Wrong: Wenn der Falsche der Richtige ist - Jana Aston - E-Book
Beschreibung

Wenn jemand ein Händchen dafür hat, sich den Falschen rauszupicken, dann bin ich es. Schwul? Weiberheld? Spieler? Muttersöhnchen? Alle zu mir! Zur Zeit bin ich in einen meiner Kunden aus dem Coffeeshop verknallt. Wenn ich auch nur daran denke, was seine schönen Hände mit meinem Körper anstellen könnten, wird mir jedes Mal ganz heiß! Aber das ist natürlich bloß eine harmlose Schwärmerei von mir. Ist ja nicht so, als würde ich Luke jemals außerhalb des Cafés treffen. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt, denn unsere Wege kreuzen sich an einem Ort, der meine wildesten Fantasien sprengt. Seine Hände sind plötzlich genau dort, wo ich sie mir gewünscht habe: zwischen meinen gespreizten Beinen. Die Sache ist mir so peinlich, dass ich Luke eigentlich nie mehr wiedersehen will, aber das Schicksal hat offenbar andere Pläne für uns: Als ich in eine Notlage gerate, wird er zum Retter in der Not und wir kommen uns näher. Was wäre, wenn der Falsche plötzlich der Richtige ist? Ein New York Times Bestseller-Roman.

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Seitenzahl:328

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Beliebtheit


Jana Aston

WRONG: WENN DER FALSCHE DER RICHTIGE IST

Erotischer Roman

Copyright © 2015 by Jana Aston

Published by Arrangement with JanaAston,

c/o Jane Rotrosen Agency LLC, 85 Broad Street, 28th Floor, New York, NY 10004 USA

Copyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Plaisir d’Amour Verlag

Im Großfeld 18

D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamourbooks.com

info@plaisirdamourbooks.com

Übersetzung: Linda Mignani

Covergestaltung: © Mia Horn

Coverfoto: © Istockphotos.com

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-265-4

ISBN eBook: 978-3-86495-264-7

Dieses Werk wurde im Auftrag der Jane Rotrosen Agency LLC vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Inhalt

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Epilog

Danksagungen

Autorin

Widmung

Kapitel 1

„Sophie, dein Lieblingskunde ist da.“ Grinsend schlägt mir Everly mit einem Handtuch auf den Hintern.

„Halt die Klappe! Er kann dich hören.“

Mist! Natürlich erröte ich sofort. Luke! Jeden Dienstagmorgen kommt er ins Grind Me, einen Coffeeshop etwas außerhalb des Campus, und sein Anblick ist der Höhepunkt meiner Frühschicht. Neben meinen Kursen an der University of Pennsylvania arbeite ich hier. Erwerbstätige und Studenten, die abseits des Universitätsgeländes wohnen, stellen den Hauptanteil unserer Kundschaft dar.

Luke fällt definitiv in die Kategorie der Berufstätigen. Ich bin mir nicht sicher, was er genau macht, doch er betritt in sehr teuer aussehenden Anzügen und stilvollen Krawatten das Café und hebt sich deutlich von den Collegejungs in T-Shirts mit grafischen Druckmotiven und Sporthosen ab. Er muss zehn, fünfzehn Jahre älter sein als ich, aber das spielt sowieso keine Rolle. Ich mag ihn, und er ist attraktiv, was schlecht ist, weil ich einen Freund habe. Einen altersgerechten Freund. Aber meine Schwärmerei ist ohnehin nur harmlos, nicht wahr?

Doch Luke … macht mein Höschen nass, und dazu braucht er nur Kaffee zu bestellen. Er ist groß, ich schätze über 1,85 Meter, hat dichtes dunkles Haar und braune Augen mit Wimpern, für die jedes Mädchen töten würde. Heute trägt er einen dunkelgrauen Anzug mit einer pflaumenfarbenen Krawatte.

Zum Niederknien.

Seine Hände - ich bin ein wenig besessen von ihnen. Lange Finger, die in kurzen, makellosen, sauberen Nägeln enden. Sie sehen einfach nur … fähig aus. Ich habe eine Menge Fantasien, bei denen seine Hände und mein Körper beteiligt sind. Er weiß bestimmt, was er mit ihnen tun muss, und ich wette, dass er mich in Minuten zum Höhepunkt bringen könnte. Diese perfekten Finger wüssten genau, worum sie sich krümmen müssten, während sein Daumen auf meinen Kitzler presst. Luke könnte mich wahrscheinlich mit einer Hand kommen lassen und gleichzeitig mit der anderen einen Anruf auf seinem Handy beenden.

Meine unzähligen Fantasien mit Luke beruhen allein darauf, dass ich ihm jeden Dienstag einen Kaffee eingieße und anschließend abkassiere. Er zahlt immer bar. Seinen Nachnamen kenne ich nicht und seinen Vornamen nur, weil ich ihn bei einem seiner Anrufe belauscht habe, während er einen Zwanziger aus seiner Brieftasche zog. „Hier ist Luke. Sagen Sie Dr. Kallam, dass es dringend ist. Ich bleibe in der Leitung.“

Leider glaube ich nicht, dass er meine Schwärmereien erwidert. Ich bin mir sicher, dass er meinen Namen nur weiß, weil er fett gedruckt auf dem Namensschild steht, das sich an der Vorderseite meiner Schürze befindet.

„Sophie.“ Er spricht mich immer mit meinem Namen an. Guten Morgen, Sophie. Ich nehme die dunkle Röstung, Sophie. Ich glaube, dass Sie ein wenig Schlagsahne auf der Nase haben, Sophie.

Das Zeug spritzt, okay?

„Sophie?“ Oh Scheiße. Hat er etwa mit mir gesprochen, während ich meinen Gedanken freien Lauf ließ?

„Sorry! Ähm, hänge meinen Tagträumen nach.“

Er grinst mich selbstgefällig an. Mistkerl.

„Einmal die große dunkle Röstung?“

„Sehr gerne.“ Er schiebt einen Fünf-Dollar-Schein über den Tresen. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Sophie.“ Er lächelt wieder, ehe er sich umdreht und aus dem Laden schlendert.

Ich beobachte, wie er läuft, wobei ich ihn, ohne erwischt zu werden, ungehindert mit meinen Blicken vernaschen kann. Die Tür fällt klirrend hinter ihm ins Schloss, aber ich behalte ihn im Auge, bis er außer Sicht ist.

