Atlan 451: Die Listigen - Marianne Sydow - E-Book

Atlan 451: Die Listigen E-Book

Marianne Sydow

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Beschreibung

Atlantis-Pthor, der Dimensionsfahrstuhl, ist wieder einmal mit unbekanntem Ziel unterwegs. Das Unheil, das Pthor vormals über unzählige Zivilisationen auf den verschiedensten Planeten gebracht hatte, scheint nun, seit dem Erreichen der Schwarzen Galaxis, auf den fliegenden Kontinent selbst zurückzuschlagen. Jedenfalls hatten die Pthorer in jüngster Zeit schwere Prüfungen über sich ergehen lassen müssen, denn ihre Heimat wurde das Ziel mehrerer Invasionen - zuletzt der des Duuhl Larx. Auch wenn die Truppen, die Duuhl Larx bei seinem überstürzten Abzug hatte zurücklassen müssen, längst keine Gefahr mehr darstellen, kommt Pthor gegenwärtig nicht zur Ruhe. Schuld daran ist Chirmor Flog, der seinerzeit mit dem Schwarzschock das Böse in die Große Barriere von Oth brachte. Und dieses Böse wirkt weiter fort und führt nun dazu, dass die Bewohner der Barriere, die Magier, nun über die Grenzen ihres Landes ausgreifen und Herrschaftsansprüche auf das restliche Pthor anmelden. Dann gelangt Pthor ins Guftuk-Revier, dessen Herrscher, Thamum Gha, im Namen des Dunklen Oheims ebenfalls Besitzansprüche auf den Dimensionsfahrstuhl geltend macht. Thamum Gha und einige Magier begegnen einander - und die Kontrahenten erweisen sich als DIE LISTIGEN ...

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 451

Die Listigen

Der Dimensionsfahrstuhl im Guftuk-Revier

von Marianne Sydow

Atlantis-Pthor, der Dimensionsfahrstuhl, ist wieder einmal mit unbekanntem Ziel unterwegs. Das Unheil, das Pthor vormals über unzählige Zivilisationen auf den verschiedensten Planeten gebracht hatte, scheint nun, seit dem Erreichen der Schwarzen Galaxis, auf den fliegenden Kontinent selbst zurückzuschlagen.

Jedenfalls hatten die Pthorer in jüngster Zeit schwere Prüfungen über sich ergehen lassen müssen, denn ihre Heimat wurde das Ziel mehrerer Invasionen – zuletzt der des Duuhl Larx.

Auch wenn die Truppen, die Duuhl Larx bei seinem überstürzten Abzug hatte zurücklassen müssen, längst keine Gefahr mehr darstellen, kommt Pthor gegenwärtig nicht zur Ruhe.

Schuld daran ist Chirmor Flog, der seinerzeit mit dem Schwarzschock das Böse in die Große Barriere von Oth brachte. Und dieses Böse wirkt weiter fort und führt nun dazu, dass die Bewohner der Barriere, die Magier, nun über die Grenzen ihres Landes ausgreifen und Herrschaftsansprüche auf das restliche Pthor anmelden.

Die Hauptpersonen des Romans

Thamum Gha – Ein Neuankömmling auf Pthor.

Koratzo – Der Stimmenmagier als Meister der Ränke.

Copasallior – Ein Magier, der seinen Meister gefunden hat.

Chirmor Flog – Ein Herrscher ohne Macht.

Balduur, Heimdall und Sigurd

1.

Viele Tage lang hatte eine graue Dämmerung das Land eingehüllt. Jetzt, nachdem die Erschütterungen nachließen und der Himmel unter dem Wölbmantel sich klärte, wurde Pthor vom Licht einer strahlend gelben Sonne überflutet. Milliarden von Knospen öffneten sich in der plötzlichen Helligkeit. Für die Dauer von einigen Stunden verwandelten sich Teile des Landes in ein Blütenmeer.

Die Pracht würde schon bald ein Ende haben. Die Knospen hatten zu lange auf das Licht warten müssen und ihre Kraft verbrauchte sich noch im Erblühen. Die Pthorer wussten das, denn sie hatten es oft genug erlebt.

Früher hatte man den Augenblick, in dem Pthor zum Stillstand kam, in einigen Gegenden zum Anlass genommen, Feste zu feiern. Eine neue Sonne – das bedeutete auch einen neuen Planeten. Sobald die Horden der Nacht brüllend zur Bucht der Zwillinge hinausgestürmt waren und sich an ihr schreckliches Werk begeben hatten, brachen von vielen Küsten aus Pthorer auf, um draußen nach Beute zu suchen.

