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Eines Abends unterhielten wir (Jasmin Selzer und Christian Zimmer) uns darüber, dass wir zum Einschlafen gerne Podcasts hören. Wir waren uns schnell einig, dass True-Crime-Podcasts unsere bevorzugte „Einschlafhilfe“ sind. Nach einiger Zeit wuchs in uns die anfänglich eher absurde Idee, einen eigenen Podcast zu produzieren. Wir hatten bereits ein wenig Erfahrung im Bereich Videoproduktion und Streaming, jedoch dienten diese Inhalte eher der kurzweiligen Unterhaltung und um dem Publikum ein Lächeln zu entlocken. Ein True-Crime-Podcast war für uns eine völlig neue Herausforderung. Nichtsdestotrotz waren wir motiviert, es zu versuchen. Nach einer Nacht mit Brainstorming stand der Name „Alle Jahre Mörder“ und das Konzept für unseren Podcast fest. Allerdings hatte keiner von uns jemals zuvor ein Skript für einen Podcast geschrieben. Auch die Tatsache, dass wir nicht (wie viele unserer Kolleginnen und Kollegen) aus dem Bereich des Journalismus kommen, machte die Sache nicht gerade leichter. Dennoch nahmen wir uns vor, das Projekt anlaufen zu lassen und die Fälle ehrlich, sachlich und vor allem mit dem gebotenen Respekt den Opfern gegenüber vorzutragen. Am 02. September 2020 veröffentlichten wir unsere erste Podcast-Folge und fanden schnell Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich jeden Sonntag über die von uns aufgearbeiteten wahren Kriminalfälle aus aller Welt freuen. Dank der konstruktiven Kritik unserer Zuhörerinnen und Zuhörer, konnten wir unseren Podcast stetig verbessern. Wir waren sehr stolz darauf, am 24. Juli 2022 unsere 100. Folge zu veröffentlichen. Genau um diese Zeit kontaktierte uns Kurt Bamacher vom gleichnamigen Verlag mit der Idee, unsere Skripte in Buchform zu veröffentlichen. Nachdem wir einige Tage darüber nachgedacht hatten, waren wir uns einig, auch dieses Projekt anzugehen. Denn die Skripte, in denen etliche Stunden an Arbeit steckten, waren wirklich zu schade, um auf einer Festplatte herumzuliegen und in Vergessenheit zu geraten. Gemeinsam wurden sie nach und nach in Buchform gebracht. Das Ergebnis könnt ihr nun lesen und hoffentlich genießen. Wir haben uns große Mühe gegeben, euch ein spannendes und hoffentlich unterhaltsames Potpourri unserer Fälle zusammenzustellen. In unserem Buch findet ihr neben 20 ausgewählten Kriminalfällen aus unserem Podcast auch einen unveröffentlichten Exklusivfall. Die jeweilige Nachbesprechung der Fälle, sowie unsere persönliche Einschätzung dazu, könnt ihr in unserem Podcast hören.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Der Totengräber von Görlitz - Kuno Peschel (1965)
Der Säurebad-Mörder (1944)
Das mysteriöse Verschwinden des Ehepaars Gaum (1965)
Wo ist der kleine Timo? (1964)
Der Trabi-Fall - Unfall oder Mord? (1990)
Werner „Mucki“ Pinzner - Der St. Pauli Killer (1984)
Der Amoklauf von Tampa Bay - Hank Earl Carr (1998)
Das Kernteam (1989)
Der mörderische Frauenheld - Peter Lundin (2000)
Der Eyeball Killer - Charles Albright (1990)
König der Verdammten - Allan Menzies (2002)
Der tollwütige Vielfraß (2007)
Vom Opfer zur Mörderin - Lisa Montgomery (2004)
Der Mord am Briefmarkenhändler (2010)
Der filmreife Mord an Cassie Stoddart (2006)
Der Mord an Jonathan H. (2011)
Geiselnahme von Midland City - Jimmy Lee Dykes (2013)
Spurlos verschwunden - Der Fall Adrian Lukas (2017)
Ein Opfer für Slender Man (2014)
Die Kettensägen-Frau aus Steinau (2018)
Habgier - Der Auftragsmord von Morschen (1997)
Impressum
Alle Jahre Mörder
True Crime
Die spannendsten Fälle
Jasmin Selzer & Christian Zimmer
1. Auflage 2022
© 2022 Bamacher Verlag
www.bamacher.com
www.allejahremoerder.de
Liebe Leserinnen und Leser,
eines Abends unterhielten wir (Jasmin Selzer und Christian Zimmer) uns darüber, dass wir zum Einschlafen gerne Podcasts hören. Wir waren uns schnell einig, dass True-Crime-Podcasts unsere bevorzugte „Einschlafhilfe“ sind. Nach einiger Zeit wuchs in uns die anfänglich eher absurde Idee, einen eigenen Podcast zu produzieren.
