Aramis und Simara in Puma Punku - Thomas Pizzini - E-Book

Aramis und Simara in Puma Punku E-Book

Thomas Pizzini

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Beschreibung

Aramis & Simara berühren Hand in Hand gegenüberliegende Steine eines Tores in den Ruinen von Tiwanaku in Bolivien. Daraufhin finden sie sich in den Körpern der Atlantenerin Sania und des Arseaners Ayman wieder und das in einer Zeit vor der Sintflut, als diese Alien Völker mit den frühzeitlichen Menschen experimentierten. Ayman soll den Anschlag auf Ino, ein Forschungsmitglied der Atlantenen unter Leitung von Sania, auf Terraqua untersuchen. Mehrere Sabotagen sind dem Mordversuch bereits vorausgegangen, es droht ein schwerwiegender Konflikt. Planeten und die gesamte Menschheit stehen auf dem Spiel. Können sich die Beiden in den unbekannten und noch dazu auf gegnerischen Seiten stehenden Personen wiederfinden? Die Sabotagen und den Anschlag klären? Zurück in ihre eigenen Körper und ihre eigene Zeit kommen?

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Seitenzahl: 295

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Die Geschichte:

Aramis & Simara berühren Hand in Hand gegenüberliegende Steine eines Tores in den Ruinen von Tiwanaku in Bolivien. Daraufhin finden sie sich in den Körpern der Atlantenerin Sania und des Arseaners Ayman wieder und das in einer Zeit vor der Sintflut, als diese Alien Völker mit den frühzeitlichen Menschen experimentierten. Ayman soll den Anschlag auf Ino, ein Forschungsmitglied der Atlantenen unter Leitung von Sania, auf Terraqua untersuchen. Mehrere Sabotagen sind dem Mordversuch bereits vorausgegangen, es droht ein schwerwiegender Konflikt. Planeten und die gesamte Menschheit stehen auf dem Spiel. Können sich die Beiden in den unbekannten und noch dazu auf gegnerischen Seiten stehenden Personen wiederfinden? Die Sabotagen und den Anschlag klären? Zurück in ihre eigenen Körper und ihre eigene Zeit kommen?

Der Autor:

Thomas Pizzini, drei Wochen vor der ersten Mondlandung in Linz geboren, ist unter scharfen Messer und Schwerter, im 1889 gegründete Familienbetrieb, aufgewachsen. Science-Fiction und der Wunsch die Sterne zu bereisen, begleiten ihn von frühester Kindheit an, genauso wie seine Leidenschaft für Micky Maus. In jungen Jahren dem Degenfechten, Taekwondo und Wasserskifahren zugetan, bemüht er sich heute beim Golfen und ist froh, dass Tiger die Frage des entweder Sex oder Golf, geklärt hat.

Inhalt

0. Vorwort

1. Erstes Kennenlernen

2. Puma Punku

3. Commander Ayman

4. Puma Punku Neu/Antik

5. Yanis der Wächter

6. Ino

7. Sania

8. Zweites Kennenlernen

9. Lug und Trug

10. Das Ziel

11. Die Zerstörung

12. Alleine

13. Die Intrige

14. Das Ziel 2

15. Yanis Qualen

16. Der Anschlag

17. Andere Zeiten

18. Primo Costo

19. Entscheidungen

20. Wiedervereinigung

21. Heimkehr

Vorwort

Wäre die Erde zwölf Stunden alt, gebe es den Menschen gerade mal eine Minute, Säugetiere zehn Minuten, Pflanzen und Tiere an Land eine Stunde und im Wasser eineinhalb Stunden. Wobei der uns bekannte moderne Mensch nur zwei bis drei Sekunden alt wäre.

Ist es nicht vorstellbar, dass sich bereits mehrere fortschrittliche Zivilisationen entwickelt haben konnten, die bereits wieder verschwunden sind. Sei es durch Zerstörung und/oder Auswanderung zu anderen Planeten? Jedwedes Zeugnis ihrer Existenz könnten inzwischen leicht zu Staub zerfallen oder einfach noch nicht gefunden worden sein. Oder wir haben es gefunden und nicht als solches erkannt.

Viele rätselhafte Spuren, Bauwerke und Mythen, die auf unserer Erde bestehen verbergen ihr Geheimnis um ihre Entstehung und Sinn der Existenz. Sie sind auf der ganzen Welt verteilt – Pyramiden, Monolithe, Nazca-Linien, Sintflut, Atlantis, Aliens … Wer hat sie wozu gebaut? Wie sind sie entstanden? Gab oder gibt es sie überhaupt?

Meine Geschichte, die ich hier erzähle, beantwortet viele dieser Fragen.

Meine Geschichte handelt auch von einem Pärchen, das sich findet und fortan von ihrer Seelenverwandtschaft überzeugt sein wird.

Meine Geschichte berichtet von einem Anschlag und Intrigen die zwei Völker in den Krieg treiben sollen.

Meine Geschichte ist erfunden, aber sie hätte auch genauso passieren können.

1. Erstes Kennenlernen

Die Fahrstuhltür öffnete sich. Im Heraustreten sehe ich in ein Augenpaar und eine unsichtbare Kraft bindet mich sofort. Es ist mir unmöglich meinen starr werdenden Blick wieder abzuwenden, ich kann das weiten meiner Pupillen geradezu spüren. Meine Haare stellen sich kribbelnd auf. Vom Nacken aufwärts bis ganz nach oben meldet sich jede einzelne Haarspitze, selbst meine Augenbrauen machen mit und ganz besonders die feinen Härchen auf den Ohren – wie tausende kleine Stiche. Mein Kopf, einem Nadelkissen gleich, fühlt sich statisch aufgeladen an.

