Zwei Hunde feiern Weihnachten - Petra Schier - E-Book
Beschreibung

Weihnachten wird erst mit Hunden schön! Weihnachten steht vor der Tür – und die Sorgen werden größer. Tessa Lamberti kann ihren Sohn kaum mehr beruhigen: Er will einen Hund und einen richtigen Vater – am besten unterm Weihnachtsbaum. Julia hingegen ist das Alleinsein satt. Zu Weihnachten will sie nicht einsam sein. Sie gibt eine Anzeige auf, doch alle Schreiben, die sie erhält, sind an einen Mann gerichtet. Wer hat da seine Hände im Spiel? Zwei wunderschöne Weihnachtsromane in einem Band.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:317


Über Petra Schier

Petra Schier, Jahrgang 1978, wohnt mit ihrem Mann und einem Schäferhund in der Eifel. Sie hat bisher mehrere sehr erfolgreiche historische Romane veröffentlicht. Im Verlag Rütten & Loening erschien von ihr bisher »Ein Weihnachtshund auf Probe« sowie »Ein Weihnachtsengel auf vier Pfoten«. Als Aufbau Taschenbuch liegt vor: »Hundeweihnacht«.

Homepage der Autorin: www.petralit.de

Informationen zum Buch

Weihnachten wird erst mit Hunden schön!

Weihnachten steht vor der Tür – und die Sorgen werden größer. Tessa Lamberti kann ihren Sohn kaum mehr beruhigen: Er will einen Hund und einen richtigen Vater – am besten unterm Weihnachtsbaum. Julia hingegen ist das Alleinsein satt. Zu Weihnachten will sie nicht einsam sein. Sie gibt eine Anzeige auf, doch alle Schreiben, die sie erhält, sind an einen Mann gerichtet. Wer hat da seine Hände im Spiel? Zwei wunderschöne Weihnachtsromane in einem Band.

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Petra Schier

Zwei Hunde feiern Weihnachten

Zwei Romane in einem Band

Inhaltsübersicht

Über Petra Schier

Informationen zum Buch

Newsletter

Suche Weihnachtsmann – biete Hund

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

Vier Pfoten Unterm Weihnachtsbaum

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel – Nachspiel

Impressum

Suche Weihnachtsmann – biete Hund

Prolog

»Autsch! Verflixt noch eins.« Der weißbärtige Mann rieb sich den Hinterkopf, der soeben schmerzhafte Bekanntschaft mit der Schreibtischkante gemacht hatte. Umständlich stand er auf und klopfte sich ein paar Papierschnipsel von seinem Arbeitsoverall, die vom Verpackungsmaterial seines neuen Computers übriggeblieben waren. Den größten Teil des Abfalls hatte seine Frau bereits entsorgt, doch solange er hier noch herumwerkelte, wollte sie ihn nicht auch noch mit dem Staubsauger stören. »Jetzt müsste es doch eigentlich funktionieren«, murmelte er vor sich hin und schaltete das Gerät ein. Als er ein Geräusch an der Tür vernahm, hob er den Kopf und lächelte dann erfreut. »Ah, du bist es, Elf-Eins. Wie sieht es aus, sind die Verpackungsmaschinen repariert?«

»Aber ja, Santa, alles fertig.« Der kleine Kerl an der Tür nickte so heftig, dass seine spitze Mütze wackelte. »Ich wollte fragen, ob die Server-Verbindung zur Fabrik jetzt endlich steht. Du weißt, es ist schon November, und wir haben nicht mehr viel Zeit.«

»Ich bin gerade dabei, den neuen Computer einzurichten«, antwortete Santa Claus – auch als Weihnachtsmann bekannt – und rieb sich erneut den schmerzenden Kopf. »Eine ziemlich knifflige Angelegenheit. Vielleicht hätte ich doch Elf-Dreizehn bitten sollen, mir dabei zu helfen. Aber er ist schon so damit beschäftigt, die Inspektion an meinem Schlitten durchzuführen, dass ich ihm diese Arbeit nicht auch noch aufhalsen wollte.« Er lächelte breit. »Ich glaube, ich habe es trotzdem geschafft, Elf-Eins. Du kannst also drüben in der Geschenkfabrik Bescheid geben, dass sie die Maschinen einschalten sollen.«

Elf-Eins, der dienstälteste Elf und Oberaufsicht über die Geschenkfabrik des Weihnachtsmannes, lächelte erfreut zurück. »Alles klar, bin schon unterwegs!«

Santa Claus blickte dem quirligen Elf-Eins amüsiert hinterher, dann warf er einen Blick auf den Bildschirm und nickte zufrieden. »Na bitte, das Programm läuft«, brummelte er vor sich hin. Er richtete ein neues Passwort ein und probierte dann ein paar der neuen Funktionen aus, die Elf-Dreizehn speziell für ihn programmiert hatte. Alles funktionierte vorschriftsmäßig, und mit dem größeren Arbeitsspeicher in dem neuen Computer lief das Programm auch viel schneller.

Die Gegensprechanlage neben ihm knackte. »Santa?«, hörte er die Stimme von Elf-Sieben, seinem Geschenkmaschinen-Ingenieur. »Wir sind jetzt soweit, die Maschinen laufen.«

»Na, dann mal los«, antwortete Santa, fuhr mit dem Mauszeiger über den Bildschirm und klickte den Button an, mit dem die Serververbindung aufgebaut werden sollte.

Im nächsten Moment summte es laut, und das Licht fiel aus.

1. Kapitel

»So, das wäre erledigt.« Mit einem zufriedenen Grinsen klickte Christine auf den Senden-Button des Online-Formulars, dann stieß sie sich von der Tischkante ab und drehte sich mit dem Schreibtischstuhl, auf dem sie saß, einmal um sich selbst.

