Zerstörtes Weltvertrauen bei Jean Améry - Elmar Korte - E-Book

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Elmar Korte

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2000 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: sehr gut, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Germanistisches Institut), Sprache: Deutsch, Abstract: Der Ausgangspunkt für jegliche Analyse des Werks von Jean Améry ist meiner Ansicht nach ein Blick auf die Grundessenz seiner Essays. Durch die Essays zieht sich wie ein roter Faden Amérys Beschreibung seines “zerstörten Weltvertrauens”. Der Grund, warum sich für Améry ein Vertrauen in die Welt als eine Unmöglichkeit darstellte, liegt vor allem in seinen Holocaust-Erfahrungen. Das Gelebte, d.h das eigens Erlebte (le vecu) ist bei Améry überhaupt die Basis für seine schriftstellerische Auseinandersetzung mit der Holocaust-Problematik. Seine Aufgabe sieht er darin, für alle Beteiligten des Holocausts, also sowohl für die Täter als auch für die Opfer, eine möglichst scharfe Analyse der Geschehnisse zu liefern. Dadurch, daß er selbst den Holocaust in seiner ganzen Grausamkeit erfahren hat (Exil, Verhaftung, Folter, Auschwitz-Aufenthalt), ist Améry geradezu priviligiert, über die Ereignisse zu berichten. Améry begnügt sich jedoch nicht mit einer einseitigen Schuldzuweisung, seine Absicht liegt vielmehr in einer möglichst trennscharfen Deskription der unterschiedlichen Erfahrungen.

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Veröffentlichungsjahr: 2005

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Inhaltsverzeichnis
Kapitel
3.1 Primo Levis Ist das ein Mensch? 1
3.2 Nico Rosts Goethe in Dachau 2

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Zerstörtes Weltvertrauen bei Jean Améry

Einleitung

Der Ausgangspunkt für jegliche Analyse des Werks von Jean Améry ist meiner Ansicht nach ein Blick auf die Grundessenz seiner Essays. Durch die Essays zieht sich wie ein roter Faden Amérys Beschreibung seines “zerstörten Weltvertrauens”. Der Grund, warum sich für Améry ein Vertrauen in die Welt als eine Unmöglichkeit darstellte, liegt vor allem in seinen Holocaust-Erfahrungen. Das Gelebte, d.h das eigens Erlebte (le vecu) ist bei Améry überhaupt die Basis für seine schriftstellerische Auseinandersetzung mit der Holocaust-Problematik.1Seine Aufgabe sieht er darin, für alle Beteiligten des Holocausts, also sowohl für die Täter als auch für die Opfer, eine möglichst scharfe Analyse der Geschehnisse zu liefern. Dadurch, daß er selbst den Holocaust in seiner ganzen Grausamkeit erfahren hat (Exil, Verhaftung, Folter, Auschwitz-Aufenthalt), ist Améry geradezu priviligiert, über die Ereignisse zu berichten. Améry begnügt sich jedoch nicht mit einer einseitigen Schuldzuweisung, seine Absicht liegt vielmehr in einer möglichst trennscharfen Deskription der unterschiedlichen Erfahrungen. Als zentrales Werk in Amérys Oeuvre muß sicherlich der EssaybandJenseits von Schuld und Sühne - Bewältigungsversuche eines Überwältigtenangesehen werden. Hierin werden genau diejenigen Erfahrungen essaystisch verarbeitet, die Amérys Leben und Schreiben so einschneidend beeinflußt haben. Der EssayAn den Grenzen des Geistesreflektiert die Lagerrealität eines Intellektuellen in Auschwitz. Er kann sicherlich als das Herzstück des Essaybandes bezeichnet werden. Améry schildert hier eine Grenzsituation, vielleichtdieGrenzsituation des geistigen Menschen überhaupt, und beschäftigt sich mit der Frage, wann und wie die Voraussetzung für ein geistiges Leben zerstört werden kann. Améry gelangt in diesem Essay zu der Erkenntnis, daß vor allem die Grenzsituation dazu geschaffen ist, wichtige Erkenntnisse über die Natur des Menschen zu gewinnen und ihm sogar einen Zuwachs an persönlicher Charakterentfaltung verschaffen kann:

Lehr- und Wanderjahre durch die Lager können zum unverlierbaren Besitz werden, dort und freilich nur dort, wo ein Mensch seine Erinnerungsbürde nicht nur als quälende Last verspürt, sondern sie zum Teil seiner Person macht und in seiner Person transformiert.2

1Günther Kunert bemerkt treffend, daß “die Stärke Amérys (...) weniger aus Philosophie und Theorie als aus persönlicher Erfahrung und Augenschein” stammt. “Philosophie und Theorie liefern ihm bestenfalls Fassungen, die lockeren Rahmenbedingungen, doch sein Ausgangspunkt bleibt die Realität, physische wie psychische, auf welche alle Reflexion immer wieder hinführt.” Kunert stellt hier klar und deutlich die Amérysche Methode heraus, welche eben die Erfahrung als Ausgangspunkt von Erkenntnis begreift. Vgl. Günther Kunert:Über die Unfähigkeit zu altern.In: Text und Kritik 99 (1988), S. 40-43, hier S. 40.

2Jean Améry zitiert nach Siegbert Wolf:Von der Verwundbarkeit des Humanismus - Über Jean Améry.Frankfurt/M. 1995, S. 77.

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Zerstörtes Weltvertrauen bei Jean Améry

Dieser Abschnitt verdeutlicht, daß Améry die Extremsituationen, die er durchlitten hat, in positiver Weise als charakterbildend verstehen möchte, eine Verdrängung kommt für ihn nicht in Frage.

InDie Torturberichtet Amery von den Marterqualen der Folter, die er als Essenz des Nationalsozialismus zu erkennen glaubt. Auch hier dienen ihm persönliche Erfahrungen als Ausgangspunkt für theoretische Erkenntnisse. InWieviel Heimat braucht der Mensch?untersucht Améry den Heimatbegriff. Heimat wird hier nicht in einem volkstümlichen Sinne definiert, sondern als Grundkonstitution für ein würdiges Zusammenleben von Subjekt und Gesellschaft. Wird dem Menschen seine Heimat entzogen, wie dies den Opfern und Verfolgten des Holocausts geschah, so entschwinden ihm alle persönlichen Bezugspunkte. Als Beispiel läßt sich etwa der Sprachverlußt der Exilierten, die ihrer Heimat im wortwörtlichen Sinne beraubt wurden, anführen.