Verlag: Hybrid Verlag Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Zwei Welten - Michael G. Spitzer

In einem Verbund von magisch begabten Menschen wird alle zehn Generationen ein Kind geboren, bei dem die Fähigkeiten besonders stark sind. Als die 17-jährige Charlotte Shearer in diese Gesellschaft eingeführt wird, beginnt für sie ein neues, von ungewohntem Wohlstand geprägtes Leben. Doch schon bald muss sie erkennen, dass dieser Luxus ein Opfer von ihr verlangt, welches sie nicht zu bringen bereit ist. Um dieser Forderung entgegentreten zu können, bleibt ihr keine andere Wahl: Charlotte muss ihre Fähigkeiten einsetzen.

Meinungen über das E-Book Zwei Welten - Michael G. Spitzer

E-Book-Leseprobe Zwei Welten - Michael G. Spitzer

HYBRID VERLAG

Ebookversion

12/2017

© 2017 by Michael Spitzer

© 2017 by Hybrid Verlag, Homburg

Umschlaggestaltung:

© 2017 by Creativ Work Design, Homburg

Modellfoto © Fotograf Exxpression, Homburg

Autorenfoto© Fotograf Exxpression, Homburg

Coverbild ›Predyl‹

©2017 by Creativ Work Design, Homburg

Coverbild ›Eibe‹

©2017 by Creativ Work Design, Homburg

Lektorat/Textbearbeitung: Paul Lung, Linz

ISBN 978-3-946-82015-4

www.hybridverlag.de

Zwei Welten

-

Die zehnte Generation I

Michael G. Spitzer

Roman

Inhaltsverzeichnis

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

23.

24.

25.

26.

27.

28.

29.

30.

31.

32.

33.

34.

35.

36.

37.

38.

39.

40.

41.

42.

43.

44.

45.

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47.

48.

49.

50.

51.

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53.

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68.

69.

70.

71.

72.

1.

Ich werde in kaum drei Monaten achtzehn und habe nicht das geringste Gefühl dafür, wie es sein könnte, mit meinen Freunden auszugehen und richtig Spaß zu haben. Seit Dad gestorben ist, lebe ich züchtig und mehr oder weniger eingesperrt in unserem Haus.

Eigentlich kann ich froh sein, dass ich überhaupt auf das College darf.

Ein gutes Allgemeinwissen ist das A und O eines wohlerzogenen Mädchens, wenn es sich in die Gesellschaft eingliedern muss, sagt Mum immer, wenn ich sie auf den Sinn des Ganzen anspreche.

Ich verstehe es einfach nicht. Ich muss zur Schule, soll Bestnoten schreiben, bekomme aber keine Möglichkeit, mein Wissen irgendwo preiszugeben.

Aufstehen, Morgenpflege, Frühstück, Schule, nach Hause, Hausaufgaben, Abendessen, Nachrichten und hin und wieder einen Film schauen, Bett!

Ein perfekter Tagesablauf. Zumindest für einen, der keinerlei sozialen Kontakte pflegen darf.

Immerhin bleibt mir etwas Zeit in den Pausen - vor allem der Mittagspause - um mit Menschen reden zu können, die nicht gleich ausflippen, wenn ich meine Meinung sage. Dazu kommt noch meine Zeit in der Tanzschule, in der meine Mutter aber stets anwesend ist – das war‘s dann aber auch schon.

»Mum, warum darf ich nicht wenigstens ein einziges Mal mit meinen Freundinnen ausgehen? Ich meine: Was soll denn schon passieren?«, möchte ich wissen. Meine Mutter sieht mich streng an.

Ich weiß, was gleich wieder passiert und mein Rücken schmerzt schon jetzt. Ich habe kein Widerwort gegeben, aber eine Frage gestellt, die besser nicht laut ausgesprochen werden sollte.

»Charlotte, ich sage dir das jetzt ein letztes Mal: Der Umgang mit deinen Mitschülern lässt sich nicht mit dem Mädchen vereinen, das eine gute Gesellschaft ergänzen soll! Du musst rein sein von allen Unzulänglichkeiten, die dir diesen Weg versperren würden.« Ihr Ton ist hart – wie immer bei solchen Gesprächen.

Ich kneife die Augen leicht zusammen. Nur so weit, dass meine Mutter es nicht bemerkt.

»Welche Gesellschaft denn? Meinst du diese ewigen Feierlichkeiten, auf denen man sich zu Tode langweilt? Wo man nichts weiter tun darf, als artig an einem Tisch zu sitzen und darauf zu warten, dass dich einer dieser geschniegelten Jungs anspricht?«

Mir ist sofort klar, dass ich wieder zu weit gegangen bin: Mums Augen werden kleiner und ihr schmaler Zeigefinger deutet auffordernd die Treppe hinauf.

»Charlotte! Auf dein Zimmer! Bereite dich vor, ich komme gleich nach!«

Ich erkenne die Konsequenz sofort: Züchtigung! Mit gesenktem Kopf gehe ich nach oben und ziehe mir mein Shirt aus. Ich warte.

Meine Hände lege ich wie immer auf die Stuhllehne und biete der Tür meinen Rücken an. Der Spiegel auf dem wackeligen Schminktisch zeigt mir mein fast vornehm blasses Gesicht. Die blauen Augen vor mir treffen meine und ich könnte schwören, dass das Mädchen vor mir eher resigniert als wütend ist. Um diesen Ausdruck nicht weiter sehen zu müssen, schwinge ich den Kopf einmal herum. Meine langen, gewellten Haare liegen jetzt vor dem Gesicht und bedecken meinen Rücken nicht mehr. Mum wird gleich heraufkommen und mir mit der Gerte klarmachen, wer hier das Sagen hat und wer seine Fragen besser schon vergessen sollte, bevor sie in den Kopf kommen.

Ihr Befehlston peitscht mir scharf entgegen.

»Zieh dein Shirt wieder an, Charlotte!«

Bitte? Keine Züchtigung? Was ist los? Ihr Ton sagt mir, dass etwas passieren wird, aber ihre Worte erklären, dass mein Rücken diesmal verschont bleibt. Welche Stelle …? Noch bevor ich meinen Gedanken zu Ende führen kann, höre ich ihre Gerte durch die Luft zischen und noch ehe ich mir bewusst werde, dass sich nur meine Aufmachung bei meiner Bestrafung geändert hat, spüre ich auch schon den gewohnten Schmerz auf meinem Rücken.

Klatsch.

Ich weine nicht. Schon vor über einem Jahr habe ich mir geschworen, nicht mehr zu weinen. Tränen versuchen immer, sich ihren Weg aus meinen Augen zu bahnen, aber ich kämpfe gegen sie an.

Diesen Triumph, den die Frau, deren roten Haare und vornehme Blässe ich geerbt habe, immer so sichtlich genießt, will ich ihr nicht mehr gönnen. Nein. Wenn, dann lasse ich meinen Tränen ihren Lauf, wenn sie es nicht sieht!

Klatsch.

Eigentlich kann ich froh sein, dass es nur noch die Gerte ist. Bis zu meinem sechzehnten Geburtstag war es alles, was sie in die Finger bekommen hat und wehtun konnte. Seit erst ungefähr anderthalb Jahren blieb sie ihrem letzten verbliebenen Reitutensil treu. Mum fuhr die Züchtigungen zurück als wir anfingen, uns auf gesellschaftlichen Partys sehen zu lassen.

Klatsch.

Meine Aufgabe ist es, für die jungen Männer dort attraktiv zu sein. Damit ich eine gute Partie abbekomme, wie sie es nennt. Mutter hat das Vermögen meines Vaters innerhalb weniger Jahre durchgebracht. Sie ist nicht in der Lage, ihren Lebensstil zurückzufahren, also verschwand erst sein Geld, dann der Gutshof und zum Schluss eigentlich alles, was von Wert sein könnte.

Klatsch.

Tatsächlich haben wir nur noch ein paar wenige gute Kleider, die eigentlich in eine völlig andere Zeit gehören. Dazu noch etwas Schmuck, den ich trage, wenn ich meine Pflicht erfüllen soll und von ihr praktisch wie ein Ausstellungsstück präsentiert werde.

Klatsch.

Ich hasse sie!

Diese selbstsüchtige, gefühllose und materiell orientierte Kopie einer feinen Dame denkt noch nicht mal daran, selbst etwas für unseren Unterhalt zu tun. Außer, mich zu verschachern. Sie sucht jemanden, der mich heiratet und sowohl mich unterhält, als auch sie durch ihr faules Leben schleppt.

Und ich hasse die Schmerzen, die ich mir selbst zufügen muss, um wenigstens kurzzeitig von den Folgen jedes einzelnen Gertenschlags abgelenkt zu sein.

Klatsch.

Warum ich mir das gefallen lasse? Ich bin froh, dass es nur das ist. Ich habe schon schlimmeres von meiner Mum erfahren. Die Operationsnarbe an meinem linken Knöchel zeugt noch heute davon. Sie dient als Mahnung, nicht noch einen dritten Versuch zu starten, von ihr weg zu kommen.

Klatsch.

Es klingelt.

Noch nie war ich so froh wie jetzt, dass wir Besuch bekommen! Mum lässt direkt die Gerte fallen, dreht mich mit einer ruckartigen Bewegung zu sich herum und sieht mich mit warnend herunter gezogenen Augenbrauen an.