Ihre um anderthalb Jahre ältere Schwester Julia hingegen kauerte mit eher kläglicher Miene auf dem Küchenstuhl, den sie sich an den Schreibtisch herangezogen hatte. Sie konnte Christines Begeisterung nicht so recht teilen. »Glaubst du wirklich, diese Anzeige ist eine gute Idee?«

»Aber sicher doch!« Christine grinste noch immer, rollte jedoch ein Stück auf Julia zu und umfasste ihre Hände. »Mensch, wir haben das doch lang und breit besprochen. Du brauchst dringend einen Mann. Und damit du dir diesmal jemanden aussuchen kannst, der wirklich zu dir passt, versuchst du es eben mit dieser Partnerbörse. So richtig altmodisch mit Briefen, beigefügten Fotos und und und. Da kannst du dann ganz entspannt vom Küchentisch aus wählen, wer dir zusagt. Und glaub mir, die Art, wie ein Mann einen Brief schreibt, sagt eine ganze Menge über ihn aus. Wenn ich nur an Olivers Liebesbriefe denke …« Sie verdrehte schwärmerisch die Augen.

Nun musste auch Julia lächeln. »Das ist ja auch was anderes. Oliver ist ein ebenso guter Werbetexter wie du. Natürlich wusste er genau, mit welchen Worten er sich bei dir anpreisen musste.«

»Na und?« Christine kniff Julia leicht in den Oberarm. »Immerhin hat er mich auf diese Weise vor den Traualtar gebracht.« Sie drehte sich zum Bildschirm ihres Computers um und wies auf die Versandbestätigung des Online-Anzeigenformulars. »Und diese Anzeige wird dich ebenfalls mit deinem Traummann bekanntmachen. Das habe ich im Gefühl.«

Julias Miene verzog sich wieder skeptisch. »Ich weiß nicht. Mit solch einem Blödsinn?« Sie griff in das Ablagefach des Druckers und zog die Kopie des Anzeigentextes hervor, an dem Christine zuvor über eine Stunde gefeilt hatte. »Gesucht«, las sie vor. »Vorzeigbaren Weihnachtsmann – vorzeigbaren?« Sie schüttelte den Kopf.

Christine lachte. »Du willst doch keinen Quasimodo, oder?«

»… vorzeigbaren Weihnachtsmann zwischen fünfundzwanzig und vierzig, Nichtraucher, der meine Leidenschaft für fröhliche Familienfeste nicht nur teilt, sondern selbige mit seiner Anwesenheit auch dauerhaft bereichert. Wenn du bereit bist, zukünftig jedes Weihnachtsfest mit mir, 28/175cm/blond/schlank/selbständig, zu verbringen und auch die Zeit dazwischen mit Zweisamkeit zu füllen, so melde dich bitte mit Foto unter Chiffre …« Julia ließ den Ausdruck sinken. »Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen?«

»Auf gar keinen Fall«, widersprach Christine energisch. »Du suchst doch einen Mann fürs Leben und keinen windigen Schlawiner. Und das machen wir mit diesem Text ganz deutlich klar.«

»Aber einen Weihnachtsmann?«

»Mensch, Julia, in knapp acht Wochen ist Weihnachten. Und dass du Phantasie hast, wollen wir doch auch durchblicken lassen, oder nicht?« Christine zwinkerte vergnügt. »Nun komm schon, mach ein anderes Gesicht! Du wirst sehen, wenn die Anzeige am Montag erscheint, wirst du dich vor Zuschriften gar nicht retten können.«

Julia zuckte mit den Schultern. »Wie du meinst. Zumindest wird es eine interessante …« Sie zuckte zusammen, als plötzlich das Licht ausfiel und der Computerbildschirm schwarz wurde. »Was ist denn jetzt los?« Alarmiert sprang sie auf. Doch im nächsten Augenblick flammte die Lampe an der Zimmerdecke schon wieder auf, und der Drucker gab ein Piepsen und dann einen Summton von sich.

Christine betätigte rasch den Schalter am Computer und ließ ihn erneut hochfahren. »Nur ein kurzer Stromausfall«, meinte sie und wartete geduldig, bis das System wiederhergestellt war. »Ich hoffe, das war eine einmalige Sache. Ich muss nämlich gleich noch arbeiten.« Sie stieß Julia scherzhaft an. »Und du gehst jetzt nach Hause und schaust in deine Mailbox, ob die Zeitung dir schon die Chiffre-Nummer zugemailt hat!«

Julia nickte und trug ihren Stuhl zurück in die Küche. »Wir sehen uns«, rief sie ihrer Schwester aus dem Flur zu, doch diese schien bereits in ihre Arbeit vertieft zu sein, da sie statt einer Antwort nur etwas Unverständliches brummelte. Achselzuckend verließ Julia das Haus und ging die wenigen Schritte durch den Vorgarten des Neubaus hinüber zu ihrem eigenen Haus. Ein kalter Wind pfiff durch die Straßen der Kleinstadt und wirbelte Unmengen von Blättern des knorrigen Ahorns um die Mauern des frisch renovierten Altbaus, der bis vor zwei Jahren noch Julias und Christines Eltern gehört hatte. Diese hatten sich jedoch entschieden, in eine kleinere, jedoch nicht weniger gemütliche Eigentumswohnung im Zentrum zu ziehen. Da Christine und Oliver nach ihrer Heirat bereits den Bauantrag für ihr neues Eigenheim gestellt hatten, waren sie übereingekommen, Julia das Elternhaus zu überlassen. Sie teilte es sich mit ihrem Bruder Timo, der jedoch momentan auf einer Studienreise nach Südamerika war und sie auch sonst nur selten mit seiner Anwesenheit beehrte.

Julia ging um das Haus herum und betrat es durch die Hintertür. Sofort schossen Minka und Nelli, ihre beiden grau getigerten Katzen, auf sie zu und maunzten anklagend. Sie knipste das Licht an und warf den Computerausdruck ihrer Kontaktanzeige auf den Küchentisch. »Ist ja schon gut, Mädels«, sagte sie. »Ich wollte euch nicht im Dunklen sitzen lassen. Der Strom ist ausgefallen, und dabei ist offenbar die Glühbirne im Flur kaputtgegangen.« Sie schraubte die Birne, die den Protest ihrer Katzen ausgelöst hatte, aus der Fassung und warf sie in den Müll. »Ich muss morgen eine neue mitbringen«, erklärte sie ihren beiden Mitbewohnern. »Aber jetzt schaue ich erst mal, ob die E-Mail mit der Chiffre-Nummer schon da ist. Wie ich Christine kenne, ruft sie garantiert nachher an und fragt danach.«

»Bist du sicher, dass die Anzeige angekommen ist?« Stirnrunzelnd blickte Daniel auf den Bildschirm seines Computers, auf dem sich nach dem Neustart das System wiederherstellte. Der kurze Stromausfall hatte die Verbindung unterbrochen, just, nachdem er auf »Senden« geklickt hatte.

