Atlan 358: Krieg der Magier - Marianne Sydow - E-Book

Atlan 358: Krieg der Magier E-Book

Marianne Sydow

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Beschreibung

Pthor, der Kontinent des Schreckens, der dank Atlans und Razamons Eingreifen der Erde nichts anhaben konnte, liegt nach jäh unterbrochenem Hyperflug auf Loors, dem Planeten der Brangeln, in der Galaxis Wolcion fest. Pthors Bruchlandung, die natürlich nicht unbemerkt geblieben war, veranlasste Sperco, den Tyrannen von Wolcion, seine Diener, die Spercoiden, auszuschicken, damit diese den Eindringling vernichten. Dass es ganz anders kam, als Sperco es sich vorstellte, ist allein Atlans Eingreifen zu verdanken. Denn der Arkonide übernahm beim Auftauchen von Spercos Dienern sofort die Initiative und ging systematisch daran, die Macht des Tyrannen zu untergraben. Inzwischen haben die durch Sperco Unterdrückten ihre Freiheit wiedergewonnen, und Sperco selbst starb in dem Augenblick, als sein Raumschiff bei der Landung auf Loors zerschellte. Atlan jedoch überlebt die Schiffskatastrophe. Und während er sich zusammen mit "Feigling", seinem mysteriösen neuen Gefährten, auf den mühevollen Rückweg zur FESTUNG macht, wo die Odinssöhne längst ihre Herrschaft über Pthor angetreten haben, kommt es zu einer entscheidenden Auseinandersetzung in der Barriere von Oth. Es entbrennt der KRIEG DER MAGIER ...

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 358

Krieg der Magier

Die Zukunft beginnt in der Barriere von Oth

von Marianne Sydow

Pthor, der Kontinent des Schreckens, der dank Atlans und Razamons Eingreifen der Erde nichts anhaben konnte, liegt nach jäh unterbrochenem Hyperflug auf Loors, dem Planeten der Brangeln, in der Galaxis Wolcion fest.

Pthors Bruchlandung, die natürlich nicht unbemerkt geblieben war, veranlasste Sperco, den Tyrannen von Wolcion, seine Diener, die Spercoiden, auszuschicken, damit diese den Eindringling vernichten.

Dass es ganz anders kam, als Sperco es sich vorstellte, ist allein Atlans Eingreifen zu verdanken. Denn der Arkonide übernahm beim Auftauchen von Spercos Dienern sofort die Initiative und ging systematisch daran, die Macht des Tyrannen zu untergraben.

Inzwischen haben die durch Sperco Unterdrückten ihre Freiheit wiedergewonnen, und Sperco selbst starb in dem Augenblick, als sein Raumschiff bei der Landung auf Loors zerschellte.

Atlan jedoch überlebt die Schiffskatastrophe. Und während er sich zusammen mit »Feigling«, seinem mysteriösen neuen Gefährten, auf den mühevollen Rückweg zur FESTUNG macht, wo die Odinssöhne längst ihre Herrschaft über Pthor angetreten haben, kommt es zu einer entscheidenden Auseinandersetzung in der Barriere von Oth.

Die Hauptpersonen des Romans

Thalia – Die Odinstochter in der Maske ihres Vaters.

Heimdall, Sigurd und Balduur – Die Odinssöhne werden »erzogen«.

Razamon und Kolphyr – Sie stehen Thalia hilfreich zur Seite.

Tonkuhn – Ein Abgesandter der Liebesmagierin.

Copasallior und Jarsynthia

1.

Die Nacht war vorüber, und mit dem neuen Tag nahm das Leben im Gebiet der Festung seinen gewohnten Lauf – soweit man sich bei den ständigen Katastrophen der letzten Zeit überhaupt an etwas gewöhnen konnte. Die meisten Technos und Dellos hatten von ›Odins‹ Rückkehr ohnehin nichts gemerkt. Sie hatten im Lauf des von den Magiern inszenierten Unwetters fast vollzählig das Bewusstsein verloren. Die anderen – Robotbürger, eine Gruppe von Händlern, Bauern von den Ufern des Xamyhr und Kelotten aus Aghmonth – sprachen nicht von den Ereignissen des letzten Abends. Es war nie gut, sich zu intensiv mit den Angelegenheiten der Herrscher zu beschäftigen. Es bestand auch kein Zweifel daran, dass Odin von jetzt an die Zügel in die Hand nehmen würde.

Der einzige, der erhebliche Zweifel am Erfolg ›Odins‹ hegte, war der Zurückgekehrte selbst, beziehungsweise Thalia, die in der magischen Maske steckte und sich gar nicht sehr wohl in dieser Rolle fühlte.