»Du bleibst hier oben und sagst keinen Ton, verstanden?«

Ich nicke nur, denn ich weiß: Jedes weitere Wort führt nur dazu, dass meine Tränen doch noch ihren Weg über meine Wangen finden.

Sie geht nach unten und ich höre, wie sie dem Gast die Tür öffnet.

»Daniel, was machst du denn hier?«

Meine Augen weiten sich sofort, als ich diese Worte höre. Mein Bruder! Er kommt im rechten Augenblick - meine Strafe ist vorbei. Leider bleibt er nie besonders lange, aber bei seinen Besuchen ist Mum wie ausgewechselt.

Ihre schrille Stimme ertönt aus dem Flur zu mir herauf. »Charlotte, komm runter! Dein Bruder ist da!« Ich richte mich vorsichtig auf. Der Stoff des Shirts reibt unangenehm über den wunden Rücken. Mit einem tiefen Luftholen dränge ich die Tränen zurück und gehe vorsichtig, aber so schnell wie möglich, ins Wohnzimmer. Ohne ein Wort zu sagen, stürmt Daniel zu mir und schließt mich fest in seine Arme.

»Charlotte, schön dich zu sehen.« Ohne dass ich es will, zuckt mein Körper leicht, aber schmerzhaft, zusammen. Daniels Hand liegt genau auf der Stelle, wo Mum am meisten getroffen hat. Er sieht mich an und runzelt die Stirn.

»Was ist los?«

Daniel ist über zehn Jahre älter als ich, siebenundzwanzig, sieht aber deutlich jünger aus. Er ist kurz vor Dads Tod ausgezogen und wir sehen uns alle paar Wochen. Mein Bruder sieht sofort, wenn etwas mit mir nicht stimmt, doch diesmal braucht er nichts zu sehen: Daniel hat es gespürt.

»Alles okay. Ich bin auf dem Schulhof ausgerutscht und auf den Rücken gefallen«, weiche ich aus und vergesse mal wieder, dass ich nicht lügen kann. Mein Gesicht wird heiß, was mir sagt, dass es sicherlich so knallrot wie mein Rücken ist.

»Lass mal sehen!« Er dreht mich herum und zieht mir das Shirt hoch. Ich will ihn gerade noch daran hindern, als ich Mums ernsten Gesichtsausdruck sehe und sofort weiß, dass mein Bruder sehen soll, was sie angerichtet hat.

Daniels Blick verharrt nur kurz auf meinem Rücken. Er dreht mich langsam wieder zu sich herum und sieht mich ernst an.

»Charlotte, was ist passiert? Das sind keine Verletzungen vom Hinfallen.« Über meine Schulter hinweg schaut er zu unserer Mutter. Seine Augen werden klein und ich kann erkennen, dass er etwas ahnt. Wenn ich jetzt nicht schnell reagiere, werde ich sicher nicht nur die Gerte spüren. So viel ist sicher.

»Ja, du hast Recht.« Eine weitere Lüge. Diesmal muss sie sitzen! »Ich hatte einen Streit in der Schule und bin in eine kleine Rauferei geraten. Entschuldige, dass ich dich angelogen habe, aber ich weiß ja, wie du auf sowas reagierst.« Ich senke meinen Kopf. Dass ich diesmal Rot werde, kann ich zur Not damit erklären, dass mir meine erste Lüge unangenehm ist.

Dazu kommt: Ich weiß wirklich, wie mein Bruder reagieren wird! Etwas Ähnliches hatte ich tatsächlich einmal und er war nur wenige Minuten später in meiner Schule und schlug so lange auf Jefferson ein, bis dieser mit einer Ambulanz in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Daniel selbst bekam nicht einen einzigen Treffer ab. Mein Bruder ist verdammt schnell in allem, was er tut und genauso schnell sind seine Reaktionen, wenn er sich wehren muss.

Prüfend sieht er mir in die Augen. Womöglich ahnt Daniel, dass ich wieder nicht die Wahrheit sage, doch er belässt es dabei. Nochmal wandert die Aufmerksamkeit seiner braunen Augen über meine Schulter zu unserer Mutter und danach wieder zu mir.

Ich kann diesem Blick nicht Stand halten. Daniel würde sofort erkennen, dass alles mehr als nur eine Lüge ist. Beschämt senke ich den Kopf tiefer und sehe zu Boden. Sachte legt er seine Hand unter mein Kinn, hebt meinen Kopf und sieht mir mit seinem Braun wieder tief in mein Blau.

»Hey, ist okay, Blümchen! Ich weiß, dass du nichts dafür kannst.« Mir ist klar, dass er nicht irgendeinen Streit meint, sondern meine Schmerzen an sich. Egal, woher sie stammen. Immer noch beschämt, erwidere ich trotzdem seinen Blick.

»Danke«, flüstere ich und nehme ihn in den Arm. Er atmet tief durch und löst die Umarmung nach für mich viel zu kurzer Zeit.

Daniel schenkt mir ein Lächeln.

»Du solltest heute Abend mit mir auf die Party von Kate und Samuel gehen.«

»Kommt überhaupt nicht in Frage!«, prescht Mum direkt hervor. Sie scheint zum ersten Mal wirklich sauer über einen Vorschlag von meinem Bruder zu sein, packt meinen Oberarm und zieht mich von ihm weg. Daniels Augen verengen sich.

»Mutter, ich weiß, dass du Charlotte verkuppeln willst. Glaub mir: Die Feier, die die beiden veranstalten, ist genau das, was du dir vorstellst! Viele von Samuels Professorenkollegen und auch einige recht gut betuchte Geschäftsleute mit ihren Söhnen werden anwesend sein. Vielleicht kann ich dir helfen, dass Charlotte endlich den Mann findet, der auch dich aushält.« Mein Bruder sieht unsere Mutter mit verengten, stechend wirkenden Augen an. Sie erwidert seinen Blick auf gleiche Art und überlegt anscheinend, ob sie mich gehen lassen kann.

Mein Magen zieht sich zusammen und verdrängt beinahe den Schmerz am Rücken. Daniel schlägt in die gleiche Kerbe wie meine Mutter. Ich hatte keine Ahnung, dass ich für ihn ebenfalls einen Einstieg in eine bessere Gesellschaft bedeuten würde. Nun verkuppelt auch er mich. Andererseits: Wer will mich schon? Professoren und Geschäftsleute? Okay, deren Söhne. Doch die Kleider, die ich habe, sehen nicht nur alt aus, sie sind es auch! Keins dieser Dinger ist jünger als ich und das sieht man ihnen auch deutlich an. Mit solchen Fetzen am Körper habe ich gute Chancen, als Jungfrau zu sterben.

»Mutter?«, fragt Daniel nochmal nach. Sie sieht ihn abwägend an.

»Okay, wir werden auf diese Feier gehen. Wehe, Samuel und Kate haben wieder vor, eine dieser merkwürdigen Tanzpartys zu veranstalten!«, faucht sie und will schon nach oben gehen, wahrscheinlich, um sich selbst zurecht zu machen, als Daniel Mum am Arm festhält.

»Mutter, ich glaube, du missverstehst da was. Du bist bei Samuel und Kate immer noch nicht willkommen«, entgegnet er und macht ihr klar, dass diese Einladung nur mir gilt.

Mum sieht verächtlich zu ihm.

»Die beiden sollten froh sein, dass ich nicht beweisen konnte, was Samuel getan hat!«

Mit geweiteten Augen sieht Daniel meine Mutter kopfschüttelnd an.

»Du glaubst wirklich, dass du um dein Erbe betrogen wurdest?« Mum wirbelt die Arme in die Luft.

»Samuel ist der Buchhalter deines Vaters gewesen und von dem Geschäftsvermögen war nicht viel übrig, als er starb! Irgendwo muss das Geld ja hin sein.«

Ich kenne Samuel als guten Freund meines Vaters. Er könnte sowas wie mein Onkel sein.

Früher, als Dad noch lebte, haben wir ihn und seine Frau häufig besucht. Samuel hat mir oft heimlich Süßigkeiten zugesteckt, die ich schnell essen musste, damit meine Mutter es nicht bemerkte. Dad tat so, als ob er das nicht gesehen hätte, aber lächelte immer, wenn ich ein Stück Schokolade oder ein Bonbon auf der Zunge zergehen ließ. Mein Vater hat mir dieses Gefühl, vielleicht sogar diesen unglaublichen Geschmack, an den Augen angesehen. Nach seinem Tod wurden die Besuche seltener und endeten schließlich ganz.

Mum war nach wenigen Jahren nur noch damit beschäftigt, mich gesellschaftsfähig zu erziehen.

Daniel ist noch immer sauer.

»Und ich weiß auch, wohin! Irgendwie kann ich mir nicht denken, dass es Samuel war, der alles verprasste. An deiner Stelle wäre ich vorsichtiger mit dem, was du sagst!«

Nach diesen Worten nimmt mein Bruder mich an die Hand.

»Komm Charlotte, wir sollten einkaufen gehen. Du brauchst mal andere Klamotten.«

Er beherrscht sich sichtlich und wird ruhiger, indem er tief durchatmet. Nach ein paar Sekunden zieht er mich sachte Richtung Tür.

Mum stellt sich in die Tür und versperrt uns den Weg.

