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,,In dir steckt mehr als du bisher dachtest, Mädchen...Öffne die Augen und erkenne endlich wer du wirklich bist" Eigentlich führt sie ein einfaches, normales Leben einer siebzehn Jährigen, doch schneller als gedacht muss die junge Cassandra Matthews feststellen, dass sich das Leben verdammt schnell ändern kann. Plötzlich gibt es Liebe und Freundschaften. Freude und Hass. Und etwas, dass eigentlich nur des Menschen Fantasie entspringt... Ihr Leben und ihre Familie wird bedroht.. Ihre Liebe wird plötzlich zu Hass... Doch sie findet schnelle eine neue Liebe... Werden die Guten siegen oder wird diesmal das Böse gewinnen?
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Seitenzahl: 331
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Wunder der Unsterblichkeit.
Sitia, auf Kreta, einer Insel Griechenlands. Hierher verschlägt es Touristen im Sommer. Doch ich, ich lebe hier. Ich bin hier aufgewachsen. Hier habe ich meine Mutter verloren, denn sie ist eines Tages einfach verschwunden. Damals war ich erst drei Jahre alt. Jetzt wohne ich noch mit meinem Vater hier.
Mein Name ist Cassandra Matthews, ich bin Sechszehn Jahre alt, werde jedoch morgen Siebzehn. Endlich! Mein Vater, Jacob Matthews, arbeitet von morgens bis abends in seinem kleinen Cafe, das er vor zehn Jahren eröffnet hat. Seine Mitarbeiterin und gute Freundin Kate ist seit einem Jahr Mitinhaberin. Ich gehe auf die Schule im Ort und besuche die Zehnte Klasse.
Jeden morgen muss ich um sechs Uhr aufstehen, mich fertig machen, frühstücken und dann mit dem Bus oder mit dem Fahrrad zur Schule fahren.
Es ist Montag. Der erste Schultag der Woche und immer einer der schlimmsten. In der Schule bin ich nicht gerade beliebt. Im Gegenteil, meine Mitschüler machen mich den ganzen Tag über runter, erzählen Gerüchte über mich und lachen sich schrott. Klar, ich habe auch ein paar Freunde, um genau zu sein zwei Stück. Claire Willows und Amy Schmidt. Die beiden widerrum sind wieder etwas beliebt. Sie hängen mit Jungs ab und reden sogar mit der Schuldiva Angi. Eine eingebildete, mit Schminke vollgekleckste Diva. Alles, was ich während der Schulzeit zu tun habe, ist mich zu ducken und die Aufmerksamkeit an mir abprallen zu lassen. Auf das Gerede gehe ich zwar nicht mehr ein, aber es macht mich trotzdem kaputt.
,,Cassandra!", höre ich meinen Vater rufen. Ich hänge meine Schultasche über die Schulter und gehe die Treppe runter zu Dad in die Küche. Er steht mit verschränkten Armen vor der Küchentheke. Mist, was hab ich denn jetzt schon wieder angestellt?, frage ich mich.
,,Dad?", sage ich unsicher.
,,Deine Schule hat angerufen."
,,Und?"
,,Du hast schon wieder deine Hausaufgaben vergessen und bist zu spät zum Unterricht gekommen."
,,Ja?"
,,Sprich doch mal ganze Sätze, Mädchen!" Ich nicke und stelle mich ebenfalls mit vor der Brust verschränkten Armen hin.
,,Ja, also das ist so eine Sache. Tut mir leid. Ich bin einfach nicht dazu gekommen.", sage ich.
,,Du bist nicht dazu gekommen, okay. Hast du deine Hausaufgaben wenigstens heute?"
,,Ja, habe ich."
,,Gut, dann seh' zu, dass du zur Schule kommst.", sagt er.
,,Okay, Daddy." Ich gehe zu ihm, gebe ihm einen Kuss auf die Wange und verschwinde nach draußen. Ich schnappe mir mein Rad und mache mich auf den Weg zur Schule.
Eine viertel Stunde später komme ich an der Schule an und schließe das Rad an, binde meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. Dann gehe ich ins Schulgebäude und renne in jemanden rein. Ich schaue auf und gucke direkt in Amy's Augen. Ihre großen grünen Augen funkeln. Sie grinst und wischt sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht.
,,Hey, Cassie!", sagt sie fröhlich.
,,Hi, Amy."
,,Wie geht's dir heute?"
,,Gut, wieso? Was hecken die jetzt schon wieder aus?", frage ich und schaue mich schnell um.
,,Nichts, du Dummerchen! Sie sind alle total aufgeregt, wegen den neuen Schülern." Ich gucke wieder zu Amy.
,,Welche neuen Schüler?", frage ich sie. Sie lacht und fässt nach meinem Zopf. Das macht sie immer, weil sie meine langen, blonden Haare so sehr mag.
,,Die morgen kommen. Sie sind neu auf die Insel gezogen. Alle reden von ihnen. Weißt du in welches Haus sie gezogen sind?"
,,Nein.", sage ich kopfschüttelnd.
,,Sie wohnen in der großen Villa, die letztes Jahr bei dir in der Nähe gebaut wurde." Achja, die Villa. Letztes Jahr kamen plötzlich so viele Bauarbeiter und fingen an, auf einer Wiese am Strand, zu bauen. Seit einem Monat steht das vierstöckige Monster von einem Haus. Direkt am Strand. Nur ein paar kleine Wiesen von meinem Haus entfernt. Von meinem Zimmer aus kann ich direkt auf die Villa gucken. Vorher war da nur Strand und ich habe mich dauernd gefragt, welche Familie dort wohl einziehen will, oder ob es nur ein Ferienhaus sein soll.
,,Cassie, bist du noch anwesend?", reißt Amy mich aus den Gedanken.
,,Ja, natürlich. Ich habe mich nur gefragt, wer in dieses Haus einziehen will."
,,Ja. Du hast voll den Vorteil!"
,,Was denn für einen?"
,,Du kannst die neuen als Erste sehen, weil du sozusagen direkt nebenan wohnst."
,,Ja, genau."
,,Hey!", ruft eine bekannte Stimme. Ich drehe mich um und sehe Claire auf uns zulaufen. Sie grinst über beide Ohren.
