XXL-Leseprobe: King - Er wird dich besitzen - T. M. Frazier - kostenlos E-Book
Beschreibung

XXL-Leseprobe zu T. M. Fraziers "King": Sie braucht einen Beschützer. Er wird ihre Liebe, ihre ganze Welt, ihr King! Kein Geld, kein Handy, und absolut keine Erinnerung daran, wer sie ist und woher sie kommt: Die junge Doe weiß, dass sie einen Beschützer finden muss, wenn sie hier draußen im Nirgendwo überleben will - koste es, was es wolle. Eine Party des führenden Motorcycle-Clubs der Gegend scheint die perfekte Gelegenheit dafür zu sein, und als sie dort dem berühmt-berüchtigten, am ganzen Körper tätowierten Brantley King in die Arme läuft, spürt Doe augenblicklich, dass sie keinen besseren für diese Aufgabe hätte finden können. King wird ihr Beschützer, ihr Geliebter, ihr Freund und ihre ganze Welt - aber auch ihre größte Angst, denn auf der Suche nach der Vergangenheit hat alles seinen Preis. Und der Preis ist hoch, denn im Umkreis von mehreren hundert Meilen ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass King nichts mehr hergibt, was einmal ihm gehört hat ...

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Seitenzahl:85


Inhalt

Zu diesem BuchWidmungProlog123456Die AutorinWeitere Bücher von T. M. FrazierImpressum

T. M. FRAZIER

King

Er wird dich besitzen

XXL-Leseprobe

Ins Deutsche übertragen von Anja Mehrmann

Zu diesem Buch

XXL-Leseprobe zu T. M. Fraziers King – Er wird dich besitzen

Sie braucht einen Beschützer. Er wird ihre Liebe, ihre ganze Welt, ihr King!

Kein Geld, kein Handy, und absolut keine Erinnerung daran, wer sie ist und woher sie kommt: Die junge Doe weiß, dass sie einen Beschützer finden muss, wenn sie hier draußen im Nirgendwo überleben will – koste es, was es wolle. Eine Party des führenden Motorcycle-Clubs der Gegend scheint die perfekte Gelegenheit dafür zu sein, und als sie dort dem berühmt-berüchtigten, am ganzen Körper tätowierten Brantley King in die Arme läuft, spürt Doe augenblicklich, dass sie keinen besseren für diese Aufgabe hätte finden können.

King wird ihr Beschützer, ihr Geliebter, ihr Freund und ihre ganze Welt – aber auch ihre größte Angst, denn auf der Suche nach der Vergangenheit hat alles seinen Preis. Und der Preis ist hoch, denn im Umkreis von mehreren hundert Meilen ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass King nichts mehr hergibt, was einmal ihm gehört hat …

Für Charley und Logan

Prolog

King

Zwölf Jahre alt

»Na komm schon, du kleine Schwuchtel! Du feiges kleines Weichei!«

Ich war auch früher schon Zeuge geworden, wenn die Kids an meiner Schule andere Kinder einschüchterten, aber bisher hatte ich nie das Gefühl gehabt, dass ich mich einmischen sollte. Wenn ein Junge nicht die Eier hatte, für sich selbst einzustehen, dann hatte er es eben nicht besser verdient.

An diesem Morgen hatte ich beschlossen, endgültig von zu Hause abzuhauen. Moms derzeitiger Freund hatte sie wieder mal als Punchingball benutzt. Aber als ich dazwischenging, hat sie mich nicht nur weggeschubst, sondern den Pisser sogar in Schutz genommen.

Sie sagte, sie hätte es verdient.

Sie ging sogar so weit, sich zu entschuldigen.

Bei ihm.

Ich hasste sie dafür. Weil sie schwach wurde. Weil sie zuließ, dass er sich auf diese Art an ihr vergriff. Ich wünschte mir so sehr, in Johns Visage zu schreien, dass ich in der Pause neben dem Schulgebäude saß und ständig die Fäuste ballte und wieder öffnete, während dieser Morgen sich vor meinem geistigen Auge immer wieder aufs Neue abspielte. Ich hatte zwar im Kampf gegen einen erwachsenen Mann nicht gewinnen können, aber ich war überzeugt, ihm wenigstens Schmerzen zugefügt zu haben.

Als ich also hörte, wie diese Worte über den Spielplatz gerufen wurden, war es, als hätte die Wut mir die Entscheidung abgenommen, bevor ich auch nur darüber nachdenken konnte. Fast ohne es zu merken, machte ich einen Satz über den Sandkasten und steuerte auf die Gruppe von Kids zu, die auf der anderen Seite des Schulhofs neben dem Kickball-Feld im Kreis standen.

