Zersplittertes Herz - Lexi Ryan - E-Book
Beschreibung

"New Adult Romance" Was du liebst, lass frei … Nach einem Jahr auf der Suche nach sich selbst kehrt Maggie in ihre Heimatstadt New Hope zurück, um an der Hochzeit ihrer Schwester teilzunehmen. Diese heiratet den Mann, den Maggie einst geliebt und dennoch verlassen hat. Im Fokus ihrer perfekten Familie setzt Maggie alles daran, ihre wahren Gefühle zu verbergen. Da tritt Asher Logen in ihr Leben. Ein Mann, vor dem sie die Risse in ihrem Herzen nicht verbergen kann. Doch Gefühle zuzulassen, würde bedeuten, sich ihren hässlichsten Geheimnissen zu stellen und zu lernen, Fehler anderer zu verzeihen … NEW HOPE SERIE #1,0 Zersplittertes Herz (Asher & Maggie) #1,5 GESTOHLENES HERZ (Novelle - Will & Cally) #2,0 VERLORENES HERZ (Will & Cally)

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Seitenzahl:342

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LEXI RYAN

ZERSPLITTERTESHerz

New Adult Romance

Aus dem Amerikanischen von Carina Köberl

ZERSPLITTERTES HERZ

LEXI RYAN

Die Originalausgabe wurde 2013 unter demTitel UNBREAK ME von Lexi Ryan veröffentlicht

Deutsche ErstveröffentlichungCopyright © 2014 Romance Edition Verlagsgesellschaft mbH8712 Niklasdorf, AustriaUNBREAK ME Copyright © 2013 Ever After, LLC

Covergestaltung: © jdesign.atTitelabbildung: © Andrey KiselevRedaktion: Nina BehrmannKorrektorat: Media-Agentur Gaby Hoffmann,www.profi-lektorat.com

ISBN-Taschenbuch: 978-3-902972-03-3ISBN-EPUB: 978-3-902972-14-9

www.romance-edition.com

Für Jack und Mary

INHALT

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

Epilog

1. Kapitel

Maggie

»Du lässt uns doch nicht hängen, oder?«

Ich blinzle, bevor mir klar wird, was meine Schwester meint. Es ist Zeit. Zeit, mich dem hier zu stellen. Zeit, so zu tun, als wäre alles ganz und gar in Ordnung.

Zeit für mich, zum Altar zu schreiten.

Die Worte geistern in meinem Kopf herum. Zum. Altar. Schreiten. Als wäre es keine große Sache. Als wäre ich damit einverstanden.

Lizzy gibt mir einen Schubser in Richtung der Türen, und jetzt kann ich es hören. Die Orgel. Prozessionsmusik. Das Summen, das durch das Flüstern der Menge entsteht.

»Setz ein Lächeln auf dein Gesicht und marsch!«, zischt Krystal.

Ich zeige ihr den Mittelfinger, bevor ich durch die Tür gehe.

»Es wird alles gutgehen«, höre ich Lizzy sagen. »Sie wird es tun.«

Das Murmeln meiner Schwestern verstummt im Hintergrund, während ich mich auf meine Aufgabe konzentriere. Mein Magen macht einen Satz, und meine Hände zittern hinter dem Blumenstrauß, aber ich klebe mir ein Lächeln aufs Gesicht und passe meine Schritte den schweren Akkorden der Orgel an.

In diesem Moment sehe ich ihn.

William Bailey steht ganz vorne in der Kirche, die Hände vor sich verschränkt. Sein Blick ist sengend und verzweifelt und liegt überall auf mir. Können die Gäste es ebenfalls sehen? Die Sehnsucht, die ihn überkommt, während ich mich nähere?

Denkt er dasselbe, wie ich? Dass wir es sein sollten? Dass das unsere Hochzeit sein sollte?

Oder glaubt er, ich war der größte Fehler seines Lebens?