,,Hey, was bist du denn so fröhlich heute?", frage ich sie lachend. Claire bleibt neben uns stehen und grinst weiter.
,,Ich habe einen der neuen gesehen!", sagt sie lachend. Amy reißt die Augen auf.
,,Was? Wie sah er aus?", fragt sie aufgeregt.
,,Kurze braune Haare, groß gebaut, freundliches Lächeln und schon um die Vierzig Jahre alt." Wir brechen in Gelächter aus.
,,Dann muss das der Vater von unseren neuen Mitschülern sein.", sagt Amy.
,,Logisch! Aber ich hab gehört, dass es zwei Familien sind. Also, fünf Kinder. Zwei sind die Kinder, von dem, den ich heute gesehen habe und die anderen drei sind die Kinder von einer anderen Familie, aber sie sind alle miteinander verwandt. Das heißt, dass die Kinder Cousin's und Cousinen sind. Drei von ihnen kommen in unsere Jahrgangsstufe, einer kommt zwei Klassen unter uns und einer in die Oberstufe.", erklärt Claire. Ich gucke sie verwundert an.
,,Woher weißt du das alles?", frage ich.
,,Von meiner Mum.", sagt sie und grinst. Es klingelt und wir gehen in den Unterricht. Claire redet ununterbrochen über die neuen, weil sie sie unbedingt alle kennenlernen will. Mir liegt nicht viel daran sie kennenzulernen.
Den Rest des Tages verbringe ich damit, meinem Vater im Cafe zu helfen. Er hat mich darum gebeten, was bei ihm heißt: Mach es oder heute gibt es nichts zu essen! Jedes Mal der gleiche Satz. Übrigens bin ich so oder so immer diejenige die kochen muss, weil mein Vater immer bis um zehn Uhr in dem Laden ist. Mein Job ist es, Inventur zu machen oder zu kellnern. Heute gibt es natürlich wieder besonderen Stoff, über den Kate mit ihren Freundinnen plaudern kann. Ja, genau. Die Neuen! Ich schnappe ab und zu etwas auf.
Beau und Sawyer Vincent sind Cousins, beide kommen in meine Klassenstufe. Meghan, die Schwester von Beau kommt zwei Stufen unter mir, in die Achte Klasse. Dann gibt es noch Josh und Austin. Josh geht in die Oberstufe und Austin kommt auch in meine Klassenstufe. Austin, Josh und Sawyer sind Brüder und die Cousins von Beau und Meghan. Beau und Sawyer sind beide Siebzehn. Austin ist Sechzehn, Josh ist Neunzehn und Meghan ist Vierzehn. Ein Kunterbunter Haufen, also.
Am Abend, nachdem mein Dad den Laden abgeschlossen hat, fahren wir nachhause. Zu Hause koche ich uns Spaghetti und mache dann meine Hausaufgaben. Nach den Hausaufgaben hüpfe ich unter die Dusche, putze meine Zähne und hüpfe dann in mein Bett. Morgen habe ich Geburtstag und ich freue mich darauf.
Am nächsten Tag herrscht ein riesen Trubel in der Schule. Alle reden über die Neuen und kichern immer, wenn einer sagt, wie hammermäßig die aussehen sollen. Amy und Claire reden auch über sie, als ich mich zu ihnen setze. Nachdem ich mich gesetzt habe, schauen die beiden auf und grinsen. Ich gucke sie fragend an.
,,Hey, Cassie!", sagen sie wie aus einem Mund.
,,Hi.", sage ich etwas verwirrt. Plötzlich springen beide auf und umarmen mich.
,,Happy Birthday, Cassie!", sagt Amy.
,,Happy Birthday.", sagt auch Claire. Sie lassen mich los und ich lächle.
,,Danke, ihr seid echt süß."
,,Hast wohl gedacht, dass wir es vergessen haben, was?", lacht Claire.
,,Nein."
,,Schon etwas geschenkt bekommen von deinem Dad oder Kate?"
,,Nein, Dad ist heute morgen früh los."
,,Oh, schade. Hier das ist von uns.", sagt Amy und drückt mir ein kleines Paket in die Hand. Ich streiche mir eine Haarsträhne hinters Ohr und öffne das Geschenk. In dem Päckchen befindet sich eine kleine Glasfigur. Ein wunderschöner Delfin.
,,Danke, der ist wunderschön.", sage ich leise und umarme die beiden fest.
,,Für dich doch immer.", sagt Claire. Ich stelle das Päckchen auf den Tisch vor mir und schaue mich kurz um. Scheiße!, denke ich, als mein Blick auf Angi fällt. Sie kommt direkt auf mich zu. Ich kann nicht anders und starre sie einfach nur an, dann bleibt sie direkt vor mir stehen.
,,Was ist denn in dem Päckchen, Matthews?", fragt sie gehässig. Scheiße!
,,Nichts.", sage ich. Angi greift nach dem Päckchen und zieht den Delfin heraus. Amy und Claire verhalten sich ganz ruhig, dass tun sie immer.
,,Wie süß! Von deinem Dad?", fragt Angi.
,,Nein, den hat sie von uns.", sagt Amy. Die Blicke der beiden treffen sich kurz, dann guckt Angi wieder den Delfin an.
,,Ich glaube ich behalte ihn.", sagt sie. Ich springe auf.
,,Nein!" Angi guckt mich mit einem schiefen Grinsen an.
,,Doch, ich behalte es!", faucht sie. Ich will danach greifen, aber sie weicht mir aus.
,,Angi, gib es mir wieder!", brülle ich sie an.
,,Nein.", sagt sie ganz gelassen. Diese falsche Schlange!, denke ich mir.
,,Gib dem Mädchen das Paket wieder.", sagt eine mir unbekannte Jungenstimme. Angi und ich wirbeln herum und vier Jungs stehen vor uns. Der große Blonde, der ganz links steht, muss der aus der Oberstufe sein. Und die anderen drei, die aus unserer Klassenstufe. Mein Blick bleibt an dem hängen, der ganz rechts steht und mich anguckt. Er ist ungefähr einsfünfundachtzig. Er hat kurze verwuschelte dunkelbraune Haare, blaue funkelnde Augen und ist muskulös gebaut.