„Puh, das war heiß.“ Everly fächelt sich mit einer Papiertüte Luft zu. „Sexuelle Spannung. Ist es warm hier drin?“

„Hör auf damit.“

Sie liebt es, mich zu necken. Wir machen das Woche für Woche durch. Er hört sie bestimmt im Hintergrund kichern. Außerdem sorgt sie dafür, dass ich diejenige bin, die ihn jedes Mal bedient. Falls sie hinter der Theke steht, wenn er hereinkommt, findet sie sofort eine andere Aufgabe, sodass sie mich dabei beobachten kann, wie ich ihn verliebt anhimmele. So peinlich offensichtlich.

„Genug von dem mysteriösen Hottie. Wirst du Mike endlich ranlassen oder wirst du es nicht? Du lässt ihn seit einem Monat oder länger warten. Das ist ewig, gemessen an den zeitlichen Maßstäben der umtriebigen Collegejungs. Außerdem bist du die älteste Jungfrau auf dem Campus. Nicht nur von unserem, sondern von allen.“

„Es ist nicht meine Schuld, dass ich mich zwei Jahre lang mit einem schwulen Mann getroffen habe.“ Ich stecke mir eine Haarsträhne hinters Ohr und verschränke meine Arme vor der Brust. Ich bin ein wenig empfindlich, was dieses Thema angeht.

„Hallo? Erde an Romantikerin. Du fandest es nicht seltsam, dass ein zwanzig Jahre alter Kerl niemals versucht hat, sein Teil in dich reinzustecken?“ Everly schüttet Bohnen in das Mahlwerk der Gastromaschine und wirft mir einen skeptischen Blick zu, wobei sie eine Augenbraue hebt. Ich reiche ihr einen Stapel der Fünfhundert-Gramm-Beutel mit dem Grind-Me-Aufdruck, die für den Einzelverkauf vorgesehen sind, und lehne mich an die gegenüberliegende Theke.

„Ich dachte, dass er mich respektiert, nicht, dass er vor Vaginas Angst hat“, sage ich, während ich gegen die auf dem Boden liegende Gummimatte trete und sie einen Zentimeter verschiebe. „Ich durfte ihm einen blasen“, erwähne ich, in der Hoffnung, dass es zu meiner Rechtfertigung beiträgt.

Everly schnaubt. „Ja, bei ausgeschaltetem Licht.“

Ich beiße auf meine Lippe und schaue weg.

„Oh mein Gott! Das war nur ein Witz. Es tut mir leid, Sophie. Scheiße, ernsthaft? Männer lieben es, dabei zuzusehen, wenn sie einen geblasen bekommen. Scott hat sich wahrscheinlich einen Mann vorgestellt, als sein Schwanz in deinem Mund war, also … Oh Fuck. Ich verschlimmere das alles nur noch.“ Everly lässt die Tüte mit dem Kaffee unter den Automaten fallen. Bohnen kullern über den Tresen und anschließend auf den Boden, während sie mich feste umarmt. „Viele Typen würden es mit Vergnügen mit dir machen. Ich verspreche es. Wie Luke. Der Kerl würde zu gerne mit dir in der Kiste landen. Er befürchtet nur, dass du minderjährig bist. Außerdem solltest du mit Mike beginnen. Er ist groß, dunkel und sieht aus, als wäre er wie ein Zuchthengst bestückt.“

„Du hast eine wirklich charmante Art und Weise, mit Worten umzugehen. Du solltest ein Buch oder irgendetwas in der Art schreiben.“ Ich befreie mich aus ihrer Umarmung und schnappe mir den Besen, um die auf dem Boden verstreuten Kaffeebohnen aufzufegen.

„Wie auch immer, das mit Mike ist beschlossen, oder etwa nicht? Bring es einfach hinter dich. Mike wird genügen, er ist heiß. Ich würde mit ihm vögeln.“

„Everly!“

„Ich würde es allerdings nicht ohne Kondom mit ihm machen. Sicherheit steht an erster Stelle. Und sag mir bitte, dass du einen Termin in der Studentenklinik gemacht hast. Du solltest jedes Mal zwei Verhütungsformen gleichzeitig benutzen, weil ich nicht bereit bin, Großmutter zu werden.“ Everly hüpft auf den hinteren Tresen und beobachtet mich beim Fegen. „Du hast ein paar auf der linken Seite übersehen.“

„Wir sind nicht miteinander verwandt und du bist einundzwanzig. Du würdest nicht die Großmutter sein.“

„Wie auch immer. Das ist semantisch.“

„Das ist nicht das, was semantisch bedeutet. Was ist noch mal dein Hauptfach?“ Ich werfe einen Blick auf sie, als sie sich einen Muffin aus der Kuchentheke nimmt und das Papier abschält.

„Mein Studienschwerpunkt ist Professor Camden“, antwortet sie mit vollem Mund. „Das ist besser als dieser Muffin. Jesus. Wer bezahlt für diesen Mist?“

„Du offensichtlich nicht.“ Ich beobachte, wie sie ihn in den Müll wirft. „Ja, ich habe heute nach der Arbeit einen Termin in der Klinik und meine Beine und alles andere sind rasiert.“ Meine langen braunen Haare binde ich zu einem Pferdeschwanz mit einem Haargummi, das ich vom Handgelenk abstreife, ehe ich mich herunterbeuge, um Everlys Schweinerei in eine Schaufel zu befördern.

„Was ist mit deiner Vagina? Hast du sie rasiert?” Everly greift abermals in die Kuchentheke und nimmt sich einen mit Karamell überzogenen Brownie.

„Neeee“, antworte ich bedächtig. „Ich glaube nicht, dass der Gynäkologe von mir erwartet, blank zu sein.“

„Heilige Scheiße. Dieser Brownie. Der ist gut. Orgasmisch gut. Wie viel nehmen wir für diese Dinger?“

Ich vermute, dass es ihr egal ist, weil sie weder aufhört zu sprechen, noch das Thekenschild überprüft, um nach dem Preis zu sehen.

