Alle Bände der knisternd-fesselnden »Magie-Reihe« in einer E-Box (Die Magie-Reihe) - Christina M. Fischer - E-Book

Alle Bände der knisternd-fesselnden »Magie-Reihe« in einer E-Box (Die Magie-Reihe) E-Book

Christina M. Fischer

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Beschreibung

**So knisternd wie magisch: Tauch ein in die Welt der Phönixe** Mel hat nicht ohne Grund versucht, den Vorfall mit ihrem Drachenei für die Magieprüfung vor ihrem Hexenmeister geheim zu halten. Denn der unnahbare Ash steht regelrecht in Flammen, als er erfährt, dass daraus kein Drache, sondern eine Phönixkönigin auferstanden und zu allem Überfluss geflohen ist. Die gemeinsame Suche nach dem zerstörerischen Feuerwesen führt die beiden schon bald in eine ebenso magische wie gefährliche Welt. Die Phönixkönigin bleibt dabei nicht das einzige zauberhafte Wesen, das die Schicksale und Herzen von Mel und Ash miteinander verbindet… //Dies ist eine E-Box aus dem Carlsen-Imprint Dark Diamonds. Jeder Roman ein Juwel. Sie enthält alle drei Bände der knisternd-fesselnden »Magie-Reihe«: -- Durch Magie erwacht (Die Magie-Reihe 1)  -- Vom Fluch entzweit (Die Magie-Reihe 2) -- Im Zauber vereint (Die Magie-Reihe 3)// Diese Reihe ist abgeschlossen.

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Dark Diamonds Ein Imprint der CARLSEN Verlag GmbH © der Originalausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2019 Text © Christina M. Fischer, 2018, 2019 Lektorat: Diana Tiede Coverbild: shutterstock.com / © Dmytro Vietrov / © Digiselector Covergestaltung der Einzelbände: ungecovert - Buchcover und mehr (Kim Leopold) Gestaltung E-Book-Template: Gunta Lauck / Derya Yildirim Satz und E-Book-Umsetzung: readbox publishing, Dortmund ISBN 978-3-646-30182-3www.carlsen.de

Dark Diamonds

Jeder Roman ein Juwel.

Das digitale Imprint »Dark Diamonds« ist ein E-Book-Label des Carlsen Verlags und publiziert New Adult Fantasy.

Wer nach einer hochwertig geschliffenen Geschichte voller dunkler Romantik sucht, ist bei uns genau richtig. Im Mittelpunkt unserer Romane stehen starke weibliche Heldinnen, die ihre Teenagerjahre bereits hinter sich gelassen haben, aber noch nicht ganz in ihrer Zukunft angekommen sind. Mit viel Gefühl, einer Prise Gefahr und einem Hauch von Sinnlichkeit entführen sie uns in die grenzenlosen Weiten fantastischer Welten – genau dorthin, wo man die Realität vollkommen vergisst und sich selbst wiederfindet.

Das Dark-Diamonds-Programm wurde vom Lektorat des erfolgreichen Carlsen-Labels Impress handverlesen und enthält nur wahre Juwelen der romantischen Fantasyliteratur für junge Erwachsene.

Christina M. Fischer

Durch Magie erwacht (Die Magie-Reihe 1)

**Wie der Phönix aus der Asche …** Die 23-jährige Magiestudentin Mel hat es bis jetzt erfolgreich vermieden, den für sie zuständigen Hexenmeister aufzusuchen. Denn Ash Bradak gilt als unnachgiebig und unnahbar. Nun aber muss sie ihm beichten, dass sich das Drachenei, das sie für ihre Prüfung pflegen sollte, in Flammen aufgelöst hat. Der rothaarige Hexenmeister mit den Augen einer Raubkatze scheint wenig begeistert, als er erfährt, dass stattdessen eine Phönixkönigin aus der Asche auferstanden ist und in der Stadt ihre Spuren hinterlässt. Notgedrungen begeben sich Mel und Ash schließlich zusammen auf die Suche nach dem Feuerwesen. Dabei lernt Mel ganz andere Seiten des Hexenmeisters kennen und kann sich seiner gefährlichen Anziehungskraft bald nur schwer entziehen …

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Vita

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© privat

Christina M. Fischer, Jahrgang 1979, lebt mit ihrer Familie im schönen Main Spessart. Sobald sie lesen konnte, verschlang sie ein Märchenbuch nach dem anderen, später wechselte ihre Leidenschaft zu Fantasy. Mit vierzehn Jahren begann sie mit dem Schreiben eigener Geschichten. Ihre bevorzugten Genres sind Urban Fantasy, Dark Fantasy und Romance Fantasy.

1. KAPITEL

Eine Hexe zu sein, war für mich nicht immer von Vorteil. Ich empfand es nicht als besonders prickelnd, dass meine Schultüte an meinem ersten Schultag in Flammen aufging, und verfiel auch nicht in Jubelschreie, als mein schwarzes Haar sich wie von selbst rot färbte, und das bei meinem ersten Date mit Henry Homs, bei dem er mir gestanden hatte, dass rothaarige Frauen einfach unvergesslich für ihn seien.

Seit die Hexen sich vor fünfzig Jahren den Menschen zu erkennen gegeben hatten, verlief der normale Alltag nicht mehr so normal. Hexenclubs schossen wie Pilze aus dem Boden und an jeder Ecke konnte man einen Bio-Hexenladen mit ultramodernem, feuerfestem Hexenkessel aufsuchen. Seltener waren jene Läden zu finden, die magische Utensilien der alten Welt verkauften.

Sie war eine verborgene Welt fernab unserer Normalität, in die nur sehr mächtige Hexen und Hexenmeister gelangten, um zum Beispiel die Schuppe eines Feuerbasilisken oder die Klaue eines neugeborenen Drachen zu ergattern. Zutaten, die man für besonders schwierige Zauber benutzte und die ich derzeit benutzen musste, wenn ich meine Prüfung, die im Volksmund Wie werde ich eine hervorragende Hexe hieß, mit Bravour bestehen wollte. Die erste Prüfung, Plötzlich Hexe, hatte ich eher widerwillig abgelegt, und das nur, weil meine Mom damit gedroht hatte, mir monatelang Spinat vorzusetzen.

Meine damalige Lehrerin, eine Hexe mit krausem Haar und einer dicken Warze am Kinn, hatte mich so lange gelobt, bis mir der Neid und der Hass meiner Mitschüler sicher waren. Dafür war ich jedoch so hoch in der Achtung meiner Mom gestiegen, dass sie mir so lange mein Lieblingsgericht Lasagne serviert hatte, bis es mir zum Halse hinaushing. Meine erste Erfahrung in der Hexenakademie hatte mir damit allerdings gereicht, weshalb ich mich gleich darauf auf dem College einschrieb. Jeder hatte mir vorgehalten, dass diese vier Jahre verschwendet wären, aber ich ließ mich nicht umstimmen. Das College war Teil meiner Zukunftspläne und zumindest diese wollte ich wahr werden lassen, bevor ich mich meinem Schicksal als Hexe ergab.

Mit mittlerweile dreiundzwanzig Jahren besaß ich einen Collegeabschluss, eine eigene Wohnung und durfte alle drei Monate mit dem Besuch meiner Eltern rechnen, während ich die Hexenakademie besuchte, aber damit kam ich klar. Die letzte Visite lag nur ein paar Tage zurück, daher konnte ich mich vorerst entspannen und mich ganz meiner zweiten Hexenprüfung widmen.

Gemeinsam mit meiner Kommilitonin Tracey Winds hatte ich die Aufgabe bekommen, ein Drachenei bis zum Schlüpfen zu betreuen. Den neugeborenen Drachen sollten wir dann dem Hexenmeister überreichen, der für unseren Bezirk im sonnigen Florida zuständig war. So sah es der Aufnahmeritus im Hexenzirkel vor. Normalerweise wäre das eine durchaus machbare Aufgabe – mit Betonung auf wäre –, denn Tracey ging lieber mit ihren Freundinnen feiern und so unterlag es mir alleine, Mami für einen noch nicht geschlüpften Drachen zu spielen.

Dazu gehörte das tägliche Baden in verzaubertem Drachenfeuer zusätzlich zu mehreren Stunden Kuscheln an meiner Brust, damit der Drache auch das Schlagen meines Herzens hören konnte. Ms Obermeyer, meine Beraterin, was Hexendinge betraf, hatte uns nahegelegt sich abzuwechseln, damit wir genügend Schlaf bekamen. Dumm nur, dass Tracey das so gar nicht interessierte.

Gäbe es meinen Mitbewohner nicht, ich wäre verzweifelt. Percy Lombardi, ein waschechter Elf aus der alten Welt mit vortrefflichen Manieren, der sich wie eine Diva aufführte, sobald sich ein gut aussehender Typ in der Nähe befand, ergänzte mein neues eigenständiges Leben in der Großstadt Miramar.

»Mel, wo bist du?«

Percys Stimme kam aus dem Flur. Ich stand gerade über meinen großen Kupferkessel gebeugt, der auf unserem neuen, wesentlich größeren Herd stand und vor sich hin dampfte, und goss penibel flüssiges Drachengold hinein. Das nächste Bad für mein Prüfungsei war fällig und ich durfte mich keine Sekunde verspäten, sonst ging das Experiment in die Hose und ich konnte meine gute Note vergessen.

Als Kind hatte ich meinen Eltern lange übel genommen, dass ich mich dem Hexenzirkel anschließen musste. Meine Zukunft war klar definiert gewesen: Schule, College, vielleicht ein Studium und danach ein Job, der mich erfüllt, mit einer kleinen Familie als Zugabe.

