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Der Anfang des Jahres 3820 bringt eine einschneidende Veränderung der Machtkonstellation in der Galaxis Manam-Turu. Atlans Hauptgegner, der Erleuchtete, der Alkordoom verließ, um hier, an seinem Ursprungsort, sein Kunstgeschöpf EVOLO zu vollenden, ist nicht mehr. Trotzdem hat sich die Lage in Manam-Turu nicht entspannt. EVOLO ist im Mai 3820 bereits stärker, als der Erleuchtete es jemals war. Welche Gefahr das Psi-Geschöpf darstellt, ist längst bewiesen. Und selbst das zweite Konzil bleibt durch EVOLOS Aktivitäten nicht ungeschoren. Allerdings ist der Ausgang des Machtkampfs um Manam-Turu noch völlig offen. Zu viele unbekannte Faktoren sind im Spiel. Einer davon ist EVOLOS Instabilität, ein anderer die wachsende Feindschaft zwischen Hyptons und Ligriden, ein dritter das Wiederauftauchen von Dschadda-Moi, der alten Herrscherin der Krelquotten, und ein vierter der seltsame Fallensteller, mit dem es sowohl Atlan als auch die Zeitforscher zu tun bekommen. Aus der Raumfalle Askyschon-Nurgh entronnen, setzen der Modulmann und Neithadl-Off die Suche nach den verschwundenen Tessalern fort, während Anima auf Atlans STERNSCHNUPPE überwechselt. Neues Ziel für das Raumschiff des Arkoniden ist die PARADIESWELT SIEBENMOND ...
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Veröffentlichungsjahr: 2012
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Nr. 775
Paradieswelt Siebenmond
Auf dem Planeten der Wahrsager
von Marianne Sydow
Der Anfang des Jahres 3820 bringt eine einschneidende Veränderung der Machtkonstellation in der Galaxis Manam-Turu. Atlans Hauptgegner, der Erleuchtete, der Alkordoom verließ, um hier, an seinem Ursprungsort, sein Kunstgeschöpf EVOLO zu vollenden, ist nicht mehr.
Trotzdem hat sich die Lage in Manam-Turu nicht entspannt. EVOLO ist im Mai 3820 bereits stärker, als der Erleuchtete es jemals war. Welche Gefahr das Psi-Geschöpf darstellt, ist längst bewiesen. Und selbst das zweite Konzil bleibt durch EVOLOS Aktivitäten nicht ungeschoren.
Allerdings ist der Ausgang des Machtkampfs um Manam-Turu noch völlig offen. Zu viele unbekannte Faktoren sind im Spiel. Einer davon ist EVOLOS Instabilität, ein anderer die wachsende Feindschaft zwischen Hyptons und Ligriden, ein dritter das Wiederauftauchen von Dschadda-Moi, der alten Herrscherin der Krelquotten, und ein vierter der seltsame Fallensteller, mit dem es sowohl Atlan als auch die Zeitforscher zu tun bekommen.
Atlan – Der Arkonide zeigt sich als hartnäckiger Skeptiker.
Anima – Sie verlässt die STERNENSEGLER und wechselt zu Atlans Schiff über.
Chipol und Don Quotte – Besatzungsmitglieder der STERNSCHNUPPE.
Jaha, Mulo und Ojujo
»Tuschkar und die von ihm angekündigte Gefahr interessieren mich im Augenblick wenig«, sagte Goman-Largo nüchtern. »Für die Daila auf Aklard gilt dasselbe. Ich will versuchen, den tessalischen Aufklärer wiederzufinden.«
Anima, die sich im Hintergrund hielt, verspürte einen Stich der Ungeduld in sich, und sie zuckte zusammen.
»Das kann ich verstehen«, erwiderte Atlan über Funk, denn das Gespräch wurde im freien Raum zwischen STERNENSEGLER und STERNSCHNUPPE geführt. Anima befand sich in der STERNENSEGLER, bei Goman-Largo und Neithadl-Off.
