Als wir unendlich wurden - Carrie Firestone - E-Book

Als wir unendlich wurden E-Book

Carrie Firestone

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Beschreibung

Maddies To-Do Liste vor dem College ist endlos. Erst als sie erfährt, dass ihre geliebte Grandma Astrid sterben wird, kommt alles zum Stillstand. Aber Astrid wäre nicht Astrid, wenn sie nicht mit einem großen Knall aus dem Leben gehen wollte, und sie lädt prompt die gesamte Patchworkfamilie zu einer Kreuzfahrt-Weltreise ein. Doch die "Wishwell" ist kein normales Schiff … und ihre Passagiere keine Pauschaltouristen. Und Maddie bleibt genau ein Sommer, um zu lernen, wie man einem geliebten Menschen für immer Lebwohl sagt.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 469

Veröffentlichungsjahr: 2016

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CARRIE FIRESTONE

ALS WIR UNENDLICH WURDEN

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Köbele

Carrie Firestonearbeitete zunächst als Highschool-Lehrerin in New York, bevor sie sich 2014 ihren Traum vom Schreiben erfüllte. Obwohl sie heute mit Mann und Tochter in einer Vorstadt in Connecticut, USA, lebt, ist sie eindeutig ein Stadtmensch. Wenn sie gerade nicht schreibt, stiftet sie Leute zu einer Polonaise an, geht ins Kino oder überlegt sich Dinge für ihre Unbedingt-noch-machen-Liste. »Als wir unendlich wurden« ist ihr Debütroman.

Die Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel »The Loose Ends List« bei Little, Brown and Company. Copyright © Carrie Firestone, 2016

1. Auflage 2016 Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2016 Arena Verlag GmbH, Würzburg Alle Rechte vorbehalten Aus dem Amerikanischen von Ulrike Köbele Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, Garbsen. Cover: Maggie Edkins unter Verwendung von Illustrationen von © shutterstock.com ISBN 978-3-401-80534-4

Besuche uns unter: www.arena-verlag.dewww.twitter.com/arenaverlagwww.facebook.com/arenaverlagfans

 

 

 

Für die ungeahnten Revolutionäre Für die Mutigen Und die Weltveränderer

Ich habe den Tod mit meinen Fingerspitzen berührt. Er war nicht kalt oder hart, wie ich immer gehört hatte. Ich wusste, was auf mich zukam, bevor ich ihn berührte.

Er hinterließ ein wildes Sammelsurium verrücktester Gegenstände: eine Trompete, einen Saphir, ein Buch von Jules Verne, eine Makrone, ein Sorgenpüppchen, eine Schneekugel und 531 Flaschenpostflaschen. Das waren bei Weitem nicht alle Gegenstände, aber diese mochte ich am liebsten.

EINS

Als Gram anruft, drücke ich sie weg. Lizzie und ich sitzen bei Starbucks und warten darauf, dass Kyle und Ethan vom Lacrosse-Training kommen. In der Zwischenzeit arbeiten wir an unseren Unbedingt-noch-machen-Listen und kommen dabei gerade so richtig in Fahrt.

Ich scrolle durch meine, während Lizzie ihren Strohhalm in einem weiteren Glas Eistee versenkt. Für Mai ist es unangenehm heiß.

Eins.

Geld von meinem Rettungsschwimmer-Job für einen Roadtrip sparen.

Letztes Jahr habe ich mein gesamtes Geld für eine bescheuerte Designertasche aus dem Fenster geschmissen, deren Innenseite inzwischen komplett mit Tinte versaut ist.

Zwei.

Mit jeder der »Is« einen Tag nur zu zweit verbringen.

Ich liebe meine drei engsten Freundinnen heiß und innig, aber diese Mädels kleben aneinander wie Kotze an einem Klodeckel. Das Geschnatter, das ewige Drama und die unterschiedlichen Ansichten können einen echt auf die Palme bringen.

Drei.

