Beschreibung

*** Lesen fürs Herz *** sinnlich, heiter, prickelnd *** Lesen zum Wohlfühlen *** Seine Berührungen waren wie Feuer und Eis, wie Sahne und Stahl, wie das, wofür der gesamten Menschheit für immer die Worte fehlen werden. Eigentlich sollte Claudia den Urlaub mit ihrem langjährigen Freund auf einem Abenteuerurlaub im tadschikischen Hochgebirge verbringen. Ja wohl. In Tadschikistan, und mit nur einem einzigen T-Shirt zum Wechseln.In buchstäblich letzter Sekunde bläst sie die Gewalttour ab und fährt klammheimlich allein fort. So urlaubt sie mit einem immer voller werdenden Koffer an der Adria und frönt der italienischen dolce vita. Was zwar weit weniger spektakulär, dafür um Welten erholsamer ist. Und romantischer.Denn als sich der attraktive und charmante Gentleman Andreas neben sie in die Abendsonne legt, nimmt ein völlig unerwartetes Abenteuer mit spätsommerlichen Sternstunden seinen Lauf. Eine sinnlich-prickelnd Novelle mit der Lesedauer eines guten Spielfilms.

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Zarte Küsse

Eine sinnliche Novelle

~~~Annabelle Benn~~~

Jegliche Vervielfältigung, auch auszugsweise, ist nur nach schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Copyright Text: Annabelle Benn, 2018

Copyright Bilder bezogen über Depositphotos.com

Impressum: R.O.M Autorenclub, R.O.M. logicware, Pettenkoferstr. 16-18, 10247 Berlin [email protected]

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung undVervielfältigung, auch auszugsweise, ist nur nach schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Alle Rechte liegen bei der Autorin.

Alle Personen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Inhalt

Der grüne Delphin

Von der Milchstraße und Seesternen

Heißer als im Roman

Immer mit der Ruhe

Ein wahrer Gentleman schweigt und genießt

Seesternenküsse

Der (viel zu) kleine Wagen

Liebe Leserinnen,

Leseprobe „Ferne Küsse“

In der Geschichte erwähne ich einige Straßennamen in Grado Pineta, die alle nach Sternzeichen etc. benannt sind. Die Namen habe ich (leider) nicht erfunden, sondern sie heißen wirklich so.

Der grüne Delphin

„Ist das schön“, seufzte Claudia still bei sich. Die Luft roch salzig nach Meer und warme Sonnenstrahlen streichelten ihr Gesicht in dem frischen Fahrtwind, der von der rasanten Schifffahrt herrührte. Sie atmete tief ein, schloss die Augen, breitete die Arme auf der Lehne der Sitzbank aus und legte den Kopf in den Nacken.

„Ist das schön“, wiederholte sie und sog die Lungen erneut voll frischer Seeluft.

Vor wenigen Minuten war Triest am Horizont verschwunden, und ebenso wie die Stadt nun hinter ihr lag, so lagen auch herrliche Tage hinter ihr. Triest – das klang so traurig, so trist, dabei war der Ort voller Leben! Eine begeisternde Mischung aus dem kaiserlichen Österreich, dem nördlichen Italien und etlichen anderen Einschlägen. Wer hätte gedacht, dass sie sich so wohl fühlen – oder dass sie überhaupt dorthin kommen würde? In die Stadt, in der sich moderne und traditionelle Bars und Restaurants aneinanderreihten und in der man alles bequem zu Fuß erreichte. In der man mit einem cremigen Schokoladen-Eis in der Hand am Meer entlang schlendern und am Yachthafen oder auf der Mole Audace eine Pause einlegen konnte, bevor man sich einen Cappuccino am Morgen, einen Espresso am Tag und einen Aperol Spritz am Abend gönnte. So, wie sie es am liebsten bei Sonnenuntergang in der Bar „Da Umberto“ getan hatte, wo Paolo ihr immer kostenlos einen Teller mit frischen Pistazien dazu serviert hatte.

Genuss und Freundlichkeit wurden in der Stadt nämlich großgeschrieben. Insofern war es genau das richtige Fleckchen Erde, um die ersten, anfangs zaghaften, doch mittlerweile sicheren Schritte in ihr neues Leben als alleinstehende Frau zu setzen.

Ja, wer hätte das gedacht. Das alles – der neue Lebensabschnitt, der Urlaub in Triest und in Grado, einem alten Badeort an der Adria.