»Halt, junger Mann! Ich habe meine Zustimmung noch nicht gegeben und ich bin mir nicht sicher, ob Charlotte tatsächlich auf diese Feier gehen sollte. Immerhin ist dort niemand, der aufpasst, dass sie sich entsprechend benimmt!«

Daniel sieht unsere Mutter nur mit heruntergezogenen Augenbrauen an. Ich kenne einen derartigen Blick nicht von ihm und er macht mir etwas Angst.

»Sie wird sich benehmen, dafür werde ich sorgen, Mutter.« Seine Stimme wird leiser, ist immer noch ruhig, aber sie klingt tief und bedrohlich. Wie ein Knurren. »Und jetzt geh uns aus dem Weg! Oder sollen wir wiederholen, was an dem Abend geschah, als ich ging?« Mum springt augenblicklich zur Seite. Sie gehorcht. Wow! Diese harte, eigentlich selbstbewusste Frau wirkt plötzlich zerbrechlich und eingeschüchtert. Ich wusste gar nicht, dass das möglich ist!

~

Daniel führt mich zu seinem Jaguar, öffnet die Beifahrertür und reicht mir die Hand, damit ich mich nicht am Fahrzeug festhalten muss. Verwirrt sehe ich ihn an. Diese elegante Art, diesen Charme kenne ich von ihm gar nicht und hätte das nach den letzten Minuten auch niemals erwartet.

»Gewöhne dich daran, Blümchen.« Seine ruhige, aber auch fordernde Stimme verwirrt mich beinahe so, wie die Worte an sich. Mit einem kleinen Lächeln zwinkert er mir zu. »Wenn dich die Leute heute Abend sehen, werden die Verehrer Schlange stehen. Da, wo wir hingehen, werden andere Gepflogenheiten herrschen, als du sie gewohnt bist.«

Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Zu spät merke ich, dass sich mein Mund vor Erstaunen geöffnet hat, als es auch schon aus mir herausbricht.

»Wir gehen doch nur zu Kate und Samuel. Was ist denn da so besonders?« Daniel sieht mich an, noch immer sanft lächelnd.

»Du wirst sehen, was ich meine, wenn wir dort sind.«

2.

Es ist schon merkwürdig: Mum und ich wohnen am Rande einer der größten Städte Europas und ich kenne gerade mal ihren Namen. London ist riesig, das ist mir bekannt, aber seine eigentliche Größe wird mir erst jetzt, wo mich mein Bruder gegen den eigentlichen Willen meiner Mutter durch die Innenstadt fährt, so richtig bewusst.

Noch etwas anderes schwirrt durch meine Gedanken. Daniel hat Mum damit gedroht, er würde irgendwas wiederholen. Ich kann mich erinnern, dass sich die beiden gestritten haben, nachdem ich fragte, ob wir nicht zusammen Onkel Samuel und Tante Kate besuchen könnten. Mum schickte mich auf mein Zimmer, und als ich wieder runter durfte, war Daniel weg.

»Was ist damals passiert, dass du weggegangen bist?«

Er sieht mich mit gerunzelter Stirn an.

»Unsere Mutter hat es dir nicht erzählt?«

Ich runzle die Stirn, während ich überlege.

»Naja, sie hat etwas gefaselt, aber irgendwie kann das nicht stimmen.«

Daniel atmet tief durch und sein Griff am Lenkrad wird fester. Die Knöchel seiner Finger werden hell.

»Unsere Mutter beschuldigte Samuel damals schon, er hätte Dads Vermögen größtenteils unterschlagen. Ich habe versucht ihr diesen Unsinn auszureden, aber sie ließ nicht von dieser fixen Idee ab. Ich wusste, wie viel Dad ihr hinterlassen hat und sagte es ihr. Daraufhin warf sie mir vor, ich hätte Samuel geholfen, Dads Geld beiseite zu schaffen, und verwies mich des Hauses.« Ich sehe ihn mit leicht geöffnetem Mund an und blinzle verwirrt.

»Daniel, das macht keinen Sinn! Wenn Mum dich verbannt hat, wieso kamst du mich dann immer besuchen? So, wie ich unsere Mutter kenne, hätte sie dich nicht rein gelassen.«

Daniel schnaubt auf.

»Ich habe ihr gesagt, dass sie mich rauswerfen kann, aber auch, dass ich nach dir sehen werde. Sie ließ sich nicht darauf ein und versuchte, mich mit Gewalt zu verjagen.« Seine Gesichtsmuskeln treten deutlich hervor. »Als sie den Schürhaken vom Kamin in die Hand nahm und erhob, schlug ich sie nieder. Ich versprach, dass ich wiederkommen würde, und warnte Mutter, sie solle so etwas nie wieder versuchen. Danach bin ich gegangen.« Ich muss schlucken, als diese Szene vor meinem geistigen Auge erscheint. Mein Bruder hat Hand gegen unsere Mutter erhoben? Nun, in gewisser Weise passt es zu ihm.

»Diese Geschichte ist völlig anders, als die von Mum«, sage ich eher zu mir selbst, als zu ihm. Daniel sieht kurz zu mir, seine Stirn ist gerunzelt, wodurch sein Blick düster wirkt.

»Was hat sie dir denn erzählt?«

»Sie sagte mir, du wärst gegangen, weil sie mich dir angeblich vorzog. Da sie selbst meinetwegen zu Samuel wollte, du aber nicht, wärst du wütend abgehauen. Du sollst sie noch angeschrien haben, dass sie mich nehmen und verhätscheln soll und du sie nie wiedersehen möchtest, solange ich noch bei ihr bin.«

Daniels Kopf schießt wieder zu mir herum. Seine Augen sind weit aufgerissen vor Fassungslosigkeit.

»Und das glaubst du? Mir war klar, dass sie dich nicht in Ruhe lassen würde. Deswegen kam ich ja immer wieder zurück, um nach dir zu sehen. Ich wusste, dass sie dich nicht verhätscheln würde. Nur heute habe ich den Beweis. Dein Rücken spricht eine eindeutige Sprache!«

Verschämt sehe ich nach unten auf meine Schuhe. Für wie dumm muss er mich nun halten?

»Natürlich habe ich das zunächst geglaubt. Sie ist unsere Mutter! Aber als du hin und wieder zu uns kamst und eigentlich nur mich besucht hast und sie immer viel freundlicher zu dir war als zu mir, habe ich gezweifelt und sie nochmal gefragt. Mum erklärte das mit deinem schlechten Gewissen Dad gegenüber, da er genau wie sie nie einen Unterschied zwischen uns beiden gemacht hatte.«

Daniel sieht wieder auf die Straße. Seine Lippen sind so stark aufeinander gepresst, dass sie fast weiß werden. Die Augen sind zu kleinen Schlitzen geworden und die Knöchel von Daniels Händen treten aufgrund des noch festeren Griffes am Lenkrad jetzt deutlich weiß hervor. Er atmet tief ein und hält den Atem an, bevor er mit einem heftigen Schnauben auf das Lenkrad schlägt und die nächsten Worte förmlich herausstößt.

»Ich werde sie …« Sein Blick fällt auf mich.

Ich ziehe ängstlich den Kopf ein und sofort verliert er seine Anspannung. Mein Bruder atmet tief durch und seine Stimme hat wieder den ruhigen Klang, den ich eigentlich von ihm kenne.

»Alles okay, Blümchen. Ich kriege mich schon wieder ein.« Er streichelt mir sanft über die Wange. »Und was denkst du mittlerweile von mir?«

Ich habe den kleinen Vorwurf verstanden, den er mit dieser Frage mitschwingen ließ und sehe wieder nach unten.

Meine Augen füllen sich mit Tränen.

»Du warst immer liebevoll zu mir und hast mir nie das Gefühl gegeben, dass Mum recht haben könnte. Und jetzt, wo du mich von ihr wegbringst, obwohl du bemerkt hast, dass Mum mich schlägt, weiß ich endgültig, dass sie gelogen hat.«

Daniel hebt mein Kinn mit einer Hand an und wischt mit dem Daumen eine Träne von meiner Wange. Er atmet schwer aus.

»Ich werde nicht zulassen, dass sie dir nochmal wehtut.«

Wortlos fahren wir weiter durch London, bis wir in einer Einkaufsstraße ankommen. Auf Daniels Gesicht erscheint wieder sein typisches, liebenswürdiges Lächeln.

Er hält direkt vor Harrods und steigt aus.

Mit langen Schritten kommt er um das Fahrzeug herum, öffnet mir die Tür und reicht mir wieder die Hand.

»Wir sind da.«

Eben noch sah ich meinen Bruder so zornig wie noch nie zuvor, und jetzt benimmt er sich wie der perfekte Gentleman. Als ob nichts von dem gesagt wurde, was zu seinem kleinen Wutausbruch führte. Er behandelt mich wie eine Lady und ich bin verwirrt. Mum hat dafür gesorgt, dass ich weiß, wo ich zu stehen habe, und das ist sicher nicht der Platz an der Sonne! Daniel gibt mir jedoch plötzlich das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Nicht, dass ich das nicht genießen könnte, aber es irritiert mich. Ich habe hinten anzustehen. Hinter jemandem, der sich meiner annimmt. Definitiv nicht neben ihm und schon gar nicht in erster Reihe. Das Verhalten meines Bruders sagt jedoch etwas anderes. Ich atme tief durch und verdränge die Gedanken, die ich seit unserem Gespräch nicht loswerden kann, so gut es geht.