Oder war es etwa kein schlechtes Zeichen, dass schon in der ersten Nacht jemand das Spiel durchschaut hatte?

»Das ist Unsinn«, sagte Razamon ärgerlich, als sie ihm ihre Bedenken erklärte. »Die Maske ist perfekt. Magier scheinen ihr Handwerk zu verstehen.«

Thalia nickte nur. Was half ihr die Maske, wenn sie innerlich noch immer nagende Furcht vor ihrem Vater empfand? Für einige Zeit hatte sie diese Angst vergessen. Aber da waren auch nicht ihre Brüder in der Nähe gewesen.

Hinzu kam, dass Fenrir den falschen Odin strikt ablehnte. Sie hatte den Wolf dazu gezwungen, sie zu respektieren, aber mehr ließ sich bei einem Wesen wie Fenrir nicht erreichen, solange sie in dieser Maske steckte. Und sie fürchtete, dass auch ihre Brüder misstrauisch wurden, wenn es ihr nicht bald gelang, ein besseres Verhältnis zu dem Wolf herzustellen.

»Deine Brüder warten sicher schon«, bemerkte Razamon. »Es ist besser, wenn sie uns nicht zusammen sehen. Du solltest zu ihnen gehen. Wenn sie frech werden – denke daran, wenn sie vor irgend jemandem Respekt haben, dann ist es Odin! Nimm ja keine Rücksicht auf ihre Gefühle, denn das würden sie nur falsch verstehen. Ich werde mit Kolphyr versuchen, dir zu helfen, wenn etwas schiefgeht. Mach dir also keine Sorgen!«

Er hatte leicht reden. Er steckte ja nicht in der Maske, die haargenau so aussah, wie die Kinder Odins sich ihren Vater vorstellten. Odin war groß und muskulös, seinen scharfen Augen entging nichts, und wenn er sich bewegte, spürte man förmlich die gewaltige Kraft, die in diesem Körper steckte – oder eben in der Maske, deren magische Perfektion auch Thalia nur immer wieder bewundern konnte.

Sie verließ das Zimmer und sah sich verstohlen nach allen Seiten um. Sie atmete auf, als sie feststellte, dass kein lebendes Wesen sich in Sichtweite befand.

Wenn jetzt Atlan käme, könnte von mir aus sogar der wirkliche Odin erscheinen, dachte sie. Ich würde es mit jedem aufnehmen.

Dann fiel ihr ein, was Copasallior ihr über den wunden Punkt der Maske gesagt hatte: Wenn sie auf Atlan traf, musste das magische Gebilde sich auflösen. Eine Liebesmagierin hatte die Maske dahingehend beeinflusst. Es war der Beitrag einer Gruppe von Magiern zu diesem Werk, die offenbar bei jeder Gelegenheit anderen Wesen Böses zufügten – einfach aus Prinzip.

Thalia schüttelte sich bei dem Gedanken, was die Magier alles anstellen könnten, wären sie nicht erstens durch unverständliche Gesetze gebunden und zweitens meistens mit internen Schwierigkeiten ausreichend beschäftigt. Der Stimmenmagier und die anderen Bewohner der Tronx-Kette gefielen ihr, denn sie alle waren freundlich und ehrlich. Copasallior, den sechsarmigen Weltenmagier, fand sie etwas unheimlich und schwer zu durchschauen. Glyndiszorn war in Thalias Augen ein echter Widerling. Breckonzorpf, der Wettermagier, hatte sie dagegen mehr beeindruckt, als sie offen zugegeben hätte. Er machte keine großen Worte, aber er packte zu, wo er gebraucht wurde. Hinzu kam, dass Thalia Breckonzorpfs Magie noch am ehesten begreifen konnte. Ein Tunnel durch Zeit und Raum, Koratzos »Übersprache« oder Copasalliors Fähigkeit, sich selbst oder andere ohne Zeitverlust an jeden gewünschten Ort zu transportieren, waren beeindruckend, aber auch ziemlich abstrakt für die Tochter Odins, die sich mit solchen Dingen nie befasst hatte.

Sie stieß eine Tür auf und sah ihre drei Brüder am Tisch sitzen. Heimdall sprang auf, sobald er »Odin« entdeckte. Thalia schwieg, wie es ihre Rolle verlangte, setzte sich an den Tisch und nahm sich Brot und kalten Braten. Ihre Brüder beobachteten sie verstohlen. Sie tat, als merkte sie es nicht.

