Am tiefen Grund - Diana Sweeney - E-Book

Am tiefen Grund E-Book

Diana Sweeney

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Beschreibung

Ein Mädchen namens Tom; eine verheerende Flut, die sie ihrer gesamten Familie beraubt; ein Typ namens Bill, der sie im Stich gelassen hat. Ihre Nana, gütig und stark, die als Einzige ihr Geheimnis kennt. Ihr bester Freund Jonah und Annabel, die Meerjungfrau. Und ein ungeborenes Kind. Voller Sehnsucht nach dem Verlorenen spricht Tom mit Oskar, dem Karpfen, mit Papa, der als Toter eine ganze andere Perspektive auf das Leben hat. Und mit ihrem ungeborenen Kind. Eine traurige, ungewöhnliche und traumverlorene Geschichte von herzzerreißender Schönheit – so fließend und lebendig wie das Wasser.

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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Für Mum

1

»Ich glaube, Bill ist in Mrs Peck verliebt«, sage ich heimlich zu einer Blauen Schwimmkrabbe, die sich in meiner Schnur verheddert hat, aber noch nicht groß genug ist. Die kleine Krabbe wirkt nicht im Geringsten interessiert, also entknote ich sie ganz und werfe sie über Bord. Sie landet mit einem Klatsch im Wasser, und ich sehe zu, wie sie davonschwimmt. Bill schläft wie üblich. Er lässt im Schlaf die Hand über den Rand seines Aluboots hängen und hat sich die Schnur um den kleinen Finger gebunden. Manchmal muss ich ihn treten, damit er aufwacht, obwohl er schwört, dass er es immer spürt, wenn ein Fisch anbeißt. So ist Bill. Ein ganz schöner Lügner.

Ich wohne bei Bill im Bootsschuppen am Jessops Creek. Dort bin ich nach der Muttertagsflut eingezogen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, aber am Anfang habe ich mein altes Zimmer vermisst. Nana sagt, man gewöhnt sich an alles, wenn man genug Zeit hat. Sie sagt, sie vermisst Papa – meinen Großvater – immer noch, obwohl er gestorben ist, bevor ich geboren wurde. Ich habe ein Foto von Papa an meinem Bett stehen. Nana hat es mir nach der Flut geschenkt. Sie meinte, Papa würde mir Gesellschaft leisten. Ihr hat er über die Jahre so wunderbar Gesellschaft geleistet, sagt sie, dass sie ganz sicher ist, er verfügt über besondere Kräfte. Nana wohnt in einem Seniorenheim, dem Mavis Ornstein Home for the Elderly. Da hat sie allen Leuten Bilder von Papa geschenkt.

Ich schlafe oben auf dem Dachboden. Der ist klein, aber für mich genau richtig. Früher hat Bill da geschlafen, aber die Decke ist sehr niedrig, und deswegen glaube ich nicht, dass er was dagegen hatte, nach unten umzuziehen. Als ich ihn danach gefragt habe, hat er nur die Achseln gezuckt und gesagt, Kopffreiheit wird überschätzt.

Da bin ich ganz anderer Meinung. Mein altes Zimmer war ziemlich hoch. Ich konnte mich mit ausgestreckten Armen auf den Nachttisch stellen, ohne an die Decke zu kommen. Aber jetzt stoße ich schon mit dem Kopf an den Balken, wenn ich mich nur gerade aufrichte. Wenn ich weiter wachse, werde ich den Kopf beugen müssen. Ich denke oft an die alte Kopffreiheit. Sie fehlt mir.

An Stelle von Fenstern hat der Boden eine große Flügeltür, die aufs Dach hinausgeht. Tagsüber sind beide Seiten geschlossen, damit die Hitze draußen bleibt, aber nachts, wenn sie weit aufgehakt sind, kann ich den Himmel sehen. Eine der alten Frauen aus Nanas Heim hat mir ihre Himmelskarte geschenkt, nachdem ich ihr von mir und den Sternen erzählt hatte. »Solche Begeisterung soll man fördern«, hat sie gesagt. Ihr Name ist Mavis; sie ist 98, und sie glaubt, das Heim heißt nach ihr. Außerdem glaubt sie, dass Papa ihr verstorbener Mann ist. Nana hat erzählt, sie hätte es beinahe bereut, Mavis ein Foto geschenkt zu haben, doch dann sei ihr klar geworden, dass die Geschichte bloß wieder ein Beispiel für Papas besondere Kräfte ist. Mavis ist glücklich, hat Nana gesagt. Warum soll man das durch die Wahrheit verderben?