»Umgekehrt hast du sicher auch Verständnis dafür, dass ich mir wegen der Daila und vor allem wegen EVOLO gewisse Sorgen mache«, fuhr der Arkonide fort. »Ich schlage vor, dass wir uns trennen.«
»Gut«, sagte Goman-Largo in der für ihn typischen, nüchternen Art. Und damit war für ihn eigentlich auch schon alles gesagt.
»Warte!«, rief Anima aus einem Impuls heraus, und sie war plötzlich ganz kribbelig vor Ungeduld. »Warum muss das alles so schnell gehen?«
Goman-Largo sah sie erstaunt an, und sie riss sich zusammen, um ihre Nervosität zu verbergen.
»Es ist nicht leicht, ein verschwundenes Raumschiff zu finden«, gab der Modulmann zu bedenken. »Je länger wir warten, desto schwieriger wird es. Die Zeitgruft auf Tessal ...«
»Was geht mich diese Zeitgruft an!« Goman-Largo fuhr herum, und Neithadl-Off, die gerade irgendwelche Bemerkungen in ihr Aufzeichnungsgerät pfiff, verstummte abrupt.
»Fehlt dir etwas?«, fragte der Modulmann schließlich, denn noch nie hatten sie Anima so heftig und laut sprechen hören.
»Nein«, versicherte sie hastig. »Es ist alles in Ordnung.«
»Vielleicht auch nicht«, vermutete Neithadl-Off nachdenklich. »Diese lange Ohnmacht in der Raumfalle von Askyschon-Nurgh – du solltest dich untersuchen lassen.«
Anima schloss für einen Moment die Augen.
»Nein«, sagte sie ruhig. »Mir fehlt wirklich nichts. Aber ich möchte nicht nach Tessal fliegen. Nicht jetzt.«
»Und warum nicht?«, fragte Goman-Largo.
»Es würde zu viel Zeit kosten, dir das zu erklären«, wich sie aus.
»Es zieht dich zu Atlan«, vermutete Neithadl-Off spöttisch.
Anima nahm das nicht an, obwohl sie diese Möglichkeit nicht ganz ausschließen konnte. Sie wusste selbst nicht genau, was mit ihr los war. Sie wusste nur, dass sie nicht hinter einem tessalischen Schiff herjagen wollte. Aber sie war geistesgegenwärtig genug, um die Bemerkung der Vigpanderin aufzugreifen.
»Du hast Recht«, nickte sie. »Ich möchte zur STERNSCHNUPPE hinüber.«
»Warum hast du das nicht gleich gesagt?«, fragte Goman-Largo verwundert. »Das ist doch schließlich kein Problem.«
»Du bist bei uns willkommen«, versicherte Atlan, der das ganze mitgehört hatte.
Goman-Largo dirigierte die STERNENSEGLER bereits an das andere Schiff heran. Anima sah ihm an, dass er mit seinen Gedanken schon weit weg war. Das Wort »Zeitgruft« hatte die übliche Wirkung auf ihn. Neithadl-Off dagegen schien Anima misstrauisch zu mustern, und als Anima sich schweigend auf den Weg zur Schleuse machte, trabte die Vigpanderin hinter ihr her.
»Willst du wirklich zu Atlan?«, pfiff sie fragend, während Anima in einen Raumanzug stieg.
»Ja«, sagte Anima einsilbig.
»Ich glaube, dass ich dir damit nur eine gute Ausrede geliefert habe«, stellte die Vigpanderin traurig fest. »Ich dachte, wir drei würden zusammenbleiben. Wir sind doch ein gutes Team!«
Anima verspürte den dringenden Wunsch, sich dieses trampolinförmige Wesen samt seinen unbequemen Fragen schleunigst vom Leib zu schaffen, und sie erschrak über die Heftigkeit ihrer Gefühle. Sie ballte im Schutz des Raumanzugs die Fäuste und riss sich zusammen.
