BronzeHaut - Andreas Dutter - E-Book

BronzeHaut E-Book

Andreas Dutter

4,6

Beschreibung

Töte deine Mutter. Verzichte auf deine große Liebe. Gib dein eigenes Kind auf. Lass deine Vergangenheit hinter dir. Opfere deine Jugend. Dann werden sich die Elemente mit dir vereinen und du kannst die Welt vor der drohenden Dunkelheit bewahren.

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Leseprobe eBook Ausgabe 2015
©2015 SPIELBERG VERLAG, Regensburg
Umschlaggestaltung: designed4you.de - Chris Thomsen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung, Speicherung oder Übertragung
Andreas Dutter, Jahrgang 1992, schreibt schon seit seiner frühesten Jugend. An der Handelsakademie Wiener Neustadt absolvierte er sein Abitur. Seit 2013 studiert er Kultur- und Sozialanthropologie. Nebenbei arbeitet er als Texter, Autor für ein Online-Magazin und als Online-Promoter.

Danksagung

Wenn es so leicht wäre, sich zu bedanken, dann würde es mir wohl nicht so schwer fallen, diese Seiten zu füllen. 
Nichtsdestotrotz denke ich, es ist am besten, wenn ich einfach anfange.
Beginnen will ich mit meinem Verlag. Danke für den Glauben an mich und für die Arbeit, die hinter diesem Buch steckt.
Dann natürlich Chris für das wundervolle Cover.
Generell widme ich das Buch Angieh. Danke für diese Stunden in der Buchhandlung.
Meine Deutschprofessorin, die meine Begeisterung für die Kulturepochen entfacht hat.
Anita Egger, weil sie einfach immer an jeden Mist, den ich mir vorgenommen habe, geglaubt hat.
Meiner Familie.
Lisa, weil du BronzeHaut in ein paar Tagen gelesen hast und du mein Leben bereicherst. 
Paprika, weil du mich seit Jahren zu dieser Idee ermutigt hast. Schon damals bei den "Element-Hexen".
Michael, weil du dir BronzeHaut in seiner Reinform angetan hast und ich dich immer nerven kann, wenn es Probleme gibt. Danke, danke, danke und nochmals danke!
Stavo, weil du an mich glaubst.
Gordon, weil auch du es gelesen hast.
Last but not least danke ich all den buchverrückten Freaks, die mir den Rücken gestärkt haben. Ihr seid der Wahnsinn!

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Traum

Krönungszeremonie

Eine neue Kriegerin

Ein Teil Geschichte wird gelöscht

Die Puppenspielerin und ihre Marionette

Goldene Seele

Zeichnung

Zusammenkunft

Der Flohjunge und der Feuertanz

Traummelodie

Moosgrün und schmutzig Gelb

Feuer gegen Wasser

Wind gegen Erde

Licht in mir

Mama

Die Blitzgöttin

Goldmorgen

Feuer in deinen Augen

Wildrosen

Aphost

Blüte der Leidenschaft

Lebenslicht

Todeslauf

Sei der Lauf für eröffnet erklärt

Bluttränen

Gut und Schnell

Falscher Stolz

Die Duftmischerin

Lebensfunke

BronzeHaut

Neues Leben

Krieg und Kehle

Unsichtbarer Tänzer

Hoffnungsschimmer Licht

Schicksal und Liebe

Die Zukunft

Die Missratenen

Asche

Das Inferno

Ein Schritt …

Bilder des Lebens

Erwachsen werden

Die Flamme erlischt

Der Bronzethron

Fuchsteufelswild

Der letzte Kampf

Prolog

Das Mondlicht zog sich, wie eine Blumenranke, durch das Dunkelblau des Wassers.

Doch ob der Mond der Strömung des Flusses folgte oder ob der Wasserlauf dem Strahlen des Mondes demütig den Vortritt gab, darüber konnte nur spekuliert werden.

Glühwürmchen tänzelten hauchdünn über der Wasseroberfläche, nur um mit ihren feinen Fühlern, wenngleich nur für einen kurzen Augenblick, das Mondlicht zu ertasten. Auch Libellen zeigten sich und flogen wie magisch angezogen, über den Strom.

Dieser Fluss entsprang aus einem Felsen, der aus dem Boden ragte. Wasserperlen tropften vom Rande des Gesteins auf das Gras und fanden dort ihre letzte Ruhestätte.