,,Wer sagt das?", fragt Angi eingebildet, dennoch höflich. Der zweite von rechts tritt vor. Dunkle blonde Haare, braune Augen.
,,Ich.", sagt er.
,,Und wer bist du?"
,,Sawyer Vincent.", sagt er. Er zeigt der Reihe nach auf die anderen Jungs, bei dem Großen angefangen.
,,Das sind meine Brüder Josh und Austin und mein Cousin Beau.", stellt er vor.
,,Ach, ihr seid die Neuen?", fragt Claire. Sawyer mustert sie und dann uns.
,,Ja."
,,Cool, die Gerüchte stimmen also!", sagt sie lachend. Josh, der Große, tritt vor.
,,Welche Gerüchte?", fragt er in einem finsteren Ton.
,,Nicht so wichtig.", mischt sich Amy ein. Ich gucke kurz zu meinem Päckchen, das Angi noch in der Hand hält und dann wieder zu den Jungs. Diesem Beau ist aufgefallen, dass ich zum Päckchen geguckt habe und schlägt seinem Cousin auf den Arm. Dieser guckt ihn kurz an und nickt dann.
,,Gib dem Mädchen das Päckchen wieder.", sagt er erneut. Angi knurrt und gibt mir das Päckchen zurück. Ich stopfe es in meine Tasche und hänge sie mir über die Schulter. Beau beobachtet mich immernoch. Ich schlucke und wende mich an Amy und Claire. Sie haben es ebenfalls bemerkt.
,,Wir müssen dann auch mal in den Unterricht. Man sieht sich!", sagt Claire und zieht mich mit sich und Amy von den anderen weg. Wir gehen in unseren Klassenraum und setzen uns auf unsere Plätze. Amy und Claire sitzen nebeneinander und ich sitze vor ihnen. Der Platz neben mir ist leer und ich will hoffen, dass das auch so bleibt. Ich packe meine Sachen aus und drehe mich dann zu den beiden um. Sie grinsen.
,,Was grinst ihr so?", frage ich.
,,Die Neuen haben dich verteidigt.", sagt Amy.
,,Und ich verstehe nicht warum. Die kennen mich nicht einmal." Ich schüttle den Kopf.
,,Vielleicht weil du ihre Nachbarin bist?", fragt Claire. Ich lege den Kopf schief und gucke sie mit hochgezogener Augenbraue an.
,,Dein Ernst?" Claire zuckt mit den Schultern.
,,Ich mein' ja nur.", sagt sie leise. Amy und ich lachen.
,,Was gibt es denn zu lachen?", fragt eine tiefe männliche Stimme. Ich wirbel herum und starre in das Gesicht von unserem Mathelehrer. Amy und Claire kichern leise.
,,Nichts, Mr. Flick.", sage ich. Mr. Flick dreht sich um und geht zur Tafel. Er fängt an etwas ranzuschreiben. Fragend blicke ich zu Amy und Claire nach hinten, als an der Tafel sein Name steht.
,,Nun, Klasse!", ruft er und alle werden stumm, ,,Guten Morgen, erstmal!"
,,Guten Morgen, Mr. Flick!", rufen wir alle.
,,Ich habe meinen Namen an die Tafel geschrieben, weil wir neue Schüler bekommen. Sie müssten jeden Moment reinkommen.", erklärt er und kurz darauf geht die Tür auf. Beau, Sawyer und Austin Vincent kommen herein. Beau's Blick wandert durch die Klasse und als er mich ansieht, funkeln seine Augen. Sawyer tut es ihm nach und als er mich ansieht, grinst er frech. Unwillkürlich muss ich schlucken und wende den Blick meinem Lehrer zu.
,,Darf ich euch vorstellen? Das sind die Brüder Sawyer und Austin und ihr Cousin Beau. Sie haben alle den selben Familiennamen.", stellt er vor und zeigt auf freie Plätze, ,,Nehmt doch bitte Platz.", sagt er. Sawyer und Austin setzen sich vorne an den freien Tisch und Beau setzt sich neben mich. Warum muss mein Tisch frei sein?, frage ich mich innerlich. Hinter mir höre ich Claire und Amy kichern. Langsam lasse ich meinen Blick durch die Klasse schweifen. Angi sitzt, mit dem Kopf auf den Händen abgestützt, hinter Sawyer und Austin und versucht ein Gespräch mit ihnen anzufangen. Austin lacht und stupst sie an. Sie keucht erschrocken auf und fällt vom Stuhl. Sawyer lacht laut auf und erntet von Mr. Flick einen bösen Blick, ignoriert diesen jedoch. Neben mir kichert Beau leise und wirft Sawyer einen Papierknäuel zu. Sawyer fängt ihn geschickt und faltet ihn auseinander, dann liest er, schreibt etwas drauf und wirft zurück. Beau fängt ihn genauso geschickt und nun liest er. Austin hilft Angi beim Aufstehen und ich hätte am liebsten gerufen, dass er sie liegen lassen solle, aber dann hätte Angi mich verprügelt. Und normalerweise, wenn ich den Mund aufmachen wollte, dann sagte sie immer wieder:"Schaut mal, die Schüchternheit Pur will etwas sagen!" Dann lacht sie und verschwindet. Jedesmal das Gleiche. Warum mache ich das überhaupt immer mit?, frage ich mich zum Hundertstenmal.
Plötzlich landet der Papierknäuel direkt vor mir. Ich schrecke hoch und starre ihn an. Eine Hand fässt danach und ich gucke zu Beau, der entschuldigend lächelt.
,,Sorry.", sagt er leise und faltet das Papier auseinander. Ich gucke ihn nur an und beobachte, wie er Sawyer einen verstohlenen Blick zuwirft. Er merkt, dass ich ihn anstarre und guckt mich ebenfalls an, nur fragend. Ich schlucke erneut und wende den Blick wieder ab. Mr. Flick sagt, dass wir unsere Bücher öffnen sollen und genau das tue ich. In der Gegenwart der Neuen fühle ich mich irgendwie unwohl.
