Alpengold - Folge 198 - Martina Linden - E-Book

Alpengold - Folge 198 E-Book

Martina Linden

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Beschreibung

Leise zieht die junge Katrin die Tür zu dem kleinen Häusel im malerischen Bucheich zu. Ein letzter sehnsüchtiger Blick hinüber zum Baumgartner-Hof, dann steigt sie in ihren Wagen und fährt davon. Auch wenn es einfach gewesen wäre, jetzt hinüber zu Joachim zu laufen, sich an seine Brust zu werfen und bei ihm Trost und Vergessen zu suchen - es darf nicht sein! In einer leidenschaftlichen Nacht in seinen Armen hat sie einen Blick ins Paradies getan - und gleichzeitig große Schuld auf sich geladen! Eine Schuld, die nie mehr wiedergutzumachen ist ...

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Seitenzahl: 121

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Inhalt

Cover

Impressum

Mit heißem Blut …

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-1671-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Mit heißem Blut …

Die Sommernacht, die zwei Liebende bereuten

Von Martina Linden

Leise zieht die junge Katrin die Tür zu dem kleinen Häusel im malerischen Bucheich zu. Ein letzter sehnsüchtiger Blick hinüber zum Baumgartner-Hof, dann steigt sie in ihren Wagen und fährt davon. Auch wenn es einfach gewesen wäre, jetzt hinüber zu Joachim zu laufen, sich an seine Brust zu werfen und bei ihm Trost und Vergessen zu suchen – es darf nicht sein! In einer leidenschaftlichen Nacht in seinen Armen hat sie einen Blick ins Paradies getan – und gleichzeitig große Schuld auf sich geladen! Eine Schuld, die nie mehr wiedergutzumachen ist …

Unschlüssig blieb Katrin May in der Nähe der Konditorei stehen. Sie sehnte sich danach, noch eine Tasse Kaffee zu trinken, bevor sie nach Hause fuhr. Ihr Blick glitt zu der großen Uhr des Einkaufszentrums. Bernd wartete bestimmt schon ungeduldig auf sie. Von Tag zu Tag wurde er besitzergreifender. Er konnte es kaum noch ertragen, wenn sie allein das Haus verließ, und sie ahnte, dass er über jede Minute, die sie sich verspätete, Rechenschaft fordern würde.

So ging es nicht weiter!

Entschlossen steuerte die junge Frau mit ihrem Einkaufswagen einen der Tische an, die vor der Konditorei standen, und setzte sich. Schon wenige Minuten später brachte ihr eine Kellnerin den bestellten Kaffee und einen Eisbecher.

Katrin beobachtete die Leute, die die einzelnen Geschäfte des Einkaufszentrums ansteuerten, während sie ihren Gedanken nachhing. Sie fragte sich immer öfter, ob es nicht ein Fehler gewesen war, aus Trotz und gekränkter Eitelkeit Bernds Werben nachzugeben.

Das Zusammenleben mit ihm war noch nie leicht gewesen, doch in den letzten Monaten war er zu einem regelrechten Tyrannen geworden. Sein ganzes Sein drehte sich nur noch um ihn selbst. Ihre Wünsche ignorierte er. Sah er überhaupt noch seine Lebensgefährtin in ihr – oder nur eine Haushälterin, die ihr Leben nach ihm zu richten hatte?

Wie lange waren sie nicht mehr in Bucheich gewesen! Sie sehnte sich mit jeder Faser ihres Herzens nach dem kleinen Dorf, in dem sie vor vierundzwanzig Jahren zur Welt gekommen war. Ihre verstorbene Mutter hatte im Pfarrhaus als Haushälterin gearbeitet, ihr Vater auf dem Baumgartner-Hof als Großknecht.

Katrins Lippen umspielte ein wehmütiges Lächeln, als sie an Joachim Baumgartner dachte, den einzigen Sohn der Bauersleute. Sie liebte ihn seit ihrer Kindheit, und nachdem er sie an ihrem achtzehnten Geburtstag zum ersten Mal geküsst hatte, hatten sie angefangen, von einer gemeinsamen Zukunft zu träumen.