»Was machen wir hier?«

Harrods ist nicht gerade ein Billigladen und ich könnte mir sicher noch nicht mal das Trinkgeld für die Bedienung im Restaurant leisten. Mein Bruder lächelt verschmitzt.

»Ich habe doch gesagt, dass du neue Klamotten brauchst. Erinnerst du dich?«

Ich sehe ihn ungläubig von der Seite her an.

»Ja, aber hier? Daniel, das kann ich mir nicht leisten.«

Sein Lächeln wird milder.

»Das lass mal meine Sorge sein.«

Anstatt mich zu beruhigen, erreicht er genau das Gegenteil. Wir stehen vor einem der teuersten Modegeschäfte in London und er fährt einen nicht gerade billigen Wagen. Verwirrt schüttle ich den Kopf.

»Daniel, woher hast du so viel Geld? Hast du eine Bank überfallen? Bist du in Drogengeschäfte verwickelt?« Mein Bruder lacht laut auf. Er sieht mich mit seinen fast immer sanft blickenden, braunen Augen an.

»Keine Angst, nichts dergleichen«, versichert er und führt mich in Richtung Eingang.

Vor der Tür bleiben wir stehen. Daniel schaut sich um und beginnt erneut zu Lächeln.

»Charlie!«, höre ich hinter mir plötzlich die Stimme von Nicole.

Überrascht sehe ich zunächst Daniel an, drehe mich dann aber um und kann gerade noch meine Arme öffnen, um sie davor zu bewahren, mich umzurennen.

»Was machst du hier? Ich dachte, du willst für unsere Prüfung übermorgen lernen.«

Überwältigt von der Anwesenheit meiner Freundin fällt mir nichts anderes ein. Sofort verschwinden auch die restlichen traurigen Gedanken und meine Stimmung hellt sich schlagartig auf. Nicole ist seit Jahren der einzige positive Punkt in meinem Leben, Daniels seltene Besuche mal ausgeschlossen. Sie bringt mich mit ihrer immer guten Laune zum Lachen und hört mir zu, wenn ich in der Schule Probleme habe oder einfach nur mal reden muss.

»Das war meine Idee«, erklärt mein Bruder, als ich mich aus der Umklammerung meiner besten Freundin löse. »Ich dachte, dass dich eine Frau in deinem Alter besser beraten kann als ich. Immerhin sollst du perfekt aussehen und ich bin eher der Genießer, der sich etwas Schönes ansieht, als derjenige, der es zustande bringen soll.« Sein Lächeln wird zu einem schelmischen Grinsen. »Außerdem ist Shoppen nichts für mich. Ich denke, deine beste Freundin eignet sich da besser.«

~

Ich wusste, was Harrods ist, und ich wusste, was hier verkauft wird, aber schon beim Betreten des Hauses überwältigt mich der Anblick des ganzen Luxus. Nicole scheint es ähnlich zu gehen, denn auch sie bekommt den Mund nicht mehr zu.

»Du warst auch noch nie hier drin?«, frage ich sie fast flüsternd, als ob ich jemandem sonst verraten könnte, dass ich hier eigentlich nichts zu suchen habe.

»Doch, aber es ist das erste Mal, dass ich hier einkaufen gehe. Auch, wenn es nur für dich ist, aber alleine das Gefühl, sich hier richtig austoben zu dürfen, ist einfach klasse«, flüstert sie zurück und strahlt wie ein kleines Kind, das seine erste Süßigkeit bekommt.

»Was meinst du mit richtig austoben?« Ich verstehe anscheinend immer noch nicht, was Daniel hier vorhat. Nicole sieht mich mit großen Augen an.

»Hat Dir dein Bruder nichts gesagt?«

»Was soll er mir denn gesagt haben?«, frage ich, als wir gerade in der Abteilung für Abendkleider ankommen. Mir wird unwohl. Nicole deutet auf meinen Bruder.

»Sieh genau hin!«

Ich folge ihrem Blick. Daniel redet mit einer schlanken Frau mittleren Alters, die elegant gekleidet neben ihm steht. Sie nickt mehrmals leicht, aber ihr perfekt gestyltes, kurzes und dunkles Haar bleibt in seiner Form. Immer wieder sehen beide lächelnd zu mir, bis Daniel der Frau etwas überreicht, was eine Kreditkarte sein könnte. Danach kommen beide zu uns und mein Bruder legt seinen Arm um meine Schulter.

»Miss Weathers wird sich weiter um dich kümmern, Blümchen. Lass dir Zeit und genieße den Einkauf.«

»Du willst gehen?« Eigentlich glaubte ich, dass er dabei sein und aufpassen würde, damit ich beim Preis nicht übertreibe. Wieder ein mildes Lächeln. Mein Unwohlsein steigert sich erneut.

»Vielleicht weißt du es nicht, aber solche Einkäufe sind wirklich selten etwas für Männer. Deshalb habe ich Nicole geholt.« Er beugt sich leicht vor und gibt mir einen Kuss auf die Wange. »Ich hole euch in drei Stunden wieder ab. Macht was draus!«

Mein Bruder zwinkert mir zu, bevor er sich an Nicole wendet.

»Du kannst heute Abend zwar nicht mit, aber als kleinen Dank für deine Zeit suchst du dir bitte auch etwas aus.«

Mit einem letzten, sanften Blick in meine Richtung dreht sich Daniel um und geht. Nicole sieht meinen Bruder mit offenem Mund hinterher. Spätestens jetzt ist sie genauso sprachlos wie ich. Und das will schon was heißen. Eine leise Stimme reißt uns aus unserer Verwirrung.

»Wenn die Damen mir bitte folgen würden?«

Sprachlos folgen wir Miss Weathers, während sie uns in eine Art Separee führt. Sie bittet mich, meine Jeans und das Shirt auszuziehen. Erst zögere ich, weil ich an Mum denken muss und an das, was mir normalerweise passiert, wenn ich mich ausziehen soll. Nicole nickt mir aufmunternd zu. Ich schlucke nervös und befreie mich schließlich mit leicht zitternden Fingern aus meinen Kleidern.

Miss Weathers begutachtet meinen Körper, indem sie mit ans Kinn gelegten Fingern und in Falten gelegter Stirn vor mir auf und ab geht.

Ich fühle mich nackt, obwohl ich noch BH, Slip und Socken trage, und verschränke die Hände vor meiner Brust. Sie lächelt wissend.

»Keine Angst. Hier sieht uns niemand und Diskretion ist oberste Hausregel.« Sie nimmt meine Hände und legt sie an meine Hüfte.

»Die Haarfarbe ist Natur?«

»Ja, wieso?« Ich bin verwirrt.

Miss Weathers hebt bewundernd die Augenbrauen.

»Solch dunkles, natürliches Rot habe ich bisher noch nie gesehen, dazu von so heller Haut hervorgehoben. Entschuldigen Sie bitte diese persönliche Frage.«

Ich bin mir nicht sicher, wie ich diese Aussage deuten soll. Noch nie habe ich mir Gedanken über meine Haar- oder Hautfarbe gemacht.

Ist dunkles Rot mit heller Haut nun gut oder doch eher ein Makel? Nicole scheint zu sehen, was mich gerade beschäftigt.

»Hör auf zu grübeln! Das war ein Kompliment«, raunt sie in mein Ohr und geht an mir vorbei.

Kurz darauf macht sie wieder einen Schritt zurück und dreht sich mit großen Augen zu mir um.

Ich beiße mir nervös auf die Unterlippe.

»Was ist?«

Nicole wendet sich Miss Weathers zu, die sich ihr Kinn reibt und anscheinend immer noch Gedanken macht, was sie mir vorschlagen soll.

»Ähm … Bevor Sie sich zu sehr in Ihre Arbeit stürzen: Meine Freundin wird kein rückenfreies Kleid tragen.«

Mein Herz stolpert, als sie das so offen ausspricht, und doch bin ich ihr dankbar dafür. Ich hätte mich nicht getraut, genau das vorzubringen. Daniels Idee, Nicole an meine Seite zu stellen, war goldrichtig. Die Verkäuferin nickt und verlässt das Separee.

»Ich bin gleich wieder zurück.«

Der Einkauf beginnt.

Nicole und ich bekommen immer wieder andere Kleider gebracht. Viele von ihnen hätten mir gefallen, aber Nicole lehnte bisher alle ab. Ich glaube, sie möchte mich gar nicht richtig beraten, sondern immer neue Kleider sehen. Sie genießt das alles hier, obwohl sie genau wie ich meist Jeans und Shirts trägt.

Ich freue mich, sie so zu sehen, aber mir selbst ist furchtbar langweilig. Wahrscheinlich bin ich das einzige Mädchen in London, das keine große Lust an Shopping hat. Wobei: Die verschiedenen Stoffe an meinem Körper zu fühlen und zu sehen, wie sich die Kleider an meine Haut schmiegen, ist eine völlig neue Erfahrung. Ich könnte mich daran gewöhnen.

Miss Weathers kommt zum gefühlt fünfhundertsten Mal in unseren Raum. In ihrer Hand hält sie ein langes, am linken Bein bis zur Hüfte ausgeschnittenes Kleid in blassem Mintgrün. Mir verschlägt es den Atem.

