Xray-Yankee-Zulu - Hans Albert Poignee - E-Book

Xray-Yankee-Zulu E-Book

Hans Albert Poignee

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Beschreibung

Aboulie aus Senegal hat einen Traum. Er möchte nach Europa. Geld verdienen. Er rutscht in die Karriere eines Killers. Er lernt Europa kennen, die Armen und die Reichen, die Skrupellosen und die Opfer, die Anhänger ausländerfeindlicher Parteien und die Liebenden der Menschheit. Es ist ein packender, verstörender Bericht, voll Humor, aber auch politischer Analyse. Ein Page-Turner.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2016

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And all I ever learnt from love

Was how to shoot at someone

Who outdrew you._”

Leonard Cohen, Hallelujah

“La vie est un sourire errant.

Miracle d’aimer ce qui meurt.”

Albert Camus, dans la Maison Fichu

Titelbild

Karin Trittel

Die Intrige (im Besitz des Autors)

Fort Detrick, Maryland, USA, 1986

Durch die Indiskretion eines ehemaligen Mitarbeiters wurde bekannt, dass schon im Jahr 1981 aus dem Biowaffenlabor in Fort Detrick, USA, zwei Liter mit Chikungunya-Virus entwendet wurden – genug, um damit die Weltbevölkerung mehrfach umzubringen.

Inhalt

Ziguinchor, Senegal

Leida, Spanien

Madrid, Spanien

Barcelona, Spanien

Paris, Frankreich

Chambon-sur-Lignon, Vivarais

Karlsruhe, Deutschland

Dresden, Deutschland

Landau, Bayern

Mannheim, Deutschland

Berlin, Deutschland

Bad Wildbad – Kreuth, Bayern

Epilog

Gauteng, Zulu-Gebiet, South Africa

Ziguinchor, Senegal

In Ziguinchor war es drückend heiß. Aboulie wartete im Schatten eines mächtigen Baobab-Baumes auf den Jeep, der ihn außer Landes bringen sollte. Dieses Jahr waren wieder 40 Fälle von Chikungunya in der Region Kedougou aufgetreten, einer Krankheit, bei der man entweder nur hohes Fieber mit heftigen Gelenkschmerzen bekam, meist aber der Tod durch Organversagen auftrat. Er wollte raus aus diesem Land, weg von diesem dreckigen Strand, dem Meer, in dem sie immer weniger Fische fingen. In dem chinesische Fangflotten in senegalesischem Hoheitsgebiet ungestraft die Mägen ihrer riesigen Trawler mit Tunfisch vollstopften. Er wollte nach Europa. Er war jung, intelligent und willig, zu lernen. Dort ein neues Leben anzufangen. Er würde irgendwie nach Spanien kommen. Aboulie war sich sicher.

Leida, Spanien

Den ersten Auftrag bekam ich an einem sonnigen Tag im Mai. Der sandige Fußweg nach Leida war von Blumen gesäumt, Klatschmohn, Wegwarte und römische Kamille ließen die Wegränder leuchten. Meine schäbigen Sandalen waren völlig eingestaubt. Als ich in der Stadt ankam, hatten sich die Leute schon in die Carrer Saracibar geflüchtet, zogen sich noch unter die Arkaden zurück und hielten sich bei einem Cafe americano oder einem frischen Orangensaft bei Laune. Ich ließ mich an einem freien Tisch nieder. In meinem Geldbeutel hatte ich gerade einmal 10 Euro. Ich schlug gerade eine ausgelesene Ausgabe der Vanguardia auf, als mich ein etwa 50 Jahre alter Herr ansprach. Ich sage Herr, denn so etwas erkannte ich sofort, jemand, dem ich nie das Wasser würde reichen können, hellblaues Hemd, seidenes Halstuch trotz der ansteigenden Hitze, machen wir es kurz: Jemand, von dem ich nie gedacht hätte, dass er so ein Subjekt wie mich überhaupt anblicken würde. Ich komme aus Senegal, wurde nach Spanien über das Meer geschleust. Ja, ich bin ein Neger, negro, und ich gehöre hier nicht zur beliebtesten Rasse, zumindest bei einer Menge von Leuten. Ich bin auch kein verfolgter Christ, was es mir hier leichter machen würde. Ich bin, na ja, Muslim, eigentlich sind in meinem Stamm, den Lebu, alle Männer Mitglied der Layène-Bruderschaft, aber das ist ein anderes Thema. Für die Menschen hier bin ich ein Erdnussfresser und vor allem eine billige Arbeitskraft. Ich schweife ab.

Meine beste Kleidung, die ich für meinen Ausflug in diegroße Stadt gewählt hatte, war eine saubere braune Hose, Plastiksandalen vom Chinesen und ein weißes Nylonhemd. Der Kaffee in Spanien ist billig und anregend schmackhaft. Den Ausflug mache ich alle zwei Wochen, ein wenig abschalten, Leute gucken.

