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Das Buch handelt von der unbekümmerten Reisefreundschaft zweier Frauen von der Schulzeit bis zum Erwachsenenleben in der Zeit von Ende 1950 bis Anfang 1980 in verschiedene Regionen der Welt. Voller Verdruss über das Leben im spießigen und autoritären Berlin in der Nachkriegszeit bis 1968 (wird im ersten Teil des Buches geschildert), machen sie sich unbefangen und unvoreingenommen auf Abenteuerreisen mit wenig Geld und per Anhalter. In der heutigen Zeit wären derartige Abenteuerreisen zweier „alleinreisender“ Mädchen bzw. Frauen in fremde Länder, die z.Zeil wegen politischer Konflikte längst nicht mehr problemlos bereisbar sind, kaum noch möglich.
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Das vorliegende Buch »Abenteuerreisen mit Usch« zeigt die unbekümmerte Reisefreundschaft zweier Frauen von der Schulzeit bis zum Erwachsenenleben in der Zeit Ende 1950 bis Anfang 1980. Es handelt sich um Erinnerungen an gemeinsame Abenteuerreisen mit einer vor kurzem verstorbenen Freundin.
Voller Verdruss über das Leben im spießig-kleinbürgerlichen Berlin in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit machen sie sich – Usch und Monika, genannt Jule – bereits während der Schulzeit unbefangen und unvoreingenommen auf die Reise mit wenig Geld per Anhalter in viele Regionen der Welt.
Trotz gegensätzlicher Charaktere – Usch diszipliniert und kultiviert, zwei Jahre älter und selbständiger, Jule emotionsgeladen und spontan – vereint sie ein unstillbares Verlangen, aus spießigen Familien- und Schulverhältnissen in Berlin auszubrechen in Abenteuer in fremden Ländern.
Bei Usch dominierte vielleicht etwas mehr die Wiss- und Lernbegierigkeit bezüglich fremder Kulturen, bei Jule die Erlebnishungrigkeit und damit der Wunsch, fremde Länder und Menschen auf sich einwirken zu lassen und dem Berliner Schul- und Familienstress zu entkommen.
Quasi unbemerkt entwickelte sich im Laufe der Jahre aus diesen Abenteuerreisen trotz aller Gegensätzlichkeiten eine tiefe, absichtslose, vertraute Freundschaft zwischen den beiden Gefährtinnen. Wenn es um Gefahren ging, denen sie nicht ausweichen wollten, waren beide meist gleichermaßen Feuer und Flamme. Die beinahe grenzenlose Bewunderung für Usch seitens Jule, ihre große Orientierungssicherheit, ob zuhause oder in fremden Kulturen, ihre ungewöhnliche Selbständigkeit und Entscheidungssicherheit ließen echte Streitigkeiten zwischen ihnen gar nicht erst aufkommen.
Anderseits wären die Abenteuerreisen zweier alleinreisender Mädchen bzw. Frauen in fremde Länder, die zum Teil wegen politischer Konflikte schon längst nicht mehr problemlos bereisbar sind, in der heutigen Zeit so kaum noch denkbar, weshalb die Kurzgeschichten auch bei manchen Leserinnen und Lesern auf Interesse stoßen könnten.
Im ersten Teil des Buches ist noch in einigen Stichworten und Skizzen das spießige und beengte Leben vor 1968 in Berlin beleuchtet, das vermutlich mit dazu beigetragen hat, dass sich die beiden Freundinnen mutig und unbekümmert auf ihre Reisen in viele Regionen der Welt gemacht haben.
Vorwort
Das spießige Leben in Berlin vor 1968
Abenteuerreisen mit Tante Usch
Wie hatte eigentlich alles begonnen?
Paris – das Ziel unserer Träume
Gurkensalat: pommersche oder baden-württembergische Art?
Der Hafen von Piräus: Wird er uns zum Schicksal?
Gibt es den »türkischen Macho« überhaupt?
Hat Tante Usch immer noch ein grünes Gesicht?
Was hat die Spieltheorie mit der Reise nach Indien zu tun?
Rache ist süß – trifft aber gelegentlich die Falschen
Übermut kommt vor dem Fall
Auch ehemals war das Busfahren in Syrien schon gefährlich!
Wer oder was hat Tante Usch gebissen?
Der arme Türke aus Damaskus
I am a bird
Hat Tante Usch die Krokodile wirklich nicht gesehen?
Die Göttin des Rio Beni – Phantasie oder Wirklichkeit?