Sein Freund Peter schob ihn zur Seite und übernahm die Maus. »Das werden wir gleich sehen. Wenn das Formular korrekt übermittelt wurde, müsstest du jetzt eine E-Mail mit der Chiffre-Nummer in deiner Mailbox haben.« Er öffnete das E-Mail-Programm und lud die neuesten Mails herunter. »Bitte sehr, da ist sie.« Nach einem Doppelklick füllte nun die automatisch erstellte Antwort des Zeitungsverlags den Bildschirm. Peter druckte die Seite aus und hielt sie Daniel triumphierend unter die Nase. »Wenn du damit keine vernünftige Frau findest, sind Hopfen und Malz verloren.«

Kopfschüttelnd nahm Daniel ihm das Blatt aus der Hand. »Du vergisst, dass ich im Grunde gar keine Frau suche. Es war deine Idee, diesen Schwachsinn in die Zeitung zu setzen.«

»Kein Schwachsinn«, widersprach Peter. »Sondern eine absolut nötige Maßnahme, um dich aus deinem Jammertal zu befreien. Tina und du, ihr seid jetzt seit fast einem Jahr geschieden. Sie ist weg, jettet mit diesem – wie hieß er noch mal? – um die Welt, während du dich hier einigelst und an Einsamkeit eingehst. Auch Carmen hat gesagt, dass sie das nicht mehr länger mit ansehen kann. Und deshalb wirst du die Antworten auf die Anzeige hübsch alle lesen und dir ein nettes Mädel heraussuchen. Basta.«

»Basta?« Daniel tippte sich leicht an die Stirn. »Als ob auf diesen Quatsch hier auch nur eine Frau antworten würde, die noch ihren Verstand beisammenhat.« Er hob leicht die Stimme. »Biete Hund samt Herrchen für gemeinsamen Lebensweg«, las er vor. Er sah Peter strafend an. »Ich besitze überhaupt keinen Hund.«

»Noch nicht, mein Freund, noch nicht«, antwortete dieser jedoch nur grinsend.

Daniel stieß ihm den Ellenbogen in die Seite und fuhr fort: »Wenn du bereit bist, mit mir, 33/188cm/sportlich/familientauglich/vorzeigbar …« Er hielt inne. »Vorzeigbar? Ich dachte, das hätten wir gestrichen!«

»Warum, du bist doch vorzeigbar.« Peter hob beschwichtigend die Hände. »Damit sagst du doch nur, dass du nicht aussiehst wie Quasimodo.«

»Ha ha.« Daniel blickte wieder auf den Ausdruck. »… bereit bist, mit mir die Wanderung durch die Berge und Täler des Lebens gemeinsam anzutreten, keine Scheu vor einer großen, herzlichen Familie hast …« Wieder hielt er inne. »Chaotische Mischpoke hättest du schreiben müssen.« Er las weiter: »… und außerdem Tiere liebst, Nichtraucherin und im Alter zwischen 25 und 35 bist, könntest du genau die Richtige für mich sein. Antworte bitte mit Foto unter Chiffre …« Daniel ließ das Blatt auf den Tisch segeln. »Du kannst es drehen und wenden, wie du willst, das ist der größte Humbug, den du je von dir gegeben hast.«

Peter schüttelte den Kopf. »O nein, Kumpel. Das ist es ganz und gar nicht. Die Sache mit dem gemeinsamen Wandern durchs Leben ist romantisch.«

»Kitschig.«

»Romantisch«, beharrte Peter. »Und das mögen Frauen. Und die Sache mit dem Hund habe ich dir doch erklärt: Frauen, die Tiere, insbesondere Hunde, lieben, sind beständig, verantwortungsbewusst und kompromissbereit. Das weiß ich aus Erfahrung.«

Daniel musste wider Willen lachen. »Ja, deshalb hat dir deine Carmen auch schon mehrfach die Einstreu aus dem Meerschweinchenstall deines Sohnes hinterhergeworfen. Soviel zum Thema Kompromissbereitschaft.«

Peter zuckte zusammen. »Touché. Verantwortungsvoll und treu ist sie aber. Und sie liebt mich, das dürfte doch wohl reichen. Und genauso ein Exemplar werden wir nun auch für dich finden.«

Daniel verzog gespielt beleidigt die Mundwinkel. »Ich will aber keine Frau, die dich liebt.«

Peter lachte und stieß ihn heftig in die Seite. »Warte, bis die Anzeige am Montag erscheint. Dann wirst du dich vor lauter tollen Frauen nicht mehr retten können.«

2. Kapitel

»Und, hast du schon Zuschriften erhalten?«, fragte Christine aufgeregt und so laut, dass Julia das Handy ein Stück von ihrem Ohr weghielt.

»Ich bin gerade auf dem Weg zum Briefkasten«, antwortete sie. »Aber es ist erst Mittwoch. Ich glaube kaum, dass das so schnell geht.« Umständlich öffnete sie den Kasten mit einer Hand und zog mit einigem Erstaunen einen dicken Umschlag des Zeitungsverlags hervor. »Ich revidiere«, sagte sie ins Handy. »Da scheint ein ganzer Packen Briefe gekommen zu sein.«

»Was steht drin? Mach sie auf!«, schallte es aus dem Mobiltelefon und dann: »Mist, ich habe keine Zeit mehr, die Mittagspause ist um. Ruf mich sofort heute Abend an, ja? Nein, besser, ich komme nach der Arbeit zu dir rüber.«

»Aber …« Julia blickte stirnrunzelnd ihr Handy an. Christine hatte bereits aufgelegt. »Typisch«, murmelte sie, klemmte sich den Umschlag und die üblichen Werbeprospekte unter den Arm und ging zurück ins Haus. Während Christine nun wieder an ihre Arbeit ging, war Julias Pensum für heute bereits geschafft. Sie genoss es, sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen zu können, seit sie sich vor einem knappen Jahr als Steuerberaterin selbständig gemacht hatte. Heute hatte sie bereits um fünf Uhr morgens mit der Arbeit begonnen und war nun bis zum Mittag bereits so weit gekommen, dass sie nur noch die Telefonbereitschaft für Anfragen ihrer Kunden halten musste.

