Wortstürmer - Karin Kaiser - kostenlos E-Book
Beschreibung

Liebe Leserin und lieber Leser, wie schön, dass Du Dich für unser stürmisches Leseprobenheft entschieden hast. Die Wortstürmer sind ein junges und dynamisches Autorennetzwerk, das derzeit aus 13 deutschsprachigen Autorinnen aus verschiedensten Genres besteht. Wir sind überzeugt, dass eine Zusammenarbeit mehr Spaß und Erfolg für alle bringt, als einander nur als Konkurrenz zu sehen. Unser erklärtes Ziel ist es, die Herzen unserer Leserinnen und Leser im "Sturm" zu erobern. Dieses Leseprobenheft gibt Dir einen kleinen Einblick in unsere Werke und stellt Dir die Wortstürmer-Autorinnen vor. Folge uns auf Facebook, um keine Neuigkeit zu verpassen. facebook.com/wortstuermer/ Auch auf unserer Homepage finden regelmäßig tolle Aktionen statt. wortstuermer.de/ Und nun wünschen wir Dir viel Spaß beim Lesen und Stöbern! Liebe Grüße! Deine Wortstürmer Mitwirkende Autorinnen: Anja Berger, Elke Aybar, Evadeen Brickwood, Jeanette Lagall, Jennifer J. Grimm, Julia A. Kris, Lisa Darling, Mehliqa Yigit, Nika Bechtel, Lotte R. Wöss, Karin Kaiser, Sabi Lianne, Vanessa Carduie Über die Wortstürmer Die "Wortstürmer" ´sind ein junges Autorennetzwerk, dem derzeit 13 deutschsprachige Autorinnen aus verschiedenen Genres angehören. Sie haben beschlossen, dass eine Zusammenarbeit mehr bringt als einander nur als Konkurrenz zu sehen. Ihr Ziel ist es, die Herzen ihrer Leserinnen und Leser im "Sturm" zu erobern. Auf ihrer Facebookseite gibt es immer wieder tolle Aktionen zu entdecken und auf der dazugehörigen Website erfahrt ihr alles Wichtige über die teilnehmenden Autorinnen. wortstuermer.de

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:176


Karin Kaiser, Anja Berger

Wortstürmer

Leseproben

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Vorwort

Liebe Leserin und lieber Leser,

wir freuen uns, dass Du Dich für unser stürmisches Leseprobenheft interessierst. Die Wortstürmer, also wir, sind ein ganz besonderes Autorennetzwerk, das seine Leser mit völlig unterschiedlichen Genres begeistern will. Dreizehn deutschsprachige Autorinnen setzen derzeit alles daran, dass Du mit einem einzigen Griff in unser Regal eine wundervolle Auswahl an Büchern hast, von denen jedes mit seinem ganz eigenen Charme besticht. Unser erklärtes Ziel ist es, die Herzen unserer Leserinnen und Leser „im Sturm“ zu erobern. Dafür arbeiten wir zusammen – und nicht gegeneinander.

Aber schau Dir ruhig selbst einmal an, was dabei herausgekommen ist. Übrigens, auf unserer Facebookseite gibt es immer wieder tolle Aktionen zu entdecken und auf der dazugehörigen Website erfährst Du alles Wichtige über die teilnehmenden Autorinnen.

 

http://wortstuermer.de/https://www.facebook.com/wortstuermer/

 

Jetzt wünschen wir Dir aber viel Spaß beim Lesen und Stöbern!

 

Deine Wortstürmer-Autoren

Vampire und Werwölfe

 

Du findest Vampire verführerisch oder streifst gern mit Werwölfen durch die Nacht? Dann werden dir die folgenden Geschichten bestimmt gefallen.

 

 

 

Zwischen Blut und Schatten

Buch 1

 

von

Jennifer J. Grimm

 

 

 

 

 

Als Assassine der Vampirkönigin hat Niamh einiges zu tun. Jeden ihrer Aufträge erfüllt sie, dank ihrer Fähigkeit des Schattenwanderns, zur vollsten Zufriedenheit Cassandras. Doch als sie ein wichtiges Attentat verpatzt, wird die Irin selbst zur Zielscheibe.

Sie muss sich mit Henry, den sie eigentlich hätte töten sollen, verbünden.

Doch wie tötet man die mächtigste Frau der Welt?

