XXL-Leseprobe: Als das Leben unsere Träume fand - Luca Di Fulvio - kostenlos E-Book

XXL-Leseprobe: Als das Leben unsere Träume fand E-Book

Luca Di Fulvio

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Beschreibung

Drei Leben. Zwei Welten. Ein Neuanfang. XXL-Leseprobe zu Luca Di Fulvios "Als das Leben unsere Träume fand": Es ist das Jahr 1913, und eine Schiffsreise nach Buenos Aires verheißt eine zweite Chance für drei junge Menschen: Der Sizilianer Rocco hat den Zorn der Mafia auf sich gezogen, als er sich weigerte, sein Leben in den Dienst der ehrenwerten Gesellschaft zu stellen. Rosetta hat in einem sizilianischen Dorf dem Don die Stirn geboten und nur knapp eine Vergewaltigung überlebt. Die russische Jüdin Raquel ist die einzige Überlebende eines Pogroms, ihre kostbarste Habe ist die Erinnerung an die Liebe ihrer Eltern. Doch das Leben in der Neuen Welt stellt sie vor schier unüberwindbare Hindernisse ... Diese Leseprobe enthält außerdem noch ein Interview mit Luca Di Fulvio über seinen neuen Roman "Als das Leben unsere Träume fand". Jetzt herunterladen und sofort loslesen!

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EPUB

Seitenzahl: 74




Inhalt

CoverÜber dieses BuchÜber den AutorTitelImpressumAnmerkungWidmunugZitateErster Teil: Drei ReisenKapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Interview

Über dieses Buch

Drei Leben. Zwei Welten. Ein Traum – Drei junge Helden wagen einen Neuanfang

XXL-Leseprobe zu Luca Di Fulvios »Als das Leben unsere Träume fand«:

1913. Der zwanzigjährige Rocco aus einem Dorf in Sizilien hat sich mit der Mafia angelegt, der er nicht dienen will wie einst sein Vater. Rosetta, ebenfalls 20, hat mit dem Don ihres sizilianischen Geburtsorts die Stirn geboten und nur knapp eine Vergewaltigung überlebt, und die dreizehnjährige Raquel ist die einzige Überlebende eines Pogroms gegen ihr jüdisches Heimatdorf in der Ukraine. - Drei junge Waisen in auswegloser Situation begeben sich auf eine gefährliche Reise nach Argentinien, um dort ihr Glück zu finden. Doch das Leben, das sie in Buenos Aires erwartet, stellt sie abermals vor schier unüberwindbare Hindernisse.

Diese Leseprobe enthält außerdem noch ein Interview mit Luca Di Fulvio über seinen neuen Roman »Als das Leben unsere Träume fand«.

Über den Autor

Luca Di Fulvio, geb. 1957, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Rom. Bevor er sich dem Schreiben widmete, studierte er Dramaturgie bei Andrea Camilleri an der Accademia Nazionale d‘Arte Drammatica Silvio D‘Amico. Seine Romane »Der Junge, der Träume schenkte« und »Das Mädchen, das den Himmel berührte« standen monatelang auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste.

Luca Di Fulvio

Als dasLeben unsereTräumefand

Roman

XXL-Leseprobe

Aus dem Italienischen vonKatharina Schmidt und Barbara Neeb

BASTEI ENTERTAINMENT

XXL-Leseprobe des in der Bastei Lübbe AG erscheinenden Werkes »Als das Leben unsere Träume fand« von Luca Di Fulvio

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung von Motiven © Sandra Cunningham/Trevillion Images; © Svetoslava Madarova/Trevillion Images; © picture alliance/Frank May; © FinePic/shutterstock

eBook-Erstellung: hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-7325-6991-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Dieses Buch ist ein Werk der Fantasie. Jede Ähnlichkeit mit Tatsachen sowie lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Mit Ausnahme der Sociedad Israelita de Socorros Mutuos Varsovia, seit 1929 bekannt als Zwi Migdal. Aber sie hat schon lange vorher existiert. Und zwar vor den Augen der ganzen Welt.

Für meine Frau Elisa

Descendemos de los barcos.

Wir kommen von den Schiffen.