»Atlan ist mein Ritter«, erklärte sie sanft – so sanft jedenfalls, wie es ihr in ihrer augenblicklichen Verfassung möglich war. »Seinetwegen habe ich die Galaxis Alkordoom verlassen und mich auf eine fast aussichtslose Suche begeben. Ich bin dir und Goman-Largo für alles dankbar, was ihr für mich getan habt, aber jetzt habe ich das Bedürfnis, in der Nähe meines Ritters zu bleiben. Ich fürchte, dass er meine Hilfe brauchen wird, und ich möchte dann nicht in irgendeiner Zeitgruft festsitzen. Du weißt selbst, mit welchen Schwierigkeiten es mitunter verbunden ist, da wieder herauszukommen!«
Neithadl-Off schwieg.
»Im Übrigen«, fuhr Anima nüchtern fort, »ist das hier doch kein Abschied für immer – und es ist auch nicht das erste Mal, dass wir getrennt agieren.«
»In gewisser Weise schon«, pfiff Neithadl-Off bekümmert. »Was ist mit dir los? Du wirkst so verändert!«
»Ich spüre etwas, das mich beunruhigt«, erklärte Anima. »Es betrifft Atlan. Das ist alles.«
Neithadl-Off hielt die Sensorstäbchen, die ihre Sinnesorgane waren, noch immer auf Anima gerichtet.
»Pass gut auf deinen Modulmann auf«, sagte Anima.
»Das werde ich tun«, pfiff die Vigpanderin traurig.
Sie glaubte Anima immer noch nicht, und Anima wusste das. Sie hätte Neithadl-Off gerne die Wahrheit gesagt – aber sie wusste selbst nicht genau, was sie dazu veranlasst hatte, die STERNENSEGLER zu verlassen.
Vielleicht war es wirklich Sorge um Atlan. Aber sie zweifelte daran. Irgend etwas ging in ihr vor. Es war wichtig – das spürte sie. Wichtiger als eine Reise nach Tessal. Wenn es dort wirklich eine Zeitgruft geben sollte, dann würden Goman-Largo und Neithadl-Off auch alleine mit allen in diesem Zusammenhang auftauchenden Problemen fertig werden. Sie brauchten Anima nicht dazu – zumal sie wenig von den Zeitgrüften und der dort herrschenden Technik verstand.
Aber hier, in diesem Raumsektor, existierte eine andere Herausforderung – das spürte sie. Es war etwas, worum sie sich kümmern musste. Ihr wäre allerdings bedeutend wohler gewesen, wenn sie auch schon herausgefunden hätte, worum es sich bei dieser Herausforderung überhaupt handelte.
*
Anima hatte die STERNSCHNUPPE kaum erreicht, als die STERNENSEGLER bereits beschleunigte. Goman-Largo hatte es offenbar eilig – schon nach wenigen Sekunden war das Raumschiff mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen, weil es im Gewimmel der Sterne verschwand.
Anima seufzte leise und schleuste sich ein.
Sie hätte nicht genau sagen können, wie sie sich ihre Ankunft in der STERNSCHNUPPE vorgestellt hatte, aber sie hatte insgeheim gehofft, dass ihre innere Unruhe sich legen würde, sobald sie sich in dem anderen Schiff befand. Leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht. Sie war immer noch genauso kribbelig wie drüben in der STERNENSEGLER. Es wurde sogar noch schlimmer, wie sie mit Schrecken verspürte.
Vor der Schleuse stand Chipol. Er hatte offenbar auf Anima gewartet, und er sah aus, als freue er sich über das Wiedersehen. Sie fragte sich unwillkürlich, ob er ihr im Auftrag Atlans etwas vorspielte, und gleichzeitig wunderte sie sich über diesen Gedanken. Sie beschloss, derartige Anfälle von Misstrauen in Zukunft energisch zu bekämpfen.