Auf der Suche nach der Antwort kommt die Schattentänzerin dem verbotenen Vampir gefährlich nahe...

 

Weitere Bücher der Autorin:

Soultaker - Dämonenblut

 

 

* * *

 

Leseprobe

 

Prolog

 

Unter ihren nackten Füßen knirschte der warme Sand. Das Wellenrauschen begleitete die Assassine bei ihrer Verfolgung. Sie hatte den reichen Schnösel und die Vampirin im Blick.

Kopfschüttelnd lief sie weiter. Hier, auf einer der maledivischen Inseln, hielt das frischverliebte Paar jede Sicherheitsvorkehrung für unnötig. In Deutschland hielt der Banker seine neue Errungenschaft versteckt hinter der hohen Mauer seiner Villa, bewacht von Personenschützern.

Ihre Kopfhaut begann zu jucken. Unter ihrer blonden Perücke wurde es heiß. Bring es endlich zu Ende, sagte sie zu sich selbst und beschleunigte ihre Schritte. Es war gar nicht so leicht gewesen, ihre Waffen zu verstecken.

Weder die kurzen Shorts noch das Bikinioberteil boten viel Platz. Kurzerhand hatte die Kämpferin sich noch eine schwarze Tunika übergeworfen, deren lockerer Stoff bis zu ihrem Hintern fiel. Sie lief los.

»Hello?!«, rief sie auf Englisch und winkte mit der Hand. Die beiden drehten sich um. Er ließ die Finger seiner Freundin los und hob die Hand an die Augen. Blinzelnd sah er in ihre Richtung. »Sie haben etwas verloren!« Sie zeigte auf etwas im Sand.

Der misstrauische Blick der Vampirin entging ihr nicht. Sie zog an seinem Ärmel. »Lass uns weitergehen, Matthias«, sagte sie auf Deutsch.

Doch er würde ihr nicht entkommen. Der abgelegene Strand war außer ihnen menschenleer.

»Oh.« Der Mann im Hawaiihemd bückte sich. »Aber, da ist ni-« Zu vertrauensselig.

»Hier.« Sie beugte sich nach unten. In einer geschmeidigen Bewegung zog sie den kleinen Dolch. Das scharfe Metall bohrte sich tief in seine Brust.

Ein schriller Schrei entfuhr der dunkelhaarigen Vampirin. Ihre Hände vor den Mund geschlagen, starrte sie ihren vorn übergekippten Geliebten an. Instinktiv suchte sie nach einer Fluchtmöglichkeit.

Die Assassine schüttelte den Kopf und deutete mit ihrer Waffe auf sie.

»Cassandra erwartet dich. In deinem Hotelzimmer liegt ein Umschlag. Darin ist ein Flugticket. Nimmst du den Flug nicht ... « Sie neigte den Kopf zu dem Toten. »... folgst du ihm.«

Dass Cassandras Strafe schlimmer sein würde, als der schnelle Tod durch ihre Hand, erwähnte sie nicht. Die Königin hielt eben nichts davon, wenn Dienstmädchen sich aus dem Staub machten, um mit einem Menschen eine Beziehung zu führen.

Niamhs Blick fiel auf den Leichnam. Jetzt musste sie ihn nur noch verschwinden lassen.

 

 

Kapitel 1

 

Sofort.

Niamh starrte auf ihren Pager. »Klasse.« Genervt schloss sie für einen Moment die Augen. Was baute die Unterwelt wieder für einen Mist, wenn sie an ihrem freien Tag gerufen wurde?

Fluchend erhob sie sich vom grauen Teppich, der den Boden ihres Wohnzimmers bedeckte. Mit einem protestierenden Laut rutschte der schnurrende Kater von ihren Füßen und blieb neben ihrem aufgeschlagenen Buch liegen. Sie griff noch einmal hinunter und strich ihm durch das getigerte Fell.

»Ich bin bald wieder da, Gato«, versprach sie ihm und richtete sich auf. Die roten Locken wippten auf und ab, als sie die Treppe nach oben lief. Ihr einziges Bekenntnis in Sachen Nähe und Zärtlichkeit tappte ihr gemütlich hinterher.

Im Gegensatz zu ihrem geliebten Kater hatte Niamh es eilig. Die Königin schätzte es nicht, wenn man sie warten ließ.