Die Zeit blieb rundherum stehen, ich schwebte – jedenfalls registrierte ich keine aktive Bewegung meinerseits und auch der Rest der Welt schien nicht mehr vorhanden. Es rührte sich nichts, gefangen in diesen beiden Augen war alles andere grau und unscharf geworden. Stille, ich hörte nichts außer einem Hintergrundrauschen. Aus diesem Rauschen kommend, ein schwaches Pochen, ein Klopfen, immer lauter werdend. Mein Blut pulsierte merklich den Hals herauf, angetrieben von meinem Herzen das schneller und schneller schlug.

Dann, wie ein losgelassenes, zuvor von der sich unbeeindruckt weiterdrehenden Erde gehaltenen Gummiband, schnalzte die Realität im Zeitraffer auf mich. Meine Gedanken wurden hektisch. Erkannte ich da eine ähnliche Reaktion auf mich? Haben ihre Augen nicht auch gerade etwas aufgeblitzt? Erstarrte sie kurz? War das der Anflug eins Lächelns? Was konnte ich nur rasch sagen? Einfach kurz Hallo oder Guten Morgen? Sollte ich sie zum Frühstück einladen? Schnell einen netten Scherz machen? Aber was für einen? Irgendetwas anders Geistreiches? Hilflos hallten die verzweifelten Fragen in meinem völlig leeren Kopf wie Pingpongbälle hin und her.

Ich bemerke, dass meine Lippen fest zusammengepresst sind. Schnell öffne ich meinen Mund, hole kurz Luft, um wenigstens mal ein Hallo von mir zu geben, oder Servus, oder Hi, egal was. Hauptsache sie bleibt stehen, bevor sie an mir vorbei ist. Aber es kommt nichts raus, nicht einmal ein Krächzer, kein Ton – nada, niente, nix, null. Dafür laufen meine Beine immer noch, ganz von selbst, Schritt für Schritt – von wegen, keine aktive Bewegung. Dabei will ich das doch gar nicht. ›Bleib endlich stehen du feiges Huhn!‹, schreie ich mich innerlich an. Ich versuche die Kontrolle über meine selbstständig agierenden Gliedmaßen wiederzuerlangen und nach zwei, drei stockenden Beinbewegungen bleibe ich endlich stehen, drehe mich um und erblicke sie noch kurz im Lift, während sich die Türen schließen.

Mit den verschiedensten Selbstgeißelungsvorstellungen im Kopf starrte ich auf die längst geschlossene Aufzugtür. Hatte ich mal wieder zu lange überlegt, zu lange geschaut – doof wahrscheinlich auch noch. Die Lichter über der Tür gaben die Stockwerke an. Es gab nur zwei Etagen, wo sie hätte aussteigen können. Sollte ich schnell die Treppe hinunterlaufen und … Ja was und? Ihr hinterherlaufen? Nein, ›der‹ Augenblick war vertan. Wenn es sein soll, kommt noch eine Gelegenheit, sie wohnte ja scheinbar auch hier im Haus.

Belog ich mich jetzt selbst – zum Trost? Suchte ich eine Ausrede für mein erneutes Zögern? Hatte sie mich überhaupt bemerkt? Wahrscheinlich hat sie sowieso einen Freund. Wie soll man(n) bei so einer spontanen flüchtigen Begegnung reagieren? Wie kann man reagieren? Das klappt doch nur im Film, mit vorgegebenem Text und einigen Wiederholungen! Oder bei denen, die einfach ›jede‹ mit ihrem eingeübten Standardspruch anquatschen, nach dem Motto irgendeine wird schon hängenbleiben. Mein Blick wechselte noch ein paar Mal zwischen Lift und Treppe hin und her, dann drehte ich mich zerknirscht um und ging in Richtung Speisesaal, wo das Frühstück serviert wurde.

Ich hatte dieses neue höherpreisige Hotel gewählt aufgrund der schönen Architektur, der bolivianischen Kunst in den Räumen und Gängen sowie der angepriesenen lokalen Küche. Der Speisesaal, die Bar und auch der Indoor-Pool waren im obersten Stock des Hotels Atix im Süden von La Paz untergebracht. Ein hoher Raum an drei Seiten von oben bis unten verglast und einer beeindruckenden Aussicht über die Stadt und die nahe Cordillera Real Gebirgskette. Die noch tief stehende Sonne warf schräge Lichtstrahlen durch die Fenster, Staubflankerl tanzten darin. Es roch nach Kaffee, gebackenen Salteñas, frischem Maisbrot und man hörte Tassen und Besteck klirren. Der Chlorgeruch vom Pool her störte mich ein wenig, aber meine Nase war, wie ich oft feststellen musste, feiner als die von anderen.

Im Vorbeigehen bediente ich mich gleich an den herrlich angerichteten Tischen, auf denen das Frühstücksbuffet dargeboten wurde. Nachdem ich mich an den ersten paar Tagen für typisch bolivianische Gerichte, wie Salteñas, das sind Football-Förmig herzhaft gefüllte Gebäckstücke oder Pastel, frittiertes Brot aus Maismehl und Api, ein dickflüssiges Getränk aus Mais mit Zimt, entschieden hatte, wollte ich heute wieder auf gewohntes setzen. Etwas vom Rührei, dazu kross gebratener Speck, etwas Maisbrot und ein Glas Orangensaft, der aromatische Kaffee wird am Platz serviert. Damit beladen steuerte ich meinen Lieblingstisch an. Dieser war etwas abgelegen an der Seite mit der weniger schönen Aussicht, aber von da aus sah man auf ein paar einfache Häuser, deren Dächer, Balkone und Hinterhöfe. Dort konnte man das wahre Leben hier beobachten. Es interessierten mich in fremden Ländern die Straßen abseits der Touristenströme genauso wie die viele Attraktionen, die es zu besichtigen galt. Hier beim Frühstücken dem morgendlichen Treiben der Bevölkerung zuzusehen fand ich interessanter als die Nase in eine Zeitung zu stecken.

