Yoga als Element einer Lebensführung - Andrea Ulbrich - E-Book

Yoga als Element einer Lebensführung E-Book

Andrea Ulbrich

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Sport - Theorie und Praxis der Sportarten, Note: 1,0, Universität Hamburg (Institut für Leibesübungen), Sprache: Deutsch, Abstract: Yoga ist eine der ältesten indischen Geistesleben und wurde dort zu einer weit verbreiteten Lebensweise. Heutzutage ist es auch in der westlichen Gesellschaft sehr präsent. Alleine in Deutschland geht man von mindestens drei Millionen Yoga-Praktizierenden aus. In zahlreichen Bereichen wie der Physiologie, der Psychologie, der Medizin, der Pädagogik hat sich Yoga ebenso wie in der Suchttherapie oder der betrieblichen Gesundheitsheitsförderung etabliert. Der zeitgenössische Yoga orientiert sich immer mehr an den Bedürfnissen des westlichen Menschen, gleichzeitig führen die implementierten Methoden auf den ursprünglichen, tradintionellen Yoga-Weg zurück. Einführend analysiert Andrea Ulbrich detailliert die geschichtlichen, methodischen und theoretischen Grundlagen. Anschließend beleuchtet sie die gesundheitsfördernden und langzeitigen/therapeutischen Wirkungen des Yoga.

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Veröffentlichungsjahr: 2005

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung.
2. Definition von Yoga.
2.1. Heilige Schriften.
2.2. Bhagavad Gita.
2.3. Geschichtliche Wurzeln des Yoga.
2.4. Tantrismus als Grundlage des Hatha-Yoga.
2.5. Hatha-Yoga.
3. Die Entfaltung von Yoga in den westlichen Industrieländern.
3.1. Die gegenwärtige Yoga-Szene in Deutschland.
3.2. Die Umsetzung der Etikette im Westen.
4. Die acht Glieder des Yoga-Weges des Patanjali.
4.1. Yama.
4.2. Niyama.
4.3. Asanas.
4.3.1. Allgemeine Merkmale der Asanas.
4.3.2. Allgemeine physiologische Wirkungen der Asanas.
4.3.3. Allgemeine psychologische Wirkungen der Asanas
4.4. Pranayama.
4.5. Pratyahara.
4.6. Dharana, Dhyana, Samadhi - Meditation.
5. Yoga als Therapieform.
5.1. Langzeitwirkungen regelmäßiger Yoga-Praxis.
5.2. Übungsvoraussetzungen und Ernährungsempfehlungen.
5.3. Zusammenfassung.
6. Schlussbetrachtung.
7. Literaturverzeichnis.

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„Wenn Freiheit nicht durch den Körper erlangt

wird, ist Freiheit desGeistesin weiter Ferne“∗

∗Cuchman, Anne, Interview mit B.K.S. Iyengar, aus: Yoga - Abenteuer Meditation, Die besten Artikel aus internationalen Zeitschriften,

Hrsg. Wilfried Huchzermeyer, Karlsruhe, 1998, S. 29

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1. Einleitung

Die folgende Arbeit basiert auf meiner eigenen langjährigen praktischen Erfahrung mit Yoga und der damit verbundenen Vertiefung in östliche Philosophie. Der Yoga ist eine der ältesten indischen Geistesleben und wurde in Indien zu einer weit verbreiteten Lebensweise. Yogadas Wort aus einer anderen Kultur hat mittlerweile auch Eingang in unsere Sprache gefunden. Denn vor über 100 Jahren ist Yoga aus Indien in den Westen gekommen und auch nach Deutschland. Hier beschäftigten sich zunächst überwiegend Indologen und Angehörige der Theosophischen Bewegung1mit dem Thema.