Diese Zeiten waren vorbei. Die Horden der Nacht existierten nicht mehr. Pthor war zum Stillstand gekommen, dabei aber nicht auf einem Planeten materialisiert. Das Licht der Sonne enthielt bei allem Glanz eine Beimischung von Düsternis und schuf eine unheimliche, bedrohliche Atmosphäre. Wenn man angestrengt gegen das Licht blinzelte, dann konnte man erkennen, dass diese Sonne eine Zone der Dunkelheit in sich einschloss, einen schwarzen Kern.

Alle Sonnen der Schwarzen Galaxis wiesen dieses Kennzeichen auf. Einem aufmerksamen Beobachter allerdings musste es auffallen, dass bei diesem gelben Gestirn der Kern größer war als bei den Sonnen, denen Pthor auf seiner Reise durch diese düstere Sterneninsel bis zu diesem Zeitpunkt nahegekommen war.

Die Magier von Oth, die sich im Tal der Schneeblume versammelt hatten, um über die Aufteilung der Macht über das Land Pthor zu beraten, waren solche aufmerksamen Beobachter. Aus dem, was sie sahen, zogen sie den in ihren Augen einzig logischen Schluss: Pthor war dem Sitz des Dunklen Oheims, der über die Schwarze Galaxis herrschte, um ein gutes Stück näher gekommen.

»Es ist höchste Zeit, dass wir zu einer Entscheidung kommen«, sagte Copasallior vom Rednerfelsen aus zu den Magiern. »Oder wollt ihr zusehen, wie Koratzo die Macht an sich reißt und uns alle betrügt?«

Niemand wollte das. Copasallior nahm zufrieden den Beifall entgegen, der aufklang.

»Wir müssen Koratzo aufhalten«, fuhr Copasallior fort. »Und zwar jetzt, bevor es ihm gelingt, sich mit den nächsten Gesandten des Oheims zu verbünden. Noch gehört ihm die Macht nicht. Wir haben noch eine Chance, ihn zu schlagen.«

»Warum gehst du nicht hin und tust das, was du für nötig hältst?«, rief Ontra herausfordernd.

Der Weltenmagier fasste Ontra scharf ins Auge. Sie war ein besonderer Schützling des Knotenmagiers Glyndiszorn, wie jeder Bewohner der Barriere wusste. Glyndiszorn aber stand in der Rangfolge der Magier an zweiter Stelle, und Copasallior hatte schon des Öfteren den Verdacht gehegt, dass der Knotenmagier gegen ihn intrigierte.

»Ich habe bereits erklärt, dass ich von Koratzo besiegt worden bin«, erwiderte Copasallior unbehaglich. »Ich schäme mich nicht, das einzugestehen. Der Stimmenmagier muss den Verstand verloren haben. Er hält sich nicht mehr an die Regeln, sondern kämpft mit den Mitteln der Antimagie. Er verbündet sich sogar mit Sterblichen!«

»Es müssen mächtige Sterbliche sein, wenn sie selbst mit dir fertig werden konnten«, sagte Ontra spöttisch.

Copasalliors Arme zuckten kurz in die Höhe. Für einen Augenblick schien es, als werde der Weltenmagier die Beherrschung verlieren und Ontra auf seine Weise für ihre vorlauten Bemerkungen bestrafen. Aber Copasallior wagte es nicht, die Magier zu provozieren. Wenn der Weltenmagier noch eine Chance gegen Koratzo bekommen wollte, dann brauchte er die Unterstützung der übrigen Bewohner von Oth. Wenigstens einige von den Mächtigen musste er für sich gewinnen.

»Ehe wir über Koratzo sprechen«, mischte Breckonzorpf sich düster in das Gespräch, »sollten wir uns darüber einigen, wie wir mit Pthor verfahren wollen.«

»Was gibt es da noch zu diskutieren?«, fragte Copasallior ärgerlich. »Ich habe euch meinen Vorschlag unterbreitet. Jeder bekommt sein Revier dort draußen und behält gleichzeitig alles, was ihm hier in der Barriere gehört. Nach einer gewissen Zeit wird der Rat der Mächtigen die einzelnen Reviere überprüfen. Wer sein Gebiet in Ordnung hält, soll es für immer behalten.«

Er wusste natürlich, dass Breckonzorpf und andere, die riesige Reviere ihr eigen nannten, mit dieser Lösung nicht einverstanden sein konnten. Sollten sie sich draußen in Pthor mit einem winzigen Bereich zufriedengeben und es dulden, dass in ihrer Nachbarschaft unbedeutende Leute wie zum Beispiel der Bodenmagier Gofruun oder die kleinen dunklen Männer vom Rand über gleichgroße Reviere herrschten?