Mit meinem Teller in der einen und dem Glas Saft in der anderen Hand, sowie meinem kleinen Stadtrucksack, der mir schon fast von der Schulter rutschte, bei meinem bevorzugten Tisch angekommen, sah ich dort schon eine Schüssel Müsli und Kaffee und Saft stehen, alles gerade mal halb leer. War da jetzt frei und noch nicht abgeräumt oder holte sich schnell mal eben jemand Nachschub? Ich warf einen Blick zurück zum Buffet – da war niemand, es lag auch nichts auf dem Tisch oder einem der Stühle, woraus man auf die Anwesenheit von jemanden hätte schließen können. Also setzte ich mich auf die freie Seite, das Geschirr störte mich nicht wirklich. Der Kellner war auch schon flugs mit meinem Kaffee zur Stelle und ich machte mich über mein Rührei her. Während ich die Leute unten auf der Straße beobachtete, wie sie emsig den neuen Tag begannen, schwankte mein Blick immer wieder zu der halbleeren Müslischüssel und beschloss mir davon anschließend auch eine Portion zu holen. Sah doch sehr gut aus, warum wurde da so viel stehengelassen?

»Entschuldigung!«

Ich schaute auf und da waren sie wieder, diese Augen. Überrascht starrte ich sie an, nahm meine Serviette vor den Mund und würgte rasch ein Stückchen Speck hinunter. Dann saß ich, wie das Kaninchen vor der Schlange, regungslos mit fragenden großen Augen da, unfähig etwas zu sagen. Was ist nur los mit mir?

Sie wieder: »Entschuldigung«, und fügte hinzu, »ich war hier noch nicht ganz fertig mit Frühstücken«.

Bekam ich tatsächlich eine zweite Chance und musste sie dazu noch nicht einmal in eindeutiger Absicht ansprechen? Diesmal gehe ich nicht so einfach weg!

Endlich stellte ich mein Geschaue ein und machte den Mund auf. »Oh, sorry, ich dachte hier an meinem Lieblingstisch sitzt keiner mehr. Am Buffet sah ich auch niemanden der sich eventuell noch etwas holen könnte.« Ich machte Anstalten aufzustehen – zögerlich und ganz langsam. Wenn sie tatsächlich alleine hier ist, wird sie mich sicher nicht vertreiben wollen.

Sie lächelte mich freundlich an und als sie meine zaghafte und auch vorgetäuschte, Weggeh-Gestik registrierte sagte sie rasch. »Nicht doch, sie können gerne sitzenbleiben und mir Gesellschaft leisten. Ich hatte nur etwas im Zimmer vergessen und wollte hier aber auch nichts liegenlassen. Dem Kellner sagte ich aber, dass ich gleich wiederkomme.«

Zu den Augen passend hatte sie auch noch ein hübsches Gesicht, lange dunkle Haare und eine sportliche Figur. Optisch genau mein Typ. »Er hat mir gegenüber nichts erwähnt«, halbentschuldigte ich mich noch einmal und fügte hinzu, »für seine Nachlässigkeit wird er von mir ein schönes Trinkgeld bekommen.«

Sie stutzte kurz beim Hinsetzen und lächelte dann amüsiert. Während sie sich am Stuhl zurechtrückte und zwei Haarbänder auf ihr Handgelenk schob, schaute sie mich neugierig an. »Ihr Lieblingstisch? So abgelegen und ohne die schöne Aussicht?«

»Die Aussicht über die Stadt und die Berge ist am Abend, wenn die ganzen Lichter leuchten, viel schöner«, entgegnete ich.

Dann erklärte ich ihr meine Vorliebe für das lokale Leutebeobachten und dass ich daher die paar Tage, die ich jetzt schon hier war, immer mein Frühstück an diesem Fenster einnahm.

Sie lachte kurz auf. »Ja, deshalb habe ich mich auch hierhergesetzt – Leutebeobachten.« Sie löffelte weiter am Müsli. »Ich bin erst gestern angekommen. Die Kunst, die hier überall im Haus hängt, sowie die Architektur des Hotels gefällt mir ausgesprochen gut. Design und Gestaltung ist neben Geschichte ein Hobby von mir.«

»Von mir auch«, erwiderte ich und nahm einen Schluck Kaffee, um mein Schaukelpferd ähnliches Grinsen wieder loszuwerden, welchem ich mir gerade bewusst geworden war. Sie duftete angenehm und ihre weißen Zähne ließen jedes Lächeln noch strahlender erscheinen, selbst wenn ein Stückchen vom Müsli daran klebte.

Wir plauderten eine Weile über die Architektur des Hotels und die quirlige Stadt. Die vielen Häuser aus Ziegelstein die gemischt mit den bunten, teils von Künstlern entworfen oder bemalt, über die Hügel verteilt lagen. Zwar gehässig, aber doch scherzhaft und natürlich, ohne dass er es hörte, feuerten wir gemeinsam einen Lieferanten unten im Hinterhof an, der sich mit der aufgestapelten Menge eindeutig übernommen hatte und nur durch akrobatische Einlagen ein Umkippen verhindern konnte. Es war ein Vergnügen sich mit ihr zu unterhalten. Wir hatten, wie es scheint, dieselbe Wellenlänge. Es konnte meinetwegen ewig so weitergehen. Ich musste nur aufpassen nicht in Ihren Augen hängenzubleiben, darin zu versinken und Gefahr zu laufen, dass sie sich dann dabei angestarrt vorkommen könnte. Mein überbordendes Lächeln vermag ich sowieso nicht mehr zu verhindern, nur dank meiner Ohren wurde es wenigstens begrenzt. Andererseits, aus dem Augenwinkel meinte ich zu bemerken, dass sie auch öfters ungewöhnlich lange hersah, den Blickkontakt suchte aber dann wieder wegschaute. Sie hatte auch Interesse an mir, da war ich mir sicher – naja, fast. Oder bildete ich mir das nur ein? Vielleicht war sie ja bloß freundlich.

