Abalon - Ein dunkler Sturm zieht auf - Florian Stückl - E-Book

Abalon - Ein dunkler Sturm zieht auf E-Book

Florian Stückl

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Beschreibung

In einer Welt voller Hass und Ungerechtigkeit muss sich Erion Titan durchschlagen, um an Respekt zu gelangen, damit er sein mit Liebe gefülltes Herz diesem einen besonderen Mädchen schenken kann. Im kommenden Turnier muss er sich beweisen und miterleben, dass man sich schnell Feinde machen kann, die vor Nichts zurückschrecken ...

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Seitenzahl: 223

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Vorwort

Guten Abend meinen lieben Leser,

ich freue mich euch mitteilen zu können, dass nun nach langer Zeit schließlich mein erster Band fertiggestellt ist.

Vor einiger Zeit habe ich mit meinem besten Freund Edward F. einfach beschlossen eine unserer Geschichten festzuhalten.

Schon nach kurzer Zeit fanden wir eine tiefe Leidenschaft im Schreiben. Dies trieb uns dazu nach noch Größerem zu streben.

Nun nach etlichen kurzen Storys haltet ihr mein erstes Buch in euren Händen.

Es war nicht immer leicht, aber es hat viel Spaß gemacht diese Welt zu erschaffen und sie zu formen.

Ich hoffe, dass es euch gefällt und ihr mit mir zusammen den Weg von Erion Titan verfolgt…

Mögen eure Schwerter niemals stumpf werden und es euch nie an guten Ideen mangeln…

Prolog

Man schreibt das Jahr 3683. Es sind nun genau 1531 Jahre nach der Zerstörung der Erde. Ende des 21. Jahrhunderts wurde langsam aber sicher das Süßwasser sehr knapp, sodass frisches Trinkwasser nur noch selten war. Man versuchte mit Hilfe der Elektrizität alle Probleme zu lösen, aber dennoch zeigten sich immer wieder Mängel. Es wurden mehr Waldgebiete geschützt, Bäume gepflanzt und die Natur gefördert, um die Luft rein zu halten und weiteres Leben auf der Erde möglich zu machen. Mit dem Ziel das Problem des Süßwassers zu lösen, setzten sich die klügsten Köpfe auf diesem Planeten zusammen. Sie schlossen einen Vertrag des Friedens, um die Menschheit zu retten.

Innerhalb weniger Jahre entwickelten sie einen großen Generator, der jede Flüssigkeit in trinkbares Wasser umwandeln konnte. Doch leider gab es trotzdem Konflikte zwischen den Nationen. Im Jahre 2152 hatte das Ende seinen Anfang. Viele Länder gierten nach mehr Macht und vor allem den Generator, da er die einzige Chance auf weiteres Überleben war. Die Menschen fühlten sich bedroht, wodurch sie selbstsüchtiger wurden. Dadurch kam es zum Bruch des Friedens und alle erklärten sich gegenseitig den Krieg. Dieses Jahr ist als „das Ende der Welt“ bekannt.

Die meisten Länder bombardierten sich und schossen Atombomben ab. An was die Länder jedoch nicht gedacht hatten, war, dass jedes Land das Ziel war, auch das Eigene.

Durch diese Tat zerstörte die Menschheit alles, was sie je geschaffen hatte und schlussendlich auch ihre Existenz. Die ganze Erde war eine große Ruine, die Kontinente wurden zerstört und auch von Wassermassen überschwemmt. Die Menschheit hatte alles verloren und stand am Rande des Aussterbens.

Auf unerklärlicher Weise schafften es paar Menschen, auf einer Insel zu überleben. Man weiß nicht wie, aber es wurden Gerüchte erzählt, dass sie Auserwählte seien und nicht sterben könnten. Diese wurde Abalon genannt.

Merkwürdigerweise stellten die Überlebenden fest, dass alles Wasser, das sie umgab, kein Salzwasser sondern Süßwasser war. Man hat gerätselt und nachgeforscht, wie das passieren konnte, aber dieses Geheimnis ist noch immer nicht gelüftet.