Nein, niemand hätte das gedacht, und niemandem könnte sie davon erzählen. Zumindest jetzt nicht. Denn alle Freunde und Bekannten dachten, sie sei mit Gregor unterwegs. Und zwar in Tadschikistan, einem Land, dessen Namen die meisten zwar schon mal gehört hatten, aber von dem niemand genau wusste, wo es lag und was sie damit anfangen sollten. Ja, mit Gregor würde sie sich jetzt in der ehemaligen, bergigen und bettelarmen Sowjetrepublik schinden. Mit Blasen an den Füßen und nur einem T-Shirt zum Wechseln.

Es war unmöglich, ein Bild von hier zu posten, selbst wenn sie Internetzugang gehabt hätte. Es wäre ja allein schon Stadtgespräch, dass sie nicht mehr mit, sondern ohne Gregor unterwegs war. Dass sie noch dazu nicht in dem fernen, geheimnisvollen Land, sondern im nördlichsten Adria-Seebad weilte, glich einem Skandal. Man würde behaupten, sie hätte den Verstand verloren. Denn niemand, absolut niemand, der es zu etwas gebracht hatte, etwas auf sich hielt und auf der jüngeren Seite von 60 stand, würde freiwillig hierherfahren. Niemand. Und absolut niemand durfte davon erfahren. Es war einfach zu peinlich.

Nun gut, Triest ging ja noch. Aber nicht Grado. Grado war ein absolutes No-Go. Es spielte in einer Liga mit Caorle, Lignano, Bibione und Jesolo. Bettenburgen. Flacher Sandstrand. Liegestuhlreihen. Man spricht Deutsch.

Und doch war sie hier. Klammheimlich und unbemerkt von ihrer Clique und der immensen „social media“ Gemeinde, die bis zum Ende des Urlaubs nichts von ihr hören und sehen würde, während ihr So-gut-Wie-Ex selbst bei kaum vorhandenem Internet aus dem hintersten Winkel des Planeten postete und permanent Likes einheimste. Wenigstens hatte er den Anstand, oder genau so viel Schiss wie sie, so zu tun, als wäre sie mit von der Partie. Er und single – unvorstellbar. Er und Tadschikistan – perfekt vorstellbar. Er dort – sie hier. Schwer vorstellbar, aber wahr. Und schön. Wohltuend. War es nicht verrückt, dass die Wahrheit so viel besser war als die Lüge und das Tun-als-ob? Aber noch würde sie so-tun-als-ob, denn irgendwie war sie noch nicht so weit. Sie zuckte die Schultern. Was sollte es! Sie fühlte sich wohl. Während ihr Verfließender den ersten 7000er bezwang, erklomm sie zielstrebig den Gipfel des Spießertums. Vielleicht hatten sie beide ja in all den Jahren die innere Langeweile dadurch verleugnet, dass sie nach außen hin immer aktiver, attraktiver, erfolgreicher und all das instagram-taugliche Zeugs wurden?

Trotzdem: Adria und Tadschikistan. Dazwischen lagen in der Tat Welten. Wann hatten sie sich so weit von einander entfernt? Nicht Norditalien und besagtes Land, sondern Gregor und sie? Hier trennten sich ihre Wege. Nach 21 Jahren ...

Bei dem Gedanken an die schiere Summe der Zeit wurde ihr schwindelig. 21 Jahre. Das war ihr halbes Leben. Mit einem einzigen Mann. Ohne Kinder und ohne Trauschein; Umstände, unter denen sie lange gelitten hatte, die sich jedoch jetzt als vorteilhaft erwiesen, denn sie konnte einfach ausziehen. Aber allein sein? Es fiel ihr schwer, sich die Tage und Abende vorzustellen, schließlich war sie zum ersten Mal Single, doch eigenartigerweise wurde ihr dabei nicht eng in der Brust. Im Gegenteil: Es wurde weit. Sehr weit sogar. So weit, dass sie die Arme bis in die Fingerspitzen ausstreckte und tief Luft holte. Eine wärmende Dankbarkeit durchdrang sie. In letzter Minute dem Abenteuerurlaub von der Schippe zu springen und stattdessen hierher zu kommen, war die richtige Entscheidung gewesen. Das hoffte sie zumindest, noch ohne den Badeort überhaupt betreten zu haben. Und dass sie gerade auf dem Weg dorthin war, lag an einer Werbe-Mail des Hotelbuchungsportals ihres Vertrauens, die sie grundlos geöffnet hatte, denn sie las derartige Mails normalerweise nie. Dass sich darin aber ein unschlagbares Angebot von einem modernen, gut bewerteten Hotel in Strandlage befand, musste Schicksal sein.