»Das ist es«, sage ich, noch bevor ich es überhaupt anprobiert habe. Nicole bekommt den Mund nicht mehr zu und Miss Weathers lächelt zufrieden.

»Ich habe es etwas zurückgehalten, weil ich dachte, es wäre etwas zu gewagt.«

»Es ist perfekt!«, rufe ich aufgeregt und nehme dieses wunderschöne Kleidungsstück entgegen. Anscheinend zufrieden mit meinem kleinen Ausbruch nickt mir Miss Weathers zu.

»Es betont Ihre Größe und vor allem das Haar.«

»Natürlich«, antworte ich höflich, obwohl ich keine Ahnung habe, was sie meint.

Ich habe mir noch keine Gedanken über die richtige Farbe zu meinen Haaren, Augen oder meiner Haut gemacht. Mum hat mir die Kleider ausgesucht, und ehrlich gesagt ist die Auswahl mit nur vier Stücken nicht besonders groß, um sich über so etwas den Kopf zerbrechen zu können.

Hier allerdings habe ich in zwei Stunden mehr Garderoben gesehen, als ich jemals tragen könnte. Ich denke, Miss Weathers wird wissen, was sie sagt. Immerhin macht sie diesen Job täglich.

Ich ziehe das Kleid an. Vorsichtig, um den feinen Stoff, der meine Haut sanft mit seiner Leichtigkeit streichelt, nicht zu ruinieren.

»Und? Was sagst du?«, frage ich Nicole, die sich mit strahlenden Augen erstmal mir gegenüber setzt.

»Du siehst umwerfend aus, Charlie! Du bist ja sowieso schon nicht die Kleinste, aber in dem Kleid wirkst du, als wärst du locker einen Meter achtzig.«

»Ich bin einen Meter achtundsiebzig groß, also ohne das Kleid nicht kleiner als mit.« Ich lächele verlegen.

»Aber die Schuhe kommen noch!« Miss Weathers erscheint wieder im Türrahmen. In ihrer Hand hält sie ein Paar recht hochhackiger, weißer Schuhe, die sich optisch perfekt an das Kleid anpassen. Ich ziehe sie an und verstehe sofort, was die beiden meinen. Rein körperlich stehe ich deutlich über ihnen.

Nicole legt mir eine volle Strähne meiner Haare über die rechte Schulter nach vorne, zupft nochmal an dem tiefen Ausschnitt, der meine Rundungen mehr als nur stark andeutet, und führt mich zu dem großen Spiegel.

Ich sehe hinein.

Wow!

Wer auch immer das dort mir gegenüber ist, gibt sich Mühe, mein Gesicht zu zeigen. Denn DAS bin nicht ich! Nicoles Spiegelbild strahlt regelrecht neben mir.

»So, das bist du also wirklich. Gratuliere! Ich glaube, vor dir hat es noch nie ein Mädchen geschafft, sich so lange hinter zerschlissenen Jeans, ausgefransten Shirts und löchrigen Turnschuhen zu verstecken. Nur, um dann wie aus dem Nichts eine Perle darzustellen, die frisch aus ihrer Auster steigt.«

Ich atme tief durch, spüre und sehe leider auch, dass meine Wangen rot werden. Das da vor mir bin also tatsächlich ich und Nicole macht es mir nochmal klar. Meine Freundin macht mir Komplimente, wie ich sie noch nie gehört habe. Und dabei sagt sie eigentlich nichts. Es tut gut! Endlich nicht beanstandet und niedergemacht zu werden, nur, weil ich nicht in der Lage bin, durch mein Aussehen die alten Kleider wieder aufzupeppen. Im Gegenteil: Dieses Kleid hebt mich hervor.

Mich! Im Spiegel kann ich sehen, wie Miss Weathers zu ihrem Handy greift. Ich stutze. Sie telefoniert, während sie sich um Kundschaft kümmern soll? Das nenne ich mal selbstbewusst! Neugierig, was sie wohl wem zu sagen hat, drehe ich leicht den Kopf. Sie sieht lächelnd in den Spiegel zu mir. Es ist ihr noch nicht einmal peinlich. Wenn das ihr Chef mitbekommt, darf sich Miss Weathers sicher nach einem neuen Job umschauen. Sie kann von Glück reden, dass ich es selbst gewohnt bin, nichts zu dürfen, und deswegen jedem seine Freiheiten lasse, solange sie mich nicht betreffen.

Ihr Gespräch tut es aber.

»Mintgrün, Mr. Shearer. Ich würde etwas Silbernes nehmen.« Sie spricht mit meinem Bruder! Also doch der Vollprofi einer Verkäuferin. Der Auftraggeber dieses Einkaufs wird durch die ausführende Kraft über alles informiert. Kein Wunder, dass dieses Haus nicht nur für seine teuren Artikel bekannt ist.

Nicole kommt hinter dem Vorhang hervor. Durch das Kleid, das mich von der ersten Sekunde an fasziniert hat, und Miss Weathers Telefonat habe ich gar nicht bemerkt, dass sie weg war.

»Das hier für drunter!«, ruft sie laut und wedelt mit einem BH vor meinem Gesicht herum. Ich werde schon wieder rot. Es muss nun wirklich nicht jeder wissen, dass ich mir gerade Unterwäsche kaufe.

»Eine sehr gute Wahl, junge Dame, aber nicht für dieses Kleid geeignet«, erklärt Miss Weathers Nicole und zeigt auf den hohen Spitzenrand des BHs, der durch den tiefen Ausschnitt des Kleides sichtbar wäre. Dazu hält mir Nicole ein kleines Nichts hin, das eigentlich gar nicht als Bekleidung durchgehen dürfte.

»Mal ehrlich Nicole: Was soll ich damit? Beides sieht man doch nur, wenn ich mich ausziehe. Und das werde ich ganz sicher nicht tun«, bestehe ich auf die Überflüssigkeit, vor allem des Strings.

Miss Weathers schmunzelt unverschämt, und Nicole grinst mich mit einem Augenzwinkern an.

»Nimm trotzdem auch den BH! Wer weiß, irgendwann wirst selbst du mal ausgezogen. Dann hast du wenigstens schon mal was Reizendes für ihn.« Sie lacht laut und knufft mich mit ihrem Ellenbogen am Arm. Wieder wird mein Gesicht heiß und ich befürchte, dass sich meine Haut bald dauerhaft meiner Haarfarbe angleichen wird. Vorsichtig ziehe ich die Schuhe und das Kleid wieder aus und reiche alles Miss Weathers. Sie nimmt die Sachen lächelnd entgegen und bittet uns, ihr zu folgen. Auf dem Weg zur Kasse erscheint eine weitere Verkäuferin und reicht mir zwei Clutchs.

»Für die Kleinigkeiten der Dame«, sagt sie lächelnd und wartet. Ich kann mich nicht entscheiden: Beide sind aus weißem Leder und sehen klasse aus. Sie passen sowohl zum Kleid, als auch zu den Schuhen, und ich habe echt Probleme mit der Auswahl. Nicole zwinkert mir zu.

»Nimm sie einfach beide! Du hast deinen Bruder doch gehört. Lass den Preis mal seine Sorge sein.«

Plötzlich wird es mir bewusst.

»Was kostet dies alles eigentlich?«

Miss Weathers sieht mich lächelnd an.

»Miss Shearer, Ihr Bruder bat mich, ausschließlich ihm die Rechnung zu überreichen. Und da Harrods versucht, alle Wünsche seiner Kunden zu erfüllen, komme ich dieser Bitte selbstverständlich nach.«

Ich kann es nicht fassen. Noch vor weniger als drei Stunden habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich einen kleinen Job annehmen soll, um etwas mehr Geld zur Verfügung zu haben. Und nun kaufe ich hier wahrscheinlich so teuer ein, dass ich die Miete für ein Jahr bezahlen könnte.

Beschämt sehe ich zu Nicole. Sie wirkt zufrieden und scheint kein Problem damit zu haben, dass wir hier ein Vermögen ausgeben, nur damit ich einen Abend lang neben meinem Bruder gut aussehe.

Okay, dieses Kleid werde ich wohl noch öfter anziehen. Mutter wird es sicher noch zu einigen Anlässen aufblitzen lassen und ich hasse sie schon jetzt dafür. Ich will dieses Kleid. Nein, ich will es heute Abend auf der Feier von Kate und Samuel tragen und danach nie wieder. Es soll die Erinnerung an einen unvergesslichen Abend bewahren und niemals dafür herhalten, dass Mum mich präsentieren kann.

Ich werde es zerreißen, bevor sie es sieht! Lieber ein zerfetzter Traum, als ein lebendiger, der durch viele Albträume unwirklich wird.

Mir läuft ein Schauer über den Rücken und meine Augen fangen bei diesem Gedanken an zu brennen. Mir ist klar, dass Mum mich nie gehen lassen wird. Sie wird weiter dafür Sorge tragen, dass ich mich an meine Position erinnere. Egal, wo ich bin, ganz gleich, wer an meiner Seite steht: Mum wird vor mir stehen und die Gerte heben, sobald etwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft. Ist es denn wirklich zu viel verlangt, wenn ich nur ein wenig selbst über mein Leben bestimmen will? Wenn ich nur etwas Spaß haben möchte, ohne gleich daran erinnert zu werden, dass sich irgendwas nicht ziemt? Oder die Personen an meiner Seite nicht aus der Gesellschaft ihrer Vorstellungen kommen? Allein, dass meine Mutter dieses Kleid nicht selbst ausgesucht hat, wird reichen, mich auszuschimpfen. Es könnte eine Million Pfund kosten, dazu züchtigst oben geschlossen sein und trotzdem würde sie es hassen. Mum hat es nicht ausgesucht und ihr Einverständnis nicht gegeben. Ich will doch nur mein eigenes Leben führen! Ob ich es jemals darf, da bin ich mir nicht sicher.