„Oh mein Gott. Möchtest du einen Bissen?“ Ich schüttle den Kopf und sie fährt fort. „Ich kann es kaum abwarten, einen Orgasmus zu bekommen. Nicht einen Brownie-Orgasmus, einen Penis-Orgasmus. Den wirst du jedoch nicht an diesem Wochenende haben, außer, Mike ist wirklich, wirklich talentiert. Allerdings ist er nicht alt genug, um es zu sein. Da kannst du mir vertrauen. Außerdem sollte er dich zuerst mit der Zunge oder den Fingern befriedigen, bevor er dich nimmt. Denn das erste oder die ersten zwei Male fühlt es sich nicht gerade großartig an. Also ja, Mike will dich vielleicht blank. Ich stelle dich meiner Leah vor, ihre Waxing-Fähigkeiten sind erstaunlich.”

Sie lässt das angebissene Gebäckstück auf die Theke fallen und zieht ihr Handy aus der Tasche, während ich durch einen Kunden abgelenkt bin. Bis ich mit dem Medium-Vanille-Haselnuss-Latte fertig bin und mich Everly zuwende, hat sie ihr Telefonat beendet. Sie macht sich über den restlichen Brownie her.

„Hab alles erledigt. Du hast am Donnerstag einen Termin und wirst erwartet. Ich habe dir die Adresse getextet.“

„Everly! Ich habe nie einem Waxing zugestimmt.“

„Jetzt sei keine Mimose. Der Gynäkologe ist viel unangenehmer im Vergleich zu einem Waxing. Ich garantiere dir, dass du es lieben wirst, weil die Reibung viel besser beim Sex ist.“ Sie lächelt. „Sogar in deiner Jeans. Ich schwöre, du wirst den ganzen Freitag geil sein, weil deine blanke Vagina an dem Stoff reibt.“

Ich schüttle den Kopf. „Dieses Gespräch ist so falsch.“

„Worüber redet ihr Mädchen? Kissenschlachten im Wohnheim? Und ihr seid nackt?“

„Halt die Klappe, Jeff.“ Everly sieht nicht einmal während des Essens auf.

„So kannst du nicht mit mir sprechen. Ich bin der Geschäftsführer und das ist Aufsässigkeit.“ Jeff ist, genau wie wir, im vierten Jahr an der Universität. Sein Vater besitzt eine kleine Kette von Coffeeshops und hat Jeff die Leitung von dieser Zweigstelle übertragen.

„Du darfst uns auch nicht sexuell belästigen und tust es trotzdem. Warum stelle ich nicht eine Telefonkonferenz mit deinem Daddy her und wir können meine Klage wegen sexueller Belästigung diskutieren, während du deine Beschwerde wegen Aufsässigkeit vorbringst?“

„Schon gut“, murmelt Jeff. „Geh wenigstens von der Theke runter. Und notier alles, was du gestohlen hast, auf der Liste mit den abgelaufenen Lebensmitteln. Wenn du hier arbeitest, stimmt der Bestand nie.“ Er dreht sich um und geht zurück in sein Büro. Es ist nicht wirklich ein Büro, vielmehr ein im Lagerraum stehender Schreibtisch - komplett mit einem Chefsessel, den er bei Costco an einem Wochenende abgeholt und durch die Hintertür reingeschleppt hat, als wollte er sich ein kleines Imperium aufbauen, anstatt mit Collegestudenten in einem Coffeeshop fertig zu werden.

Everly hüpft von der Theke und murmelt unterdrückt vor sich hin: „Der Typ hat eine Zukunft im mittleren Management vor sich, wo er niemanden motivieren, aber jeden verärgern wird.“

„So schlimm ist er doch gar nicht.“

Sie wirft mir einen Blick zu, der deutlich zeigt, dass sie damit nicht einverstanden ist.

„Okay, er ist so schlimm.“

„Ganz genau.“ Sie macht sich erneut daran, die Beutel mit Kaffee zu füllen, und verfolgt zum Glück das Thema Waxing nicht mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob ich beabsichtige, den Termin wahrzunehmen. Der, den ich am späten Morgen habe, beschäftigt mich schon genug.

Kapitel 2

Der Rest meiner Schicht geht in einem Strudel aus Lattes, geeisten Mokkas und einem stetigen Strom von Pendlern unter: Studenten, die Richtung Campus unterwegs sind, und Berufstätigen, die zu ihren nahe gelegenen Arbeitsstellen wollen. Nachdem ich ausgecheckt habe, gehe ich zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle. Mir bleibt weniger als eine Stunde, um den Termin in der Klinik wahrzunehmen. Ich will ihn auf keinen Fall verpassen. Kondome sind leicht zu bekommen, doch ein Rezept für ein Verhütungsmittel erfordert einen Termin für eine Untersuchung. Wenn ich ihn versäume, weiß ich nicht, wann ich den nächsten freien bekommen kann.

Die Universität verfügt über ein Shuttle-System, das in Schleifen über den Campus fährt, aber das Grind Me liegt mehrere Blocks außerhalb der Busrouten. Das ist auch der Grund, warum wir so wenige Kunden unter den Erstsemestern haben. Draußen ist es kühl, da der Herbst sich mit großen Schritten nähert. Während ich zur Haltestelle eile, ziehe ich meine Jacke enger um mich. Ich bin dankbar, dass ein Bus ankommt, sobald ich sie erreiche. Die Busse fahren alle fünfzehn bis zwanzig Minuten, und dieser ist ziemlich leer, da es später Vormittag ist. Die Studenten sind bereits in den Kursen oder schlafen noch. Die Klinik in der Market Street ist nur einige Haltestellen entfernt, genau zwischen dem Grind Me und meinem Wohnheim. Bisher habe ich die Klinik nur in meinem ersten Jahr einmal aufgesucht, weil eine Halsentzündung das halbe Wohnheim heimgesucht hatte.

Als ich in der Klinik eintreffe, ist es ruhig. Die Rezeptionistin sieht gelangweilt aus, während ein paar Studenten auf ihre Termine warten und die Zeit mit ihren Smartphones überbrücken. Sie reicht mir ein Klemmbrett mit Formularen und weist mich an, sie auszufüllen und jede Seite zu unterzeichnen, bevor ich sie zu ihr zurückbringe.

Ich setze mich und bearbeite schnell den Fragebogen. Name, Matrikelnummer, Telefon, Allergien, Medikamente, Familienanamnese, Datum der letzten Periode. Immer noch weniger invasiv als eine durchschnittliche Schicht bei Grind Me mit Everly. Der Gedanke lässt mich schmunzeln. Ich komme zum Ende und schiebe den Stift unter den Clip, bevor ich das ganze Ding der Rezeptionistin überreiche und mich anschließend wieder hinsetze.