Oft wurde, und wird teilweise immer noch, der Begriff Yoga den Bereichen „New Age Bewegung“ und „Esoterik“ zugeordnet. Gleichzeitig reichen die Auffassungen von der inhaltlichen Bedeutung weit. Assoziationen mit den sagenhaftesten Körperverrenkungen oder sogar der Befähigung zu übermenschlichen Kräfte sind keine Seltenheit. Es stellt sich daher die Frage: Was genau ist Yoga?

Obwohl dem Yoga heutzutage immer noch Vorurteile anhaften, hat es sich in zahlreichen Bereichen, wie unter anderem in der Physiologie, Psychologie, Medizin und Pädagogik, etabliert. Es gibt viele Sparten in der Praxis, von der Suchttherapie bis zur betrieblichen Gesundheitsförderung, in denen Yoga bewusst eingesetzt wird, um die positiven Wirkungen zu nutzen. Indessen wird die Yoga-Forschung im deutschsprachigen Raum sehr stiefmütterlich behandelt. Es gibt bislang keine Institution in Deutschland, die die theoretischen und praktischen Aspekte des Yoga systematisch erforscht. Generell ist wiederum eine zunehmende Popularisierung des integralen Denkens in unserer Zeit zu verzeichnen, die eine Abnahme von Berührungsängsten bezüglich Spiritualität zur Folge hat. Nun verlagern sich langsam sowohl die Interessen und Bedürfnisse der Yoga-Lehrer als auch die der Teilnehmer: Die einen bieten Unterricht an, der sich mehr an spirituellen und ganzheitlichen Inhalten orientiert, und die anderen sind offener, die Inhalte an sich heranzulassen. Popularisierte und simplifizierte Darstellungen neigen aber oft dazu, die Lehre auf Körperkult, Gymnastik, Schlankheitskur oder Fitness-Training zu beschränkenbesonders im Fernsehen, in Illustrierten und Ratgebern. Diese Ansichten werden von der

1Reihe von okkulten, teils auch esoterischen Organisationen, die am 17.11.1875 in New York von H.S. Olcott,

H.P. Blavatsky und W.Q. Judge gegründet worden ist. Im Jahre 1879 übersiedelte die Theosophische

Gesellschaft nach Indien, in die Nähe von Madras, und ab diesem Zeitpunkt verbreitete sich die TG weltweit.

(Vgl. Fuchs, Christian, Yoga in Deutschland, Rezeption, Organisation, Typologie, Verlag W. Kohlhammer,

Stuttgart 1990, S. 31)

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Yoga-Literatur auch kräftig unterstützt, Titel wie „Yoga gegen Rückenschmerzen“, „Schlank mit Yoga: das 4-Woche-Programm“ oder „Baby-Yoga: entspannende Übungen für Mutter und Kind“, um nur ein paar zu nennen, sind keine Seltenheit. Sie fassen Yoga als Körperschulung und Körperbeherrschung zusammen.

Zunehmend wird auch die psychische Relevanz von Yoga erkannt, so dass Yoga-Kurse während eines Kuraufenthaltes oder in Selbsthilfegruppen, ja sogar in einigen Gefängnissen angeboten werden. Mittlerweile übernehmen auch einige Krankenkassen einen Teil der Kosten für einen Yoga-Kurs - im Zuge einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung. Wie ich selbst nach einem längeren Aufenthalt in Indien feststellen konnte, existiert sowohl in Indien als auch in den Industriestaaten eine verwirrende Vielfalt an Yoga-Schulen, Texten und Richtungen: wie z. B. Hatha-Yoga, Integral-Yoga, Shivananda-Yoga, Iyengar-Yoga, Luna-Yoga, Kundalini-Yoga und viele mehr. Eins haben die verschiedenen Yoga-Formen jedoch alle gemeinsam: Bei jeder Art von Yoga wird der Lernende zur Aktivität aufgefordert, und er erfährt während des Übens etwas über die eigenen Vorgänge im Körper. Da das Thema sehr komplex ist, werde ich mich in dieser Arbeit auf die Aspekte beschränken, die mir für ein grundlegendes Verständnis relevant erscheinen. Im ersten Teil meiner Arbeit sollen zunächst geschichtliche, methodische und theoretische Grundlagen und einige Basisaspekte des Yoga vermittelt werden. Darüber hinaus erläutere ich, wie Yoga in bzw. von der abendländischen Kultur interpretiert und dementsprechend implementiert wird. Meinen Hauptfokus setze ich dabei auf Hatha-Yoga, speziell die Asanas. Hierbei geht es um den körperlich-funktionellen Aspekt, der von äußerster Wichtigkeit ist, um eine Verbindung zur somatisch-orientierten Therapie zu schaffen, zu der ich im zweiten Teil meiner Arbeit Stellung nehmen werde. Die einzelnen Punkte zeigen, wie Yoga im alltäglichen Leben Platz findet.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass der Yoga in der östlichen Tradition auch eine umfassende feinstoffliche Energielehre und -vorstellung beinhaltet. Aufgrund der mangelnden wissenschaftlichen Nachweisbarkeit - nach westlichen Maßstäben - wird diese im Weiteren bewusst ausgeklammert.