»Hey, alles okay?« Nicole zupft an meinem Arm. Schnell wische ich die Nässe aus meinen Augen und sehe sie an.

»Ja, ich bin nur etwas überwältigt«, lüge ich. Gott sei Dank enttarnt Nicole meine Ausreden nicht so schnell wie Daniel! »Du bist jetzt an der Reihe.«

Nicole beginnt zu strahlen und wendet sich sofort der jugendlicheren Abteilung zu. Im Handumdrehen hat sie hautenge Lederhotpants, eine knallrote Bluse und eine zu den Pants passende Lederjacke aus den Regalen gezaubert, steht nun mitten im Verkaufsraum vor mir und strahlt mich an.

»Na, was sagst du?«

»Sieht merkwürdig aus, so mit weißen Turnschuhen«, antwortet Daniel hinter mir. Nicole sieht ihn mit großen Augen an, dann an sich herunter und wird tatsächlich rot. Dass ich das mal erleben darf, hätte ich nie gedacht. Ohne den Kopf wirklich zu heben, schaut sie zu uns hoch und lächelt verlegen.

»Bin gleich wieder da«, verspricht sie und rennt weg. Ich drehe mich zu meinem Bruder und blicke zu ihm hoch. Tausend dankende Worte rasen durch meinen Kopf aber keins davon kommt über meine Lippen. Es könnten noch viele mehr sein, doch auch alle zusammen würden nicht ausreichen, um ihm zu sagen, was ich in diesem Augenblick empfinde.

Ein einziges muss reichen. Es muss alles ausdrücken, was in mir brennt.

»Danke«, flüstere ich und umarme ihn mit neuen Tränen in den Augen. Daniel hält mich fest.

Ich spüre seine Hände auf meinem wunden Rücken aber der Schmerz ist mir egal.

»Das hätte ich schon viel früher veranlassen müssen, tut mir leid«, flüstert er mir ins Ohr.

Verwundert runzle ich die Stirn.

»Du entschuldigst dich dafür, dass du mir heute vielleicht den schönsten Tag meines Lebens schenkst?«

Mein Bruder schüttelt den Kopf.

»Nein. Ich entschuldige mich dafür, dass ich erst jetzt für dich da bin. Du hättest so etwas schon viel früher haben können und müssen. Ich habe versagt.«

Nun bin ich völlig aus der Bahn geworfen.

»Daniel! Wie kannst du in etwas versagen, das nicht in deiner Hand lag?«

Er sieht mich traurig an. »Du wirst es verstehen, wenn es soweit ist. Vielleicht schon heute Abend. Aber jetzt lass uns hier langsam Schluss machen, Blümchen. In einer Stunde kommen die Stylistin und der Visagist.« Wieder kommt das milde lächeln meines Bruders zutage.

»Und? Besser?«, fragt Nicole plötzlich hinter uns und zeigt uns ihre Overknees, die sie nun endgültig zu einer Rockerbraut machen.

Niemals würde ich in so einem Outfit ausgehen und mich schon gar nicht auf der Straße blicken lassen. Ich halte lieber den Mund, damit Nicole auch nichts in den falschen Hals bekommt.

»Du siehst scharf aus«, raunt Daniel anzüglich und mustert meine Freundin von oben bis unten.

Er zwinkert ihr mit einem Schmunzeln zu. »Sei froh, dass wir hier nicht alleine sind.« Endlich ist mein Bruder wieder der Daniel, den ich eigentlich kenne. Nicole sieht ihn prüfend und mit kleinen Augen an. Sie kennt ihn noch nicht so gut, dass sie seine teilweise noch viel derberen Sprüche direkt einordnen könnte. Doch dann grinst sie und legt Daniels Spruch so aus, wie er gemeint ist: Als Kompliment.

~

Als wir Harrods verlassen, stupst Nicole mir in die Seite. »Was hat es eigentlich mit seinem Blümchen auf sich?«

Ich muss schmunzeln.

Lange habe ich mich an den Ursprung dieses Kosenamens nicht mehr erinnert, aber jetzt liegt er so klar vor meinen Augen, wie der Frühlingshimmel nach einem reinigenden Gewitter.

»Als ich klein war, hatten wir einen Pferdehof in der Nähe von Reading. Daniel und mein Vater haben sich um die Dressur und das Einreiten der Pferde gekümmert, während ich am liebsten auf der großen Wiese hinter dem Gesindehaus spielte. Ich habe mit meinem Kleid immer viel Wind gemacht und geschaut, welche Blumen danach stehen geblieben sind. Die habe ich dann gepflückt und zu Hause in einer Vase auf den Tisch gestellt. Und wenn die Blumen langsam weniger wurden, dann habe ich solange auf der Wiese gesessen und in den Himmel geschaut, bis es regnete. Ich wollte durch den Regen neue Blumen wachsen lassen, damit wir immer welche auf unserem großen Tisch vor dem Kamin haben«

Einen Augenblick schwelge ich in meinen Erinnerungen, bis ich schließlich traurig lächle. Nicole sieht mich verträumt an.

»Das ist schön! Deine Kindheit muss ein Traum gewesen sein.«

»Ja, war sie.« Bei dem Gedanken an die Zeit, als Dad noch lebte, steigen wieder Tränen in meinen Augen auf. Daniel dreht sich plötzlich ruckartig um und sieht mich mit schmalen Augen an. Er sieht aus, als ob er etwas erkannt hat oder zumindest vermutet, aber ich kann diesen Blick nicht einordnen. Er macht mir etwas Angst. Ich blinzle verwirrt.

»Was ist los, Daniel?«

»Nichts Blümchen, alles okay.« Die Stimme meines Bruders ist leise und klingt nachdenklich. Sein Kopf zuckt fast unmerklich und Daniels Blick erscheint mir prüfend, bevor er weiter in Richtung Auto geht. Ohne Nicole wirklich anzusehen, richtet er sich an sie. »Soll ich dich noch irgendwo hinbringen?« Er wirkt nachdenklich und fast abweisend. Meine beste Freundin schüttelt den Kopf.

»Nein, danke. Ich nehme die Tube.« Daniel scheint das recht zu sein. Er nickt und öffnet mir die Beifahrertür. Ich drehe mich zu Nicole um und nehme sie in den Arm.

»Danke für die hervorragende Beratung.«

»Ich habe zu danken! Das können wir gerne öfter machen.« Nicole grinst zunächst mich, dann Daniel an, bevor sie die beiden Tüten hochhält und mir so den Grund ihrer guten Laune verrät. Er lächelt verkniffen zurück und nickt erneut.

»Mal schauen.« Wenigstens kommt ein kleines Wort des Abschieds aus meinem Bruder heraus. Ich bin etwas enttäuscht.

Der Nachmittag war wirklich schön und endet nun so merkwürdig. Was ist los mit ihm? Hat eine von uns beiden irgendwas gesagt oder getan, was Daniel zu schaffen macht? Ich denke angestrengt an die letzten zehn Minuten zurück und kann nichts finden, was ihn so hätte aus der Bahn werfen können. Seltsam.

Die Fahrt zu Daniels Apartment verläuft schweigend. Gerne würde ich wissen was los ist, aber ich frage ihn lieber nicht. Anscheinend hat er schlechte Laune und was das in unserer Familie bedeuten kann, weiß ich nur zu gut. Wobei, ich habe schon einige Launen von Daniel kennengelernt. Die schlechten davon bezogen sich nie auf mich. Mum hat regelmäßig dafür gesorgt, dass mein Bruder wütend aus unserer Wohnung hinausging. Mir gegenüber war er immer freundlich und liebevoll. Zwar nicht so zuvorkommend wie heute, aber Daniel hat mir nie das Gefühl gegeben, etwas falsch zu machen oder gegen irgendwelche mir unverständlichen Regeln zu verstoßen. Trotzdem rutscht es mir heraus.

»Bist du sauer auf mich?«

Mit gesenktem Kopf beiße ich mir auf die Lippe. Ich bin nicht sicher, ob ich es nicht doch irgendwie geschafft habe, ihn zu verärgern. Daniel wendet sich fast ruckartig zu mir. Ich kann regelrecht spüren, wie entsetzt er mich ansieht.

»Blümchen! Ich könnte niemals sauer auf dich sein. Wie kommst du darauf?« Sein Ton scheint ehrlich verwundert. Etwas beruhigt über diese Antwort traue ich mich, doch zu ihm aufzusehen.

»Naja, du bist auf einmal so distanziert. So kenne ich dich nicht.« In seinen Augen suche ich nach Halt und endlich lächelt Daniel mich wieder milde an. Er greift leicht in meine Haare und krault mich am Nacken, wie er es tat, als Dad starb und ich jemanden zum Anlehnen brauchte. Am liebsten würde ich mich jetzt wieder an ihn lehnen. Ich brauche seine Ruhe und seine Wärme, die mir zeigen, dass jemand da ist, der mich hält.