»Eine Gruppe Kelotten hat an diesem Morgen bei unseren Dellos vorgesprochen«, bemerkte Sigurd vorsichtig, als »Odin« das Brotmesser weglegte und sich zurücklehnte. »Sollen wir das erledigen, oder willst du selbst mit ihnen sprechen?«

»Was wollen die Kelotten in der FESTUNG?«, fragte Thalia.

Natürlich wusste sie, dass ihre Brüder alle Bewohner Pthors aufgefordert hatten, die Söhne Odins schleunigst als die neuen Herrscher von Pthor anzuerkennen – aber als Odin durfte sie davon keine Kenntnis haben.

»Sie haben uns bereits volle Unterstützung und Gehorsam zugesichert«, erklärte Balduur mit einigem Stolz. »Nun bieten sie uns ihre Dienste an für den Fall, dass wir neue Dellos brauchen. Viele von diesen Kunstwesen wurden vernichtet – im Kampf um die FESTUNG, aber auch bei den nachfolgenden Katastrophen. Hinzu kommt, dass wir Dellos in die Senke der verlorenen Seelen schicken mussten. Die Schläfer sind erwacht. Wir können diesen Wesen nicht erlauben, kreuz und quer durch das Land zu ziehen. Viele von den Wiedererwachten sind aggressiv.«

»Ich weiß«, versicherte Odin, und seine Augen blitzten unheilverkündend. »Nun – welchen Auftrag wolltet ihr den Kelotten erteilen?«

Balduur zögerte und sah seine Brüder hilfesuchend an. Heimdall blickte weg. Sigurd zuckte die Schultern.

»Wir brauchen Dellos«, murmelte Balduur schließlich. »Es herrscht große Unordnung. Die Überschwemmung und die starken Erschütterungen bei der Landung haben Spuren hinterlassen. Wir müssen eine Möglichkeit finden, dieses Land zu steuern, und es scheint jetzt festzustehen, dass wir die Mittel dazu nur in den Tiefen unterhalb der FESTUNG finden. Wie aber sollen wir danach suchen, wenn die Gänge einzustürzen drohen? Es gibt so viel zu tun ...«

»Wir haben Zeit«, unterbrach »Odin« ihn. »Und das Problem der Steuerung wird sich vielleicht schon bald auf andere Weise lösen.«

»Weißt du etwa, wie ...«

Thalia unterbrach Sigurd mit einer knappen Geste.

»Ihr solltet den Kelotten empfehlen, die Herstellung von Dellos zu unterlassen«, sagte sie. »Es gibt genug andere Probleme, auf die man sich in Aghmonth stürzen kann. Es wird Zeit, dass für die Bewohner von Pthor neue Möglichkeiten erschlossen werden, Nahrungsmittel zu erzeugen.«

»So schlimm sieht es nun auch wieder nicht aus«, meinte Heimdall missmutig. »Wenn die Vorräte knapp werden, schicken wir ein paar Zugors nach draußen. Es ist eine karge Welt, aber für uns reicht das, was sie zu bieten hat. Niemand wird verhungern, auch wenn wir über Jahre hinweg hier festsitzen.«

»Ich nehme an, du hast dich draußen umgesehen, dass du deiner Sache so sicher bist.«

»Boten haben Berichte geliefert«, wich Heimdall zögernd aus.

Thalia unterdrückte ein spöttisches Lächeln, von dem sie nicht wusste, wie die Maske es nach außen interpretieren würde. ›Warte nur‹, dachte sie. ›Boten waren wir für dich, wie? Razamon hat Recht, euch darf man nicht zu freundlich behandeln, denn das versteht ihr nicht!‹

»Es ist eine arme Welt«, bestätigte sie. »Und darum ist es ein besonders hässlicher Einfall, die Bewohner dieses Planeten, deren Leben ohnehin nicht einfach ist, auch noch auszuplündern. Die Kinder Odins leben nicht als gemeine Räuber!«

Thalia war überzeugt, dass ihr Vater – wäre er wirklich ins Reich der Lebenden zurückgekehrt – genau diese Meinung vertreten hätte. Die drei Männer wagten es kaum, Odin anzuschauen. Wie Kinder, die ein schlechtes Gewissen hatten, saßen sie rund um den Tisch. Die Gelegenheit war günstig. Die Söhne Odins befanden sich genau in der richtigen Stimmung, um das zu hören, was Thalia ihnen zu sagen hatte.

