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Die junge Caféangestellte Cameron wird von ihren Dämonen überrannt. Aus einem sicheren Rückzugsort wird ein Ort des Schreckens. Wozu Eifersucht und Verletzlichkeit führen kann... Tiefe Einblicke in die beschädigte Seele eines Menschen. Welche Opfer ein Mord mit sich bringt?
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Kapitel 1
Ich werde wach. Erkunde meine Umgebung sofort mit meinen Augen. Die Sonne fällt durch ein dichtes Blätterwerk in mein Gesicht. Ich befinde mich draußen. Es liegen einige von einem Baum herunter gefallene Blätter auf meinem Körper. Mir ist etwas kalt, halt wie an einem warmen Herbsttag. Der Wind lässt mich leicht erzittern. Ich bin vollkommen allein. Keine Menschenseele weit und breit. Aber wie bin ich nur hier hingekommen? Ich kann es mir nicht erklären.
Ich sehe mich weiter um. Ich liege noch auf dem kühlen Steinboden einer Art Ruine oder sowas. Ich setze mich auf. Es sieht aus wie ein altes Fachwerkhaus, von dem nur noch einige Mauern stehen. Naja, gerade so das unterste Stockwerk und von dem Dach ist auch nur noch die Hälfte übrig. Der Rest des Dachs wird von einem rissigen Pfeiler gehalten. Die roten Steinmauern sind porös, von Moos und Efeu durchzogen. Man sieht ihnen ihr Alter an. Ich schätze mal, dass die Ruine bestimmt schon 100 Jahre hier rumsteht und von keinem genutzt wird.
Ich stehe langsam und behutsam auf. Weit und breit um mich herum nur ein Birkenwald. Es beginnt etwas zu regnen. Ich erkunde langsam meine Umgebung. Das feuchte Moos quietscht ein wenig unter meinen Schuhen. Der Wald ist ziemlich zugewuchert, sodass ich nicht besonders weit komme, bevor mich Gebüsche am Weiterkommen hindern. Ich schließe die Augen, atme tief ein und lasse die Waldluft auf mich wirken. Es riecht nach nassem Moos, leicht modrigem Blattwerk und ein bisschen nach frisch gemähtem Gras. Der Regen prasselt an den Bäumen herunter, es ist fast schon melodisch.
Ich öffne wieder die Augen und jetzt spüre ich die vollkommene Natur um mich herum. Ich gehe wieder zurück zur Ruine. Es steht so etwas wie ein provisorischer Tisch aus denselben Steinen wie die Mauer, unter dem halben Dach in der Ecke, sowie eine kleine Öllampe neben dem Tisch. Es wird langsam dunkel, weshalb ich die Lampe entzünde. Ich sehe mich weiter um. Mit dem Schein der Lampe schwenke ich quer durch den Raum. Naja, was eben in der Ruine noch erhalten ist. Die Wände werden von der gegebenen Vegetation quasi zusammengehalten. In der gegenüberliegenden Ecke steht ein kleines einfaches Regal aus Mauersteinen und ein paar alten, modrigen Brettern. Zusätzlich gibt es noch zwei nah bei einander stehende Stühle in der Mitte des Raums. Ich gehe näher heran und sehe, dass sich nur ein Buch in dem Regal befindet. Der Einband ist schwarz ohne Beschriftung und es wird von einem roten Gummizug zusammengehalten. Es ist ziemlich vollgestopft, wie ein Scrapbook oder sowas in der Art. Aber vielleicht trügt der Schein auch. Ich bin gespannt, wem das Buch wohl gehört. Schließlich bin ich allein hier. Also wen sollte es schon stören, wenn ich in dem Büchlein etwas herumstöbere.
Ich nehme das Büchlein und die Lampe und gehe zurück zu dem Tisch, der leicht überdacht ist. Ich setze mich auf den trotz Regen relativ trockenen Boden vor dem Tisch. Ich stelle die Lampe auf den Tisch. Lege das außen leicht feuchte Büchlein auf den Tisch und entferne behutsam das Gummiband. Das Buch wird um ein Vielfaches dicker. Ich schlage es vorsichtig auf. Auf der ersten Seite steht kein Name oder ähnliches. Einfach nur das Wort >Tagebuch< in plastischer Schrift. Tiefrote Buchstaben mit schwarzer Umrandung mit graublauem Schatten.
Ich schlage beliebig eine Seite auf und lasse sie auf mich wirken. Sie ist nur rot, tiefrot bis rotbraun. Es ist ein mir bekannter Farbton, irgendwie vertraut. Ich schließe die Augen, um mich besser erinnern zu können. Ich höre einen lauten Schrei, wie als würde jemand um sein Leben schreien. Es ist ein schockierendes Geräusch. Außerdem sehe ich weiße Schuhe, die in einer roten Suppe stehen. Ist das Blut, es kommt mir so vor. Dann bewegen sich die Schuhe im Kreis um etwas herum und man hört ein leises Quietschen.
