Verlag: Knaur eBook Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

XXL-Leseprobe - Wie Sonne und Mond E-Book

Nicole Walter  

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E-Book-Beschreibung XXL-Leseprobe - Wie Sonne und Mond - Nicole Walter

Kostenlose Leseprobe zu »Wie Sonne und Mond« – schon vorab mehr lesen! Birgit lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Tom und den beiden Kindern in einem Haus am Starnberger See. Dort taucht plötzlich ihre Schwester Kira wieder auf – Kira, die Rebellin, die Weltenbummlerin, die auf Ibiza lebt und die sie seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Auf einmal beginnt Birgit ihr bisheriges Leben in Frage zu stellen: Hat sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen, als sie eine bürgerliche Existenz mit Familie und Wohlstand wählte? Gibt es da nicht auch noch etwas anderes? Kira dagegen kann nicht vergessen, was in jener Nacht vor zwanzig Jahren geschah, als sie den Geliebten verlor und ihr Leben zerstört wurde – von ihrer Schwester …

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E-Book-Leseprobe XXL-Leseprobe - Wie Sonne und Mond - Nicole Walter

Nicole Walter

Wie Sonne und Mond

Roman

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Inhaltsübersicht

WidmungMotto1. Kapitel2. Kapitel
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Für Emmi, Ernst-Manfred und Milena

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Jeder Mensch ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

Mark Twain

Zwei Schwestern – nichts Schöneres kennt die Welt.

Kein Band im Leben hält fester,

wenn die eine zur anderen hält.

Unbekannt

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1

Einfach verschwinden. Zwischen blühenden Kräutern, Rosmarin und den Sternen der Cistaceen. Aufgehen im weiß glühenden Licht der Morgensonne oder untergehen mit dem Abendlicht. Zuerst langsam, dann schnell. Versinken im Meer. Irgendwo am Horizont. Vergehen. Ein gutes Gefühl.

Das Stimmengewirr auf dem Hippiemarkt von Las Dalias wurde zum monotonen Sound. Wie das rhythmische Trommeln am Strand. Jeden Sonntag bei Vollmond.

Kira betrachtete das sich leicht bewegende Weinlaub. Wie eine grüne Plane über den Markt gespannt, über bunte Stände mit selbstgefertigtem Schmuck, Keramik, Lederwaren und Flower-Power-Klamotten, selbstgeschneidert, unter freiem Himmel, auf ratternden Nähmaschinen. Auch Kira hatte selbst genäht, was sie trug. Das Trägertop und die Lammfellweste. Die Jeans war von Sascha. Enger gemacht. Dazu viel Silberschmuck um Hals und Handgelenke. Kira nähte leidenschaftlich gern. Liebte den Augenblick, in dem sie ganz in dem ratternden Auf und Ab der Nadel versank, im leisen Knistern des Stoffes, dem meditativen Treten des Fußpedals der uralten Singer-Nähmaschine. Vor allem im Winter. Wenn es ganz still war auf Ibiza. Dann wurde ihr Haar, das sie schon lange nicht mehr geschnitten hatte, zum dunklen Vorhang, schützte sie vor dem Rest und dem trostlosen Raum, in dem kein Feuer im Kamin brannte. Gemeinschaftstoilette auf dem Flur, keine Dusche, nur eine Kochnische, der Strom schon lange abgestellt, weil sie ihn nicht mehr bezahlen konnte. Wenn es besonders kalt war, trank sie einen Schluck Hierbas, Miguels selbstgebrannten Kräuterlikör. Doch meist war es tagsüber barfußwarm, und abends genügte ein Pullover.

Jetzt war es Ende Mai, und die Inselparty hatte begonnen. Seit Ostern. Zunächst während der Semana Santa mit Prozessionen reich geschmückter Heiligenfiguren, getragen von meist barfüßigen, maskierten Männern. Dann auf den Stränden und in den unzähligen Clubs.

Ein Tourist ging an ihrem Stand vorbei. »Vorsicht vor Ibiza!« stand bunt bedruckt auf seinem T-Shirt. »Zu viel davon schadet der Gesundheit.« Sein Blick glitt wie beiläufig über Kiras Gesicht. Glitt über die feine Haut, die fast schwarzen Augen, die selbst dann noch von einer eigenartigen Wehmut waren, wenn sie lachte. Diese Urgewalt von Lachen. Das ganz plötzlich kam, Kira zum Mittelpunkt machte, nur diesen einen Moment, ehe es irritiert abbrach, so als habe es sich verlaufen. Die Augen des Touristen blieben auch nicht an Kiras Mund hängen. Der groß war und mit einem kleinen Zucken mehr ausdrücken konnte als jemand, der auch noch Hände, Füße und Sprache zu Hilfe nahm. Nein, der Blick des Mannes blieb an Kiras Körper haften. Diesem festen, biegsamen, leicht gebräunten, noch fast mädchenhaften, aber sehr erotischen Körper. Dabei war Kira achtunddreißig, und das Leben hatte sich tief in sie eingegraben. Kiras Augen scheuchten den Touristen und seinen gierigen, herausfordernden Blick weg, und sie verkaufte wieder nichts von den Überbleibseln aus Saschas Leben. Keines seiner letzten Bilder und keine Bleistiftskizzen. Staffeleien, rohe Rahmen und helle Leinwände war sie längst an andere Künstler losgeworden.