Daran darf ich nicht denken. Nicht hier. Nicht jetzt. Ich tue so, als bemerke ich seine fragenden Blicke nicht, als würde ich das immer lauter werdende Getuschel der Leute nicht hören. Doch unter all dem Taft und den Blumen, unter dem Reifrock und der Heuchelei, überwältigt mich, was aus mir geworden ist. Nur eine Brautjungfer. Nur eine Brautjungfer auf der Hochzeit meiner Schwester. Nur eine Brautjungfer auf der Hochzeit meiner Schwester und meines Exverlobten.

Ein Sänger begleitet nun die Orgel, und das Summen des Flüsterns wird leiser – wie ein Schwarm Killerbienen, die von ihrem Ziel abgelenkt werden, als ihnen der Grund für ihre Anwesenheit wieder einfällt.

Ich erreiche den Altar, Knöchel und Würde noch intakt, und atme erleichtert auf, als die versammelten Gäste ihre Aufmerksamkeit auf die nächste Brautjungfer lenken. Meine Schwestern schreiten, eine nach der anderen, nach vorne – so gut mit der hortensienblauen Dekoration abgestimmt, als wären sie Chamäleons.

Das Blumenmädchen erscheint am Ende des Ganges, und die Menge steht auf.

Beim Anblick meiner jüngsten Schwester spüre ich ein langes, hartes Ziehen in meiner Brust. Sogar im Alter von zehn Jahren ist sie ein kleines, zerbrechliches Ding mit leiser Stimme und wachem Geist. Zu jung, um Brautjungfer zu sein, aber zu alt für ein Blumenmädchen sieht sie aus wie eine Kinderbraut – halb ertrunken in weißem Tüll.

Endlich betritt Krystal den Raum. Mit den dichten, braunen Locken hoch auf ihrem Kopf aufgetürmt und dem Lächeln, das ihre Lippen umspielt, verkörpert sie den Hochzeitstraum eines jeden kleinen Mädchens.

Kameras blitzen. Frauen seufzen. Taschentücher im Überfluss.

Ich blicke wieder zu Will und bin nicht überrascht, dass er mich beobachtet. Zum hundertsten Mal, seitdem ich letzten Monat nach Hause zurückgekehrt bin, ertappe ich mich dabei, wie ich mich an die Geborgenheit seiner Umarmung erinnere. Warum konnte ich nicht dort bleiben?

Als seine Braut in der Mitte des Ganges angekommen ist, macht Will einen Schritt in ihre Richtung.

Er wird es durchziehen. Er wird sie wirklich heiraten.

Im selben Moment, in dem er ihre Hand nimmt, schaltet sich die Klimaanlage ein. Zuerst hört man nur ein paar Leute murmeln. Ihr Flüstern zieht sich durch die Gästereihen und lässt mich und meine Schwestern verwirrte Blicke wechseln.

Will stolpert zurück und bedeckt eilig seinen Mund.

Die Augen meiner Mutter verdrehen sich, und sie fällt zu Boden.

Einen Atemzug später rieche ich es. Der Geruch garantiert, dass Krystals Hochzeit so unvergesslich wird, wie sie es sich erträumt hat. Niemand würde jemals die Hochzeit vergessen, auf der es nach verfaulender Leiche gerochen hat.

Ein Würgen steigt meinen Hals hoch, als der Geruch sich verstärkt. Meine Schwestern verstecken ihre Nasen in den Blumensträußen. Sekunden später stößt die Braut ein Keuchen aus. Ihr Gesicht verzieht sich, und sie heult auf. Würgegeräusche schallen durch die Kirche, während die Gäste zu den Ausgängen laufen und sich auf dem Weg nach draußen schubsen und stoßen.

Der Priester sieht völlig verloren aus, und ich nagle ihn mit meinem Blick fest. Mach etwas, verdammt!

Und das tut er.

Er würgt direkt in sein Mikrofon.

Chaos bricht aus.

Noch mehr Würgen. Gedrängel. Geschubse.

Niemand kümmert noch die Hochzeit. Niemand interessiert sich für Schwüre oder Fünftausend-Dollar-Kleider. Nicht inmitten dieser stinkenden Sauerei.

Das Gesicht meiner kleinen Schwester ist weiß vor Panik. Das Chaos wird größer, und sie öffnet ängstlich ihren Mund.

