Verlag: Droemer eBook Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

XXL-Leseprobe - Die Unvollendete E-Book

Kate Atkinson  

4.5 (12)

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E-Book-Beschreibung XXL-Leseprobe - Die Unvollendete - Kate Atkinson

Kostenlose Leseprobe zu »Die Unvollendete« – schon vorab mehr lesen! Was wäre, wenn man sein Leben wieder und wieder leben könnte, bis man schließlich alles perfekt gemacht hätte? Wäre man dann ein glücklicher Mensch? Ursula Todd ist eine für ihre Zeit ganz besondere Frau: unabhängig, modern, realistisch. Mit Humor begegnet sie nicht nur ihrer skurrilen Familie, sondern auch den seltsamen Ereignissen in ihrem Leben. Wie jeder erlebt sie Situationen, in denen sie sich fragt: Was wäre, wenn? Was wäre geschehen, wenn sich ihre Teenagerliebe erfüllt hätte? Was wäre geschehen, wenn sie studiert hätte? Oder was wäre aus ihr geworden, wenn sie nicht in England, sondern in einem anderen Land aufgewachsen wäre? Wäre ihr Leben schrecklicher oder besser verlaufen? Doch anders als anderen Menschen bleibt es für Ursula nicht bei diesen Fragen. Ihr ist es gegeben, ihr Leben immer wieder zu korrigieren und damit jeden Fehler zu beseitigen. Dennoch erlebt sie Verlust, Verrat, Krieg und Tod. Was also soll diese Gabe? Ist es überhaupt möglich, sein Leben fehlerlos zu leben?

Meinungen über das E-Book XXL-Leseprobe - Die Unvollendete - Kate Atkinson

E-Book-Leseprobe XXL-Leseprobe - Die Unvollendete - Kate Atkinson

Kate Atkinson

Die Unvollendete

Roman

Aus dem Englischen von Anette Grube

Knaur e-books

Kostenlose Leseprobe!

Das vollständige eBook erhalten Sie ab dem 3. September 2013.

Inhaltsübersicht

WidmungMottoSeid tapferNovember 1930Schnee11. Februar 1910Schnee11. Februar 1910Vier Jahreszeiten machen aus ein Jahr11. Februar 1910Mai 1910Juni 1914Schnee11. Februar 1910KriegJuni 1914Juli 1914Januar 1915
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Für Elissa

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Wie, wenn dir eines Tages oder Nachts, ein Dämon in deine einsamste Einsamkeit nachschliche und dir sagte: »Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen …!« – Würdest du dich nicht niederwerfen und mit den Zähnen knirschen und den Dämon verfluchen, der so redete? Oder hast du einmal einen ungeheuren Augenblick erlebt, wo du ihm antworten würdest: »Du bist ein Gott, und nie hörte ich Göttlicheres!«

Friedrich Nietzsche,

Die fröhliche Wissenschaft

 

 

Alles bewegt sich fort, und nichts bleibt.

Platon, Kratylus

 

 

»Was wäre, wenn wir die Chance hätten,

es noch einmal zu tun und noch einmal,

bis wir es endlich richtig machen?

Wäre das nicht wunderbar?«

Edward Beresford Todd

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Seid tapfer

November 1930

Ein Mief aus Tabakrauch und feuchtkalter Luft schlug ihr entgegen, als sie das Café betrat. Draußen regnete es, und Wasser zitterte noch wie empfindliche Tautropfen auf den Pelzmänteln einiger Frauen im Saal. Ein Regiment weißbeschürzter Kellner lief beflissen herum, um die Bedürfnisse der müßigen Münchner zu erfüllen – Kaffee, Kuchen, Klatsch.

Er saß an einem Tisch am anderen Ende des Raums, wie immer umgeben von Vasallen und Speichelleckern. Auch eine Frau war dabei, die sie noch nie zuvor gesehen hatte – eine stark geschminkte, dauergewellte Platinblonde –, dem Aussehen nach zu urteilen eine Schauspielerin. Die Blondine zündete sich eine Zigarette an, machte eine anzügliche Vorführung daraus. Alle Welt wusste, dass er züchtige, bodenständige Frauen vorzog, wenn möglich Frauen aus Bayern. Ständig und überall Dirndl und Wadenstrümpfe, Gott steh uns bei.