Die Menschheit hatte in diesem Jahr, genau am 13. September, alles verloren, was sie über Jahrtausende hinweg aufgebaut hatten. Die Handvoll Menschen, die überlebt hatten, erschufen neues Leben und gaben all die Erfahrung weiter, die sie hatten. Aber sie hatten keine Hilfsmittel mehr, um das Wissen zu benützen, wodurch sich die Weisheiten über die Generationen hinweg verloren.

Vor ungefähr 160 Jahren fing die Insel an zu beben. Das Resultat des Erdbebens zeigte sich etwa 30 km nördlich von Abalon entfernt. Dort entstand eine kleinere Insel. Sie wurde von Seefahrern entdeckt, die aufgebrochen waren, um weiteres Land zu finden. Zufälligerweise war der Steuermann am Ruder eingeschlafen und verfuhr sich. Dann sichteten sie Land und freuten sich auf zu Hause, aber die Insel war nicht Abalon sondern eine andere.

Erst Tage später fanden sie den Weg zurück und bemerkten, dass die neue Insel nicht weit entfernt lag. Kurz darauf machten sich 21 Personen auf, um die Insel zu erkunden. Zwölf davon waren Seefahrer und die anderen neun Personen Forscher und Entdecker. Einer von ihnen hieß Aruan Zack. Er war 19 Jahre alt, ein Einzelkind dessen Eltern vor kurzem gestorben waren. Sie waren sehr reich gewesen, dennoch hatte er noch keine Verlobte, entgegen den existierenden Traditionen, und deshalb nichts zu verlieren.

Die Insel veränderte alle Menschen und Aruan war am meisten davon betroffen. Die Insel machte ihn verrückt und blutrünstig. Deshalb tötete er alle Forscher der Expedition. Er wollte urplötzlich alle Menschen versklaven und der Herrscher der Welt sein. Er dürstete nach Krieg und Macht. Sein Plan war, alle Gegner des Königs zu gewinnen und anzuführen, um Abalon zu übernehmen. Das Hauptquartier sollte diese Insel werden. Deswegen kaufte er die einzelnen Mitglieder der Schiffscrew, um sie als Söldner für sich zu verwenden. Zusammen fuhren sie wieder zurück nach Abalon und gaukelten vor, dass die Insel verflucht sei und alle Mitglieder der Forschungstruppe, durch Krankheiten oder wilde, gefährliche Tiere getötet worden waren. Deshalb wurde sie „Die Toteninsel“ genannt.

Aruan und seine 12-köpfige Mannschaft zogen durchs Land und gewannen neue Königsgegner, die nur auf die Gelegenheit warteten, das Land anzugreifen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre hatte er schon über 1000 bereite Bauern, Burschen und Diener in seinem Gefolge. Dann kaufte er sich mit Hilfe des Erbes seines Vaters ein Duzend Schiffe und transportierte seine Gefolgschaft, die Rohstoffe und die notwendige Nahrung auf die andere Insel. Dort angekommen, machten sich alle ans Werk und erbauten eine riesige Stadt. Aruan Zack krönte sich selbst zum Herrscher, änderte seinen Namen in Zakura der Drache und taufte die Insel Vengard.

Es dauerte ganze 17 Jahre bis die Stadt im Wesentlichen aufgebaut war. Nun war Zakura in seinen besten Jahren und wollte seinen blutigen Feldzug beginnen. Während diesen vergangenen Jahren übte er alle möglichen Kampftechniken. Er wurde Meister in Schwert- und Kampfkunst.

In den folgenden 6 Jahren lehrte er seine Armee zu kämpfen und bildete sie hart aus. Zu diesem Zeitpunkt bestand sie aus 1800 Soldaten. Er nannte sie die Zathrak und ihre Anzahl wuchs stetig. Im selben Jahr, als er dachte, dass seine Streitmacht bereit für den Krieg wäre, gab er bekannt, dass nun Vengard von Abalon unabhängig sein und erklärte den Krieg. Dies war im Jahr 3548 und ein dunkles Zeitalter begann.