Ich überragte sämtliche anderen in meinem Jahrgang und konnte mühelos über ihre Köpfe hinwegblicken. In der Mitte des Kreises stand ein ziemlich brutaler Typ namens Tyler, ein dunkelhaariger Junge, der immer T-Shirts mit Bandlogos und abgeschnittenen Ärmeln trug. Er hielt einen dünnen Jungen am Hemdkragen fest und schlug ihm immer wieder ins Gesicht. Der kleinere Junge ächzte jedes Mal, wenn Tylers Faust ihn traf. Das zerrissene Hemd des Jungen war über seinen blassen Bauch hochgerutscht und gab den Blick auf blaue Flecken in unterschiedlichen Lila- und Gelbtönen frei. Seine Rippen zeichneten sich so deutlich unter der Haut ab, dass ich sie zählen konnte. Blut tropfte ihm aus der Nase und auf den Boden. Ich schob zwei kleine Mädchen beiseite, die die Prügelei durch Zurufe anfeuerten.

Kinder können verdammt grausam sein.

Erwachsene noch grausamer.

Mit einem Satz stand ich vor Tyler und holte aus. Ein einziger Faustschlag gegen seinen pickligen Kiefer reichte, und der Schulhofschläger landete auf dem Boden. Dumpf schlug sein Kopf auf. Bewusstlos.

Ich fühlte mich sofort besser. Obwohl das schlechte Gewissen immer, wenn ich Gewalt anwenden musste, hinterher wie eine Ratte an mir nagte, hatte der Schlag gegen Tyler meine brennende Wut zumindest vorübergehend vom grellen Licht eines Scheinwerfers zum Flackern einer brennenden Kerze gedimmt.

Der magere Junge saß auf dem Boden und hielt sich die blutende Nase. Dann nahm er die Hand aus dem Gesicht und sah mich mit einem breiten, unglaublich albernen Grinsen an, während Blut seine Zähne, die für seinen Mund zu groß waren, rot färbte. Nicht gerade das, was ich von jemandem erwartet hätte, der gerade verprügelt worden war. »War nicht nötig, mich zu retten. Ich hab ihn nur ein paar Treffer landen lassen, gleich hätte ich’s ihm richtig gegeben.« Seine Stimme überschlug sich bei jedem einzelnen Wort dieser Lüge. Tränen rannen ihm aus den Augenwinkeln und vermischten sich mit dem Blut, das seine Lippen verschmierte. Der Kreis hatte sich inzwischen aufgelöst, und die Jungs hatten ihr Kickballspiel wiederaufgenommen.

»Ich hab dich nicht gerettet«, sagte ich, machte einen Schritt über ihn hinweg und entfernte mich, aber irgendwo in der Nähe des Sandkastens holte der Junge mich ein.

»Natürlich nicht. Den hätte ich doch fertiggemacht. Oh, Mann, diesem Scheißtyp hat doch einer ins Gehirn geschissen«, schimpfte der Junge und fuchtelte wild mit den Händen in der Luft herum, während er mit mir Schritt zu halten versuchte.

»Ach ja? Und warum ist das so?«, fragte ich.

»Weil er wollte, dass ich sein beschissenes Mathe-Arbeitsblatt für ihn mache. Aber ich sag dir mal was, ich lass mich nicht rumkommandieren. Also hab ich ihm gesagt, er soll sich verpissen.« Seine Stimme klang dumpf, weil er sich immer noch die Nasenlöcher zuhielt, um das Blut daran zu hindern, ihm aus der Nase zu tropfen.

»Du hast bloß ›Scheiße, nein‹ zu ihm gesagt, und deshalb hat er angefangen, dich zu verprügeln?«, fragte ich, obwohl ich mir das sehr gut vorstellen konnte. Abgesehen von dem Bullshit mit meiner Mom und John waren es fast immer Kleinigkeiten, die dazu führten, dass meine Faust sich danach sehnte, mit jemandem nähere Bekanntschaft zu schließen.

Der Junge grinste.

»Na ja, das und … und ich hab ihm erzählt, wie cool ich es finde, dass es seinen Dad offenbar nicht stört, dass sein Sohn dem Chef seiner Mom beim Price Mart wie aus dem Gesicht geschnitten ist.« Er wischte sich den Dreck aus den Kratzern an seinen Ellbogen und rieb sich die staubigen Handflächen an seiner zerknitterten Khakihose ab. »Ich heiß Samuel Clearwater. Und du?«

Ich blieb stehen und wandte mich ihm zu. Er hielt mir die Hand hin, und ich nahm meine verschränkten Arme auseinander und schüttelte seine Hand. Obwohl er ein schlaksiger Junge und ungefähr so alt war wie ich, trug er Klamotten wie ein ordinärer Opa. Er redete auch wie einer, der zu alt war, um seine Worte noch sorgfältig zu wählen. Und welcher Elfjährige gab einem eigentlich die Hand?

