Zum Ersten, zum Zweiten – zum Lieben verführt! - Barbara Dunlop - E-Book

Zum Ersten, zum Zweiten – zum Lieben verführt! E-Book

Barbara Dunlop

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Beschreibung

Was Gina ihm vorschlägt, ist eine Frechheit, findet Rancher Rafe. Die aufregend attraktive Tochter des Ölbarons Rusty Edmond will bei einer Wohltätigkeits-Auktion ein romantisches Dinner mit einem Cowboy als Hauptpreis versteigern – und der Cowboy ist Rafe! Er sollte ablehnen. Schließlich glaubt er, dass die Edmonds Millionen für ein Gourmet-Festival unterschlagen haben, was viele in Royal ruiniert hat. Aber ein Funkeln in Ginas schönen Augen lässt ihn zögern: Will sie ihn etwa selbst ersteigern?

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Seitenzahl: 200

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IMPRESSUM

BACCARA erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2021 by Harlequin Enterprises ULC Originaltitel: „Bidding on a Texan“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto in der Reihe: DESIRE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARA, Band 2265 11/2022 Übersetzung: Maike Claußnitzer

Abbildungen: Harlequin Books S. A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 11/2022 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751509305

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Rafe Cortez-Williams hatte das RCW Steakhouse in Royal, Texas, gegen den Willen seines Vaters eröffnet. Eigentlich hatte man von ihm erwartet, sein Erbe weiterzuführen, die Ranch, die seit mehreren Generationen in Familienbesitz war. Aber Rafe hatte vier Brüder, die alle äußerst fähige Cowboys und seiner Meinung nach besser als er geeignet waren, die Ranch zu leiten.

Also hatte er vor drei Jahren einen klaren Schnitt gemacht.

Sein Steakhaus mit der Klinkerfassade im Herzen der Stadt war von Anfang sehr erfolgreich gewesen. Hier kamen zarte Steaks und saftige Burger auf den Tisch, außerdem auch Fisch und asiatisch inspirierte Spezialitäten. Das RCW galt als perfektes Lokal für Feiern und besondere Anlässe, und so waren die Gäste auch gern bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Trotz der Zweifel seines Vaters war für Rafe alles blendend gelaufen. Bis jetzt.

„Heute essen aber besonders viele Leute Mittag bei uns, was?“ JJ Yeoh, der Chefkoch im RCW, arbeitete an dem langen Gasherd in der Mitte der Küche. Er sprach laut, um das Brutzeln der Steaks und das Klappern des Geschirrs zu übertönen.

„Ja. Wir sind komplett ausgebucht“, antwortete Rafe und trat schnell einen Schritt beiseite, damit eine Kellnerin mit zwei T-Bones-Steaks an ihm vorbeikonnte. „Ich glaube, unser Ruf ist nicht ruiniert … Noch nicht.“

„Der Skandal ist doch nicht deine Schuld“, meinte JJ. Er schaute von der Pfanne auf, in der er gerade Garnelen würzte. „Du hast doch nur in einen guten Zweck investiert – und das äußerst großzügig.“

„Unser Name war aber eng mit Soiree on the Bay verbunden. Das wird ein Nachspiel haben.“

Als ewiger Optimist zuckte JJ nur die Schultern. „Die Leute essen trotzdem gern.“

„Stimmt. Aber Sie könnten auch woanders hingehen.“

„Nirgends ist es so gut wie hier“, beharrte der Koch, wandte sich wieder seiner Pfanne zu und rührte um. Ein würziger Duft stieg auf und ließ Rafes Magen knurren.

JJ hatte recht, doch vielleicht würde das am Ende auch nicht helfen.

Denn wenn Rafe die zweite Hypothek nicht bezahlen konnte, würden nicht einmal die Sambal-Garnelen, die das Markenzeichen seines Kochs waren, ihn retten. Aber er brachte es nicht übers Herz, JJ zu erzählen, in welchen finanziellen Schwierigkeiten das Restaurant tatsächlich steckte.