Aber dann war alles anders gekommen! Nie würde sie den Abend vergessen, an dem er ihr schluchzend gestanden hatte, dass eine andere Zwillinge von ihm erwartete.

Aber kann man Liebe vergessen? Katrin hatte es vergeblich versucht, auch wenn sie sich meistens nicht mehr als einen flüchtigen Gedanken an Joachim erlaubte.

Die junge Frau leerte ihre Tasse und stand auf. Ihren Eisbecher hatte sie kaum berührt, dennoch verließ sie die Konditorei und schob den Einkaufswagen auf den Parkplatz hinaus. Niedergeschlagen verlud sie die Einkäufe im Kofferraum ihres Wagens.

Eine halbe Stunde später fuhr sie in die Tiefgarage unter dem Haus, in dem sie mit Bernd Hassler das Penthouse bewohnte. Der Aufzug brauchte keine halbe Minute ins oberste Stockwerk. Sie hatte kaum die Wohnungstür aufgeschlossen, als sie auch schon ihren Lebensgefährten nach ihr rufen hörte.

»Ich komme gleich, Bernd!«, antwortete sie. »Ich bringe rasch die Einkäufe in die Küche.«

»Ich möchte nur wissen, warum das alles immer so lange dauert, Katrin«, antwortete er nörgelnd. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere Frauen auch eine halbe Ewigkeit zum Einkaufen brauchen.«

Erst als Katrin die Einkäufe in den Schränken verstaut hatte, ging sie ins Arbeitszimmer, wo Bernd Hassler hinter dem Schreibtisch saß. Er arbeitete als Steuerberater und besaß in der Nürnberger Innenstadt ein eigenes Büro. Vor einem halben Jahr hatte er einen schweren Herzanfall erlitten und suchte sein Büro seitdem nur noch sporadisch auf. Es fiel ihm leichter, von zu Hause aus zu arbeiten. Zudem konnte er sich auf seine Angestellten hundertprozentig verlassen.

»Geht es dir net gut, Bernd?«, fragte sie besorgt, als sie sah, dass er seine Nasenbrille trug, durch die ihm Sauerstoff zugeführt wurde. Das tragbare Sauerstoffgerät stand neben dem Schreibtisch.

»Wann in den letzten Monaten ist es mir schon gut gegangen?« Er verzog verächtlich die Lippen. »Würdest du mir ein wenig Aufmerksamkeit widmen, statt dich in der Stadt herumzutreiben, wäre dir das längst aufgefallen.«

»Ab und zu muss ich einkaufen gehen«, antwortete Katrin. »Soll ich dir einen Tee machen?«

»Warum fragst du da erst? Natürlich möchte ich Tee.« Er warf einen Blick zur Uhr. »Kann ich damit rechnen, dass das Mittagessen pünktlich auf dem Tisch steht?«

»Die Omelettes sind schnell gemacht.«

»Nichts da mit Omelettes! Ich möchte eine geräucherte Schweinshaxe, Sauerkraut und Knödel.«

»Wir haben keine geräucherte Schweinshaxe im Haus. Außerdem hat dir dein Arzt verboten, so was zu essen«, erinnerte Katrin ihn. »Du solltest öfter an dein Herz denken. Du möchtest gewiss net noch kränker werden.«

»Ich denke nicht daran, mir von den Herren Doktoren und dir vorschreiben zu lassen, was ich essen soll und was nicht.« Er griff nach seinem privaten Telefonbuch, in dem auch die Nummern einiger Restaurants standen. »Ich werde mir eine Schweinshaxe bestellen, ob es dir passt oder nicht.«

»Tu, was du net lassen kannst.« Katrin kehrte in die Küche zurück, um die Spülmaschine auszuräumen. Und diesen Mann hab ich mal gern gehabt, dachte sie. Auch wenn sie nie eine himmelstürmende Liebe mit Bernd verbunden hatte, es hatte eine gewisse Zuneigung bestanden, und Katrin war bestrebt gewesen, ihm eine gute Frau zu sein.