Ich biete ihr meine Hand an. »Komm mit.«

Sie starrt mich an, öffnet ihren Mund weiter und übergibt sich über ihr Kleid; ihr Gesicht vor Entsetzen verzogen.

Armes Ding.

Ich schnappe mir ihre Hand und dränge sie zum Ausgang. »Abby!« Da sie sich nicht bewegt, schnappe ich mir die schlacksige Gestalt und eile mit ihr aus der Kirche.

Wir schaffen es durch die Tür und auf den Gehsteig, wo Krystal in Wills Armen weint.

Hilflos streichelt er ihr Haar und flüstert etwas in ihr Ohr.

Als er seinen Kopf hebt, umrahmt das Licht der Abendsonne sein zerzaustes Haar, und unsere Blicke treffen sich. Es fühlt sich an, als läge ein ganzes Leben zwischen uns. Es ist ein Leben her, seit meine Lügen uns beide getäuscht haben. Ein Leben, seit ich geglaubt habe, dass ein Mädchen wie ich glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben kann.

Kerzenlicht beleuchtet das Festzelt, die sanfte Maibriese schwebt vom Fluss hoch und lässt die Windspiele erklingen. Krystals und Wills Empfang wurde auf der weitläufigen grünen Gartenfläche meiner Mutter aufgebaut. Genauso, wie meiner es letztes Jahr hätte sein sollen.

Genauso, wie unser es hätte sein sollen.

Bei diesen Worten kann ich nicht verweilen, aber ihnen aus dem Weg zu gehen lässt meine Gedanken nur von einem Ort zum nächsten springen, wie einen panischen Hasen in einer Wolfshöhle.

Eine Reihe von Formschnitthecken säumt den Pfad, der den Hügel nach unten und zum Fluss führt. Ich folge ihm, um das rauschende Wasser zu sehen und der Musik, dem Gelächter und der Freude zu entkommen. Ich schlüpfe aus dem Zelt und kann Wills Blick auf mir spüren, ich gehe jedoch nicht zu ihm.

Krystal hat mich angefleht, für die Hochzeit nach Hause zu kommen und ihre Brautjungfer zu sein, um allen zu zeigen, dass die Dinge zwischen uns okay sind. Um allen zu zeigen, dass es okay für mich ist, wenn sie meinen Ex heiratet. Ich habe meine eigenen Gründe, wegen denen ich zugestimmt habe. Mit Will kann ich dennoch nicht reden.

Noch nicht. Nicht hier.

Ich kann nicht aufhören, daran zu denken, was in der Kapelle passiert ist. Meine Mutter und der Hochzeitsplaner hatten umständlich die Gäste eingesammelt und sie zum Empfang geführt, wo das Dinner serviert wurde. Das Tanzen ist mittlerweile voll im Gange. Aber was ist mit der Zeremonie? Bedeutet das, Krystal und Will sind nicht verheiratet? Sie haben ihre Schwüre nie abgelegt. Haben sie sich eine dunkle Ecke gesucht, um dort die Dokumente zu unterschreiben?

Natürlich kann ich nicht fragen. Jeder wird davon ausgehen, ich frage nur, weil ich Will für mich selbst haben möchte. Sie werden denken, ich frage nur, weil ich nicht über ihn hinweg bin.

Ich habe die halbe Strecke hinter mich gebracht, als ich einen Mann entdecke, der ein paar Meter vom Kai meiner Mutter entfernt steht. Seine schwarzen Anzughosen und das Hemd lenken meine Aufmerksamkeit auf die breite Fläche seiner Schultern, die zu seinen Hüften immer schmaler wird.

Ich kenne ihn nicht, aber ich erkenne eine verwandte Seele in ihm. Er sieht verletzt und mit seinen Gedanken weit weg aus. Die Hände hat er in seinen Taschen vergraben, und sein Blick liegt fest auf dem Wasser.

Ein gebrochenes Herz, das Krystal zurückließ, als sie sich Wills Ring an den Finger gesteckt hat?

