Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

XXL-Leseprobe: Das Joshua-Profil E-Book

Sebastian Fitzek

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E-Book-Beschreibung XXL-Leseprobe: Das Joshua-Profil - Sebastian Fitzek

XXL-Leseprobe zu Sebastian Fitzeks Das Joshua-Profil Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß ... im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist. Entdecken Sie auch "Die Blutschule" - unter dem bisher anonymen Schriftsteller Max Rhode verbirgt sich niemand geringeres als Bestsellerautor Sebastian Fitzek! Inklusive Interview mit Sebastian Fitzek zu Das Joshua Profil.

Meinungen über das E-Book XXL-Leseprobe: Das Joshua-Profil - Sebastian Fitzek

E-Book-Leseprobe XXL-Leseprobe: Das Joshua-Profil - Sebastian Fitzek

Inhalt

CoverÜber dieses BuchÜber den AutorTitelImpressumWidmungMottoZitate1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. KapitelZwei Monate später7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. KapitelInterview mit Sebastian Fitzek

Über dieses Buch

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen.

Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß … im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.

Über den Autor

Sebastian Fitzek, Jahrgang 1971, geboren in Berlin, entschied sich nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion zum Dr. jur. gegen einen juristischen Beruf und für eine kreative Tätigkeit in den Medien. Nach dem Volontariat bei einem privaten Hörfunksender wechselte er als Unterhaltungschef und später als Chefredakteur zur Konkurrenz und machte sich danach als Unternehmensberater und Formatentwickler für zahlreiche Medienunternehmen in Europa selbständig. Er lebt in Berlin, wo er derzeit in der Programmdirektion eines großen Hauptstadtsenders tätig ist. »Mit so einem großem Erfolg hätte ich nie gerechnet«, sagt Fitzek zu BILD. »Die Resonanz auf das Buch ist unglaublich. Jeden Tag bekomme ich seitenlange Leserpost.«

Sebastian Fitzek

DAS

JOSHUA

PROFIL

XXL-Leseprobe

BASTEI ENTERTAINMENT

XXL-Leseprobe des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes »Das Joshua-Profil« von Sebastian Fitzek

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Sebastian Fitzek wird vertreten von der AVA international GmbH

www.ava-international.de

Für die Originalausgabe:Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Regine Weisbrod, Konstanz

Covergestaltung: Pauline Schimmelpennick Büro für Gestaltung, Berlin

Einband-/Umschlagmotiv: © Arcangel Images/Sally Mundy

eBook-Erstellung: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-7325-3740-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

 

Für Roman Hocke

 

Now I’m not looking for absolution

Forgiveness for the things I do

But before you come to any conclusions

Try walking in my shoes

Depeche Mode

 

Gott würfelt nicht!

Albert Einstein

Und selbst wenn Gott würfeln sollte – wir sind ihm auf der Spur.

Rudi Klausnitzer, Das Ende des Zufalls

1.  Kapitel

Berlin

Dreizehn Leichen, elf vergewaltigte Frauen, sieben Verstümmelungen, ebenso viele Entführungen und zwei an ein Heizungsrohr angekettete Schwestern, die qualvoll verhungern würden, sollte man sie nicht rechtzeitig finden. Ich war zufrieden mit meiner bisherigen Bilanz, und eigentlich hätte ich ihr heute Nachmittag noch einen weiteren Mord hinzugefügt, wenn ich nicht um 15.32 Uhr gestört worden wäre, als ich gerade mit einem wehrlosen Opfer auf dem Weg in die Berliner Kanalisation war.

Zuerst hatte ich versucht, das Klingeln zu ignorieren; normalerweise schaltete ich mein Handy während der Arbeit ab, aber heute war Montag, und montags war ich mit dem Fahrdienst für unsere zehnjährige Tochter an der Reihe, selbst wenn meine Frau ausnahmsweise mal im Lande war, was wegen ihres Jobs als Langstrecken-Pilotin leider nur sehr unregelmäßig vorkam.

Zwar kannte ich die Nummer im Display nicht, doch es war ungefähr die richtige Uhrzeit. Jolas Schwimmtraining musste gerade vorbei sein, und vielleicht rief sie ja mit dem Telefon einer Freundin an. Ich entschied mich, den Anruf besser nicht auf die Mailbox laufen zu lassen, auch auf die Gefahr hin, gleich einen Callcenter-Agenten am Ohr zu haben, der mir eine Zahnzusatzversicherung oder ein Pay-TV-Abo aufschwatzen wollte und den es nicht im Geringsten kümmerte, dass ich seit Monaten mit dem Dispo im Minus hing.