Ein Bild, das sich jeden Abend aufs Neue an diesem kleinen, idyllischen Ort abspielte. An einem weiteren Felsen, vom Ersten nicht weit entfernt, endete der zauberhafte Fluss des Mondes. Auf diesem saß ein Mädchen mit langen aschblonden Haaren, deren Haut so hell war, dass es den Anschein machte, als würde der Mond durch sie hindurch scheinen.

Ihre Statur war, wie für ein Mädchen ihrer Gemeinschaft typisch, zierlich und ihr Volk bezeichnete sie als überirdisch schön. Links über der Oberlippe zierte ihr Gesicht ein kleiner Schönheitsfleck, wie sie ihn selbst bezeichnete, um nicht zuzugeben, dass er sie unheimlich störte. Es gab noch ein weiteres Merkmal, das einem sofort ins Auge stach. Eine Narbe, die quer durch ihr Gesicht verlief. Außer dieser Verletzung hatte das Mädchen zudem frische Wunden, Kratzer und Schürfwunden an Armen, Beinen, sowie im Gesicht.

Das Mädchen mit der aschblonden Mähne saß selbstverständlich nicht nackt auf dem Felsen, sondern trug die traditionelle Kluft ihres Volkes. Zögernd wanderte ihre Hand zu ihrem Herzen. Sie spürte eine warme Flüssigkeit, schloss die Augen und schluckte mühsam. Der Atem des Mädchens war unruhig, ihre Hand zitterte und als sie den Blick zu ihrer Brust wagte, sah sie nur einen roten Blutfleck.

Sie schwieg und biss sich auf die Unterlippe. Eine einsame Träne löste sich und rann über ihr sanftmütiges Gesicht. Erst ein Auge, das sich mit Wasser füllte, dann das andere. Das Mädchen sah den Fluss nur mehr verschwommen. Ein Augenaufschlag später und die Tränen flossen über ihre Wangen, doch umso klarer wurde ihr Blick.

Ein plötzlich erscheinender Mantel aus Licht umhüllte sie und es entstand der Eindruck, als habe sie all das Strahlen des Mondes in sich aufgenommen. Ihr Zeigefinger berührte die Wasseroberfläche. Ein Lichtstrahl quoll aus ihrer Fingerkuppe und erfüllte den gesamten Fluss. Wie aus dem Nichts erschien ein Junge und umarmte das zierliche Mädchen. Sie kannte ihn.

»Dein Ziel hast du nicht erreicht«, flüsterte der Junge ihr ins Ohr. Ein zartes Lächeln flog über ihre Lippen.

Dann wurde ihr schwarz vor Augen und selbst der mit Licht durchtränkte Fluss konnte diese Dunkelheit nicht überwinden.

Traum

Bis dann, Mutter!«, rief Lyria, bevor sie die Tür hinter sich schloss.

Das Sonnenlicht spiegelte sich dabei in ihrem Nasenring wider. Sie nahm einen tiefen Atemzug und machte sich daraufhin auf den Weg zum Brunnen, der im Zentrum des Dorfes lag. Sie schlenderte den Pfad entlang, bis sie ihr Ziel erreichte.

Lyria sah sich suchend um, doch Zenon, ihr bester Freund, Weggefährte und Seelenverwandter, war nicht auszumachen. Es war nicht untypisch, dass Zenon zu spät kam und es hätte Lyria eher gewundert, wenn er vor ihr dagewesen wäre.

Während sie auf ihren schusseligen Freund wartete, betrachtete Lyria ihr Dorf. Sie war hier aufgewachsen und stolz darauf, auch wenn es nur 25 Holzhütten maß. Dabei glich jede der anderen. Allein von der Größe unterschieden sie sich, je nach Anzahl der Familienmitglieder.

Die Dächer bestanden aus Bambusröhren, die mit Stroh, Schlamm und Lehm überdeckt waren. Es gab lediglich einen gemeinsamen Raum und eine Ecke, welche die Möglichkeit bot, das tägliche Ritual der Körperpflege zu vollziehen. Diese wurde nur von einem aus Stofffetzen zusammengenähten Tuch verhüllt.