Meine Gedanken schweifen zurück in diese Zeit. Stundenlang haben wir am Kamin gesessen und in das Feuer gestarrt. Ich vergrub mich in Daniels Armen und er legte seinen Kopf auf meinen. Trotz des eigentlichen Grundes dieser Stunden und Tage habe ich diese Momente genossen. Dad hat mich auch immer so im Arm gehalten, wenn ich traurig war oder einfach nur kuscheln wollte. Auch er kraulte mich immer am Haaransatz und gab mir die wohlige Wärme seines Körpers. Daniel ist ihm so verdammt ähnlich! Ich bin froh, dass es so ist und ich mich zumindest hin und wieder an ihn lehnen kann. Aber es tut auch weh, denn jeder Moment mit ihm erinnert mich an meinen Vater.

»Mir ist nur etwas eingefallen, was ich nicht vergessen darf und heute Abend jemandem sagen muss. Das ist alles, Blümchen«, erklärt er sein Verhalten und streichelt liebevoll über mein Gesicht. Ich lege meine Wange in seine Hand und genieße diese Berührung. Der gesamte Tag war ab dem Erscheinen meines Bruders einfach nur schön und selbst diese Minuten des kleinen Zweifels erscheinen mir nicht mehr wichtig. Könnte es doch nur immer so sein.

~

Daniels Apartment hat diesen Namen nicht verdient. Es besteht zwar nur aus drei Räumen, aber alle zusammen bieten fast so viel Platz wie unser Haupthaus damals auf dem Reiterhof. Es umfasst die Hälfte der vierten Etage des Hauses und erneut kommt in mir die Frage auf, woher er das Geld für solchen Luxus hat. Selbst die Möbel flößen mir ein Gefühl des Reichtums ein. Vielleicht sehe ich alles nur so, weil Mum und ich selbst nicht mehr allzu viele funktionstüchtige Schränke und Sitzmöglichkeiten haben, aber ich erkenne sofort, dass alles aus Massivholz ist. In einem Design, das man nicht an jeder Ecke bekommt.

Direkt nachdem wir etwas gegessen haben, klingelt es auch schon an der Tür. Der Visagist und die Stylistin sind eingetroffen und machen sich sofort an die Arbeit. Ich bin so nervös, dass ich ständig auf meiner Unterlippe kaue, denn so etwas bin ich selbst aus der Zeit des Reiterhofes nicht gewohnt. Immer wieder stelle ich mir die Frage, was heute Abend auf mich zukommt. Ich habe schon einige Feierlichkeiten erlebt, die Mum mehr oder weniger für uns organisierte, da sie von damals noch ein paar Leute der besseren Gesellschaft kennt. Aber der Aufwand, den Daniel für mich hier betreibt, ist enorm. Die Kosten dafür sprengen jeden Rahmen dessen, was ich mir jemals leisten könnte. Auch die Mühen an sich, die er und alle auf sich nehmen, um mich festlich aussehen zu lassen, machen mir etwas Angst. Daniel will mich jemandem vorstellen, soviel ist klar. Er würde sich zwar bestimmt auch Mühe geben, wenn wir nur zu einer normalen Party gehen würden, aber das hier übertrifft alles! Er weiß genau, was er tut, lässt mich aber im Dunkeln.

»Kaum Körperbehaarung, das macht es einfach«, sagt die Stylistin leise und in zufriedenem Ton zu ihrem Kollegen.

»Hmm«, kommt von ihm bestätigend zurück, während er weiter konzentriert meine Augenbrauen zupft.

Die ganze Prozedur dauert Stunden. Waxing, duschen, anschließendes Auftragen irgendeines Pflegemittels, damit man die Hautrötungen nicht sieht. Haare nochmal waschen, föhnen und stylen, leichtes Make-up auftragen. Unzufriedene Gesichter sehen, Rouge und Lidschatten wieder runter, neuen auftragen. Wieder runter, wieder neu.

Daniel kommt während des gesamten Vorgangs nur hin und wieder in den Raum, bringt uns Kaffee - der in kleinen Keramiktassen mit Deckel offensichtlich von irgendeinem exklusiven Coffee-Shop geliefert wurde - etwas Gebäck und kleine Häppchen für den eventuellen Hunger zwischendurch.

Er kümmert sich um uns drei, lässt mein Pflegeteam aber in Ruhe seine Arbeit machen.

Als langsam die Dämmerung einbricht, gehen meine beiden Beauty-Spezialisten endlich auf Distanz und sehen mich prüfend an.

»Ich denke, so kann man die junge Dame ausgehen lassen«, sagt der Visagist nach einer Weile und die Frau an seiner Seite begutachtet mich mit einer hochgezogenen Augenbraue.

»Nicht ganz.« Sie hebt die Tüte mit meinem Kleid an. Er nickt ihr zu und verlässt den Raum.

»So, junge Lady. Dann wollen wir mal sehen, ob alles so ist, wie es der heutige Abend verdient hat.« Ihre Stimme klingt eher, als ob wir gerade mal ein paar Minuten Händchen gehalten hätten und keinesfalls nach zweieinhalb Stunden hochkonzentrierter Arbeit. Sie hilft mir in das Kleid, zieht eine dicke Strähne über meine rechte Schulter, wie es auch Nicole schon machte und zupft meine Haare noch etwas zurecht. Anschließend führt sie mich zum großen, abgedeckten Spiegel in der anderen Ecke des Raumes. Jeder Schritt dorthin lässt mich ein Kribbeln spüren. Der Stoff fühlt sich jetzt, nach dem Waxing und den ganzen Pflegelotionen, Cremes und leichten Pudern an, wie hunderte gewichtslose Federn, die nur darauf gewartet haben, meine Haut streicheln zu dürfen.

Hätte ich noch irgendwo ein Härchen Körperbehaarung, so würde sie sich im rechten Winkel aufstellen. Ich habe Gänsehaut. Die Stylistin sieht mich skeptisch an und schüttelt den Kopf.

»Zu offen«, sagt sie, eher zu sich selbst als zu mir, holt etwas aus ihrem Arbeitskoffer und kommt wieder zurück.

Sie zieht den tiefen, fast bis zum Nabel reichenden Ausschnitt des Kleides etwas auseinander und ich weiß, was sie meinte: Meine Oberweite streckt das Kleid leicht von mir weg, so dass man seitlich hineinsehen könnte. Mit geübten Handgriffen befestigt sie auf jeder Seite kleine Klebestreifen auf meiner Haut und legt das Kleid dort an. Man kann immer noch erahnen, wie der Anblick wäre, aber die eigentliche Sicht ist jetzt genommen.

Daniel kommt ins Zimmer. Er geht zunächst fast beschwingt zum Schreibtisch und bleibt abrupt mit offenem Mund stehen, als er mich sieht. Nur ein Wort bringt er über die Lippen.

»Wow!« Ohne, dass ich mich selbst gesehen habe, treibt mir mein Bruder damit den Puls nach oben.

Langsam kommt er auf mich zu und zieht aus seiner Anzugtasche ein Etui. Mit einem verträumten Lächeln öffnet er es und hält es mir entgegen.

»Das solltest du nicht vergessen.« Seine Stimme klingt fast wie ein verliebtes Flüstern. Ich blicke auf eine feine, silberfarbene Kette. Sie ist nicht allzu lang, aber doch weit genug, um nicht zu eng an meinem Hals anzuliegen. In der Mitte wird sie breiter und endet an beiden Seiten in einer aus drei Teilen bestehenden, in sich beweglichen Wellenform. Drei weitere Kettchen mit je einem dunkelgrünen Edelstein, welcher von kleineren, leuchtend durchsichtigen Splittern umrandet ist, gehen davon ab.

»Daniel! Sind die … ich meine … sind das …?« Meine Frage ist mehr ein Stammeln, als dass ich sie richtig herausbekomme. Er sieht mich mit einem friedlichen lächeln an.

»Ja, sind es. Sie dienen ausschließlich dazu, deine Schönheit zu unterstreichen. Mehr schaffen sie nicht.« Er nimmt die Kette aus ihrem Etui und legt sie mir an. Ich fasse an mein Dekolleté und vergesse zu atmen. Daniel legt seine Hand unter mein Kinn und hebt es an.

»Es fehlt noch was.« Er flüstert fast, holt aus seiner anderen Tasche noch eine kleine Dose und öffnet auch diese. In ihr befinden sich die zu der Kette passenden Ohrhänger, ebenfalls mit einem Smaragd in Tropfenform und darum verzierende Brillantsplitter.

Meine Hände zittern so sehr, dass ich nicht in der Lage bin, sie mir anzulegen. Daniel übernimmt diese Aufgabe vorsichtig und mit konzentriertem Blick, nimmt danach meine Hand und führt mich die letzten Schritte zum Spiegel. Ich stelle mich vor den weißen Vorhang, der ihn noch bedeckt. Die Stylistin stellt sich neben den Spiegel, greift nach dem Tuch und sieht mich an.

»Bereit?« Ich atme tief durch und nicke ihr zu.