Dann fiel mir ein, dass ich noch nicht einmal ihren Namen wusste. »Mein Name ist übrigens Aramis, Aramis Schwarz.«

Sie nippte am Saft und musterte mich kurz. »Simara Alba, freut mich dich kennenzulernen.«

Jeder von uns machte eine winkende Handbewegung über den Tisch hinweg und lächelte den anderen an. Gegenseitige Sympathie lag in den Blicken. Sie freute sich mich kennenzulernen, wie mich das freute, besonders da es sich nicht wie die allgemeinübliche Floskel anhörte.

Als ich über ihren Namen nachdachte, ihn verinnerlichte und mir sicher war, dass komme was wolle, er von nun an wichtig für mich sein würde, fiel mir auf, dass er, in gewisser Weise, schon immer in mir war. »Bedeutet das lateinische Wort Alba nicht weiß?«

»Ja genau.« Ihrem Blick nach wusste sie bereits, worauf ich hinauswollte.

»Unsere Nachnamen sind also Gegensätze. Aber noch besser die Vornamen, die kann man von hinten lesen – wie heißt das noch?«

»Palindrom, zumindest eine Art davon«, erwiderte sie grinsend und grüßte mich herausfordernd. »Hallo Aramis.«

»Simara Hola.« Ich betonte das A am Schluss vom spanischen Hallo etwas länger damit ein bisschen H zu hören war, um diesem Palindrom-Scherz nachzuhelfen. Das H am Anfang ist ja sowieso stumm.

Ein kleines Funkeln in ihren hinreisenden Augen zeigte mir die Freude, dass ich ihrer sprachlichen Scherz-Vorlage prompt nachgekommen war, dann schaute sie mich etwas frech an. »Sind deine Eltern Dumas Fans oder mögen sie das Parfüm?«

Die Frage nach meinem, einerseits seltenem, andererseits populärem Vornamen hörte ich öfters. Meistens erklärte ich nur lapidar, ja, Eltern sind Fans seiner Romane, oder kommt von Ari, der Löwe. Ganz selten, und das auch nur im Freundeskreis, weil es niemandem was angeht, kam von mir die wahre Geschichte. Ich trank den Rest meines Kaffees aus und überlegte. Sollte ich einfach ›Parfüm‹ sagen, oder ihr doch die richtige Geschichte anvertrauen. Sie würde ihr sicher gefallen, aber wollte ich, einer Frühstücksbekanntschaft, überhaupt eine so persönliche Geschichte erzählen? Da ich mich, trotz der kurzen Zeit, die wir uns kannten, schon sehr zu ihr hingezogen fühlte und ich bereits hoffte, dass es nicht bei einer Bekanntschaft bliebe, stütze ich mich mit verschränkten Armen auf den Tisch, schaute kurz einmal aus dem Fenster und dann zu ihr. »Ich würde jetzt gerne sagen, mein Name kommt von Henri d‘Aramitz, der Aramis genannt wurde, tatsächlich Musketier war und auch Dumas zu der Figur inspirierte. Aber, wie es meiner Mutter einmal entschlüpfte, lief gerade der Film ›Die drei Musketiere‹ nebenbei im Fernsehen – als ich gezeugt wurde.«

»Nein«, sie kreischte leise auf und ihre wunderschönen Augen wurden noch größer und strahlten vergnügt, während sie den letzten Müslirest von ihrem Löffel ableckte.

Damit konnte ich bei ihr punkten, also fuhr ich fort. »Doch – und anscheinend wurde gerade nach Aramis gerufen, als, naja, meine Zeugung ihren, ausnahmsweise, gleichzeitigen Höhepunkt hatte.«

Sie klopfte mit der Hand auf den Tisch, dass das Geschirr wackelte, riss den Mund genauso wie die Augen auf, unterdrückte aber Lachen in der Lautstärke, die man beim Anblick ihres überrascht, freudig und gleichzeitig schockiertem Gesicht, angenommen hätte. »Nein, das gibts nicht«, entfuhr es ihr unterdrückt krächzend, eigentlich mehr quietschend.

Nun konnte ich noch einen draufsetzen und überprüfen, ob wir tatsächlich die gleiche Wellenlänge hatten. Ich erzählte es bisher eher zurückhaltend, wurde nun aber ernst. »Das findest du lustig?« Dabei schaute ich peinlich betreten nach unten in meine leere Kaffeetasse, die ich mit beiden Händen auf der Untertasse stehend herumwippte.

Sie hielt kurz inne, unsicher mich durch ihr Gelächter beleidigt zu haben.

Darauf hin, ohne den Kopf zu heben, sah ich direkt in ihre Augen. »Na wenn du erst gesehen hättest, wie ich mit den Fingern in den Ohren, laut ›lalala‹ schreiend weggerannt bin, als sie mir das erzählte.«

Konnte Sie in meinen Augen lesen? Den Schalk darin erkennen? Ihrer Mimik war anzusehen, dass sie erst noch überlegte, ob mir das jetzt tatsächlich unangenehm war, schließlich schaute ich immer noch ernst drein. Nach meinem Blick und dem darauffolgendem verräterischen angespanntem schließen meiner Lippen damit ich nicht zu grinsen anfing, atmete sie sichtbar kurz ein, während ihre Mundwinkel auseinander gingen und dann wie aufs Stichwort, lachten wir beide lauthals los, wobei der Lautstärkepegel weit über unseren Tisch hinausging. Mein hochroter Kopf war mir dabei genauso egal wie die Blicke der anderen Gäste, die teils auch belustigt, weil lachen ansteckend ist und nicht, weil sie mithörten, was ich nicht hoffte, teils betreten zu uns herüberschauten. Überhaupt hatte ich jetzt erst wieder registriert, dass wir nicht alleine waren.