Natürlich würde es schon bald große Veränderungen geben. Von den zweihundertundeinundzwanzig Magiern, die es noch in der Barriere gab, waren höchstens fünfzig imstande, über einen längeren Zeitraum hinweg die von Copasallior aufgestellten Bedingungen zu erfüllen.

Leider wollte keiner von diesen fünfzig auch nur mit einem einzigen Magier teilen. Jeder wollte Pthor für sich erobern, jeder verfolgte diesen Plan in größter Heimlichkeit, und ebenso natürlich wussten alle anderen dies.

Unter diesen Umständen zu einer Einigung zu kommen, war so gut wie unmöglich. Copasallior wusste dies um so besser, als er seinen eigenen Traum, ganz Pthor zu beherrschen, keineswegs aufgegeben hatte.

»Welchen Sinn hat es«, so fragte er wütend, »noch weiter über die Aufteilung der Reviere zu sprechen, solange Koratzo in der FESTUNG sitzt und ungestört sein Unwesen treiben darf? Wir können hier beschließen, was immer uns gerade gefällt – solange wir den Stimmenmagier nicht ausgeschaltet haben, werden wir nichts davon in die Tat umsetzen können.«

Er merkte an den teils unwilligen, teils spöttischen Reaktionen seines Publikums, dass die Magier von der Richtigkeit seiner Behauptungen nicht recht überzeugt waren.

»Was werdet ihr mit Koratzo tun, wenn ihr ihn erwischt?«, fragte eine Magierin. Copasallior hielt zunächst Ausschau, und als er erkannte, wer da gesprochen hatte, verschränkte er demonstrativ die Arme vor der Brust.

Islar! Natürlich würde sie für den Stimmenmagier eintreten. Er war ja so ziemlich der einzige gewesen, der ihre Fähigkeiten anerkannt hatte und eine vollwertig Magierin in ihr sah.

»Antworte ihr!«, forderte die Gedankenstimme des Traummagiers Kolviss, als Copasallior allzu lange zögerte.

»Wir werden ihn bestrafen«, meinte Copasallior vage und starrte herausfordernd in die Richtung, in der Islar sich in ihrem Hochsitz verbarg. »Welche Strafe ihn treffen soll, wird der Rat der Mächtigen entscheiden.«

Er erwartete wilden Protest – von Islar, nicht aber von der Seite, von der er tatsächlich kam.

Querllo, Antharia. Haswahu und einige andere Rebellen aus der Tronx-Kette sprangen auf und schwangen die Fäuste.

»Er soll sterben!«, forderte Antharia wütend.

»Das wäre eine Möglichkeit«, meinte Copasallior erfreut. »Ich bin überrascht, diesen Vorschlag gerade von eurer Seite her zu hören.«

»Er hat uns betrogen!«, zischte Haswahu wütend. »Ohne ihn hätte es die Rebellen der Tronx-Kette nie gegeben, und jeder von uns besäße längst seinen Rang und Namen in der Gemeinschaft der Magier. Er wollte uns auch jetzt hintergehen, und bevor wir merkten, was er im Schilde führte, hat er den Bann um Opkul gelegt, damit dieser uns nicht mehr verraten kann, was er in der FESTUNG und in anderen Bereichen Pthors zu sehen vermag. Er hat versucht, den Lichtmagier zu töten, und er hat Parlzassel bestohlen – das Maß ist voll.«

Er sprang auf einen Felsblock und streckte die Arme in die Luft.

»Fällt euer Urteil, Magier!«, schrie er so laut, dass man ihn bis in den letzten Winkel des Tales hören konnte. »Tod dem Stimmenmagier!«

Feine Freunde hast du dir ausgesucht, Koratzo, dachte Copasallior höhnisch. Dann erst kam ihm zu Bewusstsein, was man von ihm verlangen würde, wenn die anderen, den Vorschlag des Luftmagiers annahmen: Einen Magier brachte man nicht einfach um, schon gar nicht zu einer Zeit, in der ohnehin zu wenige Vertreter dieser Zunft in der Barriere hausten. Das Gleichgewicht der Kräfte war überaus empfindlich geworden. Also mussten Koratzos entsprechende Energien aus seinem Körper entfernt und den natürlichen Speichern in den Bergen zugeführt werden. Es war Copasalliors Aufgabe, ein solches Urteil zu vollstrecken. Bei dem Gedanken, man könne ihm die Aufgabe stellen, dem Stimmenmagier die magischen Kräfte zu nehmen, überkam ihm kalte Furcht.