Wir hatten bereits ein wenig Erfahrung im Bereich Videoproduktion und Streaming, jedoch dienten diese Inhalte eher der kurzweiligen Unterhaltung und um dem Publikum ein Lächeln zu entlocken. Ein True-Crime-Podcast war für uns eine völlig neue Herausforderung. Nichtsdestotrotz waren wir motiviert, es zu versuchen. Nach einer Nacht mit Brainstorming stand der Name „Alle Jahre Mörder“ und das Konzept für unseren Podcast fest. Allerdings hatte keiner von uns jemals zuvor ein Skript für einen Podcast geschrieben. Auch die Tatsache, dass wir nicht (wie viele unserer Kolleginnen und Kollegen) aus dem Bereich des Journalismus kommen, machte die Sache nicht gerade leichter. Dennoch nahmen wir uns vor, das Projekt anlaufen zu lassen und die Fälle ehrlich, sachlich und vor allem mit dem gebotenen Respekt den Opfern gegenüber vorzutragen. Am 02. September 2020 veröffentlichten wir unsere erste Podcast-Folge und fanden schnell Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich jeden Sonntag über die von uns aufgearbeiteten wahren Kriminalfälle aus aller Welt freuen. Dank der konstruktiven Kritik unserer Zuhörerinnen und Zuhörer, konnten wir unseren Podcast stetig verbessern.
Wir waren sehr stolz darauf, am 24. Juli 2022 unsere 100. Folge zu veröffentlichen. Genau um diese Zeit kontaktierte uns Kurt Bamacher vom gleichnamigen Verlag mit der Idee, unsere Skripte in Buchform zu veröffentlichen. Nachdem wir einige Tage darüber nachgedacht hatten, waren wir uns einig, auch dieses Projekt anzugehen. Denn die Skripte, in denen etliche Stunden an Arbeit steckten, waren wirklich zu schade, um auf einer Festplatte herumzuliegen und in Vergessenheit zu geraten. Gemeinsam wurden sie nach und nach in Buchform gebracht. Das Ergebnis könnt ihr nun lesen und hoffentlich genießen. Wir haben uns große Mühe gegeben, euch ein spannendes und hoffentlich unterhaltsames Potpourri unserer Fälle zusammenzustellen.
In unserem Buch findet ihr neben 20 ausgewählten Kriminalfällen aus unserem Podcast auch einen unveröffentlichten Exklusivfall. Die jeweilige Nachbesprechung der Fälle, sowie unsere persönliche Einschätzung dazu, könnt ihr in unserem Podcast hören.
Genug der Worte: Jasmin und Christian wünschen euch jetzt eine gute und spannende Unterhaltung.
Am Morgen des 20. Juli 1965 macht sich die 11-jährige Roswitha Buder auf den Weg, um Flaschen und Altpapier in der Nachbarschaft zu sammeln. Das Mädchen macht dies regelmäßig, um das Geld der Familie etwas aufzustocken. Die Familie Buder, die in der Nähe des alten Nikolaifriedhofs in Görlitz wohnt, ist auch für DDR-Verhältnisse ziemlich arm. Die Mutter geht Putzen und der Vater ist Kesselreiniger. Die Nachbarn mögen das junge Mädchen und helfen ihr gerne, da sie ein sehr aufgeschlossenes, ruhiges und nettes Kind ist. Auch an diesem Dienstagmorgen schlendert das gut gelaunte, 1,40 Meter große Mädchen mit blasser Haut, dunkelblonden Haaren und blaugrauen Augen durch die Straßen. Sie trägt einen weinroten Pullover, einen roten Leinenrock und blaue Segeltuchturnschuhe, als sie eine Nachbarin auf ihrem Weg trifft, sie höflich grüßt und kurzen Smalltalk mit ihr führt. Normalerweise hat Roswitha immer eine feste Route. Doch an diesem Tag entscheidet sie sich von dieser abzuweichen. Schließlich sind gerade Ferien und einige Familien verreist. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Diese Entscheidung sollte ihr zum Verhängnis werden. Denn Roswitha kommt an diesem Tag nicht mehr nach Hause.
Ihre Eltern machen sich große Sorgen, als der Abend anbricht und ihre Tochter immer noch nicht heimkehrt. Sie beschließen also, gemeinsam mit ihrem Sohn die gesamte Nachbarschaft nach ihr abzusuchen. Doch leider ohne Erfolg. Trotz ihrer großen Sorge haben sie noch die Hoffnung, dass sie bei Freunden oder Verwandten übernachtet. Als sie jedoch bis zum nächsten Morgen immer noch nichts von ihr hören, melden sie Roswitha bei der Polizei als vermisst. Diese gibt sich große Mühe, das Mädchen so schnell wie möglich zu finden. Es werden Handzettel verteilt und Vermisstenplakate aufgehängt. Außerdem werden etliche Zeugen vernommen. Angehörige, Nachbarn und Klassenkameraden werden systematisch abgeklappert und befragt. Doch niemand weiß, wo Roswitha sein könnte. Die Letzte, die das Mädchen am Morgen des 20. Juli gesehen hat, ist die Nachbarin, mit der sie sich noch kurz unterhalten hatte. Sie erinnert sich noch daran, wie das Mädchen in den Obersteinweg abgebogen war. Zu welchem Nachbarn sie gehen wollte, konnte sie allerdings nicht sagen.