Die Einführung in die Hexengemeinschaft hatte in meinen Augen alles zunichtegemacht und ich hatte lange gebraucht, um mich an mein neues Leben als Hexe zu gewöhnen.

Heute hatte ich ein neues Ziel vor Augen. Ich wollte einen eigenen Hexenladen eröffnen und musste dafür fünf der zehn Prüfungen bestehen. Ich war erst bei Nummer zwei. Was die Prüfungen betraf, war ich damit deutlich im Rückstand und durfte mich eigentlich nicht über Tracey beklagen, immerhin war sie fünf Jahre jünger als ich.

»Mel?«

Percys Stimme hatte mittlerweile einen schrillen Tonfall angenommen. Ich wollte ihm gerne meine Aufmerksamkeit schenken, aber diese Mixtur war einfach zu wichtig. Vorsichtig goss ich die leuchtende Flüssigkeit in den brodelnden Sud und nickte zufrieden, als es wie gewohnt dreimal laut blubberte.

»Mel!«

»Percy, verflucht!«, zischte ich. »Das ist wichtig für das Drachenei, sonst geht es kaputt.«

»Dein dämliches Ei ist schon kaputt«, jammerte Percy. Ich stockte und richtete mich ungläubig auf. Mein Elfen-Mitbewohner stand im Türrahmen und deutete auf den Schal, den ich ihm geliehen hatte, damit er das Ei ruhig auf seiner flachen Brust halten konnte. Der luftige Stoff wackelte bedenklich hin und her und es war eindeutig nicht Percys hektischer Atem, der dafür verantwortlich war.

»Was hast du gemacht?«, schrie nun auch ich schrill.

»Gar nichts«, entgegnete er empört. »Ich hab mir nur Oprah angeschaut, da fing es an, sich zu bewegen.«

»Aber was machen wir jetzt?«

»Woher soll ich das wissen?«, fauchte Percy. »Ich habe nur den Babysitter gespielt.«

Entschieden griff er in die Falten des Schals und holte das Ei heraus. Ich zwang mich zuzusehen, wie Percy das mittlerweile dunkler werdende Ei in die Hand nahm und das Gesicht verzog.

»Was ist?«, fragte ich aufgeregt.

»Es ist knallheiß«, zischte Percy. Sein lockiges Haar flog um sein Gesicht, als er unkontrolliert hin und her tänzelte. Mir blieb der Mund offen stehen, denn mit der Hand, in der er das Ei hielt, wedelte er genauso hektisch herum. Immer mehr Rauch stieg von seinen Fingern auf. Ich wollte ihm eine Warnung zurufen, da flog ihm das Ei in einer Abwärtsbewegung aus der Hand und klatschte auf den Tisch.

Ich wusste nicht, wer schockierter aussah, ich oder der Elf vor mir. Wie auf einen stummen Befehl hin sahen wir gleichzeitig nach unten. Ich rechnete schon mit dem Schlimmsten und seufzte erleichtert auf, als ich sah, dass das Ei wie durch ein Wunder unversehrt geblieben war. Im nächsten Moment flammte es mit einem Wusch hell auf und mein kostbares Experiment verschwand in einem rot glühenden Feuer.

Percy und ich sprangen erschrocken vom Küchentisch weg und brachten uns in Sicherheit, von wo aus wir weiter wie zwei Mondkälber auf den Tisch starrten.

Mein Mitbewohner fing sich schneller. Er rannte in den Flur und kam wenig später mit unserem Feuerlöscher zurück.

Wenn die Flammen mein Drachenei nicht erledigen würden, der Feuerlöscher würde es definitiv schaffen. Beschützend baute ich mich vor dem brennenden Tisch auf und streckte warnend die Hände in Percys Richtung aus. »Was hast du damit vor?«

»Dein Experiment fackelt unsere Küche ab«, entgegnete er mit funkelnden Augen und sah im Moment nicht mehr so liebenswürdig aus, wie es der Art der Elfen entsprach.

»Ähm, lass uns darüber reden«, warf ich ein, um Zeit zu schinden. Fieberhaft dachte ich über einen Zauberspruch für das Feuer nach, doch Percys Voranstürmen lenkte mich ab. Schließlich warf ich mich auf ihn und begrub ihn unter mir. Ich hoffte nur, mein Angriff würde mir keinen Furunkelfluch einbringen. Elfen waren federleicht und sahen nicht besonders stark aus, aber sie waren verdammt gut darin, jemanden zu verfluchen.

Die spitzen Ohren unter dem blonden Haar wackelten bedenklich, das taten sie immer, wenn Percy schlechte Laune hatte. Wir rangelten um den Feuerlöscher und übersahen so fast das Wesentliche: Das Feuer löschte sich von selbst.

Mir kamen fast die Tränen vor enttäuschter Wut, als ich den Aschehaufen sah, der sich auf unserem Holztisch auftürmte.

Percy hatte wie ich den Streit sofort vergessen und nahm mich tröstend in den Arm.

»Mel, das wird schon wieder«, versuchte Percy mich aufzumuntern.

»Ich habe … hicks … vier Monate lang … hicks … daran gearbeitet.«

Wieso musste ich ausgerechnet jetzt einen Schluckauf bekommen?

Und was sollte ich tun? Ms Obermeyer würde kein Verständnis für mein Versagen aufbringen und ich brauchte die Lizenz unbedingt für die nächste Prüfung.

Da unterbrach ein anderes Geräusch mein deprimiertes Schluchzen. Der Aschehaufen bewegte sich ruckelnd.

Was kam denn nun auf mich zu? Irritiert beugte ich mich nach vorne, um ihn mir anzusehen, da stob die Asche zur Seite und ich konnte das Ei sehen. Wie sonst stand es vor mir, nur wesentlich kleiner und irgendwie … reiner. Schale splitterte davon ab und ich sah etwas Goldenes aufblitzen.

Geschockt packte ich Percys Hemd und zog daran, damit er es sich ebenfalls ansah. Das zugefügte Loch wurde größer und größer.

War mein Experiment doch nicht verpatzt? Es lief zwar nicht so, wie es sollte, aber der Drache im Ei schien am Leben zu sein. Noch während ich darüber nachdachte, schoss etwas aus dem Ei zum gekippten Fenster und verschwand nach draußen.

Danach war ich um zwei Dinge schlauer: Erstens, was auch immer in dem Ei gewesen war, war definitiv kein Drache, und zweitens, was kein Drache gewesen war, war mir soeben entwischt und befand sich in der Menschenwelt auf freiem Fuß, was deutlich gegen die Hexengesetze verstieß. Kein Fabelwesen durfte in der Menschenwelt frei herumstreunern.

Mir drohte nicht nur das Durchfallen in der Prüfung, sondern auch eine hohe Konventionalstrafe, weil ich nicht sorgsam genug mit meinem Experiment umgegangen war.

Meinem Ziel, einen eigenen Hexenladen zu führen, konnte ich allmählich Lebewohl sagen.

***

Nach meiner kleinen Panikattacke, was das schiefgegangene Experiment betraf, hatten Percy und ich die Umgebung verzweifelt abgesucht, aber nichts gefunden. Niedergeschlagen hatten wir meine Beraterin aufgesucht, die ihrem Beruf ganz und gar nicht gerecht wurde. Nein, sie habe mir niemals im Leben ein falsches Ei gegeben. Ich müsse einen Fehler gemacht und die Eier irgendwo anders vertauscht haben. Es lag jetzt an mir, die eingebrockte Suppe wieder auszulöffeln.

Das waren noch die harmlosesten Aussagen, die sie von sich gegeben hatte. Als sie dann Percy zu Gesicht bekommen hatte, schien sie vollends die Fassung zu verlieren. Sie plapperte etwas davon, dass es bei einem Elf als Mitbewohner kein Wunder wäre, dass ich versagt hatte.

Hexen und Elfen waren seit dem letzten Krieg vor zweihundert Jahren … nun ja … nicht gut aufeinander zu sprechen, aber bisher hatte ich mich aus den alten Streitigkeiten herausgehalten. Warum sollte ich mich aufgrund von Vorurteilen von jemandem fernhalten? Percy hatte mir nichts getan und war mir ein guter Freund.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als den letzten Vorschlag meiner Beraterin zu befolgen: Geh zu deinem Manitu und beichte deine Sünden.

In meinem Fall bedeutete das, meinen Hexenmeister aufzusuchen und so lange auf den Knien vor ihm zu rutschen, bis er mir mein Versagen vergab.

»Der Kerl wird mich das nie vergessen lassen«, stöhnte ich. »Ich habe einen … was auch immer auf die Menschheit losgelassen!«

»Vielleicht ist es ja nur ein ganz harmloses … Ding?«, versuchte Percy den Vorfall abzumildern.

»Klar, es fackelt unsere Küche ab, ist aber ansonsten total lieb und anhänglich«, sagte ich ironisch. Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon arm wie eine Bettlerin vor dem Haus meiner Eltern stehen und ihnen mein Versagen beichten. Kein Spezialhexenladen und keine Zukunft, in der ich auf ehrbare Weise mein Geld verdienen konnte.

Noch nicht einmal das verwöhnte Gör Tracey schien sich die Schuld dafür zu geben. Sie war ja nicht da gewesen, als es passiert war, hatte sie mir vorhin am Telefon gesagt. Tatsächlich war sie sogar so dreist mich zusammenzustauchen, weil ich ihr Experiment versaut hatte.