Die Zathrak griffen Abalon unerbittlich und kontinuierlich an, jedoch ohne großen Erfolg. Bis heute ist der Krieg noch nicht beendet, aber die Angriffe wurden weniger. Zakura, der Drache ist zwar schon tot, aber sein Sohn, Hyperion, der ebenso Nachfahren großzog, Dirac und Zorikan. Diese führen den Plan von Zakura fort und herrschen zusammen. Sie beabsichtigen, den Krieg fortzuführen und als alleinige Sieger daraus hervor zu gehen.

1

Als ich meine Augen ruckartig öffne, blendet mich die wärmende und zugleich grelle Sonne. Als ich mich aufsetze, merke ich, dass ich leicht schwitze und mein Herz rast. Der Albtraum erlischt vollkommen, verschwindet in den Tiefen meiner Gedanken und lässt mich allein zurück. Es ist schon später Nachmittag und ich mache mir Sorgen warum ich nicht früher geweckt worden bin. Dieses Mal wurde ich nicht aufgeweckt, sondern ich bin von selber aufgewacht. Die andere Seite des Bettes, wo mein Vater sich gestern ausnahmsweise zu mir gelegt hatte und eingeschlafen war, ist kalt und es ist keine Spur von ihm zu sehen. Mein Herzschlag steigt und ich bekomme Angst, denn das ist ungewöhnlich für ihn. Normalerweise weckt er mich mit den ersten Sonnenstrahlen auf.

Schnell hüpfe ich aus dem Bett, hole mein langes Breitschwert unter dem großen Kleiderschrank hervor und mache mich auf das Schrecklichste gefasst. Ich schaue mich langsam und aufmerksam um und stelle fest, dass nichts Ungewöhnliches im Raum ist.

„Niemand ist hier, bleib ruhig, Erion“, denke ich.

Misstrauisch und mit geschärften Sinnen senke ich mein Schwert und lege es aufs Bett. Während ich mich geschwind anziehe, streicht eine kalte, leichte Brise über meinen Körper und ich bekomme Gänsehaut. Als erstes schlüpfe ich in eine meiner bequem anliegenden Hosen und dann in meine warmen Lederschuhe. Allmählich wird mir behaglich und die Temperatur angenehmer. Als nächstes streife ich mein Wams über meinen robusten, muskulösen Oberkörper. Zu guter Letzt ziehe ich noch eine dünne, aber durchaus wärmespeichernde Jacke an, die an den Schultern mit Fell bedeckt ist.

Obwohl die Sonne so hell scheint und es fast Mittag ist, ist es eiskalt. Als ich fertig angezogen bin, nehme ich wieder das Schwert in beide Hände und gehe Schritt für Schritt in Richtung Haustür. Das Holz unter meinen Füßen knarrt bei jeder Bewegung. Mit dem Schwert in den Händen trete ich aus der Tür, über die Schwelle und mir fällt ein Stein vom Herzen.

Mein Puls wird wieder langsamer und gleichmäßig. Dort ist er. Auf der Terrasse, lehnt mein Vater, mit seinem breiten Rücken, an einem Stützpfeiler. Nun senke ich mein Schwert und gehe auf ihn zu. Behutsam und leise mache ich ein paar Schritte auf ihn zu, aber anscheinend muss er mich gehört oder vermutet haben, denn er seufzt und stöhnt.

„Weißt du Erion, warum wir heute nicht arbeiten müssen?“ „Nein“, antworte ich, verblüfft diese Frage zu hören und verwirrt, worauf er hinaus will.

„Erion, mein Sohn, ich bin so stolz auf dich. Jetzt bist du schon fünfzehn Jahre alt und ich habe dir alles beigebracht, was für dein Leben nützlich sein könnte. Obwohl du dich noch entwickelst, bist du schon ein Mann“, sagt Aroh, mein Vater, während er anfängt zu lachen und gleichzeitig zu schluchzen.