Eigentlich hatte sie sich auf einen gemütlichen Tag eingestellt. Deshalb schlüpfte sie hastig aus der Jogginghose und dem weiten Hoodie. Stattdessen zog sie sich eine schwarze Jeans über. Aus dem karg eingerichteten Ankleideraum zog sie noch einen Rollkragenpullover hervor. In den dunkel gebeizten Regalen befand sich außerdem ihre Sammlung an Perücken, die sie ein Vermögen gekostet hatte. Sie bedauerte, dass das Finanzamt diese nicht als Arbeitsmittel anerkannte.

Sie entschied sich für eine braune Kurzhaarperücke. Der polierte Spiegel reflektierte das trübe Sonnenlicht, welches durch das runde Fenster in den Raum drang. Sie nahm ein dünnes Haargummi aus einer Schüssel und flocht ihre Haare nach hinten. Danach befestigte sie geschickt die handgearbeitete Perücke.

 

Die Schublade der antiken Kommode knarrte leise, als sie diese aufzog. Aus dem Inneren nahm sie ihre Pistole. Sie vergewisserte sich, dass die Glock geladen und gesichert war, und schob sie in das Halfter an ihrem Gürtel. Nach kurzem Überlegen steckte sie auch noch ein Set Wurfsterne in ihre Hosentasche.

Durch die offene Tür trat Niamh in ihr Schlafzimmer. Auch hier beherrschten natürliche Holztöne das Erscheinungsbild des Raumes. Der Bettbezug harmonierte mit den, in gemütlichem grau tapezierten Wänden. Und mitten auf ihrem Bett lag Gato. Niamh lächelte und warf ihm einen letzten Blick zu, bevor sie die Treppe nach unten ging.

Sorgsam verschloss sie die Küchentür und drehte sich um. Verführerischer Duft stieg ihr in die Nase. Sie sah in den Backofen und schaltete ihn zufrieden ab.

Schokokuchen. Niamh dankte den Göttern, dass sie menschliche Nahrung zu sich nehmen konnte. Denn was wäre ein ewiges Leben ohne Schokoladenkuchen?

Doch ihr blieb nichts anderes übrig, als sich jetzt ihrem Job zu widmen. Man ließ Cassandra nicht warten. Seufzend schob sie die Tür zum Keller auf und stapfte die enge Treppe hinab. Erst als sie unten stand, schloss sie ihre Augen.

 

Tief atmete sie ein, bis sie die Schatten um sich herum spüren konnte. Wie jedes Mal wenn sie dies tat, spürte sie einen Schauer, der ihr über den Rücken rann. Als sie diesen Punkt erreichte, zog sie die dünnen Schattenfäden auseinander und betrat die Schatten.

Niamh nannte dies die Schattenwelt. Die Schatten selbst stellten für sie einen wenig einladenden Ort da. Einzig die gegenüberliegende wabernde Nebelwand verursachte noch mehr Unbehagen in ihrem Magen. Sie konnte die Umgebung um sich herum klar sehen, lediglich ein dünner, dunkler Schleier hatte sich um ihre Wahrnehmung gelegt. Zäh und dickflüssig waberten dunkle Wolken um ihren Körper, es fühlte sich an, als würden diese versuchen sie in die düstere Nebelwand zu zerren.

Dennoch, hier hatte die Rothaarige die Kontrolle. Es dauerte nur wenige Momente, bis sie Cassandras Residenz erreichte.

Erneut konzentrierte sich die junge Frau und zerriss mühelos die Schatten. Hinter ihr schloss sich der dunkle Nebel geräuschlos. Dennoch drehte Niamh sich sofort um und verwebte die losen Fäden fest miteinander.

Zufrieden mit ihrem Werk, verließ sie die Kammer, welche ihr als Reisepunkt für Schattenwanderungen zur Verfügung stand. Cassandra übernahm es lieber selbst, ihre menschlichen Angestellten in diesem herrschaftlichen Gebäude zu verängstigen.

 

Und Menschen zu verängstigen ist nicht gerade schwer, dachte Niamh auf ihrem Weg durch die eleganten Gänge. Sie erinnerte sich mit einem Grinsen an das Ende des Maya-Kalenders, den die Medien als Weltuntergang interpretierten. Viele Menschen hatten besagtem Freitag vor Angst schlotternd entgegen gesehen, während andere fantastische Bauten erstellt hatten, welche sie vor der Apokalypse retten sollten.