Für die Ermittler ist dies dennoch ein guter Hinweis. Am Obersteinweg befindet sich auch der Nikolaifriedhof. Dieser ist sehr beliebt bei Kindern, da sie dort oft spielen. Die Gräber stammen überwiegend aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Leichen werden dort schon lange nicht mehr bestattet. Der Friedhof ist quasi außer Betrieb. Die Ermittler vermuten, dass dies ein idealer Ort wäre, um jemanden zu verstecken. Also beschließen sie am 29. Juli, sich mit Fährtenhunden auf den Weg zum Nikolaifriedhof zu machen und diesen systematisch abzusuchen. Plötzlich schlägt ein Hund bei einer eingefallenen Gruft an. Allerdings sind die gefundenen Leichen, die in der Gruft liegen, über zweihundert Jahre alt und es sieht an der Stelle alles unberührt aus. Die Steine sind mit Moos bedeckt und die Gruft ist derart eingefallen, dass man weder reinschauen noch reinkriechen könnte.
Ein Kriminaltechniker findet heraus, dass die Gruft direkt an die Friedhofsmauer grenzt. Dahinter steht das Haus Obersteinweg 16. Genau dort ist das Mädchen von einer Anwohnerin zuletzt gesehen worden. Man ist sich nun sicher, eine heiße Spur gefunden zu haben. Sofort wird die Mordkommission eingeschaltet und der Friedhof ein weiteres Mal mit Leichenspürhunden abgesucht. Und auch dieses Mal schlägt der Hund an derselben Gruft an. Doch wie kann dies sein, wenn nur jahrhundertealte Leichen in der Gruft liegen?
Fast zeitgleich meldet sich eine weitere Zeugin bei der Polizei. Sie gibt an, dass sie am Morgen nach Roswithas Verschwinden den Nachbarn Kuno Peschel mit einem großen Koffer die Treppe zum Friedhof hinaufsteigen sah. Sie hatte sofort ein ungutes Gefühl und ahnte, dass irgendwas mit diesem Kuno Peschel nicht stimmte. Dies war schließlich nicht das erste Mal, dass sie ihn am frühen Morgen, wenn die Straßen noch völlig leer waren, einen großen Koffer hinauftragen sah. Sollte er dem Mädchen tatsächlich etwas angetan und es zerstückelt auf dem Friedhof versteckt haben?
Die Polizei nimmt diesen Hinweis sehr ernst. Sie nimmt das Haus von Kuno Peschel gründlich ins Visier und versucht über den Verdächtigen so viel wie möglich herauszufinden. Bei ihren Ermittlungen finden sie heraus, dass der 34-Jährige als Alkoholiker in der Nachbarschaft bekannt ist. Auch sein Verhalten wirkt auf die Anwohner sehr auffällig. Er soll regelmäßig Besuch von Homosexuellen bekommen. Einer geregelten Arbeit geht er auch nicht nach. Außerdem erzählt man sich in der Stadt, dass er wirre Experimente veranstaltet. Er gilt bei allen Nachbarn als gewalttätig und aggressiv und wird darum gemieden. Die Ermittler finden zudem heraus, dass er vor einiger Zeit als Hilfs-Totengräber auf dem Nikolaifriedhof gearbeitet hat. Er weiß also, dass diese Gruft zugeschüttet werden soll, weil sie einbruchsgefährdet ist. Auch das Haus in dem Peschel wohnt, gleicht einer Bruchbude und ist eigentlich abrissreif. Und noch etwas fällt den Ermittlern auf: Die Gruft und Kunos Küche stehen Mauer an Mauer. Die Ermittlungen machen Kuno Peschel also dringend tatverdächtig.
Am 05. August suchen die Ermittler das Haus von Kuno Peschel auf. Als sie bei ihm klingeln, öffnet ihnen ein großer, hagerer Mann in Jogginghose und schmutzigem Unterhemd, der erheblich älter aussieht als 34, die Tür. Von ihm geht ein scharfer Schweißgeruch aus. Er wird abgeführt und stundenlang verhört. Als er von den Beamten gefragt wird, ob er am 20. Juli ein elfjähriges Mädchen gesehen hätte, sagt er: „Ja, die Roswitha, die seit Dienstag vermisst wird, war am Montagnachmittag bei mir und hat mich nach Flaschen oder Altpapier gefragt. Ich war an dem Tag nicht gut drauf und habe sie rausgeschmissen. Sie könne gern noch mal Morgen kommen, habe ich ihr hinterhergerufen. Aber am Dienstag ist sie nicht mehr aufgetaucht.“ Mehr gibt er nicht zu Protokoll. Da von ihm kein Geständnis zu holen ist, beschließen die Ermittler sein Haus genauer zu untersuchen.
Als sie das Haus betreten, kommt ihnen sofort ein unerträglicher Gestank entgegen. Die Räume sind übersät mit leeren Flaschen, Essensresten, Müll und Erbrochenem. Die Liege, auf der er schläft, ist schmutzig und mit Kotresten verschmiert. Der Kriminaltechniker arbeitet sich bis zur Küche vor, wo ihm der unerträgliche Geruch von Verwesung, gemischt mit Essigsäure in die Nase zieht. Der Gestank führt ihn zu einer Küchenanrichte, die grob zusammengezimmert wurde. An der unteren Kante kann man erkennen, dass vom Boden einige Bretter rausgenommen und mit anderen Brettern ersetzt wurden. Zugeklebt wurden diese mit einer Art Gips. Die Ermittler schieben den Küchenschrank zur Seite und hebeln die Bretter aus dem Boden. Ihre schlimmste Erwartung wird nun bestätigt: Aus dem Loch können sie den Leichnam des jungen Mädchens bergen. Ihre Beine und Arme liegen eng an ihrem Körper an und sind mit einem Strick um den Körper gebunden. Die Leiche des Mädchens liegt in gleicher Höhe mit dem Entlüftungsfenster der Gruft. Darum konnten wohl die Leichenspürhunde zuvor auch anschlagen.