Kochen lernen, damit ich wenigstens ein einziges Gericht so perfekt hinkriege, dass ich selbstständig überleben kann.

Mom backt zwar ständig, aber sie kocht nicht. Und Dads Thanksgiving-Menüs sind echt fantastisch, aber sonst gibt es bei uns fast jeden Abend Hummus und Linsenchips. Ich möchte, dass mein Onkel Wes ein Menü zusammenstellt und mir dann Schritt für Schritt beibringt, wie man es zubereitet.

Vier.

Ein neues Sternbild entdecken.

Dad, Jeb und ich beobachten den Sternenhimmel schon, seit Dad uns in sein Sweatshirt eingekuschelt wie kleine Beuteltierbabys mit nach draußen geschmuggelt hat. Jeb betrachtet gerne die Sterne, weil er ein Kiffer ist. Mir gefällt es, weil ich die große Weite mag. Außerdem ist es das Einzige, was ich mit Dad gemein habe.

Sosehr sich meine Freundinnen auch über mein Hobby lustig machen: Die Astronomie hat mir letzten Winter geholfen, während einer Schlittenfahrt Ethan klarzumachen. Ich habe eine wohlbekannte Schwäche für Teamkapitäne und hatte schon ein Auge auf Ethan geworfen, seit er Lizzies ach-so-tollem Kyle den Titel als Kapitän des Lacrosseteams vor der Nase weggeschnappt hat. Ich sprang hinter Ethan auf den Schlitten, woraufhin wir prompt in einer Schneewehe landeten. Kurzerhand schlang ich meine Beine um ihn und brach die Stille mit einem beherzten »Guck mal, der Große Wagen. Cool, oder?«. Als er hochsah, drückte ich ihm einen Kuss auf die Wange.

In jener Nacht musste ich ihm ganze vier weitere Sternbilder zeigen, bevor er mich küsste. Er schmeckte nach Bier und Kaugummi mit Wassermelonengeschmack, aber ich hatte mir Ethan, den heißesten Teamkapitän von allen, gekrallt.

Fünf.

In einer Wochenend-Marathonsitzung noch mal die ganzen Filme aus den Achtzigern gucken.

Am liebsten mit Abby, weil sie außer mir die einzige ist, die gerne tonnenweise Junkfood in sich hineinstopft, ohne sich darüber zu beschweren, wie fett sie davon wird.

Gram ruft erneut an.

»Ist bloß meine Oma«, sage ich. »Wahrscheinlich steht sie gerade in irgendeiner Boutique. Sie hasst mein Kleid für den Abschlussball und wird so lange nicht lockerlassen, bis sie ein besseres gefunden hat.« Ich nehme einen Schluck von meinem Chai-Eistee. »Okay, ein paar Punkte hab ich noch, die ich gerne abhaken würde. Und zum Abschluss machen wir dann was richtig Großes.«

»Ist ein Roadtrip etwa nicht groß genug?« Lizzie musste bei unserem kolossal gescheiterten Roadtrip letzten Sommer ebenfalls passen, nachdem ihr Vater das mit dem Oben-ohne-Selfie rausbekommen hatte. Gram sagt immer, Lizzie überlasse nichts der Fantasie, was ich schon ein starkes Stück finde, wenn man bedenkt, dass es aus dem Mund einer älteren Dame mit einer ganzen Bibliothek von VHS-Pornovideos kommt.

Sechs.

Irgendwo in Connecticut ein Autokino auftreiben und mir im Schlafanzug einen Film ansehen.

Das gedenke ich, mit meinen Freundinnen zu machen, denn Ethan würde nur wieder versuchen, mit mir zu poppen.

Sieben.

Mit Ethan poppen.

Das erste Mal war eine Katastrophe. Ethan hatte einen »kleinen Unfall«, kaum dass wir in seinem Bett lagen. Ich will nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber es war eklig und die Tatsache, dass er sich danach fünftausend Mal entschuldigt hat, machte es auch nicht besser. Am Ende war ich so genervt, dass ich einfach abgehauen bin. Mit dem Resultat, dass er jetzt verunsichert ist und ständig behauptet, es sei bloß passiert, weil ich so hübsch bin.