Nicht weit von meiner Schnur blitzt es silbern, deswegen halte ich meine Hand ruhig und meinen Körper still und locke den Fisch mit meinem Willen näher an den Köder heran. Bill gähnt laut. Ich gucke nicht hin. Bill kann es nicht leiden, beobachtet zu werden, wenn er aufwacht.

»Nicht viel los«, sagt er.

Bill hat einen Bart, und seine Arme und Beine sind dicht behaart. Er scherzt immer, dass noch niemand im Pelzmantel einen Sonnenbrand bekommen hat, und im Allgemeinen hat er Recht. Aber heute hat er die Mütze vergessen, und seine Nase und Stirn sind ziemlich rot.

»Dein Gesicht hat’s erwischt«, sage ich ohne jede Schadenfreude.

Ich trage immer ein langärmeliges Hemd und einen Hut, wenn ich mich im Freien aufhalte. Das war eine von Mums festen Regeln.

Als ich Sarah das letzte Mal gesehen habe, schwamm sie mit dem Kopf nach unten und hatte die Arme und Beine zu den Seiten ausgebreitet wie ein Seestern. Ich sah ihr vom Dach der Feuerwache zu und zählte die Sekunden. 52 war ihr Rekord. Ich zählte bis 60, und dann verschwand sie um den Zeitungskiosk. Ich weiß noch, dass ich dachte, wahrscheinlich holt sie heimlich zwischendurch Luft.

Normalerweise angeln Bill und ich vom Pier, wo es nur Fische in zwei Größen gibt: eine Vierer-Mahlzeit oder Lohnt-nicht. Die Kleinen lassen wir immer frei. Bill sagt, das gehört beim Angeln zu den Gesetzen. Aber mir tun die Fische leid, die wieder reingeworfen werden, weil sie mit einem Loch in der Lippe (oder schlimmer) herumschwimmen.

Einmal habe ich zu Bill gesagt: »Ich finde, es ist netter, sie zu behalten und zu essen.«

Und er hat geknurrt: »Mach keinen Haken an deine Schnur, wenn es dich so stört.« Bill kann manchmal gemein sein.

Wenn es am Pier zu windig ist, angeln wir unten am Crabs Gully. Es dauert ewig, bis man da ist. Bill sagt, Crabs Gully ist eines der sieben Weltwunder, weil es jedes Mal ein Wunder ist, dass wir lebendig wieder rauskommen. Haha.

Im Crabs Gully gibt es jede Menge Blaslöcher, deswegen werden wir da fast immer klitsche-klatsche-nass. Klitsche-klatsche-nass ist einer von Nanas Lieblingsausdrücken. Sie hat eine besondere Vorliebe für alles, was nass und kalt ist, und sagt unheimlich gern so Sachen wie »Gegen Bovril hat das Zittern keine Chance« oder »Mit vollem Bauch kann man nicht unglücklich sein«.

Bill versteht Nanas Sprüche nicht.

Wie auch immer – mir ist, wenn wir endlich wieder im Bootsschuppen ankommen, meistens so kalt, dass mir die Zähne klappern. Bill macht dann immer den Ofen an, und wir essen Suppe, bis wir platzen. Bill isst immer nur Suppe. Er sagt, alles andere findet er sinnlos. Nana meint, wahrscheinlich hat er kaputte Zähne.

An manchen Tagen fahren Bill und ich mit dem Bus in den Ort. Bill braucht immer neue Schnur, und ich sehe mich gerne nach Sachen um. Das beste Geschäft im Ort ist Mingins Heimwerkermarkt.

»Hallo, Bill«, sagt Mrs Peck.

»Sieh einer an, Sie waren wohl beim Friseur, Mrs Peck«, sagt Bill mit einer Stimme, die er nie benutzt, wenn er mit mir redet. Mrs Peck schüttelt die Haare aus dem Gesicht. »Und ist das ein neues Kleid?«, fragt Bill weiter, ganz sanft und einschmeichelnd, so als wollte er sie vielleicht nackt sehen.

»Ich geh mir mal die Bleigewichte angucken«, sage ich zu niemand Speziellem, weil niemand Spezielles zuhört. Ich liebe Angelbleie. Ich liebe ihr Gewicht in meiner Hand. Es erstaunt mich, dass etwas so Kleines so schwer sein kann. Bill sagt, Gold ist noch schwerer. Das kann ich mir nicht vorstellen.