»Ich freue mich, dass du mit uns fliegen willst«, sagte Chipol.
»Warum?«, fragte Anima verwundert.
Chipol verzog das Gesicht.
»Es ist ein bisschen langweilig an Bord«, vertraute er Anima an. »Atlan grübelt nur noch darüber nach, wie er EVOLO beseitigen kann, und mit unserem hochwohlgeborenen Großwesir ist zur Zeit auch nichts anzufangen.«
»Großwesir?«, fragte sie verwundert.
»Ich meine diesen als Krelquotten verkleideten Roboter. Er nennt sich so.«
Anima zog es vor, diese Dinge schweigend zu übergehen. Sie nahm an, dass Chipol den Zyrpher vermisste. Sie wusste, dass Mrothyr sein Leben geopfert hatte, und sie vermutete, dass Chipol das noch nicht ganz überwunden hatte.
»Wo ist Atlan?«, fragte sie.
»Oben, in der Zentrale«, erklärte Chipol. »Er hat es eilig, aus der Nähe der Raumfalle herauszukommen.«
»Er will weg von hier? Wohin?«
»Nach Aklard.«
Anima spürte die plötzliche Angst, die wie eine Flutwelle in ihr aufstieg. Sie durften diesen Raumsektor nicht verlassen – nicht jetzt! Sie mussten ihr Zeit lassen, zuerst diesen heftigen Gefühlen nachzuspüren. Das war wichtig – sie wusste es. Aber sie fragte sich, ob es ihr gelingen würde, das dem nüchternen Arkoniden zu erklären.
»Was ist mit dir los?«, fragte Chipol besorgt. »Du bist plötzlich so blass.«
»Es ist nichts«, wehrte Anima ab. Sie kämpfte die Angst nieder und konzentrierte sich auf das, was um sie war. Sie war bereits ziemlich sicher, dass diese Gefühle von außen kamen – dass jemand sie zu beeinflussen versuchte. Um mehr darüber zu erfahren, würde sie Ruhe brauchen. Aber zuerst musste sie dafür sorgen, dass die STERNSCHNUPPE nicht mit Höchstgeschwindigkeit nach Aklard flog.
»Bring mich zu Atlan«, bat sie so ruhig, wie es ihr möglich war.
Chipol nickte schweigend und ging voran.
Anima kannte die STERNSCHNUPPE bereits, und sie hätte die Zentrale auch ohne Chipols Hilfe gefunden. Aber sie kannte auch Atlan gut genug, um eines zu wissen: Wenn der Arkonide es sich in den Kopf gesetzt hatte, nach Aklard zu fliegen, würde es nicht leicht sein, ihn davon abzubringen, zumal Anima keine konkreten Gründe vorbringen konnte. Instinktiv hoffte sie, dass Chipol ihr helfen werde, wenn es hart auf hart ging.
»Da sind wir«, sagte der junge Daila. »Du willst sicher alleine mit ihm sprechen.«
»Nein, bleib hier!«, bat Anima ihn.
Atlan saß in einem bequemen Sessel und beobachtete einen Bildschirm. Er sah auf, als Anima in die Zentrale kam, und nickte ihr freundlich zu.
»Willkommen an Bord«, sagte er. Dabei stand er auf und kam auf sie zu. Sie beobachtete ihn, und plötzlich tauchte in ihr die Frage auf, als was er sie eigentlich sah.
Als sie sich kennen gelernt hatten, war Anima noch mit Vergalos unglückseligem Vermächtnis behaftet – einer riesigen Masse zusätzlicher Körpermaterie. Atlan hatte sie als ein zwar wandlungsfähiges, dabei aber stets riesenhaftes Wesen kennen gelernt. Sie war ihm in der Gestalt eines Felsens begegnet, ein andermal als Riesenkristall, vor allem aber als lebendes Raumschiff. Ihre jetzige Gestalt war die des jungen Vardi-Mädchens vom Planeten Crowhen, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Fähigkeiten zur Orbiterin des Ritters Hartmann vom Silberstern avanciert war.