»Und wie ist dein Hexenmeister so?«

Diese Frage deprimierte mich noch mehr. Jede Hexe in Ausbildung verbreitete Gerüchte über ihn. Laut denen war mein Hexenmeister, Ash Bradak, von der speziell netten Sorte, die ihren Untergebenen das Fell über die Ohren zog, wenn sie auch nur ein einziges Mal scheiterten. Am liebsten hätte ich mich auf einen anderen Kontinent geflüchtet, aber leider führten die verschiedenen Hexenhäuser gute Beziehungen untereinander. Flucht war also keine Option.

***

»Wir sind da«, meinte Percy betont drängend, als ich mich minutenlang nicht gerührt hatte. »Steigst du jetzt aus oder nicht?«

Um ehrlich zu sein, wollte ich das eher nicht. Das Haus vor mir hatte beträchtliche Ähnlichkeit mit dem der Munsters. Mein Dad hatte diese Serie aus den Sechzigern abgöttisch geliebt, obwohl ich vermutete, dass das vor allem an der Hauptdarstellerin gelegen hatte, die eine gewisse Ähnlichkeit mit meiner Mom besaß.

»Was soll der Kitsch?«

Percy hob eine Braue. »Kitsch?«

»Na ja, schau es dir an. Wie kann man so leben?«

Nun lachte er belustigt. »Gib es zu, du hast Schiss!«

Ach! Nur weil die Bude aussah, als würde sie schon beim leichtesten Anklopfen zusammenbrechen?

»Sind wir haftpflichtversichert?«

»Ich weiß nicht, aber vielleicht findest du das heute Nacht heraus.«

»Wunderbar«, nuschelte ich und stieg aus. Um das ganze Szenario zu vervollkommnen, waren düstere Wolken am Firmament erschienen und es donnerte bedrohlich. Ein rauer Wind wehte welkes Laub vor mir her und ließ es in kleinen Wirbeln nach oben schweben.

Unbehaglich ging ich zwischen ausgedörrten Eichen auf das dunkle Haus zu. In dem Moment, als ich den Fuß hob, um die Stufen zur Tür hochzusteigen, setzte heftiger Regen ein.

Meine schönen Haare, die ich heute Morgen eine halbe Stunde lang geglättet hatte, lockten sich sofort und hingen mir wirr ins Gesicht. Ich hob die Hand, um anzuklopfen, und sprang zur Seite, als die Tür plötzlich aufgerissen wurde. Im nächsten Moment rauschte etwas Haariges an mir vorbei und übergab sich lautstark hinter einem Busch.

Gelächter und Musik drangen aus dem Inneren des Hauses.

»Ha! Morlok hat es erwischt!«

Der Sprecher stand in der Tür und trug einen Turban auf dem Kopf sowie Pluderhosen und eine glänzende Weste über einer sehr breiten, durchtrainierten Brust.

»Du schuldest mir zwanzig Dollar, Genmair«, erklang eine andere, dröhnende Stimme und neben dem Sultan erschien ein weiterer Sprecher, der das Kostüm eines Vampirs trug – total unglaubwürdig, denn Vampire gab es nicht.

»Morlok, fang ein paar Hagelkörner ein, wenn du reinkommst, das Eis ist alle!«

Wie auf ein Stichwort setzte heftiger Hagel ein und der mitgenommene Morlok gesellte sich langsam wieder mit einer Handvoll Eis ins Haus, wobei er dieses im Gehen in das Getränk des Sultans fallen ließ. Vor mir blieb er stehen und musterte mich. Sein haariges Gesicht, wie auch der Rest des Körpers, sollten wohl einen Werwolf darstellen, aber auch dieses Geschöpf entsprang der Fantasie.

»Wer bist du?«, knurrte er mich an.

Ich hätte ihm wohl antworten sollen, war aber viel zu sehr damit beschäftigt, ihn anzustarren. Und sein plötzliches Grinsen machte die Situation auch nicht besser.

Keuchend entwich mir ein Überraschungslaut, als ich unerwartet hochgehoben und über die Schulter geworfen wurde.

»Jungs! Die Dame ist hier!«

Wie? Hatten sie mich etwa erwartet? Und wenn schon, konnten sie mich nicht wie zivilisierte Mensch… ähm … Hexer ins Haus bitten?

»Echt? Lass mal sehen!«

Ich wurde auf die Beine gestellt und fand mich im Haus einem Piraten gegenüber. Besagter Pirat war ziemlich jung und trug eine Augenklappe. Rotes Haar floss ihm um die schmächtigen Schultern und verlieh ihm etwas Verletzliches.

Während ich von den Männern gemustert wurde, nahm ich mir die Zeit, mich genau umzusehen. Von innen wirkte das Haus vollkommen anders. Es war geradezu herrschaftlich eingerichtet. Ich sah teure Gemälde an den Wänden und dicke Perserteppiche auf dem Boden. Vermutlich war das Äußere mit Zaubern verändert worden.

Im stilvoll eingerichteten Saal nebenan befanden sich sehr viele Menschen und alle waren kostümiert. Das erklärte den Werwolf und den Vampir, es handelte sich eindeutig um ein Kostümfest.

»Nun, wer bist du?«

Der vampirische Sprecher musterte mich dermaßen eindringlich, dass ich ihm rasch Auskunft erteilte. »Mel Roomy«, stieß ich hervor. »Ich würde gerne zu Mr Ash Bradak, es ist …«

»Ich hab’s doch gesagt«, unterbrach mich der Werwolf lachend. »Sie will Ash sehen.«

»Soso!«

Der Sultan hob mein Kinn an und musterte mich auf eine Weise, die mir die Schamesröte ins Gesicht trieb. Meinen Instinkt unterdrückend, ihm mein Knie in die Weichteile zu rammen, wandte ich mein Gesicht ab, um den Hautkontakt zu unterbrechen.

»Und ziemlich störrisch ist sie auch noch«, kommentierte der Vampir. »Genau so, wie Ash es mag.«

Wie bitte? Ich öffnete den Mund, aber da zog der Werwolf mich schon zu einer breiten Treppe. Ich ertappte mich regelrecht dabei, dem Kerl fasziniert die Stufen nach oben zu folgen.

»Hören Sie mal, ich müsste dringend zu Ash Bradak«, fing ich noch mal an. »Es geht um …«

»Ist ja gut. Wir sind schon unterwegs zu ihm«, informierte Morlok mich und blieb im ersten Stock vor einer weißen Tür stehen, durch die er mich aufforderte einzutreten. Sein Verhalten kam mir komisch vor, aber ich trat dann doch schulterzuckend in den Raum.

Ich hatte einen Salon erwartet oder einen Bereich, in dem man Audienzen gab, aber vor mir erstreckte sich ein riesiges Schlafzimmer, das geradezu unverschämt teuer eingerichtet war.

»Ähm, ich glaube, ich bin hier falsch«, warf ich ein.

»Keine Sorge, Ash kommt sofort«, wies der Werwolf meinen Einwand ab und ließ mich alleine.

Unbehaglich sah ich mich in dem großen Raum um. Es gab ein breites Sofa, aber es sah so schick aus, dass ich es nicht wagte, mich hinzusetzen.

Von unten drangen immer noch die Geräusche der Feiernden zu mir hinauf und als sich lange Zeit nichts rührte, zückte ich mein Handy.

»Percy«, quiekte ich in das Mobiltelefon, als er sich meldete. »Ich bin auf einer Kostümparty!«

»Du schamloses Luder!«, beschuldigte er mich sofort. »Ich dachte, du wirst bestraft.«

»Kann ja noch kommen. Die haben mich in ein Schlafzimmer gebracht«, sagte ich unbehaglich.

Ich konnte mir vorstellen, wie die Augen meines Mitbewohners groß und rund wurden. »Im Schlafzimmer? Was sollst du dort machen? Die Matratzen ausschütteln?«

»Haha, wie witzig«, grummelte ich. »Vielleicht sind alle anderen Zimmer wegen der Party belegt.«

»Die Party«, seufzte mein Freund sehnsuchtsvoll. »Könnte ich vielleicht …«

»Nichts da«, unterbrach ich ihn gnadenlos. »Das ist eine Party voller Hexen, schon vergessen?«

»Spielverderberin«, murmelte er betrübt. »Dann schüttel mal schön die Kissen aus«, zischte er und legte auf.

»Blödmann«, brummte ich. Von wegen Kissen ausschütteln.

Verwirrt schaute ich mich um und ging dann zu einem Gemälde neben dem Bett. Es zeigte einen düster aussehenden rothaarigen Mann mit funkelnden grünen Augen. Alleine bei seinem Anblick grauste es mir. Wer das wohl war? Ich hoffte nur, dass es sich hierbei nicht um meinen Hexenmeister handelte. Gerade als ich zurückgehen wollte, schlangen sich zwei Arme um meine Mitte.

»Du stehst da genau richtig«, raunte eine Stimme in mein Ohr.

Dieses Verhalten ärgerte mich so maßlos, dass ich herumfuhr und demjenigen, der mich ungefragt betatschte, eine schallende Ohrfeige gab.

Der Mann, der mich um gut einen Kopf überragte, war so verdutzt, dass er im ersten Moment nicht reagieren konnte. In dieser Zeit fiel mir die Ähnlichkeit zu der Person auf dem Gemälde auf. Es war nicht dasselbe Gesicht, aber es gab eine gravierende Ähnlichkeit. Mir wollten schon die Knie schlottern, denn in mir keimte ein grauenhafter Verdacht.