Ich zögere eine Minute. Ich habe hier unten nach Einsamkeit gesucht, doch nun werde ich von diesem Mann angezogen, der so verloren und alleine aussieht, wie ich mich fühle. Ich springe vom gepflasterten Weg, und meine Absätze versinken in der weichen Erde, während ich mich ihm nähere.

»Sie sehen ein wenig verloren aus«, sage ich. Als er sich umdreht, erkenne ich Müdigkeit in seinen Augen und bleibe mitten im nächsten Schritt stehen. »Ich glaube nicht, dass wir uns kennen. Ich bin Maggie Thompson, Schwester der Braut.«

»Ich bin Asher.«

Asher. Asher. Ich durchsuche meine Erinnerungen nach der Vertrautheit dieses Namens, kann aber nichts finden. New Hope ist eine Kleinstadt, und ich erkenne ihn nicht, aber das muss nicht viel heißen, weil meine Mom den halben Staat Indiana und einen guten Teil von Kentucky eingeladen hat. »Asher wie? Freund der Braut oder des Bräutigams?«

»Nur Asher. Und ich bin kein Hochzeitsgast.«

Oh. Das erklärt es. »Nur der eine Name? Wie Madonna?«

Seine Lippen kräuseln sich. »So ungefähr.«

»Nett, Sie kennenzulernen, Nur Asher.« Ich biete ihm meine Hand an, und als er sie nimmt, kann ich nicht anders, als ihre Größe und Wärme zu bemerken. Ein Bild schießt durch meine Gedanken – grobe Finger, die über meine nackte Haut streichen und dieser Blick, der über meinen entblößten Körper wandert.

Asher sollte das Paradebeispiel eines sexy Bad Boys sein. Ich wette, er hat sogar ein paar Tattoos unter diesem fein säuberlich gebügelten Hemd. Er ist nicht bloß ein großer Kerl, sondern wirkt auch muskulös. Seine Brust ist breit und stark, und er füllt sein schwarzes Hemd auf eine Weise aus, dass es mir schwer fällt, ihn nicht anzustarren.

Zur Hölle, das Starren ist unvermeidlich. Nicht zu sabbern, ist schwierig.

Sein dunkles, zerzaustes Haar lockt sich ein wenig an den Enden. Haare, in denen eine Frau ihre Finger vergraben kann, während ihr Liebhaber ihren Körper erforscht. Der Bartschatten auf seinen Wangen beschwört unpassende Fantasien in mir hoch, und dieses verschmitzte Grinsen sagt mir, dass er ganz genau weiß, woran ich denke.

»Maggie?«

Die leise Stimme stoppt meine Gedanken. Ich drehe mich um und sehe meine jüngste Schwester.

Abby hat nach der Möchtegernhochzeit ihre Kleidung gewechselt und trägt jetzt ein kleines, pinkes Kleid. Es genügt, sie anzusehen, und mein Herz beginnt zu schmerzen. Sie ist um so vieles erwachsener geworden, während ich weg war, und zu wissen, wie viel ich verpasst habe, nagt an mir. Ich war nicht da, um sie vor den unerreichbaren Ansprüchen unserer Mutter zu beschützen. Vermutlich ist Abby die einzige Person auf dieser Welt, die mich wirklich braucht.

»Hey, Süße«, sage ich.

»Hey, Mags.« Sie spielt mit dem Saum ihres Kleides. »Es tut mir leid, was in der Kirche passiert ist. Ich bin durchgedreht.«

Ein Kloß bleibt mir im Hals stecken, als ich die Unsicherheit in ihren Augen erkenne – den Drang, es jedem recht zu machen, obwohl sie erst zehn Jahre alt ist. »Es ist okay. Wir haben alle ein bisschen Panik bekommen.«

»Du hast mir gefehlt«, flüstert sie.

Obwohl ich seit beinahe vier Wochen zu Hause bin, habe ich mich rar gemacht, und es ist das erste Mal, dass sie meine Abwesenheit erwähnt. Die Worte sind wie Klauen in meinem Herzen, und ich ziehe sie in eine Umarmung. Sie schlingt ihre Arme um meinen Hals, und ich atme tief ein.