Ich bin erleichtert, als mich etwas später eine Krankenschwester aufruft. Hoffentlich ist es schnell vorüber, sodass ich in der nächsten halben Stunde mit einem Rezept in der Hand von hier verschwinden kann.

Die Krankenschwester ist eine freundlich aussehende Frau mit einem breiten Lächeln, die OP-Kleidung mit Zebrastreifen trägt und mir sagt, dass ich sie Marie nennen soll. Sie beginnt zu plaudern, sobald ich den Untersuchungsraum betrete, wo sie mein Gewicht notiert und meinen Blutdruck misst, bevor sie mir erklärt, dass ich mich ausziehen soll, auch meine Unterwäsche. Ich bin mir nicht sicher, wer versucht, seine Unterwäsche bei einem Besuch beim Gynäkologen anzulassen, aber ich behalte meine Meinung lieber für mich.

„Warum möchten Sie heute den Arzt sehen, Sophie?“ Marie schaut mich freundlich lächelnd über das Klemmbrett hinweg an. Ich wette, ihre Enkelkinder lieben sie. Sie hat drei, die das Wochenende in ihrem Haus verbracht und sie fix und fertig gemacht haben. Das hat sie mir alles erzählt, während sie meine Vitalzeichen erfasst hat. Dabei hat sie wild gestikuliert und über deren Mätzchen gelacht.

„Verhütung. Ich möchte mir die Pille verschreiben lassen.“ Ich versuche, selbstbewusst zu klingen, trotz meiner Verlegenheit, mit ihr über mein potenzielles Sexleben zu sprechen. Sie erinnert mich an meine Großmutter, die Frau, die mich aufgezogen hat. Meine Mom hat mich in ihrem ersten Jahr am College bekommen und starb, bevor ich zwei Jahre alt wurde.

„Gut, Sie sind ein gescheites Mädchen. Es ist immer klug, die Verantwortung für die Verhütung selbst zu übernehmen.“ Die Schwester nickt zustimmend. „Sind Sie schon einmal bei einem Gynäkologen gewesen?“

„Nein.“

„Also, da haben Sie Glück. Dienstagmorgens haben wir Dr. Miller im Haus. Er ist der Chefarzt der Geburtshilfe im Krankenhaus, aber für ein paar Stunden in der Woche arbeitet er freiwillig hier. Sonst hätten Sie mit einem unserer Allgemeinärzte vorliebnehmen müssen, und die sind nicht dafür bekannt, sanft zu sein. Ich gebe Ihnen eine Minute, um sich zu entkleiden, und komme dann mit dem Arzt zurück.“

Die Tür schließt sich mit einem Knarren hinter der Schwester. Ich ziehe mich schnell aus, stopfe meinen BH und das Höschen zwischen mein Shirt und die Jeans, weil es mir unhöflich erscheint, sie offen rumliegen zu lassen. Ich schlüpfe in das garstige Papierhemd und hüpfe auf den Tisch. Scheiße. Meine Socken. Marie hat keine Socken erwähnt. Ich wünschte, sie hätte es getan. Ich weiß, dass ich meine Unterwäsche ausziehen muss, aber Socken? Ist es seltsam, wenn ich sie anlasse, oder seltsam, wenn ich sie ausziehe? Ich wäge es immer noch ab, als es an der Tür klopft und die Frage ertönt, ob ich bereit bin.

Also Socken anlassen, denke ich.

Die Tür schwingt auf und Marie kommt herein.

Mit Luke.

Coffeeshop-Luke.

Die Anzugjacke, die er heute Morgen getragen hat, ist verschwunden, ersetzt von einem weißen Arztkittel. Die pflaumenfarbene Krawatte, in die ich vor ein paar Stunden so verliebt war, ist immer noch fest um seinen Hals geknotet.

Oh mein Gott. Mein Schwarm ist ein Gynäkologe. Mein Gynäkologe.

Kapitel 3

„Sind Sie in Ordnung, Schätzchen?“ Marie schließt die Tür und zieht ein Tablett mit Instrumenten neben den Untersuchungstisch. „Ich habe Doktor Miller gesagt, dass es Ihr erstes Mal ist. Er wird vorsichtig sein.“

Mein Gesicht muss meine Beschämung deutlich zeigen. Ich sehe Luke an. Ich dachte, dass er gezögert hätte, als er in den Raum kam, aber jetzt ist ihm nichts mehr anzumerken.

„Sophie“, er sieht nach unten auf die Kartei, „Tisdale. Miss Tisdale, ich glaube, dass wir uns schon mal begegnet sind?“

Habe ich eine außerkörperliche Erfahrung? Kann dieser Moment denn noch peinlicher werden? Er weiß nicht einmal, wo er mich außerhalb des Coffeeshops hinstecken soll. Der Typ, über den ich seit Wochen an jedem Dienstag fantasiere, ist mein Gynäkologe und - schlimmer oder besser? - er erkennt mich nicht.

„Grind Me“, platzt es aus mir heraus. Oh mein Gott, Mahl mich, was für ein blöder Name für einen Coffeeshop. „Der Coffeeshop, Grind Me.“

Sein Gesichtsausdruck ändert sich keine Sekunde. Er blickt zurück nach unten auf die Kartei in seiner Hand. „Studentin, einundzwanzig.“ Er bricht ab, seine Finger an der Unterseite des Klemmbretts. Verdammt seien er und seine attraktiven Finger. Er blättert durch die Kartei. „Sie möchten sich ein Verhütungsmittel verschreiben lassen?“ Luke sieht mich geradewegs an und meine Herzfrequenz schießt nach oben. So habe ich mir das nicht vorgestellt, seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben.

„Richtig“, antworte ich.