Sie ignorierte die Bediensteten, die ihr über den Weg liefen und mit geneigtem Kopf schnell verschwanden. Ihr Ruf eilte ihr voraus.

Mit einem Mal wurde Niamh schlecht. Sie biss die Zähne zusammen und schritt weiter. Sie hasste es, sich hier aufzuhalten. Jedes Mal wurde ihr übel, von der ungezähmten Macht die Cassandra ausstrahlte. Bevor sie den bevorzugten Aufenthaltsort ihrer Königin betrat, zwang ihr Körper sie dazu einen Moment innezuhalten. Wellen voll dunkler Energie schlugen über Niamh zusammen, brachten ihren Körper zum Erzittern. Sie brauchte einen Moment um sich an die rauschende Macht zu gewöhnen, dann betrat sie den Thronsaal.

 

Die Tochter Liliths saß auf einem Thron aus dunklem Ebenholz. Die zierliche Frau schob sich die Spitzen ihrer kurzen, roten Haare hinters Ohr.

»Assassine«, stellte Cassandra fest und neigte leicht den Kopf. Niamh erschauderte, doch sie ließ sich ihr Unbehagen nicht anmerken. Cassandras Stimme hatte nichts mit ihrem Körper gemein. Während ihr Körper rein und weich wirkte, klang ihre Stimme wie die einer Furie. Und wie eine solche verhielt sie sich. Doch zum Glück für alle Beteiligten hatte sie sich wenigstens so weit im Griff, dass sie nicht mehr Mitglieder ihrer Belegschaft verspeiste.

Meistens jedenfalls.

»Meine Königin.« Niamh deutete eine Verbeugung an. Zu mehr konnte sie sich nicht herablassen. Cassandra schnalzte missbilligend mit der Zunge, doch sie hatte es aufgegeben, sich über Niamhs Unverschämtheit aufzuregen.

Denn die Irin erledigte ihre Aufgaben stets zu ihrer vollsten Zufriedenheit. Also sah sie, gnädige Herrscherin, die sie war, über das Fehlverhalten der Schattentänzerin hinweg. Denn sie wusste, dass Niamh sich niemals ändern würde. Der Sturkopf würde nichts tun, was ihr widerstrebte, erst recht nicht, wenn es um ihren Stolz ging.

Kaum vorstellbar, dass diese Frau vor wenigen Jahrhunderten noch ein unscheinbares Mädchen gewesen war.

Jedenfalls bis das dumme Stück, Magdalena, dachte sie könne sich Niamhs Begabung des Schattenwanderns zu nutzen machen und das Mädchen für einen ordentlichen Haufen Geld verhökern.

Doch die gut geschärfte Sense, welche am nächsten Morgen Magdalenas Kopf von ihren Schultern holte, machte deutlich, was die Königin von dem Angebot gehalten hatte. Doch selbst wenn sie ihr Niamh geschenkt hätte, der Tod hätte die gierige Frau trotzdem ereilt.

Niemals durfte jemand außerhalb ihrer Schlossmauern erfahren, dass die Schattentänzerin tatsächlich existierte. Nicht nachdem Cassandra alles getan hatte, um die alte Prophezeiung vergessen zu machen.

 »Niamh.« Falsche Liebenswürdigkeit tropfte beinahe aus dem Klang ihrer Stimme und ließ die Assassine erneut erschaudern. Doch Niamhs Blick blieb auf die Königin gerichtet. Abwartend, bis Cassandra weitersprach.

»Du musst jemanden finden.« Die kleine Frau erhob sich aus dem hölzernen Ungetüm, ihrem Thron.

Niamh nickte. Soweit war das nichts Neues. Ständig erledigte sie die Drecksarbeit und tötete Verräter. Bei ihrem Lebenslauf hätte sie auch bei der Mafia anheuern können. Innerlich erhellte ein amüsiertes Grinsen ihr Gemüt.

»Es ist ein Mann. Ein Vampir«, fügte Cassandra hinzu und ihr Gesicht verzog sich zu einer Grimasse.

Die Assassine erstarrte. Ein männlicher Vampir? Diese hatte Cassandra ausmerzen lassen, bevor Niamh das Licht der Welt erblickt hatte.