»Ash, warte mal! Es gab da eine …«

Morlok platzte in den Raum. Hinter ihm stand eine schwarzhaarige rassige Schönheit, deren Aufzug einem Filmstar Konkurrenz gemacht hätte. Ich, in meinem dunkelblauen Sommerkleid, kam mir geradezu schäbig neben ihr vor.

Der rothaarige Mann sah von der Frau zu mir und runzelte düster die Stirn. »Bring die Dame wieder nach Hause, das wird eine Weile dauern.«

Inbrünstig hoffend, dass er mich meinte, machte ich einen Schritt nach vorne, doch mein Gegenüber schüttelte den Kopf. »Wir unterhalten uns jetzt.«

Ich wollte zu Percy rennen, mich in seinen Armen vergraben und ihm von dem bösen Hexenmeister erzählen, stattdessen straffte ich den Rücken und versuchte tapfer mir nicht anmerken zu lassen, was für einen Schiss ich hatte.

Morlok zog sich mit der Frau zurück und ließ uns alleine. Ash Bradak deutete mit dem Kopf zum Sofa. »Und jetzt wollen wir erst einmal in Erfahrung bringen, wer du bist.«

Beklommen setzte ich mich hin. In meinem Kopf spukte unentwegt derselbe Gedanke: Ich hatte meinen Hexenmeister geohrfeigt!

»Mel Roomy«, stieß ich aus. Offenbar musste ich nicht weitersprechen, denn in seinen grünen Augen blitzte Verstehen auf.

»Die kleine Hexe«, stellte er fest.

Na ja, klein war ich nicht unbedingt mit meinen ein Meter achtzig, aber neben diesem riesigen Kerl sah ich geradezu winzig aus.

»Bis dahin haben wir es geschafft«, sagte Bradak ungewohnt ruhig. »Und nun zum Grund deines Besuches.«

Ich stellte mir gerade vor, welche Sühnerpose am besten ziehen würde, und verwarf sie alle. »Ähm … es geht um … äh …«

»Ja?«, half er mir scheinbar freundlich.

»Ähm, also mein Drachenei ist in Flammen aufgegangen. Dann ist Percy gekommen und hat es mit meinem Feuerlöscher bedroht. Können Sie sich das vorstellen? Er wollte mit dem Feuerlöscher mein Experiment zerstören. Das habe ich nicht zugelassen und versucht ihn aufzuhalten, immerhin ist diese Prüfung eine sehr ernste, sehr langwierige und …«

»Die Kurzfassung, bitte!«, donnerte der rothaarige Hexer.

»Ich hab das Drachenbad vorbereitet, während Percy auf das Drachenei aufgepasst hat. Das Ei ist in Flammen aufgegangen und das, was drin war, ist aus dem Fenster geflogen und ist … weg?«

Seine Augen glichen keinen schön glitzernden Smaragden, wie es sonst in Romanzen beschrieben wurde, sondern denen einer Raubkatze, und ich fragte mich in diesem Moment schaudernd, ob ich die Beute war.

»Also, dein Experiment ist dir abhandengekommen, weshalb ein Feuerwesen nun frei in der Menschenwelt herumfliegt? Habe ich das richtig begriffen?«

Wie er das jetzt so sagte, klang es weitaus schlimmer. »Äh, ja.«

Ich erwartete ein Brüllen oder einen Zauberspruch, der mich für den Rest meines Lebens lähmte, doch er blieb ruhig und griff stattdessen nach seinem Handy. Aber diese Ruhe war es, die mich am meisten erschütterte, denn hinter ihr spürte ich seine sengende Wut.

»Morlok?«, sprach er in den Hörer. »Macht euch bereit. Uns ist ein Phönix entwischt.«

»Ein Phönix?«, entkam es mir etwas erstickt. Was zur Hölle hatte das Ei eines Phönixes bei mir zu suchen?

Mein Hexenmeister hatte mich scheinbar vergessen, denn er ignorierte meine Frage geflissentlich. Ich dachte an die Geschichten über Phönixe, daran, dass sie weise und edle Tiere waren … aber erst im hohen Alter. In seiner jetzigen Form würde das Tier nur Unsinn anstellen und die ganze Stadt als sein Nest betrachten.

»Ja, wir gehen zu viert. Nimm Genmair und Ken mit, das sollte reichen«, ordnete Bradak weiterhin an.

»Ich bin auch dabei«, unterbrach ich ihn entschieden und hätte am liebsten die Kurve gekratzt, als er mich böse anschaute. Aber dieses Mal ließ ich mich nicht kleinkriegen. »Das ist mein Experiment und meine Verantwortung. Ich will nicht tatenlos zusehen, während Menschen in Gefahr sind.«

Zu Hause zu sitzen und auf irgendeine gute oder schlechte Nachricht zu warten, könnte ich niemals durchstehen.

»Wir sind zu fünft.«

»Mein Mitbewohner parkt vor dem Haus. Ich denke mal, es wäre von Vorteil, ihn dabeizuhaben.«

»Zu sechst«, bellte er nun in den Hörer.

Mit einem Knall legte er das Handy weg und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf mich. Um ihm keine Gelegenheit zu geben, seinen Zorn an mir auszulassen, zückte ich mein Handy und rief Percy an.

»Komm zur Tür, du darfst bei der Party mitmachen«, versprach ich ihm und legte auf. Percy würde mich garantiert verfluchen, denn immerhin kam er nicht zu der Party, die er sich vorstellte, aber hey! Die Beziehungen zwischen Elfen und Hexenmeistern mussten dringend aufpoliert werden.

2. KAPITEL

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass man eine Party so schnell beenden konnte. Percy war noch nicht mal an der Tür angelangt, da rauschte Bradak schon durch das Haus und rief: »Geht nach Hause! Die Party ist vorbei!«

Die Gäste verstummten alle auf einmal, sogar der Mann am DJ-Pult beendete die Musik. Ich erwartete Fragen oder schlecht gelaunte Kommentare, doch Massen von Hexen und Hexern, die eben noch ausgelassen gefeiert hatten, strömten nur so aus dem Haus.

Mir stand der Schweiß auf der Stirn, weil sich meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten. Ash Bradak war kein Mann, mit dem man sich anlegen sollte. Ich fühlte mich auf einmal wie damals, als ich vor lauter Liebeskummer fünf Tafeln Schokolade gegessen hatte. Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen und ich hatte das Gefühl, bei jedem Blick von ihm zusammenzuzucken.

»Mel?«

Percy stand in der Tür zum großen Salon. Seinem makellosen Gesicht haftete etwas Misstrauisches an. Ich wollte sofort zu ihm laufen, doch eine Hand legte sich auf meine Schulter und hielt mich davon ab. Mit einer schrecklichen Vorahnung blickte ich auf und spähte in Bradaks lächelndes Gesicht hinter mir.

»Du musst Percy sein, nicht wahr?«

Ich blickte zu meinem Mitbewohner und hielt den Atem an, als ich sah, dass er die Hände zu Fäusten geballt hatte. War er wütend auf mich? Ja, ich hatte ihn reingelegt, aber ich hatte nicht erwartet, dass er deswegen so sauer sein würde.

»Lass sie los. Sie hat Angst.«

Überrascht hörte ich seine Worte. Er war nicht wütend, sondern sorgte sich um mein Wohlergehen.

»Percy!«

Ich riss mich von meinem Hexenmeister los und versteckte mich hinter Percys Rücken, krallte mich in seinem Hemd fest.

Plötzlich hörte ich schallendes Gelächter. Ich wagte an Percy vorbeizuschauen und konnte den jungen Mann sehen, der mir als Pirat verkleidet begegnet war. Sein Kostüm hatte er bereits abgelegt, nur die Augenklappe trug er noch, die wohl wirklich ein fehlendes Auge zu verbergen schien.

»Der Elf hat recht, Onkel. Du machst der kleinen Hexe Angst.«

Onkel?

Ash Bradak nahm tief Luft und fuhr sich gereizt durch sein längeres Haupthaar. »Ruben, halt dich da raus. Das hier ist etwas Geschäftliches.«

»Hm«, machte jener, schien jedoch nicht vorzuhaben diesen Ratschlag zu befolgen. Stattdessen trat er in den großen Raum und setzte sich auf ein Sofa. »Genmair meinte, es gäbe Ärger. Die ganze Truppe ist versammelt. Wieso hast du mir nicht Bescheid gegeben?«

»Weil du nicht mitgehen wirst«, meinte Bradak ungerührt.

»Ich bin dein Stellvertreter, Onkel, und ich werde euch begleiten.«

Irgendetwas ging zwischen den beiden vor. Ich war neugierig herauszufinden, was es war, freute mich aber darüber, dass die Aufmerksamkeit meines Hexenmeisters nicht mehr mir galt.

»Es geht um einen Phönix. Mich dabeizuhaben, ist das Beste, was dir passieren kann«, fuhr Ruben fort.

»Dem kann ich nicht widersprechen«, meldete sich eine weitere Person. Genmair, der Sultan. Da er sich von seinem Kostüm getrennt hatte, konnte ich sehen, wie attraktiv er war. Er hatte blonde kurze Haare und ein so schön geschnittenes Gesicht, dass ich ihn am liebsten angefleht hätte seine Haremsdame sein zu dürfen.

»Ich bin der gleichen Meinung wie Genmair.« Der nächste Hexer stand nur einen Meter von mir entfernt, daher reichte ein Blick in seine blauen Augen, um ihn als Morlok zu identifizieren. »Ruben ist ein Bindungshexer. Wenn du also nicht vorhast den Phönix zu töten, dann musst du ihn wohl oder übel mitnehmen.«

Bei dem Wort Bindungshexer standen mir die Haare zu Berge. Ich begegnete Rubens Blick und hielt unwillkürlich den Atem an. Bindungshexer waren sehr selten und äußerst gefährlich, da nur sie allein den Geist eines Menschen manipulieren konnten. Schon immer hatte man ihre Kraft gefürchtet und in früherer Zeit sogar Hetzjagden auf sie veranstaltet.