Musste er sie nicht für monströs halten?
Sie war noch immer imstande, sich und andere Lebewesen zu verwandeln, denn sie hatte zwar die ihr von Vergalo angehängte zusätzliche Körpermasse verloren, nicht aber ihre Fähigkeiten. Sie war sicher, dass Atlan sich dieser Tatsache bewusst war. Auf Crowhen hatte man ihre ungewöhnlichen Kräfte einem Dämon zugeschrieben, der Besitz vom Körper des Mädchens ergriffen hatte, und man hatte sich vor diesem Dämon gefürchtet – mit gutem Grund, denn der vermeintliche Dämon schützte Anima sehr wirkungsvoll sogar vor den Priestern, die ihn mit Gewalt aus dem Körper des Mädchens vertreiben wollten. Diesem Umstand verdankte Anima ihr Leben. Man hatte wohlweislich darauf verzichtet, sie zu töten, und sie statt dessen »nur« in eine tiefe Schlucht verbannt.
Anima war damals noch ein Kind gewesen, und die abrupte Trennung von Eltern, Geschwistern und Freunden hatte sie einsam und unglücklich gemacht. Sie war im Bewusstsein ihrer Schuld aufgewachsen, und auch die Zeit, die sie mit Hartmann vom Silberstern verbracht hatte, konnte das nicht ungeschehen machen. Sie lernte zwar, ihre Fähigkeiten zu gebrauchen, und sie entdeckte, dass sie nicht nur vernichten, sondern auch heilen konnte, aber tief in ihr schwelte noch immer die Furcht.
Sie lebte noch immer in dem Bewusstsein, dass sie anders war, und sie hatte Angst davor, aufgrund ihrer Andersartigkeit abgelehnt zu werden. Sie empfand ihre besonderen Fähigkeiten nicht als etwas, das ihr Vorteile verschaffte, und sie hatte kein Bedürfnis danach, diese Fähigkeiten einzusetzen. Sie wäre froh gewesen, wenn sie ein Mittel gefunden hätte, durch das sie sich von diesen Kräften befreien konnte.
Atlan reichte ihr die Hand, und sie erwiderte diese Geste. Sie fühlte dabei nichts – nur diese Ungeduld, die nicht aus ihr selbst stammen konnte, war immer noch vorhanden.
Anima musterte die Bildschirme. Sie stellte fest, dass die STERNSCHNUPPE sich zwar bereits im überlichtschnellen Flug befand, sich aber noch immer innerhalb jenes Raumsektors bewegte, zu dem auch die Raumfalle Askyschon-Nurgh gehörte.
»Lass die STERNSCHNUPPE bitte auf Unterlichtgeschwindigkeit zurückgehen«, sagte sie.
»Warum?«, fragte Atlan gelassen. »Wir haben hier nichts mehr verloren.«
»Da wäre ich mir nicht so sicher.«
»Falls du auf die Ereignisse um Tuschkar anspielst – in dieser Beziehung stimme ich Goman-Largo zu. Wir sollten uns sehr davor hüten, diese Angelegenheit zu ernst zu nehmen. Wir haben genug andere Probleme, mit denen wir uns beschäftigen müssen.«
»Ja«, sagte Anima. »Zum Beispiel EVOLO.«
Atlan sah sie nachdenklich an. Er wurde manchmal nicht recht schlau aus ihr. Aber er sagte sich, dass sie manchmal Dinge sah oder hörte, die ihm und den anderen verschlossen blieben, und so beschloss er, ihr nachzugeben.
Er wandte sich mit einem Schulterzucken an das Schiff.
»STERNSCHNUPPE«, sagte er, »zurück auf Unterlicht!«
Das Schiff gehorchte aufs Wort.