Als es nach der Stunde zur Pause klingelt schnappe ich mir meine Tasche und fliehe sozusagen aus dem Klassenraum. In der nächsten Stunde haben wir Sport und ich muss meinen Sportbeutel aus meinem Schließfach holen. Ich gehe zu meinem Fach und öffne es. Ein leises Räuspern lässt mich zusammenzucken und ich lasse ausversehen ein Buch fallen. Mist! Vorsichtig bücke ich mich, um es aufzuheben, aber jemand anderes kommt mir zuvor. Ich stelle mich wieder gerade hin und blicke in das Gesicht von Beau. Wie erstarrt nehme ich ihm das Buch aus der Hand und starre ihn einfach nur an. Er lacht kurz auf.
,,Tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe.", sagt er.
,,Schon okay.", erwidere ich nur, lege das Buch in den Schrank und nehme meine Sporttasche heraus. Beau steht immernoch neben mir.
,,Ähm...Ich wollte mich nur nochmal vorstellen.", erklärt er und streckt mir seine Hand hin. Ich schaue darauf und schüttle sie.
,,Ich bin Beau Vincent.", stellt sich Beau vor.
,,Ich weiß.", sage ich. Er lacht wieder.
,,Und wie heißt du?", fragt er mit hochgezogener Augenbraue.
,,Cassandra Matthews."
,,Was war denn das für ein Paket heute Morgen?"
,,Bist du neugierig?", frage ich frech. Komischerweise bin ich kein bisschen schüchtern.
,,Ja. Also?", beharrt er.
,,Es war ein Geburtstagsgeschenk."
,,Du hast Geburtstag?"
,,Nein, ich sage das nur so." Beau lacht und legt mir eine Hand auf die Schulter.
,,Du hast einen guten Sinn für Humor. Warum hat diese Angi dir eigentlich das Geschenk weggenommen?"
,,Weil sie mich nicht ausstehen kann, wie alle anderen auch, außer meine Freundinnen Claire und Amy.", erkläre ich und will weggehen, doch Beau hält mich am Arm fest. Ich drehe mich zu ihm um und funkel ihn an. Er sieht plötzlich sehr ernst aus.
,,Wieso mag dich niemand?", fragt er ernst. Ich zucke mit den Schultern.
,,Woher soll ich das wissen? Weil ich so schüchtern bin vielleicht? Ich habe sie nie gefragt!", fauche ich ihn an und eine Träne läuft mir die Wange runter. Na toll, jetzt heul ich auch noch vor dem Neuen! Wie erbärmlich! Beau sieht das und wischt die Träne mit seinem Daumen weg.
,,Bitte weine doch nicht.", bittet er.
,,Warum? Damit niemand das sieht?", fauche ich, ,,Damit niemand sieht, dass der Neue mich zum heulen gebracht hat? Damit keine Gerüchte auftauchen? Glaub mir, ich habe schon so viel hier durchgemacht und es gab genug Gerüchte über mich! Gewöhn dich daran, dass diese Schule hier scheiße ist!" Wieder will ich weggehen, aber er hält mich immernoch fest.
,,Lass mich los!", brülle ich ihn an.
,,Beau, was ist hier los?", fragt eine Mädchenstimme. Ich senke den Blick.
,,Meg, es ist alles okay. Kannst du Josh herholen bitte? Ich brauch ihn hier."
,,Okay, aber mach keinen Fehler."
,,Nein. Jetzt geh' schon Meg." Schritte ertönen und werden immer leiser. Beau zerrt mich von den Schließfächern weg und in einen leeren Klassenraum rein. Dann lässt er mich los und lehnt sich mit dem Rücken an die Tür, damit ich nicht abhaue. Verwirrt starre ich ihn an. Er lässt den Blick durch den Raum schweifen, bis er an mir hängen bleibt.
,,Warum hast du mich hier reingebracht?", frage ich ihn wütend. Er mustert mich.
,,Darum.", sagt er nur. Ich seufze und schlage mit der Faust auf den Tisch. Er knackt.
,,Vielen Dank für diese hilfsreiche Antwort.", knurre ich.
,,Gerne." Wütend drehe ich mich zu ihm um, doch er steht nicht mehr an der Tür, sondern sitzt auf einem Tisch. Neben ihm steht Josh, sein Cousin aus der Oberstufe. Wann ist der hier reingekommen?, frage ich mich verwirrt. Beide beobachten mich.
,,Was?", fauche ich. Josh grinst jetzt.
,,Jetzt weiß ich, was du meintest, Beau.", sagt er. Ich starre beide wütend an.
,,Hab ich doch gesagt.", erwidert Beau. Die beiden ignorieren mich.
,,Mann, muss ja schwer für dich sein." Josh. Beau nickt.
,,Jap."
,,Und diese Haare erst! Und ihre Augen!" Wieder Josh.
,,Genau.", sagt Beau und verdreht die Augen. Ich gehe auf sie zu und stemme die Hände in die Hüften. Sie beoachten das und Josh grinst noch breiter.
,,Sexy!", knurrt er. Ich hole aus und knalle ihm eine. Er flucht kurz und lacht dann.
,,Was soll der Scheiß?", brülle ich ihn an. Er grinst immernoch.
,,Was für ein Scheiß denn?", fragt er unschuldig. Ich knalle ihm noch eine.
,,Cassandra, hör doch auf ihn zu schlagen.", sagt Beau. Ich funkel ihn an.
,,Dann soll er aufhören, so über mich zu reden! Ich bin doch kein Spielzeug. Wenn ihr euch an jemanden ranmachen wollt, dann sucht euch jemand anderen!"
,,Wollen wir aber nicht.", sagt Josh. Ich hebe die Hand und er schnappt sie sich. Ich keuche auf und Josh zieht mich an sich und hält mich an seiner Brust gefangen.
,,Lass mich los!", fauche ich, doch er lässt nicht los, stattdessen lacht er nur.
,,Josh, lass sie los.", sagt Beau leise. Josh lässt mich los. Ich fluche und weiche vor ihm zurück. Beau reicht Josh ein Taschentuch und Josh wischt sich das Blut aus dem Gesicht.