Sie wollen sicher nicht wissen, was ich arbeitete, bevor mich dieser Herr ansprach. Beim Gucken war er mir nicht aufgefallen, ich schaue eher den Chicas mit ihren Hotpants oder luftigen Sommerkleidern nach. Es ist deprimierend, jemand anzulächeln, der dann lieber an eine Wand schaut, als ob da gerade George Clooney vorbeiliefe. Keine Ahnung, was sich die Menschen denken. Bin ich ein Brett auf zwei Füßen?

Jedenfalls spricht mich dieser Herr an, was ich so tue an einem so schönen Tag und dass er nur Tourist sei aus Zaragossa. Nach einer Weile kommt er zur Sache. Er bräuchte jemand für einen Auftrag: „Ich bin in Rente und ich bin todkrank. Mein Arzt gibt mir noch ein halbes Jahr. Leberzirrhose, dabei habe ich mein Leben lang wenig getrunken.“ Er lächelt, irgendwie lächelt er über seine eigene Blödheit, sein Leben lang abstinent geblieben zu sein. Aber er wusste es selbst: „Wissen Sie, ich habe immer gut, oder sagen wir lieber „brav“ gelebt, ein ordentliches Leben. Aber jetzt ist es zu spät zu bereuen.“ Er sprach katalanisch und ich verstehe das, weil man das eben hier so spricht. Also, er greift in seine Brusttasche und legt 100 € auf den Tisch, so, vor mich hin. Ich greife natürlich nicht zu. Nachher heißt es, ich hätte etwas gestohlen und bei Leuten wie mir ist da gleich ein halbes Jahr Knast drin.

Da braucht es keine großen Vorstrafen, eine kleine Rauferei ist schon genug. „Das ist für Sie“, fängt der Herr schließlich wieder an zu reden. „Du kannst mehr davon haben.“ Da war mir gleich klar, da kommt etwas Krummes. „Wie gesagt, ich war immer ordentlich, zuverlässig, aber du kennst sicher das Sprichwort: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Ich nicke. Arschlöcher gibt es überall auf der Welt.

„Und was soll ich für das Geld machen?“, frage ich vorsichtig. Er nimmt einen Schluck Kaffee und nimmt das Gespräch wieder auf: “Machen wir es kurz. Sie sollen jemand für mich umbringen. Ich hasse diesen Menschen und er hat mein Leben über Jahre zur Hölle gemacht. Wissen Sie, es ist ganz einfach. Ich habe Geld und Sie keines. Sie kennen den Mann nicht und er Sie auch nicht. Niemand verdächtigt Sie und mich auch nicht, denn ich werde ein wasserdichtes Alibi haben. Sie dürfen sich nur nicht erwischen lassen.“ „Und wie soll das gehen? Soll ich ihn erwürgen? Das packe ich nicht.“ „Kein Problem“, fährt der Mann fort, „Ich gebe dir eine Waffe. Die Waffe ist noch aus dem Bürgerkrieg. Nirgends registriert. Sie gehört also niemand. Sie verstehen?“

Es macht mich nervös, dieses ständige „Sie“, das bin ich nicht gewöhnt. Ich bin Aboulie, Aboulie komm mal, Du hol mal den Kanister, Aboulie shut up, ein Aboulie eben.

Aber es gefällt mir auch, dass er mich mit „Sie“ anspricht: „Und wieviel springt dabei für mich heraus?“ „Ich gebe Ihnen 5000 €.“ Das ist ein Wort. Dafür arbeite ich ein Jahr. Dafür esse ich ein Jahr lang billiges Brot, schlafe unter einer Plane, spritze Obst mit giftigen Insektiziden, spare nur so viel, dass ich meiner Mama etwas nach Senegal schicken kann.

„Ok, ich denke darüber nach.“, sage ich. „Ich bin morgen um dieselbe Zeit wieder da. Wenn Sie kommen, heißt das, Sie sind dabei. Ok? Das Geld können Sie übrigens behalten. Prüfen Sie es ruhig, es ist echt.“ Er steht auf und verschwindet in einer Gasse.

„Hat der es eilig“, denke ich. „ Nun muss ich auch noch seinen Kaffee bezahlen. Mal sehen, ob der Kellner die 100 € akzeptiert.“

Am Abend, als es gerade etwas abgekühlt hatte und ich auf dem Stroh lag, meine Kameraden ringsum, ich hätte gerne mit jemandem darüber geredet. Verdammt einsam, so eine Entscheidung. „Geht’s dir nicht gut?“, hat Jorge zu mir herüber gerufen, aber ich habe nur abgewinkt. „Todo en su debido orden!“ signalisierte ich. Es wurde eine unruhige Nacht, voller furchtbarer Träume. Irgendjemand bekam eine Kugel in den Kopf, das Blut spritzte meterweit, ganz anders als in den Krimis, wo die Opfer einfach umfallen, als sei ihnen schwindlig geworden. Und dann kommt ein Kommissar, tastet die Halsschlagader ab und sagt: „tot“. Meistens gibt es dann eine Frau dazu, die traurig