Redewendung aus Argentinien

Eine neue Chance beginnt immer mit der vollständigen Vernichtung der Vergangenheit.

Jean-Christophe Grangé, Purpurne Rache

Erster Teil

Drei Reisen

1912

1

Alcamo, Sizilien

»Bottana!«, zischte jemand.

Doch Rosetta Tricarico setzte ihren Weg durch die staubigen Gassen von Alcamo fort, ohne sich nach der Frau umzudrehen, die sie als Hure beschimpft hatte.

»Bottana svergognata!«, rief eine andere, von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidete alte Frau, deren Gesicht mit zahllosen Falten übersät und von der unbarmherzigen Sonne Siziliens gebräunt war.

Schamlose Hure, so hatte sie sie genannt. Aber auch das konnte Rosetta nichts anhaben, sie hastete unbeirrt weiter, barfuß, in ihrem luftigen mohnroten Kleid, dessen Saum um ihre Beine flatterte.

An einem Tisch unter dem schilfgedeckten Vorbau der Osteria saßen ein paar Männer, in Hemden mit speckigen Kragenrändern und dunklen Westen mit ausgebeulten Taschen, die coppola tief in die Stirn gezogen, und mit Bartstoppeln am Kinn. Sie alle verschlangen Rosetta wie eine Jagdbeute mit geradezu gierigen Blicken. Einer spuckte einen zähen Klumpen Schleim aus, dunkel vom Tabak.

»Wo willst du denn so eilig hin?«, höhnte der Wirt, während er sich die Hände an seiner Schürze abwischte.

Die Männer lachten spöttisch, doch Rosetta ging wortlos und mit erhobenem Haupt an ihnen vorbei.

Einer der Männer trank einen großen Schluck süßen Passito. »Ich hab gehört, heut Nacht sind die Wölfe aus den Bergen gekommen«, sagte er, und wieder lachten alle. »Zum Glück haben sie meine Herde verschont«, fuhr der Mann fort.

»Wölfe suchen halt nur Huren heim, brave Christenmenschen lassen sie in Ruhe«, warf der Wirt ein, und alle Männer nickten.

Rosetta blieb abrupt stehen. Sie ballte die Hände zu Fäusten, hielt den Männern aber den Rücken zugewandt.

»Hast du uns was zu sagen?«, fragte einer herausfordernd.

Rosetta zitterte vor Wut, antwortete aber nicht. Schließlich riss sie sich zusammen und setzte ihren Weg zur Kirche San Francesco d’Assisi fort. Dort stürmte sie wie eine Furie in das Pfarrhaus und baute sich vor dem Pfarrer auf.

»Wie könnt Ihr so etwas zulassen, Pater?«, brüllte sie. Ihr Gesicht war weiß vor Wut, ihre Haare, schwarz und glänzend wie das Gefieder eines Raben, fielen offen über ihre Schultern, ihre dunklen Augen, von dichten Wimpern umrahmt, glühten im Zorn wie zwei brennende Kohlestücke. »Wie kann ein Mann Gottes wie Ihr nur so tun, als wäre nichts geschehen?«

»Was meinst du?«, fragte Pater Cecè sichtlich verlegen.

»Das wisst Ihr sehr genau!«

»Beruhige dich …«

»Heute Nacht haben sie zehn meiner Schafe getötet!«

»Ach so … das … natürlich«, stammelte der Pfarrer. »Man sagt, das waren die Wölfe …«

»Wölfe schneiden Schafen nicht die Kehle durch!«

»Aber mein Kind … wie kannst du das sagen …«

»Wölfe fressen Schafe auf«, fuhr Rosetta fort. In ihrem Blick lag jetzt neben Wut auch Verzweiflung. »Sie fressen sie! Sie lassen sie nicht einfach liegen!« Wieder ballte Rosetta die Hände zu Fäusten, so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. »Aber das wisst Ihr sicher«, fügte sie hinzu. »Wie könnt Ihr, wie könnt Ihr nur …?«

Pater Cecè seufzte, er fühlte sich sichtlich unwohl unter Rosettas Blick. Als er sich abwandte, bemerkte er, dass die Haushälterin sie belauschte. »Verschwinde!«, fuhr er sie an und schloss die Tür. Dann holte er aus dem hinteren Teil des Raumes zwei Stühle, die er einander gegenüber aufstellte. Einen davon wies er Rosetta zu.