,,Einen harten Schlag hat sie!", sagt er lachend. Gerade will ich auf ihn losgehen, als sich die Tür öffnet und die anderen Vincent's hereinkommen. Ich schlucke und weiche noch weiter zurück. Austin geht zu seinem Bruder und guckt sich sein Gesicht an. Sawyer schließt die Tür hinter sich und bleibt davor stehen. Meghan, die Schwester von Beau geht zu ihrem Bruder und flüstert ihm etwas ins Ohr. Er lacht und streicht ihr über die Haare. Austin blickt mich an.
,,Hast du ihn etwa geschlagen?", fragt er ungläubig.
,,Ja!", knurre ich, ,,Was wird das hier eigentlich? Eine Versammlung, wo beschlossen wird, wer sich das arme, kleine Mädchen vorknöpft?"
,,Nein.", sagt Meghan. Sawyer geht von der Tür weg und stellt sich neben Beau.
,,Das alles hier hat einen ganz anderen Grund.", erklärt er.
,,Achja? Warum macht Josh sich dann an mich ran?", frage ich laut. Beau schaut zu seinem Cousin und Josh grinst leicht.
,,Du wolltest dich an sie ranmachen?", fragt Beau verwirrt. Josh grinst wieder breit.
,,Eh, Mann. Das Mädel ist doch voll heiß!", ruft er und grinst in die Runde. Meghan schlägt ihm auf den Arm und guckt ihn wütend an. Ich seufze auf und will zur Tür gehen, doch Beau springt auf und stellt sich vor mich.
,,Bitte geh nicht.", fleht er. Er fleht? Komisch, wo er doch dabei zugesehen hat, wie ich Josh verprügelt habe, weil dieser sich so blöde an mich rangemacht hatte.
,,Doch, ich gehe! Niemand von euch hat mir zu sagen, wo ich hingehe oder wo ich bleibe! Ich werde jetzt in den Unterricht gehen!", sage ich laut, gehe an Beau vorbei und renne zur Sporthalle. Hinter mir höre ich Beau noch irgendetwas zu seinen Verwandten brüllen, ehe ich in der Umkleide verschwinde.
Während der Sportstunde ignoriere ich ihn und seine Cousin's. Claire und Amy fragten mich, wo ich in der Pause war und warum ich die Neuen so wütend anstarrre. Ich sage ihnen, dass sie mir einfach nicht ganz geheuer vorkommen und dass ich mit einem Lehrer gesprochen habe. Natürlich glauben sie mir nicht, aber sie lassen mich wenigstens in Ruhe.
Plötzlich stellt Angi mir ein Bein und ich falle ganz ungeschickt auf den Boden. Als ich aufblicke, hält Beau mir eine Hand hin, um mir aufzuhelfen. Aus reiner Höflichkeit nehme ich sie und er hilft mir auf. Der Ruck ist so stark, dass ich gegen seine Brust falle. Beau atmet plötzlich schwer und drückt mich dann weg. Ich lasse ihn los und gehe in die Umkleide, um mich umzuziehen. Irgendwie fasziniert Beau mich, aber ich will mich nicht zu ihm hingezogen fühlen, weil er und Josh mich in der Pause so scheiße behandelt haben.
Als es klingelt flitze ich aus dem Gebäude, schließe mein Rad auf und fahre nach Hause. Ich bin schon am überlegen, mich am nächsten Tag krank zu melden. Dann muss ich den Neuen nicht über den Weg laufen.
Zuhause angekommen renne ich ins Haus und gehe in die Küche. Mein Vater sitzt am Tisch und unterhält sich mit zwei Männern und einer Frau. Ein ungutes Gefühl schleicht sich zu mir auf.
,,Hey, Cassie. Das sind unsere neuen Nachbarn.", sagt mein Dad. Die Eltern von den Vincent's.
,,Hallo.", sage ich höflich mit einem aufgesetzten Lächeln. Die Frau lächelt ebenfalls, nur ihr Lächeln ist echt.
,,Hallo Cassandra. Du gehst bestimmt in die Klassenstufe von meinem Sohn Beau.", sagt sie und bei dem Klang von Beau's Namen muss ich schlucken.
,,Ja, er und seine beiden Cousin's Sawyer und Austin gehen in meine Klasse.", sage ich pflichtbewusst. Einer der Männer lacht.
,,Ich wette, dass meine Söhne jede Menge scheiße bauen.", sagt er.
,,Nun ja, ich möchte ja nicht petzen, aber das könnte schon gut sein." Ich lächle wieder.
,,Hab' ich es doch gewusst!"
,,Cassie, warum gehst du nicht ein wenig spazieren? Du siehst aus, als ob dir der Sportunterricht heute nicht genug war.", sagt mein Dad. Ich nicke.
,,Ja, Dad. Ich werde spazieren gehen.", sage ich und gehe rückwärts aus dem Haus. Dann laufe ich den kleinen Pfad hinter unserem Haus hinab zum Strand. Vorsichtig blicke ich mich um und gehe zum Wasser. Ich schlüpfe aus meinen Schuhen und spüre wie das kühle Wasser meine Füße umspült. Schon als kleines Kind bin ich gerne hierher gekommen, habe im Sand Burgen gebaut und bin vor den Wellen weggelaufen. Seit meine Mom verschwunden ist, komme ich hier öfter her als früher, weil ich mich hier an sie erinnere. Sie war eine tolle Mutter, soweit ich das beurteilen kann. Mein Dad redet immer in den höchsten Tönen von ihr. Er sagt, sie sei wunderschön gewesen und das ich meiner Mom sehr ähnlich sehe. Ich habe mich all die Jahre immer wieder gefragt, wieso sie verschwunden ist, oder wo sie jetzt ist. Lebt sie noch? Wollte sie mich und meinen Dad nicht mehr? Haben wir etwas falsch gemacht? All die unbeantworteten Fragen schweben in der Luft und niemand kann mir auch nur eine einzige Antwort geben. Ich erinnere mich an den Tag, an dem sie verschwunden ist. Es war ein Samstag im Sommer. Meine Mom und ich waren in der Stadt zum Einkaufen. Ich blieb an einem Süßigkeitenladen stehen und beobachtete, wie ein kleiner Junge eine Packung Schokolade einsteckte. Als der Junge herausgerannt kam, warf er mir ein Stück zu und rannte davon. Der Ladenbesitzer ballte die Fäuste in der Luft und brüllte ihm nach. Ich kicherte und aß das Stück Schokolade. Dann drehte ich mich zu meiner Mutter um und sie war weg. Ängstlich rannte ich nach Hause und fragte meinen Dad, wo Mom sei. Er wusste es nicht und rief die Polizei. Die Polizei suchte Wochenlang nach ihr, doch sie fanden sie nicht. Es dauerte zwei ganze Jahre, bis ich mich wieder aus dem Haus traute und alleine sein konnte. Dauernd war ich bei meinem Dad, weil ich Angst hatte, er würde auch verschwinden.