Der Geräuschpegel blieb konstant hoch, während Kellner mit Speisen und Brotkörben kamen und gingen. Eine Küchenhilfe kam durch die Tür, um schmutziges Geschirr bei den Tellerwäschern abzuladen. Wenn wie heute viel Betrieb herrschte, war es wichtig, die Tische schnell abzuräumen und für die nächsten Gäste neu einzudecken. Rafe hasste es, Leute im Foyer warten zu lassen.

„Ich mache eine Runde durchs Restaurant“, sagte er. „Wir sehen uns nachher.“

JJ nickte ihm zu und konzentrierte sich weiter aufs Kochen.

Jede halbe Stunde ging Rafe durchs Restaurant und sah nach dem Rechten. Zwar wollte er seine Gäste nicht beim Essen stören, hatte aber einen sechsten Sinn dafür, wer gern begrüßt werden oder sogar plaudern wollte und wem es lieber war, in Ruhe gelassen zu werden. Gesichtsausdruck und Körpersprache der Gäste lieferten ihm konkrete Hinweise darauf.

Besonders vorsichtig war er Paaren gegenüber. Das Letzte, was er wollte, war, einen romantischen Abend zu zweit zu stören. Die waren ihm heilig. Nicht, dass er selbst in letzter Zeit einen gehabt hätte.

Rafe ging den kurzen Küchenflur entlang in den Hauptraum des Restaurants. Es hatte drei getrennte Bereiche, die in sich noch einmal durch strategisch platzierte Holzsäulen und schmale Schränke mit Glasfront unterteilt waren. Diese Aufteilung dämpfte die Geräusche und verschaffte den Gästen zusätzliche Privatsphäre.

Im vorderen Bereich mit dem gedämpften Licht, der Holzvertäfelung und den offenen Weinregalen ging er an einen Sechsertisch. Dort schien ein Familientreffen mehrerer Generationen stattzufinden. Er hatte den Eindruck, dass der ältere Mann am Kopfende des Tisches der Gastgeber war.

„Guten Tag“, sagte er. „Ich bin Rafe Cortez-Williams, der Besitzer des RCW. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Essen?“

„Es schmeckt köstlich“, sagte der ältere Mann lächelnd und wies auf sein Rib-Eye-Steak. „Was ist das Geheimnis Ihrer Baked Potato?“

„Ein Hauch Cayennepfeffer“, antwortete Rafe und wartete ab, ob noch jemand etwas sagen würde.

Eine hübsche Blondine hob ihr Kristallglas. „Das hier ist gefährlich lecker“, sagte sie.

„Ist das Guave-Cranberry oder Himbeere?“, erkundigte sich Rafe.

„Guave-Cranberry.“

„Das mag ich auch besonders“, sagte er. „Möchten Sie noch einen?“ Während er die Frage stellte, winkte er hinter seinem Rücken die Kellnerin Shirley heran.

Die blonde Frau sah den Mann an, der neben ihr saß.

„Nimm ruhig noch einen“, meinte der Mann. „Ich fahre.“

Die Kellnerin kam hinzu.

„Ich glaube, die Dame hätte gern noch einen Guave-Cranberry-Mix“, sagte Rafe und sah die Frau fragend an.

„Ja, bitte.“ Sie lachte.

„Dann noch viel Spaß beim Essen“, wünschte er.

Lächelnd ging er weiter und blieb noch an ein paar Tischen stehen, bevor er den Raum an der Südseite des Restaurants betrat.

Von der Tür aus ließ er den Blick über die Gäste schweifen und traute seinen Augen nicht. Gina Edmond höchstpersönlich, die einzige Tochter des Ölmoguls Rusty Edmond, beehrte das RCW mit ihrer Anwesenheit.