Als würde er meine Gedanken kennen, lächelte er mich breit an. Ich rang zittrig nach Luft und versuchte das Gespräch weiter zu verfolgen.

»Oder möchtest du den Phönix töten?«

»Nein, verdammt!«, brauste Bradak auf. »Ken, du hast heute schon etwas getrunken. Kannst du trotzdem für unseren Schutz sorgen?«

Ken musste der Vampir sein. Er hatte sich von seinem langen Umhang, den falschen Zähnen und dem Make-up befreit. Zum Vorschein kam ein Mann mit leicht asiatischen Zügen und feinen Grübchen in den Wangen. Seine Frisur erinnerte an den indianischen Tomahawk und ich erkannte mystische Linien, die auf seinem Schädel tätowiert waren.

»Klar, ich hatte nur ein Bier.«

Seine unerwartet sanfte Stimme stand im Gegensatz zu seinem tätowierten und gepiercten Äußeren. »Meine Blutmagie wird durch diese eine Flasche nicht beeinträchtigt.«

»Gah!«

Alle Gesichter wandten sich in meine Richtung und mir fiel auf, dass dieser entsetzte Laut von mir gekommen war. O Gott! Ein Bindungsmagier, ein Blutmagier, was kam noch? Argwöhnisch sah ich zu den restlichen Hexern.

»Was ist los, kleine Hexe?«

Langsam pisste mich dieser Spitzname wirklich an. »Ich heiße Mel. Mel Roomy«, wiederholte ich meinem Hexenmeister genau in die Augen sehend.

»Sehr tapfer, wirklich. So wie du dich an deinen Elfenfreund klammerst«, kommentierte er weiter.

Blödmann! Ich stürzte schon vor, aber es war Percy, der mich davor bewahrte, etwas Dummes zu tun, während Ash Bradak mich anlächelte, als hätte er in diesem Moment etwas sehr Interessantes an mir entdeckt.

»Ich hoffe, die Ohrfeige hat nicht zu wehgetan?«, fragte ich liebenswürdig. Morlok verschluckte sich so sehr an seinem Getränk, dass es ihm zur Nase herauskam. Sogar Genmairs Augen weiteten sich.

Bradak strich sich mit der Hand über die Wange, die ich geohrfeigt hatte. »Nein, keine Sorge. Aber sie war wirklich … unvergesslich.«

Unvergesslich? Sie war genau das, was er verdient hatte! Ich versuchte mich zu beruhigen. Das hier war mein Hexenmeister und den sollte ich am besten nicht verärgern, aber selbst in dieser brenzligen Situation konnte ich mein vorlautes Mundwerk nicht halten.

»Wollen wir nicht langsam besprechen, was hier los ist?«, fragte Percy.

Bradak hob spöttisch eine Braue und nickte schließlich. »Wir haben keine Zeit, also bringen wir es so schnell wie möglich hinter uns. Laut den Erzählungen der kleinen Hexe ist uns ein Phönix entwischt.«

»Es sollte aber ein Drachenei sein«, wandte ich ein. »Das war meine Prüfungsvorgabe. Ich habe es jeden Tag in der Lösung gebadet, die dafür gedacht war.«

»Das spielt keine Rolle.« Dieses Mal war es Ruben, der sprach. »Ein Phönix liebt die Wärme ebenso wie ein Drache. Die Bedingungen für beide Eier sind ähnlich. Ich kann es nur nicht glauben, dass du so einfach an ein Phönixei kamst. Sie sind so gut wie nicht aufzufinden.«

Das wusste ich auch. In der alten Welt waren sie vom Aussterben bedroht, weswegen viele Hexen und Hexer darum bemüht waren, diese Tierart zu retten, ohne besonders viel Erfolg.

»Von wem hattest du das Ei?«

»Von meiner Beraterin«, antwortete ich ehrlich. »Ich habe es zusammen mit meiner Partnerin bekommen.«

»Und wo ist diese Partnerin von dir?«

Bradaks Frage gefiel mir nicht. Klar, Tracey hatte mich im Stich gelassen, aber ich wollte ihr keinen Ärger machen.

»Sie feiert.«

»Percy!«, rief ich aus.

Der Elf zuckte mit den Schultern. »Halte nicht für jemanden deinen Kopf hin, der dir das noch nicht einmal dankt. Die gute Dame hat sich nach dem ersten Tag nicht ein einziges Mal blicken lassen. Du hast geschuftet und kaum eine Nacht durchgeschlafen.«

»Ist das so?«

Ich wagte nicht, meinem Hexenmeister in die Augen zu sehen. »Sie ist sehr jung.«

»Ich würde eher sagen, für diese Prüfung bist du zu alt.«

Beleidigt blickte ich auf und presste meine Lippen zu einem dünnen Strich, damit mir keine weiteren Verwünschungen entkamen.

»Gut, hier können wir sowieso nichts ausrichten. Ich schlage vor, wir fahren los und sehen uns in der Nähe deiner Wohnung um«, entschied Bradak.

»Ich begleite euch«, teilte Ruben allen mit. Niemand erhob Einwände. Nur mein Hexenmeister sah aus, als hätte er in etwas Saures gebissen. Ich grinste ihn an.

»Im Auto ist kein Platz für sieben Leute. Kleine Hexe, du wirst auf meinem Motorrad mitfahren.«

Mein Grinsen fiel zusammen mit meiner Kinnlade nach unten.

***

»Ich hasse Sie!«

Zitternd lehnte ich mich gegen die Wand, die zu unserem Wohnhaus gehörte. Wir hatten die Strecke zu mir nach Hause in der Hälfte der Zeit zurückgelegt, die Percy und ich für die Fahrt zu Bradaks Anwesen benötigt hatten. Von Anfang an war er wie ein Verrückter gerast. Abgesehen davon, war ich nicht wirklich für einen Ritt auf einer Harley-Davidson angezogen. Mein Kleid war die ganze Zeit nach oben geflogen und ich hatte mich voller Todesangst an Bradaks Rücken geklammert und nicht gewagt loszulassen. Ich wollte nicht wissen, wie viele Autofahrer mein Höschen gesehen und fotografiert hatten. Wenn ich demnächst Bilder von mir in den sozialen Netzwerken zu sehen bekam, würde ich ihn umbringen! Zumindest hatte ich einen Helm getragen, der meine Identität verbarg.

Der rothaarige Hexer stand mir gegenüber und zündete sich seelenruhig eine Zigarette an. »Du sagst wirklich die nettesten Sachen zu mir.«

Den Drang unterdrückend, ihm noch eine zu scheuern, kämpfte ich darum, meinen aufgewühlten Magen zu beruhigen. Eigentlich hätte ich mich nicht zurückhalten und ihn vollkotzen sollen!

Bradak schaute auf seine Uhr. »Dein Elfenfreund scheint nicht der Schnellste zu sein, was das Fahren betrifft, oder?«

»Das liegt nur daran, dass Sie ein gewissenloser Raser …«

Weiter kam ich nicht, denn er stand plötzlich vor mir. Ich presste mich gegen die Mauer, aber er beugte sich immer weiter vor, bis unsere Nasen sich fast berührten.

»Ja?«, fragte er leise, fast schnurrend.

»Auszeit!«, rief ich und wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht herum. In dem Moment erklang ein Hupen und Percy lenkte seinen Cadillac an den Bordsteinrand. Bradak wirkte enttäuscht, während ich erleichtert die angehaltene Luft ausstieß und Percy am liebsten vor Dankbarkeit geknutscht hätte.

»Mel, geht es dir gut?«

Mein Freund ignorierte den Hexenmeister und kam zu mir. Seine Hände waren warm, als er sie mir auf die eisig kalten Wangen legte.

»Das war unnötig«, kommentierte Percy. »Sie hätte im Auto mitfahren können.«

»Abgesehen von mir haben alle schon etwas getrunken. Nein, sie hätte nicht im Auto mitfahren können.«

Wenn er das so sagte, klang es beinahe logisch, aber ich hatte vielmehr das Gefühl, dass er mich für etwas büßen lassen wollte. Er war mir von Anfang an unsympathisch, aber mittlerweile hielt ich ihn für einen vollkommenen Sadisten!

»Auf meinem Schoß wäre noch Platz gewesen«, rief Genmair aus, doch ich beschloss, ihn eiskalt zu ignorieren.

»Wo liegt eure Wohnung?«

Ruben gesellte sich zu uns. Ein langer Mantel verbarg seine Gestalt. Wann immer ich ihn ansah, hatte ich das Gefühl, er wäre körperlich schwach. Begegnete ich hingegen seinem einzigen Auge, erzitterte ich innerlich. Ganz gleich, wie zart er aussah, als Hexer war er sicher einmalig.

Stumm deutete ich zu dem offenen Fenster im zweiten Stock. »Ich war in der Küche und habe den Sud für das Bad vorbereitet. Percy saß im Wohnzimmer und kam dann zu mir. Das Ei wurde immer wärmer und verwandelte sich schließlich in einen Aschehaufen. Ich glaubte zuerst, es wäre zerstört, aber dann kam es verändert zum Vorschein.«

»Verändert?«, hakte Morlok nach.