»Und was nun?«, fragte Atlan.
»Um zu erfahren, was die Daila uns an Neuigkeiten zu berichten haben, müssen wir nicht unbedingt nach Aklard fliegen«, stellte Anima fest. »Unter Umständen können wir uns einen ganz erheblichen Umweg ersparen, wenn du statt dessen Funkverbindung aufnimmst.«
Er war betroffen, denn sie hatte natürlich Recht. Abgesehen davon war dieser Gedanke so einfach und naheliegend, dass er selbst darauf hätte kommen müssen. Aber er bemühte sich, seine Betroffenheit zu verbergen.
»Dein Wunsch sei mir Befehl«, sagte er spöttisch. »Du scheinst dich bereits wieder ganz gut erholt zu haben!«
Auch Anima hatte Probleme, die sie dem Arkoniden in diesem Augenblick nicht zeigen wollte. Der Stich der Ungeduld war stärker als je zuvor. Sie verspürte das plötzliche Bedürfnis, einfach loszurennen – innerhalb eines Raumschiffs eine ziemlich unvernünftige Regung. Sie musste dieser Sache auf den Grund gehen, und zwar so schnell wie möglich. Sie musste es schon deshalb tun, weil Atlan sich nicht lange mit vagen Andeutungen zufrieden geben würde. Sie musste ihm einen vernünftigen Grund und ein konkretes Ziel nennen.
Die Ungeduld durchfuhr sie wie ein elektrischer Schlag. Sie musste die Fäuste ballen und sich auf die Lippen beißen, um nicht laut aufzuschreien. Sie bemerkte, dass Atlan sie misstrauisch beobachtete.
Mühsam riss sie sich zusammen.
»Sprich mit den Daila«, bat sie. »Wenn wir auf Aklard gebraucht werden, wird die STERNSCHNUPPE uns immer noch schnell genug hinbringen. Außerdem – ist es nicht besser, auch dem Schiff ein wenig Ruhe zu gönnen?«
»Eine kleine Tankpause wäre sehr angenehm«, bemerkte die STERNSCHNUPPE.
»Ich bin offensichtlich überstimmt«, stellte Atlan fest. »Also gut, wir wollen erstmal hören, was die Daila uns zu erzählen haben.«
»Erlaube mir, dass ich mich inzwischen zurückziehe«, sagte Anima, indem sie zu förmlicher Höflichkeit Zuflucht nahm.
Atlan musterte sie nachdenklich.
»Bitte«, murmelte er. »Wie du willst.«
Sie wandte sich hastig ab.
Chipol, der die Unterhaltung schweigend von der Tür aus verfolgt hatte, zeigte Anima eine Kabine, die sie benutzen konnte.
»Wenn du etwas brauchst, dann sage mir Bescheid«, bat er.
Anima nickte ihm zu und schloss die Tür hinter sich.
*
»Hat sie noch etwas gesagt?«, fragte Atlan den jungen Daila, als Chipol in die kleine Kommandozentrale zurückkehrte.
Der Junge schüttelte den Kopf.
»Und vorher, als du sie von der Schleuse abgeholt hast?«
»Auch nicht.«
»Irgend etwas stimmt nicht mit ihr«, murmelte der Arkonide. »Hast du das auch bemerkt?«
»Ich glaube, sie will nicht darüber reden«, meinte Chipol. »Zumindest nicht jetzt. Irgendwann wird sie es sich schon anders überlegen.«
»Das ist nicht sicher«, sagte Atlan. »Sie ist ein merkwürdiges Wesen. Ich weiß nicht einmal, ob das, was wir jetzt sehen, ihre wahre Gestalt ist. Vielleicht glaubt sie selbst, dass sie früher so ausgesehen hat, aber das alles liegt so weit zurück – vielleicht erinnert sie sich gar nicht mehr richtig daran.«
»Sie sieht fast wie eine Daila aus«, bemerkte Chipol.