Wir beruhigten uns wieder und ich holte mir jetzt auch eine Portion Müsli und noch einen Saft, sie sich noch etwas Obst und einen Api. Übers Buffet lächelten wir uns immer wieder zu. Sie war wirklich ausgesprochen nett, genauso wie ich mir ›die Eine‹ vorstellen würde und sie mochte mich ganz offensichtlich auch.

Zurück am Tisch. »Hat dein Name auch etwas mit deiner Zeugung zu tun?« Ich steckte einen Löffel Müsli in den Mund, schaute erst sie an und dann unschuldig durchs Fenster raus.

Sie merkte, dass ich mir jetzt eine ähnliche Geschichte wie die meine von ihr erhoffte und überlegte kurz mit schelmischem Blick. »Tatsächlich heißt die Stadt so in der meine Eltern zu der Zeit wohnten, irgendwo im Süden Nepals und meine beiden Brüder heißen Paris und Dallas nach den Städten, in denen sie gezeugt wurden.«

»Im Ernst?« Ich lehnte mich nach vorne und zog die Augenbrauen zusammen. Irgendwie war ich mir unsicher, ob sie mich jetzt beschwindelt hatte oder nicht.

Sie lachte, wahrscheinlich auch über meine Unsicherheit. »Nee, ich habe gar keine Brüder. Wobei, die Stadt gibts schon und vielleicht wurde ich auch nach ihr benannt, aber meine Eltern haben nie dort gewohnt, auch wenn sie viel unterwegs sind. Ich habe sie bisher nicht nach meinem Namensursprung gefragt und nach deiner Geschichte jetzt, werde ich das vermutlich auch nie tun.«

»Ja, die intimen Vorkommnisse während meines Entstehens erzähle ich sonst eigentlich nicht so schnell, wenn überhaupt.« Ich schaute ihr in die Augen, die mich nach wie vor magisch anzogen.

Nach ein paar schweigenden Momenten, in denen nur unsere Blicke sprachen, sah sie fast schamvoll nach unten. Ihr wurde wohl bewusst, dass wir uns gerade indirekt über das Sexleben unserer Eltern – eigentlich nur meiner Eltern – unterhalten hatten, und wollte zu einem anderen Thema kommen. »Was hat dich nach La Paz verschlagen? Ist nicht gerade der typische Urlaubsort.«

Mir kam der Wechsel in die Gegenwart ganz recht, auch wenn ich mit einer weiteren Geschichte aus der Vergangenheit antworten musste. Wieder mit meiner Mama – bald hält sie mich für ein Muttersöhnchen. »Nun ja, als ich so um die zwölf Jahre alt war trafen meine Mutter und ich zufällig den Mann meiner Lehrerin aus der Volksschule. Sie unterhielten sich, irgendwie kam er auf Bolivien zu sprechen und er fragte, ob sie die Hauptstadt wisse. Ich hatte ein paar Tage vorher gerade einen Film über dieses Land gesehen, oder hatte er auch nur hier gespielt, weiß ich nicht mehr, jedenfalls antwortete ich ihm sofort und sagte ›La Paz‹. Er sah mich an, in seinen Augen die Überraschung, dass der kleine Junge etwas über dieses für die meisten unbekannte Land wusste. ›Ja genau‹, sagte er und meine Mutter war auch so überrascht, wo sie doch nicht einmal das Land kannte.«

»Aber die Hauptstadt ist doch Sucre?!«, warf Simara ein und sah mich teils fragend teils belustigt an.

»Ja, das weiß ich inzwischen auch, habe kurz darauf einen Atlas konsumiert«, antwortete ich leicht zerknirscht. »Ich frage mich seit damals, ob er es selbst nicht wusste; hatte er tatsächlich ›ja genau‹ gesagt; oder der Blick doch eher einem kleinen dummen Jungen galt, der sich ungefragt ins Gespräch einmischte? Na, jedenfalls hat sich das in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich mag aber auch den Namen – La Paz – der klingt so, na ich weiß auch nicht – La Phaaaszz.« Ich zog das Wort etwas in die Länge, betonte es anders und fuhr mit meiner Hand nach vorne und oben als unterstützende Geste.

Sie kicherte und verdrehte wortlos die Augen.

»Ja ist komisch, aber seither wusste ich, da muss ich einfach mal hin und jetzt bin ich endlich da.« Ich sah durch die großen Fenster auf der anderen Seite des Raums über die Stadt und deutete mit dem Finger hin. »In den letzten Tagen bin ich fast mit jeder Seilbahnlinie gefahren, das sind Aussichten. Dazwischen habe ich die Indiomärkte besucht, die ganz konträr zu den Staatsgebäuden gegenüber im spanischen Viertel aussehen. Ein Stück weiter wechseln sich Hochhäuser mit prachtvollen Kolonialhäusern ab. In einer Nebengasse habe ich mir eine klassische Tucumana, also eine Empanada und ein Zimteis gekauft. Mir gefällt die Stadt.«

Sie hörte sich meine Stadtwerbung interessiert oder auch nur höflich an, dann deutete sie auf meinen Stadtrucksack, der auf dem Stuhl neben mir lag. »Und deine getarnte Männerhandtasche, hast du immer mit?«