„Das stimmt, er hat mich so viel gelehrt, dass ich nicht mal alles aufzählen kann. Aber das Wichtigste war, dass er mir gezeigt hat, wie man in der Wildnis überlebt, ein Schwert und einen Bogen herstellt und damit umgeht. Dank ihm kann ich mich selber versorgen und beschützen.“

Im dem Moment überwältigt mich eine Art Gefühlswelle und ich sprinte auf Aroh zu, während ich das Schwert, mit einem Klirren, zu Boden fallen lasse, um ihm in seine starken Arme zu fallen. Er fährt herum als hätte er gewusst, was ich vorhabe. Er fängt mich auf, packt mich, mit seinen stählernen Armen. Als wäre ich ein Leichtgewicht hebt mich hoch und dreht sich mit mir im Kreis während er mir fest in die Augen schaut und grinst. Dann setzt er mich wieder ab, obwohl ich gerne noch eine Runde geschwebt wäre. Er sieht jetzt so fröhlich aus, aber trotzdem erkenne ich die Trauer in ihm. Er konnte noch nie etwas vor mir verstecken, weder Gefühle noch Dinge.

Wir umarmen uns paar Minuten ohne irgendein Wort zu sagen, bis ich die Stille unterbreche und ihn frage warum er mich nicht geweckt hat. Plötzlich grinst er nicht mehr, seine Mine verfinstert sich schlagartig und sein Blick wird starr.

Mit rauer Stimme flüstert er mir ins Ohr: „Die Zeit ist gekommen, mein Sohn. Ich habe dir schon mal erzählt, dass die Zathrak auf einer Insel leben, die nicht gerade weit entfernt ist, erinnert du dich?“ Ich nicke. „Komm, gehen wir erst mal in das Haus.“ Aroh legt seine linke Hand auf meine Schulter und zusammen gehen wir ins Haus. Bei der Haustür hebe ich mein Schwert auf, das ich zuvor hingeworfen hatte.

Das Haus, welches von meinem Großvater erbaut wurde, ist ein prachtvoller Herrensitz, da unsere Familie die wohlhabendste in Albertron ist. Jeder Junge in meinem Alter würde davon träumen. Mein Vater ist der Waffenschmied und gleichzeitig der Ausbilder von unserer Hafenstadt. Er lehrt alle Kinder zwischen zwölf und achtzehn Jahren Überlebenstechniken und den Gebrauch von Waffen. Außerdem ist er einer der besten Kämpfer des ganzen Landes Abalon.

Aroh geht durch den Flur, der durch Bilder meiner Urgroßmutter und Großmutter geschmückt ist, geradeaus ins Wohnzimmer. Rechts und links gehen Gänge zu anderen Zimmern ab. In den Zimmern sehe ich ein paar Diener, die gerade mit dem Hausputz beschäftigt sind. Auch an der Treppe zum Dach kommen wir vorbei. Aroh schließt hinter uns die Tür.

Wir setzen uns nebeneinander auf eine lange Holzbank, die mit Fell überzogen ist und ich lehne das Schwert behutsam an sie. Zu meiner Linken befindet sich der große und uralte Kamin, der nicht entzündet ist und keine Wärme spendet. Auf der Seite meines Vaters sind Fenster, durch die Sonnenstrahlen dringen und den Raum erhellen, sowie ein riesengroßer Tisch, der einer Tafel, an der zwölf Personen platznehmen können, nahekommt. Dahinter zwei meisterhafte Porträts von meinem Urgroßvater und Großvater. Alle Familienmitglieder bekommen einen Ehrenplatz, wenn sie von uns gegangen sind. Sie werden nach ihrem Tod von den besten Künstlern porträtiert und die Gemälde werden dann an eine Wand gehängt.

Dadurch sehen wir sie jeden Tag und lassen sie in unseren Herzen weiterleben. Aroh atmet tief ein und aus. Es hört sich an als ringe er nach Luft. Eine Weile lang starrt er nur auf den Boden und macht keine Anstalten, dass er anfangen würde, zu sprechen.

Deswegen setze ich zu reden an und hake erneut nach: „Also, komm sag schon, warum hast du mich nicht geweckt und weswegen ist heute keine Arbeit oder keine Übung?“

Aroh stöhnt und versucht, die richtigen Worte zu finden. Das erkenne ich daran, dass sich auf seinem kahl rasierten Kopf Schweißperlen bilden, obwohl es hier im Raum nicht allzu warm ist.