Bei den Erinnerungen senke ich den Kopf und lausche den Tönen des Meeres. Leise Schritte im Sand lassen mich aufschauen und ich erkenne Beau. Gerade will ich mich umdrehen und weggehen, als er auch schon neben mir steht. Ich blicke ihn an und versuche Hass in meine Augen zu bringen, aber irgendwie kann ich ihn nicht hassen. Er guckt mich kurz an und wendet sich dann dem Meer zu, genau wie ich zuvor.
,,Was machst du hier draußen?", fragt er leise. Ich drehe mich ebenfalls zum Wasser und senke den Kopf wieder.
,,Ich komme fast jeden Tag hierher.", sage ich genauso leise.
,,Echt? Warum?" Ich schaue auf.
,,Was interessiert dich das?", sage ich gehässig. Ein Muskel unter seinem Auge zuckt und sein Blick verfinstert sich ein wenig.
,,Es tut mir leid, was heute passiert ist.", flüstert er und ballt seine Hand zur Faust.
,,Es tut dir leid und du fluchst innerlich? Du und deine Familie seid echt schräg. Außerdem, was machst du hier draußen?", frage ich ihn. Er lacht kurz.
,,Ich wollte nur meine Mom, meinen Dad und meinen Onkel abholen. Sie sind schon ziemlich spät. Wir haben nämlich noch etwas wichtiges zu tun."
,,Aha und was?", frage ich neugierig. Beau guckt mich an und er lächelt leicht.
,,Du bist ganz schön neugierig.", sagt er lachend.
,,Ja, bin ich. Warum schleimen deine Eltern sich bei meinem Dad ein?"
,,Mein Eltern schleimen sich nicht bei deinem Dad ein, Cassandra." Es huschen mehrere Emotionen über Beau's Gesicht und seine Augen funkeln. Es wirkt fast, als würde das Blau selbst seine Iris überdecken. Er fährt sich mit einer Hand durchs Haar und seufzt. Ich wende den Blick ab. Mit der Geste ist er echt sexy!, denke ich und schlage mir selbst auf den Kopf.
,,Warum schlägst du dich?", fragt Beau noch leiser. Ich schlucke und kaue an meiner Unterlippe. Komischerweise, bin ich nicht fähig zu sprechen. Beau scheint es zu merken, oder so, weil er jetzt laut flucht und davon geht. Ich schaue wieder auf.
,,Wohin gehst du?", rufe ich ihm nach und merke schnell, dass es ein Fehler war. Beau dreht sich nicht um.
,,Nach Hause. Solltest du auch tun und richte meinen Eltern und meinem Onkel aus, dass sie sich beeilen sollen.", sagt er und geht weiter. Ich will den Mund öffnen, um etwas zu erwidern, doch ich entschließe mich dagegen und stapfe zum Haus zurück.
Beau's Eltern und sein Onkel sind noch immer da und ich stelle mich in die Tür. Sie wenden mir ihre Blicke zu.
,,Schon zurück, Cassie?", fragt mein Dad. Ich nicke.
,,Ja.", sage ich und wende mich an die Nachbarn, ,,Ich bin Beau am Strand begegnet und er sagte mir, dass ich euch ausrichten soll, dass ihr was zu erledigen habt und sie euch erwarten." Beau's Mutter nickt und lächelt. Sie steht auf und die Männer tun es ihr nach.
,,Danke, Cassandra. Du und Beau scheint euch gut zu verstehen oder?", fragt sie.
,,So in etwa.", sage ich nur. Sie nickt erneut und die drei verlassen das Haus. Mein Dad steht auf und geht an mir vorbei ins Wohnzimmer, wo er den Fernseher anmacht und sich auf die Couch setzt. Ich folge ihm und gehe aber zur Treppe. Es ist mittlerweile sehr spät geworden.
,,Gute Nacht, Dad.", sage ich.
,,Gute Nacht, Cassie.", ruft mein Dad zurück und ich gehe die Treppe hoch in mein Zimmer.
Dort setze ich mich auf die Fensterbank und schaue zur Villa der Vincent-Familie. Mein Blick fällt auf eine dunkle Gestalt, die am Wasser steht und sich bewegt. Es sieht aus, als würde die Gestalt mit der Luft kämpfen. Ich schalte eine kleine Lampe ein und beobachte die Gestalt weiter. Plötzlich verharrt sie in ihrer Bewegung und zwei helle Punkte blicken in meine Richtung. Blaue Punkte. Es sind Augen! Und sie starren mich genau an. Ich schlucke, öffne aber das Fenster, weil ich es immer abends öffne, bevor ich zu Bett gehe. Die blauen Punkte wenden sich erst ab, als jemand ruft. Ich erkenne Sawyer's Stimme und er ruft nach Beau. Die dunkle Gestalt am Wasser guckt noch kurz in meine Richtung und rennt dann zur Villa. Es war Beau, der am Wasser stand und mich angeguckt hatte! Scheiße!
Ich machte noch schnell meine Hausaufgaben, schloss das Fenster und hüpfe in mein Bett. Morgen werde ich den Vincent's aus dem Weg gehen!, beschließe ich, ehe ich einschlafe.
Wenn es eine Sache gibt, dann war es, dass ich den Vincent's nicht begegnen wollte, wie ich es gestern beschlossen habe. Aber irgendwie ist das ziemlich schwer, wenn Beau Vincent vor meinem Haus steht und auf mich wartet. Am liebsten wäre ich einfach an ihm vorbeigegangen, aber er stellt sich mir in den Weg. Ich fluche leise und starre ihn so wütend wie möglich an.