Ich schaute zu meinem Rucksack, dann sah ich sie fragend an und deutete mit dem Kopf auf ihren am Stuhl liegenden. »Getarnte Männerhandtasche? Du hast doch auch einen?«

Sie nickt, diese Gegenfrage wohlwissend erwartet zu haben. »Na mir gehen diese Scherze über die Tiefen der Handtasche einer Frau auf den Geist, noch dazu wo viele Männer in ihren Männerhandtaschen«, das Wort betonte sie, »viel mehr mit sich herumschleppen. Daher habe ich meist einen kleinen Rucksack und keine Handtasche dabei und bei Männern schaue ich nicht nur auf den Hintern sondern auch ob sie Rucksackträger sind oder nicht.«

»Hintern und Rucksack«, murmelte ich, spitzte die Lippen und nickte ein paar Mal leicht, nicht wissend wo ich diese Information jetzt einordnen sollte. »Aber in deinem befindet sich jetzt auch alles drinnen was man in den Tiefen einer Damenhandtasche üblicherweise zu erwarten hätte?«, fragte ich sie mit provozierendem Unterton.

Sie verzog den Mund. »Na klar – ich bin ja auch eine Dame!«. Lachend öffnete sie ihn und schaute hinein. »Ja, übliches Damenzeugs, aber jetzt auf Reisen noch eine dünne Fleecejacke, Verbandszeug, Wasserflasche, Schweizer Taschenmesser und ach siehe da, ein Aramis Parfüme.«

»Im Ernst?« Ich hob mich etwas aus dem Stuhl, um über den Tisch in die Tasche schauen zu können.

»Nein, ist nur ein normales Deo.« Sie winkte damit und sah mich verschmilzt an. »Und jetzt dein Taschen-Striptease.«

Ich griff rüber, machte auf und mit etwas höherer Stimme: »Ja, da ist aber nur das Allernötigste drinnen.« Ein Blick aus den Augenwinkeln zu ihr – na das kam nicht so besonders gut an, war auch doof, daher fuhr ich normal fort. »Ein Poncho aus Alpakawolle hier aus dem Marktviertel, mein Schweizer Taschenmesser, eine Flasche Wasser, eine kleine Box mit Feuerstahl, Pflaster und dergleichen, ein Monokular und ein paar Müsliriegel. Die habe ich hier nach der Ankunft noch am Flughafen gekauft, von denen fühlte ich mich irgendwie so angelacht in der fast spiegelnden Aluverpackung, oder sind es Energieriegel, ich kann es nicht lesen aber dem Bild nach ist Schokolade drinnen, das genügt mir.« Ich winkte mit einem und nach erneutem Blick auf das Bild, steckte ich ihn wieder zurück.

Gemütlich am Stuhl zurückgelehnt nahm sie einen Schluck Saft und prostete mir zu. »Dann kann dir ja nichts mehr passieren.«

»Habe ich deinen Rucksack-Test bestanden oder ist zu viel drinnen? Bedenke aber, ich bin auch auf Reisen und da muss man etwas mehr bei sich tragen. Willst du dir auch noch meinen Hintern ansehen?« Ich stützte meine Hände auf den Tisch und erhob mich, auf halbem Weg setzte ich mich wieder. »Obwohl, den hast du sicher vorhin schon begutachtet als wir uns am Buffet Nachschub holten. Ich habe es zumindest.«

Ob das jetzt zu viel war, zu vertraut, zu persönlich? Anscheinend nicht, denn sie zwinkerte mir mit den Augenbrauen zu. Ich zwinkerte zurück.

»Ich habe mir ein Auto gemietet, um auch was von der Umgebung zu sehen. Ursprünglich wollte ich mir San Vincente ansehen, du weißt schon, das Ende von Butch Cassidy und Sundance Kid, aber das sind über achthundert Kilometer von hier, da pfeife ich dann doch drauf. Ich werde wohl eher zum Titicacasee fahren«, verriet ich ihr meine weiteren Pläne und hoffte, dass sie vielleicht mitfahren möchte. »Was hast du so vor?«

Sie stellte das Glas Saft wieder hin und widmete sich den Obststückchen. »Ich bin eigentlich hauptsächlich wegen Puma Punku in Tiwanacu hier.«

Ich lehnte mich nach vorne. »Puma Punku, dort wo dieser Haufen Steine herumliegt, so H-Förmige Stempel und andere die ganz präzise geschnitten sind?«

Sie lehnte sich auch vor. »Ja genau, dort muss eine Anlage gewesen sein. Keiner weiß von wem oder wozu und wie genau das damals gemacht wurde. Tonnenschwere Steine, die an die zehn Kilometer herbeigeschafft wurden und kleinere aus neunzig Kilometer – und das vor Jahrhunderten. Die Form der Steine ist schon bemerkenswert aber dann auch noch die präzisen Löcher und Nute in verschiedenen Formen. In manche sind Aussparungen geschnitten in die Bronze oder Kupfer eingegossen wurde, um sie miteinander zu verklammern. Die Steine der Mauer von Puma Punku halten ohne Mörtel. Andere, Puzzle-Förmigen Steine, passen so gut zusammen, dass kein Blatt Papier dazwischenkommt. Viele sind auch aus so akkurat geschnittenen Blöcken, dass man sie beliebig austauschen könnte, wie bei einem Baukastenspiel oder am Fließband produziert.«

Ich lauschte interessiert ihrem Redeschwall, fasziniert darüber wie sie sich begeistern konnte. Ihre Augen blitzen immer wieder auf und mit den Händen formte sie Gebilde oder zeichnete mit den Fingern auf dem Tisch, um ihre Worte optisch zu unterstützen.