»Wartet noch ein wenig!«, rief er hastig. »Man sollte das Feuer nicht entzünden, ehe man nicht die Beute zur Strecke gebracht hat! Wir sollten ihn zuerst einfangen – alles andere ergibt sich von selbst.«

Es mochte zu einem großen Teil daran liegen, dass die ehemaligen Rebellen sich in den letzten Tagen durch ein außergewöhnlich rüdes Betragen bei allen anderen Magiern unbeliebt gemacht hatten, aber das war im Grund genommen gleichgültig. Entscheidend war allein die Tatsache, dass die Versammlung der Magier Haswahus Forderung zurückwies und sich auf Copasalliors Seite schlug.

Der Weltenmagier störte sich nicht daran, dass ihn die ehemaligen Rebellen feindselig beobachteten. Er wollte gerade die Forderung erheben, dass nunmehr alle Magier, die über entsprechende Fähigkeiten verfügten, zur FESTUNG eilen und die Jagd auf Koratzo eröffnen sollten, da stürzte ein Vogel aus der Höhe herab, breitete wenige Meter über dem Boden die Schwingen aus und landete vor Parlzassels Füßen. Augenblicke später sprang der Tiermagier auf.

»Ein Organschiff ist bei der FESTUNG gelandet!«, rief er zu Copasallior hinüber.

Der Weltenmagier zuckte erschrocken zusammen. Das war es, was er befürchtet hatte. Bei den ersten beiden Aufenthalten in der Schwarzen Galaxis war Pthor erst nach Tagen, beziehungsweise vielen Stunden von den Invasoren heimgesucht worden. Je näher man dem Zentrum der Sterneninsel kam, desto schneller würde alles gehen, denn hier saß der Dunkle Oheim seinen Dienern im Genick.

2.

Koratzo hatte die Hauptpyramide verlassen, sobald er bemerkte, dass ein Organschiff im Anflug war. Dennoch wäre er fast zu spät gekommen, um von Anfang an das große Spektakel verfolgen zu können.

Die Schuld an der Verspätung trugen die drei Odinssöhne.

Nachdem er den Weltenmagier geschlagen und ihn in einem winzigen Augenblick der Unaufmerksamkeit verloren hatte, war ihm die Anwesenheit der drei Männer lästig geworden und er hatte sie in ihr Quartier geschickt, mit dem ausdrücklichen Befehl, dort zu warten, bis er kam und ihnen neue Anweisungen gab.

Kaum aber trat er auf den Vorplatz der Pyramide hinaus, da sah er zu seinem Erstaunen drei Heldengestalten, die geradewegs auf ihn zueilten. Alle drei trugen ihre Rüstungen und Helme, ihre Waffen klirrten hell, und die prächtigen Umhänge flatterten im Wind. Als die Brüder den Magier sahen, warfen sie sich schnelle Blicke zu und bogen dann von ihrem geraden Weg ab, als hofften sie, sich hinter den Büschen und Hecken erfolgreich verbergen zu können.

Koratzos erster Gedanke war, dass ein anderer Magier versuchte, ihm ins Handwerk zu pfuschen. Kolviss zum Beispiel war ihm auf dem Gebiet der Beeinflussung überlegen.

Eine vorsichtige Sondierung der Bewusstseine der Odinssöhne zeigte jedoch, dass keine fremde Magie im Spiel war.

Damit wurde die Angelegenheit noch rätselhafter.

Koratzo setzte sich langsam in Bewegung und folgte den dreien. Mit seinen magischen Sinnen erfasste er nicht nur alles, was seine Opfer miteinander sprachen, sondern auch die Gedanken, die hinter diesen Worten standen.

Sie wollten den Stimmenmagier verraten!

Koratzo blieb sekundenlang stocksteif stehen, so schwer traf ihn der Schock.