,,Cassandra, können wir bitte reden?", fragt er und seine blauen Augen funkeln.
,,Worüber?", frage ich genervt und weiche seinem Blick aus.
,,Über gestern. Ich möchte das gerne vergessen und nocheinmal ganz von vorne anfangen. Gibst du mir die Chance?" Langsam hebe ich meinen Blick und schaue ihn an. Er trägt eine tiefsitzende Jeans, ein schwarzes T-shirt und eine graue Jacke.
,,Ich weiß nicht.", sage ich. Jetzt flucht Beau leise.
,,Hör zu, es tut mir leid was gestern passiert ist, aber das habe ich dir gestern Abend auch schon gesagt. Alles worum ich dich bitte, ist, dass du mir eine zweite Chance gibst und meine Entschuldigung akzeptierst. Mehr verlange ich nicht und werde auch nicht mehr verlangen, Cassandra." Er spricht meinen Namen extra langsam und sanft aus. Ich senke den Kopf und kaue an meiner Unterlippe.
,,Versprichst du mir, dass Josh und die anderen mich in Ruhe lassen? Sie kommen mir nicht ganz geheuer vor und ich fühle mich in ihrer Nähe nicht wohl.", sage ich leise. Beau seufzt erleichtert.
,,Ich verspreche es dir. Sie werden dich in Ruhe lassen und dir aus dem Weg gehen, wenn möglich. Heißt das, du gibst mir eine zweite Chance?"
,,Ja, aber wenn du oder einer der anderen mich wieder irgendwie dumm anmacht, dann kannst du deine zweite Chance vergessen!", fahre ich ihn an und stoße mit meinem Finger an seine Brust. Er lacht und packt sich meine Hand.
,,Versprochen. Also ein Neuanfang.", flüstert er. Ich nicke.
,,Denke schon.", sage ich. Beau lässt meine Hand los.
,,Hi, mein Name ist Beau Vincent und wie heißt du?", fängt er an. Jetzt lache ich.
,,Ich bin Cassandra Matthews."
,,Freut mich dich kennenzulernen, Cassandra."
,,Ganz meinerseits.", sage ich lachend. Er nickt in Richtung der Straße und ich sehe einen kleinen weißen Mercedes.
,,Soll ich dich mit zur Schule nehmen?", fragt er.
,,Danke, das wäre nett, auch wenn das ein wenig aufdringlich rüberkommt."
,,Ach, quatsch!", ruft er lachend, packt wieder meine Hand und zerrt mich zum Auto. Er öffnet die Beifahrertür und ich setze mich herein. Dann läuft er um das Auto herum und setzt sich hinter das Lenkrad.
,,Genieß die Fahrt.", sagt er und lässt den Motor an. Wir fahren die Straßen entlang und unterhalten uns über die Insel. Beau selbst findet sie ganz schön, doch ich habe nicht viel dazu beizutragen, weil ich hier schon mein Lebenlang wohne. Beau erzählte mir, dass er vorher in den USA gelebt hat und davor in Deutschland. Er verfügt also über eine tolle Sprachkenntniss.
Nach zehn Minuten kommen wir bei der Schule an. Wir steigen aus und Beau greift nach meiner Hand. Ich will sie wegziehen, aber er schnappt sie sich trotzdem und hält sie fest. Beau begleitet mich noch bis zu Amy und Claire, begrüßt sie und geht zu seinen Cousin's. Amy und Claire starren mich fragend an.
,,Was ist?", frage ich sie.
,,Äh, du fragst was ist? Das müssten wir eigentlich dich fragen!", sagt Amy.
,,Genau! Wieso bist du mit ihm gefahren und wieso hat er deine Hand gehalten und wieso, zur Hölle?", flucht Claire. Sie hat ziemlich laut geredet und andere schauen uns an. Unter anderem auch Beau und Kompane.
,,Claire, nicht so laut!", fahre ich sie an und sie schweigt augenblicklich.
,,Du hast uns einiges zu erklären, Cassie.", sagt Amy jetzt wieder.
,,Ich weiß. Er hat mich nur mitgenommen, weil er noch mit mir reden wollte."
,,Worüber?"
,,Über die Schule und über die Insel.", erkläre ich.
,,Und warum hat er deine Hand gehalten, als wäre er dein Freund?", fragt Claire.
,,Das weiß ich doch selbst nicht."
,,Dann frag ihn!", stichelt sie.
,,Ja, genau das werde ich tun.", sage ich sarkastisch.
,,Na gut, wenn du es nicht tust, dann tu ich es eben!"
,,Nein! Claire, beruhige dich mal. Ich kläre das schon, aber nicht hier in der Schule."
,,Okay. Morgen will ich eine Antwort hören."
,,Ja, Claire.", sage ich und verdrehe die Augen. Dann gehe ich mit ihr und Amy in den Unterricht.
Als es klingelt kommen auch die anderen Schüler rein und setzen sich auf ihre Plätze. Beau redet noch kurz mit seinen Cousin's und als Sawyer etwa sagt, flucht er und funkelt ihn an. Der Lehrer kommt rein und Beau kommt zu mir und setzt sich neben mich.
Der Unterricht verlief langweilig wie immer und nach der Stunde gehe ich in die Bibliothek zum lernen. Claire und Amy sind zu ihrer Jungsclique gegangen. Nun sitze ich hier und starre auf mein Mathebuch.
,,Wenn du das Buch weiterhin so anstarrst, läuft es bald noch vor dir weg.", sagt jemand lachend. Ich schaue auf und sehe Beau vor mir sitzen.
,,Was überlegst du?", fragt er.
,,Ich frage mich nur, warum du heute morgen meine Hand gehalten hast. Ist aber jetzt nicht so wichtig. Ich starre das Buch nur an, weil ich hoffe, dass sich meine Probleme von selbst auflösen.", erkläre ich leise. Beau's Lächeln verschwindet.