»Die Farbe der Schale war anders, irgendwie reiner.«

»Moment mal. Es verbrannte zu einem Aschehaufen und kam dann nicht als Phönix daraus hervor?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, der Phönix kam aus dem Ei, indem er es von innen heraus zerstörte.«

»Grundgütiger!«, entfuhr es Genmair.

»Es ist eine Königin«, stellte Bradak grimmig fest.

***

Eine Königin? Mir hallten diese Worte immer noch in den Ohren, als ich die Tür zu Percys und meiner Wohnung aufschloss und alle eintreten ließ.

Nach dem katastrophalen Abgang meines sogenannten Drachen hatten wir die Lichter gelöscht, aber alles andere weitestgehend so belassen. Ich scheute mich davor, all diese Männer in meine Küche zu führen. Wenn ich Tränke zusammenbraute, war ich zu sehr damit beschäftigt, die Zutaten korrekt zuzuführen, daher beseitigte ich das entstandene Chaos meist hinterher.

Meine Küche sah nicht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, aber sauber war sie auch nicht.

»Der Sud?«, fragte Genmair, nachdem ich das Licht eingeschaltet hatte. Er wartete meine Antwort nicht ab, sondern ging zu dem Gebräu und spähte hinein. Die schöne goldene Färbung hatte sich in Bronze verwandelt, aber die Wärme war immer noch vorhanden.

Genmair schloss die Augen und sog den Geruch tief in sich hinein. »Das ist ein guter Trank. Die Konzentration des Drachengolds ist genau richtig. Wie ist deine Bewertung bei der Trankherstellung?«

»Mel ist die Beste in ihrer Klasse«, erzählte Percy stolz.

»Und wieso ist sie nicht schon viel weiter? Vom Alter her könnte sie mittlerweile ihre fünfte Prüfung absolviert haben«, schnaubte Morlok.

Alle Augen richteten sich auf mich. »Ich wollte aufs College.«

»Wofür?«, fragte Ruben spöttisch. »Als Hexe gibt es nicht viele Pfade, die man bestreiten kann.«

So was kotzte mich an! »Wer sagt das? Ich sah nicht ein, meine Zukunftspläne aufzugeben, nur weil ich plötzlich die verrücktesten Sachen um mich herum wirken konnte. Schon immer habe ich davon geträumt, aufs College zu gehen, also tat ich es.«

Um mich von der plötzlich eintretenden Stille abzulenken, ging ich zu dem Aschehaufen auf dem Tisch. Erneut spielte sich vor meinen Augen ab, was sich zugetragen hatte. Nie im Leben hätte ich einen Phönix in dem Ei vermutet, auch wenn ich zugeben musste, dass ich an einen Drachen auf Speed gedacht hatte.

»Ist das die Asche?« Ken trat neben mich, um sich die Überreste des Eis besser ansehen zu können. Was er dann tat, erschreckte mich, sodass ich einen Schritt zurücktrat. Er holte einen Dolch aus der Scheide, die er an seinem Gürtel trug, und griff nach einer meiner sauberen Schüsseln.

Ich zuckte zusammen, als er sich in die Handfläche schnitt. Es musste höllisch wehtun, aber er verzog nicht eine Miene. Angewidert sah ich dabei zu, wie er sein Blut in das Gefäß fließen ließ, in dem ich immer meine Süßspeisen zubereitet hatte, und dann einen Teil der Asche hinzugab. Ihm war seine Konzentration anzusehen, als er die Kraft einsetzte, die er als Blutmagier innehatte.

Mir wurde schlecht und ich musste mich am Tischrand festhalten. Meine Beraterin hatte es als Sensibilisierung auf Hexenkraft bezeichnet. Wenn jemand in meiner näheren Umgebung starke Magie wirkte, reagierte ich darauf. Es war nicht immer so schlimm wie jetzt. Ich vermutete, dass es an der Macht lag, die der Hexer besaß, und Ken schien über reichlich davon zu verfügen. Auch die Art der Magie, die eingesetzt wurde, trug zu meinem Unwohlsein bei. Blut- und Bindungsmagie lagen sehr nahe an der verbotenen schwarzen Magie.

Um mir nichts anmerken zu lassen, ging ich zum Fenster und schloss es. »Was meintet ihr mit Königin?«, hakte ich dann nach.

»Elf, willst du es ihr nicht lieber erzählen?«, fragte Bradak.

Verwundert schaute ich zu Percy. Die Art, wie mein Mitbewohner sich wand, gefiel mir nicht. »Ja?«

»Auf der Erde existieren keine magischen Wesen«, begann mein Freund. »Die ganzen Legenden und Sagen stammen aus der alten Welt. Der Phönix kann sich neu erschaffen, indem er aus seiner Asche aufersteht. So lebt er über viele Jahrhunderte fort. Neue Phönixe hingegen werden nur von einer Königin geboren. Deren Eier können sogar Jahrtausende überdauern. Es hieß, die Elfen drohten unterzugehen, weil sie so viele davon legte. Wir verloren ganze Städte an die Neugeborenen, bis wir die Entscheidung trafen, sie zu töten.«

Er sprach nicht weiter und ich selbst hatte ebenfalls Mühe, meine Worte zu finden. »Ihr wolltet die Phönixe ausrotten?«

»Es wurde damals viel darüber debattiert. Aber es gab nicht nur die Phönixe, die uns zusetzten, sondern auch noch die Drachen und viele andere magische Kreaturen. Es ging wirklich ums Überleben, also töteten wir schließlich die Königin und viele der Neugeborenen, um die weitere Verbreitung aufzuhalten. Einige der Phönixeier, unter denen sich auch ein königliches Ei befand, wurden in unserer sichersten Festung verwahrt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie es ausgerechnet in deine Küche gelangt ist.«

Das zu hören, fühlte sich an, als wäre Percy mir vollkommen fremd. Er klang so ungewohnt ernst, so gar nicht wie mein sorgloser Freund. »Wieso hast du das nicht gleich gesagt? Du musst doch gewusst haben, dass es sich um eine Königin handelt, oder?«

»Mel, wir sprechen von einer Sache, die über ein Jahrtausend zurückliegt. Was ich weiß, habe ich nicht selbst erlebt, sondern aus den Erzählungen meiner Großeltern erfahren. Und selbst jetzt fällt es mir schwer, das alles zu glauben.«

»Und wann beginnt die Königin damit, ihre Eier zu legen?«

Wenn den Elfen durch sie die Ausrottung gedroht hatte, wollte ich nicht wissen, wie es bei uns werden würde.

»Das ist die entscheidende Frage, kleine Hexe«, sagte Bradak grinsend.

***

Es war dunkel und kalt. Ich hatte mich zwar rasch umgezogen und trug Jeans, Turnschuhe und einen Pullover, aber ich fröstelte immer noch. Vielleicht lag es an dem Zauber, den Ken gewirkt hatte. Der Hexer ging vor uns. Sein Blut und die Asche hatte er in eine Phiole gefüllt, die ein schwaches Leuchten aussandte. Es war ein komplizierter Suchzauber. Ich kannte einige einfache Zauber, aber dieser hier, mit Blutmagie gewirkt, war zu hundert Prozent präzise.

Da wir bereits drei Uhr früh hatten, begegneten uns zum Glück nicht viele Menschen.

Ich wollte nicht wissen, wie wir für Außenstehende aussahen. Fünf Männer, ein Elf und eine Hexe in ihrer Mitte, die blindlings mitten in der Nacht einem magischen Lichtlein folgten.

Percy ging neben mir und hatte nach meiner Hand gegriffen. Ich konnte mir diese plötzliche Anhänglichkeit nicht erklären. Klar kuschelten wir oft miteinander. Elfen waren sehr auf Berührungen bedacht und er war mein bester Freund, aber heute schien er mir besonders zugetan zu sein.

»Fühlst du schon etwas?«, fragte Genmair.

Ich zerbrach mir die ganze Zeit den Kopf darüber, welche Art von Hexerei Morlok und er wirken konnten. Und Bradak? Persönlich hatte ich ihn erst heute Nacht getroffen, aber was ich über ihn gehört hatte, könnte ein Dutzend Horrorbücher füllen.

»Wisst ihr, was mich überrascht?«, unterbrach Ruben die Stille. »Ich habe auf unserem Weg nicht die kleinste Stichflamme gesehen. Ken, funktioniert dein Zauber überhaupt?«

Der Asiate drehte sich mit stechendem Blick um und musterte Ruben eindringlich. Dieser hob beschwichtigend die Hände. »Oder findest du das nicht merkwürdig?«

Ich tat es nicht, aber ich war auch keine Expertin, wenn es um Phönixe ging. Das Thema war Bestandteil der nächsten Prüfung. Sollte ich dieses Fiasko gelöst haben, würde ich ordentlich büffeln, das schwor ich mir.

Das plötzliche Klingeln meines Handys erschreckte mich. Jeder der anwesenden Männer wandte sich mir wie eine Person zu. Klar, ich hatte darum gebeten, dabei zu sein, und nun störte ich die Suche.

Ihre Blicke ignorierend, wandte ich ihnen den Rücken zu und ging ran. Zu dieser späten Uhrzeit konnte es sich auch um einen Notfall handeln.

»Roomy hier.«

»Mel, wo zur Hölle steckst du? Wolltet ihr das Vieh nicht einfangen?«

Verdutzt blieb ich stehen. »Tracey?«

»Nein, der Heilige Geist! Natürlich bin ich es«, schnappte sie aufgebracht. Im Hintergrund hörte man Schreie.