Sosehr er mir manchmal auch auf die Nerven geht, habe ich doch beschlossen, vorläufig mit Ethan zusammenzubleiben. Er ist nun mal ein festes Mitglied in meinem Freundeskreis und es wäre viel zu anstrengend, ihm den ganzen Sommer aus dem Weg gehen zu müssen.

Acht.

Auf das Leben in der Großstadt vorbereiten.

Mein Handy vibriert. Gram.

»Gott, meine Oma kann beim Shoppen echt aufdringlich werden.« Ich drücke sie erneut weg.

»Sie ist so lustig«, schwärmt Lizzie. »Meine Oma guckt immer nur Glücksrad. Wenn sie mal ganz abenteuerlustig drauf ist, geht sie in einen anderen Laden einkaufen.«

»Tja. Wenn meine Oma abenteuerlustig drauf ist, kriecht sie in irgendeinem wilden Urwald durch den Schlamm«, erwidere ich. »Du solltest mal ihren Freund sehen. Denny ist so alt wie meine Mom und trägt Diamantringe an beiden kleinen Fingern.«

»Ich kann Männer, die Schmuck tragen, nicht ausstehen«, verkündet Lizzie.

»Der Typ ist stinkreich, ein richtiger Diamantenscheißer. Hey, eigentlich kein schlechter Name für ihn.« Ich schnappe mir Lizzies Handy. Ihre Liste ist ziemlich einfallslos. Lernen, wie man einen Kurzen ext. Fünf Kilo abnehmen.

»Lizzie, das ist doch nur eine simple To-do-Liste. Du bist so langweilig.«

»Maddie, ich versuche schon seit Monaten, einen Kurzen anständig auf ex zu kippen. Mir kommt das Zeug jedes Mal zur Nase raus. Meine Sauftechnik muss unbedingt perfektioniert werden.«

»Okay, dann streich wenigstens Fünf Kilo abnehmen. Du bist sowieso schon superschlank, damit verschwendest du nur Platz für was richtig Gutes.«

»Hey, du hast Haare färben auf deine Liste gesetzt. Das ist auch nicht besser.«

»Ich hab’s wieder gestrichen. Für New York brauche ich aber echt einen markanteren Look. Ich hatte an ein kräftiges Rotblond gedacht.« Ich drehe meine unbezähmbaren Korkenzieherlocken zu einem Knoten zusammen.

»Bloß nicht. Das macht dich total blass. Mein Stylist sagt: blaue Augen, helle Haut, dunkle Haare. Bleib bei Braun.«

»Dein Stylist lebt in Connecticut«, kontere ich. Mein Handy vibriert erneut; eine SMS von Gram. MUSS AUF DER STELLE MIT DIR REDEN. DRINGEND. Mir rutscht das Herz in die Hose. Gram hat mir noch nie eine SMS geschrieben. Ich renne nach draußen, um sie zurückzurufen.

»Gram, was ist los?«

»Jetzt rufst du mich nicht mal mehr zurück? Bist du inzwischen zu beliebt, um dich mit deiner Großmutter abzugeben?«

»Du hast mich erschreckt. Du schreibst sonst nie SMS.«

»Du bist ja nicht ans Telefon gegangen. Zufällig weiß ich, dass das Ding praktisch an dir festgewachsen ist.«

Mein Herz hämmert immer noch wie verrückt. »Mach so was nie wieder, okay?«

»Also, was hattest du gerade so Wichtiges zu tun?«, erkundigt sich Gram.