2

Nach ein paar Minuten scheint er die passenden Worte gefunden zu haben.

„Die Geschichte begann vor vielen, sehr vielen Jahren, sie hat sogar schon Generationen überdauert. Vor ungefähr 1000 Jahren hatten sich die Menschen wieder etwas weiterentwickelt. Sie bauten Steinhäuser, schmiedeten Waffen und pflanzten Nahrung an. Die Steinzeit wurde langsam zum Mittelalter, und so verhielten sich auch manche Menschen. Es gab Personen, die nach Macht gierten und auch nicht vor dem Morden zurückschreckten. Dadurch gab es die ersten Revolutionen und Aufstände. Sie machten alles, um mehr Macht, Ruhm, Anerkennung und Reichtum zu bekommen. Irgendwann gab es nur noch Krieg zwischen allen und Blut floss in Massen. Viele der Aufstände wurden durch den König Thion Pentos hervorgerufen, der damals herrschte. Er hatte den Thron und die Wichtigkeit des Amtes nicht ernstgenommen. Der König trank bei jeder Gelegenheit Wein oder Met. Er nahm jeden Abend eine andere Frau ran, obwohl er verheiratet war und zwei Kinder hatte. Sehr oft ging er ins Freudenhaus und überließ seinen Vertretern und Rat seine Aufgaben und Besprechungen, die er hätte entscheiden und führen sollen. Während der König alles machte, was ihm beliebte, durfte sich der Rat abschuften und seine Pflichten erledigen. Unbeliebt machte er sich ebenfalls dadurch, dass er so hohe Steuern forderte, dass selbst die reichsten Familien des Landes sich keinen Prunk mehr leisten konnten. Dazu kamen dann noch die Soldaten, die schlecht bezahlt wurden und die Landwirte, die alles abgeben mussten. In den ersten Jahren als Thion Pentos den Thron von seinem Vater geerbt hatte, fing es an, dem Volk an vielem zu mangeln. Während sich der König vergnügte, erging es dem Volk sehr schlecht. Der Vater von Thion hieß Luwyn Pentos und war ein sehr angesehener König. Er ging auf die Wünsche und Anliegen des Volkes ein und schmiedete Freundschaften mit allen Familien. Er wurde von jeder Frau und Mann aus ganz Abalon gemocht. Auch als Feldherr und Kämpfer hatte man ihn geehrt. Jeden Tag, egal ob nach dem Kampf, Training oder Abendmahl, traf er sich mit seinem Rat und klärte alle wichtigen Angelegenheiten. Auch den ärmsten Menschen ging es gut und sie lebten glücklich. Er war wahrlich der beste König in der Geschichte von Abalon. Doch dann verstarb eines Tages Luwyn durch Herzversagen und das graue Zeitalter des Elends begann. Es wurde gemunkelt, dass der Sohn ihn umgebracht habe. Deshalb verschworen sich einige Familien gegen den Sohn, den neuen König. So kam es dazu, dass sich manche Adelsleute mit ihrer Armee nach Valentair aufmachten. Sie verlangten, dass der König sich ihnen stellte. Doch der kam mit seiner Armee, fünfmal so viele Soldaten. Es drohte alles, aus dem Ruder zu laufen. Bevor es jedoch zur Schlacht kam, wendeten sich viele der Truppen gegen ihn und das war das Ende seiner Herrschaft als König. Die Adelsleute schlugen vor, dass sich Thion ergab und seine Strafe bekäme oder einen Kampf Mann gegen Mann bestritt. Aufgrund seines Stolzes wollte er nicht kapitulieren, sondern forderte den Anführer der Adelsleute Traka Tyrek heraus, sich mit ihm um Leben und Tod zu duellieren. Der Kampf war sehr ausgewogen, aber als der König aus seinem Ärmel einen Dolch heraus zauberte, wurde er sofort von anderen getötet, da es ein unfairer und ehrenloser Sieg gewesen wäre. Nachdem der König getötet war, erklärten sich alle wieder den Frieden, da sie endlich verstanden hatten, dass fortgesetzter Krieg nichts außer unzählige, unschuldige Opfer bringen würde. Doch ein paar Familien hatten aus dem Gemetzel profitiert, das sich die letzten Monate hingezogen hatte. Es waren die Blanes, Emeralds, Halls, Maratheons, Thorns und Tyreks.“

Völlig fassungslos höre ich diese Familiennamen. Die Fragen, die nun in meinem Kopf schwirren, häufen sich und ich bin vollkommen verwirrt.