Sie brachte ihre Post in die Küche, goss sich ein Glas Saft ein und riss den großen Umschlag dann neugierig auf.

Stirnrunzelnd betrachtete Daniel den Brief, den er wahllos aus den Zuschriften herausgezogen hatte. »Lieber Weihnachtsengel«, las er und stellte die Kaffeetasse, an der er gerade genippt hatte, auf seinen Schreibtisch. »Normalerweise antworte ich nicht auf Kontaktanzeigen, doch die deine hat mich sogleich angesprochen, weshalb ich diesmal eine Ausnahme machen möchte. Du scheinst Phantasie zu haben und, ebenso wie ich, großen Wert auf Zweisamkeit zu legen. Auch spielen für mich die Begriffe Beständigkeit und Treue …« Er überflog die weiteren Zeilen nur, dann blieb sein Blick an der Unterschrift hängen: »In Hoffnung auf ein baldiges Kennenlernen grüßt Dich Dein Weihnachtsmann Gregor.« Im Umschlag steckte außerdem das Foto eines durchaus gutaussehenden schwarzhaarigen Mannes, der einen eleganten Anzug trug.

Daniel schüttelte irritiert den Kopf. »Na, so war das aber nicht gemeint«, brummte er und legte den Brief zur Seite. »Was hast du mir da bloß eingebrockt, Peter!« Er griff nach dem nächsten Schreiben. »Liebe unbekannte Weihnachtsfrau«, stand darin geschrieben, und er stockte, las dann aber weiter: »Deiner Anzeige entnehme ich, dass Du die Zweisamkeit suchst. Auch ich bin sehr daran interessiert und hoffe, Dir selbige nicht nur zu Weihnachten, sondern auch im übrigen Jahr bieten zu können. Da ich (noch) verheiratet bin, würde ich vorschlagen, unser erstes Treffen in einem Hotel …« Daniel schüttelte sich und warf einen Blick auf die Unterschrift. »In freudiger Erwartung – Nino Weihnachtsmann«, lautete sie.

»Da stimmt doch was nicht.« Ein Blick in die anderen Briefe bestätigte Daniel, dass er ganz offensichtlich nur Zuschriften an eine Frau erhalten hatte. Eine Frau, die einen Weihnachtsmann suchte? »Moment mal!« Daniel sprang auf und suchte aus dem Stapel Zeitungen im Altpapierkarton diejenige heraus, in der vor zwei Tagen auch seine Kontaktanzeige abgedruckt gewesen war. Er überflog die entsprechende Seite, bis sein Blick an einer ungewöhnlichen Formulierung hängenblieb. »Gesucht: Vorzeigbarer Weihnachtsmann zwischen fünfundzwanzig und vierzig, Nichtraucher, der meine Leidenschaft für fröhliche Familienfeste nicht nur teilt, sondern selbige …« Langsam ließ er die Zeitung sinken. »Das muss sie sein«, murmelte er. »Da hat anscheinend eine Verwechslung stattgefunden.« Er warf einen Blick auf seine Uhr. Bis zu seinem nächsten Termin waren es noch anderthalb Stunden, und er beschloss, nicht bei der Zeitung anzurufen, sondern gleich dort vorbeizufahren, denn das Verlagshaus lag auf dem Weg zu seinem Kunden. Und auf dem Rückweg würde er dann beim Tierheim vorbeifahren. Peter hatte so lange auf ihn eingeredet, bis er einverstanden gewesen war, sich tatsächlich einen Hund anzuschaffen, um bei den Treffen mit seinen Anzeigenkandidatinnen das erwähnte Haustier vorweisen zu können. Daniel hatte nicht wirklich etwas dagegen; als Junge hatte er einen Hund besessen und trug sich schon länger mit dem Gedanken, sich wieder einen vierbeinigen Hausgenossen anzuschaffen. Auch waren Hunde treu und logen nicht – zwei Eigenschaften, die er nach dem Desaster mit seiner Exfrau sehr zu schätzen wusste.

Entschlossen packte Daniel die Zeitung und die Zuschriften zusammen in eine Plastikmappe, warf sich seinen Parka über und machte sich auf den Weg.

3. Kapitel

»Du liebe Zeit, was für ein Durcheinander«, schimpfte Elf-Dreizehn und hackte auf der Tastatur herum.

Santa Claus stand mit zerknirschter Miene daneben. »Du hast doch gesagt, man könne das Programm einfach auf den neuen Computer übernehmen. Nichts anderes habe ich gemacht.«

»Ja, ja, ich weiß.« Elf-Dreizehn blickte kurz vom Bildschirm auf. »Ich hätte daran denken müssen, die Software vorher für das neue System zu konfigurieren.« Er drückte die Enter-Taste. »Jetzt ist alles wieder in Ordnung.«

»Na hoffentlich«, sagte eine weibliche Stimme in strengem Tonfall hinter ihnen. »Von dem Stromausfall war fast die gesamte nördliche Erdhalbkugel betroffen. Wir können froh sein, dass die Sache nur ein paar Sekunden gedauert hat. Stellt euch vor, was sonst alles hätte passieren können.«

Santa Claus drehte sich zu seiner Frau um und nickte verlegen. »Ich weiß, ich weiß. Aber anscheinend hatte der Ausfall keine Auswirkungen. Jedenfalls hat keine der Nachrichten-Elfen etwas von Störungen oder Unfällen berichtet.«

»Nun ja, bis auf dieses kleine Missgeschick in diesem Zeitungsverlag, nicht wahr?«, wandte Elf-Dreizehn ein. Er rückte seine spitze Mütze zurecht, stand auf und trat an die hintere Wand des Weihnachtsmann-Büros, an der unzählige Bildschirme angebracht waren, und deutete auf einen davon. »Dieser Computer-Crash hat zwei Menschen ganz beträchtliche Unannehmlichkeiten bereitet.«

»Du hast recht, Elf-Dreizehn«, stimmte Santas Frau zu. Sie stieß ihren Mann den Ellenbogen in die Rippen und wies dann ebenfalls auf den Bildschirm. »Schau nur, was du da angerichtet hast! Ich finde, das solltest du wieder ins Lot bringen.«