Bills Hand gleitet unter Mrs Pecks Kleid. Ich stecke mir ein Blei Größe vier in die Tasche und gehe weiter zu den Angelkästen. Man müsste es mit dem Fischen schon sehr ernst meinen, um einen Kasten haben zu wollen. Bei der FishMaster Super Series bleibe ich stehen. Sie verfügt über drei Ebenen, die sich automatisch ausziehen, damit man gut an alles rankommt. So steht es auf dem Deckel. Das Verb »verfügen über« benutze ich eher selten, aber ich finde, hier klingt es genau richtig. Ich klappe den Kasten auf. Er hat ein separates abschließbares Fach für lange Nadeln und eine durchsichtige Schachtel für Bleie. Bei der Luxusversion bekommt man die Bleischachtel gratis dazu. Ich habe noch nie einen Angelkasten besessen. Bill und ich nehmen immer nur eine Rolle Schnur, ein Dutzend Haken, ein paar Bleie und ein Messer mit. Bill findet, alles Weitere ist Firlefanz. Manchmal kaufen wir Würmer, aber meistens sammeln wir Kraut von den Steinen. Die Fische fliegen drauf. Die meisten meiner Bleie habe ich von Mingins.

Bill schiebt sich gegen Mrs Pecks Hüfte. Ich sollte sagen, dass ich Mrs Peck nicht mag. Sie hat einen hässlichen Zackenbarschmund, den sie knallrot anmalt und der beim Sprechen ein trockenes Klicken macht. Sie hat die scheußliche Angewohnheit, sich mit der Zunge die Lippen anzufeuchten, und zwar nach jedem Satz. Ich versuche nicht hinzugucken.

Im Augenblick schiebt sie ihre Zunge in Bills Ohr und gibt sich jede Mühe, so zu tun, als wäre sie ganz und gar mit ihm beschäftigt. Dabei überwacht sie in Wirklichkeit jede meiner Bewegungen. Sie wendet die Augen nur von mir, wenn sie zur Tür sieht – wahrscheinlich um zu kontrollieren, ob Mr Peck kommt –, wohingegen Bill der Welt den Rücken kehrt und nichts zu verlieren hat.

Sie haben beschlossen, von der Theke wegzugehen. Bill führt Mrs Peck in den Gang mit den Farben. Der liegt ziemlich weit hinten im Laden, so dass sie noch Zeit haben, fertig zu werden, wenn ein Kunde reinkommt. Einmal ist der Sohn von Mrs Peck gekommen. Da hat Bill so getan, als ob er die Farbtafel musterte, während Mrs Peck vor ihm auf dem Boden kniete. Bill rief dem Kind ganz lässig »Na, Kleiner« zu, aber seine Hand presste er fest auf Mrs Pecks Kopf, bis er durch war. Manchmal steigt Mrs Peck auf die Farbleiter und Bill stellt sich unter ihr Kleid. Mein Schweizer Messer habe ich an dem Tag bekommen, als Bill Mrs Peck im Deluxe Family Weekender flachgelegt hat. Mr Peck war zu einer Einkaufstour unterwegs, und Mrs Peck hat alle Bedenken in den Wind geschlagen. »Hier, Tom, für dich«, hat sie gesagt und mir eine kleine rote Schachtel in die Hand gedrückt. »Vergiss nicht, alle Funktionen auszuprobieren.« Klick, klick.

Das Schweizer Messer hat alles: drei Messer, Schere, Zahnstocher, Flaschenöffner, Fischentschupper, Nagelreiniger – und eine kleine Feile, die genau ins Schlüsselloch an der Seite von Mingins Kasse passt. Ich hätte mir gern ein bisschen Kleingeld für eine Cola rausgeholt, aber die Münzen hätten in meiner Tasche gegen das Blei geklimpert, also habe ich mir einen Hummer geklaut – das sagen wir hier zum Zwanziger.

Als Bill und Mrs Peck wiederauftauchen, bin ich in den Katalog vertieft.

»Nächstes Mal werde ich dich fesseln«, flüstert Bill Mrs Peck zu, die ihm eine nagelneue Rolle Schnur zusteckt. Ich räuspere mich.