Der Tisch war reich gedeckt. Bienenstich, Gugelhupf, Käsekuchen. Er aß ein Stück Kirschtorte. Er liebte Kuchen. Kein Wunder, dass er so pastös aussah, andererseits erstaunlich, dass er kein Diabetiker war. Der leicht abstoßende Körper (sie dachte an Teig) unter den Kleidern war noch nie öffentlichen Blicken ausgesetzt gewesen. Kein männlicher Mann. Er lächelte, als er sie sah, erhob sich halb, sagte: »Guten Tag, gnädiges Fräulein«, und deutete auf den Stuhl neben sich. Der Schleimer, der darauf saß, sprang auf und machte ihn frei.

»Unsere englische Freundin«, sagte er zu der Blondine, die bedächtig Rauch ausblies und sie desinteressiert musterte, bevor sie schließlich sagte: »Guten Tag.« Eine Berlinerin.

Sie stellte ihre Handtasche, deren Inhalt schwer wog, auf den Boden neben ihren Stuhl und bestellte Schokolade. Er bestand darauf, dass sie den Pflaumenstreusel probierte.

»Es regnet«, sagte sie auf Deutsch, um etwas zu sagen.

»Ja, es regnet«, sagte er auf Englisch mit starkem Akzent. Er lachte, zufrieden mit seinem Versuch. Auch alle anderen am Tisch lachten. »Bravo«, sagte jemand. »Sehr gutes Englisch.« Er war gut gelaunt, tippte sich amüsiert lächelnd mit dem Zeigefinger gegen die Lippen, als horchte er auf eine Melodie in seinem Kopf.

Der Streuselkuchen war köstlich.

»Entschuldigung«, murmelte sie, langte hinunter in ihre Tasche und kramte nach einem Taschentuch. Die Ecken waren mit Spitze versehen, ein Monogramm mit ihren Initialen »UBT« war darauf gestickt – ein Geburtstagsgeschenk von Pammy. Sie tupfte wohlerzogen die Krümel von ihren Lippen und neigte sich erneut hinunter, um das Taschentuch in die Tasche zurückzustecken und den schweren Gegenstand, der darin lag, herauszunehmen. Den alten Armeerevolver ihres Vaters aus dem Ersten Weltkrieg, einen Webley Mark V.

Eine hundertmal geübte Bewegung. Ein Schuss. Auf die Schnelligkeit kam es an, doch nachdem sie die Waffe gezogen hatte und damit auf sein Herz zielte, war da ein Augenblick, eine in der Zeit schwebende Blase, als alles innezuhalten schien.

»Führer«, sagte sie und brach den Zauber. »Für Sie.«

Um den Tisch herum wurden Pistolen aus Holstern gerissen und auf sie angelegt. Ein Atemzug. Ein Schuss.

Ursula drückte ab.

Es wurde dunkel.

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Schnee

11. Februar 1910

Ein eisiger Luftzug, ein frostiger Hauch auf plötzlich ungeschützter Haut. Sie ist ohne Vorwarnung aus dem Drinnen im Draußen, und die vertraute, nasse, tropische Welt ist verschwunden. Hilflos den Elementen ausgesetzt. Eine gepulte Krabbe, eine geschälte Nuss.

Kein Atem. Darauf war die ganze Welt reduziert. Ein Atemzug.

Kleine Lungen wie Libellenflügel, die sich in der fremden Atmosphäre nicht entfalten können. Keine Luft in der strangulierten Röhre. Das Summen von tausend Bienen in den Perlmuttwindungen eines winzigen Ohrs.

Panik. Das ertrinkende Mädchen, der herabstürzende Vogel.

 

»Dr. Fellowes sollte längst da sein«, sagte Sylvie und stöhnte. »Warum ist er noch nicht da? Wo ist er?« Tautropfengroße Schweißperlen auf der Haut, ein Pferd, das sich dem Ende eines harten Parcours nähert. Das Feuer im Schlafzimmer brannte so stark wie im Heizkessel eines Schiffs. Die dicken Brokatvorhänge fest zugezogen, um den Feind auszuschließen, die Nacht. Die schwarze Fledermaus.