4. Kapitel

»Was soll das heißen, Sie können nichts tun?«, fragte Julia die Anzeigenassistentin aufgebracht. »Ich habe hier einen ganzen Stapel Briefe, die ganz offensichtlich nicht an mich gerichtet sind. Und derjenige, dem sie gehören, hat nun bestimmt meine Zuschriften und ärgert sich genauso wie ich. Deshalb bitte ich doch nur darum, mir die Adresse …«

»Das geht leider nicht«, unterbrach die junge Frau sie ruhig, aber bestimmt. »Aus Gründen des Datenschutzes können wir Ihnen die Adresse des betreffenden Herrn nicht nennen. Ganz abgesehen davon, dass wir noch gar nicht wissen, um wen es sich handelt. Es gab vergangenen Freitag leider einen kleinen Stromausfall und deswegen einen Zwischenfall mit unserem Server, so dass noch nicht feststeht, ob Sie und dieser andere Kunde die einzigen Betroffenen sind. Ich bitte Sie daher noch um etwas Geduld und vielleicht noch darum, etwaige weitere Zuschriften aufzuheben, um sie dann dem Besitzer zu übergeben, sobald wir ihn gefunden haben.«

»Aber das kann doch nicht so schwer sein.« Julia legte den Ausdruck ihrer Bestätigungs-E-Mail auf den Schreibtisch der Assistentin. »Hier sehen Sie doch meine Chiffre-Nummer. Sie müssen doch nur nachsehen, mit welcher Anzeige sie vertauscht wurde.«

»Je nun, wenn das so einfach wäre«, seufzte die Assistentin. »Aber leider sind unsere Datenbanken beschädigt, und es wird ein paar Tage dauern, bis wir wieder Zugriff darauf haben. Deshalb können wir auch leider den automatischen Versand der Zuschriften nicht stoppen. Es tut mir sehr leid, Frau Sasse. Ich kann Ihnen nur anbieten, Ihnen als kleine Wiedergutmachung einen Gutschein über eine weitere Kontaktanzeige auszustellen.«

»Nein, danke, kein Bedarf«, wehrte Julia rasch ab. Da sie einsah, dass sie heute hier nichts ausrichten konnte, zuckte sie mit den Schultern. »Wann kann ich damit rechnen, dass Sie Ihr Computerchaos in den Griff bekommen haben?«

Die junge Frau hinter dem Schreibtisch lächelte unbeirrt weiter. »Am Freitag, spätestens kommenden Montag. Ich werde Ihnen umgehend Bescheid geben, Frau Sasse.«

»Also gut, dann …« Julia wandte sich zum Gehen und sah sich einem hochgewachsenen dunkelhaarigen Mann in einem grauen Parka gegenüber, der eine gelbe Plastikmappe unter dem Arm trug.

»Hoppla.« Er lächelte und machte ihr Platz.

Sie nickte ihm kurz zu und ging weiter, blieb jedoch stehen, als sie mitbekam, was der Mann zu der Assistentin sagte.

»Entschuldigung?« Sie kehrte um und musterte ihn neugierig. Er sah gut aus und machte überdies einen sympathischen Eindruck. Gab solch ein Mann tatsächlich Kontaktanzeigen auf? Rasch schob sie den Gedanken beiseite, denn das ging sie ja im Grunde gar nichts an. Sie deutete auf die Zeitung, die er aus der Mappe hervorgezogen hatte. »Habe ich das eben richtig gehört – Sie haben falsche Zuschriften auf Ihre Kontaktanzeige erhalten?«

Daniel sah die schlanke und äußerst hübsche Frau überrascht an. Ihr Gesicht wurde von schulterlangem weizenblondem Haar umrahmt, und eine modische randlose Brille betonte ihre großen graublauen Augen. Als ihm bewusst wurde, dass er sie anstarrte, besann er sich rasch auf ihre Frage. »Da haben Sie richtig gehört. Gehören Sie zum Verlag?«

Julia schüttelte den Kopf. »Nein, aber mir ist genau das Gleiche passiert.« Sie hob den Umschlag mit den Briefen, die die Anzeigenassistentin nicht hatte annehmen wollen. »Ich dachte, dass Sie möglicherweise meine Zuschriften haben und ich die Ihren.«

»Das ließe sich nun ja ganz leicht herausfinden«, mischte sich die Assistentin ein. »Lassen Sie mich doch die Chiffre-Nummern auf den Zuschriften mit denen in Ihren Bestätigungs-E-Mails vergleichen, dann sind wir sofort klüger.« Eifrig nahm die junge Frau die Briefe und Schriftstücke entgegen und verglich sie gewissenhaft. »Tatsächlich«, sagte sie schließlich mit einem strahlenden Lächeln. »Sie haben Glück – die Verwechslung scheint tatsächlich Sie beide zu betreffen. Sie brauchen also nur Ihre Zuschriften auszutauschen, und alles ist wieder im Lot.« Zuvorkommend reichte sie Julia nun die gelbe Mappe und dem dunkelhaarigen Mann den braunen Umschlag.

»Na, das ging ja einfach.« Er grinste. »Ich bedanke mich.«

Auch Julia nickte erfreut und ging neben ihm her in Richtung Ausgang.

Als sie auf der Straße standen, sah er sie neugierig von der Seite an. »Und Sie suchen also einen Weihnachtsmann?«

»Wie bitte?« Irritiert hob sie die Augenbrauen.

Er lachte. »Verzeihen Sie, aber ich habe natürlich Ihre Zuschriften geöffnet und gelesen. Eine phantasievolle Anzeige haben Sie da geschaltet.«

Julia verzog verlegen die Mundwinkel. »Ich weiß. Das war die Idee meiner Schwester. Sie ist Werbetexterin«, setzte sie mit vielsagendem Blick hinzu.