Nach dem Fund der Leiche wird Kuno Peschel erneut verhört. Nach einigen Stunden knickt er schließlich ein und gesteht. Sein Geständnis ist jedoch wirr und widersprüchlich. Einerseits kann er sich an gewisse Details erinnern, doch andererseits behauptet er, ein Blackout gehabt zu haben. Er erinnert sich beispielsweise, wie das Mädchen zu ihm sagte: „Onkel, warum zitterst du denn so?“ Wie es jedoch dazu kam, dass er plötzlich über das Mädchen herfiel, daran kann er sich angeblich nicht mehr erinnern. Er weiß nur noch, dass er sie packte und sie auf seine Liege warf. Das Mädchen begann sofort zu schreien. Daraufhin erwürgte er sie und verging sich anschließend an ihrer Leiche. Im Laufe des Verhörs gewinnt man auch den Eindruck, dass Peschel unter Wahnzuständen leidet. Er spricht unter anderem von seiner angeblichen Zeit in der Fremdenlegion und will sogar in Afrika gekämpft haben.
Am darauffolgenden Tag wird Kuno Peschels Exfrau Irmgard zur Vernehmung geladen. Sie erzählt: „Unsere Ehe wurde im Vorjahr geschieden. Wegen der Kinder stehen wir aber noch in Verbindung. Er ist immerhin der Vater. Deshalb waren wir auch am Dienstagabend, dem 20. Juli bei ihm. Das war so nach 19 Uhr. Mir ist allerdings nichts Ungewöhnliches aufgefallen. Die Wohnung war unaufgeräumt wie immer und Kuno angesoffen, auch wie immer. Wir waren nur kurz da, die Kinder drängelten und ich hatte auch keine Lust zu bleiben. Seit Dienstag habe ich ihn nicht mehr gesehen. Unsere Ehe war keine gute. Und wenn nicht die Kinder gewesen wären, hätte ich mich schon wesentlich früher aus dem Staub gemacht. Ich habe mehrmals die Scheidung eingereicht, doch er hat mich jedes Mal wieder rumgekriegt, und ich habe einen Rückzieher gemacht. 1964 hat er plötzlich selbst die Scheidung beantragt. Ich war damals schon lange mit den drei Kindern ausgezogen. Es ging einfach nicht mehr. Er hielt es an keiner Arbeitsstelle lange aus. Nach wenigen Monaten, manchmal schon nach Wochen, warf er alles hin. Ich konnte darauf warten. Und immer waren die anderen schuld, er wähnte sich unschuldig. Dann kam noch die Trinkerei hinzu, sein Umgang mit den anderen Pennern, seine Spinnereien von der Fremdenlegion und der ganze andere Quatsch. Und die rohe Gewalt… der ist doch nicht ganz dicht! Wenn er im Bett nicht bekommen hat, was er wollte, hat er mich gewürgt. Je fester er zudrückte, desto erregter wurde er. Erst wenn ich mich nicht mehr wehrte und nachgab, lockerte er den Griff. Und dann hat er auch wieder gekonnt. Und das komische war, es war nie vorhersehbar. Meist ging es ohne Gewalt ab. Der wollte und konnte ja immer… der ist doch nicht ganz dicht“, wiederholt sie und spricht weiter: „Anfangs hatte mich das noch nicht gestört mit der Würgerei und so. Ich dachte, naiv wie ich damals war, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wenn es ihm Spaß macht, beim Verkehr zu würgen: Bitte, ich hab’s ja bisher immer überlebt. Nein, ich meine diesen anderen Quatsch. Das war doch einfach widerlich! Was glauben sie, warum er auf dem Friedhof zu arbeiten begonnen hat? Wegen der Leichen! Ich habe ihn einige Male in der Leichenhalle gesehen, dort wo die Toten aufgebahrt werden. Er hat sich dort befriedigt. Und einmal lag er sogar auf einer Toten. Das ist doch ekelhaft! Als ich ihn auf der Leiche liegen sah, hätte ich kotzen können. In der Nacht danach rollte er sich auf mich. Da bin ich zum ersten Mal abgehauen. Das war mir dann doch zu viel. Die Vorstellung, dass er wenige Stunden zuvor… Ich habe ihn darauf aber noch nie angesprochen. Irgendwann hat er doch tatsächlich in der Küche angefangen, einen Gang hinüber zum Nikolaifriedhof zu buddeln. Er wollte von unserem Haus - stellen Sie sich das einmal vor - unbemerkt in die Gruft auf der anderen Seite der Mauer gelangen. Seit Monaten hat er dort gegraben. Als ich das letzte Mal dort war, am 20. Juli, standen die Kommode und der Schrankaufsatz wieder in der Ecke. Ich nahm erleichtert an, dass er seinen Plan aufgegeben hatte.“
Daraufhin beschließt der vernehmende Beamte ihr zu erzählen, dass an jener Stelle, die sie zuvor beschrieben hatte, die tote Roswitha Buder gefunden wurde und vermutlich seit Dienstagvormittag dort lag. Diese Aussage setzt Peschels Exfrau völlig unter Schock. Schließlich lag das tote Mädchen bereits unter den Küchendielen, als sie mit ihren Kindern am Dienstagabend dort war.