„Haben Sie sich irgendwelche Gedanken darüber gemacht, welche Form der Verhütung Sie praktizieren möchten? Die Pille ist eine ziemlich gute Wahl für Frauen in Ihrem Alter. Ich kann Ihnen auch eine Spirale einsetzen, aber ich empfehle sie nicht bei jüngeren Frauen, die noch keine Kinder bekommen haben. Dann gibt es noch ein Pflaster und einen Ring, beide haben Vor- und Nachteile.“

„Die Pille reicht“, unterbreche ich ihn. „Die Pille ist prima.“

„Ich kann nicht genug betonen, dass Sie sich beim Geschlechtsverkehr schützen und zusätzlich zur Pille ein Kondom verwenden sollten, es sei denn, Sie und Ihr Partner sind getestet worden und haben sich entschieden, dieses Risiko einzugehen.“

„Okay, das mache ich.“

Er macht eine Pause. „Sie werden oder Sie tun es? Ein einziges Mal reicht, Sophie.“ Er wäscht seine Hände in dem kleinen Waschbecken an der Wand und dreht sich zu mir um, als er seine Hände mit einem Papiertuch trocknet. „Sind Sie sexuell aktiv?“

„Ähm, nein.“

„Also keinen sexuellen Kontakt in den letzten vier Wochen?“

„Ähm, nein. Ich hatte noch nie Sex.“

Er hält für eine Sekunde inne, während er seinen Blick vom Papiertuch auf meine Augen richtet. „Okay.“ Er schüttelt leicht den Kopf und wirft das Papiertuch in den Mülleimer. „Wir beginnen mit der Abtastung Ihrer Brüste und anschließend untersuche ich Ihren Unterleib. Ich nehme einen Pap-Abstrich, obwohl ich diesbezüglich keine Probleme erwarte. Die Klinik wird Sie innerhalb einer Woche anrufen, falls es irgendwelche Auffälligkeiten gibt.“ Er wirft einen Blick auf das Tablett mit den Instrumenten. „Marie, können Sie mir bitte ein kleines Spekulum holen? Ich vermute, Sie haben hier irgendwo welche.“

Marie springt von ihrem Stuhl hoch und verlässt den Raum.

Sobald sie weg ist, schaut mich Luke wieder an. Meine Hände sind in meinem Schoß gefaltet, und ich wippe mit meinen blöden besockten Füßen über die Tischkante, während er mit einer Hand über sein Kinn reibt.

„Ich kann Ihnen einen Termin bei einem anderen Arzt der Klinik geben, wenn Sie sich unwohl fühlen, Sophie.“

Ich fühle mich nicht wohl, dennoch platze ich heraus: „Ich bin okay!“ Mein Unwohlsein zuzugeben, würde das Gefühl nur verstärken.

Luke bewegt seinen Kiefer und reibt sich den Nacken. Siedend heiß wird mir klar, wie dumm meine Schwärmerei ist. Dies ist die längste Zeit, die ich je mit ihm verbracht habe, und das einzige Mal ohne eine Theke zwischen uns. Trotzdem kann ich nichts dagegen tun, dass er mich anzieht. Ich weiß, dass es falsch ist. Dämlich. Irrsinnig. Ich frage mich, ob meine zukünftige Karriere die Kosten für eine Therapie deckt, weil ich offensichtlich dringend eine brauche.

Marie ist inzwischen zurück und legt etwas, das in Plastik eingewickelt ist, auf das Tablett. Das Objekt macht ein dumpfes Geräusch, als sie es loslässt, ehe sie wieder ihren Platz neben der Tür einnimmt und sich eine alte Ausgabe von Good Housekeeping vors Gesicht hält.

„Legen Sie sich auf den Tisch zurück, Sophie.“ Lukes Miene ist nicht lesbar, als er zum Untersuchungstisch hinüberläuft. Er umfasst mit einer Hand mein Handgelenk und zieht es über meinen Kopf, während sein Blick über mein Gesicht huscht, bevor er meine Hand auf den Tisch legt.

Seine Finger bewegen sich auf das mich bedeckende Hemd zu. Sei nicht erregt, sei nicht erregt, sei nicht erregt, singe ich mir selbst vor. Ich reiße meinen Blick los und konzentriere mich auf die Decke.

Ein Poster mit einem Motivationsmotiv hängt direkt über dem Untersuchungstisch an der Decke. Ich fange an zu lachen, gerade in dem Moment, als ich Lukes Hände auf meiner Brust spüre.

„Sorry, sind meine Hände kalt?“

„Nein, Ihre Hände sind perfekt“, platze ich ohne nachzudenken heraus. Ich glaube, dass ich ein leichtes Grinsen auf seinem Gesicht entdecke, bevor ich meinen Blick auf das Plakat an der Decke zurücklenke.

„Das Poster.“ Ich gestikuliere mit meiner freien Hand nach oben. Es kommt mir komisch vor, dass ein derartiges Poster an der Decke hängt. Als ob das meine Gedanken davon ablenken könnte, wo ich bin. Oder soll es mich dazu motivieren, auf diesem Tisch zu bleiben? Ich kichere schon wieder. Luke neigt den Kopf und schaut zur Decke.

Scheiße, sind meine Nippel hart? Das ist normal, oder nicht? Er tut nichts Erotisches, jedoch sind seine Hände auf meinen Brüsten. Ja, meine Brustwarzen sind hart. Seine Finger liegen jetzt flach an den Seiten meiner Brüste. Er bewegt sie kreisförmig, bevor er leicht meinen Nippel zwickt. Ich muss mich daran hindern, nicht leise zu stöhnen. Seine Hände fühlen sich gut an. Ich bin mir sicher, dass sie das nicht sollten, aber sie tun es. Luke zieht das Hemd über mich zurück, ehe er um den Tisch läuft, um den Prozess zu wiederholen.

Ich sollte wohl aufhören, an ihn als Luke zu denken, und damit anfangen, ihn als Dr. Miller zu sehen. Ich ersticke ein weiteres Kichern, weil ich dachte, er wäre ein Banker oder ein Anwalt mit seinen teuren Anzügen und modischen Krawatten. Verdammter Gynäkologe. Keine meiner Luke-Fantasien endete auf diese Weise. Doch vielleicht hätten sie das tun sollen. Ich bin im Moment seltsam erregt.

Chef der Geburtshilfe, hat Marie gesagt. Ich glaube, das würde einen exzellenten Chirurgen aus ihm machen. Also lag ich nicht daneben, dass er gut mit den Händen ist. Ich denke daran, wie oft ich masturbiert und mir dabei vorgestellt habe, dass es Luke wäre, der mich berührt. Ich fühle einen Ansturm von Wärme zwischen meinen Beinen. Falsch! Das ist so falsch! Wer spürt Erregung während eines Arzttermins?