»Nun, sie hat Ihnen jedenfalls ganze neun Zuschriften beschert.« Er zwinkerte jungenhaft. »Das spricht jedenfalls für das Talent Ihrer Schwester, nicht wahr?«

»Na ja, Sie haben aber auch zehn Briefe erhalten«, erwiderte Julia amüsiert. »Die ich natürlich auch geöffnet habe. Sie besitzen also einen Hund und wandern gerne durchs Leben?«

»Äh … ja.« Er nickte zaghaft. »Auch nicht auf meinem Mist gewachsen, wie ich zugeben muss. Bei mir war es ein guter Freund, der sich die Zeilen ausgedacht hat.«

»Tja, dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit den Damen, die Ihnen geschrieben haben«, meinte Julia und wollte sich schon verabschieden. Doch da fiel ihr noch etwas ein. »Von Katja, die den Kuschelkater sucht, und Sonja mit der Vorliebe für wildes Herumtollen auf der Wiese würde ich Ihnen allerdings abraten. Die beiden scheinen nicht gerade mit großem Verstand gesegnet zu sein. Aber der Brief von Anette klang recht nett.«

Überrascht sah er sie an. »Danke, das werde ich berücksichtigen.« Er legte den Kopf auf die Seite. »Dann halten Sie sich aber bitte von dem verheirateten Nino mit der Vorliebe für Hotels fern und besser auch von Piet, der behauptet, er sei fünfundzwanzig, der aber auf dem Foto, das er beigelegt hat, eher den Eindruck macht, gerade mal eben erst volljährig geworden zu sein. Ich würde an Ihrer Stelle zu Gregor tendieren, der hat, wie ich finde, den annehmbarsten Brief geschrieben. Außerdem scheint er gut betucht zu sein, wenn man nach dem Anzug auf seinem Foto geht.«

»Ach?« Julia schmunzelte. »Na gut, wie Sie meinen. Obwohl ich es nicht auf einen reichen Mann abgesehen habe. Ich verdiene selbst genug Geld, um mich über Wasser zu halten. Und mehr verlange ich auch von einem potentiellen Kandidaten nicht.«

»Also gut, dann …« Er zögerte. »Sollten wir nicht unsere Adressen austauschen? Ich meine, falls wir noch weitere Zuschriften erhalten?«

5. Kapitel

»Santa, wir brauchen dich in der Plüschtierabteilung«, sagte Elf-Eins, nachdem er an die Tür des Büros geklopft und seinen Kopf zur Tür hereingesteckt hatte. Überrascht trat er ein, als er den Weihnachtsmann vor einem der Videobildschirme sitzen und gebannt darauf schauen sah. »Was machst du da?«

Santa Claus wandte sich nur ganz kurz um und blickte dann wieder auf den Bildschirm. »Ich beobachte«, antwortete er. »Nach diesem Missgeschick mit dem Stromausfall muss ich doch sehen, ob mein Plan zur Wiedergutmachung funktioniert.« Grinsend tippte er auf das Bild. »Guter Hund«, murmelte er. »Ich glaube, du kriegst das hin.«

»Santa?«, sprach Elf-Eins ihn erneut und etwas ungeduldig an. »Die Plüschtiere …«

»Ja, ja, ich komme schon.« Der Weihnachtsmann winkte ab. »Ich will nur noch schnell schauen … Ja, sehr gut, es läuft alles nach Plan.«

6. Kapitel

Missmutig ging Daniel neben Nick, dem dreijährigen grauschwarzen Schäferhundmischling her, den er zwei Tage zuvor aus dem Tierheim geholt hatte. »Musstest du Kassandra unbedingt anspringen und ihr die Strumpfhose zerreißen?«, grollte er den Vierbeiner an, der ihm daraufhin jedoch nur einen treuen Hundeblick schenkte. »Und Frauen mögen auch keine Schlammpfotenabdrücke auf ihrer Bluse«, schimpfte Daniel weiter. Vor der Tür zu dem Mehrfamilienhaus, in dem seine Wohnung lag, blieb er stehen. Nick setzte sich brav neben ihn und sah aufmerksam zu ihm auf.

Daniel seufzte. »Schon gut, du konntest ja nicht wissen, dass sie gleich hysterisch wird.« Er hielt kurz inne. »Ich allerdings auch nicht. Immerhin war es ja ihre Idee, uns bei einem Waldspaziergang kennenzulernen. Und das bei dem Wetter.« Er blickte zum Himmel hinauf, der von dichten Regenwolken verhangen war, aus denen es schon seit Stunden leicht nieselte.

Nick schnaubte zustimmend und hob eine Pfote. Daniel musste lachen. »Na, dann lass uns mal reingehen.« Rasch holte er noch die Post aus dem Briefkasten und scheuchte Nick dann hinauf in die Wohnung. Dort angekommen, sah er die Briefe und Werbesendungen durch und legte den Umschlag vom Zeitungsverlag auf den Couchtisch neben dem Telefon.

Suchend sah sich Julia in dem kleinen Café um und entdeckte Daniel Rosenbaum schließlich ganz hinten in einer Nische. Sie musste schmunzeln, als sie beobachtete, dass er mit sichtlicher Mühe seine langen Beine unter dem kleinen Tisch zu verstauen versuchte. Entschlossen trat sie auf ihn zu. »Guten Tag. Hätten wir uns nicht vielleicht besser in einem etwas geräumigeren Lokal treffen sollen?«

Daniel lächelte heiter. »Ach was, das ist doch ein ausgesprochen lauschiges Plätzchen hier.« Er wies einladend auf den Stuhl ihm gegenüber.

Als Julia sich setzte, stießen sie zwar mit ihren Knien aneinander, doch sie musste zugeben, dass das Café ansonsten wirklich hübsch eingerichtet war. Sogar kleine Zweige mit Weihnachtskugeln zierten bereits die Tische. Eine Kellnerin nahm ihre Bestellungen auf, und nachdem sie wieder gegangen war, schob Daniel Julia einen großen Umschlag zu. »Ihr Aufruf nach einem Weihnachtsmann scheint auf großes Interesse zu stoßen. Wieder neun Zuschriften.«

Überrascht warf sie einen Blick auf die Briefe, dann reichte sie ihm ebenfalls einen Umschlag. »Bei Ihnen sind es zwar nur fünf, aber ich nehme an, das reicht trotzdem, um Ihre Wanderungen einstweilen mit Gesellschaft zu versorgen.« Sie lächelte. »Übrigens hatten Sie recht mit Nino und Piet. Nachdem ich die beiden Briefe gelesen hatte, habe ich sie gleich aussortiert. Aber mit diesem Gregor werde ich mich übermorgen treffen.«

»Eine gute Wahl.« Daniel nickte der Kellnerin zu, die ihnen den Kaffee servierte. »Und was ist mit den anderen Kandidaten?«

Julia verzog leicht die Mundwinkel. »Das müssten Sie doch selbst wissen. Drei waren ganz offensichtlich nur auf ein schnelles Abenteuer aus und sind sogleich in den Papierkorb gewandert.«

»Wie grausam!« Er grinste.