»Oh, ja«, schnurrt Mrs Peck und tut so, als ob sie mich gar nicht sieht. Ich stelle mir vor, wie ihre Lippe aufreißt und blutet, wenn ich ihr einen rostigen Haken aus dem Mund ziehe.

»Danke für den Nachschub«, ruft Bill über die Schulter, als wir das Geschäft verlassen. »Hunger?«, fragt er mich.

Bills Lieblingslokal zur Mittagszeit ist Martha’s Grill, was mein Glück ist, weil ich es auch gerne mag. Ich bestelle mir das Anglerfrühstück, und Bill bestellt die Tagessuppe. Martha ist jung und sieht gut aus und heißt gar nicht wirklich Martha. Die echte Martha hat verkauft, als ihr Mann starb, aber alle im Ort nennen den neuen Besitzer einfach weiter Martha, obwohl er überhaupt keine Ähnlichkeit mit Martha hat. Ich bin zu jung, um mich richtig an die alte Martha zu erinnern, und erzähle bloß, was ich weiß.

Nach Martha’s Grill ist unser nächstes Ziel das öffentliche Schwimmbad in der Cooper-Brian Street. Um schwimmen zu dürfen, muss man vorher duschen. Im Bootsschuppen gibt es keine Dusche, deswegen sind die Waschräume im Freibad recht praktisch. Ich bin nie glücklicher, als wenn ich geduscht, geschwommen und ein Anglerfrühstück intus habe und Bill nach einem ordentlichen Work-out mit Mrs Peck gut drauf ist.

Nach der Flut haben ein paar ältere Leute den Club der Muttertagsüberlebenden gegründet, und seither treffen sie sich jeden Dienstagabend. Letztes Jahr fiel Weihnachten auf einen Dienstag, und der Raum war brechend voll. Bill und ich waren auch da, obwohl wir nicht offiziell Mitglied sind. Keiner schien was dagegen zu haben. Ich wünsche mir oft, ich hätte schon vor der Flut angeln gekonnt. Dann hätte ich allen Leuten Haken in den Mund stecken und die Leinen am Dach der Feuerwache festbinden können.

In den meisten Nächten fängt es gegen Mitternacht an zu regnen. Bloß so ein leises Tröpfeln, nicht genug, um mich zu wecken. Früher, bevor das Wetter sich verändert hat, war es hier trockener als der Mund von Mrs Peck. Der Boden war hart und staubig. Auf dem Sportplatz wuchs kein Gras, und Mums Blumen vor dem Haus starben immer. Wenn es richtig heiß wurde, gingen wir am Wehr der Nachbarn schwimmen.

»Beißt einer oder täuscht das?«, fragt Bill, als meine Schnur zuckt.

Es ist ein kleiner Wels. Viel zu klein, um ihn zu behalten. Als ich ihn vom Haken befreie, denke ich an meine Schwester, wie sie mit dem Kopf im Wasser davonschwamm und sich alles unten im Meer anguckte. Der Wels bildet stumm mit den Lippen Wörter und fragt mich, was ich da mache.

»Ich werfe dich zurück, Sarah«, sage ich. »Du gehörst jetzt ins Wasser, und ich gehöre hierher zu Bill.«

Sie fragt: »Hast du schon Sex gehabt?« Aber ich kann nicht antworten, weil Bill zusieht, wie ich mit einem Fisch rede, und mir das peinlich ist.

Die Antwort ist Ja, wenn ich es denn unbedingt sagen soll. Ich hatte vor ein paar Wochen Sex. Es passierte unerwartet, nach einem Frühstück bei Martha’s, im Freibad. Ich war in der Umkleide und zog gerade meine nassen Badeshorts aus, als Bill reinkam. »Tom«, sagte Bill und starrte mich mit offenem Mund an, »du bist ja ein Mädchen.«

Ich wurde nicht immer Tom gerufen. Früher hieß ich Tomboy und davor war mein Name Holly. Selbst Nana nennt mich Tom. Ich bin schon so lange Tom, dass es keinen Zweck hätte, mich wieder Holly zu nennen, weil sich niemand daran halten würde, wie man an dem armen Martha sieht. Und so kommt es, dass Bill mich fast ein Jahr lang – die ganze Zeit, die wir im Bootsschuppen zusammenwohnen – für einen Jungen gehalten hat. Vielleicht hätte er mich nicht bei sich aufgenommen, wenn er gewusst hätte, dass ich ein Mädchen bin.