„Warte ab, bis die Erzählung zu Ende ist, dann werden sich vielleicht alle Fragen gelöst haben.“

Ohne auch nur auf meine Antwort zu warten, fährt er mit der Geschichte fort.

„Sie waren nicht nur reich, sondern hatten sich auch gut in den Schlachten geschlagen. Dadurch bekamen sie Anerkennung und Macht. Daraus entwickelten sich diese Familien zu den sogenannten Häuser: Blane, Emerald, Hall, Maratheon, Thorn und Tyrek. Diese sind wohlhabend gewesen und auch noch jetzt. Ihnen gehören schon seit damals viele Ländereien und Städte. Seit damals pflegten sich die Clans und wurden größer. Sie sind die wichtigsten Familien von Abalon und es entstand die Tradition, dass die Töchter von diesen Häusern mit den Söhnen anderer Häuser verheiratet werden sollen. Somit sind die Familien voneinander abhängig und haben Frieden. Schon seit sie sich von den normalen Häusern hervorgehoben haben, feiern sie Feste, Turniere und Trauungen zusammen. Obwohl die Familie Tyrek den König Thion Pentos mit einem Schwert niedergestreckt hatte, wurde das Haus Emerald als neue Königsfamilie ernannt, da sie einen besseren Ruf hatten. Sie wurden ebenfalls von allen gemocht und als König gewählt. Viele Gesetze wurden erlassen oder geändert. Die Steuern auf eine angemessene Höhe gebracht und oft wurden Feste gefeiert. Der neue König Edward Emerald war toll und das Leben fing wieder an, Spaß zu machen. Seit der Ernennung des neuen Königs wurde viel wieder verändert und das war sehr gut. Das Königreich fand durch ihn wieder Halt und Standhaftigkeit. Nach einem Jahr wurde festgestellt, dass der Sommer nicht aufgehört hatte. In den nächsten eineinhalb Jahren nahm er noch immer kein Ende. Man sagte sogar, dass mit Edward der ewig anhaltende Sommer gekommen sei, aber dann nach viereinhalb Jahren kam plötzlich der Winter, wie nie zuvor.“

Ohne mit dem Reden aufzuhören geht er zum Kamin und entfacht mit schnellen gezielten Handgriffen ein Feuer. Dann setzt er sich wieder hin.

„Er dauerte über fünf Jahre an. Adelspersonen starben in Fell eingewickelt auf ihren Festungen und Mütter zertrümmerten lieber ihren Kindern den Kopf, damit sie nicht wegen der Kälte erfrieren oder verhungern mussten. Es war eine grausame Zeit.“

Ich merke überhaupt nicht, dass mir inzwischen der Mund herunterhing und fürchterlich trocken war. Ich bin wie hypnotisiert. Mein Vater starrt immer noch in das Feuer, in die tanzenden und knisternden Flammen.

Die Geschichte hat uns so sehr verschlungen und mit ihrer Grauenhaftigkeit umhüllt, dass wir nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit sind.