»Die anderen habe ich noch nicht erreicht.« Sie rührte Milch in ihren Kaffee und gab auch ein wenig Zucker hinzu. »Und bei Ihnen?« Sie hob rasch die Hand, bevor er antworten konnte. »Lassen Sie mich raten: Die Kuschelige und die Wiesenfrau haben Sie aussortiert.«

»Das hatten Sie mir geraten.«

»Aber Anette, Kassandra und …« Sie überlegte, »Rafaela werden Sie in Betracht ziehen.«

Verblüfft sah er sie an. »Sie sind gut. Kassandra können Sie aber gleich wieder von der Liste streichen. Nick hat sie verjagt.«

»Nick?«

»Mein Hund«, erklärte er. »Er hat sich ihr gegenüber … na ja … danebenbenommen. Das hat ihrer Garderobe Schaden zugefügt – und unserer Bekanntschaft ebenfalls.«

Julia lachte. »Dann ist Nick wohl schlecht erzogen.«

Daniel schüttelte den Kopf. »Nein, ganz und gar nicht. Aber ich besitze ihn erst seit drei Tagen, und deshalb konnte ich noch nicht gut einschätzen, wie er auf Fremde reagiert.«

»Erst seit drei Tagen?« Julia blickte ihn erstaunt an. »Ich dachte …« Sie runzelte die Stirn ein wenig empört. »Dann sind Sie ja ein Betrüger!«

»Aber nein«, widersprach er. »Peter – mein Freund, Sie erinnern sich – hatte die Idee mit dem Hund. Nun ja, und um nicht ohne dazustehen, habe ich Nick aus dem Tierheim adoptiert.«

»Wie großherzig.« Julias Miene blieb skeptisch. »Und zum Dank hat er Ihnen gleich die erste Kandidatin vergrault?«

Daniel hob die Schultern. »Nicht weiter schlimm. Sie war mir sowieso ein wenig zu anstrengend.«

»Anstrengend?«

Wieder hob er nur die Schultern, woraufhin sie doch wieder lächelte. »Macht ja nichts. Sie haben ja noch weitere Zuschriften erhalten.« Bedeutungsvoll wies sie auf den Umschlag.

»Wie wahr.« Er nickte. »Das bringt mich übrigens auf eine Idee. Sie scheinen eine recht gute Menschenkenntnis zu besitzen. Vielleicht möchten Sie mir helfen, die Zuschriften durchzusehen?«

»Ich?«

»Ja, nun, im Gegenzug könnte ich mir Ihre Kandidaten ansehen, quasi aus dem männlichen Blickwinkel.«

Nachdenklich legte sie den Kopf auf die Seite. »Wissen Sie was, die Idee ist gar nicht so schlecht. Das könnte sogar sinnvoller sein, als die Zuschriften mit meiner Schwester zusammen durchzugehen. Sie ist nämlich dermaßen davon besessen, mich unter die Haube zu bringen, dass Ihr die Feinheiten in den Briefen bestimmt entgehen. Außerdem ist sie hoffnungslos romantisch. Sie hätte vermutlich sogar Ninos Einladung zu einem Stelldichein im Hotel für den Beginn eines modernen Märchens gehalten.«

Daniel gluckste amüsiert. »Keine gute Beraterin also?«

»Nicht wirklich.«

»Dann stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.« Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. »Leider bleibt mir nicht mehr viel Zeit. Ich habe gleich noch einen Termin mit einem Kunden. Was halten Sie davon, wenn wir uns später irgendwo treffen und die Briefe in Ruhe ansehen?«

Julia nickte. »Warum nicht?« Sie trank ihren Kaffee aus. »Allerdings geht es morgen nicht, weil ich mich nach der Arbeit erst noch nach einem Elektriker umsehen muss. Seit dem kurzen Stromausfall am vergangenen Freitag stimmt etwas nicht mit meinem Sicherungskasten. Und abends muss ich meiner Schwester helfen, einen Adventskalender zu basteln.«

»Einen Adventskalender? Jetzt schon?«

Julia lachte. »O ja, für den Kindergarten. Das wird so ein Riesending für zweiundzwanzig Kinder.«

»Oha.« Auch Daniel lachte. »Aber das mit dem Elektriker können Sie vergessen. Darum kann ich mich auch kümmern.« Er zog eine Visitenkarte aus der Jackentasche und reichte sie ihr.

Überrascht blickte sie darauf. »Oh, Sie sind Elektronikermeister? Wie praktisch.«

»Wenn Sie mir sagen, wann es Ihnen recht ist, komme ich morgen im Laufe des Nachmittags bei Ihnen vorbei.«

»Du triffst dich heute mit diesem Typ?« Christine starrte Julia entsetzt an.

»Doch nur, weil er wegen dieses Computerfehlers meine Zuschriften bekommt und ich seine«, beruhigte Julia sie. »Wir tauschen sie aus und …«

»Wie kannst du nur! Ein Mann, der eine Kontaktanzeige aufgegeben hat!«

Verständnislos sah Julia ihre Schwester an. »Worin besteht denn der Unterschied, ob ein Mann auf eine Kontaktanzeige antwortet oder selbst eine aufgibt?«

»Hach, Schwesterherz!« Theatralisch hob Christine beide Hände in die Höhe. »Das ist doch ganz klar. Wenn er schon so verzweifelt ist, dass er selbst eine Anzeige aufgeben muss, kann es sich nur um einen Verlierer handeln. Oder um einen Gigolo.« Sie hielt inne. »Oder er ist hässlich wie die Nacht.« Sie schüttelte sich.

Julia biss sich auf die Unterlippe, um ein Lachen zu unterdrücken. »Chrissi, du spinnst. Und ich kann dir versichern …«

»O nein, kein Wort mehr«, wehrte Christine entschieden ab. »Vielleicht war das alles doch keine so gute Idee, wenn du dich so leichtgläubig mit einem …« Sie horchte auf, als sie ein Auto in die Auffahrt einbiegen hörte. »Ist er das?«

»Warte doch mal«, rief Julia ihr hinterher, doch ihre Schwester war bereits auf dem Weg zur Tür.

