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Benjamin Kleemann

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung, Note: 1,3, Universität Potsdam (Historisches Institut), Sprache: Deutsch, Abstract: Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage nach der Gestaltung der Zensurpolitik im Deutschen Bund des Vormärz. Hierbei soll insbesondere darauf eingegangen werden, wer die maßgeblichen Akteure der deutschen Zensurpolitik waren, wodurch ihr Handeln bestimmt wurde und welche Auswirkungen sie hatte. Hierbei soll die Zensur gedruckter Schriften im Vordergrund stehen. Zusätzliche Themen wie die Theater- oder die Selbstzensur der Autoren können nicht berücksichtigt werden, da sie den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Als zeitliche Grenzen wurden die Jahre 1815 und 1848 gewählt – also der Zeitraum zwischen der Verabschiedung der Verfassung des Deutschen Bundes mit der Zusicherung der „Preßfreiheit“ und der Aufhebung der Vorzensur im Rahmen der März-Revolution. Im ersten Teil der Arbeit wird die Zensurpolitik auf der Ebene des Deutschen Bundes näher untersucht. Im Vordergrund stehen dabei die einschlägigen Beschlüsse der Bundesversammlung, des obersten Entscheidungsorgans des Deutschen Bundes, unter welchen Umständen sie zustande gekommen sind und welche Folgen sie hatten. Der zweite Abschnitt wird an einzelnen Beispielen einen Überblick über die Verschiedenheit der Zensurgesetzgebung und deren Auslegung in den einzelnen Territorien geben. Wobei sowohl die Ursachen, als auch die Auswirkungen dieser Politik beleuchtet werden sollen. Im letzten Teil der Arbeit soll darauf eingegangen werden, wie diese Zensurpolitik im Einzelnen umgesetzt wurde, welche Konsequenzen sie für die Literatur- und Presselandschaft im Vormärz hatte und wie sich Schriftsteller und Journalisten dagegen zur Wehr setzten. Insbesondere die Protokolle der Bundesversammlung geben umfassend über die in diesem Rahmen gefassten Beschlüsse Auskunft. Metternichs überlieferte Korrespondenz und Denkschriften geben zudem einen Einblick in die Denkweise und Politik des wichtigsten politischen Akteurs dieser Zeit. Zudem existiert eine umfassende Literatur zu diesem Thema, die die Zensurpolitik im Vormärz aus unterschiedlicher Perspektive beleuchtet. Einige historische Arbeiten befassen sich generell mit dem Thema Zensur und ordnen die Ereignisse zwischen 1819 und 1848 in die lange Geschichte der Zensur ein. Regionale Studien geben einen Einblick in die Politik einzelner Territorien, während es sich andere Historiker zur Aufgabe gemacht haben, exemplarische oder besonders groteske Fälle von Zensur und deren Alltag zu dokumentieren.

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Veröffentlichungsjahr: 2007

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltlich-methodische Vorüberlegungen.
I. Entwicklung der Zensurpolitik im Deutschen Bund.
A. Von der Zusicherung der Pressefreiheit zur Durchsetzung der
bundesweiten Vorzensur.
1. Wiener Kongress und Diskussion eines „Preßgesetztes“
2. Karlsbader Beschlüsse
B. Zur Entwicklung der Zensur nach der französischen Julirevolution
1. Neue Repressivmaßnahmen
2. Zum Mainzer Informationsbüro.
3. Von den Wiener Beschlüssen bis zur Märzrevolution.
II. Entwicklung der Zensurpolitik in den Bundesstaaten
A. Auswirkungen der Karlsbader Beschlüsse
B. Zwischen Liberalisierungsversuchen und Verschärfung der Zensur nach
der Juli Revolution
III. Zensurpraxis und Widerstand der Zensierten
A. Die Zensoren
B. Emigrationsliteratur und Buchhandel.
C. Die Zeitungen