Rosetta trat auf ihn zu und sah ihn lange an, ehe sie sich schließlich setzte. »Wie könnt Ihr das nur zulassen?«, fragte sie noch einmal.

»Ich habe dich lange nicht mehr in der Kirche gesehen«, entgegnete der Pfarrer.

Rosetta lächelte bitter. »Na und? Wenn ich in die Kirche komme, helft Ihr mir dann?«

»Unser Herr wird dir helfen.«

»Und wie?«

»Er wird zu deinem Herzen sprechen und dir raten, was du tun sollst.«

Rosetta sprang auf. »Ihr seid doch auch bloß ein Knecht des Barons«, rief sie verächtlich.

Der Pfarrer stieß noch einmal einen tiefen Seufzer aus. Dann beugte er sich vor und nahm Rosettas Hand, doch sie schüttelte ihn ab.

»Setz dich wieder hin«, forderte Pater Cecè sie sanft auf.

Und Rosetta setzte sich.

»Du kämpfst jetzt schon über ein Jahr, meine Tochter. Seit dem Tod deines Vaters«, begann der Pfarrer. »Es ist an der Zeit, aufzugeben.«

»Niemals!«

»Aber sieh doch: Niemand kauft mehr von deiner Ernte, sie verfault auf dem Feld. Vor zwei Monaten ist gar die Hälfte davon verbrannt …«

Rosetta ließ den Blick zu ihrem rechten Unterarm wandern, der von einer Brandnarbe gezeichnet war.

»Und je länger dieser Streit zwischen dir und dem Baron dauert, desto seltsamer und trotziger wirst du.« Pater Cecè deutete auf ihr Kleid. »Sieh dich doch bloß an, sieh doch, was für ein Kleid du trägst …«

»Was ist daran auszusetzen?« Rosetta blickte den Pfarrer an. »Ich bin keine Witwe, also muss ich auch nicht Schwarz tragen. Der Rock reicht bis zu den Knöcheln, und die Brüste sind bedeckt.«

»Hör dir doch zu, wie du redest«, seufzte der Pfarrer.

»Wie eine bottana«, höhnte Rosetta und sah ihm fest in die Augen. »Aber ich bin keine Hure. Und das wisst Ihr.«

»Ja, das weiß ich.«

»Alle schimpfen mich eine Hure, nur weil ich mich nicht beuge …«

»Das verstehst du nicht!«

»O doch, ich verstehe sehr gut, um was es geht!« Wieder sprang Rosetta auf. »Der Baron besitzt Hunderte Hektar Land, aber er hat sich in den Kopf gesetzt, auch noch meine vier Hektar zu bekommen, weil dort der Bach verläuft. Dann würde ihm alles Wasser gehören. Aber dieses Land gehört mir! Meine Familie schuftet dort seit drei Generationen, und genau das will ich auch, das ist alles. Die Leute aus dem Dorf sollten mir helfen, aber alle haben Angst vor dem Baron. Sie sind allesamt Feiglinge, elende Feiglinge.«

»Du verstehst es nicht«, sagte Pater Cecè. »Natürlich fürchten die Leute den Baron, aber glaubst du wirklich, dass das der Grund ist, weshalb sie auf dich losgehen? Du irrst dich, du hast nichts verstanden. Für sie bist du noch viel gefährlicher als der Baron … Und in mancherlei Hinsicht muss ich ihnen sogar recht geben. Du bist eine Frau, Rosetta.«

»Ja und?«

»Was wäre, wenn andere Frauen sich auch so benehmen würden wie du?«, ereiferte sich Pater Cecè. »Das ist gegen die Natur! Gott selbst verdammt es!«

»Ich bin genauso viel wert wie ein Mann!«

»Genau das verdammt Gott!« Der Pfarrer packte sie bei den Schultern. »Eine Frau muss …«

»Diese Leier kenne ich«, unterbrach Rosetta ihn und schüttelte seine Hände ab. »Eine Frau muss heiraten, Kinder kriegen und die Schläge ihres Ehemannes ohne Gegenwehr hinnehmen, ganz wie eine brave Magd.«