Ich erkenne den Steinboden aus der Ruine an den Rändern der Lache. Was ist dort, vielleicht sogar hier, nur passiert? Ich öffne schockiert von der Eingebung die Augen. Ich schließe das Büchlein panisch und werfe es zurück in die Ecke, aus der ich es genommen habe. Ich muss erstmal wieder einen klaren Kopf bekommen. Es war so beängstigend die kurze Szene in meinem Kopf. Ich müsste mir kurz die Beine vertreten, aber ich will die Geschehnisse besser verstehen können. Ich renne panisch und gleichzeitig höchst aufgeregt zu dem Büchlein herüber und nehme es wiederum mit zu dem Tisch. Es ist etwas nass geworden. Ich atme nochmal tief durch bevor ich mich wieder ins Abenteuer stürzen will.
Ich öffne die nächste zufällige Seite. Ich bin sofort in der Szenerie angekommen, ohne dass ich mich groß wehren kann. Mein Atem wird tiefer und ich nehme einen eindringlichen Geruch wahr. Er ist ziemlich vertraut, aber doch gibt er mir ein ungutes Gefühl. Ich sehe den Arm einer Person, die mit einem Messer im Kreis um etwas herumläuft. Von dem Messer tropft eine rote, leicht dickflüssige Flüssigkeit herab. Ich höre es laut aufschlagen. Irgendwie klingt es wie tausende Wassertropfen im Wald. Es ist so laut und in Verbindung mit dem Geruch immer vertrauter.
Ich öffne erschrocken die Augen und schreie es unabsichtlich heraus: >BLUT!<. Es ist wie eine Befreiung, die aus dem tiefsten Inneren kommt. Das Puzzle beginnt sich zusammen zu setzen. Ich will gleichzeitig mehr wissen und ganz weit weg sein von dem Buch. Ich reiße mich zusammen, der Forscherdrang siegt, wie so oft, und blättere eine Seite weiter. Ich bin so schnell aus dem Hier und Jetzt verschwunden, dass ich es kaum realisieren kann. Ich sehe die Hände und die Kleidung einer vermutlich knienden Person aus der Ich-Perspektive. Die Person sitzt in einer roten Lache, ich vermute mal Blutlache. Es ist so verdammt viel Blut am Boden…Ist dort jemand gestorben oder gar getötet worden? Tausende von Fragen werfen sich mir auf…Es überfordert mich. Ich stehe schnell auf, aber mir ist sehr schwindelig, der Wind blättert durch die Seiten. Ich merke wie ich in Richtung des Tischs umkippe. Und zack bin ich auch schon physisch ausgeknockt.
Kapitel 2
Heute ist mein Tag. Ich werde ihn heute endlich ansprechen. Jeden Tag zur selben Zeit gegen kurz nach Öffnung holt er sich einen schwarzen Eiskaffee mit Zucker und einem Schuss Karamellsirup. Ich werde ihn heute in ein Gespräch verwickeln. Das er Justin heißt weiß ich bereits, aber das wars auch schon. Mein einziger Strohhalm…
Heute werde ich >Justin< in ein Gespräch verwickeln, einfach eine kleine Plauderei unter flüchtigen Bekannten. Ich werde nicht, wie jedes Mal, wenn ich ihn nur sehe oder höre vollkommen erstarren und nur seine Bestellung abarbeiten. Ihm dann Kaffee und Rechnung geben und mich freundlich verabschieden. Nein, heute werde ich mich trauen, etwas zu sagen. Ich checke mein Outfit nochmal vor dem Spiegel, kämme meine kurzen strubbeligen Haare durch, greife meinen blauen Rucksack und mache mich auf den Weg zur Arbeit.
Ab aufs Rad…der Wind weht mir durch die Haare und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Es ist ein schöner spätsommerlicher Montagvormittag. Ich trete wie verrückt in die Pedale, weil ich so aufgeregt und voller Euphorie bin. Noch etwas weniger als ein Viertel des etwa ein kilometerlangen Weges gerade aus liegt noch vor mir. Dann nach rechts und der Straße bis zum Bahnhof folgen. Da ist er auch schon mein Arbeitsplatz, ein kleines Café.
Ich bin wieder mal überpünktlich und noch vor der Besitzerin da. Aber das ist schließlich nicht das erste Mal. Aber genau aus diesem Grund und vielen anderen Kleinigkeiten habe ich wohl meinen Job als einzige Angestellte behalten, als es dem Laden immer schlechter ging. Der Lohn ist seitdem auch um 20 % gesunken, weil die Besitzerin, meine Chefin, einfach nicht mehr bezahlen kann bei der derzeitigen Lage.