»Ich hab an meiner Unbedingt-noch-machen-Liste gefeilt.«

»Was ist eine Unbedingt-noch-machen-Liste? Klingt faszinierend.«

»Das ist eine Liste mit Dingen, zu denen ich in der Highschool nicht gekommen bin, die ich aber unbedingt noch machen will, bevor ich aufs College gehe.«

»Zum Beispiel einen Blowjob?«

»Oh mein Gott, Gram. Du bist echt ekelhaft.«

»Schön, dass wir das geklärt haben. Ich möchte, dass ihr heute Abend um Punkt sieben bei mir vorbeikommt.«

»Aber es ist Freitag. Ich muss alle zu einer großen Party fahren.« Gram weiß, dass ich als einzige Nichttrinkerin auf ewig dazu verdammt bin, meine betrunkenen Freundinnen in einem babyblauen Minivan durch die Weltgeschichte zu kutschieren.

»Schätzchen, ich muss euch etwas Wichtiges sagen und ich möchte, dass die ganze Familie dabei ist. Dann muss halt mal jemand anderes deine tussigen Cheerleaderfreundinnen fahren.« Ihre Stimme klingt ungewohnt dringlich.

»Du machst mich ganz nervös.« Gram ist jederzeit für eine Überraschung gut, aber normalerweise platzt sie damit heraus, bevor überhaupt so etwas wie Spannung entstehen kann.»Hast du Mom schon angerufen?«

»Ich hab mit deinem Vater gesprochen. Er sagte, sie würden kommen. Ich musste ihn mit indischem Essen und Theaterkarten bestechen, den alten Schnorrer.« Gram hält Dad für einen verschrobenen, sozial inkompetenten Schmarotzer, der ihrer Meinung nach nur deswegen bei Mom landen konnte, weil diese über die emotionale Widerstandskraft eines neugeborenen Pandababys verfügt.

Womit sie nicht ganz unrecht hat.

Nur gut, dass ich nie wirklich auf meine Eltern angewiesen war. Sie sind fürs Sternegucken und Schuhekaufen da, um den Rest kümmert sich Gram. Wir gehen shoppen, besuchen Restaurants und Museen, unternehmen hammermäßige Ausflüge und lernen berühmte Leute kennen. Einmal hat Gram, nur um meinen Vater zu ärgern, einen ihrer Freunde aus dem Vorstand des örtlichen Planetariums überredet, Jeb und mir eine Privatvorstellung zu geben.

Gram hält immer, was sie verspricht. Also werde ich ihr kleines Spielchen mitspielen und zu ihrem Überraschungstreffen gehen.

»Na gut, Gram. Ich komme. Gibst du mir einen kleinen Hinweis?«

»Nein.« Sie legt auf.

»Ich muss in die Stadt.« Ich schnappe meine Sachen und umarme Lizzie zum Abschied.

»Warte, was ist denn los?« Lizzie hält mich an meinem T-Shirt zurück.

»Meine Oma will uns irgendetwas Wichtiges mitteilen. Ich hab die Befürchtung, dass sie sich mit dem Diamantenscheißer verlobt hat.«

»Warum musst du deswegen in die Stadt? Zu der Party kommen selbst die Leute vom College«, jammert Lizzie. »Kommst du wenigstens später noch dazu?«

»Ich hab keine Ahnung, wann ich zurück bin. Das hier ist selbst für ihre Verhältnisse bizarr.«

Zu Hause stoße ich auf Rachel, meine Nachbarin und ehemals beste Freundin, die in unserem Wohnzimmer sitzt und fernsieht. Unsere Mütter sind schon befreundet, seit wir kleine Würmchen in ihren Bäuchen waren. Mom verbringt ihre Nachmittage meistens drüben bei Rachel zu Hause. Sie trinkt, während Bev isst. Die beiden akzeptieren einander so, wie sie sind, und genießen ihre gemeinsame Zeit auf der dunklen Seite des Hausfrauendaseins, indem sie zusammen Cocktails trinken beziehungsweise Cupcakes essen und sich aufgezeichnete Folgen der Today-Show ansehen.