Die Holzhütten waren kreisförmig um den Brunnen herum erbaut worden, bis auf das Haus des Bürgermeisters. Dieses stand abseits und machte den Eindruck, als würde es über die anderen wachen. Die Behausung des Bürgermeisters war als einziges aus Lehm und Steinen erbaut worden. Dabei hatte jeder Dorfbewohner mitgeholfen, denn sie alle mochten und bewunderten den Bürgermeister. Er war zwar ein alter, dafür aber aufmerksamer und weiser Mann.

Josko wurde er genannt.

Wie der Zufall es wollte, begann er gerade seinen Rundgang durch das Dorf, während Lyria weiterhin auf Zenon wartete. Sie betrachtete das Haar des Bürgermeisters. Es faszinierte sie jedes Mal aufs Neue, da es nicht weiß erstrahlte, wie es typisch für ältere Menschen war, sondern dem Mondschein glich, der nachts aus seinem Versteck kroch und sich im Brunnenwasser widerspiegelte.

Lyria erinnerte sich an die Nächte, in denen sie mit Zenon an diesem Brunnen gesessen und den Mond betrachtet hatte, bis Josko auftauchte, um sie nach Hause zu schicken. In solchen Momenten bemerkte sie immer wieder, wie sein Nasenring das Mondlicht reflektierte. Seine Nase, so dachte Lyria, musste er von einer Hexe geerbt haben, wie man sie aus Erzählungen kannte. Lang, breit und mit einer Warze auf der Spitze. Sie war auch der Grund, warum sich Lyria stets ein Lachen verkneifen musste, wenn sie den Bürgermeister sah.

Er trug stets, sowie auch heute, mit Mustern verzierte und mit kleinen Edelsteinen geschmückte Mäntel, die seine Frau extra für ihn anfertigte. Die Leute nannten ihn daher auch den Mann des Mondlichts.

Im Gegensatz dazu war seine Gemahlin die Frau des Sonnenlichts. So kurios und bizarr es auch klingen mochte, sie war das genaue Gegenteil von ihm und sah tatsächlich aus wie ein Sonnenstrahl.

Ihr Name war Anyta.

Die Menschen liebten die alte Frau. Sie war herzlich, amüsant, gutmütig und stets positiv gestimmt. Sie trug ebenfalls ihre handgemachten, langen Kleider.

Lyria wandte den Blick vom Bürgermeister ab und ließ ihn zu den Hütten des Dorfes schweifen, bis er an einer bestimmten Behausung verweilte. Sie gehörte Zenon und war, abgesehen von Lyrias, die kleinste im Dorf.

Lyria bewachte regelrecht die Tür von Zenon, um nicht zu verpassen, wenn sich ihr bester Freund endlich in Bewegung setzte und es für angemessen hielt, sich zu ihr zu gesellen, bis sie abgelenkt wurde.

Ihr Blick glitt zu dem riesigen Baum, der sich hinter dem Haus des Bürgermeisters befand. Ihre Eltern erzählten, dass dieser bereits vor ihrem Volk diesen Platz für sich beansprucht hatte. Er war größer als alle anderen Lebewesen, wie sie den Baum bezeichnete, die ihr je unter die Augen getreten waren. Seine Baumkrone erstreckte sich viele Schritte weit und er wirkte stets majestätisch, aber auch ein wenig unheimlich. An diesem Tag wehte der Wind sanft und nicht nur ihre Haare nahmen die Aufforderung zum Tanzen an, sondern auch der Baum. So ließ sie die Äste und Blätter nicht aus den Augen, während sich diese voll und ganz dem Spiel mit dem Wind hingaben.

Seit einigen Tagen träumte Lyria von einer seltsamen Melodie, die sie seither nicht mehr losließ. Sie konnte den Klang nicht genau beschreiben, so sehr sie es auch versuchte, es funktionierte einfach nicht. In dem Moment, als Lyria es beinahe geschafft hätte, die Melodie zu summen, trat Zenon mit seinen schwarzroten Haaren vor ihre Augen.

»Hi, Ria«, begrüßte er sie grinsend. So nannte Zenon sie seit ihrer Kindheit. Anfangs hatte sie der Kosename enorm gestört, aber mittlerweile hatte sie sich daran gewöhnt. »Tut mir Leid, dass ich so lange gebraucht habe«, warf er noch ein, bevor Lyria das Wort ergreifen konnte.

»Ja, ja, schon gut, bin es ja nicht anders gewohnt von dir«, erwiderte sie bissig.