Katrin trat auf die Dachterrasse hinaus und blickte über Nürnberg hinweg in die Ferne. Sie genoss die Sonne auf ihrem Gesicht und das Gefühl, wie der Wind durch ihre blonden Haare strich. Erneut ergriff sie eine tiefe Sehnsucht nach Bucheich und den Menschen, die dort lebten. Am liebsten hätte sie die letzten Jahre aus ihrem Leben gestrichen.

Bernd zu verlassen kam für sie nicht infrage. Er war schwer krank und brauchte sie, außerdem wäre es für sie einer Niederlage gleichgekommen. Selbst Bernds Tante, die in Bucheich lebte, hatte ihr damals abgeraten, dem Werben ihres Neffen nachzugeben.

Katrin hatte all die Warnungen in den Wind geschlagen. Bernd konnte sehr charmant sein, wenn er etwas wollte, und die ersten Jahre ihres gemeinsamen Lebens waren ruhig und friedlich verlaufen. Sie hatte als Altenpflegerin ihren Teil zu den Lebenshaltungskosten beigesteuert und sich um den Haushalt gekümmert, er hatte den größten Teil des Tages in seinem Büro verbracht.

Im Großen und Ganzen waren sie glücklich miteinander gewesen, und sie hatte anfangs nicht einmal bemerkt, wie sich ihr Leben veränderte. Bernd war immer herrschsüchtiger und aufbrausender geworden, ließ ihre Meinung nicht mehr gelten, wollte, dass sie ihre Arbeit als Altenpflegerin aufgab und sich nur noch um ihn kümmerte.

Sie hatte sich beharrlich dagegen gewehrt, was zu heftigen Streitereien geführt hatte. Und dann war er krank geworden, und ihr war nichts anderes übrig geblieben, als ihre Arbeit aufzugeben, um für ihn da zu sein.

Entschlossen wischte sie die Tränen fort, die über ihr Gesicht rannen. Weinen brachte sie auch nicht weiter. Wer A sagt, muss auch B sagen, Katrin, glaubte sie die Stimme ihres Vaters zu hören.

»Ich wünschte, du wärst noch bei mir, Papa«, sagte Katrin leise. »Du warst für mich stets wie ein Fels in der Brandung.« Sie warf einen letzten Blick über Nürnberg und kehrte in die Küche zurück, um für sich ein Omelett mit Pilzen zuzubereiten, damit sie gemeinsam essen konnten, wenn die Schweinshaxe geliefert wurde.

Im Arbeitszimmer klingelte das Telefon. Katrin kümmerte sich nicht darum. Seit Bernd von zu Hause aus arbeitete, gehörte das ständige Läuten des Telefons zu ihrem Leben. Von der Ruhe, die Bernds Arzt bei jedem Besuch forderte, war nicht viel zu spüren. Bernd war ein Workaholic. Er brauchte seine Arbeit wie die Luft zum Atmen.

»Katrin!«

Mit einem Seufzer ging sie ins Arbeitszimmer.

Ihr Lebensgefährte sah ihr entgegen. »Tante Heidrun ist heute Morgen gestorben«, sagte er so ruhig, als berührte ihn der Tod seiner Tante überhaupt nicht.

Katrin rann ein kalter Schauer über den Rücken.