»Ja«

Der Vorhang fällt und mir stockt der Atem. Ich vergesse, dass ich Luft zum Überleben brauche, denn der Anblick der sich mir bietet ist atemberaubend. Niemals hätte ich gedacht, dass man aus dem Mädchen, das gezwungenermaßen am liebsten Jeans, T-Shirt und Turnschuhe trägt, eine junge Lady machen kann. So eine, wie man sie nur aus Filmen kennt. Wenn ich nicht genau wüsste, dass ich es bin, die mich aus dem Spiegel heraus anschaut, würde ich es für einen schlechten Scherz von Daniel halten. Mir scheint, als stellte der Spiegel einen Durchgang dar, und Daniel stellt mir diese Frau gegenüber, um mich zu ärgern. Meine roten Haare bilden einen Kontrast zu dem Mintgrün wie ein wolkenloser Sonnenuntergang über einem Korallenmeer. Mein Mund sticht ebenfalls in einem dunklen, nahezu schon bräunlichen Rot hervor. Meine Augen sind sehr dunkel, fast schwarz umrandet und ihre Lider leuchten stark in einem mit einem Rotstich versehenen Braun. Das helle Blau meiner Augen strahlt wie kleine Scheinwerfer inmitten dieser dunklen und doch intensiven Rotbrauntöne. Alle Farben stechen fließend aus meiner blassen Haut heraus, ohne sich dabei von ihr abzusetzen. Selbst das Rouge auf den Wangen, das eigentlich viel zu kräftig ist, fügt sich in meine Gesichtskonturen ein, als ob es nie woanders hingehört hätte. Die kleine silberne Welle an meinem Hals liegt genau an meinem Dekolletee auf, wobei der mittlere der drei Smaragde passgenau im Beginn meiner Busenfalte liegt. Hätte man einfach nur ein Foto von mir gemacht und es mir gezeigt, ohne, dass ich mich im Spiegel betrachtet hätte, so hätte ich geleugnet, dass ich das bin!

»Nein, nein, nein, nein, nein: Nicht weinen!«, ruft die Stylistin und kommt zu mir gerannt. In beiden Händen hält sie kleine Tücher, die sie in meine Augenwinkel legt, um das salzige Nass nicht auf das Kunstwerk laufen zu lassen, dass sie und ihr Partner vollbracht haben.

Daniel tritt hinter mich und legt mir eine weiße, kurze Jacke über die Schultern, die wohl für die etwas frischeren Momente herhalten soll. Mit den Händen auf meinen Schultern treffen unsere Blicke sich im Spiegelbild.

»So wird man gleich wissen, wer du bist und sie werden niemals vergessen, wer da vor ihnen steht«, sagt er geheimnisvoll und schmeichelnd zugleich. Immer noch sehe ich in den Spiegel und wäre bereit, ihm jeden Buchstaben seiner Worte zu glauben, nur weiß ich nicht, wovon er spricht.

»Was meinst du? Wir gehen doch nur zu Samuel und Kate. Wer bin ich denn?« Daniel sieht mich weiter über das Spiegelbild an. Seine Mundwinkel ziehen sich zu einem sanften Lächeln nach oben und er legt seinen Kopf kurz zur Seite.

»Wenn es soweit ist, wirst du es erfahren. Bist du bereit?« Erwartungsvoll hebt er die Brauen.

»Habe ich eine andere Wahl?«, frage ich in der Hoffnung, er lässt mich wählen. Nicht, dass ich mich weigern würde, auf die Feier zu gehen, denn ich sehne mich nach Anerkennung. Vielleicht wünsche ich mir auch nochmal so eine Reaktion, wie Daniel sie mir entgegenbrachte, als er mich sah. Aber toll wäre es trotzdem, dürfte ich selbst entscheiden. Mein Bruder sieht mir tief in die Augen und schenkt mir ein gutmütiges und aufforderndes Lächeln zugleich.

»Nein, hast du nicht. Der heutige Abend ist dein Abend. Du wirst nicht irgendeiner Person vorgestellt, sondern einer ganzen Gesellschaft, die schon lange auf dich wartet.«

Daniel ergreift meine Hand.

War ich noch von den Ereignissen des Tages und seinem merkwürdigen Verhalten mehrfach verwirrt, so verstehe ich jetzt überhaupt nichts mehr.

Man hat auf mich gewartet? Nicht irgendwer, sondern gleich eine ganze Gesellschaft?

Was will die von mir und welche Rolle spielt mein Bruder dabei? Mir kommen Erinnerungen an Nachrichtensendungen ins Gedächtnis, in denen von Menschenhandel und Versteigerungen gutaussehender Mädchen berichtet wurde, und eine leichte Panik steigt in mir auf. Das würde auch erklären, woher Daniels Reichtum stammt und weshalb er mich plötzlich noch liebevoller behandelt, als er es eigentlich sowieso schon immer tat: Er bietet mich an!

Andererseits traue ich meinem Bruder so etwas nicht zu. So wie heute war er zwar noch nie, aber auch nie in irgendeiner Form abweisend oder eben nicht fürsorglich.

Nein, so ist Daniel nicht.

Ich sollte mich schämen, ihm Derartiges zu unterstellen. Auch wenn ich mich nicht wohl fühle, lasse ich mich von Daniel zu seinem Wagen geleiten. Er öffnet mir erneut wie ein Gentleman die Tür und ich steige ein. Ruhig, fast bedächtig geht Daniel um den Jaguar herum und setzt sich neben mich.

»Alles okay, Blümchen. Es wird dir gefallen. Du musst nur damit klarkommen, dass man dich anschauen und wahrscheinlich auch über dich reden wird.« Seine Worte versuchen vergeblich, mich zu beruhigen.

Die Fahrt dauert fast eine halbe Stunde. Wir verlassen London. Daniel sagt kein Wort, sieht aber immer wieder lächelnd zu mir und streicht liebevoll über meinen Arm. Nach einem längeren Waldstück kommen wir an eine große Lichtung. Ein gewaltiges Herrenhaus, fast schon ein Palast, steht inmitten eines riesig angelegten Gartens. Daniel fährt darauf zu und die Einfahrt hinauf.

»Das ist nicht Tante Kates und Onkel Samuels Haus«, stelle ich fest und wieder wird mir flau im Bauch. Mein Bruder schmunzelt.

»Nein, ist es nicht, aber die beiden richten diese Feier aus. Es werden so viele Gäste erwartet, dass sie hierhin ausweichen mussten. Jules Gerard hat dieses Anwesen zur Verfügung gestellt«, erklärt er wie selbstverständlich und vergisst scheinbar, dass ich mit dem Namen nichts anfangen kann.

Vor dem Haus stehen etliche Fahrzeuge, fast nur SUVs. Ein wenig muss ich grinsen bei dem Gedanken, dass dies eigentlich Fahrzeuge sind, die man als kleine Traktoren den reichen Bauern aus Chelsea zuschreibt. Bis auf die beiden Angestellten an der Tür, die eine feierliche Uniform in glänzendem Schwarz tragen, sehe ich keine Menschen. Daniel hält direkt vor dem riesigen Portal des Anwesens und steigt aus. Einer der Angestellten kommt an meine Seite und öffnet die Beifahrertür. Mein Bruder reicht mir wieder seine Hand und hilft mir sachte aus dem Fahrzeug. Meine Nervosität steigert sich fast ins Unermessliche und ich muss mich mehrfach selbst daran erinnern, nicht zu lange die Luft anzuhalten, um dann in Schnappatmung zu verfallen. Als wir die große Flügeltür erreichen, öffnen uns die beiden Angestellten das Portal. Daniel sieht mich lächelnd an und drückt leicht meine Hand.

»Versuche, es zu genießen!«

Er führt mich in den großen Empfangssaal, der unmittelbar hinter dem Eingang beginnt. Er ist riesig. Ich würde schwören, mein gesamter Jahrgang könnte hier zusammen mit deren Familien die Abschlussfeier begehen, ohne dass man sich auf die Füße tritt. Mein Bruder bietet mir seinen Arm zum Einhaken an. Ich nehme den Halt dankend an, denn meine Beine zittern merklich vor Aufregung.

Die Flügel hinter uns sind noch nicht richtig geschlossen, da bemerke ich auch schon die ersten Blicke der anwesenden Gäste auf mir. Deutlich kann ich die Unterschiede der Gedanken in den Gesichtern ablesen. Die anscheinend etwas Älteren sehen mich interessiert, vielleicht etwas prüfend an, während die jüngeren Anwesenden, vor allem die Männer, teilweise ihre Münder nicht mehr zubekommen. Einige werden von ihren Partnerinnen angestupst, damit sie merken, dass sie nicht alleine hier sind.

Merkwürdigerweise ernten die Damen dabei regelmäßig zurechtweisende, fast böse Blicke, obwohl es eigentlich umgekehrt sein sollte. Ich fühle mich mit all diesen Augen auf meinem Körper unwohl. Daniel sagte mir zwar, dass so etwas passieren würde, aber in diesem Ausmaß behagt mir das gar nicht.

Am liebsten würde ich meine Schuhe ausziehen und einfach wieder hinauslaufen.

Mein Bruder und ich haben den ersten Tisch erreicht, da sehe ich Kate auf mich zukommen. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Unmittelbar hinter ihr kommt Samuel und ich bin einfach nur froh die beiden zu erblicken.

Vor allem Samuel.

Als wolle Kate mein Kleid nicht zerknittern, nimmt sie mich zur Begrüßung zaghaft in den Arm.