Heimdall, Balduur und Sigurd beabsichtigten allen Ernstes, vor den Kommandanten des fremden Schiffes hinzutreten und ihn vor den negativ gewordenen Magiern, speziell vor Koratzo und Copasallior, zu warnen. Sie wollten behaupten, dass diese Magier zwar vorgeben würden, für den Dunklen Oheim und dessen Ziele zu arbeiten, in Wirklichkeit aber nichts anderes beabsichtigten, als Pthor an sich zu reißen und auf eigene Faust zu regieren.

»Na wartet!«, murmelte Koratzo wütend. »Diese Pläne werden euch noch vergehen!«

Wie war es möglich, dass sie sich aus seinem Bann befreit hatten?

Einen Teil der Antwort fand er in ihren Gedanken.

Als offenbar wurde, dass das Raumschiff der Fremden zur FESTUNG kam, da wurden viele Pthorer von entsetzlicher Furcht gepackt. Was die Ankunft des Organschiffs bedeutete, war jedem klar – eine neue Meute von Wesen, die im Dienst des Dunklen Oheims standen, würde das Land in Besitz nehmen, mordend, plündernd und brandschatzend. Wieder würde man Pthorer davonschleppen und sie einem Schicksal ausliefern, von dem niemand in Pthor wusste, wie schrecklich es war.

Die Pthorer reagierten sehr unterschiedlich auf die nahende Gefahr. Viele – Koratzo sah es mit eigenen Augen – zogen teils ängstlich, teils in dumpfer Resignation verharrend, dem Landeplatz entgegen. Sie handelten nach dem Motto, dass es gut war, die Fremden freundlich zu stimmen, und was eignete sich besser dazu, als ihnen einen scheinbar begeisterten Empfang zu bereiten.

Andere Pthorer hatten dieses einfache Prinzip nicht so deutlich begriffen und suchten Zuflucht in den zahllosen Schlupfwinkeln, die es in der FESTUNG gab.

Ein solcher Pthorer, ein Kelotte, dem Copasallior offenbar vor kurzer Zeit einen heillosen Schrecken eingejagt hatte, wählte ausgerechnet das Quartier der drei Odinssöhne zu seinem Versteck und platzte in die trübsinnige Runde hinein. Als er sah, wen er da vor sich hatte, begann er in seiner verzweifelten Angst wild herumzuschreien. Er beschimpfte die drei als Feiglinge und Versager, die es nicht verdient hätten, in irgendeiner Weissagung erwähnt zu werden.

So weit, so gut. Die drei mochten diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. Sie beschlossen, wenigstens einen Versuch zu unternehmen. Gegen den Entschluss an sich war nichts einzuwenden. Dass die drei Männer sich dann aber auch wirklich dazu aufgerafft hatten, das Gebäude zu verlassen und sich auf den Weg zu machen, das stimmte Koratzo bedenklich.

Noch immer folgte er seinen Opfern, nicht allzu schnell, sondern in aller Ruhe, in seine Gedanken und Nachforschungen vertieft. Als er in die Nähe einer freien Fläche gelangte, auf der Technos in kleinen Gruppen beieinander standen und aufgeregt diskutierten, kam Koratzo zu dem Schluss, dass nur ein praktisches Experiment ihm weiterhelfen konnte.

Er würde den drei Brüdern einen Befehl erteilen und sehen, wer sich am längsten gegen ihn wehren konnte. Dass der Befehl, der ihm in den Sinn kam, geeignet war, die Odinssöhne für alle Zeiten zum Gespött der Technos zu machen, kümmerte ihn wenig.

»Werft eure Rüstungen ab und tanzt!«, befahl er.

Beim ersten Mal schickte er nur seine Stimme aus, legte aber keine magische Kraft hinein. Dennoch blieben die drei Männer erschrocken stehen. Unsicher sahen sie sich an und hielten dann Ausschau nach dem Magier, der jedoch noch ein gutes Stück von ihnen entfernt war. Heimdall, dem Copasallior besonders schlimm zugesetzt hatte, nestelte nervös am Verschluss seines Helmes herum. Die anderen hielten seine Arme fest und redeten beruhigend auf ihn ein.

Als Heimdall sich gefangen hatte und alle drei den nächsten Schritt in Richtung auf ihr Ziel taten, gab Koratzo denselben Befehl noch einmal. Diesmal ließ er etwas von jener hypnotischen Kraft in seine Stimme fließen, mit deren Hilfe er einst Bestien aus Kalmlech hatte zähmen können.

Er hatte inzwischen eine Stelle erreicht, von der aus er zwischen blühenden Zweigen hindurch die Odinssöhne beobachten konnte, ohne dass sie ihn zu entdecken vermochten.