„Innerhalb von diesen fünf Jahren kam er, der Nebel. Wenn der Nebel einen in sich hineingesogen hatte, dann konnte man manchmal nicht einmal seine eigene Hand vor Augen erkennen und sie ließ einen nicht mehr los. Man musste wirklich aufpassen, wo man hinläuft, falls man es überhaupt wagte, hinaus in die beißende und erbarmungslose Kälte zu gehen. Dieser Winter war erst der Anfang, denn es wurde immer schlimmer. Umso länger die Sommer waren, desto länger und härter wurden auch die Winter. Im Norden gefror alles und manchmal konnte man tagelang nicht aus dem Haus, weil man sofort erfrieren wurde. Der eiskalte Wind schnitt einem ins Gesicht, falls man mit ihm in Berührung kam und brannte sich in die Haut. Die eisige Luft blieb im Hals stecken, wenn man sie einatmete und man bekam sofort einen trockenen Hals. Auch im Süden wurde es nicht besser. Der Kälte war nicht zu trotzen. Selbst der König, eingehüllt in vielen verschiedenen Fellen, zitterte am Feuer. Über Wochen hinweg mussten Familien in ihren Häusern bleiben und abwarten, wie Mäuse, die in der Falle sitzen und auf den Tod warten. Nur wenn das Feuerholz ausgegangen war, holte der Mann wieder etwas, aber oft kam er nicht wieder. Oder manchmal starben die Kinder oder Eltern, weil es einfach zu kalt gewesen war. Zum Glück nahm der Winter manchmal ab, sodass die Familien ohne Gefahr nach draußen gehen, sich versorgen und Reserven anlegen konnten. Alles musste so schnell wie möglich gehen, denn plötzlich war die Kälte wieder da und wer sich noch nicht ganz ausgerüstet hatte, war des Todes geweiht. Der Winter war kaltherzig und verschonte kein Leben, nicht einmal das eines Neugeborenen.“

Mein Herz pocht und pocht, dennoch gebe ich kein Geräusch von mir. Die Geschichte ist so fesselnd, dass ich wie angewurzelt auf der Bank sitze und Vater anstarre. Obwohl ich es nicht erklären kann, zittere ich.

Plötzlich hört er auf zu sprechen, und als, ob er gerade aufgewacht wäre, steht er langsam auf.Sein Blick löst sich vom Feuer, aber trotzdem schaut er mich nicht an. Träge schreitet er ans Fenster und beobachtet meine älteren Brüder Cato und Ares unten im Garten, die sich, in unserer Arena, im Schwertkampf üben.

Cato und Ares sind gleich alt und gleich gut im Kampf. Wenn es aber in den Faustkampf geht, hat Ares schlechte Chancen. Dafür ist er besonders gut im Bogenschießen. Sein Gesicht verzog sich und Besorgtheit blitzte für einen Moment in seinen Augen auf.

Immer noch betrachte ich Aroh und in seinen Augen spiegelt sich etwas, das ich noch nie zuvor bei ihm gesehen habe.

„Seit diesem Zeitpunkt“, fing Aroh wieder an, „wissen wir, dass der Sommer immer enden und ein unerträglicher Winter, mit vielen Toten darauf folgen wird. In diesen Jahren wurden die Häuser immer größer. Seit damals ist das Haus Hall der Herrscher über den Norden. Das Haus Blane hütet den Süden, Thorn und Maratheon regieren zusammen über den Westen und das Haus Tyrek dirigiert den ganzen Osten. Das Haus Emerald dominiert als König über Abalon. So ging es sehr viele Jahrhunderte. Als man das Jahr 3523 schrieb, passierte etwas, dann niemand jemals erlebt hat. Eines Tages fing plötzlich die Erde an so zu beben, dass jeder erschrak. Selbst als das Erdbeben vorüber war, trauten sich die Menschen immer noch nicht nach draußen. Erst am nächsten Morgen ließen sich die ersten Bewohner wieder blicken. Ein paar Wochen später nach dem Beben, machte sich ein Schiff auf, um neues Land zu finden. Sie stachen von Draglon, in der Bucht des Drachen, in See und segelten in Richtung Norden. Während der Fahrt aufs offene Meer, braute sich ein großes Unwetter zusammen. Der Himmel schwoll grau an und verdichtete das Blau. Platzregen fing an und Blitze schlugen im Wasser ein. Die Wellen peitschten gegen die Wände des Schiffes und bäumten sich auf. Das Schiff kämpfte gegen das Wasser an und drohte umzukippen, aber der Kapitän und paar andere Besatzungsmitglieder halfen, dies zu verhindern. Am nächsten Morgen war alles still, das Wasser schien sich nicht zu bewegen. Von allen 15 Seefahrern waren nur noch 11 übrig. Die anderen waren nicht mehr zu finden, es wurde angenommen, dass der Sturm sie vom Boot ins weite, offene Meer gesogen hatte. Die Mannschaft und auch der Kapitän hatten die Orientierung verloren. Sie wussten nicht, wohin und so trieben sie einige Tage lang, da das Ruder vom Wasser und den Wellen zerstört worden war. Als alle Hoffnung verloren und alles Essen und Trinken aufgebraucht war, sahen sie sie. Die Insel. Die ganze Belegschaft war aufgeregt und glücklich. Sie setzten gleich Anker und ruderten zusammen zur Insel. Als sie ankamen, war niemand dort zu finden.

Sie dachten: „Vielleicht sind wir einfach an einem unbewohntem Ort gelandet.“

So machten sich alle auf und suchten nach Menschen und Nahrung. Aber der Dschungel war voller wilder Tiere, die angriffslustig und noch nie gesehen worden waren. Doch schon bald erkannten sie, dass sie nicht auf Abalon sondern einer anderen, unbekannten Insel gestrandet waren. Innerhalb von acht Tagen konnte man zu Fuß die Insel einmal ganz umrunden. Sie fischten, aber trotzdem reichte das Gefangene nicht aus, um alle jeden Tag zu ernähren. Da sie keine weitere Nahrung finden konnten und nicht den Wald betreten wollten, reparierten sie ihr Ruder und beschlossen, dass sie sich mit allem was, sie haben und gebrauchen könnten, wieder auf den Weg machen sollten, weil sie dort nicht lange überleben würden. Daraufhin packten die Seemänner alle Sachen und brachen auf, mit dem Ziel, Abalon zu finden oder beim Versuch zu sterben. Deshalb starteten sie von der Stelle, an der sie angespült worden waren und segelten in die entgegengesetzte Richtung. Nach drei Tagen langer, mühsamer Fahrt, schrie plötzlich der Späher und verkündete, dass Land in Sicht sei. Sie hatten es wirklich geschafft. Diese Mannschafft war zwei Mal dem Tod entronnen. Dieses Mal war es wirklich Abalon und noch sieben Menschen mit dem Kapitän der Schiffsbesatzung lebten. Sie kamen an der Nordwacht in der Nähe von Albertron an und wurden gastfreundlich aufgenommen. Sie waren ausgehungert und so schwach, dass sie sich kaum noch auf ihren Beinen halten konnten. Es dauerte eine Woche lang bis diese Seemannsleute sich wieder richtig erholt hatten und bei Kräften waren. Nach dieser Erholung machten sie sich unverzüglich nach Draglon auf. Eine zwanzig Mann starke Eskorte von Rittern begleitete die sieben Seeleute auf dem „grauen Pfad“. Als sie in der Hafenstadt ankamen, teilten sie der Familie Hall mit, was sie erlebt hatten. Daraufhin erklärten sich acht Forscher und der Sohn einer wohlhabenden Familie bereit, sich auf den Weg zu machen und die Insel zu untersuchen. In den nächsten zwei Wochen wurde alles vorbereitet. Ein großes Schiff wurde mit Vorräten und Instrumenten beladen. Das riesige Segelschiff stach mit 21 Mann in See. Sie segelten aus der Bucht des Drachen hinaus und nach Nordosten. Nach einer viertägigen Schifffahrt war Land in Sicht. Wie es sich herausstellte, war es die Insel, nach der sie gesucht hatten. Sie war nicht wirklich groß, aber dennoch groß genug, um viele unbekannte Gefahren zu verbergen. In derselben Nacht als sie angekommen waren, schlugen sie ihr Lager auf und bereiteten sich vor. Doch niemand hatte das erwartet, was dann kam. In dieser Nacht sind sie das erste Mal in Erscheinung getreten.“

Aroh hört kurz auf zu sprechen. Lauschend sitze ich da und atme kaum, obwohl mein Herz rast.