»Was ist los bei euch?«

Jetzt war ich mir der Aufmerksamkeit der Hexer sicher. Sie rückten so nah an mich heran, dass ich Platzangst bekam.

»Das Ding ist bei uns. Wo bleibt ihr?«

Tracey war so laut gewesen, dass jeder es mitbekommen hatte. Am verwirrtesten schien Ken zu sein, denn sein Zauber zeigte immer noch unbeirrt in die falsche Richtung. Ich wusste, dass Tracey auf der Feier ihrer besten Freundin war, und die wohnte am anderen Stadtende.

»Bist du sicher? Ist es ein Phönix?«

»Ob ich sicher bin?« Ihre Stimme drohte zu kippen. »Das Ding hat das Haus meiner Freundin abgefackelt. Und jetzt will es zum nächsten.«

Innerlich fühlte ich mich hundeelend. »Ist jemand verletzt oder getötet worden?«

Das könnte ich mir nie verzeihen.

»Nein, wir haben zum Glück im Garten gefeiert. Als es kam, sind wir alle in den Nachbarsgarten gerannt. Aber das verdammte Haus brennt ab.«

Mir wurde schwindlig. Es war eine unendliche Erleichterung, dass niemand zu Schaden gekommen war, aber ich rechnete mir bereits die Summe zusammen, die ich den Besitzern als Entschädigung zu zahlen hatte. Das Gefühl, kotzen zu müssen, verstärkte sich.

»Tracey, gib mir die genaue Adresse. Wir kommen sofort vorbei.«

»Beeilt euch«, schrie sie, dann nannte sie mir den Treffpunkt.

Nachdem ich aufgelegt hatte, versuchte ich ruhiger zu atmen, aber die Hexer standen immer noch so dicht bei mir und diskutierten miteinander. Viele zweifelten an Kens Zauber, während dieser weiterhin stur darauf beharrte, dass er nicht fehlgeschlagen sei.

Ich schob mich zwischen die Männer durch und ging zu einem Strauch, hinter dem ich das wenige, das ich gegessen hatte, von mir gab. Jemand hielt mir meine langen Haare aus dem Gesicht und streichelte mir sanft über den Rücken.

Nachdem es mir etwas besser ging, schaute ich auf und erwartete Percys Gesicht zu sehen, doch es war Bradak, der neben mir stand.

»Entschuldigung, ich wollte nicht …«, stammelte ich, aber er schüttelte nur den Kopf.

»Geht es jetzt besser?«

»Das ist alles meine Schuld.«

»Wir haben noch nicht geklärt, wie ein Phönixei in deinen Besitz gelangen konnte. Ein junger Drache ist anschmiegsam und gehorsam, außerdem kann er die ersten Tage nicht fliegen, deswegen wurde die Prüfung auf ihn zugeschnitten. Phönixe sind das genaue Gegenteil. Und jetzt komm, steh auf. Wir müssen los.«

Ich ließ mir aufhelfen und griff nach einem Taschentuch, um mir den Mund abzuwischen. Gäbe es den Phönix nicht, ich hätte mich vor Scham gewunden, doch so war ich viel mehr mit der mir entflohenen Kreatur beschäftigt.

Wir kehrten zu den anderen zurück. Percy warf mir einen besorgten Blick zu. Eine hitzige Diskussion war bei den Hexern entbrannt.

»Ruhe!«, donnerte Bradak und alle wandten sich uns zu. »Es gibt nur eine Möglichkeit, jeder Spur nachzugehen«, fuhr er fort. »Wir teilen uns auf. Genmair und Morlok gehen mit Ken und wir anderen überprüfen die Hexe.«

***

Wir spürten die Hitze, noch bevor wir das Feuer sahen. Die Straßen waren weitestgehend geräumt. Ich sah keine Menschen. Offenbar war in der näheren Umgebung bereits alles evakuiert worden.

Percy parkte das Auto am Straßenrand.

Ich stieg mit den anderen aus und folgte Bradak zu den umstehenden Einsatzkräften. Eine von ihnen stach aus der Menge heraus. Sie war so groß wie ich, aber die Uniform schaffte es nicht, ihre Muskelberge zu verstecken. Sie war die stärkste Frau, der ich je begegnet war.

»Scheiße, Bradak! Ich hätte wissen müssen, dass du dahintersteckst«, sagte sie anstelle einer Begrüßung.

»Nina Webs, was für eine angenehme Überraschung«, entgegnete mein Hexenmeister galant.

»Spar dir den Scheiß«, unterbrach sie ihn grob. »Dafür habe ich keine Zeit.«

Ich ging an ihr und den anderen vorbei und spähte zwischen den Fahrzeugen auf das Feuer. Es war schrecklich. Mich entsetzte die Geschwindigkeit, mit der es sich durch die Heime vieler Familien fraß. Trotz der Zerstörungswut der Flammen gab es aber einen ganz besonderen Umstand, der mir fast den Rest gab.

»Sie brennen von unten nach oben«, rief ich. Die Männer begriffen sofort, was ich meinte, und eilten zu mir.

»Mist! Ken hatte recht«, brummte Ruben.

Noch bevor das Wesen auf uns zukam, wussten wir, dass es sich nicht um meinen Phönix handelte. Ein Phönix hätte sein Feuer aus der Luft nach unten gespien und den Dachstuhl zuerst in Brand gesetzt. Das Tier, das um die Häuserecke trottete, hatte vielmehr Ähnlichkeit mit einem Komodowaran, nur in der Größe eines Pferdes.

Ich hatte mal ein Pferd von Nahem gesehen. Es war schwarz und riesengroß gewesen, mit ausgeprägten Muskeln und seidig glänzendem Fell. Trotz seiner Schönheit hatte ich mich in Acht genommen. Das Gleiche fühlte ich bei diesem Tier. Seine Haut war dick wie Leder und flimmerte in den verschiedensten Rottönen, von Dunkelrot bis zu einem grellen Orange. Das Schimmern schien beinahe lebendig zu sein, bis mir auffiel, dass es sich wirklich bewegte. Als ich genauer hinsah, erkannte ich, dass man durch diese dicke Haut hindurchsehen konnte, und in dem Moment, in dem ich zu dieser Erkenntnis gelangte, öffnete das Tier sein Maul und spie Feuer auf ein bereits brennendes Haus. Das flüssige Feuer, das sich in seinem Körper befand und nach vorne zum Maul transportiert wurde, erzeugte dieses Schimmern, das unvergleichlich schön und tödlich zugleich war. »Was ist das?«

»Ein Feuerbasilisk«, antwortete Bradak. »Ein Wesen, das hier nicht sein dürfte.«

Wie war es hierhergekommen? Basilisken schlüpften auch aus Eiern. Nein, dieser Gedanke war zu abwegig.

Der Basilisk hatte uns entdeckt und wandte uns seinen länglichen Schädel zu. Die grellen, hypnotisch wirkenden Augen starrten mich an. Aus seinem Maul troff zwischen den spitzen Zähnen Flüssigkeit zu Boden, die sogleich entflammte. Das Feuer schien ihm nichts anzuhaben, aber immerhin war er eine magische Kreatur. Obwohl ich vor Angst zitterte, fühlte ich eine unerklärliche Anziehung zu dem ungezähmten Biest. Ich hob den Fuß, um voranzuschreiten, da hielt Bradaks Stimme mich zurück.

»In Ordnung, wir haben seine Aufmerksamkeit. Webs, wo willst du das Ding haben?«

»Zurück in seiner Welt«, schnarrte diese. »Für den Moment will ich es einfangen und ruhigstellen. Die Gegend ist bis zur Absperrung evakuiert. Reicht euch das?«

»Das wird völlig reichen«, sagte Ruben und zog seinen Mantel aus. Darunter erkannte ich ein Hemd, das man nur anhand des Schnittes als solches bezeichnen konnte, denn es war durchsichtig. Ruben fing an auf den Basilisken zuzugehen. Ein schwaches Leuchten ging von seinem Körper aus … Nein, es war nicht sein Körper, sondern Tätowierungen … Runen … Es waren Runen!

Das war Wahnsinn! Runen waren Bestandteile der alten Welt. Sie konnten einen Menschen versklaven oder ihm unendliche Macht verleihen. Wieso zum Teufel trug Ruben Runen auf der Haut? Ein Bindungshexer war schon stark, sogar ungemein stark. Mehr Macht könnte ihn zerstören.

Ruben, der mein Starren natürlich bemerkt hatte, grinste mich an. »Findest du mich so attraktiv, dass du deinen Blick nicht mehr von mir lösen kannst?«

»Feuer«, sagte ich nur. Er reagierte schnell und entkam dem Flammenstrahl des Basilisken. Ein Auto ging in Flammen auf, aber niemand war verletzt worden.

»Kleine Hexe, das war gemein.«

Er hatte verfluchte Ähnlichkeit mit seinem Onkel, überlegte ich mürrisch. »Könnten wir uns jetzt um die Sache kümmern? Während wir hier herumalbern, fliegt mein Phönix immer noch frei herum.«

»Phönix?«, stieß Webs mit einer unerwartet quietschenden Stimme aus. Ich ignorierte sie und konzentrierte mich auf den Basilisken. Ihn trennte lediglich eine Barriere aus Fahrzeugen von den Menschen des Viertels und diese würde wie Zunder brennen, wenn er es darauf anlegte.

Ruben schien dieses Mal die Sache ernst anzugehen. Er breitete die Arme aus, um die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich zu lenken, und ging los.