,,Wenn es dir nicht gefällt, dass wir Freunde sind, dann lassen wir das. Ich will dich zu nichts zwingen, Cassie." Zum erstenmal hat er meinen Spitznamen gesagt. Unwillkürlich muss ich lächeln.
,,Nein, ich find es toll, dass wir Freunde sind, es ist nur..." Ich unterbreche mich.
,,Es ist nur, was? Bitte sag es mir.", bittet er. Ich gucke ihm in die Augen.
,,Warum hast du vorhin meine Hand gehalten? Warum legst du so viel Wert darauf mit mir befreundet zu sein? Das alles verwirrt mich. Ich weiß nicht, wie ich mit meinen Gedanken und Gefühlen zurechtkomme." Den letzten Satz habe ich beinahe geflüstert. Beau greift nach meinen Händen und drückt sie.
,,Ich lege so viel Wert auf deine Freundschaft, weil ich dich mag, Cassie. Ich habe deine Hand gehalten, weil das das einzige ist, was ich tun darf...tun kann. Es tut mir leid, wenn ich dich zur Verwirrung bringe. Ich möchte einfach nur mit dir befreundet sein und zwar so, wie du mit Amy und Claire befreundet bist. Meine Cousin's mögen komisch sein, aber so bin ich nicht. Ich bin dir gegenüber offen und ich schwöre dir, dich nie zu enttäuschen."
,,Beau, ich mag dich auch und ich glaube du wirst ein toller Freund. Ich weiß, dass du nicht wie Sawyer und so bist. Und das mit dem Händchen halten werde ich dir wohl nicht verbieten können, oder?", frage ich lächelnd. Beau lächelt jetzt auch wieder.
,,Nein, dass kannst du nicht.", sagt er lächelnd, ,,Darf ich dir wenigstens meine Schwester vorstellen? Sie ist wirklich bezaubernd."
,,Ja, das kannst du." Beau steht auf, nimmt wieder meine Hand und zieht mich hinaus. Auf dem Schulhof schaut er sich kurz um und läuft dann auf eine Mädchengruppe zu. Ich merke, wie uns Blicke folgen und werde unruhig. Seine Schwester steht bei Angi. Ich schlucke und will stehenbleiben, aber Beau zieht mich einfach dort mit hin. Als Angi uns sieht und dass Beau meine Hand hält, fällt ihr die Kinnlade runter.
,,Matthews, hast du etwa was mit dem Neuen?", fragt sie schockiert. Beau sieht mich kurz an und dann Angi. Er zieht mich enger an sich und schlingt seinen Arm um meine Taille. Ich schaue ihn verwirrt an.
,,Und wenn schon?", fragt Beau, ,,Cassandra ist wunderbar und im Gegensatz zu dir nicht so eingebildet. Auf solche eingebildeten Girls wie dich, steht kein Junge." Angi starrt ihn hasserfüllt an.
,,Wenn du wüsstest! Glaub mir, schon bald habe ich einen deiner Cousin's am Haken. Dann werden wir ja sehen!", sagt sie. Beau zerrt an seiner Schwester und deutet ihr, sie solle mitkommen. Sie verstand und nickt.
,,Wir sehen uns, Angi die Eingebildete.", verabschiedet sich Beau mit einem gehässigen Grinsen und geht mit seinem Arm um mich geschlungen von ihr weg. Beau's Schwester folgt uns. Vor einem Laternenpfahl bleiben wir stehen und Beau lächelt seine Schwester an.
,,Meg, das ist Cassandra.", sagt er.
,,Ich weiß wer sie ist, du Dummerchen.", sagt sie. Ich muss mir ein Lachen verkneifen. Beau sieht mich an.
,,Cassie, das ist meine kleine Schwester Meghan." Ich lächle Meghan an.
,,Freut mich.", sage ich. Meghan kommt auf mich zu und umarmt mich.
,,Ich weiß jetzt schon, dass wir tolle Freundinnen werden und das Beau sich nicht von dir fernhalten kann.", lacht sie und Beau guckt sie wütend an. Meghan lacht und haut ihm auf den Arm.
,,Das war dafür, dass du dich so scheiße benommen hast. Außerdem lügt man nicht!", fährt sie ihn an. Beau verschränkt die Arme vor der Brust.
,,Ich habe nicht gelogen!", sagt er.
,,Doch hast du, aber darüber reden wir später!", sagt sie noch und geht wieder zu Angi und denen. Fragend schaue ich Beau an. Er lächelt wieder.
,,Hey, du musst mich noch deinen Freundinnen vorstellen, schließlich gehöre ich jetzt zum Freundeskreis!", sagt er lachend. Ich lache auf, packe seine Hand und zerre ihn zu Amy und Claire. Als die beiden uns entdecken, schauen sie überrascht drein.
,,Hey, Leute.", begrüße ich sie.
,,Hey, Cassie. Wen hast du uns denn da mitgebracht?", fragt Claire frech grinsend. Beau lacht leise.
,,Ihr wisst schon, das ist Beau. Beau, das sind Claire und Amy. Beau gehört jetzt sozusagen zu meinem Freundeskreis."
,,Gut zu wissen.", sagt Amy grinsend.
,,Gewöhnt euch besser an mich, weil ihr werdet mich nicht so schnell los. Ich bin sehr anhänglich.", warnt er und alle lachen. Okay, die drei verstehen sich super, das lässt sich nicht bezweifeln. Zwar muss ich mich daran gewöhnen, dass ich jetzt mit einem Jungen befreundet bin, der immer meine Hand halten will, aber das wird schon nicht so schwer sein.
Den Rest des Schultages haben Claire, Amy, Beau und ich dauernd im Unterricht geredet und Beau hat seinen ersten Verweis bekommen, weil er Angi einen Kugelschreiber an den Kopf geworfen hat. Wir Mädels konnten uns nicht mehr halten vor Lachen. Beau hat immer im Unterricht meine Hand unter dem Tisch gehalten und Angi hat uns immer neidisch angeguckt. Immer wenn ich Beau angeschaut habe, hat er gelächelt.
Bei Schulschluss gehe ich nach draußen und will gerade zur Bushalte gehen, als mich jemand ruft. Ich drehe mich um und Beau bleibt neben mir stehen.