»Das tut mir leid, Bernd.« Sie trat neben ihn und legte eine Hand auf seine Schulter. »Was ist denn passiert? Sie ist noch net mal dreiundsiebzig gewesen.«

»Eine Nachbarin, mit der sie sich gestern verabredet hatte, hat sie heute Morgen tot in ihrem Lehnstuhl in der Küche gefunden. Pfarrer Gruber hat mich gerade angerufen. Er sagte, Tante Heidruns gesundheitliche Probleme hätten sich in der letzten Zeit gehäuft. Er klang ganz bestürzt, so, als wäre es seine Tante gewesen, die gestorben ist.«

»Vergiss net, wie beliebt deine Tante im ganzen Dorf gewesen ist!«, erwiderte Katrin. »Ich wünschte, wir hätten sie öfters besucht. Seit über zwei Jahren sind wir net mehr in Bucheich gewesen.«

»Ich eigne mich nicht dafür, kranken Leuten die Hand zu halten«, meinte Bernd Hassler. »Tante Heidrun und ich hatten uns nicht viel zu sagen.« Er hob die Schultern. »Ich interessiere mich weder für Landwirtschaft noch für Dorfklatsch. Zum Glück hatte Tante Heidrun Verständnis dafür. Sie …«

Es läutete.

»Entschuldige.« Katrin ging zur Wohnungstür und nahm die Box mit dem Mittagessen für ihren Lebensgefährten in Empfang. Nachdem sie den jungen Burschen, der das Essen gebracht hatte, entlohnt hatte, trug sie die Essensbox in die Küche und kehrte ins Arbeitszimmer zurück. »Deine Schweinshaxe ist gekommen«, bemerkte sie.

»Essen wir erst mal«, schlug der Steuerberater vor. »Ich frage mich, was ich mit dem Haus in Bucheich anfangen soll. Da ich Tante Heidruns einziger Erbe bin, gehört es jetzt mir.« Er runzelte die Stirn. »Nun, wir werden sehen. Jedenfalls kommt eine ganze Menge Arbeit und vermutlich auch Ärger auf mich zu. Den Nachmittag werde ich wohl mit Telefonieren verbringen. Immerhin muss ich dafür sorgen, dass Tante Heidrun unter die Erde kommt.« Er hob ruckartig den Kopf. »Wir fahren morgen früh spätestens um sechs nach Bucheich. Du solltest für mindestens eine Woche packen. Und vergiss nicht die Hälfte!«

Katrin reagierte nicht sofort, weil sie darüber nachdachte, wie es Bernd fertigbrachte, so kaltherzig auf den Tod seiner Tante zu reagieren. Empfand er denn überhaupt keine Trauer? Seine Tante war ein überaus liebenswerter Mensch gewesen, und Katrin wusste, wie sehr sie an ihrem Neffen gehangen hatte, obwohl dieser sich kaum um sie kümmerte.

»Worauf wartest du noch, Katrin?«, fragte Bernd. »Soll die Schweinshaxe erst kalt werden?«

Die junge Frau verließ wortlos das Arbeitszimmer. Statt sich sofort um das Essen zu kümmern, trat sie auf die Dachterrasse und sprach, an die Brüstung gelehnt, erst einmal ein Gebet für Heidrun Hassler. Sie ahnte, dass Bernd es gewiss nicht tun würde.

Während sie wenig später den Tisch im Esszimmer deckte, fragte sie sich, was sie noch für ihren Lebensgefährten empfand. Eine gewisse Zuneigung? Mitleid?

Sie wusste es nicht. Mit jedem Tag, der verging, schaffte es Bernd, sich ein Stückchen weiter von ihr zu entfernen.

***

»Wie das duftet!« Joachim Baumgartner wandte sich seinem Vater zu, der hinter ihm die geräumige Wohnküche des Bauernhauses betrat. »Die Pfannkuchen hat Mutter gewiss net für uns gemacht.«

»Wie wahr!« Der alte Bauer zwinkerte ihm zu. »Wir bekommen so einen Gaumenschmaus net, stattdessen müssen wir uns zum Frühstück mit Brot und Schinken begnügen.«

»Irgendwann werde ich die Zeit finden, euch zu bedauern«, meinte Gerda Baumgartner. Sie stand am Küchenherd und schöpfte mit einer Kelle Teig in die heiße Pfanne. »Zufällig hab ich heute ein bisserl Teig übrig, sodass ihr auch einen Pfannkuchen bekommt.«

»Lieb von dir, Mutter.« Joachim setzte sich zu seinem Sohn und seiner Tochter an den Tisch. »Na, schmeckt es euch?«, erkundigte er sich und strich ihnen durch die rotblonden Locken.