Während Kuno Peschel in Untersuchungshaft sitzt, verfasst er ein Geständnis. Er bereut seine Tat und will dafür büßen. Da er Roswitha vorsätzlich zur Verdeckung eines Sexualdeliktes durch Erwürgen tötete, erwartet ihn die Todesstrafe, die es damals in der DDR noch gab. Doch plötzlich wendet sich das Blatt, als sich die Krankenschwester Ilse U. bei der Polizei meldet, die wichtige Informationen zu Peschel hat. Sie sagt aus, dass Peschel als Lehrling an der Bergarbeiterschule einige Zeit lang bei ihr wohnte. Sie behandelte ihn wie einen eigenen Sohn. Doch irgendwann wurde ihr klar, dass er ernsthaft psychisch krank sein muss. Er litt unter Anfällen und wurde zunehmend gewalttätig, sobald er unter Stress stand. Sie ließ ihn daraufhin sogar in die Psychiatrie einliefern.
Die Staatsanwaltschaft beantragt daraufhin Kuno Peschels psychiatrische Untersuchung. Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass mehrere seelische Erkrankungen bei ihm vorliegen. Er wurde als Junge von Männern und Frauen missbraucht und mit gerade mal 12 Jahren hatte er bereits erkauften Sex. Außerdem stellt man bei ihm episodische Zustände wie Abschalten, Erinnerungslücken und schwere Verhaltensänderung mit Pseudo-Halluzinationen fest. Auch organisch kommt eine Auffälligkeit ans Tageslicht, denn es wird bei einer Untersuchung sogar eine Anomalie seines Hirns festgestellt. Im späteren Gutachten heißt es, dass zur Zeit der Tat Zurechnungsunfähigkeit vorgelegen habe. Peschel habe sich während der Tat in einem seiner seit 1951 bekannten, gelegentlich auftretenden und bisher unbehandelten psychischen Ausnahmezustände befunden. Dabei handelt es sich um anfallsweise auftretende Erregungszustände mit Bewusstseinsstörungen, ängstlicher Getriebenheit unter dem Einfluss imperativer Pseudo-Halluzinationen.
Im Juli 1966 kommt es zur Verhandlung vor dem Bezirksgericht Dresden. Das psychiatrische Gutachten sorgt dafür, dass nicht mehr die Anklage wegen vorsätzlichen Mordes im Raum steht, sondern Schuldminderung. Am 11. Juli 1966, nach nur drei Verhandlungstagen, wird Kuno Peschel von der Anklage des Mordes an Roswitha wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen. Er wird zu einer lebenslangen Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt verurteilt.
1991 wird Kuno Peschel aus dem psychiatrischen Haftkrankenhaus Waldheim entlassen und zieht nach Mittweida. Dort wohnt er allerdings nur zwei bis drei Monate, da er anschließend in eine Chemnitzer Klinik überstellt wird, wo er am 06. Juni 1992 an Lungenkrebs verstirbt.
„Der liebe Gott sieht alles!“ Diese Worte hört John Haigh in seiner Kindheit nahezu täglich von seinen zutiefst gläubigen Eltern. Diese gehören einer christlichen Sekte an und haben es sich zum Lebensinhalt gemacht, dem Herrn zu gefallen.
John George Haigh wird am 24. Juli 1909 in Lincolnshire geboren. Seine streng gläubigen Eltern erlauben ihm nicht viel. So ist der Umgang mit anderen Kindern außerhalb der Schule genauso untersagt wie die Teilnahme an Sport und Gesellschaftsveranstaltungen. Sein einziger „Freund“ ist der Hund der Nachbarn. Immer wenn er das Tier in deren Garten sieht, geht John schnell hinaus, um mit dem Hund ein wenig zu spielen. Aber auch dieses Vergnügen sollte nicht von langer Dauer sein, denn Johns Vater hat Angst vor den neugierigen Blicken der Nachbarn und so zieht er einen hohen Zaun um das Wohnhaus der Familie.
Spielen sollte John ohnehin nicht so viel. Das würde ihn nur unnötig vom Beten abhalten, so die Meinung seiner Eltern. Und um der Sache noch mehr Nachdruck zu verleihen, erzählt Johns Vater ihm, dass eine völlig harmlose Pigmentstörung auf dem Rücken seines Vaters ein Mal des Teufels sei, da sein Vater in seiner Jugend schlimme Dinge getan habe. Diese Horrorgeschichte wirkt allerdings nur kurze Zeit, denn schon in jungen Jahren versucht der kleine John immer wieder die Grenzen des Machbaren auszutesten. So beginnt er mit kleinen Lügereien und bemerkt dabei schnell, dass ihm weder ein Fleck noch eine lange Nase wächst. Lediglich eine Sache beunruhigt den Jungen nach eigenen Aussagen: Es sind die immer wiederkehrenden Alpträume von blutigen Kruzifixen, die ihn häufig nachts heimsuchen.