Luke zieht gerade Plastikhandschuhe über diese perfekten Hände. Sie sind dunkelblau, was meine Aufmerksamkeit weckt. Sind medizinische Handschuhe im Fernsehprogramm nicht immer weiß? Warum denke ich jetzt darüber nach?

„Sophie, Sie müssen bis ans Ende des Tischs rutschen und ihre Füße in den Halterungen platzieren.“

Ich sehe herüber zu Marie. Ihre Nase steckt nach wie vor in Good Housekeeping. Ich rutsche bis zum Rand des Tisches und frage mich, ob ich nass genug bin, dass er es bemerkt. Gibt es eine normale Menge an Nässe für diese Situation?

„Ein wenig mehr, ganz bis zur Kante. So ist es gut.“

Mein Herz rast jetzt. Er mag heiß sein, aber dies ist jenseits von peinlich. Ich platziere meine Füße in die Halterungen und lege mich zurück. Meine Hände sind unter der Brust verschränkt und ich beginne meine Finger zu drehen. Es ist zu still in diesem Raum.

„Sie sind der Chefarzt von irgendetwas? Im Krankenhaus? Die Krankenschwester erwähnte, dass sie nur dienstagmorgens hier sind.“

Er macht eine Pause. „Ja. Chefarzt der Geburtshilfe.“

„Sie machen also Operationen und so ein Zeug? Wenn Sie nicht freiwillig in der Klinik für Nichtversicherte arbeiten?“

„Ja, Sophie. Ich mache Operationen und so ein Zeug.“ Er gleitet auf einem Rollhocker bis zum Ende des Tisches. „Sie werden gleich meine Hand auf der Innenseite Ihres Oberschenkels fühlen.“

Er passt das am Ende des Tisches befestigte Licht an und schaltet es ein. Gott, da ist ein Licht? Die Leuchtstoffröhren in diesem Raum sind nicht ausreichend?

„Entspannen Sie sich. Ich untersuche zuerst von außen.“

Ich fühle seine Finger auf mir, seine Berührung ist sanft.

Wie oft habe ich mir seinen Kopf in einer ähnlichen Position vorgestellt? Das ist so peinlich. Konzentrier dich auf das sterile Zimmer, Sophie. Bring dich nicht selbst in Verlegenheit.

„Sie mögen also Collegestudentinnen? Und melden sich daher freiwillig?“ Oh Scheiße. Ich glaube, ich habe ihn gerade beschuldigt, ein Perverser oder so etwas in der Art zu sein.

Ich fühle ihn innehalten. Auf meiner Vagina. Weil er meine Vagina gerade berührt, als ich ihn beschuldige, sich daran zu ergötzen, Collegemädchen zu untersuchen. Hilfe.

„Meine Familie hat vor Jahren diese Klinik gestiftet, lange vor Ihrer Zeit am College, Miss Tisdale. Mein Urgroßvater war ein Arzt, der daran glaubte, helfen zu können, und der seine Zeit opferte, wann immer er es konnte. Ich arbeite hier ein paar Stunden in der Woche, um ihn zu ehren.“

Ich höre, dass Luke den plastikumwickelten Gegenstand vom Tablett nimmt und wie er die Folie aufreißt. Es erinnert mich an das Geräusch, wenn sie bei meiner Pediküre die Verpackungen mit den sterilisierten Instrumenten öffnen. Großartig. Jetzt wird mich wahrscheinlich auch eine Pediküre anmachen. Als ob ich noch einen Fetisch brauche. Ich denke, seinen Gynäkologen anzuhimmeln, ist Fetisch genug für ein Leben.

„Meine Spezialgebiete sind Unfruchtbarkeit und Risikoschwangerschaften. Patienten mit finanziellen Mitteln.“ Die Räder des Stuhls quietschen über den Linoleumboden. „Das Gegenstück von Frauen, die unbedingt ein Kind möchten, sind Frauen, die unbedingt keins möchten. Eines der Ziele dieser Klinik ist es, Studenten einen einfachen Zugang zu Verhütung und Vorsorge zu ermöglichen, damit ihre Zukunft nicht durch ein ungewolltes Baby aus der Bahn geworfen wird. Das ist etwas, wobei ich leicht helfen kann, indem ich freiwillig ein paar Stunden in der Woche opfere.“

Oh.

„Wir lagern das Gel bei Raumtemperatur, sodass es nicht zu kalt ist“, erklärt Luke, als er das Spekulum einschmiert.

Ich starre auf seine Hand, als sie über das Instrument gleitet, hin und her. Ich fühle seine Finger wieder auf mir, als sie mich spreizen. Er positioniert die Spitze an meinen Eingang.

„Sie werden gleich etwas Druck fühlen. Da ich ein kleines Spekulum benutze, sollte es nicht zu unangenehm sein.“ Langsam schiebt er das Instrument in mich hinein.

Scheiße, ist das eng. Meine Zehen verkrampfen sich in den Halterungen und ich wölbe meinen Rücken ein wenig.

„Entspannen Sie sich.“ Lukes Hand ist zurück auf meinem Oberschenkel, sein Daumen reibt beruhigend hin und her. „Ich muss das genug weiten, damit ich Ihren Gebärmutterhals untersuchen und einen Abstrich nehmen kann, okay?“

Ich fühle ein leichtes Dehnen und höre ein klickendes Geräusch. Das Licht wird angepasst und er greift nach etwas, was auf dem Tisch liegt.

„Noch schnell einen Abstrich und Sie sind fertig. Ihr Gebärmutterhals sieht gut aus.“

Mein Gebärmutterhals sieht gut aus? Ist das eine Gynäkologen- Anmache? Innerlich lache ich.

„Alles erledigt.“ Ich höre, dass er den Behälter schließt. „Entspannen Sie sich für mich, Sophie. Ich muss das Spekulum herausziehen. Es ist leichter für Sie, wenn Sie sich entspannen.“

Ich kann die spreizenden Finger einer Hand fühlen, als er langsam das Instrument herauszieht.

Er steht auf und spritzt ein klares Gel auf die Spitze seines blau behandschuhten rechten Zeigefingers. „Ich werde auf ihren Bauch drücken, während ich einen Finger einführe, um Ihre inneren Organe zu überprüfen.“

Heilige Scheiße. Er gleitet mit einem Finger in mich hinein. Es fühlt sich gut an. Kleiner als das Spekulum. Seine andere Hand schlüpft unter das Papierhemd.