Rafe kannte die wunderschöne und glamouröse Erbin nur flüchtig. Sie war die verwöhnteste Prinzessin von ganz Royal, und das RCW gehörte nicht zu den Adressen, die sie üblicherweise aufsuchte.

Schlagartig wurde ihm klar, warum sie hier war. Sie konnte sich derzeit nicht im Texas Cattleman’s Club sehen lassen. Nicht nach dem gewaltigen Skandal, der die Stadt erschüttert hatte.

Im Mittelpunkt dieses Skandals stand Billy Holmes, der Mann, der ein enger Freund der Edmonds, womöglich aber sogar Ginas Halbbruder war. Billy war mit mehreren Millionen Dollar verschwunden, die in das Festival Soiree on the Bay investiert worden waren. Nach allem, was man hörte, hatte der Hausgast der Edmonds damit nicht nur das Festival in den Ruin getrieben, sondern auch für den Bankrott mehrerer örtlicher Unternehmen gesorgt.

Der letzte Mensch, mit dem Rafe plaudern wollte, war Gina Edmond, und so lenkte er seine Aufmerksamkeit auf ihre Begleiterin. Sarabeth, Ginas Mutter, war erst vor Kurzem nach Royal zurückgekehrt und plante gerade ihre Hochzeit. Eine sehr teure Hochzeit an Bord einer Yacht. Das war der Beweis dafür, dass die Edmonds finanziell nicht im Geringsten unter dem Scheitern von Soiree on the Bay litten.

Eine Kellnerin schlüpfte an Rafe vorbei, und er rief sich ins Gedächtnis, dass er professionell bleiben musste. Gina war hier. Also war sie ein Gast, und er würde sich benehmen, auch wenn es ihn umbrachte.

Gina Edmond war sich bewusst, welch privilegiertes Leben sie führte, und das nur, weil sie Rusty Edmonds Tochter war. Rusty war in der texanischen Ölbranche eine Legende, ein prominentes Mitglied im Texas Cattleman’s Club sowie in der Handelskammer von Royal. Sechsundzwanzig Jahre lang war Gina automatisch mit Respekt behandelt worden und hatte alle Vorteile genossen, die mit der Stellung ihrer Familie einhergingen.

Aber jetzt war sie auf ihrer Überholspur ruckartig zum Stehen gekommen.

Die Familie genoss nicht länger die Bewunderung ihrer Mitbürger und der TCC-Mitglieder. Stattdessen wurden alle Edmonds misstrauisch beäugt, obwohl sie nichts mit Billys Verbrechen zu tun hatten. Ihre Familie war genauso betrogen worden wie alle anderen.

„Erst die falsche Anklage gegen Asher“, sagte ihre Mutter Sarabeth auf der anderen Seite des Tisches gerade, „und jetzt Billy. Ihr Kinder habt wirklich euer Päckchen zu tragen. Ich frage mich, ob ich die Hochzeit verschieben sollte.“

„Wage es ja nicht!“, gab Gina zurück. Ihr Stiefbruder Asher war vom Vorwurf der Untreue entlastet worden und saß nicht mehr im Gefängnis.

Gina freute sich auf die Hochzeit. Sarabeth hatte sich ihr persönliches Happy End hart erkämpft und verdiente es, mit dem örtlichen Rancher Brett Harston glücklich zu werden.

„Es ist …“ Sarabeth suchte eindeutig nach dem richtigen Wort.

„… wunderbar, unglaublich schön und inspirierend“, vollendete Gina den Satz für sie. „Genau das, was die Stadt jetzt braucht.“

„Ich komme mir egoistisch vor“, gestand Sarabeth.

„Es wäre egoistisch, die Hochzeit abzusagen“, konterte Gina.

Sie wollte, dass ihre Mutter glücklich wurde, aber sie glaubte auch, dass Royal die Ablenkung brauchte. Unter den vierhundert Gästen würden viele TCC-Mitglieder sein, denen das Scheitern des Festivals geschadet hatte.

„Meinst du?“, fragte Sarabeth.