Der kleine Junge begreift mehr und mehr, dass wenn er Freiheiten haben will, er sich diese erschwindeln muss. Dienlich hierfür ist sein freundliches und offenes Auftreten. Sowohl in der Schule als auch bei seinen Eltern „ergaunert“ er sich somit immer mehr Freiheiten. Und sollte er doch mal erwischt worden sein, lässt er die Predigt über sich ergehen, gelobt feierlich Besserung und macht weiter wie vorher. Ein Talent bekommt John allerdings in die Wiege gelegt: Das Singen. Er ist der beste Chorsänger seiner Schule und bekommt hierfür sogar ein Stipendium für die Oberschule. Allerdings macht er nach seinem Abschluss nichts aus dem Talent.
Aber aus seinem anderen Talent, nämlich seiner Fähigkeit, Menschen um den Finger zu wickeln, schlägt er als Verkäufer Kapital. Hinzu kommt, dass John stets ein sehr gepflegtes Äußeres an den Tag legt. Schlips und Kragen sind bei ihm Standard. Dies bleibt auch der Frauenwelt nicht lange verborgen und so heiratet John Haigh im Juli 1934 Beatrice Hammer. Beide kennen sich nicht wirklich lange, aber Beatrice erliegt schnell Johns Charme. Dieser hat mittlerweile aufgehört als Verkäufer zu arbeiten und hält sich lieber mit kleineren Betrügereien über Wasser. Eine davon bringt ihm dann kurz nach seiner Heirat auch seine erste Haftstrafe ein. Denn als John vorgibt Arzt zu sein und gegen Barzahlung Rezepte ausstellt, wird er angezeigt und im November 1934 festgenommen. Kurze Zeit nach seiner Inhaftierung geht dann auch die Ehe in die Brüche. Beatrice, die zu diesem Zeitpunkt ein Kind von John erwartet, gibt dieses nach der Geburt zur Adoption frei.
Nach seiner Haftentlassung ist John keineswegs geläutert. Immer wieder kommt er wegen kleinerer Betrügereien mit dem Gesetz in Konflikt. Allerdings kann John auch anders. So arbeitet er 1936 für den Freizeitparkbetreiber William D. McSwan als Chauffeur und Sekretär. Hier gehört John quasi zur Familie. Seine Arbeitgeber schätzen seine freundliche und zuverlässige Art. Umso trauriger sind sie, als John dann nach einem Jahr ohne erkennbaren Grund kündigt. „Normale“ Arbeit ist einfach nicht sein Ding. John will schnell ans große Geld gelangen und sich dafür vor allem nicht kaputt schuften. So beginnt er wieder damit, sich als jemand auszugeben, der er nicht ist. 1937 eröffnet er eine Anwaltskanzlei, ohne jemals auch nur einen Tag Jura studiert zu haben. Dieser Plan, so unmöglich er sich auch anhört, funktioniert über ein Jahr. Und so werden einige Menschen von John Haigh vor Gericht vertreten. Nach diesem Jahr braucht dann John allerdings selbst einen Anwalt. Denn das Gericht verurteilt ihn wegen Betruges zu vier Jahren Haft.
In der Haft überlegt sich John Haigh wie er nach seiner Entlassung an Geld kommen könnte. In ihm wächst die Idee sich das Geld von alten alleinstehenden Damen zu ergaunern, indem er ihr Vertrauen gewinnt. Sollte es dann zu Unannehmlichkeiten kommen, würde er die alten Damen einfach töten. Und noch mit einer weiteren Sache beschäftigt sich John nahezu täglich. Während seiner Arbeit in der Gefängniswerkstatt experimentiert er mit Schwefelsäure. Diese ist dort leicht zu bekommen, da die Werkstatt Zinn verarbeitet. John fängt Mäuse und beginnt sie in der Schwefelsäure aufzulösen. Ihm fällt dabei auf, dass dies der perfekte Weg sei, eine Leiche verschwinden zu lassen. Denn John ist der Meinung, dass es ohne Leiche auch keine Verurteilung für ihn geben könne.
Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges endet Johns Haftzeit vorzeitig und er wird entlassen. Wieder auf freiem Fuß, mietet er sich in ein Hotel ein. Das Geld hierfür ergaunert er sich durch Betrug und kleinere Diebstähle. Und noch etwas mietet John Haigh an: Einen Kellerraum, den er zu einer Werkstatt ausbaut. In dieser würde er nach eigenen Angaben an Erfindungen arbeiten. Auf einer abendlichen Kneipentour trifft John durch Zufall seinen ehemaligen Arbeitgeber William D. McSwan wieder. Beide freuen sich sehr über ihr Wiedersehen und William lädt John am Folgetag zu sich und seinen Eltern nach Hause ein. Hier erfährt John unter anderem auch, dass die Geschäfte der Familie McSwan besser denn je laufen und die Familie sich ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet hat. John merkt förmlich, wie in ihm die Habgier aufsteigt. Während alle in Erinnerungen schwelgen, bietet John Williams Vater an, dessen defekten Esstisch in seiner „Werkstatt“ zu reparieren. Der Vater willigt dankend ein. John nimmt den Tisch mit in seine Werkstatt und hat fortan wieder mehr Kontakt zur Familie. Speziell mit William trifft er sich regelmäßig, um etwas trinken zu gehen.