Meine Freundschaft mit Rachel geriet in der vierten Klasse langsam in Schieflage. Meine Barbies vertrugen sich einfach nicht mit Rachels Lego. Dabei gaben wir uns wirklich Mühe. Wir bauten sogar eine Lego-Jacht für die Barbies, aber sie fühlten sich darin einfach nicht wohl.

In der siebten Klasse hatte ich schließlich Lizzie, Remy und Abby gefunden. Wir stylten uns wie Barbies und nannten uns die Is, weil unsere Namen von der Aussprache her alle auf einem I endeten. Wir chatteten stundenlang, übernachteten beieinander, lernten zusammen und tauchten gemeinsam auf allen Partys auf.

Eine Rachel passte nicht zu den Is.

Unsere Mütter waren natürlich am Boden zerstört. In ihren Augen war ich eine hochnäsige Zicke und Rachel das arme, ausgeschlossene Opfer. Daher setzten wir uns eines Nachmittags zu ihnen, als sie bereits eine ordentliche Ladung Gin und Bananenbrot intus hatten, und erklärten ihnen die Situation.

»Mom«, begann Rachel, »ich bin kein Opfer. Ich habe Freunde. Die meisten von ihnen sind Jungs, aber das liegt daran, dass Jungs die Einzigen sind, die was mit meinen Computerspielen anfangen können. Maddie und ich müssen jetzt erst mal getrennte Wege gehen. Wir werden immer Freundinnen bleiben, aber unsere Interessen divergieren einfach zu stark.«

»Gut erklärt, Rach«, stimmte ich ein.»Ich verspreche, dass wir irgendwann auch wieder revergieren …«

»Konvergieren«, korrigierte Rachel.

»Dass wir irgendwann auch wieder konvergieren, wenn wir erwachsen sind und Kinder haben und unsere eigenen Interessen keine Rolle mehr spielen.« Damit war die Sache geklärt. Wir hängen immer noch zusammen rum, aber halt nicht mehr in der Öffentlichkeit. Rachel ist ebenfalls eine Sternenguckerin, weil sie total auf Star Trek abfährt und ständig auf der Suche nach außerirdischen Lebensformen ist.

»Rach, Gram ist mal wieder auf ihrem Mystery-Trip.« Sie sieht von ihrer Schachtel Donuts auf. »Sie will, dass wir uns heute alle bei ihr versammeln, weil sie uns irgendetwas verkünden will.«

»Vielleicht lässt sie sich ja ein neues Tattoo stechen.« Rachel kennt Gram.

»Ich hoffe nicht. Ich hab sie vor ein paar Wochen getroffen und ihr Seepferdchen sieht aus, als hätte es jemand mit einer Fliegenklatsche zu Brei gehauen.«

Dad kommt aus dem Keller. »Astrid möchte, dass wir in zwei Stunden bei ihr sind. Ich vermute mal, sie will ihre Verlobung mit diesem Denny bekannt geben.«

»Ist das der mit den Ringen?« Rachel wackelt vielsagend mit ihren kleinen Fingern.

»Ich tippe auch auf Verlobung«, erwidere ich. »Übrigens nenne ich ihn ab sofort nur noch Diamantenscheißer. Könnt ihr euch die Hochzeit vorstellen? Wer von den beiden kriegt wohl den fetteren Klunker?«

Mom kommt in einem makellos gebügelten Kleid nach unten, das Gesicht perfekt geschminkt.

»Hier, Rachel, bring die bitte Bev mit.« Mom schießt ein Foto von ihren Zimtbrötchen für ihre Pinterest-Seite und wickelt das Tablett dann mit Frischhaltefolie ein.

Ich schreibe den Is: FAMILIENNOTFALL. KANN HEUTE NICHT FAHREN. VERSUCHE, SPÄTER NACHZUKOMMEN. Den Sturm der Entrüstung, der gleich darauf losbricht, drücke ich weg. Meine Freundinnen sind es nicht gewohnt, dass ich kurz vor einer Party kneife. Wegdrücken. Wegdrücken. Wegdrücken. Die Is sind wie eine Schar kopfloser Hühner.