Ich ziehe mich um den Finger zusammen, wobei ich jegliches Geräusch unterdrücke.

„Bitte entspannen Sie sich“, sagt Luke, als ob er versucht, mich zu beruhigen, aber ich vermute, dass er über mich verärgert ist. Sein Finger rutscht etwas hinaus, als er von oben drückt, und ich weiß, dass ich nass genug bin und er nichts von welchem Gel auch immer braucht. Er bewegt seine Hand auf meinen Bauch herum, drückt nach unten, während er seinen Finger in mir bewegt. Ich mag, wie sich das anfühlt, den Druck von oben mit dem Finger in mir. Unfreiwillig verkrampfe ich um seinen Finger herum und fühle ein schwaches Zucken durch mich hindurchlaufen. Oh mein Gott. Ich denke, dass ich gerade einen Orgasmus hatte. Heilige Scheiße. Hat er es bemerkt? Er war nur leicht. Vielleicht ist es ihm nicht aufgefallen.

Luke räuspert sich, gleitet mit seinem Finger aus mir, deckt mich mit dem Papierhemd zu und sieht mir nicht in die Augen. Er hat es so was von bemerkt. Er tritt zurück und wirft die blauen Handschuhe in den Mülleimer, während er zum Waschbecken geht. „Sie können sich aufsetzen, Sophie.“

Ich nehme meine Füße aus den Halterungen und setze mich auf und vermisse augenblicklich das Poster an der Decke, unsicher, auf was ich mich jetzt konzentrieren soll. Schließlich starre ich auf ein Plakat, das sexuell übertragbare Krankheiten thematisiert.

„Ich gebe Ihnen eine Minute, um sich anziehen, und warte dann vorne mit einem Rezept auf Sie.“

Marie lässt das Magazin in einen Zeitschriftenhalter neben der Tür fallen, als Luke den Raum verlässt. „Lassen Sie mich das hier für Sie justieren, Schätzchen.“ Sie klappt die Halterungen Richtung Tisch. „Sehen Sie, das war einfach, nicht wahr?“ Sie tätschelt mein Knie und dreht sich zur Tür. „Kommen Sie zur Rezeption, wenn Sie fertig sind.“

Ich seufze, als die Tür sich schließt. Was zum Teufel! Ich werde meinen Job bei Grind Me aufgeben müssen. Oder mich jedes Mal im Hinterzimmer verstecken, sobald Luke hereinkommt. Dr. Miller, nicht Luke. Dies könnte ein neuer Tiefpunkt in meinem Leben sein.

Ich stehe auf und zerreiße dabei die blöde Papierunterlage. Da ist ein nasser Fleck auf dem Papier. Ist das normal? Wird von mir erwartet, selbst sauber zu machen? Warum erklärt einem das niemand, bevor man zum Frauenarzt geht? Ich werfe das Hemd über den nassen Fleck und greife ein Tuch, um mich sauber zu wischen. Ich beeile mich mit dem Anziehen, ehe ich mein Spiegelbild überprüfe. Ich sehe ein wenig erhitzt aus, schließlich bin ich gerade mit Luke weiter gegangen als mit Scott in zwei Jahren.

„Du bist ein Perversling“, sage ich zu meinem Spiegelbild, ehe ich mich hinsetze, um meine Schuhe anzuziehen.

Moment. Welche Socken trage ich heute? Mit einem Schuh in der Hand halte ich inne. Es sind die mit den pinkfarbenen Streifen um die Spitze herum. Ich drehe meinen Fuß. Classy. Das steht auf der Sohle meines linken Fußes geschrieben. Und auf der Sohle meines rechten Fußes? Bitch. Ich trage meine Classy-Bitch-Socken. Das leuchtete Luke entgegen, während meine Beine gespreizt waren. Kann dieser Termin noch schlimmer werden?

Ich gehe zur Rezeption, um mich abzumelden. Eigentlich ist es nur eine Theke im Ausgangsbereich. Luke wartet dort und schreibt etwas in eine Kartei, als ich mich ihm nähere. Er legt den Stift zur Seite und sieht auf seine Uhr. Sie ist groß und offensichtlich teuer und sieht perfekt an seinem Handgelenk aus. Was hat es nur mit einer Armbanduhr an einem Mann auf sich? Es ist so heiß. Die meisten Kerle in meinem Alter ziehen Handys aus der Tasche, um die Zeit zu überprüfen. Vielleicht würden sie Uhren tragen, wenn sie wirklich deren Wirkung auf Frauen begreifen würden.

Luke sieht mich näher kommen und zieht eine Papiertüte von der Theke. „Hier ist ein Drei-Monats-Vorrat Ihres Verhütungsmittels. Solange Sie studieren, wird die Klinik Ihr Rezept kostenlos erneuern. Lassen Sie es nicht verfallen, weil Sie es nicht in die Klinik schaffen, um ein neues Mittel zu holen. Sie können ein neues holen, wenn Sie noch für einen Monat Vorrat haben. Verstehen Sie?“

Sein Ton ist fest und ich bin ein wenig beleidigt. Ich bin nicht dumm. „Ja, ich verstehe, Dr. Miller.“

Er fährt fort, indem er auf die Gefahren von Antibiotika hinweist, die die Wirksamkeit verringern, und auf die Notwendigkeit von zusätzlichem Schutz während dieser Zeit und für eine Woche danach. Wirklich, das sind Dinge, die ich in der sechsten Klasse in Gesundheitslehre oder in Filmen gelernt habe, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Aber ich höre zu.

„Sie können mit der Einnahme der Pille heute beginnen, sollten jedoch eine Woche lang ein weiteres Verhütungsmittel verwenden. Nur wenn Ihr Partner getestet wurde, sollten sie auf Kondome verzichten. Da ist ein Vorrat in der Tasche und Sie können jederzeit mehr in der Klinik bekommen. Noch irgendwelche Fragen?“

„Ich dachte, Sie wären ein Anwalt.“

Eine Sekunde lang starrt er mich an. Ich glaube, wir sind beide überrascht, dass ich das gerade gesagt habe.

„Und ich dachte, Sie wären … keine Studentin.“ Sein Blick verweilt für einen Augenblick auf mir.