»Wie bitte?«, brachte sie hervor. Es war verboten, männliche Vampire zu erzeugen. Die Gründe dafür lagen weit in der Vergangenheit von Cassandra und ihrer Mutter Lilith.

Unheilvoll nickte die Königin und strich über ihr bodenlanges Kleid. Der dunkle Samt schimmerte grün im einfallenden Licht der bunten Glasfenster.

»Ich weiß nicht, wer so töricht und dumm genug sein konnte, einen Mann zu verwandeln. Doch diejenige muss bestraft werden. Ich werde an diesem hirnlosen Waschweib ein Exempel statuieren, das seinesgleichen suchen wird.« Wut verzerrte das engelsgleiche Gesicht zu einer Fratze, als sie sich in Rage redete.

Es hätte Niamh nicht überrascht, wenn die Königin angefangen hätte, Schaum zu spucken. Diese wandte sich ihr zu.

»Du wirst diesen Bastard finden!«, befahl sie, ihre Stimme bebte vor Zorn. »Doch vorher musst du herausfinden, ob es noch mehr von Ihnen gibt!«

Langsam gewann sie ihre Fassung zurück. »Sie müssen alle vernichtet werden! Es darf keine männlichen Vampire geben!«

Niamh verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Längst hatten sich die feinen Härchen auf ihrer Haut aufgestellt, die Gänsehaut überzog ihren gesamten Körper. Eine Abwehrreaktion, welche durch die unkontrollierbare Stärke der Königin ausgelöst wurde.

»Habt ihr einen Anhaltspunkt?«

Cassandra deutete mit der Hand nach links. Dort, hinter einer steinernen Säule wartete Bernhard, ihr Assistent.

»Bernhard hat die Informationen erhalten. Sprich mit ihm.« Wieder gefasst schritt sie auf ihren Thron zu und ordnete ihr Kleid, bevor sie sich setzte.

»Ich hoffe, du verstehst meinen Standpunkt, Assassine.« Cassandra gab die Adelige beinahe perfekt. Allerdings nur, wenn man von ihren legendären Wutausbrüchen absah, vor denen ihre Belegschaft erzitterte.

Niamh neigte als Antwort den Kopf zur Seite. Die braunen Locken der Perücke strichen über ihre Wange. »Ich bin nicht dumm, meine Königin.« Ruhig legte sie ihre Hand auf dem Griff ihrer Waffe ab. Doch Cassandra ignorierte ihre Untergebene erneut. Das Gehabe der jungen Frau ging schon seit Jahrhunderten so.

»Beiße nie die Hand, die dich füttert, Niamh.«

Cassandra lehnte sich auf ihrem Thron zurück. Die kurzen Haare umspielten ihr Gesicht. Es kostete sie nur einen Handwink und ein riesiger Mann erschien aus einer dunklen Ecke. Für seinen muskelbepackten Körper fiel Niamh nur ein Wort ein.

Grotesk.

 

Doch Cassandra ignorierte den Menschen. Sie interessierte sich lediglich für das Tier, das er auf einem seiner mächtigen Unterarme sitzen hatte. Im krassen Gegensatz zu seiner Körpermasse stand ein winziger Vogel. Die Eule war nur wenig größer als Cassandras Hand, bemerkte Niamh, als diese den Sperlingskauz zu sich nahm.

Sanft strich die Königin dem zahmen Tier über die weißen Brustfedern. Im Kontrast dazu standen die dunkelbraunen Schwingen der Eule. Ungeduldig klapperte das Tier mit dem kleinen Schnabel.

Niamh nahm die Hand von ihrer halbautomatischen Pistole und verließ den Raum ohne ein weiteres Wort.

Erst jetzt verneigte sich der Mann vor Cassandra. »Ich könnte dem Mädchen etwas Benehmen beibringen, mi querida ...« Unterwürfig hallte seine Stimme durch den Saal.

»Ach, Manuél.« Sie winkte ihn näher heran. Doch sobald er vor ihr stand, packte sie ihn am Kragen seines maßgeschneiderten Hemdes.

»Finger weg von der Assassine.« Ihre Augen verengten sich. Fester krallten sich ihre Finger in seine Haut. Sie erhob sich von ihrem Thron.

»Du gehörst mir.«

 

Ruckartig ließ sie ihn los. Die Eule breitete ihre Schwingen aus und flog durch den riesigen Saal.