»Irgend so eine Doku im Fernsehen habe ich mal darüber gesehen. Aber da wird der Zweifler in mir wach. Wer sagt mir denn, dass die wirklich so alt sind, die kann doch jeder irgendwann mal in dieser Einöde gemacht haben. Vielleicht war da im Krieg eine Basis und das sind die Überbleibsel, oder sie wurden aus einem anderen Grund für irgendwas hergestellt, ganz modern. Beim Wiederentdecken hat sich einer im Alter verschätzt oder verrechnet, so wie mit dem Eisengehalt im Spinat, und dann hat man es halt gelassen, weil es gut für die Wirtschaft ist. Als Tüpfelchen auf dem i werden noch Gerüchte über ein paar Außerirdische drübergestreut – für die Touristen.« Ich deutete in den Raum. »Wenn jetzt einer mit Beweisen für eine jüngere Entstehung käme, würde es keiner glauben, keiner glauben wollen.«

»Bist du immer so misstrauisch?« Sie sah mich skeptisch an. »Deine Eltern hätten dir den Namen Thomas geben sollen, der ungläubige Thomas.«

Jetzt war sie etwas enttäuscht von mir. »Ja, ich muss alles selber sehen, um es zu glauben, besser gesagt, zu wissen, denn wer nichts weiß muss alles glauben.« Ich zog meine rechte Augenbraue hoch und schaute skeptisch zurück. »Hast du keine Spur von Zweifel? Nimmst du alles als gegeben hin, nur weil es irgendwer, den du wahrscheinlich nicht einmal kennst, sagt.«

Sie blickte mit schrägem Kopf nach oben und überlegte kurz. »Alles glaube ich sicher nicht, aber manches wäre doch einfach schön, wenn es wahr wäre, und ich möchte mich auch nicht neuem gegenüber verschließen. Ich bin sicher es gibt vieles das wir uns gar nicht vorstellen können.«

»Ja, das denke ich auch«, erwiderte ich, »misstrauisch bleibe ich trotzdem. Wie geht das Sprichwort – ah ja, höre alles, glaube nichts. Was erhoffst du dir von dem Steinhaufen?«

Sie rückte sich am Stuhl zurecht, schaute einmal in den Raum und überlegte sichtlich, ob sie es erzählen sollte. »Ein Film im Fernsehen, den ich als Kind gesehen habe. Ich kann mich nur noch an ein paar Bruchstücke erinnern. Er spielte auf den Osterinseln. Eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam zu der Insel reiste. Einer aus der Gruppe, er wollte da nicht wirklich hin, er ging zu einer der Statuen dort, wurde regelrecht von ihr angezogen und legte seine Hand darauf. Und nicht einmal das Folgende weiß ich noch genau. Entweder ging da irgendeine geheime uralte Tür in der Statue auf, die zu einem unterirdischen Raum führte oder er wurde an einen anderen Ort transportiert«, bei dem Wort machte sie Gänsefüßchen mit den Fingern. »Er erlebte dort etwas das sein Weltbild für immer veränderte, denke ich, wie gesagt weiß ich nicht mehr, worum es wirklich ging. Am Ende des Films fanden ihn die anderen am Fuße der Statue liegend, wie er gerade wieder zu sich kam.«

Ich blickte sie schulterzuckend und fragend an.

»Seit ich von Puma Punku erfahren habe«, fuhr sie fort, »geht es mir genauso wie dem Kerl in dem Film. Ich fühle mich davon angezogen und will dort meine Hand auf die Steine legen.«

»Du willst deine Hand dort auf die Steine legen!?« Nach einem kurzen Moment der Sprachlosigkeit musste ich anfangen laut zu lachen. »Du willst Handauflegen mit den Steinen spielen und hoffst auf eine Reaktion, eine Energie-Antwort oder dass dich ein Raumschiff hochbeamt.« Dazwischen musste ich immer wieder kichern und grinste ihr ins Gesicht.

Sie grinste nicht zurück. Jetzt hatte ich es übertrieben dachte ich bei mir und tatsächlich steckte sie sich rasch die zwei letzten Obststückchen in den Mund und stand auf.

»Das hätte ich mir von dir jetzt nicht gedacht!« Sie schnappte sich ihren Rucksack, im Vorbeigehend stützte sie sich kurz mit der Hand am Tisch auf und beugte sich zu mir. »Viel Spaß noch in La Paahhszz!«

2. Puma Punku

Jetzt saß ich da. Zweite Chance auch vertan. Hatte ich wohl verdient, warum lachte ich sie auch so aus, sie kennt mich und meine unverblümte, aber sicher nicht gehässige Art noch viel zu wenig. Sie fährt hierher, um den Steinen die Hand aufzulegen, ist doch lustig. Ich bin da, weil mir der Name gefällt, da hätte sie genauso drüber lachen können.

Ich verließ das Hotel und machte mich auf den Weg zum Autoverleih. Der Lag gleich neben dem Flughafen an der Schnellstraße Eins die direkt zum Titicacasee führte. Unterwegs schlenderte ich noch ein wenig durch die Viertel, kaufte mir ein Zimteis und ein paar Tucumanas zum Mitnehmen für unterwegs.

Als ich mit meinem Mietwagen losfuhr war ich froh damit nicht durch den chaotischen Verkehr der Stadt zu müssen. Die Straße sah auf der Landkarte, mit dem dicken gelben Strich gezeichnet, zwar bedeutend aus tatsächlich war es aber nur ein Streifen Asphalt mitten durch die karge Landschaft auf der Altiplano-Hochebene. Bis zu den fernen Bergen konnte man links und rechts fast nur Steppengras sehen. Die augenscheinlich grüne Gegend machte wegen der vielen braunen Flecken aber einen vertrockneten Eindruck. Vereinzelt dastehende Bäumen verstärkten dieses Gefühl genauso wie die selten vorkommenden Rinder oder Schafe. Die großzügig verteilten, meist ebenerdigen Gebäude oder Hütten, schienen teilweise verfallenen oder zumindest stark renovierungsbedürftig zu sein.