»Bist du böse, weil ich Kotze auf dein hübsches Kleid gemacht habe?«

Ich schicke dem heißen Fremden ein schnelles Grinsen und schüttle den Kopf. »Ich weiß nicht, von welchem hübschen Kleid du sprichst. Ich habe schon den ganzen Tag dieses hässliche Ding hier an.«

Abby erstickt ein Kichern hinter ihrer Hand.

»Abby«, ruft jemand.

William.

Er kommt den Hügel herunter und auf uns zu. »Deine Schwester braucht dich für ein paar weitere Bilder«, sagt er ihr.

»Aber ich will nicht noch mehr Fotos machen«, flüstert Abby. Eine seltene Beschwerde von einem Kind, das es den Leuten immer recht machen möchte.

»Geh schon. Es ist wichtig für Krystal.«

Abby nickt. »Tschüss, Maggie«, sagt sie, bevor sie forthuscht.

Will sieht zu, wie sie geht. Als er sich zu mir umdreht, wandelt sich sein Ausdruck von stoisch zu schmerzerfüllt.

»Bist du verheiratet? Ist es offiziell?« Wie ironisch, dass er der Einzige ist, dem ich genug vertraue, um diese Frage zu stellen.

»Nein.« Das Wort ist so leise, dass ich es beinahe nicht höre.

»Und … was jetzt?«

Sein Blick verschlingt mich. Es ist ein Jahr her, seit ich zu ihm gehört habe, und mir ist, als wolle er jede neue Sommersprosse katalogisieren und über jedes verpasste Lächeln buchhalten. »Wir haben uns noch nicht entschieden.«

Ich öffne meinen Mund, um etwas zu sagen, schließe ihn aber wieder. Meine Kehle ist so zugeschnürt, dass nicht genug Platz für Worte ist. Ich kann das Gefühl, das mich zu erwürgen versucht, nicht identifizieren. Hoffnung, dass er mir noch eine Chance gibt? Angst, falls er es tut?

»Maggie.« Er wispert meinen Namen wie ein Gebet. »Es ändert nichts. Wir werden heiraten. Ich liebe sie. Sie will ein Leben mit mir aufbauen«, sagt er dann.

Mit einem Lächeln zwinge ich mich dazu, den Schlag zu verstecken, den er mir mit seinen Worten versetzt. Krystal will ein Leben mit ihm aufbauen, und ich hatte das nicht gewollt.

Das ist nicht wahr, widerspricht mein Kopf. Aber ich weiß, dass er das denken muss. Genau so muss es sich für ihn angefühlt haben.

Will scheint den Fremde erst jetzt zu bemerken.

Ich hatte ihn vergessen, aber er ist immer noch da und beobachtet uns.

»Was macht er denn hier?«

»Er gehört zu mir«, platze ich heraus. »Krystal meinte, ich könnte ein Date mitbringen.« Es ist reiner Impuls, Will denken zu lassen, ich wäre nicht allein hier. Allerdings bereue ich meine Worte sofort, als ich sehe, wie sich die Augenbrauen des Mannes heben. Ich wollte nicht, dass er mich hört, und Scham schießt in heißen Wellen in mein Gesicht.

Doch anstatt meine Lüge auffliegen zu lassen, kommt er an meine Seite und legt locker einen Arm um meine Schultern. »Ich wollte nicht, dass mein Mädchen alleine tanzen muss.«

Will blinzelt, dann zuckt er zurück. Als wären wir durch unsichtbare Fäden verbunden, muss ich gegen den Instinkt ankämpfen, ihm zu folgen.

»Die Bar wird in zehn Minuten geöffnet«, sagt er. »Viel Spaß.« Damit dreht er sich um und geht zum Empfang zurück.

Sobald er weg ist, löse ich mich aus der Umarmung des Fremden. »Du wolltest nicht, dass dein Mädchen alleine tanzen muss?«

»Du hast damit angefangen.« Er grinst mich jetzt offen an, und mein Herz vollführt beinah eine Vollbremsung in meiner Brust. Der heiße Fremde ist nicht nur scharf, sondern besitzt die Macht, Höschen zu schmelzen, wenn er grinst.