Und so hatte ich entnervt mit der Zunge geschnalzt, das Kapitel des Thrillers, an dem ich gerade arbeitete, mitten im Satz zwischengespeichert und nach dem surrenden Handy auf meinem Schreibtisch gegriffen. Was, um es kurz zu machen, der Grund dafür war, weshalb ich jetzt im Stau auf der Avus Höhe Hüttenweg stand und von meiner Tochter fünf Euro verlangte.

»Die zahl ich nicht.« Jola schüttelte den Kopf und schaute trotzig aus dem heruntergekurbelten Seitenfenster in Richtung der S-Bahn-Gleise, die hier parallel zur Stadtautobahn verliefen. Es war Mitte August, wir standen in der prallen Sonne, vor uns flimmerte die Luft über den Dächern der Blechlawine, und ich hatte das Gefühl, in einem Schnellkochtopf und nicht in meinem alten VW Käfer zu sitzen.

»Wir haben eine Abmachung«, erinnerte ich sie.

Fünf Euro für jedes Mal, wenn ich zu einem »Elterngespräch« gebeten wurde, weil sie wieder etwas angestellt hatte.

»Ich dachte, das gilt nur für die Schule. Nicht für die Freizeit.«

»Du vergisst, dass Herr Steiner nicht nur dein privater Schwimm-, sondern auch dein offizieller Sportlehrer ist. Also her mit dem Geld!«

Sie sah mich an, als hätte ich sie gezwungen, ihre dunklen Locken abzuschneiden, das Einzige an ihrem Körper, worauf sie stolz war. Ansonsten hasste sie ihre schiefe Nase, die dünnen Lippen, den viel zu langen Hals, ihre »Krüppelfüße« (der kleine Zeh hatte ihrer Ansicht nach einen viel zu kleinen Nagel) und den zarten Leberfleck auf ihrer Wange. Ganz besonders den Leberfleck, den sie an Tagen, an denen sie schlecht drauf war, mit einem Pflaster abdeckte.

»Das ist unfair«, maulte sie.

»Unfair ist, was du mit Sophia gemacht hast.«

Ich bemühte mich, nicht zu grinsen, denn eigentlich fand ich es gar nicht so schlimm, verglichen mit dem, was ich so alles angestellt hatte, als ich in ihrem Alter war. Die Erinnerung an das unangenehme Gespräch im Büro des Trainers half mir dabei, verärgert zu wirken.

»Ich weiß, Jola ist mit Abstand die Beste im Team, und ich lass ihr wirklich vieles durchgehen«, hatte Schwimm-Steiner mir zum Abschied mit auf den Weg gegeben. »Aber sollte sie sich noch so ein Ding leisten, schmeiß ich sie aus der Mannschaft.«

»Sophia hat mich einen Bastard genannt«, versuchte Jola sich zu rechtfertigen.

»Und deshalb hast du ihr Spülmittel in die Shampooflasche gefüllt?«

Ihre Mannschaftskameradin hatte einen Heulkrampf unter der Dusche bekommen, als die Haare nicht aufhören wollten zu schäumen, egal wie lange sie unter der Brause stand. Der Schaum musste den gesamten Waschraum bis in die Umkleide gefüllt haben.

»Ich hab ihr nur den Kopf gewaschen.« Jola grinste, fingerte aber einen zerknitterten Fünfeuroschein aus der Vordertasche ihres Rucksacks, wo sie ihren iPod und das Taschengeld aufbewahrte.

»Du weißt schon, dass man einen Streit besser mit Worten löst?«, fragte ich sie.

»Klar, so wie in deinen Büchern.«

Eins zu null für sie.

Jola wedelte mit dem Geldschein.

»Leg ihn ins Handschuhfach«, bat ich sie und rollte zwei Meter weiter. Irgendwo am Funkturm musste es gekracht haben. Der Verkehrsreport brachte natürlich noch nichts, aber seit zehn Minuten ging es nur in Trippelschritten voran.

»Hey, Chips, wie geil.«

Sie nahm die Tüte heraus, die ich in das kleine Handschuhfach gestopft hatte, und ich konnte in letzter Sekunde verhindern, dass sie die Verpackung aufriss.

»Halt, nein! Das ist ein Geschenk für Mama!«

Sie warf mir einen skeptischen Blick zu. »Wie bitte?«

»Ja. Nächste Woche, zum Hochzeitstag.«

»Kartoffelchips?« Jola musste mir keinen Vogel zeigen, damit ich sah, was sie dachte.