Nach nicht ganz einer Stunde kam ich an einem großen Schild, einer Werbetafel gleich, vorbei, darauf begrüßten mich zwei Herren in Tiawanacu, gleich darauf noch ein Schild mit Willkommensgrüßen in Tiahuanacu, auf diesem waren Bilder von Puma Punku zu sehen. Hier ging es rechts anscheinend zu dieser Ausgrabungsstädte. Ich fuhr geradeaus weiter, wollte ja zum See.

Nach ein paar Minuten Fahrt, in denen ich vor mich hin grübelte, drehte ich um. Der Haufen Steine hatte mir alles bei Simara vertan, und mein Gelächter natürlich, aber jetzt musste ich sie mir wenigstens auch ansehen. Nach der Abzweigung Richtung Tiawanacu kam dann ein kleiner Parkplatz, ein Maschendrahtzaun mit einem weißen angerostetem Türl, darüber ein Schild ›Puma Punku‹.

Durch die Tür spaziert, zahlte ich an einer kleinen Hütte aus Lehmziegel Eintritt. Dahinter ging ein Weg in Richtung einer leichten Erhebung. An der ersten Abzweigung ging ich nach rechts, das führte mich um diese herum. Rund um diesen grasbewachsenen Erdhaufen schauten immer wieder Mauerstücke, Steinbruchstücke und Erdwälle raus. Ein Teil hätte der Ansatz einer breiten Treppe sein können. Für mich sah es wie eine verlassene Baustelle aus die schon ein paar Gewitter hinter sich hatte.

Einmal rundherum war ich oben angekommen und mir bot sich ein Steinfriedhof dar. Große flache Steinbrocken die halb in der Erde lagen, als Boden, wenn man so will. Andere kleinere lagen oder standen in Reih und Glied herum, teilweise nur Bruchstücke. Ein gespanntes blaues Seil gab einen Weg vor, dem ich nun folgte.

Die Steine waren teilweise eben und profiliert geschnitten, manche hatten sehr präzise gebohrte Löcher, auch in verschiedenen eckigen Formen. Am interessantesten zweifellos die H-Förmigen. Sie sahen von vorne wie der Buchstabe H aus und hatten an den Kanten auch noch sehr genaue Fräsungen. Anderen rechteckige ebene Blöcke hatten vorne ein Kreuz drauf, zusammengesetzt aus einem dicken senkrechten Balken, gekreuzt von einem dünnen kurzen – ein Kreuz mit Stummelärmchen. Der Senkrechte war nicht ganz so dick wie die H-Lücke und könnte sogar in eine Hälfte von so einem H passen. Einige hatten völlig gleichmäßige teils komplizierte Ornamente in den verschiedensten Formen ausgefräst. Rechtecke, Kreuze, Rauten von tief und klein, stufenweise immer breiter werdend. Das war schon beeindruckend anzusehen, aber auch nichts was man nicht schon im Schaugarten eines Steinmetzes gesehen hätte. Man denkt sich noch ein paar Jahre Unwetter dazu und fertig.

Somit verließ ich diesen für mich endtäuschenden Ort wieder. Simara, nach der hatte ich natürlich insgeheim Ausschau gehalten, war entweder schon wieder weg oder hochgebeamt worden. Während ich auf dem gatschigen Parkplatz bei meinem Auto stand und überlegte, ob ich nun noch zum See oder doch wieder zurückfahren sollte, sprach mich einer der Einheimischen aus der Hütte an und wies mich auf Tiwanaku hin. Das lag ein paar hundert Meter weiter nordöstlich. Angeblich eine der wichtigsten archäologischen Ruinenstädte Boliviens und gehörte auch zum Weltkulturerbe. Also was solls, das konnte ich mir jetzt auch noch ansehen.

Ich fuhr das kurze Stück, eigentlich nur um die Ecke, auf der festgetretenen Schotterstraße mit zahlreichen Schlaglöchern bis zum Parkplatz beim Museum. Das besuchte ich vielleicht nachher noch, jetzt steuerte ich aber den schräg gegenüber liegenden Maschendrahtzaun mit weißer halbverrosteter Tür an, der dieses Stück Kultur umzäunte.

Dieses Mal ging ich bei der ersten Gabelung links. Vorbei an einem Hügel, bei dem unten drei glatte Mauern, stufig nach oben, zum Vorschein kamen, dazwischen eine Steintreppe. Das sollte die Akapana-Pyramide sein. Danach kam eine Mauerecke, wo eine neue Treppe etwa drei Meter hinaufführte. Oben angekommen eröffnete sich mir ein großer Platz, nicht ganz 150 Meter im Quadrat, wie ein riesiger Sandkasten mit Erde gefüllt und gleich an dieser Ecke stand eine Figur, ›Monolito Fraile‹ wies die Tafel hin. Ich ging am Rand entlang weiter. Rechts war die Weite des Platzes und links über den Mauerrand konnte ich Steinbrocken und Mauerreste einer Anlage, wie herausgestochen aus der Graslandschaft, überblicken. Einige hundert Meter dahinter erschien das beschauliche Dörfchen Tiawanacu. Die flachen Gebäude ragten höchstens ein Stockwerk empor. An der nächsten Ecke stand dieses berühmte Sonnentor. Das hatte ich mir größer vorgestellt, war es doch gerade mal etwa drei Meter hoch und nicht um viel breiter. Oben in der Mitte war eine Figur mit Maske und zwei Stecken in den Händen. Irgendwie wirkte es hier fehl am Platz, als ob es einfach mal in die Ecke gestellt wurde.