Das samtene Kleid raschelte leise, als es zu Boden sank. Ihr wohl gerundeter Körper leuchtete in einem milchigen Weiß. Diesen Körper reinster Weiblichkeit hatte sie ihrer Mutter zu verdanken. Lilith, die erste Frau Adams.

Gierig weiteten sich die Augen des Mannes, der eben noch kurz davor gestanden hatte zu ersticken. Dennoch erfüllte der schwere Geruch seiner Lust den Raum.

Verlockende Brüste, runde Hüften und eine schmale Taille.

Cassandra lächelte. Es war wirklich leicht, einen Mann in Versuchung zu bringen ...

Ewige Gefährten

 

von

 

Karin Kaiser

 

 

 

Marisa, die die Gabe hat, magische Wesen unter den Menschen zu erkennen, lernt eines Abends den attraktiven Vampir Rafael kennen. Sofort fühlen die beiden sich zueinander hingezogen, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Sind sie EWIGE GEFÄHRTEN?

 

 

 

* * *

 

Leseprobe

 

 

Kapitel 1 – Marisa

 

Eigentlich hätte ich ja sauer sein müssen, dass Stella mich heute versetzt hatte. Eine halbe Stunde hatte ich mir schon die Beine in den Bauch gestanden und gewartet. Nach weiteren zehn Minuten hatte sie abgesagt, weil es ihr angeblich schlecht war. Nun ja, ehrlich gesagt, waren wir nur Studienkolleginnen und nicht wirklich Freundinnen. Noch nicht. Oder auch nie. Ich vermisste sie jedenfalls nicht sonderlich. Schuld daran war unter anderem der Mann am anderen Ende der Bar. Er war groß, hatte langes, dunkles Haar, das im Nacken zusammengefasst war und faszinierende Augen, die immer zwischen einem katzenhaften sandfarbenen und einem warmen Honigton changierten. Jedes Mal, wenn ich zufällig aufblickte, schenkte er mir ein Lächeln, das meinen Blutdruck in große Höhen schnellen ließ. Vor allem, weil seine Augen im Halbdunkel des Clubs so geheimnisvoll leuchteten. Nun, heutzutage war es ja möglich, sich farbige Kontaktlinsen einzusetzen, und es gab einige Gothics, die sich damit ein Vampir-Image zulegten, um jeweils das andere Geschlecht zu beeindrucken. Doch das hier war nicht einfach ein durchgeknallter Gothic. Das hier war ein waschechter Vampir. Ich wusste nicht warum, doch ich hatte schon von Kindesbeinen an ein Gespür für magische Wesen. Und von denen liefen in unserer Welt jede Menge herum, ohne dass die meisten Menschen dies überhaupt bemerkten. Und ich erkannte ebenso Menschen, die diese Wesen als das sahen, was sie waren. Es war ein merkwürdiges Talent, aber es hatte mir schon einige interessante Bekanntschaften eingebracht. Bis jetzt hatten sich lediglich ein paar Elfen und Werwölfe für mich interessiert. Jedoch waren mir die Elfen zu eitel und die Werwölfe viel zu dominant. Ich hatte diese Art Männer schnell ad acta gelegt. Da ich ihnen damit gedroht hatte, ich würde ihre Identität auffliegen lassen, wenn sie mich belästigten, ließen diese Typen mich auch in Ruhe. Aber ein Vampir war mal etwas anderes. Mich faszinierte die raubtierhafte Eleganz, mit der diese Wesen sich bewegten und deren leuchtende Augen. Zudem war dies der erste Vampir, der sich für mich interessierte. Dieser Abend versprach spannend zu werden. Ich blickte von meinem Getränk auf und direkt in zwei leuchtende Vampiraugen. Er lächelte mich wieder an und kam auf mich zu, was meinen Herzschlag noch weiter beschleunigte. Jetzt mischte sich doch ein wenig Angst zu meiner Faszination. Wollte er sich von meinem Blut nähren? Oder wollte er ein zusätzliches Sex-Abenteuer? Letzterem war ich weiß Gott nicht abgeneigt. Meine letzte Beziehung war vor zwei Jahren in die Brüche gegangen und seitdem hatte es keinen Mann in meinem Leben gegeben. Ich konnte die Sehnsucht beinahe körperlich spüren, endlich wieder berührt und geküsst zu werden. Und Sex mit einem Vampir hatte durchaus etwas. Einen Augenblick später umhüllte mich ein schwerer, süßer Lilienduft, gemischt mit Tabak und Leder.