»Bist du bereit, dieses Spiel die ganze Nacht zu spielen?«, frage ich ihn. »Zu tanzen und so zu tun, als würdest du eine völlig Fremde mögen, einfach nur, um sie aus einer peinlichen Lage zu retten?«

Er zuckt die Schultern. »Ich kann mir schlimmere Dinge vorstellen, meine Zeit zu verbringen.« Er lässt seinen Blick über mich gleiten. Als er wieder bei meinem Gesicht ankommt, fallen mir zum ersten Mal seine Augen auf. Wolfsaugen. Ein Blau, so eisig, dass es beinahe farblos ist, mit einem dunkleren Ring am Rand.

Vielleicht ist das doch nicht der schlimmste Tag meines Lebens.

»Lust, die Bar unsicher zu machen?«, frage ich und nicke hinüber zum Empfang. »Meine Familie ist stinkreich, und ich bin sicher, wir haben das gute Zeug auf Lager.« Ich mache mich auf den Weg und hoffe, er wird mir folgen. Hoffe, die Gesellschaft eines Fremden wird die Leute und ihre höflichen Nachfragen weit von mir fernhalten.

»Kannst du tanzen?« Asher stoppt mich, bevor ich zur Bar gelange.

»Nicht mal ein bisschen.«

Die Worte »Bad Boy« stehen förmlich in sein Gesicht geschrieben; meine Mom wird ausflippen, wenn sie mich an seiner Seite sieht. Natürlich steigert das nur den Reiz.

»Okay. Ich gebe auf«, sagt Asher. »Ich komme nicht dahinter.« Sein Blick trifft auf meinen und schickt ein Kribbeln durch mich hindurch.

Ich dachte, ich hätte sie verloren – diese Fähigkeit, aufgeregt zu sein, nur weil mich ein Junge ansieht. Das ist kein Junge, sagt mir eine innere Stimme. Das ist ein Mann. Ältere Männer sind mir nicht fremd, als ich jedoch nach New Hope zurückgekehrt bin, habe ich mir geschworen, dass die Dinge anders laufen würden. Dass ich anders sein würde. Und trotzdem bin ich hier und bereite mich darauf vor, den Abend mit einem heißen Fremden zu verbringen, der all meine Neues-Ich-Regeln bricht.

»Wo kommst du nicht dahinter?«

»Ich kenne dich irgendwo her …«

Das bringt mich zum Lachen. »Dieser Spruch? Wirklich? Falls du versuchst, mich anzugraben, kannst du mich dann nicht wenigstens amüsieren, indem du dir etwas Einzigartigeres einfallen lässt?«

Er schickt mir wieder dieses sündhafte, sorglose Grinsen, und mein gottverdammter Magen macht einen kleinen Salto. »Glaubst du, dass es das ist, was ich hier tue?«

Ich zucke mit den Schultern. »Ich weiß nicht so recht. Es ist lange her, seit ich mich mit solchen Spielchen herumgeschlagen habe.«

Er kommt näher und sieht auf mich herab. »Weil du gleich auf den Punkt kommst?«

Er führt mich zur Tanzfläche, und ich lasse es zu.

Etta James gurrt aus den Lautsprechern, während dieser attraktive Bad Boy mich in seine Arme zieht und seinen Blick über mein Gesicht wandern lässt, als wäre es das Vorspiel. Er ist ein Mann, mit dem das Tanzen leicht fällt. Er führt mich so geschmeidig, als würde ich auf Wolken wandeln.

Als er seinen Kopf senkt, streifen seine Lippen mein Ohr. »Dir ist doch klar, dass ein Tanz mit mir diese Leute dazu bringen wird, die ganze Nacht über dich zu tratschen?«

Für einen Moment presse ich meine Augenlider zusammen. Sie tuscheln über mich, das ist wahr, aber ihre Worte haben nichts mit einem mysteriösen Mann zu tun.