Ach ja, ohne die E-Mail wäre sie nicht hier, sondern im Survival-Modus in besagten Bergen.

Ihr Blick wanderte zu dem großen sonnengelben Koffer, der unweit von ihr entfernt auf dem Boden lag. Er war nur halb voll, damit genügend Platz für italienische Einkäufe blieb. Sie hatte schon einige hübsche Teile erstanden und freute sich auf Weitere. Dazu zählten zwei sexy Wickelkleider, die beide ein bombastisches Dekolletee zauberten. Das eine war mit Kolibris und Palmwedeln bedruckt, das andere sah aus wie ein in Goldglanz getauchtes Leopardenfell. Auch goldfarbene Riemchensandalen mit einem schmalen, wenngleich nicht allzu hohem Absatz, zählten zu den neuen Schätzen, mit denen Gregor sie aus dem Haus gejagt hätte. Die Krönung war jedoch eine kleine Tasche für den Abend, die aus unzähligen metallisch glitzernden Glasperlen bestand. Sie hatte keine Ahnung, wann und ob sie die Sachen jemals tragen würde, aber allein sie zu besitzen, ließ sie selig schmunzeln. Sie fühlte sich feminin, als könnte ein Mann sie bewundern und ein bisschen auf Händen tragen, nur für einen Abend vielleicht, denn schließlich konnte sie selbst gehen, aber immerhin!... Ein Abend wäre besser als kein Abend!

„Ha!“ Laut lachte sie auf, als sie an den nagelneuen Treckingrucksack dachte, der jetzt verwaist im Keller lag. 24 Liter Volumen Gepäck für einen drei-wöchigen Urlaub. Ein T-Shirt zum Wechseln, Rei in der Tube, und kein Make-up. Zumindest war das der Plan gewesen. Gregors Plan, nicht ihrer, und daran war in letzter Sekunde alles gescheitert. Dabei war der Stein vor Jahren ins Rollen gekommen, überlegte sie, während sie die anderen Paare an Board beobachte. Ob es ihnen ähnlich ging wie Gregor und ihr?

Gregor, der seine Midlife-Crisis dazu genützt hatte, seine „jugendliche“, wie er sie nannte, Gemütlichkeit wie einen Mantel abzustreifen und stattdessen in hautenge Sportklamotten zu schlüpfen. Verständlich, dass dafür die Figur erst in Form gebracht werden musste. Diese Veränderung begann jämmerlich und schmerzhaft, nahm jedoch rasant Fahrt auf. Binnen weniger Monate war er körperlich fitter und muskulöser als jemals zuvor. Marathon, Biathlon, Triathlon, Klettern, Abseilen – pausenlos war er am Trainieren, am Auf-die-Ernährung-Achten und Sich-selbst-Optimieren. Die Genuss- und Lebensfreude gingen dabei, beabsichtigterweise, den Bach hinunter, ebenso wie, unbeabsichtigterweise, die Beziehung der beiden. Denn anders als Gregor schien Claudia ihre beginnende Midlife Crisis dazu zu nützen, sämtlichen Druck und alle falschen Erwartungen abzulegen und sich, nicht nur figürlich, aber hier besonders deutlich sichtbar, in Gregors entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Aus ihrer einstigen Größe 34, Cup B, war mittlerweile eine großzügige 38 - 40(je nach Marke) und ein ansehnliches Cup C mit Tendenz zu D geworden. Ein Ende war nicht absehbar, denn dazu schmeckten Eis, italienische Croissants, Pizza und vor allem der Aperol Spritz einfach viel zu gut. Und Körbchen C machte ohnehin mehr her als B. Oder nicht? Zumindest fand sie das, wenn sie sich allein vor dem Spiegel betrachtete und Gregors Gefasel von „Atombusen“ vergaß.

War sie eigentlich komplett irre gewesen, sich so von ihm herumkommandieren, beeinflussen, ja, vielleicht sogar manipulieren zu lassen? So wie die junge Frau in den glitzernden High Heel Sandalen, der knallengen Hotpants und dem hautengen tot mit einem Mörder-Ausschnitt, die brav mit den Augen klimperte, während ihr Maker aufzählte, womit sie den restlichen Tag die Zeit verbringen würden?