Ich wurde nie müde, seine Augen zu betrachten – nicht, dass ich jemals wieder die Gelegenheit haben würde, sie noch einmal zu sehen.

„Achten Sie auf sich, Sophie. Viel Glück.“ Er tätschelt meinen Arm und geht weg.

Hat er mir gerade Glück dabei gewünscht, dass ich flachgelegt werde? Ich stopfe die Papiertüte in meinen Rucksack und verlasse die Klinik. Ich schaue zurück zum Eingang. Rutherford Miller Memorial Health Center ist in den Stein über der Tür eingraviert, unter großen schwarzen Metallbuchstaben – Student Clinic -, die an dem Gebäude befestigt sind.

Kapitel 4

Ich lasse die Haltestelle vor der Klinik links liegen und gehe zu Fuß. Jetzt, da die Sonne scheint, hat es sich ein wenig aufgewärmt, und mir ist nicht danach, mich in einen Bus zu pferchen.

Das ganze Universitätsgelände ist von Gehwegen überzogen, sodass ich von dem Hospital bis zu meinem Wohnheim laufen kann. Oder vielleicht erscheine ich auch zu früh zu meiner nächsten Vorlesung. Ich bin sowieso nicht in der Stimmung, meiner Mitbewohnerin gegenüberzutreten.

Meine Wangen brennen, als ich die letzte halbe Stunde Revue passieren lasse. Ist irgendwas nicht in Ordnung mit mir? Leide ich an einem Doktorfetisch? Um fair zu sein, hat Luke mich bereits vorher angezogen, bevor ich wusste, dass er ein Arzt, geschweige denn mein Arzt ist. Ihn in diesem weißen Kittel zu sehen, hätte das eigentlich ausmerzen müssen. Hat es aber nicht, stattdessen hat es seine Anziehungskraft verstärkt.

Seine autoritäre Position hat mich unglaublich angemacht. Wäre es genauso gewesen, wenn ich nicht schon seit Wochen über ihn fantasiert hätte? Ich glaube nicht.

Wie kann mich ein Mann, den ich kaum kenne, dermaßen reizen? Vom ersten Tag an, als ich ihn gesehen habe, war es eine Art Spontanlust von meiner Seite aus. Obwohl Mike mein Freund ist, reizt er mich nicht. Ich bin ein schlechter Mensch. Wer fühlt auf diese Weise seinem eigenen Freund gegenüber? Oder lockt mich Luke, weil er unerreichbar ist?

Habe ich mich zwei Jahre lang rein platonisch mit einem Kerl getroffen, weil es sicher war? Ich bin nicht risikofreudig, bin brav und will nie wie meine Mutter werden. Ich plane keinesfalls, mein Leben mit einer ungewollten Schwangerschaft aus der Bahn zu bringen oder meine Großeltern schon wieder mit einem ungeplanten Säugling zu belasten.

Ich weiß, dass mein Großvater länger gearbeitet hat, als er es getan hätte, wenn sie mich nicht hätten großziehen müssen. Und sie haben ihr Vorhaben, nach Florida zu ziehen, viel zu lange aufgeschoben, weil sie in der Nähe sein wollen, während ich aufs College gehe. Als ich vor einigen Monaten mein letztes Jahr an der Universität begonnen habe, konnte ich sie endlich überreden, ihr Haus zum Verkauf anzubieten.

Seit der Highschool habe ich nie mehr als ein paar Wochen in den Sommern bei ihnen gewohnt, aber sie wollten mir das Gefühl geben, dass ich immer einen Platz habe, zu dem ich zurückkehren kann. Ich musste ihnen versprechen, zu ihnen nach Florida zu ziehen, um bei ihnen zu wohnen, sollte ich nach dem College keinen Job finden, mit dem ich eine anständige Wohnung bezahlen kann. Und sie weigern sich, in Florida irgendetwas anzusehen, das kein Zimmer für mich hat, auch wenn ich nur ein paar Nächte im Jahr dort bleibe.

Ich erreiche das Hymergebäude zu früh für meinen nächsten Kurs. Ich denke gerade darüber nach, ob ich drinnen oder draußen warten möchte, als Everly aus dem Gebäude kommt. Normalerweise kreuzen sich unsere Wege dienstags nicht im Hymer.

„Hey Süße. Du siehst verändert aus. Hat man dich etwa in der Arztpraxis flachgelegt?“

Ich rolle mit den Augen.

„Was ist?“

„Luke ist ein Gynäkologe.“

„Wie bitte?“ Everly neigt den Kopf, als ob ich Kauderwelsch spreche.

„Luke ist ein Gynäkologe. In der Klinik für Studenten.“

„Ist nicht dein Ernst!“

Ich glaube, ich habe es geschafft, Everly zu schockieren.

„Das habe ich nicht kommen sehen.“ Sie schaut mich an. „Und?“

„Und was?”, frage ich.

„Du hast einen neuen Termin bei einem anderen Arzt gemacht?“

„Nein. Ich habe den Termin wahrgenommen.“

„Du perverses Flittchen! Das hast du nicht! Hör auf."

„Hab ich doch. Als er reinkam, saß ich bereits in einem Papierhemd auf dem Untersuchungstisch. Was hätte ich denn tun sollen?“

„Hat es dir gefallen?“ Sie grinst mich vielsagend an.

„Everly!“

„Ich weiß, dass es dir gefallen hat. Wenigstens ein bisschen.“

„Du denkst, dass mit mir etwas nicht stimmt?“

„Sophie, nein. Der Kerl hat kein Recht, ein Gynäkologe zu sein. Das ist unfair den Frauen gegenüber.“

„Ich glaube, technisch gesehen ist er ein Geburtshelfer.“

„Ein und dasselbe.“

„Die Krankenschwester sagte, er leitet eine Abteilung im Krankenhaus.“

„Gut gemacht, Sophie. Wenn du dich verknallst, dann wenigstens stilvoll.“

„Bäh.“ Ich zucke zusammen. „Das erinnert mich an etwas. Lässt du deine Socken während einer gynäkologischen Untersuchung an?“

„Ich ziehe sie aus. Und, hast du das Rezept bekommen?“

„Ja. Und eine Tüte voll mit Kondomen.“ Ich tätschele meinen Rucksack.

„Ach was. Dr. Luke ist um deine Sicherheit besorgt.“

„Du verstehst, dass ich ihn nie wieder bediene, ja?“