Samuel Clearwater, der machte so was.

»Brantley King«, antwortete ich.

»Hast du viele Freunde, Brantley King?« Samuels widerspenstiges, sandfarbenes Haar fiel ihm in die Augen, und er schob es sich mit schmutzigen Fingern und mit Nägeln, die vor Dreck strotzten, aus dem Gesicht.

»Nee.« Keiner der Jungs in der Schule war wie ich. Seit dem allerersten Tag im Kindergarten hatte ich mich einsam gefühlt. Während alle anderen den Text zu »Old McDonald« lernten, überlegte ich, wie lange ich nach Einbruch der Dunkelheit warten musste, bis ich nach Hause gehen konnte. Kam ich zu früh, würde der Typ, dem meine Mutter gerade erlaubt hatte, für einen Monat bei ihr einzuziehen, unweigerlich zu motzen anfangen.

Allein zu sein kam mir ganz natürlich vor. Während die Zeit verging, wurde es immer mehr zu einem Zustand, der mir gefiel. Obwohl ich der größte Junge in der ganzen Schule war, brachte ich es fertig, herumzulaufen wie ein Geist.

Bis ich in Schwierigkeiten geriet.

Bis wir zusammen in Schwierigkeiten gerieten. Preppy und ich. Zwei kleine Pisser im Jugendknast.

»Ich auch nicht. Machen mehr Ärger, als sie wert sind«, sagte Samuel, und es klang beinahe überzeugend. Er stopfte sich das zu große, karierte Hemd wieder in die Khakihose und schob die Hosenträger zurecht, die ihm ständig von den Schultern rutschten. Dann rückte er seine gelb gepunktete Fliege zurecht.

»Was sind das für blaue Flecken?«, fragte ich und deutete auf seine Rippen.

»Hm, die hast du also gesehen?« Ein trauriger Ausdruck erschien auf seinem Gesicht, aber woran auch immer er in diesem Augenblick dachte, er schob es beiseite und schürzte wieder die Lippen. »Ein höllischer Stiefvater mit verdammt vielen Problemen, seitdem meine Mom gestorben ist. Aber eigentlich hat er nur zwei Probleme. Bier und mich. Bier mag er. Mich eher nicht.«

Das Problem kannte ich. Obwohl es bei mir kein Stiefvater war, sondern eher ein unablässiger Aufmarsch von Männern. Sie hatten unterschiedliche Namen und Gesichter, aber im Grunde waren sie alle gleich.

»Pass auf, Junge, ich glaube nicht, dass Tyler dir noch mal auf die Nerven gehen wird.« Wieder wollte ich mich auf den Weg machen, zurück zu meinem Platz hinter dem Schulgebäude, wo ich allein sein konnte. Doch aus dem Augenwinkel sah ich, wie Tyler mit zusammengebissenen Zähnen die Stufen zur Schule hinaufhumpelte.

Weichei.

»War das jetzt alles?« Samuel folgte mir dichtauf, trat mir fast in die Fersen.

»Was soll denn noch sein?« Ich duckte mich unter einem tief hängenden Ast hindurch. Samuel war locker dreißig Zentimeter kleiner als ich und flitzte problemlos darunter her. Als ich mich weit genug von den anderen Jungs entfernt hatte, zündete ich mir die halbe Zigarette an, die ich zusammen mit dem letzten Streichholz aus dem Briefchen, das ich in meinem Schuh versteckt hatte, in meiner Gesäßtasche aufbewahrte.

»Kann ich mal probieren?«, fragte Samuel, und ich erschrak. Ich hatte nicht gemerkt, dass er immer noch da war.

Ich reichte ihm die Zigarette, und er sog den Rauch tief in die Lunge. Die nächsten fünf Minuten verbrachte er mit Husten. Ich drückte die Zigarette an der Sohle meiner Sneakers aus, während sein Gesicht sich gruselig violett verfärbte, bevor es wieder blass wurde, blutverschmiert und voller Sommersprossen. »Die ist echt verdammt gut, aber ich steh eigentlich mehr auf Mentholzigaretten.«

Ich brach in schallendes Gelächter aus, so heftig, dass ich mich vorbeugen und mir den Bauch halten musste. Samuel beachtete mich nicht weiter und redete weiter. »Wo wohnst du?«

»Hier und da.« Nirgendwo