»Dies ist ein großes Land«, fuhr sie fort. »Es muss nur richtig behandelt werden, dann braucht niemand Not zu leiden, und trotzdem wird Pthor keinem fremden Volk mehr Tod und Verderben bringen. Die Horden der Nacht existieren nicht mehr. Die Ebene Kalmlech kann also besiedelt werden.«

»Die Gnitaheide?«, fuhr Sigurd auf. »Dieses vergiftete Land? Dort wird nichts wachsen, was Menschen essen können!«

»Unfug. Die Bestien haben auch genug Futter gefunden. Und was den Fluch über Kalmlech betrifft, so rührte der nur vom Dämmersee her. Sein Wasser machte die Horden der Nacht so blutgierig. Aber es gibt genug gute Quellen in Kalmlech, und das Land ist sogar sehr fruchtbar. Nur die Ränder sehen trostlos aus, damit niemand auf die Idee kam, sich genauer dort umzusehen.«

»Woher weißt du das?«, fragte Sigurd – und verstummte erschrocken, als ihm klar wurde, dass man so nicht mit Odin sprach. Thalia begnügte sich damit, ihrem Bruder einen strafenden Blick zuzuwerfen. Sigurd sah aus, als hätte er sich am liebsten im Boden verkrochen.

In Wirklichkeit war die Frage natürlich gar nicht dumm. Thalia wusste von den Magiern einiges über Kalmlech und den Dämmersee. Sie hatte während ihres Aufenthalts in der Großen Barriere von Oth viel dazugelernt. Es wäre ihr in der Tat schwergefallen, die Quelle ihres neuen Wissens geheim zu halten, hätten ihre Brüder nur die richtigen Fragen gestellt. So jedoch konnte sie sich auf Odins »Allwissenheit« berufen.

»Nicht nur die Ebene Kalmlech kann nun genutzt werden«, fuhr sie fort, »sondern auch die Eisküste, wie ihr wohl wisst. Damit aber sieht es auch am Rand der Wüste Fylln wieder günstiger aus.«

›Besonders dann, wenn Breckonzorpf beschließen sollte, dort nicht mehr seine Unwetter auszuprobieren‹, setzte sie in Gedanken hinzu.

»Wir sind keine Valjaren«, brummte Heimdall. »Sollen wir unsere Tage damit verbringen, Grünzeug zu pflanzen?«

»Gewiss nicht«, stimmte »Odin« erstaunlich sanft zu. »Aber ihr werdet die Befehle geben, die andere dazu veranlassen, die Felder anzulegen und zu pflegen!«

»Sicher werden solche Befehle dem Herrscher von Pthor viel Ehre einbringen«, wandte Balduur vorsichtig ein, »aber ich fürchte, die Bewohner dieses Landes sind nicht besonders gut geeignet, um die Rolle friedlicher Bauern zu übernehmen.«

»Sie sind seit langem gezwungen, sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Sogar die Gordys sind sich nicht zu fein, um in den Pflanzungen um Donkmoon zu arbeiten.«

»Sie sollten sich stärker darauf konzentrieren«, stimmte Heimdall grimmig zu. »Dann kamen sie wenigstens nicht mehr auf die Idee, meine Bruchstücke vom Parraxynt zu stehlen.«

Thalia nickte in ihrer Maske. Sie war dankbar für jeden winzigen Schritt, den ihre Brüder in Richtung auf einen neuen Kurs für dieses Land gingen. Es würde nicht leicht sein, sie von ihren alten Ideen abzulenken. Das hatte sie gewusst, bevor sie dem Plan der Magier zustimmte.

Sigurd betrachtete Odin zweifelnd. Thalia konnte ihrem Bruder ansehen, was in ihm vorging. Sigurd hasste Winkelzüge. Er ging offen an sein Ziel heran. Schon setzte er zu der entscheidenden Frage an, und Thalia überlegte bereits, ob es klug war, schon jetzt das Ziel zu nennen. Aber die Sache mit den Dellos war ihr zu wichtig. Und Sigurd überlegte es sich zum Glück doch noch anders.

»Dann lassen wir doch die Kelotten für Feldarbeiter sorgen«, schlug er vor. Thalia hörte den leichten Spott in der Stimme des Bruders.

»Dellos!«, sagte sie mit Odins Stimme verächtlich. »An etwas anderes denkst du wohl nicht mehr? Womit willst du deine Dellos ernähren? Sie werden das essen, was auf ihren Feldern wächst, und du kannst zusehen und hungern, wenn sie dir nichts abgeben.«

»Wir sind die Herrscher von Pthor!«, rief Sigurd empört. »Die Dellos haben zu gehorchen, sonst nichts!«

»Sicher. Aber mit dem Gehorchen ist es so eine Sache. Manchmal übertönt ein knurrender Magen jeden Befehl derer, die sich selbst als Herrscher bezeichnen. Haben die Söhne Odins denn alles vergessen, was man ihnen vor langer Zeit beibrachte? Habt ihr durch das Ende der Herren der FESTUNG nichts dazugelernt?«

Die drei Männer schwiegen, zum Teil aus Betroffenheit, zum Teil aber auch aus Trotz.