„Das weiß ich.“ Gina tätschelte die Hand ihrer Mutter. „Und wenn du dir schon um irgendetwas Sorgen machen willst, dann lieber darum, mir ein Date für die Hochzeit zu besorgen.“

Sarabeth winkte ab. „Du kannst jedes Date haben, das du willst. Sieh dich doch an!“

Gina wusste, dass sie gut aussah. Sie war zwar nicht gerade ein Party Girl, hatte aber Sinn für Humor. Und ihren Schulnoten nach zu urteilen, war sie auch halbwegs intelligent. Sie hatte einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften von der Texas Southern. Aber bisher war keiner ihrer Freunde der Richtige für sie gewesen, und die meisten Männer in Royal kannte sie schon.

„Du darfst nicht so anspruchsvoll sein“, fuhr Sarabeth fort und nippte an ihrem Chardonnay.

Gina beugte sich vor. „Ich bin nicht anspruchsvoll.“ Allerdings hatte sie durchaus gewisse Erwartungen an einen Mann. Sie wollte jemanden, der ehrlich, anständig, witzig, erfolgreich oder vielleicht eher zufrieden mit seinem Beruf war. Was Geld anging, war sie kein Snob.

„Wer wäre denn perfekt?“, fragte Sarabeth. „Na, sag schon.“

Gina fiel niemand ein.

Doch genau in diesem Moment erspähte sie einen hochgewachsenen, dunkelhaarigen breitschultrigen Mann in einem gut sitzenden Jackett, der mit den Gästen an einem anderen Tisch plauderte. Sein Lächeln war strahlend schön. Seine dunklen Augen wirkten warm und freundlich. Und dem Gelächter der vier Leute am Tisch nach zu urteilen, hatte er auch Sinn für Humor.

„Wie wär’s mit dem da?“, fragte sie und nickte diskret zu ihm hinüber.

Ihre Mutter warf einen Blick über ihre Schulter. Dann drehte sie sich wieder um. Ihre Miene wirkte besorgt. „Äh … Gina …“

„Psst. Er kommt hierher.“

Während der Mann auf sie zukam, wirkte er sehr selbstsicher und schien in seinem Element zu sein. Aber als sie seinen Blick auffing, wirkten seine braunen Augen plötzlich kalt. Sein Lächeln verschwand, und sein Kiefer verspannte sich. Nur knapp nickte er, um sie zu begrüßen.

„Hallo“, murmelte Gina, erstaunt, dass er so reserviert war, bis sie ihn plötzlich erkannte. Der Schock traf sie wie ein Schwall eisigen Wassers.

Vor ihr stand Rafe Cortez-Williams, der Besitzer des RCW.

Das RCW war einer der wichtigsten Sponsoren von Soiree on the Bay gewesen und hatte die größten finanziellen Verluste durch das Festival-Debakel erlitten – und Rafe gab ihr die Schuld daran. Oder zumindest ihrer Familie.

„Ich hoffe, es schmeckt.“ Die freundlichen Worte standen in starkem Kontrast zu seiner eisigen Miene.

„Alles ist ganz köstlich“, erwiderte Sarabeth liebenswürdig.

Gina warf ihrer Mutter einen verwirrten Blick zu. Warum schleimte sie sich bei ihm ein?

„Es freut mich sehr, das zu hören. Viel Vergnügen noch.“ Dann war er fort und schenkte den Gästen am nächsten Tisch ein Lächeln und das bezaubernde Leuchten seiner wunderschönen Augen.

„Leider ist er nicht der Richtige für dich“, sagte Sarabeth. „Rafe hat viel Geld verloren und ist zu Recht wütend darüber.“

„Das ist nicht unsere Schuld, sondern Billys.“

„Und wenn Billy dein Halbbruder ist?“

„Wir wissen nicht sicher, ob er Dads Sohn ist.“

Sarabeth hob das Glas. „Vergiss nicht, dass ich damals mit deinem Vater verheiratet war.“

Gina nahm einen Schluck von ihrem Merlot. Den brauchte sie jetzt. Es war ihr mittlerweile nicht mehr so peinlich wie früher, mit ihrer Mutter über die Untreue ihres Vaters zu sprechen, aber ihr Lieblingsthema war es darum noch lange nicht. „Antoinette Holmes hat zugegeben, dass sie auch mit anderen Männern geschlafen hat.“

„Kann sein.“ Sarabeth schien nicht überzeugt.

„Kommen wir lieber wieder auf deine Hochzeit zu sprechen“, meinte Gina, um nicht mehr an Billy und vor allem nicht an Rafe Cortez-Williams denken zu müssen. „Reden wir über deine Haare …“

Sarabeth ließ sich sofort auf den Themenwechsel ein. „Was meinst du? Soll ich sie offen tragen oder hochstecken?“ Sie fasste ihre blonden Haare im Nacken zusammen und zog sie hoch, um zu demonstrieren, was sie meinte.

Während sie über Frisuren, Schleier und Hochzeitskleider zu reden begannen, erhaschte Gina aus dem Augenwinkel noch einen Blick auf Rafe. Sie versuchte, ihn zu ignorieren, aber er zog ihre Aufmerksamkeit geradezu magisch an – die breiten Schultern, der selbstbewusste Gang, die glänzenden dunklen Haare …

Er mochte der Falsche für sie sein, war aber trotzdem unglaublich heiß.

„Gina?“, fragte Sarabeth.

„Hm?“ Im Stillen rief sie sich zur Ordnung.

„Ich möchte ein wadenlanges Kleid. Ich will mich nicht in Rüschen hüllen wie eine Unschuld vom Lande.“

„Sagt man das heute überhaupt noch?“

Sarabeth lachte. „Unschuld vom Lande? Vermutlich nicht. Aber du weißt, was ich meine.“

„Wir müssen mit Natalie Valentine reden“, sagte Gina. Natalie war die Besitzerin eines örtlichen Brautmodengeschäfts.

Es war vielleicht nicht ihre eigene Hochzeit, aber es erfüllte sie mit freudiger Erregung, die ihrer Mom zu planen. Vielleicht würde sie eines Tages selbst heiraten. Für einen Sekundenbruchteil kehrten ihre Gedanken zu Rafe zurück, bevor sie sie verdrängte. Klar, er würde in einem Smoking vor dem Altar umwerfend aussehen, aber in einer Ehe ging es um mehr als darum, einen attraktiven Bräutigam zu haben.

„Ich heirate nun mal einen Rancher“, sagte Sarabeth. „Wie wäre es da mit einem etwas rustikaleren Stil?“

„Aber die Feier findet auf einer Yacht statt. Da passt etwas klassisch Elegantes besser.“

Sarabeth schloss die Augen.

Gina konnte sich nicht davon abhalten, zu dem Türbogen hinüberzusehen, der in den vorderen Raum des Restaurants führte. Rafe stand dahinter, und sie betrachtete ihn noch eine Weile. Gucken war schließlich nicht verboten.

„Ich bin immer noch für ein wadenlanges Kleid“, meinte Sarabeth und öffnete die Augen. „Cremefarbene Seide, vielleicht mit einer dünnen Organzaschicht, etwas Spitze und Kappärmeln?“

„Das ist ein sehr detailliertes Bild.“

„Kannst du es vor dir sehen?“

Ja, das konnte Gina. Sie lächelte. „Nicht zu übertrieben, aber edel genug für die opulente Umgebung.“

„Genau!“, pflichtete ihre Mutter ihr bei und lehnte sich zurück. „Und jetzt zu dir.“

Später ging Sarabeth, um sich mit ihrem Verlobten Brett zu treffen, während Gina blieb, um die Rechnung zu bezahlen. Beim Trinkgeld zögerte sie. Eigentlich wollte sie gern großzügig zu der Kellnerin sein, aber sie hatte Angst, dass Rafe ein hohes Trinkgeld als Angeberei auslegen würde, vor allem angesichts der Verluste, die viele Unternehmen in Royal mit Soiree on the Bay gemacht hatten.

Dann lachte sie über sich selbst, weil ihr klar wurde, dass Rafe nie herauskriegen würde, wie ihr Trinkgeld ausgefallen war. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass er alle Kreditkartenquittungen eines Tages durchging? Gleich null. Also zeigte sie sich äußerst großzügig.

So. Geschafft.

Sie stand auf, strich sich ihr ärmelloses schwarzweißes Kleid glatt und hängte sich ihre olivgrüne Handtasche über die Schulter. In ihren Pumps mit Dschungelprint marschierte sie selbstbewusst los. Die spitzen hohen Absätze waren für lange Spaziergänge nicht geeignet, aber sie brachten ihre Waden äußerst vorteilhaft zur Geltung, und bis zu ihrem Jaguar-Cabrio konnte sie darin gut laufen.

Als sie um eine polierte Holzsäule im Foyer bog, stieß sie fast mit einem Mann zusammen. Sie stolperte und wäre beinahe gegen seine Brust gefallen.

Er streckte die Hände aus und umfasste ihre Oberarme, um sie zu stützen. Als sie aufschaute, sah sie, dass es Rafe war. Starke Hände, attraktives Gesicht, sündhaft sexy Lippen …

Sofort schalt Gina sich für ihre Gedanken.

„Tut mir leid“, sagte er stirnrunzelnd und ließ sie so abrupt los, als hätte sie eine ansteckende Krankheit.

„Meine Schuld“, sagte sie, weil es das war. Sie musste ihn nicht mögen, um ehrlich zu sein. „Ich war in Eile.“

Er warf einen Blick in den Raum hinter ihr. „Deine Mutter?“

„Ist schon gegangen, um sich mit ihrem Verlobten zu treffen.“

„Ach ja, Brett Harston.“

„Stimmt. Du kennst Brett ja sicher.“

„Alle Rancher sind Brüder.“

Rafe sah nicht unbedingt wie ein Rancher aus, auch wenn sein Gesicht sonnengebräunt und seine Hände groß und stark waren.

Insgeheim fragte sie sich, wie lange es wohl her war, dass er über den riesigen Landbesitz seiner Familie geritten war.

„Ich habe dich hier noch nie gesehen“, bemerkte er. Sein aufmerksamer Blick verriet, dass er annahm, dass sie jetzt im TCC nicht mehr willkommen war. Damit hatte er recht, aber das war keine Entschuldigung für seine Unhöflichkeit.

„Suchst du Streit?“, fragte sie unverblümt.

„Nein … Ja … Vielleicht.“ Ein Hauch von Belustigung lag in seiner Miene, daneben noch etwas, das nach Bewunderung für ihren Mumm aussah.

Sie hätte vielleicht gelacht, wenn er nicht so ein Arschloch gewesen wäre. „Weißt du, wir sind auch Opfer. Genau wie alle anderen.“

Offensichtlich erstraunt zog er die dunklen Augenbrauen hoch. „Du? Die Edmond-Prinzessin als Opfer?“ Er sah aus dem Fenster und auf den Parkplatz. „Lass mich raten, welches Auto du fährst.“

„Das ist irrelevant.“

Er musterte ihr Designeroutfit. „Wo genau musst du dich denn einschränken, Prinzessin?“

Ihre Kleidung war teuer, aber auch das war irrelevant. „Nenn mich nicht so.“

„Es passt aber.“ Er wartete einen Moment lang. „Darauf hast du keine Antwort, oder?“

„Worauf? Auf deine Unhöflichkeit?“

„Auf die Frage, wo du dich einschränken musst. Gib mir ein konkretes Beispiel, wie die Unterschlagung deinen exklusiven Lebensstil beeinträchtigt, und ich entschuldige mich.“

Dazu fiel ihr nichts ein.

„Das geht dich nichts an“, stieß sie aufgebracht hervor.

Statt zu antworten, lachte er aus vollem Hals.

„Jedenfalls hat sich hier eindeutig nichts geändert“, hob Gina hervor und ließ den Blick über die geschäftigen Kellner und die luxuriöse Ausstattung des Restaurants schweifen.

Rafe wurde ernst. „Du siehst nicht, was sich unter der Oberfläche abspielt.“

„Du siehst auch nicht, was sich unter meiner Oberfläche abspielt.“ Die Edmonds waren zwar nicht in Geldnot, aber ihr Ruf hatte durch Ashers Verhaftung und Billys Verschwinden enorm gelitten. Die Folgen waren noch nicht abzusehen.

Ganz zu schweigen davon, dass sie und ihre Brüder sich verpflichtet fühlten, alles wieder in Ordnung zu bringen, weil ihre Familie Billy damals in die Stadt geholt hatte. Rafe gegenüber hätte sie das allerdings nicht zugegeben.

Er musterte sie, und seine Nähe ließ sie erschauern. Verdammt, sie begehrte diesen Mann. Ihr wurde heiß.

„Willst du es mir zeigen?“, fragte er, und seine sexy Stimme ließ ihre Haut prickeln.

Die Worte ließen sich auf verschiedene Arten interpretieren, und einige davon waren sehr verführerisch. Ihr wurde noch heißer, als ihr zweideutige Gedanken kamen.

„Warte“, sagte er, „so habe ich das nicht gemeint …“

Sie wusste nicht, was sie mehr störte: dass er in der Lage zu sein schien, ihre Gedanken zu lesen, oder dass sie umgekehrt offenbar seine lesen konnte.

„Das habe ich auch nicht angenommen“, gab sie spitz zurück und wünschte sich, ihre Hormone würden sich verdammt noch mal beruhigen.

„Warum bist du dann rot geworden?“

„Ich bin nicht rot geworden.“

„Jetzt aber schon.“ Er machte es nur noch schlimmer.

„Jetzt bin ich wütend“, sagte sie.

„Warum?“

Auch darauf fiel ihr keine schnelle Antwort ein, aber sie tat ihr Bestes. „Weil … Weil du so unhöflich bist!“

„Ich?“ Er tat überrascht.

„Ja, du.“

„Ich habe doch nur nach den Folgen der Unterschlagung für deine Familie gefragt.“

Er mimte den Unschuldigen, aber das kaufte sie ihm nicht ab. „Na klar.“

Mitleidig schüttelte er den Kopf. „Ach, Gina. Du bist so sehr daran gewöhnt, dass die Männer dir zu Füßen liegen, dass du mit allem anderen nicht umgehen kannst.“

Das stimmte nicht. So war sie nicht.

Oder doch?

2. KAPITEL

Rafe war ein ganz normaler Mann.

Leider hieß das, dass er wie alle anderen den Drang verspürte, Gina Edmond zu Füßen zu liegen. Aber das würde er niemals tun. Dafür war er viel zu schlau. Allerdings war er nicht immun gegen den unverkennbaren Sex-Appeal, den sie aus jeder Pore verströmte und der in ihren Bewegungen, ihrer Mimik und ihrer tiefen, sinnlichen Stimme mitschwang. Ihm war egal gewesen, was sie zu ihm gesagt hatte, solange sie nur weitergeredet hatte.

„Wie gesagt, leih dir Geld von Dad“, sagte sein Bruder Matias, der auf einem gepolsterten Stuhl auf der Terrasse von Rafes Haus saß, von der aus man eine perfekte Aussicht auf Pine Valley hatte.

Rafe, der Bier aus der Küche geholt hatte, kam gerade wieder ins Freie.

Am Horizont ging die Sonne unter und färbte die fernen Gewitterwolken gelb, rosa und rot. Die Augusthitze war drückend, aber die abendliche Brise verschaffte ihnen etwas Abkühlung.

„Du weißt doch, dass ich das nie tun würde.“ Er stellte eine eiskalte Bierflasche für seinen Bruder auf den runden Tisch und nahm dann ihm gegenüber Platz.

„Zu stolz?“, fragte Matias.

„Zu praktisch veranlagt.“ Okay, stolz war Rafe auch, aber das war nicht der eigentliche Grund für seine Entscheidung. „Ich habe mir geschworen, dass das RCW sich allein tragen muss. Ich mache keine Vermögenswerte flüssig, um es zu stützen, und ich bitte auch kein Familienmitglied um Geld.“ Er trank einen Schluck Bier. „Es ist wie in Vegas.“

„Hä?“

„Man setzt sich ein Limit, wenn man ins Casino geht, und davon weicht man nicht ab, selbst wenn die Verluste größer sind als erwartet.“

Verwirrt sah Matias ihn an. „Man setzt sich ein Limit in Vegas? Wo bleibt denn da der Spaß?“

Rafe lachte. Sein Bruder war zwar der leichtsinnigste Cortez-Williams, aber er hätte niemals sein ganzes Geld verspielt. „Willst du mir ernsthaft weismachen, dass du hohe Summen in Las Vegas verloren hast?“

Jetzt wirkte Matias gekränkt. „Natürlich nicht. Ich gewinne in Vegas. Aber leider war ich schon seit Monaten nicht mehr dort.“

„Wettest du hier vor Ort auf irgendwas?“

„Auf dich würde ich wetten“, sagte sein Bruder.

Er schüttelte den Kopf. „Ich brauche dein Geld nicht.“

„Du hast gerade gesagt, dass das RCW in finanziellen Schwierigkeiten steckt.“

„Das ist auch so. Aber wir regeln das mit firmeneigenen Ressourcen. Das habe ich mir geschworen, als ich der Ranch den Rücken gekehrt habe. Vielleicht spüren wir ja Billy auf und bekommen das Geld zurück.“

„Das bezweifle ich. Es scheint, als ob er das alles seit langer Zeit geplant hätte.“

„Vermutlich“, räumte Rafe ein. „Was glaubst du, was das mit einem macht?“

„Saugt einem das Gewissen aus der Seele?“

„Ja.“ Genau das hatte er gemeint.

„Klingt doch ganz so, als wäre er wirklich ein Edmond.“

Rafe lachte leise und trank noch einen Schluck. Das prickelnde Bier tat an diesem schwülen Abend besonders gut. „Du meinst, die Charakterschwäche ist genetisch bedingt?“

„Rusty ist ein Halsabschneider. Sieh dir doch nur an, was er mit seinem Sohn Ross gemacht hat, als der nicht mehr nach seiner Pfeife getanzt hat.“

Rafe warf seinem Bruder einen spöttischen Blick zu. „Ich habe auch gegen Dad rebelliert. Meinst du, wir sind auch genetisch vorbelastet?“

„So einen Streit hattet du und Dad aber nicht.“

„Nein, und ich würde alles genau so wieder machen.“

„Selbst wenn du wüsstest, wie es ausgeht?“

„Es ist noch nicht zu Ende.“

„Vor allem dann nicht, wenn du dir Geld von mir leihst. Oder mich bei dir einsteigen lässt. Verkauf mir die Hälfte des RCW.“

Rafe musste lachen. „Du bist nicht der Richtige für die Gastro-Branche. Außerdem würde Dad platzen, wenn du dich mit mir zusammentust. Er findet es ja schon schlimm genug, dass du Pferde züchtest.“ Er schüttelte den Kopf. „Außerdem bist du Rancher, Matias, genau wie Lorenzo.“

„Du etwa nicht?“ Sein Bruder wirkte enttäuscht.