ZWEI

Jeb wartet in der Lobby von Grams Haus auf uns. Er ist in seinem zweiten Jahr an der Pratt, einer Kunsthochschule in Brooklyn, wo er den ganzen Tag wütende Musik hört und düsteren Scheiß malt. Mit seiner Skinny-Jeans und den silbernen Ohrringen sieht er total bescheuert aus.

In der Stadt ist es sogar noch heißer als bei uns draußen, sodass mein Dad noch verschwitzter und zerzauster aussieht als sonst. Mom drückt Jeb eine überquellende Tüte mit Lebensmitteln in die Hand und wirft sich ihm an den Hals, als käme er gerade von einem langen Militäreinsatz zurück.

»Mom, lass das. Wir haben uns letzte Woche erst gesehen.« Jeb hat wenig Geduld für Mom. Dabei sollte er wirklich netter zu ihr sein, schließlich verbringt die Frau ihr halbes Leben damit, Plätzchen für ihn zu backen.

»Wir freuen uns auch, dich zu sehen, Jeb«, sagt Dad.

Moms Schwester, Tante Mary, stößt mit den Zwillingen Brit und Janie dazu. Meine Cousinen haben gerade das erste Jahr am College hinter sich. Brit ist eine verwöhnte, weinerliche Stubenhockerin, die den ganzen Tag nichts Besseres zu tun hat, als Janie und mir im Netz nachzuspionieren. Janie ist Ehrenmitglied der Is, zum einen wegen ihres Namens und zum anderen, weil sie wirklich lustig und aufregend urban ist.

»Ich schätze, Mutter bekommt nicht genug Aufmerksamkeit«, mosert Tante Mary. Wir zwängen uns in den Aufzug. Tante Mary ist wie eine dreißig Jahre ältere Version von Brit. Die dunkle Wolke schlechter Laune, die sie umgibt, droht uns auf der Fahrt hinauf in Grams Penthouse beinahe zu ersticken. Ich kann es meinem Onkel nicht verübeln, dass er sie hat sitzen lassen.

Die Aufzugtür öffnet sich und wir finden uns in Grams elegantem, makellosem Wohnzimmer mit seinen weißen Möbeln und dem weißen Fußboden wieder. Die Wände, Regale und Tische sind mit farblich abgestimmten Erinnerungsstücken verziert, die Gram aus allen Ecken der Welt mitgebracht hat. Hinter jedem verbirgt sich ein anderes Abenteuer. Nur Astrid North O’Neill bringt es fertig, eine handgeschnitzte Schweizer Spieluhr mit einem argentinischen Peyote-Glas und einem chinesischen Orakelknochen zusammenzustellen, weil sie alle denselben Aubergineton haben.

Onkel Billy, Moms jüngerer Bruder, schenkt Weißwein aus. Sein Ehemann Wes erhebt sich vom Klavier.

»Sieh dich nur an, Kleines.« Wes küsst mich auf beide Wangen. Er ist groß, straßenköterblond und auf lässige Weise gut aussehend. Janie und ich haben nie ganz verstanden, wie sich Wes ausgerechnet in unseren Onkel, diese dürre, miesepetrige Brillenschlange, verlieben konnte.

»Wo ist Gram?« Ich drücke eine weitere Nachricht von Abby weg.

»Das wissen wir auch nicht. Titi sagt, sie kommt erst aus ihrem Zimmer, wenn alle hier sind«, antwortet Wes. Grams Haushälterin kommt mit einem Tablett voller Makronen aus der Vorratskammer. Tante Mary zieht sie beiseite und schimpft flüsternd auf sie ein. Titi schüttelt mehrmals den Kopf, dann stellt sie das Tablett mit den Plätzchen ab und flüchtet in die Küche.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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