»Der Mann steckt bestimmt im Schnee fest, Ma’am. Draußen ist die Hölle los. Die Straße wird gesperrt sein.«

Sylvie und Bridget mussten das Martyrium allein durchstehen. Alice, das Stubenmädchen, besuchte ihre kranke Mutter. Und Hugh war auf der Suche nach Isobel, seiner außer Rand und Band geratenen Schwester, à Paris. Und Mrs. Glover, die in ihrem Zimmer auf dem Dachboden schnarchte wie ein Trüffelhund, wollte Sylvie nicht dabeihaben. Sie würde die Geschehnisse dirigieren wie ein Feldwebel Soldaten auf dem Exerzierplatz. Das Baby kam zu früh. Sylvie hatte damit gerechnet, dass es wie die anderen zu spät kommen würde. Der Mensch denkt und so weiter.

»Oh, Ma’am«, schrie Bridget plötzlich, »sie ist ganz blau, richtig blau.«

»Ein Mädchen?«

»Die Nabelschnur hat sich um den Hals gewickelt. Oh, Maria, heilige Mutter Gottes. Sie ist erstickt, das arme kleine Ding.«

»Sie atmet nicht? Gib sie mir. Wir müssen etwas tun. Was können wir bloß tun?«

»Oh, Mrs. Todd, Ma’am, sie ist tot. Gestorben, bevor sie gelebt hat. Es tut mir schrecklich, schrecklich leid. Sie ist jetzt bestimmt ein kleines Engelchen im Himmel. Oh, wenn nur Mr. Todd da wäre. Es tut mir schrecklich leid. Soll ich Mrs. Glover aufwecken?«

 

Das kleine Herz. Ein hilfloses kleines Herz, das verzweifelt schlug. Plötzlich aufgab wie ein Vogel, der vom Himmel fällt. Ein einziger Schuss.

Es wurde dunkel.

[home]

Schnee

11. Februar 1910

Um Himmels willen, Mädchen, hör auf, rumzulaufen wie ein kopfloses Huhn, hol heißes Wasser und Handtücher. Hast du denn überhaupt keine Ahnung? Bist du in der Wildnis aufgewachsen?«

»’tschuldigung, Sir.« Bridget machte einen kleinen Knicks, als wäre Dr. Fellowes ein entfernter Verwandter der königlichen Familie.

»Ein Mädchen, Dr. Fellowes? Kann ich sie sehen?«

»Ja, Mrs. Todd, ein kräftiges, kregles Mädchen.« Sylvie dachte, dass Dr. Fellowes vielleicht etwas zu dick auftrug mit seinen Alliterationen. Auch zu den besten Zeiten neigte er nicht zur Jovialität. Die Gesundheit seiner Patienten, insbesondere ihr Abgang und ihr Eintritt in diese Welt, schienen dazu geschaffen, ihn zu ärgern.

»Sie wäre an der Nabelschnur um ihren Hals erstickt. Ich bin im letzten Augenblick in Fox Corner angekommen. Buchstäblich.« Dr. Fellowes hielt seine Chirurgenschere hoch, damit Sylvie sie bewundern konnte. Sie war klein und elegant, und die scharfen Spitzen waren gebogen. »Schnipp, schnapp«, sagte er. Sylvie machte sich im Geist eine Notiz, eine kleine, vage Notiz angesichts ihrer Erschöpfung und der sie verursachenden Umstände, für einen ähnlichen Notfall (der sehr unwahrscheinlich war) genau so eine Schere zu kaufen. Oder ein Messer, ein gutes scharfes Messer, das man stets bei sich trug wie das Räubermädchen in Die Schneekönigin.

»Sie haben Glück gehabt, dass ich noch rechtzeitig gekommen bin«, sagte Dr. Fellowes, »bevor die Straßen wegen des Schnees unpassierbar wurden. Ich habe Mrs. Haddock, die Hebamme, rufen lassen, aber ich glaube, dass sie irgendwo vor Chalfont St. Peter im Schnee stecken geblieben ist.«

»Mrs. Haddock?«,sagte Sylvie und runzelte die Stirn. Bridget lachte laut über den Namen und murmelte dann rasch: »’tschuldigung, ’tschuldigung, Sir.« Sylvie nahm an, dass sie und Bridget nahezu hysterisch waren. Kein Wunder.

»Irischer Bauerntrampel«, murmelte Dr. Fellowes.

»Bridget hilft in der Küche, sie ist selbst noch ein Kind. Ich bin ihr sehr dankbar. Es ging alles so schnell.« Sylvie wäre gern allein gewesen, aber sie war nie allein. »Sie müssen vermutlich bis morgen bleiben, Doktor«, sagte sie widerwillig.