»Sieht man das net?«, fragte sein Vater und nahm ebenfalls am Tisch Platz. »Wer so rumkleckert, dem kann es nur schmecken.« Er beugte sich den Zwillingen zu und wischte erst Mona, dann Timo den Mund ab. »Mit der Melkmaschine stimmt was net. Ich werde nachher den Kundendienst anrufen.«

»Ich hoffe, sie schicken heute noch einen Monteur«, sagte Joachim. »Das ist bereits das zweite Mal in diesem Monat, dass sie uns Schwierigkeiten macht. So wie es ausschaut, haben wir net mehr lange Freude an ihr. Am besten, ich schau mich schon immer mal nach einer neuen um.«

»Schaden kann’s net.« Die Bäuerin stellte zwei Teller mit heißen Pfannkuchen für die beiden Männer auf den Tisch. »Lasst es euch schmecken!« Nachdem sie noch Kaffee eingeschenkt hatte, setzte sie sich ebenfalls an den Tisch.

»Ich bin gespannt, wann der Hassler in Bucheich aufkreuzt.« Der Baumgartner-Stefan griff nach seinem Kaffeebecher. »Eine Schande ist es, wie wenig er sich um seine Tante gekümmert hat. Ich hoffe nur, die Heidrun hat ihn enterbt.«

»Da hoffst du vergeblich«, meinte seine Frau. »Du weißt, wie sie an dem Bernd gehangen hat. Wann immer die Sprache auf ihn gekommen ist, hat sie hundert Entschuldigungen für sein Verhalten gefunden.«

»Es ist mir ein Rätsel, dass Kerle wie der auch noch Fürsprecherinnen finden«, meinte der alte Bauer, »und sich die nettesten Madeln in sie verlieben.«

Joachims Gesicht verdüsterte sich. In den letzten Monaten hatte er sehr oft an Katrin denken müssen. Sie waren zusammen aufgewachsen, und er hatte vorgehabt, sie eines Tages zum Traualtar zu führen.

»Allein, wenn ich an die Katrin denk, zweifle ich am Verstand mancher Weibsleut«, fuhr sein Vater fort, obwohl ihm Gerda einen warnenden Blick zuwarf. Das halbe Dorf hat sie vor dem Hassler-Bernd gewarnt … Wie kann es ein so sauberes Madel wie die Katrin nur mit dem Hassler aushalten? In seiner Selbstsucht geht der wie ein Tornado über alles hinweg.« Er bestrich ein Stück Brot mit Butter. »Dabei hatte ich stets gehofft, dass der …«

»Stefan«, raunte ihm seine Frau warnend zu.

»Fährst du, nachdem du die Kinder in die Kita gebracht hast, noch am Lagerhaus vorbei, Joachim?«, erkundigte sich der Baumgartner-Stefan, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.

»Weshalb sind Mannsbilder nur so schwer von Begriff«, murmelte die Gerda vor sich hin. Sie stand auf, um den Zwillingen Gesicht und Hände zu waschen.

»Ist schon gut, Mutter«, sagte Joachim. »Die Katrin wäre nie mit dem Hassler fortgegangen, wenn ich sie damals net mitten ins Herz getroffen hätte.« Er stand ebenfalls auf. »Ich hol die beiden Kisten mit dem Wein vom Lagerhaus ab, die ich letzte Woche für die Fuhrmanns bestellt hab.«

»Und bring mir bitte ein neues Paar Gummistiefel mit. Meine alten sind hinüber.« Stefan Baumgartner lehnte sich zurück. »Was wollen die Fuhrmanns mit zwei Kisten Wein?«