Am 09. September 1944 lockt John Haigh dann den ahnungslosen William in seine Werkstatt, um ihm die Fortschritte an dem Tisch zu zeigen, wie er sagt. Ohne jegliche Vorwarnung schlägt er William mit einem stumpfen Gegenstand bewusstlos. Im Anschluss schneidet er seinem wehrlosen Opfer die Kehle durch und fängt das austretende Blut in einem Glas auf, um es dann zu trinken. Auch für die Entsorgung von Williams Leiche hat John schon alles vorbereitet. Er steckt die Leiche in ein vorher besorgtes 200-Liter-Fass und füllt das Fass im Anschluss mit Schwefelsäure auf. Womit John nicht rechnet, ist die enorme Gasbildung, die beim Zersetzen der Leiche entsteht. Immer wieder muss er den fensterlosen Keller verlassen, um nicht ohnmächtig zu werden. Da das Auflösen von Williams Leiche länger dauert als gedacht, bedeckt John das Fass mit ein paar Brettern und geht in sein Hotel, um die Nacht durchzuschlafen.
Am nächsten Tag kehrt John in seine Werkstatt zurück, um zu sehen, ob die Leiche „verschwunden“ ist. Und dies ist der Fall. Lediglich eine breiige Masse mit einigen Klumpen Fleisch befindet sich noch in dem Fass. Die Flüssigkeit gießt John dann einfach in den Abfluss des Kellers, die Fleischklumpen schmeißt er einfach in den Hinterhof des Wohnhauses. Nun folgt der zweite Schritt von Johns Plan. Er sichert sich mit gefälschten Papieren den ganzen Besitz von William McSwan. Dessen besorgten Eltern erzählt er die Geschichte, dass William ihm erzählt habe, dass er, um sich vor dem Militärdienst zu drücken, das Land verlassen und John mit der Führung seiner Geschäfte beauftragt hätte. Um seine Geschichte noch glaubhafter zu machen, fährt John extra nach Edinburgh, um dort eine gefälschte Postkarte von William an seine Eltern zu schicken. Lange hält der erworbene Reichtum jedoch nicht an. John verfällt mehr und mehr dem Glücksspiel und bringt sein Vermögen innerhalb kürzester Zeit durch.
Auch Williams Eltern schöpfen nun den Verdacht, dass mit dem einstigen Freund der Familie etwas nicht stimmen würde. Als die Situation für John Haigh immer brenzliger wird, lockt er Williams Eltern ebenfalls in seinen Keller und erschlägt beide mit einem Hammer. Auch ihnen schneidet er die Kehle durch und trinkt ihr Blut. Auch die Art der Leichenentsorgung wird beibehalten. Nachdem die Schwefelsäure auch ihre Leichen aufgelöst hat, beginnt John erneut mit Briefen an die Angestellten des Freizeitparks sowie an Freunde und Familie seiner Opfer sich deren Vermögen anzueignen. Diesmal schreibt er, dass sich das alte Ehepaar dazu entschlossen habe, ihren Lebensabend im Ausland zu verbringen und ihn zum alleinigen Verwalter ihres Vermögens macht. Aber auch dieser Geldsegen hält nicht lange an. Die Hotelkosten und Johns ausschweifendes Leben minimieren das beträchtliche Vermögen der Familie McSwan innerhalb kürzester Zeit.
Da John Haigh nun Gefallen an seiner Art des Geldverdienens gefunden hat, sucht er sich im Sommer 1947 seine nächsten Opfer. Dr. Archibald Henderson und seine Frau Rose wollen eines ihrer Häuser verkaufen. John tritt als solventer Käufer auf und versichert dem älteren Ehepaar, dass er ihr Haus kaufen wolle. Lediglich auf die Geldmittel hierfür müsse er noch etwas warten. Archibald und Rose sind so begeistert von dem freundlichen jungen Mann, dass sie ihm sogar anbieten, bis zu seinem Einzug in das Haus bei ihnen zu wohnen. Sie ahnen nicht, dass sie damit ihren Mörder einquartiert hatten. Am 12. Februar 1949 lockt John zunächst Archibald in seine Werkstatt und erschießt ihn mit einer zuvor gestohlenen Pistole. Anschließend ruft John Archibalds Ehefrau Rose unter dem Vorwand, ihrem Mann ginge es nicht gut herbei und tötet auch sie mit einem Kopfschuss. John löst die Leichen des gutgläubigen Ehepaares in Schwefelsäure auf und schreibt im Anschluss einen 15-seitigen Brief an Roses Bruder. Darin schreibt er, dass sich beide nach Südafrika abgesetzt hätten und ihm alle Besitztümer hier vermachten. Es werden erstaunlicherweise keinerlei Fragen gestellt und John kommt mit seiner Masche erneut durch. Als dann das Glücksspiel wieder alles an Geld aufgefressen hat und John sogar anfängt, sich aufgrund seiner Spielsucht zu verschulden, muss ein neues Opfer her.