Da eine exakte Transliteration der Begriffe aus Sanskrit und Hindi nur für Sprachkundige sinnvoll wäre und zudem an den drucktechnischen Möglichkeiten scheitert, wurde eine vereinfachte, dem internationalen Gebrauch entsprechende Schreibweise ohne diakritische Zeichen verwendet. Siehe auch im Anhang das Verzeichnis einiger zentraler Sanskritbegriffe.

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2. Definition von Yoga

Yoga ist auch heute noch ein mehrdeutiger Begriff. Der Name der indischen Lehre von der Selbsterlösung durch völlige Beherrschung des Körpers und Befreiung des Geistes ist dem Wort „Yoga-h“ entlehnt, das der Sanskrit-Wortwurzel „Yuj“ entstammt, die wiederum so viel heißt wie „zusammenschirren“ oder „vereinen“. Etymologisch weist es eine Nähe zu dem deutschen Wort „Joch“ auf. Hiermit ist das ursprüngliche Anjochen und Anspannen von Tieren gemeint. Das Wort Yoga hat noch eine zweite Bedeutung, und zwar „Vereinigung, Zusammenfügung, Verbindung“.2Es deutet auf das Vereinen des individuellen Bewusstseins mit dem allumfassenden Bewusstsein, der universellen Seele, hin, was wir in unserem Kulturkreis mit „Gott“ bezeichnen.3

„Wirsehen daraus, daß Yoga ein Weg, eine Methode ist - und dieser Weg besteht darin, daß Körper und Geist angejocht, beherrscht werden, zugleich aber auch das Ziel: Die Verbindung und Vereinigung mit dem Absolutem.“4

Der indische Gelehrte Patanjali hat in seinen Yoga-Sutras eine sehr knappe Definition zum Ausdruck gebracht, was die Grundlage der Lehre und gleichzeitig die Essenz des Yoga ist:

„Yoga ist die Fähigkeit, den Geist ausschließlich auf ein Objekt auszurichten und diese Ausrichtung ohne Ablenkung aufrechtzuerhalten.“5

Der Indologe Erich Frauwallner definiert Yoga als systematische Schulung des Körpers und Geistes. Nach Frauwallners Meinung ist es keine Lehre, sondern eine Methode, durch deren Anwendung ein Mensch die Beherrschung über seinen Körper erlangen kann. Es kann als solche mit den verschiedensten Lehren verknüpft werden.6An dieser Stelle ist zu beachten, dass es zwischen der Yoga-Praxis in Indien und dem Yoga-Unterricht in den Industriestaaten

2Vgl.: Duden, Etymologisches Wörterbuch, Herkunftswörterbuch der Deutschen Sprache, bearb. von Günther

Drosdowski, 1997, S. 823

3Vgl.: Iyengar, B. K. S., Light on the Yoga-Sutras of Patanjali, Indus, New Delhi 1993, S. 13