»Den schaue ich mir jetzt an. Und du wirst sehen, dass ich recht habe … Oh.« Christine blieb, nachdem sie die Haustür aufgerissen hatte, wie angewurzelt auf der Schwelle stehen. »Hallo. Ich … äh … ich bin Christine. Und Sie sind … ähm, der Mann mit der Kontaktanzeige?«

Daniel musterte die junge Frau an der Tür überrascht. Sie war eine Handbreit kleiner als Julia und besaß eine etwas weiblichere Figur, dennoch war die Ähnlichkeit zwischen den beiden enorm, so dass es sich wohl nur um jene Schwester – die Werbetexterin mit dem Faible für Weihnachtsmänner – handeln konnte.

»Der bin ich«, antwortete er und lächelte sie an. »Daniel Rosenbaum; freut mich, Sie kennenzulernen.«

Sie starrte ihn noch immer reichlich verblüfft an, was ihn zum Lachen reizte. »Sie … Sie sind Handwerker?«, fragte sie schließlich und ließ ihren Blick neugierig über seinen Körper wandern, der in einer dunkelblauen Arbeitsmontur steckte, dann sah sie hinüber zu seinem ebenfalls dunkelblauen Lieferwagen, auf dem in großen Lettern die Worte Rosenbaum und Söhne– Elektrotechnik, Kommunikations- und Sicherheitstechnik, Energie- und Gebäudetechnik prangten.

Daniel nickte. »Damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt.«

Christine trat zögernd zur Seite, als nun auch Julia an die Tür kam. »Und ich nehme an, auch den Ihrer – ähm – Söhne?«

»Chrissi!« Julia stieß ihre Schwester unsanft an.

Doch Daniel lachte nur erheitert. »Wohl kaum, denn dazu müsste ich erst einmal welche haben. Nein, ich bin selbst einer der Söhne. Die Firma gehört meinem Vater.«

»Oh.« Christine war sichtlich verlegen.

»Kommen Sie doch herein«, sagte Julia und winkte ihm näherzutreten. »Immer geradeaus ins Wohnzimmer.« Als er an ihr vorbei war, blickte sie ihre Schwester scharf an. »Und du verschwindest jetzt! Das ist ja geradezu peinlich mit dir.«

»Ach woher denn!« Christine schien sich nun doch wieder gefangen zu haben, denn sie grinste plötzlich spitzbübisch. »Der ist ja ein richtiger Leckerbissen!«, raunte sie. »Wenn es mit diesem Gregor nichts wird, solltest du dir den hier warmhalten.«

Julia hob die Augenbrauen. »Ach? Ich dachte, ich soll die Finger von Männern lassen, die Kontaktanzeigen aufgeben.«

»Nicht, wenn sie so aussehen wie dieses Exemplar, Schwesterherz!« Christine zwinkerte ihr verschwörerisch zu. »Ich lasse euch jetzt allein, Schätzchen. Mach mir keine Schande!«

Julia sah ihr kopfschüttelnd nach und ging dann hinüber ins Wohnzimmer, wo Daniel sich bereits interessiert umsah.

»Hübsch haben Sie es hier«, sagte sie.

»Wie bitte?« Erstaunt sah er sie an.

Sie lächelte. »Das wollten Sie doch sagen, oder nicht? Eine typische Floskel, um das Eis zu brechen.«

»Sind Sie Psychologin?«

Julia lachte. »So was Ähnliches. Ich bin Steuerberaterin.«

»Oha.«

»Setzen Sie sich doch! Möchten Sie einen Kaffee, Tee oder etwas anderes?«

»Machen Sie sich bloß keine Umstände«, wehrte er ab.

Sie lachte. »Noch so eine Floskel. Es sind aber keine Umstände, denn zufällig habe ich gerade eine Kanne Kaffee gekocht. Meine Schwester ist süchtig danach, daher habe ich immer etwas auf Vorrat, wenn sie herüberkommt.«

»Also gut, in dem Fall nehme ich gerne eine Tasse.« Er setzte sich auf die Couch und legte einen Umschlag auf den Tisch. »Verdienen Sie als Steuerberaterin so gut, dass Sie sich so was leisten können?« Er wies auf die edle Marmorplatte des Couchtischs. Julia, die rasch die Kaffeekanne und zwei Tassen aus der Küche geholt hatte, stellte beides auf selbiger Platte ab. »Nein. Das ist ein Überbleibsel aus der Einrichtung meiner Eltern. Sie haben sich eine Eigentumswohnung im Stadtzentrum gekauft und sich dort völlig neu eingerichtet. Von diesem Couchtisch wollte ich mich nicht trennen, weil ich ihn schon immer schön fand. Mein Vater erzählt außerdem gerne, dass wir Kinder uns daran immer hochgezogen und laufen gelernt hätten.«

»Eine schöne Erinnerung«, befand Daniel. »Von der Sorte könnte ich auch eine Menge aufbieten.«

»Sie sind ein Familienmensch. So steht es, glaube ich, auch in Ihrer Anzeige, nicht wahr?«

»Zwangsläufig«, antwortete er mit einem schiefen Lächeln. »Mit vier Geschwistern bleibt mir kaum etwas anderes übrig.«

»Oje.«

»Ganz recht. Wir sind ein ziemlich chaotischer Haufen. Und multireligiös, wie wir es zu nennen pflegen.«

Julia nickte. »Ihrem Namen nach haben Sie jüdische Vorfahren?«

»Mein Vater ist Jude, meine Mutter Katholikin.« Er lachte leise. »Wir haben also von beiden Religionen gleichen Anteil im Blut. Fragen Sie aber lieber nicht, wie es auf unseren Familienfeiern zugeht. Meine Mutter ist jetzt schon dabei, die Weihnachtsdekoration hervorzukramen, mein Vater probiert in jeder freien Minute die traditionellen Rezepte für Chanukka aus, und beide streiten sich leidenschaftlich darum, wer wann welche Verwandten einladen soll.«

Julia lachte ebenfalls. »Das klingt doch wunderbar. Ich liebe Familienfeste.«