Im Januar 1949 lernt er im Restaurant seines Hotels die 69-jährige verwitwete Rentnerin Henrietta Helen Olivia Robarts Durand-Deacon kennen. Die ältere Dame erliegt sofort dem Charme des Säurekillers. Dieser gibt an, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein. Einen solchen konnte Henrietta gerade gut gebrauchen, denn sie wollte ihre Idee über die Herstellung künstlicher Fingernägel verwirklichen und suchte hierfür noch einen Partner mit Erfahrung in der Geschäftswelt. Unter dem Vorwand, alles mit ihr besprechen zu wollen, lockt John Henrietta am 18. Februar 1949 in seine Werkstatt und schießt ihr aus nächster Nähe in den Hinterkopf. Anschließend wird auch Henriettas Leiche ein Opfer der Säure. John ist jedoch verärgert, da er diesmal nur eine geringe Summe an Geld sein Eigen nennen kann, denn so vermögend, wie er erst dachte, war die alte Dame gar nicht.
Um nicht in Verdacht zu geraten, erkundigt sich John am Tag nach der Tat bei einer Bekannten von Henrietta über deren Verbleib. Diese sagt ihm, dass Henrietta ihr erzählt habe, dass sie sich mit John in seiner Werkstatt treffen wolle. John leugnet dies sofort und bietet der besorgten Freundin an, sie zur Polizei zu begleiten. Dort wirkt John den Beamten dann allerdings etwas zu besorgt und harmlos. Einer der Polizisten sieht sich sein Vorstrafenregister genauer an und somit gerät er in dringenden Tatverdacht. Eine Durchsuchung von Johns Hotelzimmer und seiner Werkstatt wird zügig durchgeführt und die Beamten werden fündig.
In Johns Werkstatt finden sie neben der Handtasche von Henrietta und Beutestücken aus dem Besitz der McSwans auch noch nicht aufgelöste Teile ihrer Leiche. Die Schwefelsäure hat es in der kurzen Zeit nicht geschafft Henriettas Füße, ihr Gebiss und ihre Gallensteine aufzulösen. Auch finden die Ermittler ein Tagebuch, in dem John Haigh all seine Taten genau beschreibt. John Haigh merkt schnell, dass er hier nicht mehr rauskommen würde. Sofort ändert er seine Taktik und versucht im anschließenden Verhör sich für unzurechnungsfähig erklären zu lassen. Er gibt an, dass er die Taten nur begangen habe, um das Blut seiner Opfer zu trinken, weil ihm dies in seinen Träumen befohlen wurde. Auch gibt er an, dass die strenge Erziehung seiner Eltern ihn habe zum Mörder werden lassen. Er selbst weist alle Schuld von sich und behauptet seelisch krank zu sein. Auch sein Verhalten während der Verhöre und während seines Prozesses passt er dem an. Diese Meinung teilen die Gutachter allerdings in keinster Weise. Und auch der Richter hält John Haigh für voll schuldfähig. Und so wird er am 18. Juli 1949 zum Tode durch den Strang verurteilt. In seiner Zeit in der Todeszelle schreibt er noch seine Memoiren und beharrt weiterhin auf seiner Aussage, geisteskrank zu sein.
Am 10. August 1949 wird John Haigh im Gefängnis von Wandsworth gehängt.
Es ist Montag, der 03. Mai 1965. Im vierten Stock des Hauses in der Erzbergerstraße 5 in Mannheim wohnen die 39-jährige Inger und der 46-jährige Josef Gaum. Das Ehepaar hat keine Kinder und ist vermögend, da Josef leitender Angestellter und Wertpapierspezialist einer Mannheimer Hypothekenbank ist. Inger Gaum ist in Dänemark geboren und ist seit 1947 in Deutschland mit Josef verheiratet. Mit ihren Verwandten in Dänemark hat sie nach wie vor regelmäßigen Kontakt.
An diesem Montag verlässt Josef die Arbeit früher als gewöhnlich und gibt seiner Sekretärin Bescheid, dass sie einen Fahrer für ihn beauftragen soll. Er lässt sich von seinem Fahrer zu seiner Hausbank fahren und hebt dort 20.000 D-Mark ab. Dass er sein Privatkonto bei einer anderen Bank hat, ist nicht außergewöhnlich. Leitende Angestellte einer Bank haben ihre persönlichen Konten üblicherweise bei einem anderen Geldinstitut. Ungefähr zur gleichen Zeit verlässt Inger die Wohnung, um einige Konserven in den Keller zu bringen. Dabei begegnet sie ihrer Nachbarin Elfriede, der Frau des Hausmeisters, und führt mit ihr kurzen Smalltalk. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Es wird das letzte Mal sein, dass sie Inger Gaum gesehen hat. Auch ihr Mann Josef war an diesem Tag zum letzten Mal im Büro. Am nächsten Morgen ruft er seine Sekretärin an und sagt ihr, dass er sich aufgrund einer Autopanne etwas verspäten wird. Doch auch er erscheint nicht mehr bei der Arbeit und ist seit diesem Anruf spurlos verschwunden.
Vier Tage vergehen ohne ein Lebenszeichen des Ehepaares Gaum. Die Schwester von Josef versucht etliche Male, ihn telefonisch zu erreichen. Doch weder darauf noch auf die Türklingel reagiert er. Daraufhin beschließt sie, bei seiner Arbeitsstelle anzurufen. Nun beginnt sie sich richtig Sorgen zu machen.