Dass Claudia mit mehr als nur einem T-Shirt verreisen wollte, dafür aber auf stündliche Adrenalinausschüttungen und Angstschweißausbrüche (und das bei einem T-Shirt zum Wechseln!) Gut und gern verzichten konnte, hatte sie schon erkannt, bevor er seinen Urlaubswunsch fertig ausgesprochen hatte. Nur hatte sie zu leise, oder ehrlicher formuliert: gar nicht, widersprochen. Konsequenterweise hatte sie artig gebucht, sich brav ausgestattet und folgsam zu trainieren begonnen. So, wie sie alles konsequent artig, brav und folgsam tat. Getan hatte! Denn eines Tages streikte ihr Körper. Das erste Mal passierte es im Juni, als sie die Reiteralm hinaufjoggen wollte. Ihre Beine blieben einfach stehen. Wie ein störrischer Esel, obwohl ihr Kopf „Renn!“ schrie, bewegte sie sich nicht vom Fleck, sondern ging nach einer Weile zum Auto zurück und fuhr wie fremdbestimmt zu ihrer Lieblings-Eisdiele. Nach ein paar Tagen stellte sie die Motivierungsversuche ganz ein und gab von da an vor, alleine zu trainieren. Dass das angesichts der geplanten schwierigen Touren nicht gutgehen konnte, wusste sie. Denn um mit Gregor und seinen Bergspetzeln mitzuhalten, hätte sie viel länger und härter trainieren müssen. Die Angst vor der Anstrengung, der Erschöpfung, den gefährlichen Tritten, der Absturzgefahr wurde immer stärker, raubte ihr den Schlaf und bescherte ihr graue Haare. Doch weil sie immer so artig, brav und folgsam gewesen war und sich ein Leben ohne Gregor nicht vorstellen konnte, packte sie das eine T-Shirt zum Wechseln und die Waschpaste, aber kein Make-up ein.

Erst, als das Taxi zum Flughafen im Morgengrauen vor dem Haus hielt, schlug ihr Überlebenswille durch. Unerwartet, dafür mit voller Wucht. Gregor saß bereits im Auto, und sie wollte ebenfalls gerade einsteigen, als sich ihr Kopf und Fuß aus dem Fonds von selbst zurückzogen und sie hastig „Ich komm nicht mit. Mach’s gut, viel Spaß, hast eh mehr ohne mich, bis dann“, herauswürgte, bevor sie die Tür zuschlug und ein sicherlich völlig verdatterter, aber möglicherweise ebenfalls erleichterter Gregor allein in den Kaukasus fuhr. Zumindest war das Taxi einfach losgefahren, und er hatte keinen Versuch unternommen, auszusteigen und sie in den Wagen zu zerren.

Das war die Geschichte, die dazu geführt hatte, dass Claudia an diesem sonnigen Spätsommermorgen an Bord des grünen Delfins saß. So hieß nämlich das Linien-Schnellboot, das im Winter (und in dem befand man sich dem saisonalen italienischen Zeitgefühl zufolge bereits ab dem 7. September) zweimal täglich zwischen Triest und Grado verkehrte.

Verträumt blickte sie auf das endlose Dunkelblau der Adria, auf deren Oberfläche sich das Sonnenlicht brach und wie Sterne blitzte und funkelte. Unter ihnen zogen blasse Fische sowie zwei Oktopusse vorbei. Sie waren so schnell unterwegs, dass sie beinahe schräg im Wasser lagen. Kopf in Richtung Triest, Tentakel Richtung Venedig. Etwas weiter vom Schiff entfernt schaukelte eine Möwe auf den Wellen, und oben am Himmel war keine einzige Wolke.

Claudia lächelte und als sie sich zur anderen Seite drehte, sah sie Festland. Ein flaches Land, spätsommerlich gedämpftes Ocker und Grün; jene Farben, die sie seit ihrer Kindheit mit Italien in Verbindung brachte. Denn Italien, das war bis zum Ende ihrer Schulzeit einzig und allein das Veneto, genauer gesagt: Jesolo und Venedig, gewesen. Und heute kehrte sie nach einem Vierteljahrhundert zum ersten Mal in die Region zurück.

Ach, seufzte sie und schlang die Arme im frischen Fahrtwind um sich. Wie schön es war. Schön und vertraut.

Von der Milchstraße und Seesternen

Nach rund eineinhalb Stunden schwamm der

- Ende der Buchvorschau -

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