Jedenfalls machten wir eine Weile rum, bis ich Sex gehabt hatte. Ich hatte nie Lust, es noch mal zu machen, und Bill und ich tun so, als wäre es nie passiert.

Aber es hat alles verändert.

Ich will es jemandem erzählen. Ich will es Jonah erzählen. Jonah ist eineinhalb Jahre älter als ich, und er ist mein bester Freund. Wir haben uns schon als kleine Kinder gekannt. Er hat seine Familie auch durch die Flut verloren.

Früher haben wir uns jeden Tag gesehen und uns alles erzählt, aber in letzter Zeit haben wir uns jeder um den eigenen Kram gekümmert und irgendwie den Kontakt verloren. Nana fragt ständig nach ihm.

»Früher habt ihr immer zusammengesteckt.«

»Ihr würdet einander so guttun, nach allem, was ihr durchgemacht habt.«

»Fehlt er dir nicht?«

»Ich kann nicht glauben, dass du ihn nicht vermisst.«

Solche Sachen sagt sie seit Monaten.

Wie man auf dem Wasser treiben kann, habe ich Sarah am Wehr der Nachbarn beigebracht. Sie hat es richtig schnell kapiert und konnte es nach kurzer Zeit sogar besser als ich. Mum sagte daraufhin, ich sei offensichtlich eine gute Lehrerin. Aber das war nur lieb gemeint. Die Wahrheit war offensichtlich; ich konnte es nicht leiden, Wasser in den Ohren zu haben, während es Sarah nie was ausgemacht hat. Deswegen konnte sie flach auf dem Rücken liegen, in voller Länge ausgestreckt, das Gesicht halb im Wasser. Wir haben früher Wettkämpfe gemacht, um zu sehen, wer am längsten liegen bleiben konnte. Sie hat jedes Mal gewonnen.

Das mit dem Sex ist jetzt genau drei Wochen her. Beim Gedanken daran wird mir schlecht.

Gestern Abend im Bett habe ich dagelegen und versucht, nicht über all das nachzudenken, was im letzten Jahr passiert ist. Aber wenn man versucht, über etwas nicht nachzudenken, muss man bloß noch mehr dran denken. Am Ende bin ich aufgestanden, habe mir meine Kapuzenjacke und die Jogginghose über den Schlafanzug gezogen, habe mich leise aus dem Bootsschuppen geschlichen und einen Spaziergang gemacht.

Ich habe keine Angst vor der Dunkelheit; das habe ich Dad zu verdanken. Dad hat immer gesagt, in der Dunkelheit herrsche eine eigene Form von Einsamkeit und die meisten Leute, die Angst vor der Dunkelheit hätten, fürchteten sich bloß vor ihrer eigenen Gesellschaft.

»Genieß sie, Tom, es ist die beste Tageszeit, und du hast sie ganz für dich.«

Also dachte ich im Gehen an Dad.

Ich landete vor dem Haus von Jonah. Es war immer noch mitten in der Nacht, deswegen machte ich es mir auf der Veranda bequem und wartete auf den Sonnenaufgang.

2

Bill wird wohl gewusst haben, dass ich nicht im Bootsschuppen bleiben konnte, aber als ich es ihm sagte, packte er sofort all meine Sachen in seinen Pick-up und fuhr mich zu Jonah.

»Bye, Tom«, sagte er. Bill ist nicht sehr gesprächig.

»Bis dann«, sagte ich. Dann musste ich weinen. Ich weiß nicht genau, warum.

Jonahs Haus ist winzig. Er hat mit seinen Eltern und einer Katze hier gewohnt, die Runaway hieß. Seine Eltern sind ertrunken, und die Katze wurde nie gefunden. Jonah war auf der Luftmatratze eingeschlafen und trieb, egal wie hoch das Wasser stieg, einfach obendrauf. Er hat nichts mitbekommen.

Nach der Flut zog Jonah zu seinem Großvater Jonathan Whiting. Das nächste halbe Jahr verbrachten Jonah und Jonathan –Jonah heißt nach seinem Großvater– damit, den ganzen Schlamm und Müll wegzuräumen, alles zu reparieren und neu zu streichen. Jonathan hoffte, die körperliche Arbeit würde heilsam wirken und seinem Enkel helfen, die Trauer durchzuarbeiten. Doch sobald es dort bewohnbar war, bat Jonah darum, wieder nach Hause ziehen zu dürfen.

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