Der arme Deleu aus Bahia
Einmal den Rio Branco sehen … (»und dann sterben«)
Nachwort
Ich habe die Geschichten über meine Abenteuerreisen mit meiner Freundin Usch meinen Kindern und Enkelkindern wieder und wieder erzählt, immer unter dem Stichwort »meine Abenteuer mit Tante Usch«, sodass ich auch bei der folgenden Sammlung unserer Reiseerlebnisse bei der Anrede »Tante« geblieben bin.
Meine Tochter Katharina sagte zu mir in frühen Zeiten: »Mum, erzähl mir eine Geschichte von Tante Usch. Du kannst ruhig etwas dazuerfinden, es muss nur spannend sein.« Ich brauchte aber nur selten etwas dazuzuerfinden. Überhaupt stellte ich fest, es ist schwerer – zumindest für mich –, eine Geschichte zu erfinden, als über wahre Begebenheiten und Erlebnisse zu berichten. Über zwei bis drei Jahrzehnte hinweg (etwa zwischen 1957 und 1982/83) haben Tante Usch und ich gemeinsame Abenteuerreisen unternommen, beginnend bereits mit unserem 14. (ich) und 16. (Usch) Lebensjahr.
Ich habe es immer als großen Glücksfall empfunden, dass wir uns für diese Reisen gefunden haben, getrieben beide von den gleichen Sehnsüchten und dem starken Verlangen nach Abenteuern, Ungewöhnlichem, so auch Gefahren, aufregenden Erlebnissen, nach dem sogenannten Thrill oder Kick, aber auch gegen diese unerträglichen Abneigungen: das kleinkarierte, spießige und freudlose Umfeld, die Perspektivlosigkeit einseitiger Lebensorientierung, das eintönige, autoritäre und bürokratische Leben in Berlin. Wir hielten es dort nie lange aus. Die regelmäßige Flucht in das Ungewisse und Neue erschien uns als willkommener und legitimer einziger Ausweg.
Eigentlich waren wir ein Traumteam! Trotz aller Verschiedenartigkeit unserer Charaktere oder vielleicht gerade auch deshalb: Tante Usch (zwei Jahre älter als ich), in frühen Jahren erwachsener, verantwortungsvoller und sozialer, hilfsbereiter als ich. Aber auch stark in sich ruhend, meist (!) besonnen, von ungewöhnlichem und raschem Orientierungssinn in allen Fragen des Lebens und Reisens, allerdings in Bezug auf das andere Geschlecht oft etwas naiv, zu verständnisvoll, wie ich fand, wo es vielleicht nicht angebracht gewesen wäre. Ich, immerhin, in gefährlichen Situationen reaktionsschnell und risikobereit. Wir konnten uns auf Reisen immer rückhaltlos aufeinander verlassen. Die Frage des »Jetzt ist Schluss«, »Aus« gab es nie, vielleicht weil wir uns auf unseren zum Teil recht gefährlichen Reisen ein derartiges Verhalten gar nicht hätten leisten können. Und wir uns dessen auch immer bewusst waren.
Wir ergänzten uns auch mit austauschbaren Rollen. Mal war ich die Mutige, mal sie die Treibende. Meistens siegte der gemeinsame (oft auch sehr gefährliche) Wunsch nach noch größeren Abenteuern und Risiken.
Ich hatte immer mal vor, die Geschichten über unsere Abenteuerreisen aufzuschreiben. Ich kam aber irgendwie nie dazu. Jetzt ist Tante Usch tot (nach langwieriger Krankheit und abruptem Tod).
Einmal hat Tante Usch zu mir gesagt: »Weißt du, Moni, dass ich mich in Gedanken fast täglich mit dir unterhalte?« Ich war sehr überrascht, aber auch sehr beglückt. Nie hat ein anderer Mensch etwas so Nettes zu mir gesagt. Ich war auch deshalb so erstaunt, da Usch sonst ein eher verschlossener Mensch war und nur selten über Gefühle sprach. Jetzt bin ich es, die täglich an sie denkt. Vielleicht hilft es mir, mich gleich mal hinzusetzen und alles niederzuschreiben, was mir über unsere Abenteuerreisen noch einfällt.
Als mich meine Enkeltochter Yasmin (neun Jahre alt) beim Schreiben überraschte, diktierte sie mir folgenden Text: »Tante Usch war ein guter Mensch. Ich möchte auch einige Worte über sie beitragen. Ich kannte Tante Usch nicht persönlich. Alle Menschen müssen mal sterben, aber jeder hatte mal ein gutes Abenteuer. Tante Usch, die Freundin meiner Oma, war sehr lebenslustig und hat viele Abenteuer erlebt. Wenn ich ihre Geschichten lese, dann ist sie für mich wie eine Art Legende (woher kannte Yasmin dieses Wort?). Auch wenn sie nicht mehr da ist, ist sie mir ganz nah und bleibt immer in unseren Herzen.«
An dieser Stelle möchte ich mich noch bei meinen Enkelkindern Jacqueline, Jakob, Madeleine, Julia, Yasmin, Anne und Tom dafür bedanken, dass sie mir immer so aufmerksam und erfreut gelauscht haben, ich brauchte daher nur selten Geschichten vorzulesen – was ich nicht so gerne mache –, und dass sie auch einige hübsche Bilder zu meinen Geschichten gemalt haben.