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Einleitung

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts steigerte das biedermeierliche Streben nach Allgemeinbildung, das Bedürfnis nach Unterhaltung sowie das wachsende Interesse der Bürger an politischen Tagesfragen die Nachfrage nach Büchern und Presseprodukten. Zwischen 1821 und 1838 hat sich die Zahl der wissenschaftlichen und belletristischen Buchtitel in Deutschland von 4.375 auf etwa 10.000 mehr als verdoppelt. In Preußen wuchs der Absatz der politischen Zeitungen von etwa 35.000 Exemplaren 1823 auf rund 56.500 im Jahre 1842 und mehr als 76.000 Stück 1847.1Gleichzeitig wurden die Herstellungsverfahren zum Beispiel durch die Erfindung der Schnelldruckpresse 1811 und die Papiermaschine 1818 verbessert. Damit wurde es möglich, die Produktion von Druckerzeugnissen entsprechend zu steigern. Der Kreis des potentielles Publikums konnte zudem dadurch erweitert werden, dass der Buchhandel seine Vertriebsinfrastruktur verbessert und preisgünstige Volksausgaben anbot. Obwohl sich weiterhin nur vermögende Schichten ein Jahresabonnement einer Zeitung leisten konnten, war es praktisch jedem möglich über die zahlreichen Lesegesellschaften, die zu dieser Zeit entstanden, Zugang zu den bedeutenden politischen Zeitungen und Zeitschriften erhalten. Ein Einzelexemplar war ohnehin für jedermann erschwinglich. Trotz dieser Entwicklung muss jedoch angemerkt werden, dass 1830 immer noch jeder zweite Deutsche Analphabet war.2

Damit konnte sich in Deutschland eine bürgerliche politische Öffentlichkeit3entwickeln, die in erster Linie durch die Diskussionen in den Tagungssälen der Ständevertretungen und die politische Publizistik getragen wurde. Die Freiheit des gedruckten Wortes erlangte dabei, beeinflusst durch die amerikanischen Bill of Rights und insbesondere die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, symbolische Bedeutung, die der liberale Politiker Karl von Rotteck 1828 mit den Worten beschrieb: „Die Geschichte wird einstens denjenigen Staat oder diejenige Regierung als die edelste preisen, welche zuerst und am aufrichtigsten und liberalsten die Preßfreiheit gewährte.“4Gleichzeitig fand ein Funktionswandel bei den deutschen Tageszeitungen statt. Im 18. Jahrhundert waren politische Zeitungen noch reine Informationsblätter, die das Räsonieren über politische Zusammenhänge in der Regel den Flugblättern und Zeitschriften

1Vgl. Hoefer (1983), S. 32.

2Vgl. Hömberg (1982), S. 100.

3In Anlehnung an Schneider wird die politische Öffentlichkeit hier als allgemein zugänglicher

Kommunikationsbereich charakterisiert, in dem politische Meinungen und Tatsachen zur allgemeinen

Kenntnisnahme offenbar werden.

4Zitiert nach: Schneider (1966), S. 14. Zu Gunsten einer besseren Lesbarkeit wurden Abweichungen von der

Neuen Rechtschreibung in direkten Zitaten nicht korrigiert.

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überließen. Die Parteilosigkeit einer politischen Zeitung wurde sowohl von Lesern als auch Herausgebern als ihre wichtigste Eigenschaft angesehen. Bereits 1814 konnte Joseph Görres im „Rheinischen Merkur“ über die „bestehenden teutschen Blätter“ feststellen: „Allgemein ist es als ein knechtischer Grundsatz verworfen, daß sie bloß Thatsachen erzählen, und jedes Urtheils sich enthalten sollen.“5Mit der kontinuierlichen Erweiterung ihres Leserkreises wurden Zeitungen zum einflussreichsten Steuerungsorgan der politische Meinung. Napoleon, der wusste welchen Einfluss die Presse auf Meinungen und Stimmungen haben konnte, erließ 1810 ein Dekret, das Zeitungen und Zeitschriften einer intensiven Kontrolle unterwarf. Bereits ein Jahr zuvor äußerte er: „Die Zensur ist das Recht, die Manifestation von Ideen zu hindern, die den Frieden des Staates, seine Interessen und seine gute Ordnung verwirren.“6Während sich die Rheinbundstaaten am französischen Recht orientierten, blieben in Preußen und Österreich die alten strengen Zensurgesetzte in Kraft. Der damalige österreichische Außenminister und spätere Hof- und Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich sprach sich bereits 1812 für das staatliche Meinungsmonopol aus: „Niemals darf es der Beurteilung des Redakteur überlassen werden, welche bei dem Leser zu erzeugenden Schlußfolgerungen heilsam oder nachteilig sind; die Regierung allein ist hierzu im Stande.“7Denn nach seiner Ansicht, besaßen nur die Kabinette die notwendige Einsicht in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse.