Zusammen wie Schwestern - Gayle Forman - E-Book

Zusammen wie Schwestern E-Book

Gayle Forman

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Beschreibung

Freundinnen fürs Leben Der allererste Roman der Bestsellerautorin von WENN ICH BLEIBE und NUR EIN TAG … UND EIN GANZES JAHR "Wo bringen die mich hin?" "Es ist nur zu deinem Besten, Brit", sagte mein Dad. Ich wurde in ein kleines muffiges Zimmer geschoben und die Tür hinter mir abgeschlossen. Ich wartete darauf, dass mein Dad begriff, dass er einen schrecklichen Fehler gemacht hatte und mich hier rausholte. Aber das tat er nicht. Die 16jährige Brit Hemphill weiß nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen kann. Überzeugt, dass sie anders nicht zu bändigen ist, hat ihr Vater sie nach Red Rock abgeschoben – einem Internat für angeblich schwer erziehbare Jugendliche, wo die Therapie aus Beschimpfung und Bestrafung besteht und jene Mädchen bevorzugt werden, die über die anderen schlecht reden. Aber dann trifft Brit auf V, Bebe, Martha und Cassie – vier Mädchen, die sie davon abhalten durchzudrehen. Und zusammen haben sie die Chance, der düsteren Realität von Red Rock standzuhalten und mutig ihren Weg zu gehen. Brit Hemphill hat niemanden mehr, dem sie vertrauen kann. Ihre freiheitsliebende Mutter ist verschwunden, und ihr Vater, früher Brits engster Verbündeter, hat wieder geheiratet und sie ins Red-Rock-Internat abgeschoben, eine Einrichtung für Problemkinder. Aber die Betreuer dort sind grausam. Und Brits Horror vor den sogenannten Therapiestunden und den erschöpfenden körperlichen Arbeiten ist nichts gegen die Angst vor ihren hinterhältigen Mitschülerinnen, die sich Vorteile erschleichen, indem sie andere denunzieren. Doch als V, Bebe, Martha und Cassie, die vier Mädchen, die Britt davor bewahren durchzudrehen, ihr helfen, sich rauszuschleichen, um Jed zu treffen, den Jungen, mit dem sie in einer Band gespielt hat und an den sie nicht aufhören kann zu denken, wächst langsam in ihr die Zuversicht. Es gibt doch Menschen, denen sie vertrauen kann. Menschen, die ihr helfen könnten, Red Rock schließen zu lassen.

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Leseprobe zu:

Gayle Forman

Zusammen wie Schwestern

Roman

Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer

FISCHER E-Books

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Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.

© S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

Inhalt

[Widmung][Prolog][Dank]Kapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23Kapitel 24Kapitel 25Kapitel 26Kapitel 27Kapitel 28Fünf Monate später …Anmerkungen der Autorin

Kapitel 1

Es sollte angeblich ein Ausflug zum Grand Canyon werden, zu dem ich gar keine Lust hatte. Mitten im Sommer war es in der Wüste etwa fünftausend Grad heiß – das und zwei Tage im Auto mit meinem Dad und dem Stiefmonster würde ich auf keinen Fall überleben. Das Stiefmonster nervt mich sowieso wegen allem und jedem. Alles stört sie an mir: mein Haar – dunkelrosa mit schwarzen Strähnen oder schwarz mit dunkelrosa Strähnen, je nach Perspektive. Meine Tattoos – ein keltisches Armband, eine Blumenranke um den Fußknöchel und ein Herz an einer Stelle, die das Stiefmonster niemals zu sehen bekommen wird. Und dieser schlechte Einfluss, den ich auf meinen Halbbruder Billy habe! Dabei ist er noch ein Baby, mein Gott, das meine Tattoos wahrscheinlich für Comics hält, falls es sie überhaupt bemerkt.

Außerdem war es das Labor-Day-Wochenende – die letzten freien, unbeschwerten Tage vor der elften Klasse. Es sollte der Kracher werden. Ich spiele Gitarre in einer Band namens Clod, und wir sollten beim Indian Summer Festival in Olympia auftreten, zusammen mit einer ganzen Menge wirklich echter Bands, solcher, die schon Plattenverträge haben. Es war der beste Auftritt, für den wir je gebucht worden waren, und eine Megasteigerung im Vergleich zu den Partys und Kneipen, wo wir sonst spielten. Aber das kapierte das Stiefmonster natürlich nicht. Sie hält Punk Rock für irgendein Teufelszeug und hat mir nach Billys Geburt verboten, weiter im Keller zu üben, damit ich seine zarte Seele nicht verderbe. Jetzt kann ich nur noch in Jeds Keller proben, was dem Stiefmonster auch nicht gefällt, weil Jed schon neunzehn ist und – Schnappatmung – mit einem Haufen von Leuten zusammenwohnt, unter denen aber nicht seine Eltern sind.

Also lehnte ich höflich ab. Na ja, vielleicht nicht ganz so höflich. Vielleicht sagte ich genau genommen: »Lieber würde ich Glas essen«, was nur bewirkte, dass das Stiefmonster sofort zu Dad rannte und der mich in seiner müden Art fragte, warum ich so frech sei. Ich erzählte ihm von dem Auftritt. Früher hatte er sich mal für Musik und solche Dinge interessiert, aber jetzt nahm er nur die Brille ab, rieb sich die Nasenwurzel und sagte, dass er nicht bereit sei zu diskutieren. Es sei ein Familienausflug. Aber so leicht gab ich nicht auf. Ich zog alle Register: Ich weinte, schwieg verstockt, warf mit Tellern um mich. Nichts nützte. Das Stiefmonster weigerte sich, mit mir zu reden, weshalb es zu einer Sache zwischen mir und Dad wurde. Und da ich ihn noch nie gut traurig sehen konnte, musste ich schließlich nachgeben.

Ich überbrachte die Nachricht meiner Band. Erik, unser kiffender Drummer, brummte nur: »Verdammte Scheiße, Mann«, aber Denise und Jed waren entsetzt. »Wir haben so hart dafür gearbeitet, du hast so hart dafür gearbeitet«, sagte Jed, und mit seiner Enttäuschung brach er mir das Herz. Er hatte recht. Vor drei Jahren hatte ich nicht mal den Unterschied zwischen einem C- und einem F-Akkord gekannt, und jetzt war ich für einen großen Auftritt gebucht worden. Aber Clod würde als Trio beim Indian Summer Festival spielen müssen. Ich war total fertig, weil ich nicht dabei sein konnte – wobei es andererseits irgendwie auch schön war, dass Jed so traurig darüber zu sein schien.

Ich hätte mir denken können, dass irgendetwas faul war, als am Freitagmorgen Dad allein die Scheißkarre packte, den ekelhaften braunen Minivan, den das Stiefmonster nach Billys Geburt unbedingt haben wollte. Sie und Billy waren nirgendwo zu sehen.

»Gott, sie ist immer zu spät. Du weißt, dass das eine Form von Dominanz ist?«

»Danke für die Psychoanalyse, Brit, aber deine Mom fährt nicht mit.«

»Sie ist nicht meine Mom, und was soll der Scheiß jetzt? Du hast gesagt, das sei ein Familienausflug, weshalb du mich gezwungen hast, mitzufahren und das Indian Summer Festival zu verpassen. Wenn die nicht mitkommen, fahre ich auch nicht.«

»Es ist ja ein Familienausflug«, behauptete mein Dad und schob mein Gepäck in den Kofferraum. »Aber zwei Tage Autofahrt sind zu viel für Billy. Sie fliegen, und wir treffen uns dort.«

Spätestens als wir uns Las Vegas näherten und Dad vorschlug, eine Pause zu machen, hätte ich checken müssen, dass hier etwas wirklich richtig faul war. Früher, als Mom noch da war, machten wir oft sowas. Sprangen spontan ins Auto und fuhren nach Las Vegas oder San Francisco. Ich weiß noch, wie wir mal in einer Nacht während einer Hitzewelle, als keiner schlafen konnte, unsere Schlafsäcke ins Auto schmissen und rauf in die Berge fuhren, wo ein perfekter kühler Wind wehte. Es war Ewigkeiten her, dass Dad etwas so Cooles gemacht hatte. Das Stiefmonster hatte ihn davon überzeugt, dass Spontaneität mit Verantwortungslosigkeit gleichzusetzen war.

An den künstlichen Kanälen vor dem Hotel Bellagio holte mir Dad etwas zum Mittagessen und lächelte sogar ein wenig, als ich mich über ein paar merkwürdig ausstaffierte Touristen lustig machte. Dann gingen wir in ein billiges Casino in der Innenstadt. Er meinte, es würde niemanden interessieren, dass ich erst sechzehn war, und gab mir zwanzig Dollar für die einarmigen Banditen. Unser kleiner Ausflug entwickelte sich gar nicht mal so übel. Doch als ich bemerkte, wie Dad mich beim Spielen ansah, fiel mir auf, dass er irgendwie leer wirkte, als hätte ihm jemand mit einem Staubsauger die Seele rausgesaugt oder so. Er freute sich nicht mal richtig, als ich fünfunddreißig Dollar gewann, und bestand darauf, das Geld einzustecken und für mich aufzubewahren. Noch ein rotes Warnsignal, das ich nicht bemerkte. Ich blöde, dämliche Kuh amüsierte mich einfach mit meinem Vater, der sich endlich wieder von einer Seite zeigte, die ich jahrelang vermisst hatte.

Als wir Las Vegas verließen, wurde er still und verschlossen, genau wie damals, nachdem das alles mit Mom passiert war. Ich sah, dass er das Lenkrad fest umklammerte, und die ganze Sache war echt schräg und verstörend. Ich war so damit beschäftigt rauszufinden, was mit ihm los war, dass mir gar nicht auffiel, dass wir nicht mehr in Richtung Grand Canyon fuhren, sondern nach Norden in Richtung Utah abgebogen waren. Alles, was ich erblickte, wenn ich aus dem Fenster schaute, waren rostrote Felsen, die für mich genug nach Grand Canyon aussahen. Als wir gegen Abend in eine kleine Stadt reinfuhren, dachte ich, wir würden noch einmal in einem Motel übernachten, und auf den ersten Blick sah die Red Rock Academy tatsächlich wie ein heruntergekommenes Motel aus: ein gedrungenes, T-förmiges, zweistöckiges, beige verputztes Gebäude. Nur, dass das Red Rock mit Stacheldraht umzäunt war und zwei absurd muskelbepackte Neandertaler auf dem Gelände patrouillierten.

»Was ist das, Dad?«, fragte ich, denn langsam dämmerte mir was.

»Nur ein Internat, das ich mir gern mal mit dir ansehen möchte.«

»Aber warum? Nächste Woche fängt doch bei uns zu Hause die Schule wieder an.«

»Unter anderem deswegen sind wir hier, Schatz. Weil du in der Schule zu Hause zuletzt nicht so gut zurechtgekommen bist.«

»Ach, Dad, die paar Vierer. Davon geht doch die Welt nicht unter.«

Dad rieb sich die Schläfen. »Die paar Vierer sind nicht das Schlimmste, Brit. Es geht um mehr. Ich hatte in letzter Zeit das Gefühl, dass du dich immer weiter von unserer Familie absonderst. Du bist nicht mehr du selbst, und ich möchte, dass dir geholfen wird, bevor …« Er sprach den Satz nicht zu Ende.

»Hey! Du meinst, ich soll hier hingehen? Wann denn?«

»Wir sehen es uns ja nur mal an«, wiederholte er.

Dad war schon immer ein mieser Lügner. Er wird rot und druckst rum. Und ich konnte ihm ansehen, dass kein Wort stimmte. Seine Hände zitterten. Ich bekam Gänsehaut. Irgendwas lief hier wirklich falsch.

»Was geht hier vor, Dad? Verdammt nochmal!«, schrie ich und stieß die Beifahrertür auf. Mein Herz schlug jetzt schnell und laut, dass es mir in den Ohren pochte. Die beiden Muskelfreaks standen plötzlich rechts und links von mir, drehten mir die Arme auf den Rücken und zerrten mich vom Auto weg.

»Dad! Daddy, was passiert hier? Was soll das?«

»Bitte, bitten tun Sie ihr nicht weh!«, flehte Dad die Schlägertypen förmlich an. An mich gewandt sagte er: »Es ist nur zu deinem Besten, Liebes.«

»Was machst du da, Dad?«, schrie ich. »Wo bringen die mich hin?«

»Es ist nur zu deinem Besten, Brit«, sagte er noch einmal, und ich merkte, dass er weinte, was mich noch mehr verängstigte.

Ich wurde in ein kleines, muffiges Zimmer geschoben und die Tür hinter mir abgeschlossen. Schluchzend wartete ich darauf, dass mein Dad begriff, dass er einen schrecklichen Fehler gemacht hatte, und mich hier rausholte. Aber das tat er nicht. Ich hörte, wie er mit irgendeiner Frau sprach. Ich hörte, wie unser Auto ansprang und das Motorgeräusch in der Ferne verschwand. Wieder fing ich an zu schluchzen, bis mein ganzes Gesicht voller Tränen, Rotze und Speichel war. Ich weinte, aber niemand kam zu mir. Ich weinte, bis ich nicht mehr konnte und einschlief.

Als ich erwachte, vielleicht eine Stunde später, hatte ich im ersten Moment vergessen, wo ich war. Als es mir voller Schreck wieder einfiel, begriff ich auf einmal, warum ich hier eingesperrt war. Das Stiefmonster. Sie hatte mir das angetan. Meine Angst und Traurigkeit waren nichts im Vergleich zu meiner Wut auf sie. Und dann kam noch etwas anderes hinzu. Das Gefühl tiefer Enttäuschung. Denn trotz allem hatte ich mich darauf gefreut, den Grand Canyon zu sehen.

[...]

Über Gayle Forman

Gayle Forman, geboren 1971, begann ihre journalistische Karriere beim ›Seventeen Magazine‹ und arbeitete dann für große Zeitschriften wie ›Cosmopolitan‹, ›Glamour‹ und ›Elle‹, bevor sie anfing, Romane zu schreiben. Inzwischen hat sie etliche Bestseller veröffentlicht. Sie lebt mit ihrer Familie in Brooklyn, New York.

 

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Über dieses Buch

Brit Hemphill hat niemanden mehr, dem sie vertrauen kann. Ihre freiheitsliebende Mutter ist verschwunden, und ihr Vater, früher Brits engster Verbündeter, hat wieder geheiratet und sie ins Red-Rock-Internat abgeschoben, eine Einrichtung für Problemkinder. Aber die Betreuer dort sind grausam. Und Brits Horror vor den sogenannten Therapiestunden und den erschöpfenden körperlichen Arbeiten ist nichts gegen die Angst vor ihren hinterhältigen Mitschülerinnen, die sich Vorteile erschleichen, indem sie andere denunzieren.

Doch als V, Bebe, Martha und Cassie, die vier Mädchen, die Britt davor bewahren durchzudrehen, ihr helfen, sich rauszuschleichen, um Jed zu treffen, den Jungen, mit dem sie in einer Band gespielt hat und an den sie nicht aufhören kann zu denken, wächst langsam in ihr die Zuversicht. Es gibt doch Menschen, denen sie vertrauen kann. Menschen, die ihr helfen könnten, Red Rock schließen zu lassen.

Impressum

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel ›Sisters in Sanity‹ im Verlag HarperCollins Children’s Books, einem Imprint von HarperCollins Publishers, New York, NY10007

© 2007 by Gayle Forman

 

Für die deutschsprachige Ausgabe:

© 2019 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

 

Covergestaltung: bürosüd, München

Coverabbildungen: Ngoc Trang/EyeEm/Getty Images

 

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ISBN 978-3-10-403640-3