Ich bedanke mich auch bei meinen Freundinnen Katrin und Liuba sowie bei meiner Tochter Katharina für hilfreiche Anregungen zum Text. Für Design und Layout bedanke ich mich bei meiner Tochter Tatjana und meinem Schwiegersohn Andreas.
Wenn ich von meinen Abenteuerreisen mit Usch im Bekannten- oder Familienkreis erzählt habe, wurde ich damals immer wieder gefragt, um was für spießige und eintönige Lebensverhältnisse es sich denn gehandelt hätte, denen wir unbedingt entfliehen wollten.
Heute, wo solche Reisen schlicht kaum noch möglich sind, haben sich auch die damaligen Spießigkeiten wesentlich erträglicher gestaltet, nicht zuletzt dank der gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen seit den legendären Jahren 1967/68. Da sich spätere Generationen oft kaum noch vorstellen können, wie beengt und spießig die Lebensverhältnisse im Nachkriegsberlin waren und wie wichtig es gerade deshalb ist, für die in den letzten Jahrzehnten gewonnenen Freiheiten und Rechte zu kämpfen und gegen Unterdrückung in jeder Form einzutreten, hier einige Stichworte zu unserem Leben in Berlin in der Zeit bis 1967/68.
Usch war das jüngste von drei Mädchen. Sie hatte insofern eine schwere Jugend, als ihre Mutter sehr kränklich war (oder dies immer wieder behauptet hat, obwohl sie 97 Jahre alt wurde) und sich durch drei Mädchen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren (Zweiter Weltkrieg) total überfordert fühlte. Usch war deshalb schon zu Beginn ihrer Schulzeit an eine Pflegefamilie fortgegeben worden. Aus Bequemlichkeit wurde sie – die ohnehin schon zu spät in den Nachkriegswirren und wegen des Umzugs aus Magdeburg eingeschult worden war – von der Pflegefamilie gezwungen, die erste Schulklasse zweimal zu absolvieren, da sie mit der Tochter des Hauses immer gleichzeitig zur Schule gehen und zurückkommen sollte. Jahre später, als sie es bei der Pflegefamilie nicht mehr aushalten konnte, ist sie dann aus der Pflegefamilie getürmt und zu ihren leiblichen Eltern zurückgekehrt, ob die nun wollten oder nicht. Usch war also immer zwei Jahre älter als der Durchschnitt ihrer Klasse. Nur so konnte ich mir später erklären, dass sie sich in der Schule viel gelangweilt hat und entsprechend hart ums Überleben kämpfen musste, um nicht notenmäßig weiter abzurutschen oder gar sitzen zu bleiben.
Ihre um etliche Jahre ältere Schwester Lore wurde Lehrerin und mochte Mädchen/Frauen wie viele zu jener Zeit keinerlei oder wenige Fähigkeiten zugestehen. Sie verwies auf fehlendes logisches Denken, fehlende Kreativität usw. Auf meine bohrende und verzweifelte Frage »Gibt es denn nun gar nichts …« rang sie sich nach langem Zögern und Nachdenken »Emotionalität« als einzige bemerkenswerte Eigenschaft ab.
Meine kurzfristigen Ambitionen, später Jura zu studieren, kommentierte sie mit den Worten »Das kannst du gar nicht, weil du als Mädchen gar nicht logisch denken kannst«. Als ich ihr widersprach, sagte sie reichlich heftig: »Ja, vielleicht schaffst du es, aber nur weil du alle Gesetze auswendig lernen wirst.«
Usch hörte sich derartige Behauptungen eher aus einer gewissen Distanz an und schaltete auf Durchzug. Zweifellos trugen ihre schwierigen Lebensverhältnisse dazu bei, dass sie bereits in früher Jugend ein ungewöhnliches Maß an Selbständigkeit und Orientierung erlangte.
Meine mütterliche Familie kam aus einfachen kleinbäuerlichen Lebensverhältnissen in Bütow, Pommern. Darüber wurde wenig erzählt. Immerhin ging eine an einem Horn schwer verletzte Kuh, die sie in jungen Jahren oft allein an Hang und Wiese weiden musste, meiner Tante Elke nie aus dem Sinn. Sie glaubte fest daran, den Kopf stundenlang hochhalten zu müssen, damit sie nicht verblutete.