Es ist ein Jahr her, doch meine Hochzeit mit William Bailey ist immer noch der heißeste Klatsch, den es gibt. Eine Hochzeit, die zwei Tage bevor die Braut und der Bräutigam ihre Schwüre hätten ablegen sollen, abgesagt wurde? Eine junge Braut, die für ein ganzes Jahr Gott weiß wohin verschwunden ist? Verdammt, um solch pikante Geschichten zu hören, müssen die Menschen von New Hope für gewöhnlich den Telefonanschluss des Bürgermeisters anzapfen.

»Es macht nichts«, murmle ich. Über Ashers Schulter sehe ich meine drei älteren Schwestern, die mich mit offener Kinnlade beobachten. Was stimmt nicht mit ihnen?

Das Lied endet, und die Menge auf der Tanzfläche zerstreut sich. Einige Paare kehren zu ihren Plätzen zurück, andere nehmen sich in den Arm.

Asher schmunzelt. »Ich dachte, du könntest nicht tanzen?«

»Kann ich auch nicht. Ist dir das nicht aufgefallen?« Ich schaudere unter seinem heißen Blick. Ein Tanz und schon denke ich über Brautjungfernklischees und One-Night-Stands nach.

Der DJ geht zu einem anderen Song über, und ich ertappe mich dabei, wie ich mich erneut in Ashers Arme begebe. Wir fallen in den Rhythmus der Musik, und ich überdenke gerade meine Aversion dem Tanzen gegenüber, als ich etwas an seiner Hüfte vibrieren fühle. Er ist damit beschäftigt, die Konturen meiner Schulter mit seinem rauen Daumen nachzuzeichnen und bemerkt es nicht.

»Ist das ein Handy in deiner Tasche«, flüstere ich ihm zu, »oder habe ich meinen Vibrator verlegt?«

Er zieht sich zurück und greift nach seinem Handy. »Du bist nicht wie die anderen.« Er blickt auf die Nummer auf dem Display. »Ich muss da rangehen. Es war nett, dich kennenzulernen, Maggie. Danke für den Tanz.« Er zwinkert mir zu, bevor er zurückweicht und mich lüstern grinsend am Rand des Parketts stehen lässt.

Meine gute Laune verschwindet, als ich mich umdrehe und Will und Krystal tanzen sehe. Ich erwische mich dabei, wie ich mein Will denke. Es ist nicht fair, das weiß ich, und doch erinnere ich mich wieder und wieder an das Gefühl seiner Arme, die um mich geschlungen sind, und seinen Atem in meinem Haar, während er flüstert: »Wenn du zerbrochen bist, mach ich dich wieder heil.«

Mit seinem Daumen streichelt er über Krystals Wange, und er sieht sie mit einer solchen Zärtlichkeit an, dass ich in meiner Eile, die Tanzfläche zu verlassen, über meine eigenen Füße stolpere.

Einsamkeit schlägt ihre Klauen in mich, in mein Fleisch. Gerade tief genug, um meine Augen mit Tränen zu füllen.

2. Kapitel

William

Ich bin süchtig.

Ich bin das arrogante Arschloch, das denkt, es wäre größer als seine Sucht. Ich bin der ignorante Hurensohn, der denkt, er könne der Versuchung ins Gesicht sehen und heil davonkommen.

Noch nie lag ich so falsch.

Wie die meisten Süchtigen, kann ich nicht sagen, wann meine Abhängigkeit begonnen hat. Ich kann den Moment nicht festlegen, als meine Zuneigung zu ihr zu etwas wurde, das unwiderstehlicher war. Gefährlicher. War es, als sie fünfzehn war und in meinem Wohnheim in Notre Dame vorbeigekommen ist? Als das Mädchen von nebenan sich plötzlich in diese kurvige Schönheit mit traurigen Augen und gierigen Händen verwandelt hat? War es, als ich für meinen Masterabschluss zurück nach Hause gekommen bin und sie eine Konstante in meinem Leben wurde? Oder hat es erst begonnen, als ich zum ersten Mal ihre Lippen gekostet habe, während die Sonne auf dem Wasser schimmerte und eine Brise unser Haar zerzauste?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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