»Nicht irgendwelche Kartoffelchips.« Ich deutete auf das Logo der Packung. »Das sind Peng-Chips.«

»Aha.«

»Ja, die gibt es gar nicht mehr. Die Produktion wurde vor Jahren eingestellt. Hab ich dir nicht erzählt, wie Mama und ich unser erstes Date hatten?«

»Nur etwa tausend Mal!« Jola rollte mit den Augen und begann die wesentlichen Eckpfeiler der Geschichte aufzuzählen.

»Ihr wolltet ins Autokino. Du hattest den Käfer beim Aldi um die Ecke geparkt, doch als ihr losfahren wolltet, war Aldi schon zu und der Parkplatz gesperrt.«

Ich nickte und ergänzte: »Also haben wir es uns mit Peng-Chips und Cherry-Cola gemütlich gemacht, durch die Windschutzscheibe auf den leeren Discounter gestarrt und so getan, als würden wir Jurassic Park sehen.«

Wie immer, wenn ich daran zurückdachte, machte sich ein leicht dämliches, weil selbstvergessenes Grinsen auf meinem Gesicht breit. Wie Kim und ich eng umschlungen auf den Vordersitzen kuschelten und ich ihr in schillernden Farben die Geschichte eines Films erzählte, den ich mir in dieser Sekunde gerade ausdachte, zählte zu den schönsten Erinnerungen in meinem Leben. Abgesehen von dem Tag vor zehn Jahren natürlich, an dem das Amt uns Jola als Pflegekind anvertraute.

»Deine Mutter ist damals voll auf diese pfeffrigen Peng-Teile abgefahren«, sagte ich und rollte wieder ein Stück nach vorne. »Am Tag, an dem sie aus dem Sortiment genommen wurden, ging eine Welt für sie unter.«

»Muss echt schlimm für sie gewesen sein.«

Wir grinsten beide.

»Ja. Also hab ich den Hersteller bei Bahlsen ausfindig gemacht und ihn davon überzeugen können, für mich noch einmal eine einzige Packung herzustellen. Mama wird ausrasten, wenn sie die sieht.«

»Ganz bestimmt«, sagte Jola wenig euphorisch, stopfte den Fünfer in das Handschuhfach und schloss es wieder.

»Das wird sicher ausreichen, um sie umzustimmen.«

Ich wollte Jola fragen, wie sie das meinte, aber ich war kurzfristig abgelenkt, weil ein Vollidiot in einem SUV neben uns versuchte, die Spur zu wechseln, als würde der Stau sich dadurch schneller auflösen. Außerdem war mir ohnehin klar, dass Jola sehr viel mehr mitbekam, als sie sollte. Sie war so unglaublich sensibel, da konnten wir uns noch so sehr bemühen, nicht in ihrer Gegenwart zu streiten. Zwar hatten Kim und ich, auch wenn wir alleine waren, das Thema Trennung nie offen angesprochen, aber die subtilen Zeichen der Entfremdung konnten Jola nicht entgangen sein.

»Fahren wir jetzt wie versprochen Pizza essen?«

Bevor ich Jola erklären konnte, dass sie sich das eigentlich nicht verdient hatte, klingelte mein Handy zum zweiten Mal an diesem Tag. Ich nahm es aus der Ablage und sah auf die Nummer. Schon wieder ein unbekannter Teilnehmer.

Jola öffnete das Handschuhfach und nahm sich ihr Geld wieder heraus.

»Wieso das denn?«, fragte ich in einer Klingelpause.

»Handy beim Fahren«, erinnerte sie mich an den zweiten Teil unserer – zugegeben etwas merkwürdigen – Taschengeldvereinbarung. Wann immer ich fluchte, etwas Verbotenes tat oder eine Verabredung verschob, hatte sie Anspruch auf eine Zahlung.

»Wir stehen«, protestierte ich und deutete auf die Kolonne vor uns.

»Aber der Motor läuft«, entgegnete Jola und steckte die fünf Euro wieder ein. Kopfschüttelnd, aber amüsiert nahm ich den Anruf entgegen.

Mein Grinsen verschwand mit dem ersten Wort, das der unbekannte Teilnehmer sagte.

»Hallo?«

Schmerz. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss. Dieser Mann hat Schmerzen.

»Wer ist denn da?«

Ich hörte ein elektronisches Warnsignal im Hintergrund, als würde ein Wecker klingeln, dann gab es eine längere Pause, und ich dachte schon, die Verbindung wäre wieder getrennt.

»Hallo?«

Nichts. Nur ein kurzes, statisches Rauschen. Dann, als ich gerade wieder auflegen wollte, sagte der Mann: »Ich liege im Westend auf der Intensivstation. Kommen Sie schnell. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit.«