Es gab viele Arten, einen Zauber zu wirken. Manche spezialisierten sich auf Tränke oder benutzten Amulette und dann gab es jene, die zusätzlich den Willen besaßen. Ich gehörte zur letzten Sorte und hatte das auf die harte Tour gelernt. Wenn ich zaubern wollte, musste ich mich lediglich auf den Zauber konzentrieren. Während meiner Zeit als Teenager hatte mich diese Art zu hexen sehr in Verruf gebracht. Als der schlimmste Albtraum der ganzen Schule, Tom Newman, mich damals in die Mangel genommen hatte, war ich so aufgebracht gewesen, dass ich ihn mittels meiner Kraft gegen die Wand schleuderte. Seit diesem Tag wurde ich von ihm in Ruhe gelassen, ebenso von den anderen Schülern, denen die Angst bei meinem Anblick immer anzusehen gewesen war.

Bradak hielt sich in Rubens Nähe auf. In der letzten Stunde hatte ich einiges über ihn erfahren und aus einem unerklärlichen Grund wusste ich, dass er seinen Neffen nicht kämpfen sehen wollte. Deshalb hatte er Ruben zuerst nichts über den Phönix gesagt.

»Er ist in Ordnung«, versuchte ich Bradak zu beruhigen.

Mein Hexenmeister schaute nicht zu mir, aber ich hatte das Gefühl, dass seine Miene weicher wurde.

Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie einen Bindungshexer bei der Arbeit erlebt. Ruben hielt verbissen den Blickkontakt zu dem Feuerbasilisken aufrecht.

Eine Hexe hatte mir einmal erzählt, dass ein begabter Bindungshexer sein Gegenüber mit bloßen Augen einfangen konnte. Der Rest war Formalität. Das Gleiche hatte jetzt Ruben vor. Die Runen leuchteten, aber der Zauber wirkte seltsam auf mich. Stockend, als könne er nicht richtig fließen. »Wo liegt das Problem?«

»Was meinst du?«, fragte Bradak leicht abwesend.

»Sein Zauber funktioniert nicht richtig«, erklärte ich. »Die Runen behin…«

Was als Nächstes geschah, konnte ich nicht erklären. Es gab eine heftige Explosion, die mich von den Füßen riss. Benommen schaute ich genau in Bradaks Gesicht, der über mir lag.

»Behalte diesen Gedanken für dich«, knurrte er mir zu.

Zuerst zweifelte ich an meinen Wahrnehmungskräften. Was für einen Grund hätte er, mir zu drohen? Doch ein Blick in sein Gesicht genügte.

»Das muss ein Gastank in einem der Häuser gewesen sein«, ächzte Webs, die langsam auf die Beine kam. »Wir konnten nicht alle Gefahrenquellen beseitigen.«

Ruben war als Einziger stehen geblieben. Dieses Mal wirkte sein Zauber besser. Er hatte den Basilisken eingefangen. Mit seinen Händen vollführte er schwingende Bewegungen. In den Lehrbüchern stand geschrieben, dass Bindungshexer so ihre Gegner bezwangen. Der Basilisk befand sich zweifelsfrei in Rubens Gewalt.

»Da! Er hat ihn gleich!« Dieser Ausruf kam von Webs.

Der Basilisk war völlig bewegungslos. Flüssigkeit troff aus seinem Maul. Es musste sich um seinen brennbaren Speichel handeln. Ohne den Funken, den er auf natürliche Weise entfachen konnte, war er völlig ungefährlich. Hinter uns bereitete die Spezialeinheit alles vor, um die Gefahrenquelle so schnell wie möglich zu beseitigen.

Ruben fing an rückwärts zu gehen. Seine Arme und Beine zitterten, aber das Tier folgte ihm willenlos. Hinter einem Wagen ging ein Hexer in Deckung, legte das Gewehr an und wartete auf die Möglichkeit für den perfekten Schuss.

»Wollt ihr ihn töten?«

Bradak schüttelte den Kopf. »Nicht, wenn es zu vermeiden ist. In dem Gewehr befindet sich ein Betäubungsmittel. Der Basilisk wird das Bewusstsein verlieren. Das wird uns genügend Zeit geben, um ihn in seine Welt zurückzuschaffen.«

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, erfolgte auch der Schuss. Das Tier befand sich so stark unter Rubens Kontrolle, dass es nicht einmal zusammenzuckte.

»Kleine Hexe, wir müssen uns unterhalten.«

So wie er das sagte, klang es, als hätte ich irgendetwas angestellt. Ich zerbrach mir das Hirn, kam aber nicht darauf, was er meinte.

»Du spürst die Magie?«

Die Frage verwirrte mich. »Was meinen Sie?«

Bradak seufzte, als hätte ich ihm den Tag vermasselt … Okay, im gewissen Sinn hatte ich das auch getan. Er hätte feiern sollen … mit dieser Schwarzhaarigen … in dem großen Bett.

Nein! Nicht darüber nachdenken. Wie und mit wem er feierte, gehörte nicht zu meinen Problemen und sollte mich nicht interessieren.

»Wir werden ausgiebig miteinander plaudern, wenn das hier vorbei ist.«

»Wieso klingt das bei Ihnen immer wie eine Drohung?«, fragte ich zickig.

»Weil es eine ist. Heute war nicht einfach nur ein Tag, an dem ich zufälligerweise eine Party schmeißen wollte. Heute war mein achtundzwanzigster Geburtstag. Und statt zu feiern, jage ich dem Phönix einer frechen Hexe hinterher und wäre fast von einem Basilisken zu Asche pulverisiert worden.«

»Dann herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.«

Bradak zog ein Gesicht, als hätte er meine Worte zwar verstanden, könne aber beim besten Willen nicht glauben, dass ich sie tatsächlich ausgesprochen hatte. »Das hast du nicht wirklich gesagt, oder?«

»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag nachträglich?«

Percy zitterte neben mir. Dieser Mistkerl lachte sich die Seele aus dem Leib! Was zur Hölle sollte ich sonst zu ihm sagen?

Mein Hexenmeister nahm tief Luft, wahrscheinlich zählte er stumm sogar bis zehn. Als er sich mir zuwandte, konnte ich seinem Blick kaum standhalten, aber ein sturer Teil von mir weigerte sich wegzuschauen.

»Ja, wir werden uns unterhalten. Sehr ausführlich und sehr lange.«

In diesem Moment und bevor ich mir noch mehr Ärger mit meinem Mundwerk einhandeln konnte, erklang ein durchdringender Schrei und der Himmel explodierte in roten Funken. Wir zuckten zusammen und suchten automatisch Schutz. Bradak und Percy knieten dicht neben mir und hatten mich in ihre Mitte genommen. Als wir in den Himmel sahen, konnten wir einen Feuerstreifen sehen, der sich wie ein brennender Regenbogen über die Stadt erstreckte.

Mein Phönix hatte beschlossen der Welt einen guten Morgen zu wünschen.

3. KAPITEL

Sobald der Basilisk in den Transporter geschafft wurde, klappte Ruben in sich zusammen. Schweiß lief ihm das blasse Gesicht hinab und ich bezweifelte, dass es nur an der Hitze lag.

Bradak hatte ihm ins Auto geholfen, wo er nun auf der Rückbank schlief. Mir kam dieser Schwächeanfall seltsam vor und ich fragte mich, ob Bradaks Warnung etwas damit zu tun hatte. Die Runen auf Ruben blockierten ihn, anders konnte ich mir diese Erschöpfung nicht erklären. Aber wenn dem so war, wieso durfte Ruben nichts davon erfahren?

»Hier.« Webs reichte uns jeweils eine kleine Wasserflasche. Da der Basilisk eingefangen war, machte sich die Feuerwehr an die Arbeit. Ich trank in schnellen Zügen meine Flasche leer, da die große Hitze mich allmählich auslaugte. Bradak versuchte währenddessen jemanden anzurufen. Ich tippte auf einen der drei Hexer, denn der Feuerschein der Phönixkönigin war über meinem Viertel aufgeleuchtet. Da sie zu Fuß unterwegs waren, konnten sie nicht allzu weit davon entfernt sein.

»Verflucht!«, zischte er aufgebracht, nachdem niemand abgehoben hatte.

»Bradak, dieses Feuer am Himmel«, setzte Webs an, »du weißt, was das war?«

»Wir kümmern uns bereits darum.«

»Ich werde keine Fragen stellen, andere schon«, meinte sie.

»Ja, ich weiß.«

Webs Blick glitt zu mir. In ihm erkannte ich Neugierde, doch sie hielt sich an ihr Wort und ging.

»Scheiße!«

Ich sah Bradak seine Frustration an. Er spannte die Hand um das Handy, das so verloren in seiner großen Pranke wirkte. Wahrscheinlich kämpfte er mit sich, um es nicht gegen irgendeine Wand zu schleudern.

»Fahren wir«, sagte ich, woraufhin er mich ansah. »Sie machen sich Sorgen und mir gefällt die Situation genauso wenig.«

»Ganz davon abgesehen, dass es um eine ernste Sache geht und sie sofort antworten müssten«, ergänzte Percy.

Ich wollte nicht andeuten, dass den drei Hexern etwas zugestoßen sein könnte, aber seltsam war es schon. Bei einem Notfall würde ich mein Handy nie außer Acht lassen.

»In Ordnung, fahren wir«, stimmte er schließlich zu.

»Mel?«

Wir waren gerade dabei, ins Auto zu steigen, als ich jemanden meinen Namen rufen hörte. Ich wandte mich der Richtung zu und konnte eine junge Frau an der Absperrung sehen, die mir heftig zuwinkte.

»Tracey!« Ich ließ die Männer stehen und lief zu ihr.