„Bist du alleine hier?“, sprach der Vampir mich an und das dunkle, rauchige Timbre seiner Stimme wirkte äußerst erregend. Mein Herzschlag legte noch einen Zahn zu.

„Ja. Meine Freundin hat mich versetzt“, antwortete ich und war erstaunt, wie leicht es mir fiel, ihm zuzulächeln. Normalerweise war ich etwas zurückhaltender gegenüber fremden Menschen.

„Es wundert mich ja, dass eine hübsche Frau wie du so lange alleine an der Bar steht, ohne männliches Interesse zu erregen“, antwortete der junge Mann. Er schenkte mir ein Lächeln, das so offen und sympathisch wirkte, gleichzeitig aber auch sehr sinnlich herüberkam. Sein Blick glitt genussvoll über mein Gesicht, blieb an meinen Lippen hängen und wanderte weiter über meinen restlichen Körper. Dies jagte ausnehmend angenehme Schauer durch mein Inneres.

„Ich bin vielleicht zu unscheinbar“, erwiderte ich und sandte ihm einen herausfordernden Blick zu, den er mit einem Lachen beantwortete.

„Und um keine Antwort verlegen. Wie heißt du?“

„Marisa. Und du?“

„Ich bin Rafael.“

„Oh, wie der Erzengel“, rutschte es mir heraus. Ob das einem Vampir gefiel, wenn er mit einem Engel verglichen wurde? Sein Lachen enthob mich sofort weiterer Sorgen.

„Ich bin eher ein dunkler Engel“, sagte er und seine Augen leuchteten nun honigfarben auf.

Ich lächelte.

„Ich mag dunkle Engel.“

„Dann habe ich wohl gute Chancen, einen schönen Abend mit dir zu verbringen.“ Oh, diese Augen! Sie leuchteten so warm und nun auch noch so herausfordernd.

Ich brachte gerade so ein Lächeln zustande.

„Das kann man sagen.“

Im Laufe des Abends rückte er immer näher an mich heran und irgendwann lag sein Arm ganz vertraut um meine Taille. Sein phantastischer Lilienduft war unglaublich berauschend. Aber da war nicht nur körperliche Anziehung, ich fühlte schon jetzt eine solche Verbundenheit mit Rafael und eine Geborgenheit, wie ich sie bisher nur von meinen Eltern kennengelernt hatte. Doch durfte ich jedoch einem Vampir so blind vertrauen?

„Gehen wir ein bisschen hinaus, Marisa?“, schrak seine dunkle Stimme an meinem Ohr mich aus meinen Überlegungen. Wollte er mich nun beißen oder doch eher küssen? Letzteres war mir eindeutig lieber.

„Gerne, die Luft hier ist so stickig“, antwortete ich mit einem etwas zittrigen Lächeln. Rafael nahm meine Hand, als seien wir schon ewig ein Paar und führte mich aus dem Club. Frische Nachtluft schlug uns entgegen und ich konnte ein leichtes Frösteln nicht unterdrücken. Und dies kam nicht nur von der Kühle draußen. Die Bank neben dem Club war schon von einem heftig knutschenden Liebespaar besetzt und Rafael führte mich in eine kleine dunkle Gasse. Dort blieben wir unter einem schwach leuchtenden Reklameschild stehen. Mein dunkler Engel legte die Hände um meine Taille und zog mich an seinen Körper, sodass sein herrlicher Lilienduft mich ganz umgab. Mein Herz fing an, heftig zu schlagen.

„Sieh mich an, Marisa“, sagte er leise mit seiner dunklen, leicht aufgerauten Stimme, die meine Ohren klingen ließ. Ich blickte auf und direkt in seine jetzt katzenhaft goldenen Augen, in denen ein tiefer, suggestiver Blick stand. Der Blick einer Raubkatze, die ihre Beute sicher hatte. Ich fühlte seine Gedanken in meinen Kopf strömen.

Du wirst dich jetzt völlig entspannen und wirst das genießen, was ich tue. Wenn ich fertig bin, werde ich dich versorgen und du wirst alles vergessen, was ich mit dir getan habe, waberte seine Suggestion durch meinen Kopf.