4Zitat: Wunderli, Jürg, Yoga und Medizin, Ein Arzt über den geistigen Yoga und seine Beziehungen zur

Heilkunde, ABC Verlag Zürich, Zürich 1964, S. 19

5Zitat: Desikachar, T. K. V., Yoga-Gesundheit für Körper und Geist, Leben und Lehren Krishnamacharyas,

Theseus Verlag, Berlin 2000, S. 21

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einen auffälligen Unterschied gibt. In Indien steht die spirituelle Erziehung im Vordergrund, während im Westen häufig die gesundheitliche-therapeutische Ebene von Bedeutung ist. Der Religions- und Geschichtswissenschaftler Friedrich Heiler schreibt 1922 in seiner Studie über „die buddhistische Versenkung“:

„Yogaist nicht eine religiöse Sekte oder ein philosophisches System, sondern eine gemeinindische Geistesrichtung. Yoga (wörtlich Anspannung) ist das Bestreben, durch körperliche und geistige Methoden der Konzentration zu höheren Bewusstseinszuständen zu gelangen, kurz, eine mystische Psychotechnik.“7

Allgemein ist Yoga ein komplexes System von ethisch-moralischen Grundsätzen, Atem- und Haltungsübungen, Ernährungsgewohnheiten, Körperreinigungen und Denkweisen, das in der indischen Tradition durch tägliches Praktizieren als Lebensweg und Lebensführung aufgefasst wird. Yoga wirkt auf den ganzen Menschen.

„Allerdings ist der Mensch nicht nur geistig, sondern er ist ein System. Jeder von uns ist ein Konglomerat, das ein großes Gesamtsystem bildet. Dieses System ist mehr als unser Körper, den wir durch Essen nähren. Es ist mehr als unser Atem, mehr als unsere Sozialbeziehungen, mehr als unser Glaube. Jede Einflussnahme auf ein Aspekt dieses Systems hat Auswirkungen auf alle anderen. Was im Yoga geschieht, ist eine ganz bewusste Beeinflussung und Veränderung unseres Gesamtsystems. Ob wir nun am Körper, am Atem, bei der Ernährung oder an unseren sozialen Umgangsformen ansetzen, in jedem Fall verändern wir damit gleichzeitig unser System als Ganzes.“8

6Vgl.: Frauwallner, Erich, Geschichte der indischen Philosophie, Die Philosophie des Veda und des Epos der

Buddha und der Jina das Samkhya und das klassische Yoga-System, Otto Müller Verlag Salzburg, Band 1,

Salzburg 1953, S. 133

7Zitat: Heiler, Friedrich, Die buddhistische Versenkung, Reinhardt Verlag, München 1922, S. 45

8Zitat: Desikachar, Yoga-Gesundheit für Körper und Geist, Leben und Lehren Krishnamacharyas, Theseus

Verlag, Berlin 2000, S. 141

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2.1. Heilige Schriften

Die indischen Philosophien und die Aspekte der ganzheitlichen Lebensführung sind in den heiligen Schriften datiert und seither auf diesem Wege den Menschen überbracht. Unter anderem sind in den Texten Elemente des Yoga enthalten. Die Forschung unterteilt die indische Philosophie und Religionsgeschichte ganz grob in drei Hauptphasen:

1. Vedismus,die älteste Epoche, die auf 1500 bis 900 v. Chr. datiert wird - diese Phase spiegelt sich in den Veden wider.

2.Brahmanismus,auch die brahmanisch-buddhistische Periode genannt, die nachfolgende Epoche mit der Blütezeit der brahmanischen Kultur, die auf den Zeitraum 1000 bis 300 v. Chr. datiert wird.

3.Hinduismus,die letzte Epoche, die um 300 v. Chr. beginnt. In dieser Periode spiegelt sich die Verschmelzung von Philosophien zu einem vielschichtigen Komplex religiös bedingter Verhaltensweisen. Diese sind bis heute in mehr oder weniger abgewandelter Form auch im modernen Indien noch gültig.