»Wir haben dich zurückgeholt«, sagte Balduur endlich leise, »weil du der wahre Herrscher von Pthor sein sollst. Wir werden dir gehorchen. Die Kelotten sollen nach Aghmonth zurückkehren. Ich werde ihnen sagen, was sie zu tun haben.«

»Was wirst du ihnen befehlen?«, fragte »Odin«, als Balduur schon fast den Raum verlassen hatte.

Balduur wandte sich um.

»Sie sollen erforschen, welche Nutzpflanzen sich für den Anbau in der Ebene Kalmlech und an der ehemaligen Eisküste eignen«, sagte er.

Thalia nickte nachdenklich. Sie spürte den Widerstand, den die drei Männer ihr entgegensetzten. Aber ihre Achtung vor Odin war stärker als jeder andere Einfluss.

»Ich werde mich draußen ein wenig umsehen«, sagte sie zu Sigurd und Heimdall. »Gegen Mittag kehre ich in diesen Raum zurück. Dann werden wir alles weitere besprechen.«

Sie hatte den Raum kaum verlassen, da tauchte Razamon lautlos vor ihr auf.

»Komm«, sagte er leise. »Kolphyr sitzt vor einem Schirm und beobachtet deine Brüder, es wird dir also nichts entgehen. Ich werde dir inzwischen berichten, was während deiner Abwesenheit geschehen ist.«

»Das meiste weiß ich«, erwiderte Thalia. »Die Magier haben Möglichkeiten, alles zu beobachten. Ich bin sogar über die Vorgänge in der Senke der verlorenen Seelen informiert.«

Razamon schwieg. Er dachte an das, was in der verborgenen Stadt der Berserker geschehen war und an den Mann namens Grizzard, der ihm eine Nachricht in Interkosmo hinterlassen hatte. Wo mochte Grizzard jetzt sein? Lebte er noch? Und wenn ja – gab es noch eine Chance, etwas darüber zu erfahren, wo und wie er die Einheitssprache Terras gelernt hatte?

Er wollte Thalia fragen, ob der Magier etwas über Grizzard berichtet hatten, da huschte etwas Graues auf sie zu, und Thalia stieß Razamon zur Seite. Der Pthorer taumelte und fing sich an der Wand ab. Erschrocken fuhr er herum, aber Fenrir konnte den falschen Odin nicht erreichen, so sehr er sich auch bemühte. Der Wolf duckte sich tief auf den Boden und knurrte dumpf, während er Thalia mit glühenden Augen beobachtete.

»Komm!«, befahl Razamon rau. »Lass Odin in Ruhe, Alter, du ziehst doch nur den kürzeren.«

Fenrir rührte sich nicht von der Stelle. Thalia hatte die rechte Hand gehoben und deutete mit dem Zeigefinger auf den Rachen des Wolfes. Razamon erschauerte, denn er spürte die fremden Kräfte, die sich zwischen dem Wolf und der Tochter Odins entfalteten. Gleichzeitig fühlte er wieder das schmerzhafte Zerren seines Zeitklumpens am Bein. Plötzlich fragte er sich, ob nicht auch das ein Werk der Magier sein musste. Wenn sich die Gelegenheit ergab, würde er versuchen, in die Barriere von Oth zu gelangen. Vielleicht konnte man ihm dort helfen.

»Fenrir!«, sagte er eindringlich. »Komm mit, ich brauche dich. Wir sehen uns draußen um.«

Der Wolf schob sich nach rückwärts, blieb dann stehen und schüttelte sich. Er warf »Odin« noch einen schrägen Blick zu, dann schlich er lautlos davon. Er achtete nicht auf Razamon. Der Berserker sah ihm kopfschüttelnd nach. Lange Zeit waren sie Freunde gewesen – Fenrir schien das alles vergessen zu haben.

2.

Solange Magier in der Großen Barriere von Oth hausten, blieb das Gebiet westlich vom Ko-Tomarth den Sterblichen vorbehalten. Es gab ungefähr fünfzig von ihnen. Zwei oder drei Familien stammten von den eigentlichen Magiern ab, meistens von solchen, denen man wegen schwerer Verfehlungen ihre magischen Fähigkeiten genommen hatte. Sie führten ein ziemlich verborgenes Leben und waren froh, wenn man sie in Ruhe ließ. Aber manchmal gingen aus ihnen auch Magier hervor, die überraschende Kräfte entwickelten und sich einen Platz im anderen Teil des Gebirges eroberten.